Karl May ... im Näheren und Weiteren

  • Aus einem anderen Thread enstanden:


    Quote from Torshavn

    Auch eine Karl May Freundin?


    Quote from Schattenkatze

    Mir wurde Karl May vorgelesen, bevor ich selber lesen konnte und der Schatz im Silbersee war, so wie ich mich erinnere, das erste oder eines der ersten Bücher, das nicht in Schreibschrift gedruckt war, das ich selber gelesen habe. Seit ein oder zwei Jahrzehnten stehe ich seinem Werk etwas kritischer gegenüber (Winnetou war der strahlende Held meiner Kindheit, mittlerweile finde ich zumindest die Figur des Old Shatterhand ziemlich untragbar), aber das eine oder andere wird trotzdem ab und an noch gelesen.
    Brauchen wir auch einen Karl May-Thread?


    Quote from Torshavn

    Das wäre auch eine gute Idee. Winnetou ist Held meiner Kindheit erst als Hörspiel, dann als Film im TV, viel später im Buch. Ich habe in diesem Jahr wieder angefangen mich mit May (100. Todestag) zu beschäftigen, besonders mit seinem Spätwerk. Heute sehe ich ihn auch ganz anders als früher. Aber heute habe ich ein runderes Bild von ihm, gerade auch vom Lyriker.


    Da ist dann der Karl May-Thread. :)


    Mir wurde, wie schon erwähnt, Karl May von meinem Vater vorgelesen (der ihn schon seinerseits als Junge gelesen hatte) und dessen Bücher den Grundstock meiner May-Bibliothek bildeten. Dazu habe ich die Filme geliebt und Hörspiele so einiger der bekannten Werke hatte ich auch (damals als LP, mittlerweile nur noch die Bandaufnahmen, weil irgendwann mal der Schallplattenspieler kaputt war). Aber erst war das Buch.^^
    Ich war übrigens als Kind völlig auf Winnetou fixiert. *g* Die Orient-Romane habe ich verweigert. Mein Vater hatte mich mal zu Durch die Wüste überredet, aber das fand ich so unspannend, dass ich die Folgebände gar nicht gelesen habe - bis heute. Nur Krüger Bei habe ich natürlich gelesen, nachdem mir mein Sandkasten-Freund gesteckt hatte, dass es ein Buch mit Winnetou in der Wüste gab. :lach:
    Und die beiden Szenen, in denen Rih starb und Kara Ben Nemsi auf Syr geritten ist, habe ich mir rausgepinnt, denn pferdegebeistert war ich als Kind ebenfalls. *g*


    Deutlich später, so mit Ende meiner Teenagerjahre, habe ich dann so die ganzen anderen Romane für mich entdeckt, die in Deutschland spielen oder sonst so auf der Welt und sie nach und nach zugelegt, denn die Karl May Sammlung meiner Eltern war zwar groß, aber nicht vollständig (jetzt ist sie es in Bezug auf die Romane aus der grünen Bamberg-Reihe). Dann kam eine große Karl May-Pause, weil ich einfach festgestellt hatte, dass Mays amerikanischer Westen sogar nichts mit dem tatsächlichen zu tun hatte und ich aus der großen Winnetou-Liebe doch ziemlich (wenn auch nie völlig) rausgewachsen war.
    Vor etwa 10 Jahren hatte ich dann noch mal zum Schatz im Silbersee gegriffen und war nachgerade entsetzt, wie link (nicht listig) der doch sonst immer so sturzehrliche Old Shatterhand da vorging.
    Vor vier Jahren hatte ich dann spontan ein Revival und habe im ich durch die Höhen und Tiefen der Familie Greifenklau durchgelesen und ein paar andere Romane. Hat mir grundsätzlich gut gefallen, deshalb waren es insgesamt auch so einige.


    Es waren aber auch Old Surehand I und II dabei. Davon abgesehen, dass es faszinierend war, diese beiden Bücher zu lesen und dabei die Stimmen vom Hörspiel, die ich vor weit über 20 Jahren zum letzten Mal gehört hatte, immer an entsprechenden Stellen plötzlich im Ohr zu haben, hat mich Mays Alter Ego Shatterhand zutiefst genervt, weil er immer so unglaublich recht hatte, jede seiner Ahnungen, Schlussfolgerungen und Annahmen waren einfach richtig waren und überhaupt machte er nie einen Fehler. Wenn er und Winnetou sich mal uneins waren, war es absolut sicher, dass Shatterhand recht hatte. Er ist einfach zu rundum perfekt und solche Figuren finde ich mittlerweile langweilig bis anstrengend.


    So sehr es auch ausgerechnet die Amerika-Romane waren, die mich erst zu Karl May gebracht und so lange dort gehalten haben, so sind es jetzt die, zu denen ich noch am wenigsten Zugang habe. Das ist irgendwie bedauerlich, denn ich erinnere mich noch zu genau daran, wie sehr ich das Kind geliebt habe und die Bücher immer wieder gelesen hatte.


    A propos Karl May-Jahr: Es ist von einem unbekannten Autoren (es erschien unter einem May'schen-artigen Synonym) in diesem Jahr Hadschi Halef Omar im Wilden Western erschienen. Ich hatte (natürlich - es spielt schließlich Winnetou mit *gg*) nicht widerstehen können, es mir zu kaufen. Stilistisch muss ich sagen, dass ich wirklich oft das Gefühl hatte: Ja, hier lese ich May. Auch die obligatorischen May'schen Archetypen tauchten auf.
    Interessant war, dass Halef und Winnetou sich erstmals begegnen. Aber die ersten 100-irgendwas Seiten kamen mir extrem überflüssig vor, denn sie erzählen, warum Halef nach Amerika aufbricht, um seinen Sidi zu suchen. Dann stößt er erst wieder gegen Ende des Buches dazu und die ganze Handlung hat eigentlich (fast) nichts mit den Ereignissen in Arabien zu tun. Das Ende und der ganze Aufbau schreien nach einer Fortsetzung, in der dann wohl die ganze Sache wieder aufgenommen wird und es bleibt zu wünschen, dass es so etwas geben wird, denn so als Einzelband fragt man sich am Ende: Und jetzt?

  • Ich habe Karl May nie selber gelesen, aber ich habe als Kind die ganzen Filme verschlungen und wir wahren jedes Jahr in Elspe bei den Karl May Festspielen. Dort habe ich dem echten Pierre Brice sprich Winnetou him self auch mal die Hand gedrückt.Was war ich stolz...
    Als Kind Western live erleben, war schon geil! Übrigens mein erstes Karl May erlebnis war auch Der Schatz im Silbersee.
    In Bad Segeberg waren wir auch hin und wieder. Aber die waren seiner Zeit technisch nicht so ausgereift.

    Rechtschreibfehler sind volle Absicht und dienen zur algemeinen Erheiterung.

  • Quote

    aber ich habe als Kind die ganzen Filme verschlungen und wir wahren jedes Jahr in Elspe bei den Karl May Festspielen. Dort habe ich dem echten Pierre Brice sprich Winnetou him self auch mal die Hand gedrückt.Was war ich stolz...


    Wir sind auch oft nach Elspe gefahren, als ich knapp 8 war, das erste Mal. Pierre Brice habe ich da auch mehrmals gesehen, aber dass Du ihm die Hand geschüttelt hast, darum beneeeeeiiiideee ich Dich! :) Ich habe nur eine Postkarte mit dem auch nur aufgedruckten Autogramm.^^
    In Bas Segeberg war ich nie, habe nur einmal eine Übertragung im TV gesehen, aber die Bühne ist im Vergleich zu der Elspe viel weniger schön, finde ich.

  • Das ich den Herrn Brice persönlich getroffen habe lag auch nur dadran das er bei meinem Onkel im Möbelhaus ein Schlafzimmer (oder war es eine Küche?) gekauft hat.
    Aber stolz waren wir trozdem ;)
    In Bad Sägeberg war Damals Schittwetter und der Sound war kacke. Die hatten über der Bühne mehrere Kabel gepannt an denen Mikrophone runter hingen. War eher suboptimal.


    Ich glaube wenn meine Tochter soweit ist fahren wir auch wieder in den Sauerländer-Westen, ins Elpe-Vally ;)

    Rechtschreibfehler sind volle Absicht und dienen zur algemeinen Erheiterung.

  • Danke für den Thread, Schattenkatze.


    Beneidenswert. Ihr wart beide schon in Elspe. Da habe ich es zu Pierre Brice- Zeiten nie hingeschafft. Meine Eltern waren keine Karl May Freunde. Also kam Elspe nie als Ausflugsziel in Frage. Jetzt da Pierre im Ruhestand ist, ist es mir auch keine Reise mehr wert. Für mich war und ist er der einzige Winnetou- Darsteller. Und Du hast ihm sogar die Hand geschüttelt Karik.


    Meine erste Karl May Leseerfahrung war Winnetou 1- 3, eine billige vom Originalverlag genehmigte Sonderausgabe, die ich immer noch in meinem Bücherregal stehen habe. Woran ich mich im Rückblick besonders erinnere, ist ein sehr zorniges Gefühl, weil der Text von Karl May nicht mit den Filmen übereinstimmt. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich akzeptieren konnte, das das Buch das Original war und nicht die Filme, von denen ich sehr sehr eingenommen war. Ich schaue sie heute noch gerne. Es ist kein Weihnachten, wenn kein Karl May im Fernsehen läuft.
    Dann habe ich alle "Western" aus Mays Feder gelesen. Sein Indianerbild hat mich lange Zeit geprägt. Auch noch, als ich längst angefangen hatte andere Western zu schauen. Heute sehe ich den Autor eher als heren Idealisten, packenden Abenteuerschriftsteller und großen Phantasten. Ohne ihn hätte ich mich nie mit der Geschichten des amerikanischen Wilden Westens beschäftigt.


    Im 100. Todesjahr habe ich mich das erste Mal ernsthaft mit der Biographie Mays (Christian Moser: Karl May, die ganze Wahrheit; Helmut Schmiedt: Karl May oder die Macht der Phantasie) und seinen Selbstdarstellungen auseinandergesetzt und mit seinem Christentum (sehr aufschlußreich von Rainer Buck 'Der Winnetou- Autor und der christliche Glaube').
    Derzeit lese ich 'Winnetous Erben'. Ardistan wartet schon.
    Und wie so oft bei mir, habe ich mich May auch über die Kunst genähert (Briefwechsel mit dem symbolistischen Maler Sascha Schneider).
    Schade das einem so oft die Zeit zur noch intensiveren Auseinandersetzung fehlt.

  • Quote

    Heute sehe ich den Autor eher als heren Idealisten, packenden Abenteuerschriftsteller und großen Phantasten. Ohne ihn hätte ich mich nie mit der Geschichten des amerikanischen Wilden Westens beschäftigt.


    Das gilt so richtig 100% auch für mich. Nur aus meiner Begeisterung für Winnetou und Mays Nordamerika-Romanen ist es zu verdanken, dass ich zu den Western fand (Film wie Literatur) und zu meinem Interesse für amerikanische Geschichte.
    Das wiederum führte dazu, dass ich feststellte, dass er trotz aller wirklich bewunderungswürdigen Recherche (gerade auch, wenn man die damaligen Möglichkeiten dazu bedenkt) doch in vielen, sehr vielen, Aspekten an der Realität vorbei schrieb. Aber seinen Anfang nahm es dort und dafür werde ich immer dankbar sein und gerne daran zurückdenken, wie aufgeregt ich schon am Morgen war, wenn abends ein Winnetou-Film lief und wie oft ich immer wieder die verschiedenen Romane mit damals nie schwindender Begeisterung und Hingabe las.
    Und auch sonst hat mich als Kind der Idealismus, wohl weniger der Glaube in dieser Reinkultur, und die große Bedeutung von Ehrlichkeit, Wort halten, Gerechtigkeit beeinflusst ... zweifellos auch einer der Eckpfeiler meiner mittlerweile so geschätzten Rondrianerinnen, was ihren Idealismus, Glauben, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Einsatz für andere angeht.


    Pierre Brice ritt zuletzt 1986 über die Elsper Bühne und seit dem war ich noch oft dort (notgedrungen, das war ja erst mein 5. Besuch dort, glaube ich - es war natürlich Winnetou III. Dieses Jahr war ich nach ein paar wenigen Jahren Pause wieder dort). Natürlich war kein Darsteller als Winnetou mit diesem Mythos und Bedeutung ausgestattet (für mich), aber das ist dann irgendwo auch der Nostalgie-Wert, und machte das Gesamtergebnis ohne ihn nun nicht so riesig viel schlechter oder unattraktiver und es war nicht das einzige, was mich hinzog (die Bühne ist wirklich gut angelegt und genutzt und die Reit-Stunts und die Explosionen waren für mich schon als Kind das Beste nach Winnetou *g*).


    Die Verfilmungen beruhen nun bestenfalls auf dem Grundgerüst der Romane, die sind ja echte Reiseromane und deutlich komplexer und länger, als es die Filme sein könnten. Dazu wurden die Schwerpunkte verlegt, während ein Spurenlesen im Roman mit aller Ausführlichkeit daher kommt, kann man das im Film nicht machen, wenn man die Zuschauer nicht einschläfern möchte, wenn sie da mit der Nase über Boden wandeln und die Kamera auf niedergedrücktes Gras hielte. Dazu haben die Filme immer den europäischen Western-Flair, den die Romane nicht haben (Cowboyhüte, Revolverholster, manchmal sogar das sich gegenüber stehen mit der Hand am Holster, oder sogar einen Sheriff) und nehme daher schon optisch einen etwas anderen Weg.


    Allerdings habe ich nicht einmal mehr die kleinste Erinnerung daran, wie ich nach meinem ersten Film dachte im Vergleich zu den Romanen (oder womöglich auch doch umgekehrt, ich kann es, bei einigem Nachdenken, nicht mehr sagen, denke aber, zuerst hat mir mein Vater was vorgelesen).
    Ich weiß, dass ich beides aufrichtig geliebt habe trotz aller Unterschiede.


    A propos frühe Erinnerungen: Es begab sich, dass im etwa geschätzt mittleren Grundschulalter mir mein Vater gerade Das Buschgespenst vorlas. Darin wird ja eine der Hauptfiguren von ihrem Galan "Engelchen" genannt.
    Für eine kleine ambulante Operation musste ich ins Krankenhaus. Kommt mir der Arzt entgegen und nannte mich - "Engelchen". :elfzaubert

  • Quote

    ich zu den Western fand (Film wie Literatur)

    Du liest also auch Western Schattenkatze. Das ist ja heute ein bißchen schwierig geworden. Heyne verlegt keine Western mehr, die G.F. Unger TB- Reihe ist eingestellt. Der Western scheint in Deutschland nur noch im Heftroman zu existieren.
    Vor gut zwei Jahren habe ich zwei Kleinverlage (Mohlberg; Persimplex) für mich entdeckt, die beide historische Western verlegen.
    Eine Reihe hat es mir besonders angetan, Alfred Wallons Rio Concho, eine Serie um die weitverzweigte Familie Calhoun. Kennst Du sie? Was liest Du denn so im Westerngenre? (Vielleicht brauchen wir auch dafür einen Thread).



    Die Realität war mir bei May nie so wichtig, auch heute nicht. Obwohl ich die Hintergrundarbeit, die er in seine Romane gesteckt hat bewundere.
    Es war auch bei mir immer der große Idealismus der seine Figuren so liebenswert machte. Das waren und sind Werte nach denen man sein Leben ausrichten kann, auch heute noch.
    Man hat das Gefühl, May hat sein Leben lang gegen seine "dunkle" unehrliche Vergangenheit angeschrieben. Schade das es von seinem letzten großen Vortrag in Wien nur ein kleines Arbeitsmanuskript und die Aussagen seiner Frau gibt. Gerne würde ich einmal den ganzen Text seiner Rede 'Hinauf ins Reich der Edelmenschen' lesen.

  • Ich finde das die Karl May Romane auch nicht wirklich realistisch sein müssen. Auch wenn ich als Kind dachte das ist so, sehe ich es heute als einfache Unterhaltungsgeschischten (mit Kultfaktor).
    Ihr wist ja auch das die Winnetou-Geschichrn eher Fiktion sind. Un wenn Ihr Interesse an genau die Fiktion habt die dann noch auf die Spitze getrieben ist, empfehle ich Euch "Winetou unter Werwölfen" erschienen im Pieper-Verlag. Herlich schräg und amüsant.
    Aber kommen wir wieder zu den Richtigen Winetou-Geschichten. Meine lieblings Version ist immernoch "Ja Uff erstmal! - Winnetou unter Comedy-Geiern". Richtig Genial! Lief mal im WDR-Fernsehn und gibt es als Hörspiel. Mitwirkende sind: Jügen von der Lippe, Rüdiger Hoffmann, Uwe Lyko alias Herbert Knebel,
    Mike Krüger, Bernd Stelter, Dirk Bach, Hella von Sinnen, Bastian
    Pastewka, Frank Zander, Till Hoheneder alias Till und Andreas Obering
    alias Obel. Sehr Lustig!

    Rechtschreibfehler sind volle Absicht und dienen zur algemeinen Erheiterung.

  • Quote

    empfehle ich Euch "Winetou unter Werwölfen" erschienen im Pieper-Verlag. Herlich schräg und amüsant.


    Hihihi, ja. Den hatte ich ruck-zuck durch gelesen und mich dabei vor lachen nur ununterbrochen weggekringelt. Der ist wirklich sooo schön gemacht. :lol2: Man sollte dazu Winnetou I kennen und irgendwie so halbwegs auf dem Schirm haben, dann kommt es besser. Es ist eine sehr lustige und durchaus liebevoll gemachte (finde ich) Parodie.
    Und wenn man schon dabei ist: Als überzeugter Winnetou-Fan aus der Kindheit, und ganz bin ich es nun mal nicht los geworden, finde ich Der Schuh des Manitou auch lustig und keineswegs abwertend, eher im Gegenteil, ich verstehe es durchaus als augenzwinkernde Hommage.


    Quote

    Meine lieblings Version ist immernoch "Ja Uff erstmal! - Winnetou unter Comedy-Geiern". Richtig Genial! Lief mal im WDR-Fernsehn und gibt es als Hörspiel.


    Kenne ich gar nicht, muss ich mich mal nach umtun.
    Ich kenne meine alten Hörspiele (hm, von Europa, die mit den Covern von Bad Segeberg-Spielszenen, teilt mir gerade die Internetrecherche mit) und habe mir dieses Jahr - es ist ja Karl May-Jahr - die Große Karl May Hörspiel Edition gekauft. Ganze 27 CD, verschiedenen Romanumsetzungen vor allem mit Winnetou, aber auch Kapitän Kaiman, Durch die Wüste und das Vermächtnis des Inka, dazu die Hörspielfassung der Serie Mein Freund Winnetou.
    Leider habe ich beim hören festgestellt, das, gleich wie großartig die Bewertung war, meine alten Europa-Hörspiele, soweit ich sie noch im Ohr hatte (ziemlich :lol2: ) doch von der Umsetzung und Aufmachung her besser gefallen (oder ich sie wenigstens als besser in Erinnerung habe).


    Oh, und Mein Freund Winnetou gibt es auch auf DVD und das wurde mit einer Freundin gleich an einem Nachmittag durchgeschaut.
    Ist zwar nicht Karl May, aber mir gefällt Pierre Brice' Winnetou-Umsetzung und sein Versuch, die Indianer realistischer darzustellen und sich sich so für sie einzusetzen.


    Mittlerweile weiß ich ja, dass May nicht so recht realistisch geschrieben hat. Da ich mich aber dafür interessiere, finde ich das schon etwas bedauerlich, denn es war womöglich mit ein Grund für die Distanzierung für mich (im Sinne von weiger engen Bezug zu haben), ist aber nicht der Grund, weshalb ich das weniger lese. Wie erwähnt: Old Shatterhand geht bei mir gar nicht mehr. Er ist zu perfekt und makellos. Daher halte ich mich mittlerweile lieber an seine - ausreichend vorhandenen - anderen Romane und erfreue mich dran. :)

  • Was mich bei Karl May etwas stört ist das er zu seiner Zeit die Leute verarschen wollte(hat). Das er das ALLES erlebt hat, es wären mehr oder weniger Reise berichte, er sein Old Shatterhand/ Kara Ben Nemsi (oder wie man das schreibt), das er über 1000 Sprachen und Dialekte könne und so weiter und so weiter...

    Rechtschreibfehler sind volle Absicht und dienen zur algemeinen Erheiterung.

  • Er war ein Mensch mit sehr viel Fantasie, vermutlich auch Sehnsucht nach der großen weiteren Welt, wollte womöglich tatsächlich raus aus seinem bisherigen Leben und der besagten nicht so positiven Vergangenheit ... und haben wir Rollenspieler nicht auch alle so so eine Ader mit unseren verschiedenen und heldenhaften Charakteren?
    Aber er hat sich da wirklich arg hinein versetzt und das hat ihm ja auch Probleme bereitet, als er sich da immer weiter in seine Lügen und Selbstdarstellungen und daraus resultierenden Widersprüchen verfranst hat, auch wenn er es ja nicht böse meinte oder das sich gegen andere richtete, also er weniger andere Leute in dem Sinne anlügen wollte, sondern einfach wohl eine Wunsch-Vorstellung von sich selber war (so meine Annahme, so ganz tief bin ich in den Hintergründen nicht drin).
    Das wiederum nehme ich ihm etwa keineswegs krumm, als Kind habe ich es nicht gewusst, bzw. es hat mir nichts bedeutet und heute weiß ich, dass es halt so war. Er war so betrachtet sicherlich nicht so ehrlich, wie er immer vorgab und deren Wichtigkeit er betonte, aber ich denke, es ging eher um sein Selbstbild und weniger darum, vorsätzlich andere zu verschaukeln und zu sehen, wie gut er damit durchkommt.
    Wenn hier sich mit der Materie besser vertraut ist und mehr dazu äußern kann: Mich interessiert es.


    EDOT: Torshav: Ich habe es tatsächlich gewagt, einen Thread zu Western-Romanen aufzumachen.^^

  • Ja auch ich war Karl-May-Leser. Zwischen 8 und 12 Jahren las ich alles, was ich dazu in die Finger kriegen konnte. Und da war ich völlig von der Pfarrbibliothek abhängig, die nur sonntags nach der Kirche geöffnet hatte und es keine Vorbestellung gab.
    Mein erstes war: Shurehand II. An Winnetou kam man nicht ran, die Älteren haben das unter sich weitergegeben. Dann hatte ein finanziell besser gestellter Freund einige Bücher geschenkt bekommen und der hat geholfen. Dann saß ich immer in unserer Küche im Sessel und hielt während des Lesens den Spielzeugrevolver in der Hand, man weiß ja nie.......Und dann stand ich nicht eher auf, bis das Buch zu Ende war oder man mich ins Bett schickte. Ich muss dazusagen, dass wir keinen Fernseher hatten, was ich damals allerdings sehr bedauerte.


    Im Gymnasium haben sie dann versucht, den May durch einen Lektürevergleich mies zu machen, indem man Stilproben vergleichen und feststellen sollte, dass seine Sprache einfach, ungenau und nicht treffend sei. Das brachte mich jedoch nicht davon ab, ihn weiter zu konsumieren.


    Ja klar ist Shatterhand der Übertyp, der alles richtig macht, aber das muss ein Held ja auch. Als Kind willst du keine gebrochenen Charaktere haben, da sollte schon alles ins Gut-Böse Schema passen. Mit dem Alter wird das anders.......



    Macht Spaß daran zu denken. Das war s erst mal für heute.

    Wir mischen uns , da `n bisschen ein - so soll es sein , so wird es sein .

  • Schattenkatze, so wie Du es beschrieben hast, warum er so gehandelt hat, habe ich es noch garncht betrachtet. Ich muss gestehen so sehr habe ich mich mit Karl May dann auch nicht beschäfftigt das ich irgendwo aufgeschnappt habe warum er so war, bzw. so handelte. Vielleicht war es wirklich eine art flucht. Wer weiß wer weiß?!
    Aufjedenfall hast Du recht das wir Rollenspieler auch sehnsucht nach einer anderen Welt. Wenn ich aber daran denke so zuwerden wie mein Thorwaler... oh oh.


    HathumiDreikorn (lustiger Name, wie kommst Du darauf?), Dir muss ich aufjedenfall auch zustimmen das es für Kinder schon sehr wichtig ist im klassischen Gut- und Böseschema soetwas zu erleben. Da hat Karl May (warscheinlich eher unwissent) richtig klasse was auf die Beine gestellt.

    Rechtschreibfehler sind volle Absicht und dienen zur algemeinen Erheiterung.

  • Quote

    Im Gymnasium haben sie dann versucht, den May durch einen Lektürevergleich mies zu machen, indem man Stilproben vergleichen und feststellen sollte, dass seine Sprache einfach, ungenau und nicht treffend sei.


    Tatsächlich? Man kann May ja eine Menge vorwerfen, ich dachter, zumindest seine Fabulierkunst stünde außer Frage.
    Auch wenn er natürlich eine Vorliebe für gewisse Archetypen hat. Es ist durchaus so, kennt man einen, kennt man alle, aber dann wiederum hat ja beispielsweise gerade der lustige Dicke, (oft, nicht immer) mit seinem besten Freund, dem hageren, wortfaulen Dürren den Wiedererkennungswert, über den man sich freut.


    Und ja, gerade als Kind war das Gut-Böse-Schema natürlich maßgeblich. Nur mit dem Alter bin ich da etwas differenzierter geworden und mag auch schon mal Ecken und Kanten, die allerdings immer noch eine Gut-Böse-Trennung beinhalten können, nur das die Figuren weniger rundum perfekt sind. Aber ja, als Kind fand ich es genau richtig.^^

  • Ich bin gerade wieder einmal mein stark erweitertes Karl May Regal durchgegangen, ja 2012 das Jubiläumsjahr hat seine Spuren hinterlassen. Hängen geblieben bin ich an Christian Mosers genialer, weil sehr humorvoll, voller Augenzwinkern geschriebener Biographie 'Karl May, die ganze Wahrheit'. Angereichert mit vielen großartigen Zeichnungen des Autors wird Mays Leben und das seiner Figuren aus der Perspektive von Mays Alter Ego Old Shatterhand erzählt. Da kommt inhaltlich fundiertes sehr charmant vorgetragen daher. Das Lesen macht sehr viel Spaß.

  • Dann bekenne ich mich auch mal als Karl-May-Fan. Habe die Bücher in meiner Kindheit geliebt, wobei ich selber aber nur zwei hatte, "Der Ölprinz" und "Das Vermächtnis der Inka". Die anderen, die ich so gelesen habe, waren von Verwandten ausgeliehen. Das Ergebnis war dann, dass ich die Bücher so gut wie nie in der richtigen Reihenfolge gelesen hatte, weil selten ein Verwandter alle Bände einer Reihe hatte (u.a. deswegen, weil die Verwandtschaft selber schon in ihrer Kindheit die Bücher untereinader ausgetauscht hat) und es mich zum anderen auch nicht wirklich gekümmert hat, hatte auch so meine Freude an den Romanen.


    Irgendwann ist die Begeisterung abgeflaut, wenn auch nie endgültig, die beiden Romane die ich selber hatte, habe ich immer wieder mal gelesen. Neu entfacht wurde sie dann, als mir einen Kindle angeschafft habe. Habe da dann mal irgendwann spaßeshalber nach Karl May gesucht und mir dann mal den ersten Teil des Orientzyklus' runtergeladen (von welchem ich in meiner Kindheit nur den dritten und den sechsten Teil gelesen hatte). Als ich den durch hatte, habe ich mir dann gleich mal die anderen Teil auch runtergeladen und gelesen und mich dann direkt im Anschluss "Im Lande des Mahdi" (von dem ich anno dazumal den zweiten Band gelesen hatte).


    Seitdem komme ich lektüremäßig immer wieder auf Karl May zurück... und bin immer wieder überrascht, wenn ich einzelne Szenen wiederkenne, wieviele ich von den Büchern doch früher gelesen hatte. Auch bei meiner aktuellen Lektüre, "Die Liebe des Ulanen", kann ich mich erinnern, dass ich sie kurz in Händen hatte. Allerdings meine ich mich zu erinnern, dass ich sie nicht sehr weit gelesen habe, nur soweit, bis für mich feststand, dass weder Araber (wobei ich da einfach nicht weit genug gelesen hatte) noch Indianer darin vorkommen, was für mich eine herbe Enttäuschung darstellte. :lach:

  • Oh fein, noch ein alter May-Leser. :)


    Ich hatte zum Glück Zugriff auf einen Großteil der Bücher ... wollte sie als Kind aber gar nicht alle lesen, habe aber die, die ich lesen wollte, immer wieder gelesen.


    Quote

    dass weder Araber (wobei ich da einfach nicht weit genug gelesen hatte) noch Indianer darin vorkommen, was für mich eine herbe Enttäuschung darstellte. :lach:

    Ich war noch restriktierter als Kind: kam Winnetou nicht drin, war es gleich uninteressant für mich. *g* Zumindest weitestgehend, ein paar wenige Ausnahmen gab es.
    Mit den Orient-Sachen habe ich mich nie anfreunden könne, aber mit den übrigen Romane,, gerade jenen, die in Deutschland angesiedelt waren, habe ich mich dann in späteren Jahren um so mehr anfreunden können.

  • Super, jetzt entdecke ich den Thread hier auch mal!


    Ich habe bis vor 2-3 Jahren fast nur Karl May gelesen, danach isr dass ein bisschen abgeflaut, obwohl ich die Bücher immernoch gut finde.


    Die Wildwest-Romane finde ich weit besser als alle anderen, obwohl ich "Von Bagdad nach Stambul", "Durchs wilde Kurdistan" und "Der Schut" am häufigsten gelesen habe. (Das waren die einzigen Bücher, die ich auf einer viereinhalb Monate langen Australienreise mithatte.)


    Ziemlich schlecht finde ich die in Deutschland und Umgebung spielenden Bücher. Die sind einfach nur langweilig.


    Ich bin auch immernoch Karl-May-Sammler. Mittlerweile sind es (einige doppelt vorhandene mitgezählt) schon über 80 Bücher.




    P.S: Anfangs habe ichg sogar geglaubt, er hätte das wirklich erlebt! Bis ich meinen Vater dann mal gefragt habe, warum May in seinen Erzählungern so gut wie garnicht altert...


    "Die Wissenschaft hat keine moralische Dimension. Sie ist wie ein Messer. Wenn man sie einem Chirurgen oder Mörder gibt, gebraucht sie jeder auf seine Weise." - Wernher v. Braun


    #hexenfanclub

  • Karl May hat mich zum Schnellleser gemacht. Ich bin mir gar nicht mehr sicher welches der allererste Karl May war (einer ausm wilden Westen), aber kurz danach hab ich mit meiner Mutter in der Bücherei immer so ca. 20 Bücher pro Monat ausgeliehen. Und die ersten aus der "Ich lese jeden Tag ein Buch"-Ära waren Karl May und die drei ???.


    Ich erinnere mich noch daran dass mir immer nie jemand glauben wollte dass ich in den letzten 2 h nen ganzen Karl May gelesen hab - bis ich dann die Geschichte immer ziemlich detailliert nacherzählt habe.


    Inzwischen hab ich ne bisschen objektivere Sichtweise auf die Darstellung der Figuren (da schließ ich mich Schatti an was link/listig der Helden betrifft und generell sind sie omnipotent), aber trotzem bin ich ein Fan von Karl May. Immerhin hat er es spielend geschafft, mich zum begeisterten Leser von so ziemlich Vielem zu machen.


    Aus reiner Nostalgie liegen die Western-Bände dabei vor den Orientbänden und irgendwo dahinter kommen Greifenklau & Co.

    Gelegenheits-Ork


  • In zwei Stunden einen May kann ich jedes Mal aufs Neue fast auch nicht glauben. Ich rechne mich auch als schnelle Leserin, aber im Vergleich dazu bin ich 'ne Schnecke. :lach:
    Aber von den drei ??? kann ich auch mehrere am Tag lesen, die haben ja nicht viele Seiten. *gg*


    Karl May hat mich Kind immens beeinflusst und ein paar der Dinge halten bis heute nach. Auch wenn ich weiß, dass es erfunden ist (warum auch nicht - das tun alle Autoren, auch wenn er tatsächlich Anspruch nahm, es sei all das wirklich geschehen), immens mit Archetypen gearbeitet wird, die heutzutage wirklich nicht mehr immer vertretbar sind, sein Alter Ego Old Shatterhand für mich eine der größten Landplagen in Sachen "absolut unantastbar" ist ... ich bin damit aufgewachsen und kann es mir aus meiner Kindheit in vielerlei Hinsicht gar nicht wegdenken, geschweige denn, dass ich es möchte (unter anderem habe ich nur Karl May meine Liebe zum Western (den guten^^), amerikanischen Geschichte und der Landschaft des südamerikanischen Westens zu verdanken).
    Und dass er angesichts seiner Zeit und seiner Möglichkeiten sich bestmöglichst über die Orte und Gepflogenheiten informiert hat, finde ich gut (auch wenn es vieles trotzdem nicht stimmt, aber damals gab es keine Wiki und Google Earth oder internationale Buchbestellungen).


    Quote

    Ziemlich schlecht finde ich die in Deutschland und Umgebung spielenden Bücher. Die sind einfach nur langweilig.


    Das habe ich in Deinem Alter weitestgehend auch gedacht. :lol2: Das Buschgespenst war okay, als ich 7 oder 8 war, hat mein Vater mir das durchgelesen (s. meine Erinnerung daran in einem der oberen Beiträge von mir). Aber die überhaupt nennenswert erst mal gelesen habe ich erst deutlich später, dafür dann die im Laufe der Zeit meist aber auch mal später noch mal in der zweiten Runde, weil die dann doch etwas anders waren als die im amerikanischen Westen.
    Nur die Winnetou-Romane, die kann ich nur noch mit Vorsicht genießen, wegen Mr. Shatterhand.^^ Und ich will schließlich meine perfekten Erinnerungen daran wahren. :angel:


    Quote

    (Das waren die einzigen Bücher, die ich auf einer viereinhalb Monate langen Australienreise mithatte.)


    So wenig Bücher nur auf eine so lange Reise ... Boah, gewagt.^^
    Obwohl, so als Elfjährige hatte ich mal Der Schatz im Silbersee mit auf einer dreiwöchigen Italienreise, ich meine das Buh hat zusammen mit ein paar Comics recht gut gereicht (glaube ich - ist schon das eine oder andere Jahrzehnt her^^). Damals habe ich noch nicht so schnell gelesen.


    Aber nee, Orient ... Krüger Bei war okay, Durch die Wüste brachte es für mich nicht, Rihs Tod war natürlich total traurig und Syr total interessant und mehr musste ich nicht kennen. :lach: