Moinsen.
Ich werde nächstes Wochenende ein Abenteuer abschließen und will meine Spieler dann in die Quanionqueste führen. Das bisher fetteste Brett, das ich zu bohren versuche; die erste echte große Kampagne.
Einsteigen möchte ich mit dem Szenario „Durch Finsternis zum Licht“. Das bietet sich alleine deshalb an, weil es in Gashok spielt, einem 900-Seelen-Städtchen unweit von Lowangen, wo meine Helden zurzeit sind.
Gashok wurde zur Zeit der Magierkriege von einem Praiosgeweihten gegründet, der dorthin eine Schar Gläubige aus den am stärksten vom Krieg betroffenen Provinzen hingeführt hatte. Aus einer vermutlich falsch interpretierten Vision entstand in seinem Umfeld der Lowanger Dualismus. Dessen Anhänger verehren Praios als Herrn des Lichts und alles Guten und fürchtet Boron als Herrn der Finsternis und des
Chaos. Die anderen Zehn werden allenfalls als Diener der beiden oder mindere Naturgeister betrachtet. Nach der Gründung Gashoks wurde dort ein Tempel der Finsternis (Boron) und einer des Lichts (Praios) erbaut.Der Lowanger Dualismus wurde niemals durch die Kirchen anerkannt, aber auch nicht als Ketzerei verurteilt; er wird weitgehend als Sekte geduldet.
Während des Orkensturms wurde Gashok 1010 dann von den Orks besetzt. Die verbliebenen Dualisten sind 1033, die Zeit des Plots, eine Minderheit in der seither recht heruntergekommenen Stadt; die Orks pfeifen auf das Recht und die Moral, wie sie von Zwölfgöttergläubigen oder den (besonders puritanischen) Dualisten gelebt wird (im besten Fall ;)). Das zieht eine Vielzahl Gestalten an, die anders ticken: Glücksritter, Streuner, Huren etc., die das Gros der Stadtbevölkerung ausmachen. Das führt zu einer Grundspannung in der Stadt mit den Dualisten, die für den Plot wichtig ist.
Obwohl die Grundüberzeugungen der Dualisten gut beschrieben sind, ist mir bei vielen Punkten nicht klar, wie dieser wirklich tickt und als Religion funktioniert. Da er für den Plot aber bedeutend ist, möchte ich versuchen, eine möglichste konsistente Fassung dieser Religion zu zeichnen. Deshalb würde ich mich über Unterstützung bei folgenden Punkten freuen:
Tempel. Welche Funktion hat ein Borontempel bei den Dualisten: Soweit ich das einordne, ist der Tempel der Finsternis eine Art Borontempel. Wenn Boron für die Dualisten sowas wie ein Dämon ist oder genauer sogar für DAS BÖSE steht, stellt sich zunächst mal die Frage, welche Funktion hatte dieser Tempel? Beschrieben wird er als ungemütlicher Ort, geschmückt mit düsteren Figurinen und einer Reliquie, die sich dort laut Plot als Mahnung vor der Macht des dunklen Gottes befand. Nun ließe sich sagen, klar, das ist auch die Funktion des Tempels: Eine Mahnung vor der Macht des Bösen, dem mit diese Ort ein Gesicht geben werden soll; es soll sichtbar(er) und erlebbar(er) werden. Das würde mich für mich Sinn machen und ist für mich auch der Ansatz, das im Spiel zu vertreten. Kein Ort, um Boron anzubeten, sondern um an seine Macht erinnert zu werden. Vergleichbar vielleicht mit dem Memento Mori des Mittelalters.
Geweihte. Welche Rolle spielen Borongeweihte bei den Dualisten: Aber es gibt auch einen NSC im Spiel, ein Mann, der – so der Plot – einst ein „niederer Diener der Finsternis“ gewesen sei, „doch nach dem Einfall der orks und der Flucht des Hohen Priesters zum Hirten der Gläubigen“ geworden sei. Wenn ich das recht interpretiere, gibt es in diesem Glauben also nicht nur ein Art von Geweihten, die sowohl im Tempel des Lichts als auch in dem der Finsternis eingesetzt werden; also nicht nur Geweihten Praios, die auch Dienst im Tempel der Finsternis tun (können), sondern scheinbar auch Boron-Geweihte. Und das wiederum finde ich schräg, weil was ist die Aufgabe eines solchen Geweihten? Die Religion wird doch keine Geweihten einsetzen, die Boron und damit das Böse anbeten sollen. Oder doch? Irgendwie finde ich das paradox. Natürlich könnte man sagen, klar, ebenso wie der Tempel wäre es Aufgabe dieser Geweihten, „Geschichten vom schwarzen Mann“ zu vertellen und den Gläubigen klarzumachen, wie das Böse tickt. Aber irgendwie überzeugt mich diese Auslegung nicht. Das könnte auch ein Praiospriester machen.
Da es nicht allzu viel Infos zu diesem Dualismus gibt, vermute ich, niemand wird konkret mehr darüber wissen, aber mich würde interessieren, wie ihr das auslegen würdet.
Verhalten gegenüber der Praioskirche/deren Anhängern: Was mich auch beschäftigt, wo ich gerne etwas mehr Input von dem Plot gehabt hätte: Wenn die Dualisten zwar an Praios glauben, aber die Zwölfgötter ingesamt so ganz anders einordnen als die Praioskirche (und die anderen Kirchen), wie verhalten sich die Vertreter der Dualisten dann gegenüber Vertretern der Praioskirche und ihren Zielen in Gashok? Und zumindest ein SC , ein Praios-Akoluth, ist als Anhänger der Kirche erkennbar und die Queste der Helden ist eine im Auftrag der Praioskirche. Der Plot schreibt, die beiden entscheidenden NSC aus deren Reihen verhalten sich "erst mal zurückhaltend"; aber ist das stimmig? Müssten sie diese nicht als Ketzer ansehen? Oder zumindest verirrte Seelen, die zu bekehren sind?
Tatsächlich soll einer der beiden NSC auch versuchen, die Helden mit "dem Hinterfragen und Verdrehen ihres Tuns aus der Bahn zu werfen". Ja, aber wie? Leider macht der Plot dazu keinen Vorschlag. Ein- zwei Punkte wären hier nice gewesen. Falls jemand den Plot schon mal geleitet oder gespielt hat, mag er/sie mir da vielleicht einen Hinweis geben.
Grüße in die Runde