Kor-Geweihte und magische/liturgische Heilung

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    Liebes Forum,


    ich bin sicher das muss schon jemand mal gefragt haben, aber eine kurze Suche hier ließ mich nicht gleich fündig werden.

    Ich las grad zu den Kor-Geweihten - wie interpretiert ihr da das Gebot "... lehnen es ab, sich von Heilzauberei das Leben retten zu lassen".

    Großzügig (bzw. wohl auch RAW) könnte ich mir vorstellen, BALSAM und/oder Heiltränke sind in Ordnung solange die Geweihten noch bei Sinnen sind, um den Kampf eben fortsetzen zu können, und sie lehnen es lediglich ab, sich durch solche Mittel "wiederbeleben" zu lassen (d.h. Anwendung in dem Zeitfenster wenn LeP <0).

    Strenggenommen könnte es natürlich auch heißen, sie lehnen BALSAM und/oder Heiltränke schlichtweg ab und akzeptieren lediglich sowas wie HEILSEGEN.


    Wie seht ihr das?


    LG, kloink

  • Kor-Geweihte sind auf jeden Fall die falschen Charaktere für Spieler, die an ihrem Charakter hängen :) (Feindbild: Mangelnde Opferbereitschaft)


    Denn der Kor-Geweihte hängt nicht an seinem Leben und wird nicht alles tun, um es zu retten.


    Der "archetypische" Kor-Geweihte lebt im Augenblick und strebt nach dem guten Kampf, und nur "ein blutiger Kampf ist ein guter Kampf, deshalb halten sie auch nicht viel von Heilung, auch nicht viel von Heilzauberei".


    Deswegen sehe ich es anders, als du es oben schilderst: Wenn es nur um den einen Kampf geht, wird er sich nicht heilen lassen, denn dann würde er ja sein eigenes Leben höher bewerten als die Gebote seiner Gottheit; er wäre für mich kein echter Geweihter Kors, sondern ein besserer Hasenfuß.


    Die Ausnahme ist der Auftrag oder die Aufgabe: Nur dann, wenn sein eigenes Überleben wichtig (besser noch: unabdingbar) für die Erfüllung einer Aufgabe ist, würde er eine Ausnahme machen.


    Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Das sollte für den Spieler kein Hintertürchen sein, seine Figur auf jeden Fall weiterspielen zu dürfen. Ein rollengerecht gespielt Kor-Geweihter würde für mich nach Erfüllung des Auftrages ein Gottesurteil suchen oder ein Opfer bringen.

  • Naja, Koris sind schon recht durchgeknallt. Ich würde das durchaus so interpretieren, dass sie Heilzauberei die sie nicht mal zur Rettung ihres Lebens brauchen noch entschiedener ablehnen.

    Schließlich ... wer bewusstlos ist und im Sterben liegt, kann eigentlich nix mehr ablehnen. Höchstens vorher abgelehnt haben.

    Zumal die Computerspielstrategie "der Kämpfer haut drauf und wird verletzt, der Magier heilt ihn die ganze Zeit" eigentlich ein viel stärkerer Einsatz von Magie im Kampf ist als wenn man sich nur nach dem Kampf knapp das Leben davon retten lässt.



    Wenn ich was weniger Hard-Koriges spielen wollen würde, würde ich ja eher Richtung Rondra tendieren - die sind nicht weniger fromm, hätten aber dank ihrer menschenfreundlicheren Ausrichtung noch die Möglichkeit, dem Schutz der Gläubigen höhere Priorität einzuräumen als der Magiefeindlichkeit.


    Kor ist nunmal recht extrem, das ist, denke ich, schon so beabsichtigt, auch wenn ich gehört habe er wurde durch das Vademecum etwas tauglicher als Gott für Spielergeweihte.

  • Dass die Kor-Kirche den Heilsegen gar nicht im Repertoire hat, sagt ja schon auch etwas dazu aus, wie Kor-Geweihte zu übernatürlicher Heilung stehen. Schwere Rüstungen sind ja auch nicht beliebt, und "Es ist dem ‘Geifernden Schnitter’ ein Graus, die Sterblichen jammernd um die Verlängerung ihres derischen Daseins bitten zu hören." (WdG, S. 57), und ich nehme mal an, für seine Geweihten gilt das besonders.


    WdG schreibt noch auf S. 57: "Ein blutiger Kampf ist ein guter Kampf, deshalb halten sie nicht viel von Heilung, auch nicht von Heilzauberei. Wann immer sie darauf verzichten können, lehnen sie jegliche Form der Behandlung ab. Nur wenn ihr Überleben wichtig für die Erfüllung des Auftrages ist, machen sie Ausnahmen."

    Das lässt an sich schon eine Hintertüre auf: Eigentlich nicht, wenn es wichtig ist, dann schon.

    Aber, siehe oben, um Verlängerung des Lebens bitten ist nicht kor-gefällig.


    Das Kor-Vademecum hat das dies noch mal deutlich abgeschwächt und aufgeweicht: "Viele Geweihte, die den Guten Kampf leben, lehnen daher magische und liturgische Heilung ab, solange es sich um die Behandlung von Wunden handelt, die sie für den nächsten Kampf nicht zu sehr schwächen. Manche gehen sogar so weit, ihr gänzlich zu entsagen und nicht einmal die profane Versorgung von Wunden zuzulassen, wenn es keine lebensbedrohliche Verletzung ist. Allerdings überleben viele dieser Geweihten oft nicht sonderlich lange. Den meisten Schwestern und Brüdern des Blutes ist jedoch nur zu gut bewusst, dass das größte Opfer vergebens ist, wenn der Gegner nur mittels Durchhaltevermögen bezwungen werden kann. Sie lassen sich also sehr wohl vom Feldscher behandeln und sehen die Künste eines Heilers ganz pragmatisch als eine weitere Waffe im unerschöpflichen Arsenal ihres streitbaren Gottes." (S. 120/121)

    Jetzt ist alles in Ordnung: Man kann sich gar nicht heilen, oder dann, wenn der nächste Kampf zeitnah ansteht, oder eben auch immer sofort, weil es doch gut ist, sich heilen zu lassen.

  • Was ist mit den Kor Anhängern die nach dem guten Gold streben? Natürlich fürchten sie sich nicht vor dem Tod. Aber Gold kann man nur verdienen, wenn man lebt und kämpft. Da wäre es ja ziemlich kontraproduktiv sich nach der ersten Schlacht zu entscheiden, am Wundfieber zu verrecken und das Säckel nicht mehr füllen zu können.


    und sehen die Künste eines Heilers ganz pragmatisch als eine weitere Waffe im unerschöpflichen Arsenal ihres streitbaren Gottes."

    Kor ist ja auch nicht Boron. Er kann sich sicher sein, dass die Seelen zu ihm kommen werden. Ob es nun früher oder später ist, müsste einem Gott bei der Lebensspanne von Menschen relativ egal sein.


    Dass die Kor-Kirche den Heilsegen gar nicht im Repertoire hat, sagt ja schon auch etwas

    Das wusste ich gar nicht. Halte ich auch für unsinnig. Wo Schlachten geschlagen werden müssen Heiler sein. Außerdem ,wie im Zitat aus dem Vademcum erwähnt, sorgt ein geheilter Kämpfer für eine weitere Möglichkeit Blut im Namen des Gottes zu vergießen.


    Beide Grundsätze sprechen eigentlich für einen Lebenserhaltungstrieb. Ob mehr Gold oder mehr Kämpfe,man kann seinen Gott nur ehren, wenn man lebt.


    ein blutiger Kampf ist ein guter Kampf, deshalb halten sie auch nicht viel von Heilung, auch nicht viel von Heilzauberei

    Die Arbeit in einem Lazarett ist auch blutig. Und Schmerz und Kampf sind physisch wie psychisch bei den Verwundeten und Heilern vorhanden.

    Wer Spoiler spoilert ohne die Spoiler zu spoilern gehört in die Niederhöllen!

  • ein blutiger Kampf ist ein guter Kampf, deshalb halten sie auch nicht viel von Heilung, auch nicht viel von Heilzauberei

    Die Arbeit in einem Lazarett ist auch blutig. Und Schmerz und Kampf sind physisch wie psychisch bei den Verwundeten und Heilern vorhanden.

    Das ist ein Zitat aus "Wege der Götter" (DSA 4.1), daher bin ich für den Inhalt nicht verantwortlich.


    Vollständig heißt es:


    Guter Kampf: Kor-Geweihte haben die Pflicht, nach dem ‘Guten Kampf ’ zu streben. Ein blutiger Kampf ist ein guter Kampf, deshalb halten sie nicht viel von Heilung, auch nicht von Heilzauberei.


    Ich denke nicht, dass die Autoren deine Ansicht teilen, sondern dass sie eben ein engeres Verständnis von "Kampf" haben.

  • Das wusste ich gar nicht. Halte ich auch für unsinnig. Wo Schlachten geschlagen werden müssen Heiler sein. Außerdem ,wie im Zitat aus dem Vademcum erwähnt, sorgt ein geheilter Kämpfer für eine weitere Möglichkeit Blut im Namen des Gottes zu vergießen.


    Beide Grundsätze sprechen eigentlich für einen Lebenserhaltungstrieb. Ob mehr Gold oder mehr Kämpfe,man kann seinen Gott nur ehren, wenn man lebt.

    Na ja.


    Bei Rondra ist der glorreiche Schlachtentod der Geweihten durchaus schon üblich und erwünscht, und die ist eher weniger extrem als Kor.


    Das Prinzip "Wer länger lebt kann länger Blut vergießen" würde ich höchstens bei Rahjakulten sehen, die Rahja als Kampf- und Blutgöttin verehren.


    Und wenn man bei Kor zu weit in Richtung "Gutes Gold" geht, kommt man bei Phex raus. Wenn man wirklich gern am Leben bleiben will, und einem das wichtiger ist als das Image einer harten Kampfsau, ist man imho mit einem tulamidischen Phexgeweihten der Phex als nächtlichen Kämpfer verehrt, besser bedient.


    Man muss sich bei "was finden Korgeweihte schlecht" auch immer fragen: Wie fände es denn dein Korgeweihter, wenn sein Feind sich einfach dauernd magisch heilen lässt?

  • Extrem ausgelegt sind fast alle Geweihten kaum bis absolut nicht spielbar. In D&D geht das in die Richtung "Lawfull Stupid" was man manchen Paladinen dort als Ausrichtung unterstellt.
    Aus "Pillars of Eternity" finde ich die Bleak Walkers in Teilen passend für einen Kor-Geweihten. Sprich, wenn ein Kor-Geweihter mal einen Auftrag annimmt (und sich das entsprechend vergolden lässt) ist das so, als würde man einen Pfeil abfeuern: Man kann es nicht mehr zurück nehmen.

    Sowas passt halt nicht überall in Aventurien rein, aber in der Wildermark, oder in Fasar, wo die Kirche eine enorme Präsenz hat, kann ich mir das schon vorstellen. Da ist dann halt was geboten, wenn ein Geweihter auf ein Ziel angesetzt wird und sich da durchschlägt, bis der Auftrag erfüllt ist ;)

    Along the shore the cloud waves break,

    The twin suns sink behind the lake,
    The shadows lengthen
    In Carcosa.

  • Ich denke nicht, dass die Autoren deine Ansicht teilen, sondern dass sie eben ein engeres Verständnis von "Kampf" haben.

    Ich beziehe mich da ja auf die zitierte Stelle aus dem Vademecum

    "und sehen die Künste eines Heilers ganz pragmatisch als eine weitere Waffe im unerschöpflichen Arsenal ihres streitbaren Gottes."


    Bei Rondra ist der glorreiche Schlachtentod der Geweihten durchaus schon üblich und erwünscht, und die ist eher weniger extrem als Kor.

    Vollkommen richtig. Aber es geht ja um die Frage, was nach dem Überleben ist. Das die Geweihten der beiden Kulte kein Problem mit dem Tod haben ist unbestreitbar. Das ein verstümmelter Geweihter gerne an den Wunden der Schlacht sterben möchte ist auch verständlich , da er danach nur noch schlecht oder gar nicht seinen Job machen kann.


    Aber solange man lebt und überlebt und körperlich nach einer Genesung fit ist, warum weitermachen? Das die Kor Geweihten ein dahinsiechen im Lazarett als Aufgabe ihres Gottes sehen, kann ich eigentlich nicht herauslesen aus den zitierten stellen.


    Vollständig heißt es:


    Guter Kampf: Kor-Geweihte haben die Pflicht, nach dem ‘Guten Kampf ’ zu streben. Ein blutiger Kampf ist ein guter Kampf, deshalb halten sie nicht viel von Heilung, auch nicht von Heilzauberei.

    "Nicht viel" bedeutet wenig. Also ab und zu nutzen sie Heilung. Und rein vom Wortlaut ist es öfter als eine Ausnahme .

    Wie fände es denn dein Korgeweihter, wenn sein Feind sich einfach dauernd magisch heilen lässt?

    Je nach Situation würde er ihn feige nennen, Angsthase oder seinen Gott ehren indem er den geheilten nochmal verprügelt.



    Ich denke auch an die Vertragstreue der Korkirche. Natürlich ist so einer mit dem Tod beendet, aber müsste es nicht auch erstrebenswert sein, den Vertrag einzuhalten, ganz gleich was darin steht? Das kann man doch nur, wenn der Körper fit ist zu kämpfen.


    Haben KOR Geweihte eigentlich einen "Narbenkult"? Das wäre dann natürlich ein weiterer Punkt gegen karmale- und magische Heilmagie.

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  • Einen Narben-Kult in dem Sinne nicht, aber Narben bedeuten schon etwas und sagen auch einiges aus. Es wird nicht vorsätzlich und gezielt dafür gesorgt, dass sie entstehen und auffallend sind, es werden vorsätzlich keine zugefügt, um eine Narbe zu haben. Aber sie zeugen von Kämpfen für Kor, von geflossenem eigenen Blut und von Überlebensfähigkeit und Kampferfahrung, so verstehe ich das:


    "Sein Leib ist meist mit zahlreichen Narben bedeckt, und er erträgt Verletzungen mit Härte und Stolz, um der Vervollkommnung seiner Kampfkünste näher zu kommen."

    (Vademecum, S. 129)


    IT-Text:

    "Wer soll dich denn ernst nehmen – du hast ja nicht einmal eine Narbe davongetragen!"

    (Vademecum, S. 46)



    Das die Kor Geweihten ein dahinsiechen im Lazarett als Aufgabe ihres Gottes sehen, kann ich eigentlich nicht herauslesen aus den zitierten stellen.

    Ich auch nicht.

    Aber aus eigener Kraft wieder auf die Beine kommen wollen, um zu zeigen, wie stark und überlebensfähig aus eigener Kraft sie sind, ohne ihre Leiden zu verkürzen, das lese ich da heraus.

  • Je nach Situation würde er ihn feige nennen, Angsthase oder seinen Gott ehren indem er den geheilten nochmal verprügelt.

    Eben. Und den Gegner, der sich magisch heilen lässt, als Feigling verspotten, geht besser, wenn man das selbst nicht tut.


    Da die Heilung in DSA durch die gesunde aventurische Heilluft so schnell geht, sehe ich auch keine große Notwendigkeit von Heilmagie um das Dahinsiechen im Lazarett zu verhindern.

  • Da die Heilung in DSA durch die gesunde aventurische Heilluft so schnell geht, sehe ich auch keine große Notwendigkeit von Heilmagie um das Dahinsiechen im Lazarett zu verhindern.

    Bei der Generierung auch schön dran denken, dass es die Immunität gegen Wundfieber für nur 3 GP gibt ... ^^

  • Da die Heilung in DSA durch die gesunde aventurische Heilluft so schnell geht, sehe ich auch keine große Notwendigkeit von Heilmagie um das Dahinsiechen im Lazarett zu verhindern.

    Sofern alle immer ihre Waffen sterilisieren, bevor sie in den Kampf ziehen, wirst du recht haben. Aber Wundbrand ist eine reale Gefahr und dem Kranken hilft dann auch keine heilende Luft mehr. Das erscheint mir wirklich überhaupt nicht erstrebenswert für einen Geweihten des Kor. Und schon gar nicht, wenn er den Kampf gewonnen hat, der ihn so verwundete. Er braucht sich dann nicht mal Schwäche vorwerfen, denn es war ein blutiger und guter Kampf. Und wenn die Geweihten untereinander ihre Fähigkeiten testen, werden sie doch auch nicht so töricht sein und sich 2 Wochen ans Bett fesseln, als lieber mithilfe eines Heilers um eine Woche zu verkürzen und den Tempeldienst wieder anzutreten.

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