Hallo alle zusammen,
kennt ihr das auch, wenn ihretwas lest oder hört, was sich im ersten Moment richtig, richtig toll anhört, zum Beispiel im Fantasy-Rollenspielbereich, und man richtig, richtig Lust darauf bekommt, etwas damit anzufangen? Zum Beispiel ein Setting zu bespielen? Und man dann Zeit und Mühe reinsteckt und sich richtig reinarbeitet in all die coolen Ideen und fantastischen Möglichkeiten, um dann irgendwann festzustellen, dass die Autoren zwar eine ganz tolle Fantasie hatten und wunderbare fantastische Elemente eingebaut haben, die aber irgendwie hinten und vorne nicht richhtig zusammenpassen, weil der rule-of-cool-Faktor irgendwie höher war als die Plausibilität oder praktische Anwendbarkeit? Ja? Kennt ihr, oder? 
So geht es mir gerade jedenfalls mit Fasar, der Mutter aller StädteTM. Die Idee hinter Fasar ist wirklich toll: die älteste menschliche Stadt in Aventurien, mehrfach zerstört, mehrfach wieder aufgebaut, ein Vielvölkergemisch, beherrscht von den Erhabenen, die über Brückenstraßen schreiten, während unter ihnen fleißige Handwerker, undurchschaubare Magier, gerissene Fälscher, ehrbare Kaufleute, armselige Bettler, religiöse Eiferer und finstere Kultisten ihrem Tagwerk nachgehen, darunter die Tiefen der Al'Tacht mit ihren lang vergessenen und verborgenen Geheimnissen, eine Stadt, der Helden frei von einer starren Hierarchie und engstirniger Moral ihren Stempel aufdrücken können.
ABER: das alles in spielbare Form umzusetzen ist... nicht gerade leicht und vor allem deswegen, weil vieles von dem, was sich beim ersten Lesen richtig toll anhört, in der Praxis irgendwie wenig Sinn ergibt (einfaches, nicht spiel-relevantes Beispiel: die Stadt wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut, die wenigsten Straßen sind gepflastert, dennoch sind fast alle Straßen und Gassen an eine funktionierende Kanalisation angeschlossen...
). Nachdem ich mit dem ersten Entwurf einer Karte von Fasar fertig bin, wollte ich mich an eine Karte der Al'Tacht wagen, dem Untergrund unter Fasar. Da liest man die Quellen nochmal mit anderen Augen und stolpert über folgende Passage (Land der ersten Sonne (LdES), S. 108):
Quote
"Und so gibt es auch immer wieder Geschichten über spielende Kinder, die für Wochen im Untergrund der Stadt verschlollen sind und nur durch Phexens Segen wieder - in Al'Suq - das Tageslicht erblicken."
Super! Spannung! Abenteuer! Ein Plot-Hook auf dem Silbertisch präsentiert, um die Helden den Untergrund erkunden zu lassen!
Die Textpassage beschreibt die beiden ärmlichen Viertel Bir'al'Mudrim und Bal Tuweidat. Die am nördlichen Ufer des Gadangs liegen. Al'Suq liegt südlich des Gadangs. Jenseits des Palasthügels von Yol-Fessar.
WIESO UM ALLES
IN
DER WELT gibt es eine Passage vom Nordufer des Gadangs UNTER dem Fluss hindurch, die irgendwo im Basargebiet herauskommt??? Wer baut denn UNTER einem Fluss hindurch? Und wozu? Und wie? (Okay, das "wie" lässt sich mit Magie ziemlich einfach beantworten, aber trotzdem...)
Dass Fasar nicht immer an der selben Stelle stand, gesetzt. Dass die Stadt mehrfach zerstört und wieder aufgebaut wurde, klar. Aber wieso gibt es Passagen, die unter einem Fluss hindurch führen? Der sich ja im Laufe der Zeit eher noch tiefer in sein Flussbett eingräbt und darunterliegende Passagen überfluten sollte? Die einzige Idee, die ich dazu habe ist, dass der Fluss tatsächlich früher einen anderen Verlauf hatte und umgeleitet wurde. Das könnte entweder eine natürliche Ursache haben, z.B. nach schweren Überschwemmungen, dass sich der Gadang eine neues Flussbett gesucht hat, oder wurde künstlich herbeigeführt. Vielleicht während der Skorpionkriege, vielleicht sogar durch Sulman al-Nassori persönlich, bei der Eroberung Fasars. Genügend Magie bzw. genügend Männer mit Schaufeln hat er ja bestimmt gehabt und das Umleiten von Flüssen ist auch aus der irdischen Belagerungsgeschichte bekannt. Vielleicht verlief der Gadang früher weiter nördlich und das heutige Flussbett war dicht bebaut. Oder es gab bereits unterirdische Gänge, über die der Gadang hinübergeleitet wurde. Das wäre auch damit kompatibel, dass man in Bir'al'Mudrim und Bal Tuweidat "den ältesten Ruinenschichten Fasars sehr nahe" ist. Bei den ältesten Ruinenschichten handelt es sich um Bauten aus echischen Zeiten und unterirdische Verbindungsgänge der Echsen (die später mit Kellern und Grabanlagen verbunden wurden) kann ich mir gut vorstellen.
Wie seht ihr das? Ist das plausibel, dass der Fluss umgeleitet wurde und der Gadang heute in einem anderen Bett fließt? (Das hätte natürlich den Vorteil, dass der Gott Gadang sich heute vielleicht immer noch daran erinnert, dass er früher woanders floss und gerne dorthin zurückkehren wollen würde - mit verherrenden Folgen für das heutige Fasar...) Oder welche anderen Möglichkeiten seht ihr, wie und warum die am nördlichen Ufer gelegenen Ruinen unter einem Fluss hindurch mit den südlichen Ruinenschichten verbunden sind? Wühlschrat-Tunnel? Diamantenminen? Es scheint ja kein Einzelfall zu sein, dass Kinder auf der einen Seite verschwinden und auf der anderen Seite wieder auftauchen.