Der erste seiner Art

  • "Was für ein Tag", denkt sich der ehrenwerte Bader Sentoziber wohl im Stillen, "Mein ehrenwertes Haus ganz und gar voll von Fremdijis und dabei gar eine Kreatur, bei deren Schöpfung wohl Rurs Werkbank gewackelt haben muß! Und dazu noch Getier aller Art - Ach, das mag Gror alles verstehen!"
    Dabei eilt der beleibte Mann in den besten Jahren geschäftig hin und her, um keinen Wunsch seiner Gäste unerfüllt zu lassen, die allein oder zu mehreren in den verschiedenen Zubern und Trögen des geräumigen Badehauses sitzen.


    Besucher wie der maraskanische Leibwächter Vitoran, der seit einigen Monden im endlich befreiten Sinoda heimisch ist, schätzen die detailreiche traditionelle Badezeremonie, viele Zugereiste dagegen finden sie womöglich etwas exotisch.


    So etwa die darpatische Schwertgesellin Madara, vor kurzem in Sinoda angekommen, um dem Haran der Stadt ein wertvolles Streitroß als Geschenk ihrer Lehnsherrin zu überbringen. Wohl konnte sie sich noch noch mit der Zeremonie-des-Wasserwärmens anfreunden, die Zeremonie-des-Entkleidens ging dann schon ein wenig auf die Nerven und die Zeremonie-des-viermaligen-Eintauchens... nun ja.


    Ihre treue Begleiterin, die goblinische Heilerin Grummbruzi, staunt derweil über die Wunder des Shîkanydads fast ebensosehr, wie die braven Bürger des freien Maraskans über das unbekannte Wesen aus dem Norden.


    Mit den zweien im großen Badebottich sitzt außerdem Meister Yann, ein Vetter Madaras väterlicherseits aus dem Garethischen, der die Gelegenheit genutzt hat, seine Base auf die Reise zu begeleiten. Heißt es nicht, auf der Insel hätte man bloß hölzerne Wurfscheiben als Jagd- und Kriegswaffe? Hier oder nirgends kann ein talentierter Bogenbauer das Geschäft seines Lebens machen!


    Eben sind zu Sentozibers Bestürzung zwei weitere Garetjas eingetreten: Die horasische Falknerin Alena, der eine Wahrsagerin offenbarte, sie werde einen verlorenen Schatz in der Perle auf dem Stachel einer Maraske [Sinoda - Shîkanydad - Maraskan] finden, tritt mit bangem, suchendem Blick in den Baderaum.


    Dichtauf folgt ihr Landsmann Nesro, Entdecker seines Zeichens, mit dem sie sich auf der Überfahrt anfreundete. Im Auftrag der Herzöglich Botanischen Societaet von Methumis soll hier einen Artikel über das legendäre Jagdgras recherchieren.

  • Im Badebottich


    "Ahhh... schön!" meint Grummi fröhlich als sich sich in dem Badebottich die Beine mit der großen Bürste abschrubt, wobei die Zehen an ihren aus dem Wasser ragenden Füßen mit erstaunlicher Beweglichkeit wackeln. An sich war das Wetter hier zwar ganz schön heiß, aber es war noch irgendwie zu ertragen, wenn sie sich nur dünn anzog. So hatte sie in den letzten Tagen aus einer ihrer Blusen eine Art bauchfreies irgendetwas improvisiert und einen ihrer Röcke gekürzt - den konnte man ja wieder zusammennähen, wenn man zu Hause ist, das bisschen Naht... Eigentlich hätte sie auch kein Problem gehabt in der Mittagssonne nackt herumzulaufen - die Maraskanis in der Badestube hatten schon gemerkt dass das kleine Pelzwesen keine allzugroße Scham bezüglich seines Körpers hatte - aber die Menschen sahen einen meist als Zivilisierter wenn man etwas anhatte.


    Die kleine Goblina ist gerade mal 7 Spann groß und hat eine recht Kurvenreiche Figur. Der ganze Körper mit Ausnahme von Gesicht, Handflächen und Brüsten ist mit einem flauschigen rotbraunen Fell bedeckt und die Iris ihrer Augen sind in einem für Menschen eher ungewohnten Dunkelrot gehalten. In ihr Haupthaar hat sie sich einige kleine Zöpfe geflochten und einige Schneckenhäuser und Muscheln sind darin eingeflochten.
    Auf dem Haupt der im Badezuber sitzenden Goblina steht momentan der Madara gut bekannte kleiner Iltis Pjotr, der - immer bereit wieder in trockene Sicherheit zu springen - misstrauisch das schaumige Wasser betrachtet und vorsichtig mit einer Pfote ins Wasser platscht dass so ungewohnt warm war.


    Yann hatte aus den Erzählungen Madaras schon mitbekommen dass die kleine Goblina zwar ein seltsamer Geselle, aber eine treue Seele, gute Köchin und fähige Heilerin war, noch dazu eine Akoluthin der Perraine.

  • Das Wasser ist äußerst angenehm und nach der langen Überfahrt tut es noch dreimal mehr gut. Obwohl ihr die Maraskaner irgendwie...seltsam...vorkommen, sind sie doch sehr gastfreundlich und das ist alles, was zählt. Madara hält die Augen geschlossen und lehnt sich entspannt zurück. Sie ist mehr als einen Kopf größer als Grummi, 85 Finger vielleicht und von nach menschlichen Maßen sehr rahjagefälligem Äußeren. Das Gesicht ist oval, sehr ebenmäßig geschnitten und wird von langen dunkelroten Haaren umrahmt. Dunkelbraune Augen und ein etwas dunklerer Taint könnten eine tulamidische Abstammung vermuten lassen, auch wenn sie doch deutlich eine Mittelländerin ist. Um ihren Hals hängt an einer einfachen Kette aus Silber ein ungeschliffener Amnethyst, den sie niemals ablegt.
    Auf Grummis Ausruf hin muss sie lächeln: "Ja, so lässt es sich leben.", sagt sie gut gelaunt und beginnt leise ein Lied zu summen.

    Der Himmel hat dem Menschen als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten des Lebens drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen.


    - Immanuel Kant

  • Vitoran sitzt mit einigen Bruderschwestern in einem Badezuber und lauscht vor allem deren Gesprächen. Für einen Maraskaner erscheint er im Moment sehr schweigsam und zurückhaltend, zumal er ja mit seinen Landsleuten zusammen ist. Nur gelegentlich wirft er einige Dinge auf schnellem Maraskani ein, um danach wieder zu schweigen.
    Der junge Mann dürfte etwa Mitte zwanzig sein, sein schwarzes Haar ist kurz gehalten und ein, mal mehr, mal weniger gepflegter, Drei-Tage-Bart ziert sein Kinn. Die Augen sind von hellem grün, scheinen aber in letzter Zeit zu viel gesehen zu haben oder aus anderen Gründen eher wenig Freude auszustrahlen, sondern eher etwas traurig in die Welt zu blicken. Auch seine Körperhaltung drückt nicht gerade übergroße Lebensfreude aus, obwohl er anscheinend etwas für ihn tut. Zumindest würde das die sehnige Gestalt mit den durchaus definierten Muskeln erklären, auch wenn er nicht gerade ein Kraftprotz ist. An der linken Schulter finden sich zwei kleine Narben, die aber natürlich auf der gebräunten Haut auffallen. Und vor allem eine große Narbe, die sich von der rechten Schulter aus quer über seinen Rücken zieht, fällt natürlich ins Auge.

  • Alena ist sich mittlerweile nicht mehr so sicher, ob es eine gute Idee war, dieses Badehaus zu besuchen. Entspannung wird sie hier wohl nicht finden. Nun gut, einfach das beste daraus machen. Sie strafft ihren Körper und geht ein paar weitere Schritte in den Raum hinein. Zu schämen braucht sie sich nicht. Sie ist ist für eine Horasierin nicht besonders groß, hat mit ihren 21 Götterläufen jedoch einen schlanken weiblichen Körper, dem man jedoch ansieht, dass sie ihre Zeit nicht mit Müßiggang verbringt. Die langen rotbraunen Haare, die sie normalerweise zu einem Zopf über der Schulter geflochten trägt, fallen ihr locker über den Rücken. Ihre Augen sind von einem dunklen grün, ihr Gesicht ist fein geschnitten, hat jedoch auch einen eher abwesenden und ernsten Ausdruck. Ihrer Haut ist anzusehen, dass sie sich viel im freien aufhält, die Sonne hat ihr einen etwas dunkleren Teint gegeben. In der Hand hält sie einen kleinen Lederbeutel, den sie anscheinend normalerweise an einem Riemen um den Hals trägt. Um die Badegäste nicht allzu genau mustern zu müssen - zu viele schmerzhafte Erinnerungen - wendet sie den Blick halb zu ihrem Begleiter um. Allzu lange würde sie hier nicht bleiben. Je schneller sie sich auf die Suche nach dem Schatz machen kann, desto schneller kann sie wieder zurück. Obwohl sie sich sehr gut mit Nesro versteht, hat sie ihm den Grund für ihren Kummer nicht anvertraut, sie hat im Laufe der Zeit zu viel unverständliches Kopfschütteln geerntet. Auf ihrer behandschuhten Hand sitzt ein schön anzusehender Blaufalke, der die Umgebung um sich herum ausgiebig mustert.

    Nichts ist besser als ein guter Freund, außer ein Freund mit Schokolade (Charles Dickens)

  • "Warum will eigentlich deine Herrin diesem "Harun" ein Pferd schenken? Nach dem was ich so über Maraskan gehört habe und da draußen sehe, wird es hier wohl jede Menge Dinge geben die einem das Pferd direkt unter dem Hintern wegfressen..." meint sie wenig beschönigend in zwar sehr sauberen Garethi, aber mit deutlichem Bornländischen Akzent, der dazu noch mit dem einen oder anderen Grunzlaut angereichert ist, wie er der Goblina öfters mal entfleucht. "... Oder hat das mit dem Pferd eine tiefere Bedeutung für sie? Sieht ja auch irgendwie anders aus als die Ackergäule auf den Felder bei Festum. Ist es teuer?" fragt sie neugierig. Mit Pferderassen kannte sie sich nicht allzugut aus. Eines Entbinden schon, aber ob es jetzt ein Brauereipferd oder ein edler Tulamide wäre, wre ihr eigentlich völlig egal.

  • "Ich weiß nicht, warum Ihre Hochwohlgeboren nun genau ein Pferd schenkt. Sie meinte, dass es wichtig ist in diesen Zeiten mit Sinoda gute Beziehungen zu haben. Ich habe nicht groß nachgefragt.", eine Antwort, wie sie für Madara recht typisch ist. Sie ist ihrer Herrin gegenüber loyal ergeben und hat bisher nie einen Befehl in Frage gestellt und auch nur sehr selten hat sie nur daran gedacht. Viele mögen darüber nur den Kopf schütteln, aber sie kennt kein anderes Leben und es ist ihr dabei nie schlecht ergangen. Auch weiß Grummi, dass sie früh gelernt hat sich aus den Belangen des Adels herauszuhalten: wer nichts weiß, kann auch nichts verraten. Auf das Pferd angesprochen sagt sie: "Es ist in der Tat ein sehr schönes und wertvolles Tier. Sehr trittsicher und ruhig, manchmal vielleicht etwas eigen, aber ein treuer Begleiter auf jeden Fall. Natürlich nichts im Vergleich zu Gruschka...", sagt sie und grinst Grummi dabei schelmisch an.

    Der Himmel hat dem Menschen als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten des Lebens drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen.


    - Immanuel Kant

  • "hehe... natürlich nicht... Aber ich denke sie ist bei Senää wirklich besser aufgehoben... hier hätte ich zuviel Angst, dass sie irgendetwas beißt. Aber es sieht wirklich interessant aus hier in diesem Land. Diese Menschen sind so ... so bunt. Und ihre Häuser sehen fast aus wie die in Festum nur eben aus Holz und nicht aus Backsteinen. Wirklich ein komisches Land. Aber gut, für die bin ich wahrscheinlich das exotische." meint sie lächelnd. "Aber das die so zeremoniell mit dem Baden sind... Da kann man doch auch einfach gleich anfangen zu planschen..."

  • Während Vitoran ein wenig trübsinnig vor sich hinschaut, tauschen zwei Perlenfischerinnen in seinem Zuber eifrig den neuesten Kladj aus. Die Hafengebühren sind wieder einmal erhöht worden, die Rivalität zwischen Ziegelbrennern und Alabastermetzen gipfelte unlängst in einer größeren Schlägerei, die Renovierungsarbeiten am verfallenen Efferdtempel sind vorerst eingestellt worden... Plötzlich scheint es dem badenden Kämpfer, als sich die dichten Dampfschwaden für einen Moment teilen, als erschiene dort die Gestalt seiner lange vermißten Gefährtin Alena, die sich mit zögernder Miene umblickt. Noch bevor er genauer hinsehen kann, verschwindet die Figur jedoch wieder im dichten Nebel. Eine Täuschung wohl - oder?


    Zu Madera, Grummbruzi und Yann kommt nun einer der Hilfsbader mit einer Auswahl verschiedener Naturschwämme, um die Zeremonie-des-achtfachen-Schrubbens zu vollziehen.


    Nesro und Alena werden derweil von der Dame des Hauses, Fräulein Yuna, in leicht verschliffenem Maraskani empfangen: "Seid gegrüßt, Wertagast, Wertagast! Kommerein, Kommerein! Wollsta Baden? Haarschnitt? Massiern? Rasieren, Wertagast?"

  • Zeremonie des achtfachen Schrubbens? Klingt interessant. Grummi lässt es über sich ergehen und genießt das geschrubbe sichtlich. War irgendwie wie Fellpflege bei Mama zu Hause. An ihr gab es ja auch nicht allzuviel zu schrubben.

  • Alena braucht ein paar Sekunden, um zu verstehen, was die Frau von ihr will und hofft, dass sie wenigstens selbst verstanden wird. Sie bringt ein Lächeln zustande. "Seid gegrüßt. Für mich nur ein Bad, bitte."

    Nichts ist besser als ein guter Freund, außer ein Freund mit Schokolade (Charles Dickens)

  • Nachdem Yann nun eine Weile dem Gespräch zwischen Madera und Grummbruzi mit halbgeschlossenen Augen gelauscht hat, döst er langsam ein. Schwere feuchte Luft gemischt mit den süßen Gerüchen der Seife senkt sich über seine Sinne. So ein Badehaus ist nach einem staubigen Weg das beste um die schweren Glieder zu entspannen. Träge blinzelt er mit seinen haselnussbraunen Augen und lässt den Blick schweifen. Ahh, so könnte das Leben immer sein...


    Langsam sinkt der Bogenbauer tiefer in den Badezuber bis die Nase den Wasserspiegel erreicht. Prustend schreckt er aus dem Halbschlaf auf und stößt dabei beinahe mit dem Hilfsbader zusammen, der sich gerade mit den Schwämmen über ihn gebeugt hat.

  • Die gehörten Neuigkeiten nimmt Vitoran auf, bieten sie doch eine gewisse Abwechslung zu seinem Trübsinn. Wieder einmal so ein Tag an dem er sich fragt, ob er nicht genügend gesucht hat. Oder hat er überhaupt das Recht Alena in ihrem Glück zu stören, dass sie mit Sicherheit gefunden hat – dass sie vielleicht auch tot sein könnte, kommt ihm gleich gar nicht in den Sinn. Für einen Moment denkt er auch über Gari nach, aber hauptsächlich denkt er an Alena. Aber was hätte er machen sollen? Der Priester hat doch mit Sicherheit Recht gehabt…
    Und genau diesen Gedanken scheinen auch dafür verantwortlich zu sein, dass er für einen Moment glaubt sie zu sehen. Verblüfft schließt er kurz die Augen und schüttelt den Kopf. Als er die Augen wieder öffnet, ist Alenas Gestalt auch schon wieder verschwunden. Wahrscheinlich hat er sich wirklich nur getäuscht. Aber trotzdem fühl er sich gleich wieder unwohler als zuvor. Kurz spritzt er sich etwas Wasser ins Gesicht. “Tut mir leid, ich denke ich gehe dann so langsam wieder. Rurs Segen mit Euch!“ Dann steht er auf und macht sich daran, sich abzutrocknen.

  • Sogleich beginnt die Baderin, deren Mundart Alena dank zusätzlicher Tulamidya-Kenntnisse recht gut versteht, der Falknerin nach einer alten Zeremonie (nichtsdesdoweniger in rasender Geschwindigkeit) Stück für Stück die Kleider abzunehmen und dabei jedes einzelne zu kommentieren: "Ah, Wertagast, wassa schönsterer Gapuzamantel, Rur selbst hatta Hand von demsein Schneiderer geführt! Seht, Bruderschwestern, wassa stabilsteres Paar Stiefels, würdig einer Baruuna! Erlaubt, Wertagast, dassichda Bluse von feinsterem Leinen baseitleg... und wennsta bitte den Vogel anleinen könnst, Wertagast, ja?"
    Kurz vermeint Alena, über dem Geschnatter der Baderin und dem Gemurmel der Gäste eine bekannte Stimme zu hören - Tut mir leid ... ich gehe ... Rurs Segen - kann das womöglich... oder doch nur eine Einbildung?


    Der Badeknecht wird reichlich blaß, als es daran geht, Grummi mit den Schwämmen zu bearbeiten, doch ein strenger Blick seines Dienstherren bringt ihn zur Raison, und gefaßt beginnt er sein Werk mit Bimsstein und Ifirnspilz. Deutlich erleichtert geht er sodann Madara und anschließend zu Yann über und erkundigt sich daneben höflich aber uninteressiert nach dem Woher und wohin.


    Während eine rasch herbeigeeilte Mademagd Vitoran ein sauberes Trockentuch reicht, verabschieden sich die Fischerinnen lachend und gehen bereits zum nächsten Thema über.

  • Auf die Aufforderung der Baderin hin setzt Alena den Falken mit einer kurzen Handbewegung auf einer an der Wand befestigten Stange in der Nähe ab und bindet ihn fest. Beim Klang der vertrauten Stimme zuckt sie zusammen und dreht sich unwillkürlich um. Das Geschnatter der Baderin nimmt sie kaum noch wahr. Um durch die Nebelschwaden des heißen Wassers schauen zu können, kneift sie leicht die Augen zusammen. Kann das sein....? Nein, sicher nicht - oder doch? Unwillkürlich kommt ihr die Prophezeiung in den Sinn. Ein verlorener Schatz.... "Verzeiht bitte.", meint sie hastig an die Baderin gewandt und läuft noch halb angezogen einfach los, in Richtung der Stimme. Das Herz schlägt ihr bis zum Hals. Hoffentlich ist es nicht wieder nur eine Enttäuschung.... "Vitoran?" Eigentlich hat sie rufen wollen, aber mehr als ein kleines Piepsen ist nicht heraus gekommen. Alena räuspert sich und versucht es erneut. "Vitoran?"

    Nichts ist besser als ein guter Freund, außer ein Freund mit Schokolade (Charles Dickens)

  • Madara beobachtet amüsiert, wie Grummis Fell unter dem Bürsten immer wuscheliger wird, verkneift sich aber jeden Kommentar: der Bader sieht schon angestrengt genug aus. Auf die Fragen des Baders antwortet sie: "Aus Perricum", antwortet sie eher aus Reflex auf die Frage, als aus wirklicher Gesprächsbereitschaft. Und lass mich raten, du hast irgendeinen Verwandten dort, fügt sie in Gedanken an. Dann wendet sie sich an Yann: "Und, wie ist es dir in den letzten Jahren ergangen?", sie haben sich seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gesehen. Das letzte Mal war sie noch ein Stück größer als er gewesen und sie hatten Verstecken im Perricumer Palast gespielt. Wie alt war sie gewesen? Neun, vielleicht? Dann waren es jetzt vierzehn Jahre, wenn sie ihre Erinnerung nicht im Stich gelassen hatte.

    Der Himmel hat dem Menschen als Gegengewicht gegen die vielen Mühseligkeiten des Lebens drei Dinge gegeben: die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen.


    - Immanuel Kant

  • Dankend nimmt Vitoran das Trockentuch entgegen und beginnt damit, sich abzutrocknen. Zumindest soweit das in den Dampfschwaden des Badehauses überhaupt möglich war. Er seufzt leise. Sollte er vielleicht noch einmal zum Festland aufbrechen? Hier hat er bisher ja auch kaum etwas sinnvolles getan. Und dann? Dann würde er sie wahrscheinlich nur irgendwo mit einer eigenen Familie finden. Das will er ihr dann doch nicht antun.
    Gerade als Vitoran nach seiner Kleidung greifen will, vermeint er kurz seinen Namen zu hören. Naja, unbekannt ist er ja auch nicht hier, wie auch unter Maraskanern? Aber die Stimme dazu… Kann es sein, dass er sich doch nicht getäuscht hat und er wirklich Alena gesehen hat? Kann Rurs Plan wirklich vorsehen, dass sie sich hier wieder treffen?
    “Alena?“ fragt er vorsichtig zurück in den Nebel.

  • Jetzt hatte sie eindeutig seine Stimme gehört! Alenas Herz beginnt noch schneller zu schlagen, falls das überhaupt noch möglich ist und sie beschleunigt ihre Schritte, obwohl sie vor lauter Aufregung und durch die Dampfschwaden immer noch kaum etwas sehen kann. "Vitor...." Weiter kommt sie nicht, sie stolpert über ihre eigenen Füße und prallt prompt mit jemandem zusammen. "Verzeihung..."

    Nichts ist besser als ein guter Freund, außer ein Freund mit Schokolade (Charles Dickens)

  • Ganz sicher ist er sich nicht, ob er nun wirklich Alena gehört hat. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt, also macht er einige Schritte in die Richtung, in der er vorher gemeint hat sie zu sehen. Weit kommt er allerdings nicht, als ihm plötzlich eine junge Frau in die Arme fällt, die wohl über irgendetwas gestolpert ist. In einem Reflex fängt er sie auf und stellt sie wieder auf die Füße. “Kein Problem. Nichts pass….“ Er bricht mitten im Satz ab, als er schließlich das Gesicht der Frau sieht. “Alena…“ kommt es kaum hörbar über seine Lippen. Es dauert eine, vielleicht zwei Sekunden, in denen Vitoran die Vermisste ungläubig anstarrt, ehe er sie umarmt und an sich drückt.

  • Für einen Moment ist Alena völlig überrumpelt. Als er sie in den Arm nimmt, starrt sie ihn immer noch mit offenem Mund und offenen Augen an. Erst nach und nach begreift sie, dass er wirklich hier ist. Keine Sucherei mehr, kein Hoffen, keine Ängste... Ohne darüber nachzudenken erwidert sie die Umarmung, und für ein paar Sekunden hat sie Angst, ihn wieder loszulassen. Dann kocht plötzlich wieder die mittlerweile vertraute Wut in ihr hoch, und sie befreit sich aus seinem Griff, bevor sie ihm eine schallende Ohrfeige gibt. "WO WARST DU?!"

    Nichts ist besser als ein guter Freund, außer ein Freund mit Schokolade (Charles Dickens)