Sozialer Stand und der Vorteil Adel

  • Zitate ausgegliedert aus Anreden und Reverenzen



    Ich bin da bei Gregorey. Der Unterschied zwischen Adel I und II liegt meiner Meinung nach innerhalb des Sozialen Stands 3. Ein Junker ist eben im Rang höher als ein einfacher Ritter und bekommt diesem gegenüber die Erleichterungen eines höheren Standes. Aber für den Baron ist es weniger relevant, ob er mit dem einen oder anderen Niederadligen redet, beide sind ihm untergeordnet. Oder in anderen Worten: Adel I ist Sozialer Stand 2,75; Adel II ist Sozialer Stand 3,25. Denn eine Abstufung innerhalb des 3. Standes ist ja – durch den Vorteil – möglich.

    Zumindest ist das für mich die logischste Folgerung aus der Tatsache, dass A.Almanach S.111 und RGW S.163 beide das gleiche Sagen und RGW S.338 auch nichts gegensätzliches behauptet.


    LG, T

    Ich schreibe aus der Warte eines mit DSA5 eingestiegenen Aventurologen. Mein Wissensstand basiert auf 5 allein.

    „Knie nieder! - Sei ohne Furcht im Angesicht deiner Feinde, sei tapfer und aufrecht, auf das Gott dich lieben möge, sprich stets die Wahrheit, auch wenn dies den eigenen Tod bedeutet, beschütze die Wehrlosen, tue kein Unrecht, dies sei dein Eid (ohrfeigt Balian) Und das ist dafür, dass du ihn nicht vergisst.“ - Königreich der Himmel


    DSA5-Waffenstatistik

  • Ich persönlich mache es auch immer ein bisschen von der Wichtigkeit des Hauses abhängig. Also ein Ritter hat standartmäßig Adel I, aber ein Ritter aus dem Hause Gareth hätte bei mir locker Adel III, auch wenn er nur ein Vetter dritten Grades der Kaiserin ist.

  • Eigentlich sollte das ganze ja unstrittig sein. Es sind zwei unterschiedliche Regeln. Einmal ist es ein Vorteil und einmal ist es eine Detailregel. Die gamistische Verbindung zwischen dem Vorteil Adel (GRW S. 163), dem Sozialen Stand (GRW S. 338) und einem Titel (z.B. AA S. 110) findet alleine in der Fantasie des Lesers statt.


    Ganz einfach erkennt man die Irrung, wenn man den Sozozialen Stand der Freien betrachtet. Ein armer Bettler ist genauso frei wie ein Handwerksmeister. Dennoch haben sie den gleichen sozialen Stand und die Detailregel auf S. 338 GRW greift hier genauso wenig wie sie es zwischen Ritter und Junker tut (beide bekleiden den Sozialen Stand des Niederadels).


    Die Detailregel bezieht sich lediglich auf den Bezugsrahmen, manch einer würden "Dunstkreis" sagen. Ein Hochadliger ist in seinem Alltagsleben und seiner Lebensrealität so abgehoben von allen niederen Adligen (und von Freien und Unfreien ganz zu schweigen), dass es eben gerechtfertigt ist "blind" und "unbedacht" einen festen Bonus/Malus zu vergeben. Aber wenn eine Herzog und ein Kaiser miteinander zu tun haben spielen sie einfach in der "gleichen Liga" auch wenn der Herzog protokolarisch weiter unten steht. Aber ich denke ein Jast Gorsam wird gegenüber Rohaja kaum einen Malus gehabt haben weil er "nur" Herzog war...


    Das heißt aber nicht das man zusätzlich(!) nicht auch weiter abstufen kann. Nur eben nicht im Rahmen der Detailregel des Sozialen Standes. Das Grundregelwerk gibt uns dazu ausreichend Möglichkeiten allein durch die Grundregeln. Nämlich die Fertigkeitsmodifikatoren (siehe GRW S. 23f.). Wie Timonidas das oben auch beschreibt macht es eventuell einen Unterschied ob der Ritter ein "Sturmfels" oder ein "von Gareth" ist. Dazu muss ich im Notfall eben evaluieren ob irgendwelche Modifikatoren mit reinspielen.

    Analog kann man das gut an der Kletternprobe veranschaulichen. Der Soziale Stand ist sowas wie eine "grundsätzliche Geländeart": Stufe 1 Hochgebirge, Stufe 2 Gebirge, Stufe 3 Hügel, Stufe 4 Ebenen, Stufe 5 Urbanes Gebiet. Jetzt kann man sagen jede Stufe bekommt pauschale "no brainer" Modifikatoren. Aber wenn ich jetzt zwei unterschiedliche Hochgebirge nehme, oder vielleicht auch nur zwei unterschiedliche Höhenkämme innerhalb des gleichen Hochgebirges kann es trotzdem sein dass es noch zusäztliche spontan zu vergebende Modifikatoren gibt (bei ner Steilwand z.B.). Und genau das gleiche kann man eben auf Adel und Sozialen Stand übertragen:


    Ritter <--> Junker = freie Modifikatoren |====| Niederadel <--> Hochadel = fester Modifikator.


    Ein Titel ist theoretisch noch mal ne ganz andere Hausnummer und gerade da lässt uns auch DSA5 ein bisschen "alleine". Es gab da mal ne lange Diskussion (nicht in diesem Forum; war glaube ich noch bei Ulisses selbst) ob es auch titellosen Adel gibt (was eigentlich so sein müsste) und wo der dann zu verorten ist (und wie lange so jemand adelig bleibt). Denn was ist das dritte Kind eines Junkers? Junker oder Erbjunker nicht. Ritter muss man auch erst werden (Schwertleite). Der Titel "Edler" wird auch als "Ehrung" vergeben, wenn man den einfach so bekommt wäre ja auch lame. Und selbst wenn man den automatisch bekommt: Ritter stehen unter den Edlen (zumindest in den DSA5 Tabellen) was sind dann adlige Kinder von adligen, sonst titellosen, Rittern? Darüber könnte man sich mal Gedanken machen.

  • Es gibt die Adelshierarchie (RW S. 338, was auf der Adelsurkunde steht) und die tatsächliche Macht und den wirklichen Einfluss (Vorteil Adelig, RW S. 163).


    Ersteres legt die formale Position in der Gesellschaft fest, also vor allem Fragen der Etikette wie die Anrede, die Stellung zu anderen Adeligen, welche Verbeugung bei höherangigen Adeligen durchzuführen ist, wo man an der Tafel seinen Platz findet, wo das Zelt beim Turnier aufgebaut wird usw.).


    Der Vorteil bepreist hingegen den tatsächlichen Wert der Vorteile des Adelsstandes (wozu selbstverständlich aber auch der formale Stand gehört).


    Der völlig mittellose bornische Brückengraf ist zwar auf der Urkunde ein Graf (Sozialer Stand Stufe 4 "ADEL"), aber sicher nicht Adel Stufe 4 (= typischer mittelreichischer Graf, für Helden ist der Vorteil bei der Generierung nur bis Adel Stufe 3 mögich), ebenso wie ein Miniwatu Fürst international ein Fürst ist (Stufe 5 Hochadel), aber vom tatsächlichen Einfluss und Machtbereich vermutlich irgendwo in der Nähe eines mittelländischen Grafen liegt (und nicht auf dem Niveau der Herrscher von Albernia, Weiden etc. = Adelige seiner Stufe).


    Ein hoher Rang alleine ist jedenfalls nicht gleichbedeutend mit einer hohen Stufe des Vorteils Adelig. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall, in dem vergleichsweise niedrige Adels Ränge eine relativ hohe Stufe des Vorteils Adel haben können (z.B. durch bedeutende Ämter und Positionen, eine einflussreiche Familie, großes Vermögen).


    Bei großen Unterschieden zwischen Rang und Stufe, kommt es zu Konflikten (siehe RW S. 338 "Adel verpflichtet"). Der wichtigste Regeleffekt dabei: "Ist also der soziale Rang aufgrund eines ungehobelten Auftretens und eines heruntergekommenen Aussehens nicht erkennbar, erlangt der Adlige auch keine Erleichterungen oder Erschwernisse".


    Der bornische Brückengraf mag von Rang "ADEL" sein, entspricht aber überhaupt nicht dem, was von diesem Rand erwartet wird und entsprechend hat er auch keine Vorteile gegenüber einfachen Bürgern (Freien). Aber er ist dennoch "EW Hochwohlgeboren"...


    Wie viel der Held in der Welt "wert" ist, legt der Spieler über die Höhe des Vorteils fest. Welcher Rang möglich ist und welche Abstriche man ggf. machen muss, legt im Zweifelsfall der SL fest (Einordnung/Schätzung anhand der Angaben beim Vorteil).


    Der Stufe 2 Adel bringt im sozialen Konflikt keine Vorteile gegenüber dem Stufe 1 Adel (also z.B. keine Erleichterung auf Etikette gegenüber dem Rang 1 Adeligen), aber der Held ist auf jeden Fall gewichtiger. Das Übergewicht besteht natürlich aus den Teilen, die zur höheren Einstufung geführt haben (Reichtum, Einfluss, Familie etc. s.o.). Teilweise wird dieses extra Gewicht auch in den Regeln und Anregungen zum Lebensstil behandelt. Besonders Bedeutend davon ist meiner Meinung nach der letzte Absatz "Helden auf Reise", der zeigt das der reiche Ritter aus gutem Haus (Adel Stufe 2 oder gar Stufe 3) auf Reisen nicht unbedingt einen gewaltigen Geldbeute haben muss (z.B. zwangsweise mit dem Reich 10 erstellt werden muss). Aber sollte die Gruppe mal zu ihm nach Hause kommen, sieht es bei ihm schon ganz anders aus als beim Ritter ST 1. Bei der Heldenerschaffung muss man natürlich auch "Adel verpflichtet" (s.o.) im Auge behalten und "viel Hui" ohne Substanz ist nur in Ausnamefällen eine passende Sache.


    Wie immer kommt es auf die Balance und Glaubwürdigkeit an.

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