Theke

  • Gorbas lacht kurz mit. "An Skalden mangelt es in Thorwal ja nicht. Erzähle deine Geschichten, Friedjolf, und bald werden sie herum getragen. Schließlich, nur auf sich allein eingestellt, auf weiter See, wenn Ihr so wollt, kann man erfahren, wer man ist.

    Also wird in Eurer Heimat eher ein Besuch stattfinden, und dann wird weiter gesegelt?"

  • "Ein Besuch, das ist genau das richtige. Vielleicht reisen die Geschichten auch schneller als mein Schiff segeln kann. Das würde mich freuen. Und wenn das Wort von Friedjolf Hergulfson wieder hierher zurück kommt, dann könnt Ihr Eurerseits erzählen, wie ich an Eurer Theke gesessen bin, Eintopf gegessen und Bier getrunken habe," sinniert der Thorwaler. Dann lacht er und nimmt noch einen Schluck aus seinem Krug. "Aber Ihr habt sicher schon viele solche Geschichten gehört und Helden getroffen und solche, die gerne Helden wären, hab ich recht?" erkundigt er sich bei Gorbas.

  • "Ja, wenn man Wirt ist, halt man Gelegenheit, mit vielen Leuten zu sprechen, die schon hier und dort waren", schmunzelt Gorbas. "Was war die Gegend, in der es Euch am besten gefallen hat?"

  • "Ich glaube, das war bei Brig-Lo. Ein hübsches kleines Dörfchen, direkt am Yaquir gelegen. Hab da die einzige Boron Geweihte getroffen, mit der man sich gescheit unterhalten konnte. Sonst gucken die einen ja nur so an wie ein Paar Kutschenlaternen. Außerdem veranstalten die in Brig-Lo da jedes Jahr son Akrobatenfest wo Leute durch die Straßen rennen und bunte Ringe einsammeln müssen. Je mehr Punkte die geben, desto höher sind die aufgeriggt. Und was soll ich sagen; einmal habe ich auch mitgemacht." Friedjolf grinst wie ein Honigkuchenpferd. "Gegen Ende des Rennens lag ich Kopf an Kopf mit so nem almadanischen Schönling. Das war so ein Bürschchen, Schwarm aller Frauen und so." Der Thorwaler grinst wieder und nimmt einen Schluck um sich die Kehle zu befeuchten. "Wir lagen also gleich auf. Er war flink wie nen Olporter Hering und genauso glitschig. Dafür war ich besser im Aufentern. Er hatte also mehr Ringe, dafür hatte ich die wertvolleren. Da sehen wir beide gleichzeitig, dass der letzte Ring auf dem Marktplatz an nem Podest hing. Wir also beide los gewetzt. Kurz bevor wir da ankommen, läuft der Schönling quasi auf Grund und ich habe auch nur wenig nachgeholfen. Also ran an das Gestell und aufgeentert. Hab also den letzten Ring und damit auch das Rennen gewonnen. Das Fest danach war klasse. Die wissen, wie man feiert, die Almadaner.

    Wo würde es Euch nochmal hinziehen, wenn Ihr wieder jung wärt und Euch ganz Dere offenstünde?"

  • "Ja, feiern können sie. Allerdings etwas anders als Thorwaler, so mein Eindruck." Gorbas grinst zurück. "Also Ihr seid ein Seemann, der auch gut zu Fuß ist. Wo ich hin würde ... das ist schwer auf den Punkt zu bringen. Die Tulamidenlande haben ihren Reiz, aber ebenso der Blick auf die Schneekappen der Berge im Norden. Schon das Mittelreich weiß sich so unterschiedlich zu präsentieren, je nachdem, wo man ist. Das käme es wohl darauf an, wonach mir gerade der Sinn stünde.

    Brig-Lo hätte ich jetzt bei Euch zugegeben nicht als Antwort erwartet, Friedjolf. Weit ab von der See, eben ein hübscher kleiner Ort ..."

  • "Ihr habt absolut recht. Selbst die kargsten und unwirtlichsten Gegenden Aventuriens bieten doch irgendwo ein verstecktes Fleckchen der Schönheit und Hoffnung. Eine Oase in der Wüste kann wunderschön sein, ebenso ein von heißen Quellen erwärmtes Tal im ewigen Schnee der Berge. Und so weit ich in den letzten Jahren vom Meer entfernt war, bin ich schon froh drum, wenigstens einen See oder einen breiten Fluss in der Nähe zu wissen. Nicht überall kann Thorwal sein. Doch trage ich es in meinem Herzen und in meiner Erinnerung. Solange wir von etwas erzählen, können wir stets an den Ort und den Moment zurückkehren oder wie seht Ihr das?" antwortet Friedjolf.

  • Gorbas nickt zustimmend. "Da stimme ich völlig zu!", erklärt er. "Auch wenn es natürlich noch erfüllender ist, an den Ort oder zu der Person zu tatsächlich zu gehen. Aber ein bisschen Heimat kann man stets in seinem Herzen mit sich tragen.

    Also Brig-Lo ist der Ort, denn Ihr besonders mögt. " Gorbas lächelt verschmitzt. "Wie sieht es mit dem Ort aus, an den Ihr nicht zurückkehrt, wenn es sich irgend vermeiden ließe?"

  • "Keine 10 Pferde bringen mich dazu ein drittes Mal auch nur einen Fuß in die Wüste Khom zu setzen. Habt Ihr schon mal einen Sonnenbrand gehabt, während sich die Haut von Eurem letzten Sonnenbrand gerade abschält? Und dieses Zeug, was diese Novadis auftragen, um sich dagegen zu schützen, hilft auch nicht wirklich.

    Außerdem haben die da seltsame Glaubensvorstellungen. Ich habe mich mal mit so einem Novadi-Priester darüber unterhalten, aber irgendwie haben wir uns beide nicht so wirklich verstanden." Friedjolf blickt auf die Theke vor sich, dann wieder zu Gorbas. "lag viellecit auch an der Hitze. Ich war da nicht so ganz offen für neue Ideen. Es gab da auch mal eine unschöne Begegnung mit so einem Schmiedelehrling, der mir was davon erzählen wollte, dass meine Götter falsch seien und das sein Gott der einzig wahre sei und so. Ist dem Bürschchen nicht so gut bekommen, wenn Ihr wisst, was ich meine." Nur leicht verlegen zuckt Friedjolf die Achseln.

  • "Ja, da kann es leicht knallen, weil das Auskommen nicht einfach ist", nickt Gorbas. "Da habe ich schon von gehört. Und hatte er noch ein paar Freunde da?

    Habt Ihr es mit Praiosmilch gegen den Praiosbrand versucht?"

  • "Freunde? Ha, eine ganze Werkstatt voller Freunde hat er da gehabt. Aber nachdem ich einmal zugelangt hatte, wollte keiner mehr so recht mit mir diskutieren." Friedjolf lacht und trinkt einen Schluck Bier. "Wir mussten allerdings vor den Hetmann, nee Sultan heißt das da, und in klingender Münze bezahlen. Und verprügeln durfte der Bursche mich auch, ohne dass ich mich wehren durfte. Hat aber zugelangt wie so ein Hänfling. Bei uns zu Hause hätte keiner wegen sowas einen Aufstand gemacht. Da wird die Angelegenheit vor die Tür getragen und dann bleibt die da auch."

  • "Hmh", brummt Gorbas. "In der Khôm war ich nie, und oft genug denke ich auch, dass das vielleicht ganz gut war. Das war doch bestimmt ein Elend, oder? Ich meine, sich nicht wehren zu dürfen, und das nur, weil man vorher seine Götter verteidigt hat, wie das nur richtig ist.

    Also habt Ihr das Tulamidya da unten gelernt?"

  • "Das wohl. Yussuf hatte mir auch schon was beigebracht. Mittlerweile bin ich ziemlich gut im Tulamidya. Und meiner Erfahrung nach kann man sich mit den meisten Leuten einfacher verständigen als mit Novadis," grinst Friedjolf.

  • "Das mag gut sein. Kommt aber sicherlich auch drauf an, wen man fragt. Die sehen das vermutlich genau umgekehrt", meint Gorbas. "Und auch bei ihnen gibt es umgänglichere. Ein oder zwei waren hier schon zu Gast auf der Durchreise, und Probleme gab es nie.

    Darf es noch etwas sein?"