Posts by Artemis500

    Es geht doch nicht um die Existenz der Monarchie, sondern um deren Verherrlichung. Ich muss keine Fantasy-Demokratie konstruieren um nicht in das Klischee der von den Göttern gewollten Standesordnung zu fallen, das ist doch ein konstruiertes Dilemma.

    Ich sehe die utopischen Züge der Monarchie als Problem, das Antidot ist hier nicht zwanghaft die Erfindung einer demokratischen. Ich sehe jetzt einen Happy End/Utopien Zwang nicht als Kerncharakter der Fantasy, vielleicht teilen sich hier schon die Geister.


    Tja, offenbar.


    Ich lese auch gerne mal Fantasy, die einfach nur wahnsinnig verrückt ist, aber ich lese auch darum Fantasy, um mal den Problemen der realen Welt eine Zeitlang zu entkommen. Da lese ich dann gern Utopien. Oder zumindest sowas wie Herr der Ringe, wo die Helden richtige Helden sind.


    Übrigens sehe ich z.B. Herr der Ringe auch nicht als Verherrlichung der Monarchie. Es ist ziemlich klar, dass Faramir als Statthalter einen ordentlichen Job gemacht hätte mit dem Regieren. Aragorn ist als König sicher auch gut, aber das ist, weil er eben Aragorn ist.

    An keiner Stelle wird gesagt, dass diese Monarchie jetzt irgendwie besser wäre als das System der Hobbits. Die ja die eigentlichen Helden der Geschichte sind.


    Tatsächlich fällt mir auf Anhieb überhaupt kein Fantasybuch ein, in dem die Monarchie verherrlicht würde. Herr der Ringe ist eigentlich schon einer der extremsten Fälle, weil Aragorn tatsächlich durch Handauflegen heilen kann, implizit kraft seiner Identität als wahrer König. Und es kommt trotzdem nicht so rüber, als sollten sich die Hobbits schleunigst einen König zulegen.



    Ein Buch, das ich sehr schätze handelt von einem sehr liebenswerten Protagonisten, der von heute auf morgen Kaiser wird. Obwohl er sehr liebenswert ist, und versucht, das Leben seiner Untertanen zu verbessern, ist klar, dass das System keine gute Idee ist ... unter anderem dadurch, dass sein Vater ziemlich viel Mist gebaut hat.



    Natürlich lese ich keine Fantasybücher, bei denen ich schon den Klappentext langweilig finde, vielleicht sind mir darum keine begegnet, aber mir fällt jetzt wirklich keines ein, das wirklich penetrant die Monarchie als anderen Regierungssystemen überlegen hinstellen würde. Es wird meist ziemlich klar gezeigt, dass Monarchie ganz gut funktionieren kann, wenn der Monarch gut ist, und ganz fürchterlich sein kann, wenn der Monarch schlecht ist.


    Wenn ich so darüber nachdenke ... ein Buch, das ich sehr mag, "Drachenzauber" von Patricia Briggs, hat einen derartig fürchterlichen König, dass er wirklich eher ein abschreckendes Beispiel ist.


    Eventuell könnte man Disneyfilme beschuldigen, die Monarchie zu verherrlichen, nachdem die schlechten Seiten dieses Systems in Prinzessinnenfilmen selten bis nicht vorkommen, aber hier geht es ja um Bücher.



    Ich habe jetzt übrigens auch mal ein Fantasyklischee beizusteuern, dass mir auf den Keks geht:


    Der Held, der eine Prinzessin rettet, weil sie schön ist.


    Zugegeben fällt mir tatsächlich nur ein Beispiel ein, nämlich das DSA-Abenteuer "Liebliche Prinzessin Yasmina", aber ich nehme an, es gibt noch andere, die ich mir durch gute Auswahl meines Lesestoffs erspart habe. (Oder die ich nach dem Lesen verdrängt habe.)


    Das Klischee ist aus mehrere Gründen fürchterlich.


    Erstens kann der dahergelaufene Held Alrik sowieso keine Prinzessin heiraten, weil er nicht von Stand ist. (Wird in Märchen oft ignoriert, in dem erwähnten Abenteuer aber tatsächlich realistisch gehalten, was die Frage aufwirft, warum ihre Lieblichkeit dann so wichtig war)


    Zweitens, wenn er es könnte wäre das sein Ticket zu Reichtum und einem sorglosen Leben, er wäre schön blöd, sich so eine Gelegenheit entgehen zu lassen, bloß weil die Prinzessin doch nicht ganz so hübsch ist.


    Drittens und am wichtigsten: Was ist denn das bitte für ein Held, der eine Frau bloß aus höchster Gefahr rettet, weil er hofft, dass sie zur Belohnung dafür mit ihm ins Bett geht ... beziehungsweise, der eine hässliche Prinzessin dann einfach in der Gefangenschaft verschmachten lassen würde?


    Stane Novis: Hast du Herr der Ringe gelesen, oder nur den Film gesehen? Ich habe Frodo aus dem Buch nicht als "Heulsuse" in Erinnerung.


    Meiner Erinnerung nach wurde Frodo an keiner Stelle als Auserwählter bezeichnet. Er ist halt zufällig der (auch noch adoptierte) Erbe des Hobbits, der damals den Ring gefunden hat. Und irgendeiner muss den Job jetzt halt machen. Es wird zwar ein bisschen darauf rumgeritten, dass das Schicksal es irgendwie so gefügt hat, aber eigentlich ist die Sache komplett Zufall.


    Wenn es in Herr der Ringe sowas wie einen Auserwählten gäbe, wäre das eher Aragorn.

    Die Einstellung zur Monarchie. Ich meine, bei Tolkien als Kind seiner Zeit und seines Landes kann ich das noch verstehen, von Mallory etc. mal ganz abgesehen, aber wieso müssen selbst moderne Fantasy-Autoren autokratische Herrscher auch noch auf eine Podest stellen? Man kann auch klassische Helden haben ohne jetzt das recht gefährliche "Great man of History" Klischee zu bedienen. Wahrer König usw.


    Tolkien hat das höchstwahrscheinlich nicht geschrieben, weil er die britische Monarchie so liebte, sondern weil er sich an altenglischen Sagen orientierte, die dieses Trope auch hatten.

    Immerhin haben die Hobbits, die eine sehr deutliche liebevolle Karikatur englischer Landbevölkerung sind, ja eben keine Monarchie.


    Ich gehöre auch zu denjenigen, die über Monarchien schreiben.


    Grund eins: Wenn man einen mittelalterlichen Stand der Technik hat, wirkt eine Demokratie einfach anachronistisch. Es gab historisch so etwas eben nicht. Möglicherweise ist eine Zeit des Feudalismus sogar zwingend notwendig für moderne Technik.

    Ich schreibe auch ganz gern Fantasy über Jäger und Sammler, aber die typische Ritterburgen-Ästhetik ist in etwas anderem als einer Monarchie einfach schwer vorstellbar. Schon weil keine einzelne Person über genug Arbeitskraft verfügen könnte um eine Burg zu bauen. Gut, im modernen Kapitalismus ist auch der größte Teil des Reichtums auf sehr wenige Leute konzentriert, aber ... tja, das ist moralisch auch nicht besser als Monarchie, oder?


    Grund zwei: So richtig schön Utopien schreiben geht nur mit Monarchien oder sonstigen Autokratien. (Oder eben man bleibt bei der sehr kleinteiligen Jäger- und Sammlergesellschaft.) Demokratien haben immer das Problem, dass jede Bevölkerung einen Prozentsatz Deppen hat, und es fällt nun einmal schwer, sich eine Fantasiewelt vorzustellen, in der das nicht so ist. Die Vorstellung, dass der Wahre König (TM) zufällig (oder dank uralter Magie) ein anständiger Kerl ist, fällt da schon viel leichter.


    Wir sehen es ja in Harry Potter: Die magische Welt ist demokratisch regiert. Als Konsequenz endet die Reihe auch nicht damit, dass die Dementoren abgeschafft werden, die Hauselfen befreit, und die Goblins das Recht bekommen, Zauberstäbe zu haben. Sie endet damit, dass einer von den Guten Zaubereiminister wird, und so irgendwie vorhat, ein paar Dinge zum Besseren zu ändern, wofür aber jahrelange Überzeugungsarbeit nötig ist. Lediglich die Dementoren werden zeitnah abgeschafft, weil die Bevölkerung endlich mal gemerkt hat, dass die abgrundtief böse sind, und man sie nicht kontrollieren und als Werkzeug benutzen kann.


    In Herr der Ringe dagegen ... entscheidet Aragorn einfach mal kurzerhand, dass Menschen das Auenland nicht mehr betreten dürfen. Eine Entscheidung, die sicherlich sehr kontrovers war, und die er in einer Demokratie niemals durchgekriegt hätte.


    Ein König kann einfach dafür sorgen, dass das Happyend so richtig happy ist, und alles gut ist. Eine Geschichte, die in einer Demokratie spielt, muss stets mit "Nun ja, vielleicht ändert sich die öffentliche Meinung in ein paar Jahrzehnten ja irgendwie zum Besseren" enden. Die plötzliche Bekehrung der gesamten Bevölkerung zum Standpunkt der Helden wäre unglaubwürdig.


    Ich kenne ein, zwei Bücher, in denen eine utopische Welt demokratisch regiert wird, aber die sind alle mehr Sci-Fi als Fantasy, und basieren meistens auf der Prämisse, dass sich friedliebende Leute zusammengefunden haben um ein neues Land zu schaffen, oder die nach der Katastrophe noch übrigen Menschen alle bestimmte genetische Merkmale aufweisen, die sie besser geeignet für eine Utopie machen, et cetera.

    Das Schwert der Totengöttin (Katharina V. Haderer) – Ein Verriss


    Klappentext (zitiert von Amazon)




    Dies hier ist ein Verriss, um dem Mangel an Verrissen zu begegnen, daher werde ich mich kurz fassen was die positiven Aspekte des Buches angeht:


    Es passiert viel, gibt viel Action, und man könnte sagen es ist spannend.


    Mirage hat eine durchaus interessante Hintergrundgeschichte, die recht gut angedeutet wird.


    Nun zu dem, was mich gestört hat, und das war eine Menge:


    Es gibt so einige Rechtschreib- und Grammatikschnitzer. Da ich das hier aus dem Gedächtnis schreibe (hatte das Buch aus der Bibliothek) kann ich keine Beispiele nennen, aber es waren eben doch deutlich zu viele Fehler für ein Buch, das immerhin im Knaur-Verlag erschienen ist.


    Ich lese auch Fanfics und im Eigenverlag erschienene Bücher, bin da also durchaus was gewohnt, aber ... das war doch deutlich über dem Limit.



    Der absolut schlimmste Fehler des Buches ist aber Erik Zejn.


    Das Problem ist nicht, dass er ein inkompetenter, doppelmoralischer, arroganter Versager ist – das Problem ist, dass der Autorin das offensichtlich nicht klar ist.


    Zejn (der übrigens in seinen eigenen Gedanken seinen Nachnamen verwendet, eine Entscheidung der Autorin die ich nicht ganz nachvollziehen konnte) wird degradiert – seiner eigenen Ansicht nach, und wohl auch der der Autorin nach zu Unrecht, in jedem Fall aber von einem Rivalen um die Gunst einer Frau, was die Sache fragwürdig erscheinen lässt – und der Stadtgarde eines Ortes am Rand der Zivilisation als Vorgesetzter aufgedrückt, nachdem sein Vorgänger auf der Dorfprostituierten verstorben ist.


    Zejn ist über die Zustände verständlicherweise entsetzt. Die Garde schiebt eine sehr ruhige Kugel, im Wesentlichen regiert Selbstjustiz, nachdem der nunmehr verstorbene Vorgesetzte wohl beschlossen hatte, dass er der Kriminalität ohnehin nicht Herr werden kann.


    So weit so gut, doch dann beginnt der Plot und geht die Charakterisierung den Bach runter.



    Mirages erster Auftritt besteht darin, dass sie auf dem Markt einkauft. Ein Taschendieb steckt die Hand in ihre Tasche.


    Woraufhin seine Hand prompt von Säure zersetzt wird.


    Ziemlich grausam, falls es Absicht war, könnte man meinen. Das wäre ja ein guter Grund, aus dem Zejn etwas gegen Mirage haben könnte.


    Aber nein. Zejn lässt dem Dieb die Hand abhacken, wie es das Gesetz vorschreibt, und kommt sich noch grandios gnädig dabei vor, dass er die ohnehin zerstörte Hand abhacken lässt.


    So weit, so gut. Die beiden schenken sich nichts, was ihre Grausamkeit angeht.


    An diesem Punkt beschließt Zejn allerdings, dass Mirage eine böse Hexe ist, und für alles Übel verantwortlich sein muss. Warum? Plot lo vult!


    Er hat absolut keinen Grund dazu. Alchemie ist bekannt. Magie ist bekannt – Zejn hat selbst eine magische Begabung, wie man sehr viel später erfährt.


    Für abergläubische Furcht gibt es also keinen Grund. Mirages einziges Verbrechen ist das Praktizieren von Alchemie ohne Lizenz.


    Ohne Spoilern zu wollen: Zejn schadet mit seinem Vorurteil sehr vielen Leuten erheblich. Die Reue kommt spät und hält sich in Grenzen.



    Ich kann nur mutmaßen, wie Zejn wirken sollte.


    Vermutlich sollte er das „Lawful“ Gegenstück zu Mirages „Chaotic“ sein, um mal mit D&D Begriffen zu sprechen. Vermutlich soll das für Konflikt sorgen, bevor die beiden dann vorhersehbarerweise ein Paar werden. (Passierte im ersten Band nicht, ist aber wohl in der Zukunft zu erwarten ...)

    Das Problem dabei: Er ist nicht konsequent. Er lässt Dieben die Hand abhacken, weil das Gesetz es so vorsieht. Es stellt sich aber später heraus, dass er seine magische Begabung versteckt – auch nicht gerade legal, wenn ich das richtig im Kopf habe. Und in Bezug auf Mirage folgt er ganz seinem emotionalen Vorurteil, anstatt sich strikt an das Gesetz zu halten.


    Und damit … funktioniert der vermutlich angestrebte Charakter-Archetyp nicht mehr. Jemanden, der sich immer an das Gesetz hält, auch dann, wenn es zu seinem Nachteil ist, kann man respektieren. Jemanden, der für sich selbst gerne mal eine Ausnahme macht, und nur von anderen völlige Gesetzestreue verlangt … nicht.


    Es ist nicht so, dass die Autorin ihn von aller Schuld freispricht, offenbar war vorgesehen, dass er einen Fehler macht. Das Dumme ist nur: Er hat keinen nachvollziehbaren Grund für den Fehler, und wirkt dadurch wie ein verantwortungsloser Volltrottel, der seine Degradierung mehr als verdient hat.


    Anderen mag es nicht so gehen, aber ich lese Bücher der Charaktere wegen, und mir hat dieser Typ das ganze Buch verdorben.

    Heute sieht man das alles ganz anders. Und deshlab sind Martins Romane so erfolgreich, weil er genau das schreibt, was man heute erwartet. man will keine heile Welt mehr, die von einem großen Übel bedroht wird und nur von einem Helden gerettet werden kann. Außerdem bedient sich Martin der irdischen Geschichte und da insbesondere der britischen (Plantagenets, Rosenkriege).

    Mir ging es nicht um den "großen" Plot (der mag sich an der Historie orientieren, keine Ahnung) sondern um das individuelle extrem miese Verhalten der meisten Charaktere von George R. R. Martin.

    Den ein oder anderen Verrat mag Martin aus der realen Historie abgeschrieben haben, aber die meisten Grausamkeiten dürften doch auf seinem eigenen Mist gewachsen sein.


    Ich lese auch gern Bücher, in denen nicht die Welt gerettet wird. Der Weltrettungsplot ist gar nicht der Grund, warum ich Herr der Ringe vorziehe. Es geht um die Charaktere.

    Das "damals waren alle böse! Weil es funktioniert!" Klischee kann ich ja auch nicht leiden.


    Allerdings nicht, weil böse sein nicht dem eigenen Vorteil dienen könnte. Andere auszubeuten war jahrtausendelang ein Erfolgsmodell, das ist leider nicht abzustreiten.

    Systematische Unterdrückung großer Teile der Menschheit war die Tagesordnung. (Und ist es auch heute noch, aber heute versucht man nicht mehr, es zu rechtfertigen, sondern es zu leugnen.)


    Also den Adligen, der die Bauern auspresst und Bauernmädchen vergewaltigt während er gleichzeitig mit einer Edelfrau verheiratet ist, gab es sicher - gibt diesen Menschentypus ja heute noch zuhauf. Man schaue sich nur an, was die #MeToo Bewegung alles an den Tag gebracht hat ...


    Das ist aber eben auch der Knackpunkt: Gewisse Autoren wollen uns vormachen, dass die Menschen früher schlechtere Menschen waren als heute, und, dass sie ALLE so waren.


    Und das ist eben kompletter Käse. Natürlich hat jeder mittelalterliche Adlige das Volk ausgebeutet wie es die gesellschaftlichen Konventionen eben vorgaben, natürlich haben alle Männer ab der Handwerkerschicht davon profitiert, dass Frauen das Ausüben eines Handwerks verboten wurde, et cetera.

    Aber es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es früher üblicher gewesen wäre, auf diese ohnehin als selbstverständlich hingenommene Ungerechtigkeit noch mal eins draufzusetzen, als es das heute der Fall ist.



    Und ja, das "Leuten, die ebenso mächtig sind wie man selbst mal eben in den Rücken fallen, weil Betrug und Unehrlichkeit ja so profitabel sind" ist völlig unsinnig.

    Tatsächlich würde ich sogar mutmaßen, dass Ehrlichkeit und Integrität in früheren Zeiten noch sehr viel mehr zählten. Aus dem simplen Grund, dass man nicht mal einfach weggehen und woanders neu anfangen konnte, wenn der Ruf ruiniert war.

    Heute kann man das - und gerade das Internet macht es sehr einfach, mit betrügerischem Verhalten dauerhaft Erfolg zu haben. Darf man aber keineswegs auf Zeiten übertragen, in denen kaum mal jemand das eigene Heimatdorf verlassen hat.





    Außerdem, die ganzen Spektakulären Aikido, Karate oder Kung-Fu techniken, die gerne gezeigt werden sind: Katas, also vorgetanzte Übungsabläufe. Im Sparring/Randori/Freikampf passieren sie nach langer vorbereitung vielleicht, aber gegenüber jemandem der weiß wie man Kämoft wird das immer unwahrscheinlicher.

    Ja, die wurden auch nur von Menschen erfunden, aber sie verschaffen doch einen deutlichen Vorteil gegenüber tumben Haudraufs. (Quelle: Bekannte von mir, die sich niemals freiwillig prügeln, wurden von Schlägertypen angegriffen. Meine Bekannten konnten Kung-Fu. Sie haben gewonnen.)


    Und Katas hat man eigentlich hauptsächlich in den Kampfkünsten, in denen zugeschlagen wird, wie Karate. Aikido und Judo werden "echt" geübt, da das Verletzungsrisiko relativ gering ist. (Ich meine, es gebe auch Karate bei dem in echt draufgehauen wird, aber damit habe ich mich nie beschäftigt - ich hänge an meinen Gehirnzellen und vermeide Schläge auf den Kopf wo möglich.)


    Sicherlich hätte man in Europa ähnlich effiziente waffenlose Kampftechniken erfinden können, aber diverse Faktoren trugen dazu bei, dass das nicht so war, beziehungsweise, sich solche Künste keiner hohen Verbreitung erfreuen.


    Wenn man waffenlos angegriffen wird, ist die Chance, dass das Gegenüber eben nicht wirklich trainiert hat, sondern einfach nur oft übt, andere zu verprügeln, recht hoch. Und da hat man dann mit Karate und Co durchaus einen Vorteil. (Wobei die Wahl der richtigen Kampfkunst viel ausmacht.



    Eigentlich lassen sich die Kritikpunkte schlicht in zwei Faktoren zusammenfassen:


    1. Die "Wir sind besser"-Strömung, in der man die Vergangenheit sehr negativ darstellen muss, um das Gefühl zu haben, heute sei es besser.


    2. Die "In Asien ist alles besser"-Strömung, die denen, die mit der heutigen Welt unzufrieden sind, vorgaukelt, es gebe irgendwo da draußen eine bessere Welt.


    Im Grunde erwachsen diese Fantasyklischees also aus dem Wunsch nach Realitätsverleugnung.



    In diesem Zusammenhang ist vielleicht interessant, dass Tolkien ein Anhänger der Realitätsflucht war.



    Quote

    Why should a man be scorned, if, finding himself in prison, he tries to get out and go home? Or if, when he cannot do so, he thinks and talks about other topics than jailers and prison-walls?


    Tolkiens "Herr der Ringe" zeigt denn auch folgerichtig eine Welt, die besser ist als die reale.


    Wo Game of Thrones den Menschen gleichsam sagt: "Seid zufrieden mit dem was ihr habt, früher war alles viel schlimmer", macht Herr der Ringe es möglich, von einer besseren Welt zu träumen.




    Wie man mit nervigen Klischees umgehen könnte?


    Tja. Im Wesentlichen: Ignorieren oder parodieren.


    Entweder, man macht einfach sein Ding und ignoriert das Klischee ... oder man zieht es durch den Kakao.

    Ist vielleicht ein bisschen seltsam das Interesse...

    Das man sich für die Bestattungsriten verschiedener Völker interessiert und lernt.

    Ja, ziemlich. Man könnte sagen: Geradezu marbide. ^^


    Wenn das so ablaufen würde :D
    Würden sehr viele Nekromanten mit einem großen Fragezeichen in der Nekropole stehen :D

    Das spräche zumindest aus Sicht eines anti-nekromantisch eingestellten Borongeweihten sehr für die Luftbestattung.


    "Nekromanten erheben Untote aus der Erde, sie erheben sie aus dem Wasser, ja, sogar Skelette sind ihnen noch nützlich - doch aus dem Magen eines Geiers gibt es keine Wiederkehr."


    Ich könnte mir ein Revival (no pun intended) der Luftbestattung in Aventurien als langfristiges Ziel eines Spielercharakters sehr gut vorstellen. Beispielsweise als Folge eines verbreiteten Untotenproblems und existierenden Brennstoffmangels in Kombination mit verärgerten Elfen, Ifirn- und Firungeweihten und anderen WaldfreundInnen.


    Es bestünde allerdings womöglich die Gefahr, als Ketzer verfolgt zu werden. :/


    Die Vorstellung, Tote nicht zu begraben, muss den klassischen Puniner Boronis zuwider sein, wenn sogar die Feuerbestattung schon einen speziellen Dispens erfordert, aber die Argumentation, dass der Rabe ein heiliges Tier ist, und auf dem Schlachtfeld offensichtlich Leichen frisst, wenn man ihn lässt, ist recht schwer zu widerlegen.

    Ich weiß nicht recht. So wirklich gefallen tut mir das nicht, mit den unwissend der Belkelel verfallenen Faquiren. :/


    Man kann Belkelel auch misstönende Musikinstrumente als Opfer darbringen. Ist jetzt jeder unbegabte Musiker der Erzdämonin verfallen? Na ja.


    Natürlich mag ein Rahjageweihter dem Faquir predigen, dass Schmerz und Entstellung nicht göttingefällig sind ... aber das jetzt gleich in die Nähe der Erzdämonin zu rücken ...


    Ich würde mir da eher den Tonfall vorstellen, den eine Praiosgeweihte gegenüber dem selbstgeißelnden Bannstrahler anschlagen mag. Nach dem Motto: "Wir wissen alle, dass du versuchst, besonders fromm zu sein, aber schalt mal nen Gang runter, was du da machst ist nicht mehr gesund."


    Vielleicht findet Belkelel selbstverletzendes Verhalten gut, weil sie gerne Leute leiden sieht, aber die Formulierung "Gefolgsleute der Feindin" ist doch arg extrem gewählt.

    Auch der Alkoholiker missbraucht Rahjas Gaben und schädigt sich selbst ... dass er dafür ein Mal des Frevlers kriegt, kann ich mir jedoch nicht vorstellen. Nichtmal, wenn er in betrunkenem Zustand auch noch schlecht singt. ;)


    Aber ich würde Leute die ausschließlich sich selbst schädigen eher als die Sorte Person sehen, die von Rahjageweihten als missionierungsbedürftig angesehen wird, nicht als die, wo man bei den Praioten anfragt wann denn mal der Scheiterhaufen frei wäre.

    Klar, wenn der Faquir sich selbst die Geschlechtsorgane abschneidet und dann rumläuft und anderen predigt, sie sollten es ihm nachtun um die größtmögliche Ekstase zu erreichen ... dann ...


    Aber nachdem sogar Kor, dessen Geweihte üblicherweise einen Finger opfern, noch ein Gott ist ... muss man es mit der Verstümmelung wohl recht weit treiben um Belkelel zu verfallen. :/

    (Ich finde Kor zwar schon ziemlich grenzwertig, aber es ist nunmal offizielle Setzung, dass er ein Gott ist und Karma vergibt.)

    Die ständige Neuerfindung des Rades dürfte unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass man schlecht ein neues Setting erfinden und auf den Markt werfen kann und sagen: "Regeln gibt's keine, spielt einfach nach denen eines etablierten Rollenspiels an dem ich keine Rechte habe"


    Außerdem ist natürlich ein Faktor, dass die Regeln eben auch das Setting bestimmen. Das Sein bestimmt das Bewusstsein.


    Beziehungsweise: Je nach Spielmechanik verhalten sich die Leute im Spiel anders.


    Da gibt es mehr als nur den Unterschied zwischen Fantasy und SciFi. Ein neues Setting kann durchaus auch mal ein neues Regelwerk brauchen.


    (Man schaue sich nur Herr der Ringe und Game of Thrones an. Beides Fantasy. Sind aber die zugrundeliegenden Naturgesetze der Welten gleich? Eher ... nicht. In Herr der Ringe funktioniert heldenhaftes Verhalten offenbar und wird von höheren Mächten belohnt. In Game of Thrones ... scheint eher Grausamkeit der Weg zum Erfolg zu sein. Die Regeln müssten also recht unterschiedlich sein. )


    Warum es immer die gleichen Welten mit immer den gleichen Charakterklassen gibt ... tja. Das bedingt sich wahrscheinlich gegenseitig. In der klassischen Fantasywelt wird eben viel gekämpft und es gibt Magie, et cetera. Da braucht man dann eben auch entsprechende Charakterklassen.


    Und die immer gleichen Fantasywelten ... keine Ahnung, auf dem Buchmarkt hab ich das nicht bemerkt. (Wobei das daran liegen kann, dass ich Standard-Fantasy da aussortiere bevor ich überhaupt zu lesen anfange. Kann gut sein, dass innovative Fantasy da auch nur fünf Prozent ausmacht.)


    Und DAS sehe ich eben als Meisteraufgabe in der Vorbereitung des Abenteuers.

    Stimmung, Namen, Orte anpassen.


    Resultiert sowas nicht in einem ziemlich langweiligen, generisch wirkenden Abenteuer?


    Ich spiele ja gerade deswegen so gern DSA, weil DSA eben doch seine Eigenheiten hat und nicht so völlig generisch ist.


    Und DSA kriegt immer enorme Logikprobleme, wenn Autoren versuchen, einen 0815-Fantasyplot unterzubringen obwohl er nicht passt. Der "Frau verkleidet sich als Mann um XY zu erreichen" Plot funktioniert in einer Welt mit offiziell gesetzter Gleichberechtigung der Geschlechter eigentlich nicht. Er ergibt keinen Sinn.

    Auch Priester, die völlig unschuldige alte Kräuterweiber als Hexen verbrennen funktionieren in einer Welt in der Praiosgeweihten laut Regelwerk der Karmahahn zugedreht werden sollte wenn sie Unschuldige ermorden schlecht bis gar nicht.


    Et cetera. Zwar halten sich viele Autoren offizieller Abenteuer selbst nicht dran, aber wenn man eine sehr innovative, eigenständige Welt hat, dann funktionieren viele Dinge dort einfach nicht so, wie sie woanders funktionieren.


    Bei DSA geht es mir eigentlich eher so, dass ich Plotideen habe, die absolut und nur in Aventurien (und da in einer bestimmten Region) funktionieren können.


    Und auch, wenn ich mal in die Welt der Fantasyliteratur schaue:


    In "Shades of Grey" von Jasper Fforde ist ein wichtiger Plotpunkt, dass Leute die die Farbe Rot sehen können bevorzugt andere Leute heiraten, die ebenfalls die Farbe Rot sehen können, aber auf keinen Fall Leute, die bloß Grautöne sehen können, denn je farbsichtiger der Nachwuchs, desto höher dessen Chancen in der Gesellschaft.

    Daraus ergeben sich allerhand Verwicklungen, die in einer anderen Welt überhaupt nicht möglich wären. (Versuch mal, die große Enthüllung, dass eine Frau mit Wissen ihres Ehemanns mit einem anderen Mann Sex hatte um für den Nachwuchs eine bessere Farbsichtigkeit zu ermöglichen, in irgendeine Welt zu übertragen in der die meisten Leute alle Farben sehen können und die genetische Fitness auch sonst nichts mit der sozialen Stellung zu tun hat.)


    Sobald ein Plot so richtig schön schräg und innovativ ist, funktioniert er nur noch in einer ebenso schrägen Welt.


    Und auch umgekehrt ...


    "Der Grund für den Mord war, dass die Burgherrin ihren Ehemann mit dem Hofnarr betrogen hat und es niemand wissen durfte" ... kann man auf eine Welt anpassen, in der es keine Hofnarren oder Burgen gibt, aber versuch mal das auf eine Gesellschaft anzupassen, in der es keine Ehe gibt.



    Natürlich kann man eine extrem generische Plotidee wie "Eine Mordserie, alle haben dem Gärtner im Verdacht, erst am Ende erfährt man, dass der Butler alle umgebracht hat" nehmen und mit Leben füllen ... aber dann schreibt man das Abenteuer praktisch selbst.


    Und dann ist man bald da, wo man das Abenteuer einfach von Anfang an selber schreibt.

    Die Novadis, die ihre Toten an Vögel verfüttern haben da geradezu ein krasses Gegenmodell. Da würde mich wirklich die Quelle interessieren, die diesen Brauch auch mit irgendeiner Verehrungsform Marbos in Verbindung bringt. Kann es ja geben, aber ich konnte sie jetzt nicht finden.


    Da es sich sowohl bei Raben als auch bei Geiern um Aasfresser handelt, würde ich den Ursprung nicht nur des Marbo- sondern auch des Boronkults in der Luftbestattung sehen.


    Dass die Raben nunmehr nur noch die Seelen ins Jenseits bringen sollen und nicht mehr die Körper, sehe ich als Anpassung des Glaubens, eventuell an Kulturen in denen Mumifizierung praktiziert wurde. Oder an Umweltbedingungen die Luftbestattung unpraktisch erscheinen ließen.


    Unzweifelhaft ist aber die Luftbestattung neben der Einäscherung das sicherste Mittel der Verhinderung Untoter bei weniger Ressourcenverbrauch.


    (Weswegen ich Untote in Assoziation mit Boron oder Marbo unsinnig finde. Aasfresser und Untote können schlecht Freunde sein ... die haben sich höchstens zum Fressen gern. ;) )


    Beim Raben als Symbol Borons mag man sich nicht mehr als "Wuhuu, gruselig" gedacht haben, aber der Geier ist doch nun definitiv Absicht.

    Mekrt ihr eigentlich nicht wie ihr nach euren Weltbild nun "Vorbilder" in Aventurien sucht. Das entspricht dem was Pyramidenmystiker alles aus den Maßen der großen Pyramide, ihre Lage ertc. ableiten.


    Äh, nein. Wir leben in der gleichen Kultur aus der Aventurien hervorgegangen ist. Wir wenden unser Weltbild mithin nicht auf eine uns völlig fremde Kultur an, um im Dunkeln tappend irgendetwas zu erraten zu versuchen, wie man das Pyramidenmystikern vorwerfen könnte.

    Woher gewisse Inspirationen kamen ist recht offensichtlich, und man müsste mehr Energie aufwenden um diese Einflüsse zu leugnen als um sie zuzugeben.


    Deine Immersion sei dir unbenommen, und während ich DSA spiele weise ich sicher auch nicht drauf hin, dass Thorwaler ganz definitiv von Wikingern inspiriert sind (und tatsächlich geht es mir auch auf den Senkel, wenn jemand statt Thorwalern patriarchale Wikinger aufkreuzen lässt und die als Thorwaler ausgibt), aber das heißt doch nicht, dass man nicht mal in einem Forum darüber reden könnte, wo die Inspirationen für die Kulturen herkamen.


    Wenn es deiner Immersion nicht förderlich ist, zu sehr auseinanderzunehmen, wie die Autoren von DSA auf ihre Ideen kamen, brauchst du diesen Thread ja nicht zu lesen.


    Ich gehöre zu jener Sorte Person, für die Literatur erst dann so richtig Spaß macht, wenn man sie so richtig schön durchanalysiert hat. Eine Einstellung die sicherlich viele nicht teilen, aber nach der Schulzeit wird man ja nicht mehr dazu gezwungen.



    Ach ja: Zum Thema Weiterentwicklung durch Abenteuer muss ich sagen, dass sich mir doch stark der Eindruck aufdrängt, dass gerade die Abenteuer sich viel mehr an realweltlichen Vorbildern anlehnen als es die Regelbücher und Beschreibungen tun. Weil man, wenn spontan etwas zu entscheiden ist, eben doch auf das realweltliche Vorbild zurückgreift statt sich zu überlegen, wie das in einer fiktiven Welt sein könnte.



    Wo ich gerade Andergast lese, diese und sein Nachbarn wurden aus der Welt der Märchen entlehnt. Darauf könnte jeder selbst kommen


    Aus der Welt der deutschen Märchen. Die keineswegs in einem Vakuum entstanden sind.


    Es mag mir noch schwerfallen, den Unterschied zwischen einem deutschen und einem russischen Märchen (die dürften das Bornland inspiriert haben) zu sehen, aber zeig mir ein deutsches Märchen und ein afrikanisches Märchen, und ich werde in 90 Prozent aller Fälle sagen können, welches welches ist - obwohl beide Fiktion sind. ;)


    Ich glaube, niemand hat geleugnet, dass Aventurien eine Fantasiewelt ist, in denen eben Andergast nicht so ist wie das reale Deutschland im Mittelalter, sondern so wie man es in Märchen und Sagen beschrieb, und die Tulamidenlande weniger Ähnlichkeit mit dem realen Orient haben als mit den Märchen aus 1001 Nacht.

    Insofern ist mir nicht klar, wogegen du hier eigentlich argumentierst?

    Damit haben Orks und Goblins tatsächlich eine Eigenschaft, die man gemeinhin mit den Ureinwohnern Amerikas in Verbindung bringt.


    Interessant, bei den Orks wusste ich das noch gar nicht.


    Ich vermute (ohne DSA1 Material zu besitzen), dass es in DSA1 noch nicht so war, und die Gemeinsamkeiten mit den Ureinwohnern Amerikas dazukamen, als man sich um eine dreidimensionalere Darstellung bemühte.


    Allerdings könnte ich auch irren - die Absicht, die ganze Sache moralisch grau erscheinen zu lassen, indem die Menschen in die Stammesgebiete von Goblins und Orks eindringen, könnte schon von Anfang an da gewesen sein.

    Gegen Krankheiten, mit denen man nie Kontakt hatte (das sind für Kulturen die sich durch Jagen und Sammeln ernähren alle durch Nutztiere übertragenen Krankheiten) hat man keine Resistenz, so weit, so logisch.


    Für die Utulus und Mohas stand wohl eher Afrika Pate, und da haben wir mit Malaria eine Krankheit, gegen die sich evolutionär Resistenzen herausgebildet haben, die Menschen in anderen Regionen nicht (mehr) besitzen, weil sie sehr "kostenintensiv" sind (Stichwort Sichelzellenanämie) und daher schnell aussterben wenn sie keinen Vorteil bieten.


    Ob das jetzt in Aventurien Sinn ergibt oder irgendwie erklärt wird, kann ich allerdings nicht sagen.

    Ich schrieb ausdrücklich "in ihrer Funktion als Antagonisten" (in einigen Settings). Ich bezog mich dabei nicht auf ihnen zugeschriebenen Charakteristika, seien sie physisch oder sonstiger Natur.

    Im Sinne von auf Raubzug gehen, verfolgen, eine beständige Gefahr beim Reisen in ihren Stammlanden zu sein und manchmal auch außerhalb.


    Naja gut, dem ist natürlich so - aber für mich ähneln sie da eben auch nicht mehr den Wildwest-Indianern als den Tolkien-Orks.


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    In ihrer Funktion und Verwendung haben die Orks allerdings ebenfalls in meinen Augen die Funktion der Antagonisten-Indianern in einigen Western. Die teilen sich diese Rolle manchmal mit Elfen.

    Als Pseudoindianer sehe ich eher die Goblins. Zumindest die "Anfälligkeit gegen Kinderkrankheiten der Menschen" ist doch sehr auffällig. Von den Theaterrittern aus ihrer Heimat vertrieben wurden sie auch noch, sie kriegen ein Minus auf Zechen und es wird gesagt, dass Alkohol bei ihnen Verheerungen anrichtet weil sie ihn nicht gewohnt sind ...


    Mit den Orks habe ich mich zugegebenermaßen nicht so stark beschäftigt, sehe da aber eigentlich nur die Überlappung "Antagonisten". Das Erobern ganzer Städte und die Unterjochung der Einwohner kennt man von den Western-Indianern ja eher nicht so ...


    Bei Elfen sehe ich da schon mehr Ähnlichkeit.


    Ich glaube, man bekommt schon das eine oder andere Aha-Erlebnis, wenn man darauf schaut, wer das frühe DSA geprägt hat: literarisch gebildete 68er aus dem studentischen Milieu der Bonner Republik. Platt ausgedrückt: Uli Kiesow war im Grunde mein Onkel, nur mit mehr Interesse an Fantasy und ohne Einstellung in den Schuldienst.


    Wo liegt da jetzt das Aha-Erlebnis?

    Das frühe DSA gab es ungefähr zu der Zeit als ich zur Welt kam, und ich kam in ungefähr dem gleichen Milieu zur Welt.

    Mit anderen Worten: Ich wäre gar nie auf die Idee gekommen, dass DSA von irgendeiner anderen Sorte Person erfunden wurde.


    Wer hätte es denn sonst erfunden haben sollen?


    Nichtsdestotrotz: "Literarisch gebildet" schließt "Geschichtsbücher lesen" nicht aus.


    Die Idee der Welt basiert ganz klar auf literarischen Vorlagen, sicher.


    Allerdings beschleicht mich gerade bei den Goblins der Verdacht, dass doch mal ein Geschichtsbuch als Quelle gedient hat. Zumindest ist mir die Theorie, dass die nordamerikanischen Indianer hauptsächlich durch Übertragung europäischer Krankheiten ausgerottet wurden, eher aus Geschichtsbüchern sowie Internetquellen bekannt als aus der Literatur.


    Es ist natürlich ein Flickenteppich. Dass sich da niemand hingesetzt hat, und logisch konsistente Kulturen von Grund auf erschaffen hat (wie es Tolkien mit seinen Sprachen getan hat) ist ersichtlich.

    Aber die völlige Abwesenheit von Fachliteratur als Quelle würde ich bestreiten. Zumindest für DSA 4.1, das ich die meiste Zeit gespielt habe.

    Ich nicht, da rollen sich mir die Fingernägel hoch. Irdische Anleihen foltern Grumbrak. Oder wie es die Flanders (Simpsons) sagen würden: "Lügen tun dem kleinen Jesus weh!"


    Wie spielst du dann überhaupt DSA? Das ist doch vollgestopft mit Dingen, die man so oder so ähnlich aus der Realität kennt.


    Menschen sind doch gar nicht in der Lage, sich etwas auszudenken, was sie nicht kennen. Jedenfalls nicht in nennenswertem Umfang und gleich gar nicht, wenn es um Kultur geht.


    Deswegen freu ich mich immer, wenn eine fiktive Kultur erkennen lässt, dass jemand mal richtig viel recherchiert hat, auch in Kulturen, die dem Durchschnittsdeutschen völlig unbekannt sind. Dann ergibt nämlich mal was Sinn. (Und der Durchschnittsdeutsche hält es für gut erfunden.)


    Aventurien ist von vorne bis hinten aus realen Kulturen zusammengeklaut, wenn einem das wehtut müsste man eigentlich permanent Schmerzen leiden wie ein Paktierer im Tempel.



    Wenn frau mit Holzobjekten fliegen kann, aber nicht mit solchen aus anderen Materialien, dann wird es noch einmal interessanter, Objekte aus Holz herzustellen, wenn und wo es möglich ist.


    Das ist tatsächlich ein Grund den ich so akzeptieren kann ... weil man den auch im Spiel so beobachten kann. ^^


    Ich weiß jetzt auch tatsächlich nicht aus dem Kopf, ob der Hartholzharnisch genauso gute Werte hat wie Metallrüstungen. (Holz, das in Sachen Stabilität mit Metall mithalten kann, hat wiederum ganz andere Logikprobleme.)


    Aber grundsätzlich gilt: Wo immer eine kulturelle Eigenheit sich nicht aus denselben Gründen ergibt wie im irdischen Vorbild, muss man eben irgendwas anderes erfinden. Und das rangiert dann in seiner Glaubwürdigkeit von schon so irgendwie logisch bis haarsträubend unlogisch.

    (Dass irgendein Kerl die weibliche Thronfolge abschaffen will, weil eine einzige Frau mal schlecht regiert hat, und alle das akzeptieren, obwohl Frauen historisch nie unterdrückt wurden ... ist zum Beispiel völliger Käse, und das ganze Ding wurde wohl auch nur gedreht um einen Plot zu ermöglichen. Sowas ... muss echt nicht sein.)


    In manchen Fällen wäre es dann besser, ebenjene kulturelle Eigenheit einfach ganz wegzulassen.


    Mal von mir als Nicht-Tänzer:


    Logisch wäre doch eigentlich, dass die Person führt, die besser tanzen kann. :/

    Zumindest höre ich immer, dass in Tanzschulen Männermangel herrscht, weil es schwieriger ist, wenn man führen muss.


    Kann natürlich spontan auf einem Ball schwer rauszufinden sein, aber auf so einem richtig protzigen Ball mit Tanzkarten, kann man ja die eigene Fähigkeit auf einer Skala von eins bis zehn gleich mit angeben.


    Dann kann man auch gleich sehen, ob der Tanzpartner zur Selbstüberschätzung neigt. Das könnte die gesamte Dynamik eines Balls ändern, und dazu führen, dass auch öfter mal mit gleichgeschlechtlichen Partnern getanzt wird. (Paartänze sind sowieso komisch. Einerseits gelten sie ... nunja, meistens als nicht sexuell konnotiert und mit Familienmitgliedern zu tanzen ist akzeptiert, aber mit Personen des gleichen Geschlechts zu tanzen würde wohl doch zu Gerede führen ... wobei im frühen - realzeitlich gerechnet - Aventurien Homosexualität ja offenbar recht akzeptiert war :/ ) Schließlich ist es bei Hofintrigen wichtig zu wissen, wer dazu neigt, sich zu viel zuzutrauen.

    Wobei man natürlich auch bluffen kann ...



    Also ich bin ja ein ganz großer Fan von irdischen Anleihen. Wenn sie gut gemacht sind und man eben gleich zusammenhängende Sachen so klaut, dass sie noch passen.


    Die aventurische Gleichberechtigung, so vernünftig und spielspaßfördernd sie auch ist, ist nicht wirklich logisch konsistent aufgebaut. Eine Kultur in der wirklich aus sich heraus Gleichberechtigung der Geschlechter herrscht, würde nämlich gefühlt so gar nicht zum irdischen Mittelalter passen, weswegen die tatsächliche Kultur denn auch ein logisch inkonsistenter Flickenteppich ist, mit Ausnahme von Andergast, wo eben konsequent Mittelalter herrscht. Stört mich aber nicht weiter, das kann ich ignorieren, es gibt ja handfeste Gründe dafür.


    Schaut man sich dagegen die als "matriarchalisch" gesetzten Völker an, so kommen die einer logisch nachvollziehbaren Gleichberechtigung am nächsten - und das nicht von ungefähr, die sind nämlich von realen Kulturen geklaut. (Also außer Aranien. Aranien ist, soweit ich es beurteilen kann, frei erfunden, aber in Grundzügen gar nicht mal so unlogisch.)


    Freilich hat man da auch wieder Dinge hinzugefügt, die überhaupt nicht passen. Die Sippenehe der Norbarden ist ja nett, aber wenn man logische Konsistenz möchte, muss man das eigentlich so interpretieren, dass es überhaupt keine Ehe ist, und nur so genannt wird, damit die Traviageweihten keinen Herzinfarkt kriegen.

    Das wäre eine in sich logische Interpretation, wäre da nicht der Vorschlag, dass Charaktere ins Abenteuerleben starten können um einer arrangierten Ehe zu entkommen. :cry:


    Ich weiß, das ist ein liebgewonnenes Trope, aber es ergibt halt keinen Sinn. Man macht das eigene Kind nicht aus purer Boshaftigkeit für's Leben unglücklich, obwohl es keinerlei zwingende gesellschaftliche Gründe gibt, das zu tun. Ganz besonders macht man das nicht mit Kindern, die man selbst aufgezogen hat. Sämtliche Überlegungen zur Vererbung von Grund und Boden fallen bei Norbarden weg, also warum um alles in der Welt sollten sie ihre Kinder dergestalt zur Flucht animieren?


    Wobei ich sagen muss, ich finde die missliebige arrangierte Ehe auch bei Zwergen nur ... sehr begrenzt logisch, meine aber, auch das schon irgendwo gelesen zu haben.



    Der maraskanische Hartholzharnisch ergibt eigentlich auch nur in Kombination damit Sinn, dass in Maraskan Metallknappheit herrscht. Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt der Fall ist!

    Wobei mich sowas weniger stört als soziale Inkonsistenzen, weil man eben selten damit konfrontiert wird.

    (Die unlogische arrangierte Ehe dagegen fällt eben auseinander, sobald reisende Helden bei der Rettung einer dadurch in Nöte geratenen Person mal die Frage stellen, was dieser Mist eigentlich soll. Was sie wahrscheinlich tun werden, wenn sie der Typ Held sind der eben Probleme lieber ohne Gewalt löst.)


    Es ist wirklich schwer, aus einer Kultur nur ein bisschen was zu klauen, und es dann logisch in Einklang mit etwas aus einer anderen Kultur geklautem zu bringen. Weil manche Sachen eben nicht wirklich kombinierbar sind.


    Einiges an Inkonsistenz ergibt sich logisch daraus, dass man eben "für alle etwas" haben will, wie das Nebeneinanderexistieren von Rüstungen und Waffen aus allen möglichen Kulturen und Epochen. Okay, da drücke ich ein Auge zu, das macht ja den Reiz dieser Welt aus.


    Aber anderes ist eigentlich völlig unnötig, bzw. wurde nur integriert, damit bestimmte Plots in jeder Kultur spielbar sind, was ich nicht für einen validen Grund halte. Dann geht halt der "Ich enfliehe einer arrangierten Ehe" Plot nur in Andergast* - na und?


    Oder "Haha, Überraschung, der stolze Krieger nimmt seinen Helm ab und ist ... eine Frau!" geht dann eben nur in Andergast*.




    *= Oder in samt und sonders allen patriarchalischen Kulturen, von denen es ja eigentlich reichlich gibt. Nur halt nicht im Mittelreich.

    Artemis500

    Es geht nicht um "sofort, immer, ständig". Hör auf zu übertreiben!


    Bei One-Shots bin ich durchaus kompromissbereit. Bei Kampagnen allerdings nicht. Da werden solche Dinge irgendwann Thema werden. Und wer keinen Bock darauf hat, dass die Autonachteile eines Charakterkonzepts auch ins Spiel kommen, der hat wohl auch keinen Bock auf dieses Charakterkonzept. Wenn ich nicht will, dass mein Held nur 1,40 groß ist, spiele ich doch auch keinen Zwerg.


    Dann hast du meinen Beitrag wohl nicht richtig gelesen. :/


    Dazu kann ich dann auch nichts weiter sagen.

    Aber ich würde schon nachfragen, warum jemand einen Tsa-Geweihten spielt, der sich mit dem Problem von Pazifismus und Freigeistigkeit in einer konservativen und tendenziell gewalttätigen Gesellschaft nicht auseinandersetzen will.

    Davon war doch nie die Rede.


    In den meisten Fällen wird jemand einen Tsageweihten spielen wollen, weil er einfach Bock drauf hat - und das unabhängig davon, welche Abenteuer dann gespielt werden.


    Soll man dann als SL sagen: "Nö, ist nicht, das ist ein harmloses Anfängerabenteuer, da muss er sich ja gar nicht damit auseinandersetzen, dass sein Pazifismus mal Probleme machen könnte. Spiel lieber nen Söldner mit Prinzipientreue Kor, da können wir dann seine Gewissensbisse ausspielen wenn er drauf verzichtet hat, die Schwachen zu unterjochen ..."


    Das ist doch Käse.

    Klar, wenn jetzt jemand einfach einen auf Gesellschaftstalente optimierten Charakter basteln würde, weil er weiß, dass es in dem Abenteuer darum geht, und sich dann noch einen Tsa-Moralkodex draufhaut, von dem er annimmt, dass der nie wichtig wird ... da würde ich schon was sagen.


    Aber automatische Nachteile müssen immer erlaubt sein, sonst hat man ständig Charaktere, die sich in einer Umgebung bewegen die sie eigentlich hassen, und eine ziemlich Game of Thrones mäßige Stimmung. Nicht wirklich mein Ding.


    Außerdem würde es in ziemlichen Aufwand ausarten, wenn man im allerersten Abenteuer, das die Gruppe spielt, samt und sonders allen alle ihre Nachteile um die Ohren hauen will.


    Interessante Betrachtungsweise, wäre mir aber zuviel Aufwand. Eben auch darum, weil vieles einfach drin ist.


    Jemandem zu verbieten, einen Tsageweihten zu spielen, weil es ein beschauliches Dorfabenteuer ist, das ohne Gewaltanwendung gelöst werden kann? Nö. Da dann zwanghaft irgendeine Situation einbauen, in der er sich entscheiden muss? Muss jetzt auch nicht sein.

    Moralkodex und Prinzipientreue sehe ich eher als Absichtserklärung, wie man den Charakter zu spielen gedenkt. Das muss nicht drauf hinauslaufen, dass schwere Entscheidungen getroffen werden müssen - in manchen Abenteuern muss den Prinzipien eben nur etwas Zeit und Geld geopfert werden, das ist dann auch okay.


    Klar, wenn jemand Angst vor Nagetieren hat, dann wird früher oder später eines auftauchen. ;)


    Aber bloß weil die Amazone Vorurteile gegen Männer hat, werde ich nicht um's Verrecken einen Mann in das Abenteuer ... hm ja gut, das war vielleicht ein schlechtes Beispiel.

    Meine bisherige Erfahrung ist, dass man nie weiß, wann jemand abspringt, und es tatsächlich sein kann, dass nur ein Abenteuer gespielt wird. Auch wenn man eigentlich mehrere spielen wollte. Der Charakter wird also entweder so erstellt, dass man das spielt, was man eh schon immer mal spielen wollte, solange es halbwegs passt - oder eben passend für das erste Abenteuer.


    Wenn ich also sage, wir starten in der Wüste, und jemand will Meeresangst nehmen, ohne, dass das irgendwie zum Charakterkonzept passen würde ... wäre der Verdacht der AP-Erschummelei schon da.


    Bei Leuten die ersichtlich keine Powergamer sind, bin ich da aber liberal.


    Es ist nunmal so, dass bei manchen Charakteren auch schon zwangsläufig Sachen mit drin sind, die GP geben, aber sich nicht nachteilig auswirken.


    Prinzipientreue und Moralkodex bilden (im Idealfall) ab, wie jemand seinen Charakter sowieso spielen möchte. Wer ein Schiff besteigen will, versucht seine Meeresangst zu überwinden, wer klettern will, muss gegen seine Höhenangst ankämpfen ... aber wenn die Gruppe gerade zum Turnier unterwegs ist, und hört, dass der Sohn der Baronin von Räubern entführt wurde ... wird die Ritterin dann sagen: "Oh nö, da komm ich ja zu spät zum Turnier, ich mach da jetzt einfach mal nix, ich reiß mich jetzt zusammen und überwinde meine Prinzpientreue"? In neun von zehn Fällen sieht das Charakterkonzept vor, dem Jüngling in Nöte zu Hilfe zu eilen, und der Spieler würde überhaupt keinen Charakter spielen wollen, der das nicht tut.


    Wie viele Phexgeweihtenspieler kommen schon mal in die Situation, dass sie sagen: "Och, eigentlich wollte ich jetzt auf dem Weg zum Schurken alle Wachen, den kleinen Schoßhund und die Katze meucheln, bevor ich den Schurken zu Tode foltere ... aber der blöde Moralkodex lässt mich nicht" ?

    Wenn also irgendeine Phobie oder ein Vorurteil zum Charakterkonzept einfach dazugehört, dann darf das auch genommen werden.