Irdische Anleihen und Vorbilder bei DSA

  • zakkarus

    Du findest externe Bezüge doof und ignorierst sie... okay. Habe ich schon vor mehreren Posts registriert. Dafür brauchst du auch keine Erlaubnis, und von mir sowieso nicht.

    Aber wie wird daraus jetzt ein Argument? Und vor allem: Für oder gegen was eigentlich? Was möchtest du stützen oder widerlegen? Worüber reden wir hier eigentlich?!

  • weltanschauer

    Ich glaube, dass Du zakkarus hier falsch verstehst. Es geht doch um so offensichtliche Anspielungen, dass jedem Leser klar ist, was da kopiert wurde.

  • Die Scheibenwelt ist eine Welt und ein Spiegel von Welten. In diesem Buch geht es mitnichten um Australien.

    Nein, es geht darin um ganz etwas anderes, das manchmal allerdings, hier und dort, ein wenig ... australisch erscheint.

    Aber das ist kein Grund zur Sorge.

    (Pratchetts Vorwort zu The Last Continent / Heiße Hüpfer)


    Genau darum geht es.

    Und obwohl sein Australien (nur weil ich es über Literatur kenne) deutlicher auf das irdische Australien verweist, ist es nicht dieses Australien.

    Muß ich etwas alles über Australien wissen um dieses Buch genießen zu können?

    Muß ich etwas über das Mittelalter, Zuaberei und griechische Mythologie wissen um DSA "verstehen" zu können?

    Klare Antwort: Nein.

    Denn je mehr man sich Gedanken macht was wo wann abgeguckt wurde, bricht man aus dem Spiel aus. Es lenkt dann genaus oab wie wenn das Handy bimmelt oder jemand gerade ein unpassender Witz einfällt.

    Bei Raumpratroiulle Orion reden alle (?) über das Bügeleisen - als Kind sieht man es aber nicht.

    Es gibt ein geniales Bild mit einigen Delphinen - jedenfalls sehen Kinder die Delphine, Erwachsen sehen (dank der Deplhine-Umrisse) ein Liebespärchen.

    Was wir sehen oder wissen entspricht immer nur das was wir kennen.

    Aventurien basiert nicht auf Geschichtsbüchern sondern Comics, Fantasyromanen und wahrscheinlich auf dasselbige Unterrichtsmaterial was ich mir in Erdkunde und Geschichte antun mußte.


    Aber warum lassen wir nicht einmal eine Autorin zu Wort kommen: „Wir ließen das Lebensgefühl im Russland des 19. Jahrhunderts ins aventurische Bornland einfließen“ | Ein Interview mit „Greetja“-Autorin und DSA-Mitschöpferin Ina Kramer – BLITZ-BLOG

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterschieden.

  • Genau darum geht es.

    Und obwohl sein Australien (nur weil ich es über Literatur kenne) deutlicher auf das irdische Australien verweist, ist es nicht dieses Australien.

    Niemand behauptet so etwas. Niemand behauptet, Garetien sei buchstäblich das mittelalterliche Deutschland, oder die Novadis seien buchstäblich die mittelalterlichen Araber und dementsprechend behauptet auch niemand, dass das, was von dem einen wahr ist, auch von dem anderen wahr sein müsse. Du verrennst dich hier komplett und kämpfst gegen Windmühlen.

    Und wenn ich dich richtig verstehe, geht es dir auch eher darum, dass du dich im Spiel gerne kontextfrei wegträumen willst. Du kannst das gerne versuchen. Ich kenne aber keine reale Spielrunde, die so spielt. Die meisten Leute legen beim Spiel ihr Wissen über verwandte Literatur (ob nun "sachlich-historisch" oder fiktiv) zugrunde, um zu ermitteln, was sie als Nächstes sagen sollen. Und natürlich gibt es dafür andere Grenzen als die eigene Beliebigkeit. Wenn jemand sagen würde: "Ich gehe zum Replikator und ordere 'Tee, Earl Grey, heiß'." Dann würden ihn alle am Tisch ungläubig anstarren, denn Star Trek (und SciFi generell) ist nun einmal nicht (bzw. nicht so direkt) ein Bezugspunkt für Aventurien (und komm' mir bitte nicht mit "Borbarads Fluch", der hat sooo nen Bart!).

    Und deshalb ist es natürlich sinnvoll, sich darüber Gedanken zu machen, was die Bezugspunkte von Aventurien sind.

  • Und deshalb ist es natürlich sinnvoll, sich darüber Gedanken zu machen, was die Bezugspunkte von Aventurien sind.

    Das ist es leider nicht, weil so etwas zu Fehlschlüssen führt. Dieses sich-Gedanken-um-die-Bezugspunkte-machen verdanken wir schließlich so einige meiner Meinung nach egentlich komplett unaventurischen Entwicklungen aus der DSA4-Phase. Man hat sich einfach viel zu viele Gedanken gemacht, so dass man zum Schluß kam, am Hintergrund Sachen ändern zu müssen, damit alles wieder passt.

  • Und deshalb ist es natürlich sinnvoll, sich darüber Gedanken zu machen, was die Bezugspunkte von Aventurien sind.

    Das ist es leider nicht, weil so etwas zu Fehlschlüssen führt. Dieses sich-Gedanken-um-die-Bezugspunkte-machen verdanken wir schließlich so einige meiner Meinung nach egentlich komplett unaventurischen Entwicklungen aus der DSA4-Phase. Man hat sich einfach viel zu viele Gedanken gemacht, so dass man zum Schluß kam, am Hintergrund Sachen ändern zu müssen, damit alles wieder passt.

    So können sich Perspektiven unterscheiden, denn ich sehe das genau umgekehrt: Die früheren Bezüge wurden nicht reflektiert bzw. einfach geleugnet und durch andere ersetzt. Daher kommt die (korrekte) Wahrnehmung eines "Bruchs" in Aventurien. Zwischen "vormodernes HRR via Grimmelshausen, Grimm und Hoffmann" und "östliches Frankenreich im Spiegel des höfischen Romans" gibt es halt einen gigantischen Unterschied. Zwischen "Mantel-und-Degen-Abenteuerland" und "Renaissance-Italien" ebenso.

  • Die früheren Bezüge wurden nicht reflektiert bzw. einfach geleugnet und durch andere ersetzt.

    Ist das nicht das, was ich geschrieben habe?

  • Du hattest geschrieben, man habe sich zu viele Gedanken gemacht. Meine These ist: Man hat sich zu wenige gemacht.

    :rolleyes: :D

  • Gut, mal ein Beispiel: Das Bild des Mautaban. Es ist eindeutig Yul Brunner. Ein Schauspieler den ich nur aus zwei Western kenne. Aha, der Mautaban ist ein Android. ;)


    Wegträumen, nö. Aber wenn ich eine guten Film sehe, ein gutes Buch lese oder mich in Aventurien aufhalte konzentriere ich mich auf das was mir geboten wird.

    Wozu macht es denn sonst?

    Und die meisten Abenteuer zeigen doch das Aventurien gut auf eigne Füsse stehen kann.

    Aber ich kenne DSA auch schon seit 30 Jahren, und vorher D&D. Meine Beziehung ist daher eine andere.

    Und dann nehme ich - dank der lebendigen Geschichte - Aventurien wie eine große Geschichte war, was es ja auch in gewisser Weise ist. Die Romane ergänzen den Eindruck noch.

    Unsere Welt entwickelt sich, DSA wird geschrieben. Passiert irgendwo (im Mitteland) was Großes bleiben anderswo in Aventurien die Uhren stehen.

    Das irdische Mittelalter betraf die gesamte Welt, und nirgends stand die Zeit still.

    Natürlich bin ich als Hobbyschriftsteller neugierig wie und wo andere Autoren ihre Inspirationen hernehmen. Die waren bei DSA schon früh klar. Beim Bornland kannte ich die Quelle nicht, und slebst das Wissen darum ändert nichts daran wie ich das Bornland sehe.

    Oja, in Al'Anfa steht in der Hafeneinfahrt der Koloß - nur der irdische stand in Rhodos und sah nach heutiger Forschung völlig anders aus.


    Was die Beuzgspunkte angeht, wir sprechen in Aventurien nicht tuesch oder Kirchenlatein, sondern das heutige Deutsch.

    Wir denken nicht wie die Menschen im Mittelalter - wir können uns dies nicht mal vorstellen - sondern denken wie heutige - und vor 30 Jahren wie 1984er. ;)

    Deswegen ist es ja auch ein Spiel und kein Geschichtsunterricht - dachte ich jedenfalls.


    Und wie innerhalb einer Rollenspielgruppe gesprochen wird gehört eher zum Thema "Wie spielt man DSA?" als wie sprach man im Mittelalter. Wobei schon recht früh bei DSA daraufhingewiesen das es blöd klinge wenn man zum Kaiser "Hey Alter!" sagt. Das ruinert die Stimmung. ;)

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterschieden.

  • Deswegen ist es ja auch ein Spiel und kein Geschichtsunterricht - dachte ich jedenfalls.

    bis dann ab ungefähr 2000 die simulationisten kamen, die meinten Aventurien so umbauen zu müssen, dass aus dem Spiel fast schon ein Geschichtsunterricht wird. Ehrlich gesagt, da spiele dann doch lieber Midgard... ;)

  • Das wirkt glaube ich nur so, das fing schon mit der Horasreich-Box an.


    Nunja, wie mal jemand (Chamfort) gesag haben soll:

    Die meisten Leser stecken ihre Bücher ind die Bibliothek,
    die meisten Schriftsteller stecken ihre Bibliothek in ihre Bücher.

    (Und ich glaube nicht das das ein Lob sein sollte. ;) )


    PS: Die Grimms haben die gesammelten Märchen zweckenfremdet indem ise daruas "Erziehungsbücher" für Kinder machten, und os lange die Texte umschrieben, verschiedene Fragmente zusammenfügten, das vom "deutschen" Vorbild kaum was übrig blieb. Der Gestiefelte Kater flog raus, war ihnen zu französisch.


    PS2: Ein wenig erinnert mich diese Unterhaltung an die Verfilmung vom "Der Name der Rose". Anscheinend war niemanden beim Roman etwas aufgefallen, aber als die Bibliothek "real" werden sollte, wandte man sich mti eienr Frage an Eco: "Wo sind die Treppen?" Ja, im Roman werden weder Treppen noch ein Treppenhaus erwähnt. :)

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterschieden.

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  • Deswegen ist es ja auch ein Spiel und kein Geschichtsunterricht - dachte ich jedenfalls.

    Nochmal: Das behauptet auch niemand.

    Und munter drehen wir uns im Kreis. Ich steige bei dieser Umdrehung mal aus....