Ich finde es ja immer faszinierend, wie manche Spielstile über Jahrzehnte und Kontinente hinweg weitergegeben wurden.
Möglicherweise gab es in der Erstausgabe von
D&D
diese Aufgabenteilung und trotzdem erklärt sich mir nicht, wie solche Spielerrollen sich etabliert haben. Denn meiner Erfahrung nach gibt es tatsächlich häufig jemanden in der Gruppe, der/die (das Bedürfnis hat) Wege mit zu zeichnen. Genauso gibt es manchmal freiwillige Chronisten oder Menschen, die Situationen/Charakterbilder zeichnerisch darstellen. Oft wird so etwas im Gruppenkonsens auch spontan - ohne feste Rollenübernahme - ausgehandelt: "Kann das mal jemand mitschreiben?" oder "Sch..., wir haben vergessen uns den Weg aufzumalen, kriegen wir das noch schnell hin?"
Die Rolle des "Callers" - ebenso der Begriff - ist mir wie vielen hierfremd. Ich vermute, die Autoren hatten Angst, dass sich Gruppenmitglieder ingame verselbständigen könnten oder dass die "Nerds" miteinander streiten, wenn es keinen Gruppensprecher gibt (der einzige mit Sozialkompetenz?), der notfalls den Konsens herstellt. Imho eine überflüssige Rolle, ebenso wie manche ingame Anführer*innen bestimmen, aber vielleicht wollen das manche so. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Spieler*innen genauer betrachtet zu lächerlich absurden Kompromissen bereit sind, um den Spielfluss aufrecht zu erhalten: "Ihr seid ein hinterhältiger Dieb, den ich gerade erst kennengelernt habe. Doch wenn ihr mir, dem Paladin der Gesetze, aufrecht schwört, euch für das Gute einzusetzen, dann ziehe ich mit euch um die Welt, setze mein Leben für euch ein und erlebe mit euch Abenteuer..." Die Filme von The Gamers spielen ja auch auf so etwas an. Anders jedoch bei Rollenspielneulingen, die neigen manchmal zu einem Individualismus, der wenig spielföderlich ist: "Aber mein Charakter würde mit diesen Femden niemals mitgehen." bzw. "Ich versuche Charakter X festzunehmen, weil er ein Dieb ist." Ob ein Gruppensprecher daran etwas ändert weiß ich nicht, sondern schlage eher ein gemeinsames Gruppengespräch vor, um die Situation zu klären.