Was lest ihr im Moment!?

  • Ich habe gerade einige ältere DSA-Sachen gelesen, die ich noch nicht kannte. "Der Scharlatan" und "Der Göttergleiche" von Ulrich Kiesow und "Das Auge des Morgens" von Thomas Finn (Hörbuch). Es hat mir alles sehr gut gefallen, demnächst lese ich den Klassiker "Das Zerbrochene Rad" von Kiesow.

    "Work is the curse of the drinking class!" (Oscar Wilde)

  • Wer Thomas Finn mag sollte sich (gerade als Hamburger) den "Funke des Chronos" zulegen. Da hat jemand sich sehr mit der hamburigschen Geschichte auseinandergesetzt. Ein tolles Buch.


    Dank eines Films -Arrival- hab ich mir "Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes" (Ted Chiang) zugelegt. Mal eine völlig andere Art von Kurzgeschichten.

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • So, nach etwa einer Woche ohne Computer und Internet bin ich jetzt auch mit "The long Utopia" und "The long Cosmos" von Pratchett und Baxter fertig. *seufz* Jetzt noch die zweite Hälfte von "Rasing Steam" verschlingen und ich habe wohl wirklich so ziemlich alles von Pratchett gelesen. ;(

  • Da letzte Tage "Giganten" im TV lief, habe ich nach fast einem Vierteljahrhundert ein zweites Mal zum Roman von Edna Ferber gegriffen (ich werde mir die Aufnahme noch anschauen). Keine Ahnung, warum der originale Titel "Giant" im Deutschen zum Plural wurde, denn es geht im Buch um nur einen Giganten: Texas, in jedweder Form (und nicht nur zum Guten von Texas).

    Die Sozialkritik ist vermutlich heute noch gültig, wenn wohl auch nicht in genau dieser Form. Die Figur des Jett Rink ist im Film, soweit ich mich erinnere, deutlich größer und sympathischer geworden als im Roman, in dem er nur einige Auftritte hat und ein ausgemachter Unsympath ist.

    Ich habe eine alte (es steht kein Erscheinungsdatum drin, ich tippe mal auf 50er oder 60er), und teilweise daher etwas altbacken daher kommende Übersetzung, die teilweise jedoch auch seltsam übersetzt ist, mit englischen Worten (manchmal Car statt Auto, oder Boys und Girls), oder der Erklärung, dass Cutting Horses kutten).

    Davon abgesehen lässt es sich gut lesen, ist ein interessantes Gesellschaftsportrait, zeigt (vermutlich) die Selbstwahrnehmung von Texanern der weißen, alt eingesessenen Oberschicht auf und thematisiert den rassistischen Umgang jener Zeit (der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts) mit den Mexikanern.

  • Ich habe heute "Die Pyramide des Sonnengottes" nach "Schloss Rodriganda" von Karl May ausgelesen. Drei weitere Bände fehlen noch, um das ursprüngliche "Waldröschen", einen Kolportageroman, zu komplettieren.

    Welch Intrigen, Moritaten und Kabalen! Gute Brüder, böse Brüder, vertauschte Kinder, über Jahre anwährende Rachewünsche, jede Menge Komplizen, zwar schurkisch und skrupellos, aber nicht unbedingt vertrauenswürdig, Schauplätze bislang Spanien und Mexiko, aber auch Deutschland und auf den verschiedenen Meeren. Last but not least diverse völlig umständliche Versuche, die Feinde zu töten, in dem man sie nicht etwas umbringt oder umbringen lässt, sondern das möglichst umständlich angeht (die James Bond-Filme haben das wirklich nicht erfunden, schon gar nicht in der Quantität^^)), bzw. andere mit beauftragt, die jedoch ihr eigenes Süppchen kochen. Sehr komplexe Vorgehensweisen, die einfacher sicherlich zielführender wären für die Bösewichte, aber dann die sehr lange Geschichte, die sich über Jahre hinzieht und dadurch diverse, umfangreiche Nebenstränge entwickelt, nicht funktionieren würde. Wer, warum und wie böse Dinge tat ist bald klar, aber es fehlte an Beweisen und an (vorher entführten) Personen, dazu suchen die Schurken ihr Bestes, ihre Feinde aus dem Spiel und aus dem Leben zu nehmen. Ersteres gelingt recht gut irgendwann, Zweiteres (natürlich) nicht.

    Karl Sternau ist ein fast noch besserer Held als Shatterhand, da er auch alles kann und weiß und stets recht hat, aber dazu noch von herkulischer Gestalt ist und ein hervorragender Arzt und Chirurg auf allen Gebieten.

    Unzählige Liebespaare finden sich, und egal was passiert (und es passieren viele böse Dinge den Helden), die Liebe hält während all der Tiefschläge und schlimmen Dinge.


    Bleibt zu erwähnen, dass diese doch umständlichen und wiederholt nicht erfolgreichen Vorgehensweisen vielleicht doch etwas ermüdend sind, aber im Großen und Ganzen bin ich doch gespannt, was noch alles sich auf den nächsten vermutlich an die 1500 Seiten entwickelt, bis die vertauschten Kinder dort sind, wo sie hingehören, die Verschollenen entdeckt, die Bösen ihrer Strafe zugeführt, und die Ehe- und Liebespaare endgültig zusammengeführt sind.

  • So, nach etwa einer Woche ohne Computer und Internet bin ich jetzt auch mit "The long Utopia" und "The long Cosmos" von Pratchett und Baxter fertig. *seufz* Jetzt noch die zweite Hälfte von "Rasing Steam" verschlingen und ich habe wohl wirklich so ziemlich alles von Pratchett gelesen. ;(

    Erzähl mal, Baxter und Pratchett sind ja meine Lieblingsautoren aber bislang steht das Werk aus motivationsgründen noch im Regal rum.

  • Hach, wo soll man da anfangen, ohne zu spoilern? Nun zum einen Teil hat man da die Erforschung fremder und doch oft seltsam vertrauter Welten, nur dass es keine Raumschiffe oder ähnliches braucht um diese zu besuchen. Zum anderen wird erforscht welche Auswirkungen es auf die Menschen und vor allem die Menschheit haben könnte wenn auf einmal unendlich viele Welten mit unendlich vielen Ressourcen zur Verfügung stehen. Und es wäre nicht Pratchett, wenn dabei nicht auch die Abgründe der Menschlichen Seele ausgelotet würden. Allerdings geschieht das hier deutlich ernster als etwa auf der Scheibenwelt. und tja, recht viel mehr sollte ich eigentlich fast nicht sagen.

  • Letzte Woche (oder so^^) habe ich den DSA-Roman "Steppenwind" von Niels Gaul gelesen.

    Ein recht schmaler Band mit kaum 230 Seiten, der den Fall Bjaldorns behandelt.

    Er ist extrem altmodisch geschrieben, was zwar recht interessant und definitiv anders ist, aber den Roman auch extrem sperrig zu lesen macht, zumal dann viele Sätze sehr lang sind mit gerne Klammern oder Einschüben drin, was die Sätze dann insgesamt sehr sperrig, langatmig und verwickelt macht.

    Dahingehend wäre für meinen Geschmack etwas weniger (weniger altmodischer Wortwahl, weniger Einschübe, weniger Sätze über viele Reihen) mehr gewesen.

    Von den Hintergrundsetzungen her geht der 25. Roman aus der Reihe mit den heutigen Setzungen nicht mehr konform, gerade was Geweihte und ihre Möglichkeiten angeht, ein wenig aber auch mit Magiern und Paktierern.

    Uriel, die olle Warzensau, schießt für mich ohnehin den Vogel ab, als er mit 200-300 (ein Teil davon Landwehr) Leuten mitten im bornischen Winter nach Norden zieht, im Nagrach-initiierten Winter sein Zeltlager vor der Stadt aufschlägt, keine Geschütze dabei hat und eh offenbar keinen Plan hat, wie er Stadt samt Burg einnehmen soll, ehe ihm da schon vor Ort eine gewiefte Idee kommt.

    Brin vom Rhodenstein, wenn auch kaum 25 Götterläufe jung, kommt mir nicht wie ein Meister des Bundes vor, sondern wie ein junger Mann zum ersten Mal auf großer Abenteuerfahrt, der während der Besprechung in Beilunk, auch mit seinem Kirchenoberhaupt, vor sich hin träumt und sich deshalb meldet mitzukommen, weil ihm sein alter Waffenmeister während seiner Ausbildung Geschichten aus Bjaldorn erzählt hatte.

    Markantes Merkmal der Charakterisierung der Figuren: die Bösen sind sehr dick, oder sehr dünn, in jedem Fall hässlich, mit schlechten Zähnen und ekligem Haar, während die Guten diese Merkmal nicht haben. Brin und Hauka nicht mal, nachdem sie nach fast 2 Monate auf der Reise waren und Hauka Wölfintochter, Heermeisterin des Schwertbunds, ausdrücklich wirklich kein einziges Mal ihr Kettenhemd, also ihre Kleidung, ablegte.

    Keine Ahnung, welche Orks die gefürchtet hat. Vielleicht jene drei, die auf dem Cover sind (es sind die einzigen Figuren auf dem Cover). Es taucht allerdings im ganzen Buch kein Ork auf.


    Das liest sich jetzt womöglich etwas negativer, als es gemeint ist. Die Geschichte kommt zwar nicht schnell in Schwung und der Stil verhindert, dass selbst in den Kampfszenen echte Dynamik aufkommt, aber da es so dünn ist, hatte ich es schnell durch. Es gab mir persönlich einen schönen Vergleich zwischen offizieller Setzung und wie bei uns der Fall der Stadt im Spiel ablief (das gefiel mir besser, weil da auch Uriel, die olle Warzensau, fähiger vorgegangen ist, er mehr aufzubieten hatte und das in meinen Augen dramatischer ablief), es gab Beleuchtung auf beiden Seiten, weil manchmal zu Uriel und Mengbillar übergewechselt wurde perspektivisch, und Brin, aus dessen Warte der Roman vorrangig erzählt wird, gibt mit Fjadir von Bjaldorn ein sympathisches Gespann.

  • Karten - auch ein für unser Hobby nicht ganz unwichtiges Detail, gibt es doch Karten in Abenteuern oder Regionalbänden oder gar ganze Landkartensets. Sogar einen Kartographen kann man in DSA spielen. Aber wie sieht es eigentlich mit der irdischen Geschichte der Karten aus? Simon Garfield erzählt in Karten! : ein Buch über Entdecker, geniale Kartografen und Berge, die es nie gab anhand von Anekdoten und am Beispiel spezieller Karten recht kurzweilig die Entwicklung der Kartenhistorie von Antike bis Internetmoderne und schlägt auch den Bogen über Film, Buch und Spiel (Brett- wie Computerspiel, sogar D&D findet seine kurze Erwähnung). Leider sind die Bilder in schwarzweiß gehalten. In Farbe wären gerade die historischen Karten dann doch besser zur Geltung gekommen. Ein leicht britischer Schwerpunkt bei den Beispielen ist aus meiner Sicht bei einem britischen Autor jetzt nicht unbedingt verwunderlich.


    Weiter geht es ein wenig mit meiner Leidenschaft für Buch- und Bibliotheksgeschichte, wobei die Grenzen des beruflichen Interesses zur privaten Leidenschaft durchaus fließend sind. Und da die beiden folgenden Bücher durchaus in die zweite Kategorie fallen können, landen sie ebenfalls in dieser Aufführung:


    Die Gründe weshalb Bücher Beine bekommen und aus oder innerhalb einer Bibliothek verschwinden, sind durchaus vielfältig. In Aventurien kann durchaus auch Magie am Werk gewesen sein, irdisch sind die Gründe meist profaner, aber nicht unbedingt weniger vielfältig. In Tatort Bibliothek : Bücherklau und Seitenraub stellen die Autoren verschiedene Gründe für ein Bücherentschwinden dar und untersuchen unterschiedlichste Presseberichte zu Buchdiebstählen. Interessant wird es vor allem dadurch, dass etliche dieser Presseberichte dem Leser in Auszügen präsentiert werden. Erstaunlich wie und weshalb so einige der Täter zu Werke gegangen sind, um an die gewünschten Bücher zu kommen.


    Last but not least sind der Brand der Herzogin Anna Amalia Biblithek in Weimar 2004 und der Einsturz des Historischen Archivs in Köln 2009 schwarze Stunden der Bewahrung von Kulturgut, wurde dabei doch etliches auf einen Schlag vernichtet. Andererseits auch bewunderswert wieviele helfende Hände es gab, wieviel die moderne Technik inzwischen doch leisten kann und wieviel am Ende doch bleibt. Aber dennoch traurig, für das was für immer verlorengeht. ;( Im Buch Die Bibliothek brennt erzählt der damalige Bibliotheksdirektor Michael Knoche von den Ereignissen um den Bibliotheksbrand von Weimar und die Zeit danach bis zur Wiedereröffnung 2007.

  • Hab mir vor einer Woche Ulrich Kiesow's Gesamtausgabe gekauft, aktuell am Lesen Die Gabe der Amazonen :)

    Siehst reiten Du, jene neune? Die finster und verloren sind.


    Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,

    ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.


  • Nachdem ich Insmouth in mehreren Geschichten einen Besuch abgestattet habe und einige ausgefallene Geschichten von Clark A. Smith las, brauchte ich was leichtes, altes, bekanntes ... etwas aus meiner Kindheit, was ich oft gehört habe: Die Fragezeichen.

    Schön das ich jemand kenne der diese Bücher alle sammelt ^^

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • Hab mir vor einer Woche Ulrich Kiesow's Gesamtausgabe gekauft, aktuell am Lesen Die Gabe der Amazonen

    Schön, dann kann ich dich ja mal fragen:

    Ist in dieser zweibändigen schwarzen Hardcoverausgabe noch mehr zu finden als nur Kiesows Texte; z.B. ein einführendes Vor- oder Nachwort, eine Biographie des Autors, Infos zur Entstehungsgeschichte der Romane?

  • Habe dann doch endlich den letzten Roman beenden können, und nun gerade mit einem DSA-Roman angefangen "Der Schrecken von Arlingen"

    Was mir direkt am Anfang aufgefallen ist: Windhag gehört afaik zum Mittelreich,, soll aber seine Steuern an Grangor abtreten? Grangor gehört bekannterweise ja zum Lieblichen Feld... ist da nicht ein kleiner Denkfehler oder ein klassisches Hinwegsetzen über die offiziellen Aventurischen Gegebenheiten?

  • Letztens an einem Wühltisch mit antiquarischer Literatur ergrabbelt; ein Buch von Simon Borowiak, aus der Zeit als dieser mit Vornamen noch Simone hieß und eine Frau war:


    FRAU RETTICH, DIE CZERNI UND ICH

    (Eichborn Verlag, 1992)


    Zwei Freundinnen begleiten eine dritte vom tiefsten Hessen aus nach Spanien, wo sich diese auf ihre baldige Verlobung vorbereiten will.

    Borowiak lässt die Ich-Erzählerin dieser Novelle interessante Einblicke in das Ticken nicht nur dieser drei Frauen preisgeben und zeichnet so mit diesem Reiseprotokoll eine gut beobachtete Charakteristik von Menschen, die vielleicht gerne weltoffene Kosmopoliten wären, unter der Oberfläche dann aber doch dazu tendieren, bereits beim Hintersichlassen der vertrauten heimatlichen Ortsschilder ein Gefühl von Verlorensein in der großen weiten Welt zu empfinden.

    So manche menschliche Schwäche wird entlarvt, vor allem die in der Tiefe verborgenen Ressentiments gegenüber Fremden etwa kommen zum Vorschein, äußern sich in dahergesagten Sätzchen, die jeder so oder ähnlich schonmal irgendwo vernommen oder auch selbst von sich gegeben hat.


    In etwa eine Menschengeneration später, 25 Jahre nach Veröffentlichung dieser Novelle, fällt mir beim Lesen spontan was auf? Richtig: Worte wie etwa Handy oder Internet und alle dazugehörigen Begleitwörter kommen nicht vor in diesem Buch, stattdessen werden Informationen in der Ferne mittels Münzfernsprechgeräten ausgetauscht. Doch, so etwas gab es wirklich mal, ich war dabei…

    Manches hat sich in diesen Jahren rasant weiterentwickelt. Und die Menschen? Gerade was das Überwinden von Voreingenommenheit betrifft scheint da einiges festgefahren zu sein. Wird verbissen das Bremspedal durchgetreten. Und bei nicht wenigen ist längst wieder der Rückwärtsgang eingelegt.

    Evolutionär betrachtet sind 25 Jahre wohl nichtmal die Idee eines Fingerschnippens.




    Hohlköpfige Helden, rostige Raumschiffe, wunderliche Weltuntergänge


    FUNTASTIK, von Marc Hamacher (Hrsg.)

    Leseratten Verlag



    Aufgrund des Buchtitels, spätestens aber nach Betrachten des schön comichaften Coverbilds von Chris Schlicht sollte dem Leser klar sein, dass er es hier nicht gerade mit all zu ernsthafter Literatur zu tun haben dürfte.

    Trotzdem halte ich hier zuerst mal ein paar ernste Worte für angebracht.

    Ich meine nämlich bemerkt zu haben, dass mit dem immer größer werdenden Marktanteil digitaler Bücher der Umgang mit den altmodischen Printmedien vor allem bei jüngeren Verlegern, die erst innerhalb des Internetzeitalters zu publizieren begonnen haben, immer nachlässiger gehandhabt wird. Fast schon könnte der Eindruck entstehen, dass bei den in näherer Vergangenheit gegründeten Verlagen oftmals der Zustand ihrer Bücher in klassisch gedruckter Form von eher geringer Relevanz zu sein scheint. Wie sonst ist es zu erklären, dass das gekaufte Endprodukt, das gedruckte Buch, eine häufig deutlich höhere Fehlerdichte hinsichtlich Rechtschreibung und Layout offenbart als etwa das digitale Gegenstück, zumindest aber dessen digitale Leseprobe?

    Auch bei der Druckausgabe von FUNTASTIK zeigt sich auf vielen Seiten sehr deutlich der äußerst unschöne, manchmal ziemlich drastische Riesenlücken-im-Blocksatz-Effekt. Stellenweise tauchen jene berüchtigten Dreiwort-Zeilen auf, bei denen die leeren Zwischenräume bald genau so viel Platz einnehmen wie jene drei bei Beginn, Mitte und Ende der Zeile stehenden Wörter (z.B. Seite 125 Zeile 11). Solches sieht nicht nur dumm aus, es lässt auch das Lesen phasenweise wortwörtlich sprunghaft und somit mühsam werden.

    Das Durchführen einer Silbentrennung hätte hier gewiss fast schon wundersame Abhilfe vollbracht und nebenbei auch bewirkt, dass durch zahlreiche eingesparte Zeilen entweder Platz für eine weitere Geschichte geschaffen worden wäre oder aber durch geringere Seitenzahl die Druckkosten und somit auch der Verkaufspreis hätten gesenkt werden können.


    Inhaltlich ist das Buch, dessen 14 laut Verlag wahrlich fantastische Geschichten unterhaltsam und skurril sein sollen, kein so schlechtes, wenn auch nicht alle dieser Kurzgeschichten es vermochten, mich wirklich mit Nachdruck anzusprechen.

    So wie es der Verleger und Herausgeber Marc Hamacher im Vorwort ausdrückt ist er ein Fan lustiger Fantasy und erfüllt sich mit Publikation dieses Buches einen Herzenswunsch. Inhaltliche Vielfalt ist diesem Band jedenfalls mitgegeben, erzählen seine Stories dem Leser doch auf verschiedenen Gebieten der Phantastik von teilweise wirklich sonderlichen Gestalten und deren oftmals nicht weniger sonderlichen Erlebnissen. Diese sind zum einen in Welten klassischer Fantasy der Sorte Schwert und Zauberei angesiedelt, zum anderen in Raumschiffen weit draußen im Weltall. Des weiteren findet sich Steampunk ebenso wie Phantastik nach Art von Es Ist Alles Ganz Normal Bis Zu Dem Moment Wo…


    Folgende Geschichten – Erwähnung nach Reihenfolge im Buch – sagten mir am meisten zu.


    BLUMENTÖPFE UND ÄHNLICHE MISSVERSTÄNDNISSE, von Renée Engel.

    Eine Nacht im Museum, eine junge Angestellte und ein Gemälde mit äußerst lebhaftem – und dabei sehr wohlgeformten – Motiv sind die hauptsächlichen Inhaltsstoffe, aus denen die Autorin diese Geschichte schuf. Gelungen ist ihr dabei eine durchaus schöne und heitere Verschmelzung von Realität und Märchenwelt. Ausbruch aus der Banalität des Alltags und hinein ins große Abenteuer, sind hier die Schlagwörter.


    DAS FEUERSTURM-FIASKO – SCHWER GESTÖRT UND GUT FRISIERT (Thomas Heidemann).

    Lange schon wird das einstige Kriegsschiff namens – nein, nicht STOL VON ANKH-MORPORK und auch nicht ISABLLA sondern – FE ERSTUR für Bergungsarbeiten genutzt. Die klar besseren seiner Zeiten liegen schon eine ganze Weile hinter ihm, selbst die Schrift des Namenszugs auf der verbeulten und wohl so langsam durchrostenden Schiffshülle ist mittlerweile in äußerst schlechtem Zustand und somit genau da, wo sich auch der Rest des Schiffes befindet: Zwischen dem Zahn der Zeit und dem Zahn der Verwahrlosung nämlich, welche beide laut und kraftvoll mahlend die FE ERSTUR verschleißen

    Die Besatzung des Schiffs besteht unter anderem aus einem übel stotternden Gefechtsspezialisten mit Prätraumatischer Belastungsstörung, ferner einem gackerndem Vogelwesen namens Flitta, einer aufgedunsenen weißen Raupe (bzw. einem einer solchen ähnelnden Ortungsoffizier, der die meisten Ortungen der noch intakten Bordinstrumente verschläft), einem flauschig-pelzigen aber stets nervös hinter sich blickenden Etwas in der Funktion des Kommunikationsoffiziers und einer blauhäutigen Kommandantin, die vor allem aus zwei atemberaubend aus einem V-Ausschnitt drängenden Körperwölbungen zu bestehen scheint, bei deren Anblick alles andere den Großteil seiner Relevanz verliert. Ferner zu erwähnen sind da noch die künstliche Bordintelligenz HASI und der vielbeschäftigte Frisör, der sich zudem vieles anzuhören hat, da er natürlich der frisörlichen Schweigepflicht unterliegt. Ergänzt wird dieser Haufen noch durch den einzigen Erdenmenschen an Bord; jener hofft, ein richtig cooler Typ zu sein, kann aber – wie alle Erdenbewohner – nicht viel mehr wie Tiefkühlpizza und ersetzt somit lediglich den Hilfskoch, welcher zuvor während eines Gefechts mit Plünderern durch besonders unglückliche Umstände verlorenging. Bei jenem Gefecht wurde auch ein Gefangener gemacht, den man offenbar mangels Alternativen erstmal in die Besenkammer gesperrt hat.

    Eines Tages erhält jene üblicherweise mit der Bergung von Raumschiffwracks beschäftigte Besatzung der FE ERSTUR einen äußerst geheimnisvollen Geheimauftrag von der Admiralität. Von da an ist nichts mehr wie es zuvor schien…

    Eine Story, verrückt und lächerlich von vorne bis hinten, viel zu verrückt und lächerlich, um von jemanden, der sich in bewusster Absicht ein Buch mit solchem Titel zulegt, nicht gemocht werden zu können.

    Von den 14 Geschichten des Bandes gefiel mir diese am besten.


    DIE PROPHEZEIUNG (Ju Honisch).

    O'Tokar der Recke, Ärx der Zwerg, G'isel'a die Amazone, das geschlechtsneutrale ElfIn namens Yseldis-Orbar-Nyh-Shifyppah sowie der Großvogel Gryphon sind die ausgesprochen mit sich selbst beschäftigten Gefährten, deren Reise sie vor die Tür einer mitten auf einem unwirtlichen Berggipfel gelegenen Hütte führt, wo bereits eine mysteriöse Alte auf sie wartet, die von einer Prophezeiung weiß. Die Gefährten aber sind wirklich sehr mit sich selbst beschäftigt…


    EIN (FAST) PERFEKTER PLAN (Alisha Pilenko).

    Feder und Falke, zwei ausgestoßene Glücksritter, haben sich vorgenommen, während der Sonnenwendzeremonie einen berühmten magischen Edelstein – das Feuerauge von Yaldhos – zu stehlen. Bald ist ein verwegener Plan geschmiedet, noch besser als der von einst, als man das Zepter der Erkenntnis aus der Grabkammer des Wüstenkönigs stehlen wollte. Vielleicht gelingt ihnen ja diesmal ein solches Vorhaben?


    DIE OMEGA-STRATEGIE (Patricia Rieger).

    Um Tötung und Rechtfertigung und einiges mehr – kurz: Ethik – geht es in dieser ihre Protagonisten äußerst ätzend schildernden Geschichte.

    Der Mensch – verglichen mit den hier vorkommenden Raumfahrervölkern lediglich ein primitiver Bewohner von Piepsmelkmuzvüg (Abküfü Planet in einem Planetensystem mit einem liederlich kleinen Mond und zu vielen überfischten Gewässern; in dieser Geschichte gibt es einiges an sprechenden Abkü udoä* zu erlernen) und unterentwickelte Spezies – wird hier metaphorisch in Form von zwei konkurrierenden sternenreisenden Insektenvölkern gespiegelt, welche durchs All reisen um aufs höchste Maß zivilisiert einzig jene Planeten zu erobern, deren Bewohner sich auf einem technologisch unterlegenen Entwicklungsstand befinden, also tiergleich und von fehlender Vernunft sind, somit bedenkenlos ausgerottet werden dürfen.

    Vielleicht an der einen oder anderen Stelle etwas zu sehr auf die eigentlich transportierte Botschaft hinweisend, hat diese Geschichte letztlich durchaus zutreffendes mitzuteilen und bei aller klamaukhaften Verpackung einen überaus ernsten Inhalt.

    Für mich dicht hinter oben bereits erwähnter Feuersturmfiasko-Geschichte die zweitstärkste Story dieses Bandes. Sollte aufgrund einiger etwas leichtfertig gemachter Aussagen vielleicht besser nicht in die Hände von Verschwörungstheoretikern mit therapieresistentem Verfolgungswahn gelangen.


    SCHRÖDINGERS VAMPIR (Corinna Schattauer).

    Ein Protagonist, dem alles zustößt das nur abwegig genug ist, während ihm das zu Erwartende niemals widerfahren wird, gerät in eine äußerst unwahrscheinliche transsylvanische Geschichte mit einer beim Sprechen sehr traditionsbewusst das R rollenden und Vokale überdehnenden Vampirkönigin und einem verbohrten Holzpflockschwinger namens Han Velsing.

    Wenig gruselig, dafür humorrrvoll und auf transsylvanische Art romantisch.


    Alles in allem ist FUNTASTIK eine Anthologie, deren Geschichten vom persönlichen Geschmack des Lesers abhängig nicht alle unbedingt mitreißen, es aber aufgrund ihrer Qualität durchaus verdient haben, gelesen zu werden.

    Ein Buch, dessen Printversion leider eine durchaus sinnvolle Silbentrennung fehlt.

    Bleibt zu hoffen, dass in weiteren Anthologien der Leseratten Verlag solcherart Mängel abzustellen weiß, denn auch zukünftig – da bin ich mir ganz sicher – wird es Leser geben, die auf ihre altmodischen Medien aus Papier bestehen und digital präsentierte Texte nicht als akzeptable Alternative zu echter Buchdruckkunst betrachten.



    * udoä = und dergleichen oder ähnliches.

  • Schön, dann kann ich dich ja mal fragen:

    Ja kannst du ;)

    Also es gibt ein Vorwort (von Werner Fuchs) und das ursprüngliche Vorwort von Kiesow von 1995, ein Glossar, Anhang und auch Entstehung der Bücher wird beschrieben.


    Achja; Gabe der Amazonen und Der Göttergleiche gestern beendet, heute Der Scharlatan gelesen (war seeeehr wenig los in der Arbeit xD)

    Siehst reiten Du, jene neune? Die finster und verloren sind.


    Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,

    ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.


  • (Windhag war ein Streitthema der beiden Reiche ... soweit ich mich erinnere ... müßte die Chroniken befragen ... mag nicht.)

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • Der Scharlatan gelesen (war seeeehr wenig los in der Arbeit xD)

    Dacht ich's mir doch bei Deiner Frage bei den "Kleinigkeiten":)

    Der Scharlatan ist gerade mein U-Bahn-Buch; es ist auf jeden Fall interessant, Bücher, und auch "nur" solche, im Abstand von 20 Jahren mal wieder zu lesen.

  • Dacht ich's mir doch bei Deiner Frage bei den "Kleinigkeiten":)

    Mist, erwischt^^

    Tja als nächstes steht Das Zerbrochene Rad an.

    Siehst reiten Du, jene neune? Die finster und verloren sind.


    Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,

    ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.