Ideenschmiede - Relativ Böse?

Es ist nicht Wochenende, aber da derzeit ohnehin die Routine so mancher Leser und Leserinnen leiden dürfte, gibt es trotzdem wieder einmal einen neuen Artikel hier in meinem Blog. Dieses mal geht es wieder einmal um die Antagonisten denen man in Geschichten und Abenteuern so über den Weg laufen kann.


Ab und an kann man, etwa hier im Orkenspalter Forum, lesen, dass einmal etwas Abwechslung betreffend der Bösewichter nicht schlecht wäre. Es soll nicht schon wieder ein Dämon oder ein Namenloser Schrecken sein. Das ist durchaus verständlich. Zwar finde ich auch die Idee wiederkehrender Schurken mit Wiedererkennungswert sympathisch, aber auch ich hätte nichts gegen etwas Abwechslung. Aber halt, ich schreibe ja selbst Geschichten, also wäre es dann nicht auch an mir, für Abwechslung zu sorgen?


Um diese Frage habe ich nun meine Gedanken kreisen lassen und irgendwie fällt es mir gar nicht so leicht, mir neue Antagonisten auszudenken, die mit dem Namenlosen und dämonischen Mächten nichts am Hut haben. Die Bösen sollen schließlich richtig böse sein. Meistens zumindest, wenn der grauschatierte Antiheld nicht gerade der Protagonist der Geschichte ist. Und wenn die Gegenspieler der Helden nun einmal richtig finster, gruselig und böse sein sollen, dann bieten sich fiese jenseitige Mächte für den Schreiber irgendwie eher an, als der Räuber und/oder Baron von nebenan.


Warum ist das so? Nun, von Dämonen, Namenlosen Schrecken oder auch mundanen Bestien erwartet man irgendwie das sie schreckliche, gar bestialische Dinge tun. Das liegt doch irgendwie in deren Natur. Der Oger ist nun einmal der Menschenfresser und auch wenn der Drache den Ritter verbruzzelt und wegschnabuliert, dann liegt das ja auch irgendwie in seiner Natur. Drachen machen sowas halt. Und wenn der Shruuf sich blutig durch die Menschenmenge metzelt, ist das zwar auch schrecklich, aber so sind Dämonen nun einmal. Sie sind nicht menschlich oder gar unmenschlich. Wenn ein menschlicher Antagonist aber nun solche Dinge tut, ohne mit finsteren Mächten im Bunde zu stehen, die ihn vielleicht zu so etwas drängen, dann kann es für Leser wie Schreiber schnell zu viel werden. Wie kann ein Mensch (oder Zwerg, oder Elf, oder oder oder) nur so unmenschlich grausam sein? Warum tut der bzw. die das? Macht? Geld? Irgend ein (mundaner) Wahn? Weil man es kann? Im Detail wird das oft ganz schnell schwerer Tobak. Durchaus verständlich, wenn SchreiberInnen da oft lieber auf bekanntes, klischeehaftes Böses ausweichen. Eure Meinungen?

Comments 2

  • Moin,


    wir haben vor einigen Jahren mal ein selbstverfasstes Abenteuer in Andergast gespielt, in dem es gar keine "Bösen" gab, nur Menschen die falsche Entscheidungen getroffen haben. Es ging um einen Weihepokal der in dem Dorf unabdingbar für eine Ehelichung war, er wurde gestohlen um diese Hochzeit zu verhindern - eben aus falsch verstandener Liebe! Als dann auch noch eine Orksippe dazu kam (wahren unschuldig und haben die Helden unterstützt - auch spannend) schaukelte sich das ganze ziemlich hoch. War echt mal eine Abwechslung...

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  • Meine Meinung, wie erfragt.


    "Und wenn die Gegenspieler der Helden nun einmal richtig finster, gruselig und böse sein sollen" - vor dem Hintergrund dieser Annahme ist das Vorziehen von Dämonenpaktierern und Namenlosgeweihten durchaus sinnvoll, sind dies doch die Gruppen, welche in Aventurien wohl am finstersten, gruseligsten und bösartigsten sind, ergänzt noch um finstere, totenbeschwörende Schwarzmagier, Borbaradianer, Werwölfe und Vampire (wobei schon die letzten drei Gruppen nicht so oft auftreten).


    Lässt man aber die Annahme beiseite, dass die Gegenspieler der Helden das personifizierte Böse sein sollen, dann ergeben sich viel mehr Möglichkeiten.

    Und (so geht es mir wenigstens), darauf, glaube ich, beziehen sich die Forderungen vieler, welche Abwechslung bei den Bösewichtern in offiziellen Abenteuern suchen: den Helden soll eben NICHT immer nur das personifizierte Böse entgegengestellt werden.

    Thorwalsche Friedlose, aufständische Sklaven, al`anfanische Sklavenhalter, Piraten (thorwalsche oder meridianische), abgemusterte Soldateska, welche sich nun als Marodeure verdingt, Steuereintreiber und überhaupt alle möglichen Repräsentanten staatlicher Macht (Geheimdienste sind auch ein ergiebiges Feld)...

    Das sind alles Gruppen, mit denen Helden bzw. die von ihnen zu schützende Bevölkerung irgendwann mal in Konflikt gerät und die zum Antagonisten taugen.


    Orks, Oger und Goblins sind ein Fall für sich, genauso wie überhaupt die durchaus nicht immer harmlose aventurische Flora und Fauna.


    Da könnte man durchaus etwas Abwechslung in den Abenteuern schaffen und muss eben nicht immer irgendwelche finsteren Kulte bemühen.

    Thanks 1