Was denkt ihr zu Studiengebühren?

  • Studiengebüren sind scheiße.
    Man denkt ja nicht daran, das Bfög dafür aufzustocken, nein, man will es abschaffen.


    Wie ums verrecken soll ich dann noch mein Studium bezahlen? Wenn mir jemand das Geld für meine Studentenbude, Essen und ein Mindestmaß an Kleidung gibt, soll es mir recht sein, aber so klappt das alles nicht.


    Da ich auch noch den irrsinnigen Plan habe, etwas zu studieren was mir mehr liegt, das heißt von der FH an die Universität wechseln will, wird das RICHTIG teuer. Es ist eben so, das mit den Einschränkungen einfach dafür gesorgt wird, das man KEINE Möglichkeit mehr hat, vom zweiten in den ersten Bildungsweg zu wechseln.


    Warum auch? Es geht hier ja nicht darum, das irgendjemand glücklich oder Produktiv leben kann, sondern darum, ja worum geht es eigentlich?


    Geld zu bekommen um Haushaltslöcher zu stopfen. Scheiß egal, ob es dazu führt, dass manche Menschen nicht das studieren können was sie wollen. Ich habe kein Problem damit, 500 Euro zu bezahlen, aber ihr denkt doch nicht wirklich, dass es dabei bleibt?


    Ich habe den Fehler gemacht und mir eine Arme Familie ausgesucht, die mir kein Geld überweisen kann, da sollte einem doch klar sein, dass man nicht studieren kann. Und tschüss sozialer Aufstieg.


    Edit:
    Gut, ich will es kurz und prägnant formulieren: Studiengebüren sorgen dafür, dass ich im Prinzip mein FH Studium durchziehen MUSS, obwohl es mir nicht gefällt. Ich muss es zu ende bringen, in der Hoffnung danach einen Master machen zu können. Der Plan, an die Universität zu wechseln ist schlichtweg ein unerfüllbarer Traum.
    Aber das sind Probleme eines einzelnen. Was zählen die schon.

  • @ Helmbrecht


    Ich stimme dir zu, dass eine Selektion nach der 4. Klasse viel zu früh ist, wobei ja festzuhalten ist, das im Endeffekt immer noch die Eltern entscheiden und nicht die Lehrer und das unser Schulsystem so durchlässig ist, dass man von jeder Ausgangslage aus noch bis zum Abitur vorstoßen kann.
    Allerdings halte ich eine Selektion nach Klasse 10, wie auf den Gesamtschulen, für viel zu spät, auf jeden Fall in der jetzigen Lage, in der unser Schulsystem steckt. Bevor sich diese von dir angesprochene Grundeinstellung nicht geändert hat, was ja mal nicht eben so von heute auf morgen geht, drückt eine Selektion nach Klasse 10 das allgemeine Leistungsniveau zu stark.
    Ich war und bin ein Verfechter der Orientierungsstufe, die man ja mittlerweile in Niedersachsen auch so unsinnigerweise abgeschafft hat. Dieses Alter ist für mich das Richtige zu entscheiden, wo und wie es weitergehen soll. Meinetwegen kann man es noch bis zu Klasse 8 aufschieben, aber auf keinen Fall weiter darüber hinaus.
    Im Endeffekt glaube ich, dass der Sonderweg für Deutschland eher darin bestehen sollte die Qualität von Haupt- und Realschule aufzuwerten, genauso wie den jeweiligen Abschluss und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Berufsauswahl. Den Rest macht dich Durchlässigkeit unseres Schulsystems.
    Dann und nur dann, kann man an den einzelnen Schulformen das machen, für was sie da sind, die Schüler auf das jeweilige Berufsleben vorbereiten.
    Um es also noch einmal zusammen zu fassen:


    - Selektion nach Klasse 6, maximal Klasse 8


    - Aufwertung der Haupt- und Realschulabschlüsse durch gesteigerte Qualität des Unterrichtsstoffes


    - Die Wirtschaft muss darauf verzichten für jeden Job nur noch Abiturienten zu verlangen, was sich nach Erfüllung des zweiten Punktes von selbst ergeben sollte


    - Durchlässigkeit des Schulsystems beibehalten, genauso wie des allgemeinen Bildungsweges

    Wenn es sein muss, muss es auch gemacht werden. Ist nur noch die Frage, wer es macht. Ich ruh mich nämlich gerade aus.

  • Naja eine Gesamtschule bis zur 8. Klasse kommt dem, was ich mir vorstellen würde schon sehr sehr nahe. Entscheidend ist für mich eben, dass Hauptschule nicht bedeutet, dass dorthin alle Problemfälle abgeschoben werden und letztlich dann LehrerInnen und SchülerInnen gleichermaßen überfordert sind. Bis zum Zeitpunkt des Abschlusses sollten alle SchülerInnen auf einem vergleichbaren Niveau sein. Wer also nach 9 Jahren die Schule verlässt, sollte in den Schlüsselqualifikationen (Lesen/Schreiben, Rechnen, Allgemeinbildung) eine mit denen der weitermachenden SchülerInnen vergleichbare Ausbildung erhalten haben. Alles andere bedeutet, einen großen Teil unserer SchülerInnen im Stich gelassen zu haben. Zusätzlicher Schnick-Schnack (z.B. im 9.Jahr eine mehr praxisorientierte Ausbildung etc.) mag sinnvoll sein, ist für mich aber nicht primär.



    Um aber wieder an meinen obigen Beitrag anzuknüpfen, komme ich nun zum 2. von mir vorgetragenen Argument, dass ich noch einmal kurz zitiere:


    "2. "Sozial vertr�glich" ist ein Fakewort, das �ber sozialpolitische Aspekte verdammt wenig aussagt. Was damit gemeint ist: Die Aufnahme eines Studiums soll durch finanzielle Zw�nge nicht unm�glich werden."


    Studiengebühren sind, wie ebenfalls von mir oben schon einmal dargelegt, in höchstem Maße sozial ungerecht:


    "...,da es eine staatliche Einnahmequelle ist, die sich nicht nach der finanziellen Leistungsfähigkeit der Zahler richtet. Finanziell schlecht Gestellte zahlen zudem nicht nur relativ (also im Verhältnis zu ihren Möglichkeiten) ein Vielfaches, sondern sogar in absoulten Zahlen deutlich mehr, da sie 1. länger für ihr Studium brauchen und 2. zusätzlich durch Zinsen belastet werden. "


    Von Seiten der GebührengegnerInnen wird oft die Unmöglichkeit von finanziell schwächer Gestellten, ein Studium überhaupt noch aufnehmen zu können, angeführt. Tatsächlich wird dieses Argument durch die Einführung von Bildungskrediten entkräftet. Wenn ich von einer Bank Geld bekomme, dann kann ich erstmal studieren. Das nennt man dann sozial verträglich, was totaler Schwachsinn ist, aber zum Teil auf der undifferenzierten Argumentation der GegnerInnen (oder auch der Medien) beruht. Schuldenberge zum Berufseintritt für Arme und geringe Gebührenbelastung für Reiche sind wohl kaum sozial ausgewogen (und somit für mich auch nicht verträglich- sie vertragen sich nicht mit der Forderung nach sozialer Gerechtigkeit). Als GebührengegnerIn sollte man also aufpassen, nicht zu ungeschickt zu argumentieren, um nicht auf das billige "Sozialverträglichkeitsargument" hereinzufallen.

  • Der Staat schlägt zurück !
    Nachdem nun in Hamburg und anderen Städten (Freiburger Frühling) die Studentenschaft gegen die Gebühren demonstriert, zeigt der Staaat wieder einmal, wie wichtig ihm die Durchsetzung seiner Ziele und die Stillhaltung der Bevölkerung ist.


    deshalb: weiter demonstrieren, streiken und wenn nötig auch mal etwas heftiger aufmucken. Die Gebühren sollten nicht durchsetzbar werden.

    Wir mischen uns , da `n bisschen ein - so soll es sein , so wird es sein .

  • Ich habe mir noch einmal in Ruhe meine Gedanken gemacht.


    Ich komme nicht umhin, die Studiengebühren dürfen nicht durchgesetzt werden.


    Denn einige Punkte werden von den Befürwortern, welche die Studiengebühren am liebsten schon durchgesetzt hätten, einfach nicht beachtet.


    Nehmen wir folgendes Beispiel:
    Ein junger Mensch macht sein Abitur, darf studieren. Er kommt aus einer mittelständischen Familie, also aus dem Groß unserer Bevölkerung. Diese Familie kann es sich aber nicht leisten, jeden Monat Geld für ihr Kind zu bezahlen, meinetwegen 200 Euro Miete/Lebenserhaltungskosten usw. Dies ist noch niedrig angesetzt, und setzt voraus, dass der Student noch nebenbei arbeiten muss. Da hätten wir schon das erste Problem: Kann der Staat dem Student zusichern, dass er einen Job bekommt? Nein. Nun kann man sagen: OK, dieser Student würde wahrscheinlich Bafög bekommen, denn anscheinend können die Eltern für das Studium nicht aufkommen. Nächste Hürde: Erst einmal Bafög bekommen! Denn auch dies ist ein Akt, in dem sich der Staat querstellt, nur zahlt, wenn er wirklich muss. Gehen wir davon aus, dass der Student es irgendwie schafft, an das Bafög heranzukommen. Er kann also studieren, und startet im Beruf mit Schulden.


    Nun kommen die Studiengebühren. Und das Bafög fällt weg. Problem: Bevor der Student daran denken kann irgendwie die Studiengebühren zu berappen, muss er auch um sich selbst kümmern, sprich Geld bekommen, um ein Dach über dem Kopf zu haben und zu etwas zu essen bekommen. Bliebe dafür wieder der Job. Achja, der kann ja nicht zugesichert werden... Und die Studiengebühren? Noch mehr Schulden.


    Das Studium ist geschafft, der Student kann mit Schulden in den Beruf. Achja... erst mal einen Arbeitsplatz finden... Der Staat hält die Hand auf, kassiert ab, und kann im Gegenzug nicht dafür garantieren, dass der Studierte dann genug Geld verdient um seine Schulden zu bezahlen und letztendlich auch das Wirtschaftswachstum zu fördern.


    Es tut mir Leid, aber ich kann nicht glauben, dass jeder intelligente junge Mensch unter diesen Umständen studieren kann, während die Kinder reicher Eltern weiterhin studieren können wie sie lustig sind. So soll eine Elite geschaffen werden? So soll gewährleistet werden, dass die Klügsten und Intelligentesten in diesem Land studieren können?

    While the Wicked staind confounded
    call me with thy saints surrounded