Wie erreicht man, dass Spieler einen NSC hassen?

  • Hi Leute,

    seit längerer Auszeit hab ich mal wieder die Gelegenheit, ein Abenteuer selbst zu schreiben/zu meistern und hierzu eine Frage: Wie erreiche ich, dass meine Spieler den Antagonisten-NSC so sehr hassen, dass Sie ihn umbringen würden...?


    Kurz zur Szenerie/Setup:

    Bornland - ein eingeschlichener Bronnjaren-Erbe (offiziell ein Bastardsohn des alten Adeligen, in Wahrheit aber Inzucht-Kind von Mutter und Onkel, was die Spieler auch herausfinden sollten) hat nach dem Ableben seines geachteten Vaters in einer bornländischen Scholle eine Terrorherrschaft begonnen. Er presst nicht nur seinen Leibeigenen unverhältnisviel Geld ab, sondern züchtigt diese auch übermäßig, was bis zum Tod des ein oder anderen geht. So sind vor seinem Herrenhaus schon 4 Leute aufgeknüpft, noch weitere Galgen stehen bereits parat.


    Die Helden sind eher auf Durchreise, sehen eine Folter-Szene, werden je nach ihren Worten/Taten ggf. selbst vom Antagonisten gepeinigt. Dass dieser natürlich bösartig ist, muss man keinen Erklären. Wie aber könnte der Hass auf den Antagonisten so groß werden, dass Sie ihn umbringen würden? Die Leibeigenen hätten zu wenig Geld, die Helden als Auftragsmörder zu gewinnen, bzw. würden die Helden das Wohl auch nicht machen. Der Antrieb sollte daher aus den Helden selbst heraus passieren...


    Leider kommt keiner der Helden aus dem Bornland und es wäre etwas an den Haaren herbei gezogen, dass hier ein Hilfegesuch aus dem gepeinigten Dorf kommt... Wie könnte man das noch anstellen?


    Im Voraus schon einmal vielen Dank für eure Ideen :)

  • Laß die Helden jemanden vorher kennenlernen, anfreunden, und laß diesen dann eher sinnlos vom Antagonristen umbringen!

    (Die Möglichkeit will ich bei G. mit dem Halborkjungen Fizz anbieten.)

    Oder durchwühle/ergänze die Charakterhintergründe; beim Film Die Brücke ließ das eigentlich harmlose Wort 'Kindergarten' einen völlig durchdrehen!

    Jedenfalls um "Hass" zu erzeugen muß die einen oder mehrere Helden persönlich treffen, oder der Gegner muß so abgrundtief Böse sein das er gegen alle Zwölfgöttergebote verstößt; das wäredann aber eherein völlig wahnsinniger Dämonologe/Namenloser.

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • Wie aber könnte der Hass auf den Antagonisten so groß werden, dass Sie ihn umbringen würden?


    Die meisten Heldengruppen werden spätestens dann aktiv, wenn einer von ihnen aufgeknüpft werden soll. Da muss noch nicht einmal Hass im Spiel sein.


    Ist der Tod des NSC wirklich so entscheidend? Wenn er unbedingt sterben muss, aber die Helden ihn einfach nicht umbringen wollen, übernimmt das eben ein NSC. Vielleicht hält man dann die Helden für die Täter? Denkbar ist sogar ein natürlicher Tod des NSC, den man aber für einen Mord hält. Vielleicht waren dummerweise die Helden die letzten Personen, die ihn lebend gesehen haben...


    Ich denke es gibt genug Möglichkeiten die Geschichte zu entwickeln, selbst wenn die Helden nicht zu Mördern werden.


    Die Helden ins Dorf zu bringen ist auch nicht schwer.


    Passend ist ein ex Dörfling (nun durch Stadtluft frei), der die Helden mit einem Auftrag ins Dorf schickt (z.B. wohlergehen der Familie, der Geliebten oder was auch immer zu untersuchen, etwas zu holen das bei der Flucht zurück gelassen wurde) oder man begegnet einem schwer misshandelten Flüchtling (bittet die Helden zu helfen oder die Helden kommen mit dem Jagdtrupp des Adeligen in Konflikt, weil sie den Mißhandelten schützen wollen und damit auf die Abschussliste des Adeligen). Selbst wenn die Helden ihren "Job" machen und den Flüchtling als "ordentliche Bürger" zurück ins Dorf bringen, könnte sich der Adelige schnell gegen sie wenden oder sie erkennen, was sie dem armen Leibeigenen angetan haben - insbesondere wenn sie "die Ehre und Plficht" vom Adeligen bekommen, den Flüchtling selbst zu bestrafen. Lassen die Helden den Flüchtling hingegen laufen, werden sie dabei vielleicht beobachtet und als Fluchthelfer zur Rechenschaft gezogen.


    Möglichkeiten die Helden persönlich zu motivieren gibt es jedenfall genug und ebenso viele Möglichkeiten den NSC zu töten (egal ob durch Heldenhand oder etwas anderes).


    Im Idealfall ist der Auftraggeber/Flüchtling den Helden sympathisch (zusätzliche Motivation). Meiner Meinung nach solltest Du die Helden NICHT geplant zu Mördern machen! Das sollte unbedingt eine freie Entscheidung der Spieler sein und es sollte unbedingt Alternativen geben.

    Edited 2 times, last by x76 ().

  • Jundis

    Mache die Helden zum Opfer seines Terrors.

  • Er presst nicht nur seinen Leibeigenen unverhältnisviel Geld ab, sondern züchtigt diese auch übermäßig, was bis zum Tod des ein oder anderen geht.

    Es sind Leibeigene, die haben kein Geld, sie gehören ihm, und als anerkannter Bronnjar darf er tatsächlich mit ihnen umgehen, wie er möchte.

    Das ist moralisch nicht schön, aber dürfen darf er (mit seinen .leibeigenen, auf seinem Land), so dass es keine rechtliche Handhabe gegen ihn gibt - außer Beweise nach den Hinweisen, dass er gar nicht der Erbe ist.


    Da bleibt tatsächlich nur, die SC persönlich zu treffen. Aber auch dann ist gleich umbringen die große Frage. Das wirst Du als SL einschätzen können, ob die SC als auch ihre Spieler dazu gebracht werden können, oder blanker Mord nicht doch für sie gar nicht in Frage kommt, weil sie vielleicht ganz andere Ansätze oder Vorgehensweisen haben.

  • Ein gutes Beispiel für so einen NSC ist meiner Meinung nach Marvana Zornbrecht aus der Rabenkriegkampagne. Wenn du das AB hast, schau da gerne mal rein.


    Sie ist eine arrogante, eitle machtbesessene, menschenverachtende und dazu noch inkompetente Generälin und Grandin. Mein SC in der Kampagne hätte sie ab dem zweiten AB am liebsten umgebracht.

    "Schick doch die Maraskaner, die werden wiedergeboren"

    Ausspruch Helme Haffax bei der Eroberung Medenas im Efferd 1029 BF

  • Die meisten Leute haben ernüchternd wenig Empathie wenn's um Leute geht, die sie nicht persönlich kennen - und das ist sogar schon im realen Leben so. Da kann ihnen hundertmal jemand sagen, dass ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel zu Leid und Tod führt, das juckt kaum wen. Man kennt die Leute ja nicht, und man tut es ja nicht persönlich.


    Mitleid für fiktive NSC ... ja, ich fürchte, das wird nicht klappen, da muss man schon die SC selbst treffen.


    Allerdings: Dabei muss man es dann gar nicht so weit treiben. Der böse Bronnjar ist ja auch nur ein NSC. Um jemanden, den man nicht als vollwertigen Menschen ansieht umbringen zu wollen (und NSC haben diesen Status eigentlich immer) reicht es schon, wenn jemand in einer Sache, die den SC und/oder Spielern wichtig ist, anderer Ansicht ist als sie.

    Fügt man dann noch Beleidigungen hinzu, dürfte der Hass garantiert sein.


    J.K. Rowling hat das sehr schön gezeigt ... der meistgehasste Charakter in Harry Potter ist nicht etwa Voldemort, sondern Dolores Umbridge, eine eigentlich unbedeutende Regierungsmitarbeiterin von vernachlässigbaren magischen Fähigkeiten.

    Und sogar Professor Snape "erfreut" sich allgemeiner Unbeliebtheit, dabei tut er in den ersten zwei Büchern nicht mehr als Harry und dessen Freunde bei jeder Gelegenheit verbal herunterzuputzen.



    Ich würde also sagen: Ja, lass es die SC treffen, aber weniger ist mehr.


    Ein Bronnjar, der NSC-Leibeigene umbringt ist halt ein Bronnjar der so tut was Bronnjaren eben tun.


    Aber wenn er den SC gegenüber mit der Einstellung auftritt, dass das hier sein Land ist, und sie gefälligst zu tun haben was er will, dann könnte das rebellischere Gemüter schon bis auf's Blut reizen.

    Wird er dann noch offen beleidigend ... wenn man für eine Gruppe schon länger spielleitet, weiß man auch, wo deren Empfindlichkeiten sind ...


    Bis dahin, die SC tätlich anzugreifen braucht es gar nicht zu gehen. Es reicht, wenn die Spieler sich in ihrer Eitelkeit gekränkt fühlen.

  • Allerdings: Dabei muss man es dann gar nicht so weit treiben. Der böse Bronnjar ist ja auch nur ein NSC. Um jemanden, den man nicht als vollwertigen Menschen ansieht umbringen zu wollen (und NSC haben diesen Status eigentlich immer) reicht es schon, wenn jemand in einer Sache, die den SC und/oder Spielern wichtig ist, anderer Ansicht ist als sie.

    Wow krass. NSC's haben doch immer Charakter und Seele. Mein Krieger bringt selbst Böse NSC nicht um. Denke immer an die Worte Gandalfs (ungefähres Zitat) "Ein leben zu nehmen geht sehr schnell, das kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Also überlege gut."


    Wir unterscheiden im SPiel (Rollenspiel) nicht zwischen NSC und SC.


    Wie wird eine NSC hassbar? Ich würde sagen: Nur wenn man zusammen kämpfen MUSS (selbe Seite) und dann deutlich andere Vorgehensweisen/ Moralvorstellungen hat. Wenn auch Beschwerden beim Vorgesetzten nichts bringen: Resultate zählen!


    Alles andere führt nur dazu, dass die Spieler den NSC loswerden wollen. (Kampf, Wegsperren, Gericht, ...)

    Nietzsche und Amazeroth - Also sprach Zarathustra (zweiter Teil):


    Was erschrak ich doch so in meinem Traume, dass ich aufwachte? Trat nicht ein Kind zu mir, das einen Spiegel trug?

    "Oh Zarathustra - sprach das Kind zu mir - schaue Dich an im Spiegel!"

    Aber als ich in den Spiegel schaute, da schrie ich auf, und mein Herz war erschüttert: denn nicht mich sah ich darin, sondern eines Teufels Fratze und Hohnlachen.

  • Ich persönlich ranke:

    I) Unfair, nervig, "kill stealer", Narzissten, X wenn Hass auf X, Nicht-Spieler-Pazifisten auf Spielerseite

    II) Lügner, Schwarzmagier, Grausame, ...

    III) Böse


    Jo, einfach nur böse Charaktere werden meistens nicht so sehr gehasst, wie Magus Magnus, der einfach jeden Kill stiehlt und die SC blöd ausschauen lässt. Und der Schelm oder Kobold, der die Waffen in Zuckerstangen verwandelt, ist ein deutlich schlimmerer NSC als der Schwarzmagier, der einen Dämon gerufen hat.

    Bron von Brinniburg, der mit seinen ausladenden Gesten ganz und gar nicht einladend wirkt, vergisst nie zu erwähnen, dass er selbst sich die Hände nicht schmutzig machen würde und er die Helden sicherlich nicht dafür bezahlen wird, dass sie einen seiner Untergebenen vor Wölfen gerettet haben. Viel schlimmer als der große Oger, der immer die Menschen im Dorf "Das Dorf" frisst.


    Hass entsteht gerne mal OT.


    --

    Ein SC, ja, war wirklich mein SC, wurde hart IT aus einer Gruppe verbannt, weil er als Pazifist lieber den Räubern das Gruppengold geben wollte, als einen Kampf zu riskieren :D

  • Jo, einfach nur böse Charaktere werden meistens nicht so sehr gehasst, wie Magus Magnus, der einfach jeden Kill stiehlt und die SC blöd ausschauen lässt. Und der Schelm oder Kobold, der die Waffen in Zuckerstangen verwandelt, ist ein deutlich schlimmerer NSC als der Schwarzmagier, der einen Dämon gerufen hat.

    Was ist denn ein 2Kill diebstahl?


    Gilt das für Regelwerke, wo es pro getötetem Gegner AP gibt?



    Hass entsteht gerne mal OT.


    --

    Ein SC, ja, war wirklich mein SC, wurde hart IT aus einer Gruppe verbannt, weil er als Pazifist lieber den Räubern das Gruppengold geben wollte, als einen Kampf zu riskieren

    Für mich übersetzt heißt es ihr habt einen Spieler ruasgeworfen, wiel er Rollenspiel gemacht hat. OK.


    Hass ensteht OT? Dann scheint da die Trennung zwischen SC und Spieler so gar nicht zu funktioneiren. Wäre für mich eine harte Grenze.

    Nietzsche und Amazeroth - Also sprach Zarathustra (zweiter Teil):


    Was erschrak ich doch so in meinem Traume, dass ich aufwachte? Trat nicht ein Kind zu mir, das einen Spiegel trug?

    "Oh Zarathustra - sprach das Kind zu mir - schaue Dich an im Spiegel!"

    Aber als ich in den Spiegel schaute, da schrie ich auf, und mein Herz war erschüttert: denn nicht mich sah ich darin, sondern eines Teufels Fratze und Hohnlachen.

  • Was ist denn ein 2Kill diebstahl?


    Gilt das für Regelwerke, wo es pro getötetem Gegner AP gibt?

    Nein, es geht allein darum, dass es Spieler gibt, die nicht damit klar kommen, dass NSCs Gegner besiegen, denn sie sind schließlich die Helden und deshalb müssen sie es immer sein, die die Gegner ausschalten. NSCs sind nur dazu da, gegen Belohnung gerettet zu werden... :rolleyes:

  • Was ist denn ein 2Kill diebstahl?


    Gilt das für Regelwerke, wo es pro getötetem Gegner AP gibt?

    Siehe Barbarossa aber etwas weniger schlimm. Gibt manche die wollen einfach gerne den letzten Hieb haben :)



    Für mich übersetzt heißt es ihr habt einen Spieler ruasgeworfen, wiel er Rollenspiel gemacht hat. OK.

    Jain. Es war - wie gesagt - mein SC. Er hat sich dann in den Nachfolgen dazu entschieden, diese mörderische Bande lieber bei der nächsten Stadtwache anzuschwärzen, weil sie die armen Räuber so brutal abgemurkst haben. Damit fand ich's dann plausibel, ihn gegen einen anderen Helden auszutauschen.



    Hass ensteht OT? Dann scheint da die Trennung zwischen SC und Spieler so gar nicht zu funktioneiren. Wäre für mich eine harte Grenze.

    Jain. Realistisch gesehen müsste man auch in Harry Potter Voldemort mehr hassen als Umbridge und den Bösewicht, der einfach nur böse ist, mehr als einen nervigen Charakter. Trotzdem entwickelt sich soetwas meist mehr OT und fließt dann IT ein.

  • Nervige Charaktere werden eher gehasst, als wirklich böse Charaktere, die überraschender Weise sogar eher geliebt werden (Faszination des Bösen). diese Faszination geht sogar so weit, dass gute Charaktere, besonders dann wenn sie wirklich mächtig sind, ebenfalls gehasst werden, weil man sie als langweilig empfindet.

  • Ich muß gerade an dne Sheriff und den Prinz John aus Köstners Robin Hood denken; wer diesen beidne nicht den Tod gönnt ist ein Tsafreund - den fetten Priester nicht vergessen.

    Diese drei Figuren waren zwar so übertrieben in ihrer Bosheit oder verlogenen Feigheit - das man als Zuschauer ihren Tod geradezu erwartete.

    Natürlich ... es kommt darauf an wer diesmal 'Robin Hood und seine Bande' spielt.

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • Was fast universell funktioniert, unabhängig von Moral, kulturellen Prägungen und Präferenzen der Charakter:

    Verrat bzw. missbrauchtes Vertrauen.


    Leider kommt keiner der Helden aus dem Bornland und es wäre etwas an den Haaren herbei gezogen, dass hier ein Hilfegesuch aus dem gepeinigten Dorf kommt... Wie könnte man das noch anstellen?

    Dreh den Spieß um: Ein mutmaßlicher Bronnjarensohn, der Hilfe sucht, weil ihm seine frechen, kriminellen Leibeigenen weglaufen, mag nicht die große Heldengeschichte sein, die Otto Normalheld sucht, aber wenn es heißt, der Betreffende zahle seine angeheuerten Hilfskräfte angemessen und pünktlich und erstatte sogar Spesen, kann sich das nach einem sehr soliden Auftrag anhören.

    Und ist total unauffällig, wer kennt sie nicht, die inkompetenten Adligen mit Geld wie Mist für Söldner zum Einfangen der weggelaufenen Verbrecher/Bauern (Sklaven, Hofmagier, weniger motivierter Söldner, verräterische Verwandte etc.)


    Müßig zu erwähnen, dass das gejagte Bäuerlein, gestellt kurz vor Festum, den Helden eine andere Version als der Adlige oder sein Botschafter erzählt ("Mein Bruder, Vetter und Onkel hängen schon vor seinem Hof am Galgen und das alles nur, weil Berta angeblich beim Schlachten ein Stück Leber unterschlagen hat, die der Hochwohlgebohren für sich beansprucht" usw.).


    Das kann man dann entweder subtil oder brachial aufbauen, wobei letzteres typischerweise eher dazu führt, dass es Spieler wirklich kümmert, dass ihre Charakter belogen werden- dass die inkompetenten Adligen mit Geld wie Mist oft Hintergedanken und Pläne haben, weis man ja schließlich, wird also von allein nicht völlig überraschen.


    Wichtig ist: An irgendeinem Punkt muss es den Helden dämmern, dass sie dem Falschen vertraut haben, also dem Bronnjarensohn als Hüter seiner Bauernschaft, der er nun mal nicht ist.

    Je überzeugter sie vorher von der Rechtmäßigkeit des eigenen Tuns überzeugt waren, umso tiefer wird ein eventueller Schock sitzen, wenn sich herausstellt, dass dem nicht so ist, und man eben zum Beispiel in Wahrheit für einen finsteren Foltermeister Bauern gejagt hat (Im Glauben, nur für gut Gold Recht und Gesetz durchzusetzen, wenn es rechtschaffene Helden sind):


    Dass dieser natürlich bösartig ist, muss man keinen Erklären

    Ich würde ja genau das nutzen:

    Doch, lass die Helden das selbst klären.

    Im Selbstverständnis ist der Bronnjarensohn ja nicht böse und potentiell irre, und ganz bestimmt rechtmäßiger Sohn und Erbe seines Vaters, und wird gegenüber Fremden auch versuchen, diesen Eindruck zu machen (bzw. machen lassen wenn sein Herold in der Schänke Mietschwerter anheuert).


    Wenn von Anfang an der Anthagonist als genau solcher auftritt, werden die Spieler zwar typischerweise mitspielen, aber die Motivation, hier für Gerechtigkeit zu schaffen - und dazu im Zweifel auch soweit zu gehen, dass man selbst Recht und Gesetz mal außen vor lässt- wird ungleich höher sein, wenn die Spielercharakter von selbst auf den Trichter kommen, dass die Dinge nicht okay laufen.


    Das offensichtliche kann fragwürdig werden, wenn zunächst einmal Aussage gegen Aussage steht und die Helden erst rausfinden müssen, was jetzt hier wirklich Fakt ist-

    also hier auf der einen Seite Bronnjar, der meint, einige Bauern gehören aufgeknüpft, auf der anderen Bauern die meinen, ne lass mal, Aufknüpfen ist nicht geil und wir haben ja nix gemacht.


    Für außenstehende (also die SCs) muss es nicht offensichtlich sein, dass die Dinge so im argen liegen- Joffrey Baratheon hat lässig Hof gehalten mit haufenweiße Köpfen auf Spießen auf der Mauer (und in seinen besseren Momenten durchaus überzeugend so getan, als wäre er König und seines Vaters Sohn :D ).

    Wir Seher wussten natürlich, was abging, und dass da eine Intrige gegen Ned Stark am laufen war und so.

    Mietschwert Bronn hatte davon wenig Ahnung, abgesehen von den paar kryptischen Warnungen von Tyrion, die allerdings zum tieferen Verständnis Insiderwissen vorrausgesetzt haben (dass des Lesers/Sehers bzw. dass des Lannister-Höflings, der das who-with-whom in-und-auswendig hersagen kann).


    Und doppelter Vorteil: Müssen die Helden selbst Nachforschungen anstellen, einfach nur weil sie Zweifel an der Rechtmäßigkeit all des Tuns haben, führt das natürlich ganz von selbst zum andern Detektivplot mit der fragwürdigen Abkommenschaft.


    P.S.

    Und jetzt wo ich an Bronn denke:

    Je nach Verlauf und Einsatz der Helden ist es leicht möglich, dass eine "mitgehangen, mitgefangen" Situation entsteht- wortwörtlich, wenn die Helden, ohne es besser zu wissen, ein, zwei mutmaßlich kriminelle Bauern einfangen, die dann eben flugs aufgehängt werden, wenn die Marter vorbei ist (wichtig: reisender Bezirkshenker der pro Marter 4 Heller und pro Hinrichtung einen Silbertaler berechnet, die der Bronnjar natürlich zahlt, und dem Henker auch noch Trinkgeld gibt, weil er ja böse und grausam ist! Sollten die Helden fragen: Das Recht, hinzurichten, kann man bezirksweise pachten, man wende sich vertrauensvoll an die Adelsversammlung in Festum, Abdeckereirechte inbegriffen).

    Wenn die SCs so ein Spiel zu lange mitspielen, mag irgendwann die Frage aufkommen, ob man nicht schlicht aus Opportunismus den ja wohl leider, leider doch blutig irren Kerl durch seine Schwester ersetzt, oder so... ^^

    "All warfare is based on deception. Hence, when we are able to attack, we must seem unable; when using our forces, we must appear inactive; when we are near, we must make the enemy believe we are far away; when far away, we must make him believe we are near.”


    -Sun Tzu, The Art of Fake News

    Edited 5 times, last by Siegfried ().

  • Wenn ich an die NSC denke, die IT wie OT aufrecht verabscheut und es geliebt wurde, sie zu verabscheuen, waren das NSC, die wiederkehrend waren. Ein NSC, am Ende des AB besiegt, ist schnell weg, oft auch aus den Gefühlen und Gedanken. Ein NSC, bei dem man wirklich wild drauf ist, den auch IT zu fassen zu kriegen und endgültig zu fassen kriegen, ist der, der immer mal wieder kommt und entkommt, der die Nemesis ist und ein wahrlich fordernder Gegenpart.


    Das mag im Gegensatz dazu stehen, dass er in diesem Fall womöglich kurzfristig so verabscheuungswürdig sein soll, aber wiederkehrende Gegner sind die, die meist das größte Format haben und die, die sehr gut in Erinnerung bleiben, weil sie wiederkehrende Höhen und Tiefen bringen.

    Neben, natürlich, die Feindschaft auf eine persönliche Ebene zu heben.


    Abeer eigentlich verbindet sich das mit dem Langzeit-Feind automatisch, denn erst mal nicht loszuwerden hat auch irgendwo etwas Persönliches, weil die eigenen Fähigkeiten ja zu Teil- und Zwischensiegen reichen, aber nicht zum endgültigen - und das zwickt halt auch auf einer persönlichen Ebene.


  • Wenn ich an die NSC denke, die IT wie OT aufrecht verabscheut und es geliebt wurde, sie zu verabscheuen, waren das NSC, die wiederkehrend waren. Ein NSC, am Ende des AB besiegt, ist schnell weg, oft auch aus den Gefühlen und Gedanken. Ein NSC, bei dem man wirklich wild drauf ist, den auch IT zu fassen zu kriegen und endgültig zu fassen kriegen, ist der, der immer mal wieder kommt und entkommt, der die Nemesis ist und ein wahrlich fordernder Gegenpart.

    Kann ich aus meiner Gruppe bestätigen. Der verhassteste NSC war dann auch noch einer, der stets aus Glück seinen Hals aus der Schlinge ziehen konnte, sodass die Gruppe ihn nicht vermöbeln konnte (er hat nichts Umbringenswertes getan).

  • Wow krass. NSC's haben doch immer Charakter und Seele. Mein Krieger bringt selbst Böse NSC nicht um.

    Ah, aber denkt er darüber nach, was passiert, wenn diese bösen NSC weiterhin die Gegend unsicher machen? (Ich muss da gerade an das Trope denken, dass der Held sich durch massenweise Schergen des Oberschurken metzelt ... den Oberschurken selber dann aber großmütig verschont, ohne darüber nachzudenken, dass der noch zur Gefahr für wiederum namenlose, unwichtige NSC werden könnte.)


    Nein?


    Weil es ihm eigentlich mehr darauf ankommt, zu zeigen, was er für ein ehrenhafter Krieger ist, und weniger darauf, die (in diesem Falle fiktive) Welt wirklich zu einem besseren Ort zu machen?


    Oder übergibt er die bösen NSC der Obrigkeit, auf dass sie ordnungsgemäß abgeurteilt und hingerichtet werden?




    Der Ehrenkodex des SC ist eine Sache, die Gefühle des Spielers eine ganz andere.


    Natürlich wird der ehrenhafte Ritter auch den Bauern-NSC Nummer 325 (haben bei euch wirklich alle NSC einen Namen und eine den Spielern bekannte Persönlichkeit?) vor dem fiesen Werwolf beschützen. Das ist gutes Rollenspiel. Sein Ehrenkodex gibt das vor.


    Aber wird der ehrenhafte Ritter den bornischen Leibeigenen auch vor dessen Bronnjar beschützen, wenn der Bronnjar ihn ungerechterweise auspeitschen lässt? Obwohl der Ritter mit Leibeigenschaft aufgewachsen ist, und das völlig normal findet?


    Das ist hier der Knackpunkt. Der Bronnjar tut nichts Illegales. Es ist also auch nicht schlechtes Rollenspiel, da als gesetzestreuer Held einfach achselzuckend dran vorbeizugehen.


    Wenn man erreichen will, dass die Helden was dagegen tun, dann muss man den Spielern einen Grund geben.

  • Wenn man erreichen will, dass die Helden was dagegen tun, dann muss man den Spielern einen Grund geben.

    Und das erreicht man am Besten, wenn die helden auf die eine oder andere Art Opfer des Bronnjaren werden.

  • Oder Kinder gefoltert werden ... wie es ähnlich schon mal in einem Abenteuer vorkam; gut, es waren nur Opfer für Experimente.

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)