Posts by Barbarossa Rotbart

    Und hat er gefallen?

    Eigentlich schon ...

    Mich nerven die Fantasienamen, die so uneinprägsam sind, dass man sie sich auch nach dem vierten Auftreten nicht merken kann. Gerne drei-silbig aufwärts oder schlimmer noch, zwei-silbig, aber mit Apostroph getrennt.

    Das ist aber ein anderes Problem.

    Hauptsache es klingt fremd.

    Und das sollten die Namen schon sein. Wenn nicht fremd, dann doch bitte wirklich altmodisch, und zwar so richtig altmodisch. Wie man halt vor tausend Jahren hieß. Die Namen müssen auch irgendwie zur beschriebenen Kultur passen.

    Es gibt Ausnahmen: die Shannara-Reihe spielt in einer post-apokalyptischen Zukunft in den USA, da passen dann moderne Allerweltsnamen.

    The Bard's Tale Trilogie

    Damals auf dem Amiga kam ich beim ersten teil nie sonderlich weit, habe mich ständig verlaufen oder bin an viel zu mächtige Gegner geraten. Die 2018 erschienene Neuauflage ist da dank Automap-Funktion und Tooltipps deutlich einfacher ...

    Es geht um das Eintauchen in die Welt. Wenn da englische Allerweltsnamen (inklusive Kurznamen) verwendet werden, ist das eher hinderlich. Tolkien kann man das verzeihen, er gehört schließlich mit zu den ersten und außerdem hat er in den Anhängen klar gemacht, dass dies nur Übertragungen ins Englische sind. Terry Brooks kann man dies auch verzeihen, da seine Shannara-Romane in der Zukunft spielen. Aber George R. R. Martin und viele andere sollten eigentlich besser wissen ...

    Unfrei sein müssen um nicht im Krieg verheizt zu werden ist kein Leiden?

    Ja, denn früher wurde sehr viel Krieggeführt. Da ist es nur verständlich, dass viele einen Teil ihrer Freiheit aufgaben, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen. Aber das ist etwas, was wir uns heute nicht vorstellen können. Die Unfreiheit wurde erst dann zu einem Problem, als man ihnen weitere Pflichten wie fronarbeit und spezielle Abgaben auferlegte und ihnen die wenigen recht, die sie hatten, nahm. Das Unfreiheit nicht zwangsläufig zu Armut und Leid führen muss, sieht man ganz gut in England. Dort wurde die Leibeigenschaft abgeschafft und durch ein Pachtsystem ersetzt, weil es, grob gesagt, wegen des Reichtums vieler Leibeigener nicht mehr funktionierte. Andernorts verschlimmerte sich aber ihre Lage, weil ihre Herren meinten, dass Recht zu haben, sie regelrecht auszupressen. Und meist passierte dies, weil das Feudalsystem nicht mehr richtig funktionierte.

    Sonst bin ich immer sehr, sehr vorsichtig wenn ich "Wir sollten unsere Moral nicht auf vergangene Zeiten projizieren". Ja, moralischer Absolutismus ist problemlos, mal davon abgesehen dass die Moral als Schlussfolgerung oft Nuancen vorher ignoriert. Aber andererseits lese ich das in letzter Zeit immer mehr in einem "dog whistle" Kontext.

    Wir sollten nie unsere Moralvorstellungen auf vergangene Zeiten projizieren! Das führt nämlich immer zu gefährlichen Fehlschlüssen.

    Moment, es ist schon ein Unterschied zwischen positiver Darstellung und Abwesenheit von Kritik, gerade wenn wir jetzt nicht von einer allgemeinen Rollenspiel-Weltbeschreibung reden, sondern von einem konkreten narrativem Strang, wo so etwas nur sinnlose Ablenkung wäre.

    Kritisierbar wären sie's, aber das sollte keine Moby Dick-artige Seitenfresser-Einlage sein.

    Du sollest das im Zusammenhang mit dem von Dir nicht zitierten Satz sehen, dass selbst eine negative Darstellung des Kolonialismus ein Klischee ist.


    Wie ich schon schrieb: Nicht alles ist schwarz-weiß. Vieles, was wir heute aufgrund unserer Moralvorstellungen kritisieren, wurde damals selbst von den direkt betroffenen nicht so gesehen.

    Fantasy-Tropes, die ich nicht mehr sehen kann:

    • ...

    Der größte Teil davon ist eher allgemeine Storytelling-Kritik und kommt auch in anderer Literatur vor.

    Fantasy-Tropes, die ich nicht mehr sehen kann:

    • Queere Menschen existieren nicht oder leiden nur unter ihrer Queerness
    • Weibliche Charaktere sind immer sexy oder ihre gesamte Persönlichkeit dreht sich darum, dass sie plötzlich nicht mehr sexy sind (zuletzt gesehen: Theaterritter-Kampagne)
    • Sexuelle Gewalt

    Ich frage mich eher, wieso manche Autoren das Sexualleben ihrer Pro- und auch Antagonisten so sehr in den Vordergrund stellen, auch wenn es für die Handlung vollkommen unwichtig ist und manchmal nur dem Zweck dient, Token-Charaktere zu schaffen.

    • Zauberschulen

    Wenn Du Zauberschulen, wie bei Harry Potter meinst, dann ist das fast schon ein unerträgliches Klischee, aber das ist nicht immer der Fall. Ich finde es eher unrealistisch, dass es, wenn es Akademien und Schulen gibt und Magie nicht selten ist, ausgerechnet Zauberer nach dem klassischen Lehrling-Meister-Schema und nicht an einer Schule unterrichtet werden.

    • Positive Kolonialismusdarstellungen

    Das Gegenteil ist aber auch ein unerträgliches Klischee, besonders, weil gerade solche Geschichten fast immer in den Bereich Grimdark gehören.

    Wenn man den Kolonialismus der Neuzeit kritisiert, müsste man eigentlich auch die mittelalterlichen und antiken Formen desselben genauso scharf kritisieren und negativ darstellen. Nicht alles ist schwarz-weiß. Nicht alles, was wir heute schlecht finden, war früher auch wirklich schlecht. Dadurch komme ich zu folgenden Mittelkalter-Klischee:

    • Die Landbevölkerung bestand nur aus Adligen und unfreien Bauern, die alle darunter zu leiden hatten. Was nicht stimmt. Im Frühmittelater sind sehr viele Bauern freiwillig in die Unfreiheit gegangen, weil sie sich so dem Wehrdienst entziehen konnten. In einigen Regionen wurde die Leibeigenschaft schon im Mittelalter abgeschafft und anderen Regionen erst in der Frühen Neuzeit eingeführt.

    Um den Beitrag von Grumbrak zu ergänzen:

    Es gab zwar früher schon (besonders im 18./19. Jahrhundert) Frauen, die als Mann lebten, aber dies kann man nicht mit dem heutigen Transgender vergleichen. sie sahen sich nämlich immer noch als Frauen, tarnten sich aber als Männer, um frei leben zu können.

    Auch kann man die verschiedenen Ausformungen des sogenannten Dritten Geschlechts in einigen Kulturen ebenfalls nicht mit dem heutigen Transgender vergleichen, weil dies sehr genau und sehr streng definiert ist.

    Die erste geschlechtsangleichende Operation gab es übrigens in den 1920ern, endete aber mit dem Tod des Patienten...


    Aber das ist ein anderes Thema.

    - Achja und queere Leute gibt's in Fantasy auch nciht weil das gab es ja "damals" auch nicht. Damals, als die Welt noch Mittelerde hieß. De facto gibt es queere Leute ja erst seit... *wirft Dartpfeil* der Jahrtausendwende.

    Das wundert mich jetzt nicht. Früher war dies schließlich ein Tabu-Thema. Wenn, dann wurde höchsten Homosexualität in irgendeiern Form verabeitet und selten positiv dargestellt. Den ältesten Fall, den ich jetzt keine, ist eine Szene aus der Conan-Geschichte "Red Nails", von der REH selbst sagt, dass es sein Versuch sei, Lesbianismus einzubauen. Transgender ist erst seit einigen Jahren ein Thema und kommt daher auch selten vor.