Was sind Geweihte im Zwölfgötterkult ganz allgemein? Ein Meinungsaustausch

  • Den Zwölfen zum Gruße,


    im Folgenden möchte ich gerne mal vorstellen, was mein Bild von Geweihten im Allgemeinen ist, was Geweihte unabhängig von ihren Gottheiten und Arbeitsstellen sind. Gerne darf das diskutiert werden und sehr gerne dürfen auch alternative Bilder angeboten werden. Mein Ziel ist, dass dieser Thread eine kleine Geweihtenspielhilfe wird, die eine gewisse Lücke, die ich wahrnehme, füllt: Meist erhält man überwiegend Infos zu den Priester*innen einer gewissen Gottheit, aber nicht zu diesem Berufsstand im Allgemeinen, obwohl ich diese Perspektive für durchaus interessant halte. Ich stelle nun meine Meinung anhand ausgewählter Quellen vor.


    Geweihte sind...


    ...in aller erster Linie immer Priester*innen


    "Die Geweihten der Zwölfgötter sind (neben ihrer hauptsächlichen Funktion als persönlich von den Göttern auserwählte Verkünder und Mittler zwischen Sterblichen und Göttern) Religionslehrer, Seelsorger und Ratgeber. Gesellschaftlich werden sie als die direkten Stellvertreter der höchsten Mächte im ewigen Kampf gegen das Chaos, das Böse und das Unrecht angesehen. Ihr Handeln sollte davon bestimmt sein" (WdG 22)


    "Alle Formen von Moralkodex beinhalten, wenn nicht ausdrücklich anders erwähnt, die Pflicht, den Glauben an die eigene Religion in der Bevölkerung zu festigen, das Lob der Gottheit zu predigen, Frevel gegen die Gottheit und ihre Prinzipien zu verhindern, Ratsuchende zu beraten, Frevler zur Umkehr zu bewegen und, wenn sie Reue zeigen, ihnen die Beichte abzunehmen. Weiterhin ist jedem Geweihten und jedem Akoluthen bewusst, dass er durch sein Verhalten das Ansehen seiner Kirche mehren und nicht mindern sollte. Auch die Bekämpfung von Wesenheiten, die die göttliche Ordnung massiv stören (vor allem Dämonen), gehört zu den Pflichten eines jeden Kirchenangehörigen (auch wenn als ‘Bekämpfung’ durchaus ausreicht, schnellstens den nächstgelegenen Exorzisten zu verständigen)." (WdH 266)


    "Ein Phex-Geweihter ist jedoch immer in erster Linie Priester und erst in zweiter Linie Händler, Dieb, Betrüger oder ähnliches." (WdH 220)


    "Geweihte sind nicht nur Diener ihrer Gottheit, sie sind in vielfältiger Weise in die Gemeinschaft ihrer Völker und Kulturen eingebunden. Oft ist es üblich, dass Priester ihre Gemeindemitglieder von der Wiege bis ins Grab mit Segnungen von Geburten, Ehebünden und Grabriten, Hilfestellungen und Seelsorge begleiten und den hohen und niederen Gläubigen den Willen der Gottheit interpretieren — denn Geweihte sind Mittler zwischen den Gefilden der Götter und Menschen." (WdG 15)


    Ja, auch der Rondrianer ist in erster Linie Priester und dann erst Krieger und die Ingerimm-Geweihte in erster Linie Priesterin und dann erst Handwerkerin. Wer es anders herum haben will, der ist beim Akoluthen oder kompletten Laienprediger gut aufgehoben. Geweihte sind Priester*innen und haben in erster Linie priesterliche Aufgaben. Lehre, Seelsorge, Ratgeben, das Böse bekämpfen, Beichte abnehmen und sich repräsentativ benehmen. Das gilt sogar für den geheimen Phexi - was ihn vor die große Herausforderung stellt, diese Pflichten mit seiner Geheimhaltung zu verbinden. Und ja - auch ein Kor-Geweihter ist unter anderem Seelsorger. ;) Alles andere kommt nach diesen priesterlichen Pflichten, auch wenn die kultisch wichtigen Talente (Rechtskunde für Praioten, Kampfkunst für Rondrianerinnen, Seefahrt für Efferd-Geweihte usw.) wirklich nur ganz knapp danach kommen mögen. So steht auch das Abenteurerleben für Spielergeweihte eigentlich an zweiter oder gar dritter Stelle.


    ...absolute Respektpersonen


    "Ein Geweihter der Zwölfgötter ist in Mittelaventurien in jedem Fall eine Respektsperson. Man mag einem einzelnen Geweihten negativ gegenüberstehen oder sogar generell alle Angehörigen seiner Kirche für Ausbeuter, Betrüger oder Spielverderber halten, offen zeigen wird ihnen das nur der größte Rüpel der Stadt- meist mit entsprechenden Konsequenzen. Fast jeder Aventurier kann einen einfachen Geweihten an seinem Ornat einer Kirche zuordnen. Klopft ein Geweihter an eine fremde Tür, wird man ihn einlassen, ihm zuhören und (im Regelfall) glauben." (WdG 22)


    "Schwerverbrechen: Dazu gehören traditionell [...] Verbrechen gegen die Weltordnung wie das Paktieren mit Dämonen, das Leugnen göttlicher Wahrheiten und das Beschimpfen oder Verächtlichmachen der Götter, ihrer Diener und Stellvertreter. Derlei Verbrechen werden oft als 'schädlich Hämmern an den grundfesten von Reich, Dere und Alveran' zusammengefasst." (GA 146)


    "Novizen: Die noch nicht geweihten Priesterschüler einer Kirche genießen zwar Respekt, aber keine speziellen Titel.

    Akoluthen: Die Inhaber der niederen Weihen eines Ordens oder einer Kirche (meist Klostergcschwister oder Laienprediger) werden vielfach mit dem Titel ‘Euer Ehren und natürlich mit dem höflichen ‘Ihr’ angesprochen.

    Priester: Die einfach Geweihten der Kirche genießen neben ihrem kircheneigenen Titel die Anrede ‘Euer Gnaden’. Erzpriester: Unter diesem Sammelbegriff kennt man die älteren und verdienten zweifach Geweihten, die es nicht in jeder Kirche gibt. Ihre Anrede lautet ‘Ehrwürden’." (WdG 34)


    "Ein Wort zum Gruß: Während die universelle Formel “Die Zwölfe zum Gruße” immer richtig ist, grüßen Geweihte normalerweise immer im Namen ihrer Gottheit- es sei denn, sie begrüßen einen anderen Geweihten, denn dann sollten sie, wie jedermann aus Höflichkeit, im Namen der Gottheit des Angesprochenen grüßen." (ebd.)


    "Ein Wort zum Kniefall: Das Niederknien auf ein Knie während einer Audienz oder wenn die Ehrperson den Raum betritt, ist allgemein bei weltlichen und geistlichen Potentaten üblich. Den früher recht verbreiteten ‘tulamidischen’ Bauchfall verlangen nur noch einige südaventurische Würdenträger (es wird aber als besondere Demutsgeste bisweilen noch freiwillig verwendet), während das Beugen beider Knie üblicherweise der Verehrung der Gottheit selbst-also im Gebet -verwendet wird: “Nein, Majestät, beide Knie beuge ich nur vor dem Herre Praios!”" (ebd.)


    "In Aventurien besitzen - anders als auf der Erde - die Geweihten wirkliche und von jedem wahrnehmbare Kräfte, hinter denen eine ebenso wirkliche Gottheit steht. Das ist den meisten Aventuriern (in ihrem jeweiligen Kulturkreis, und oft auch darüber hinaus) durchaus bewusst, und zusammen mit der teils beträchtlichen weltlichen Macht der Kirchen und Kulte wundert es daher nicht, dass den Geweihten Respekt und Ehrfurcht entgegengebracht wird auch dann, wenn man den entsprechenden Gott oder seinen Kult nicht besonders schätzt." (WdG 304)


    Ein Punkt, der von Meister*innen wie Spieler*innen gegenüber SCs wie NSCs beachtet werden sollte. In den wirklich allermeisten Fällen wird man einer geweihten Person gegenüber Respekt, ja Ehrerbietung und oft sogar etwas Gehorsam zeigen. Das nicht zu tun ist nicht nur gesellschaftlich unmöglich, man könnte damit sogar ein Schwerverbrechen begehen, das neben Mord und Vergewaltigung geführt wird! Das will wohl kaum jemand. Zum Ausdruck bringen kann man das mit der korrekten Anrede, Gruß und Gesten.


    ...sakrosankt


    "Gemäß der Zwölfgöttlichen Ordnung ist es ein Frevel, die Häuser und geweihten Diener der Zwölfgötter (und ihrer halbgöttlichen Kinder) anzugreifen. Im Kriegsfall mögen Geweihte der Rondra oder des Kor (oder ein Angriff auf offenem Feld) oder generell ein getarnter Tempel oder Priester des Phex hier eine Ausnahme bilden. Bei letzteren ist der Angriff natürlich gleichermaßen strafbar, es können aber mildernde Umstände geltend gemacht werden, wenn der Angeklagte glaubhaft versichern kann, dass er nicht wusste, was oder wen er angriff. Explizit nicht als frevlerischer Angriff gilt eine Verteidigung gegen den Angriff eines Geweihten (auch wenn hier die Praios-Kirche deutlich anderer Ansicht ist und eine solche Verteidigung üblicherweise weltlich genauso bestraft wird wie ein Angriff)." (WdG 24)


    "Wer einen durch Priester geschlossenen Heiligen Eid (siehe die Liturgie GROSSER EIDSEGEN auf Seite 255) bricht oder gegen bestimmte andere, aktuell auf ihn wirkende Liturgien verstößt, wer einen geweihten Tempel oder einen Geweihten eines der Zwölfe mutwillig angreift, dessen Seele erhält ein ‘Mal des Frevlers’ "(ebd.)


    "Dass in besonders zwölfgöttertreuen Ländern der von einem Geweihten proklamierte Frevler heftigen Anfeindungen ausgesetzt ist, ist ebenfalls unzweifelhaft, und zwar unabhängig von der juristischen Situation. [...] Ein Frevler gilt als Ausgestoßener, nicht aber automatisch als Verdammter, und kann weiterhin sämtliche Tempel besuchen. Die Geweihten werden ihm meist gerne helfen, zur Gnade der Zwölfe zurückzufinden: Vom Mal des Frevlers kann man sich durch eine Queste, eine Pilgerfahrt oder einen Büßgang reinigen. Genaueres hängt von der Schwere des Vergehens ab und bleibt dem Geweihten oder bei Schlimmerem gar den Göttern selbst (sprich: dem Spielleiter) überlassen." (ebd.)


    Auch der gewöhnliche Bandit wird es sich dreimal überlegen, ob er ausgerechnet eine Gruppe überfällt, zu der offensichtlich eine geweihte Person gehört. Damit bringt man im Extremfall die Gottheiten selbst gegen sich auf und das ist noch einmal etwas anderes als "nur" die weltlichen Autoritäten. Aber auch Stadtgardisten werden in einem solchen Fall zurückhaltender und höflicher sein, wenn ein Verdacht gegen die Gruppe besteht - dürfen aber auch von der geweihten Person Kooperation und Höflichkeit erwarten. Sie hat ihren Ruf wiederherzustellen und den Ruf ihrer Kirche zu verbessern statt zu verschlechtern.


    ...juristisch privilegiert, aber auch verpflichtet


    "Als Ankläger oder Zeuge kann ein Geweihter vor jedem Gericht fungieren; in der Regel wird man seine Worte besonders ernst nehmen und ihnen den Rang von Beweisen zugestehen. Verteidiger - gerade, wenn sie ebenfalls Geweihte sind - mögen jedoch verlangen, dass der Geweihte seine Aussagen (gerade wenn sie kaum zum Ruf des Beklagten passen) unter dem EIDSEGEN beschwört.

    Als Richter kann ein Geweihter hauptsächlich in einem Tribunal seiner eigenen Kirche fungieren. Für den weltlichen Richter einspringen kann er nur, wenn kein anderer Richter zu erreichen ist (und außer in Kriegen ist eine Wartezeit von einigen Tagen - bei Fällen, für die das Hochgericht zuständig ist, auch Wochen- durchaus zumutbar). Besser ist es, wenn der Geweihte ein Notgericht aus unbescholtenen und angesehenen weltlichen Schöffen einberuft; die natürlich auch seine Begleiter sein können. Hier aber kann sich Korruption einschleichen, die von den Göttern nicht gerne gesehen wird.

    Als Angeklagter hat der Geweihte das Recht auf einen Prozess vor einem kirchlichen Gericht (siehe aber unten),das ihn im Schuldfalle jedoch in der Regel mindestens so streng bestraft wie ein weltlicher Richter. Die Kirchen sind nicht glücklich über Priester, die ihren Ruf beflecken, selbst wenn es ‘nur’ um weltliche Vergehen und nicht um kirchliche Verfehlungen geht. Die Anwesenheit eines höherrangigen Geweihten bei einem weltlichen Prozess ist in weltlichen Angelegenheiten ausreichend, um das Urteil wirksam werden zu lassen. Ein Geweihter kann nicht in Abwesenheit (endgültig) verurteilt werden.

    Kläger, Richter und Henker zugleich sind in Aventurien gelegentlich nur die Bannstrahler (siehe Seite 41) - und das wird ihnen mitunter als Anmaßung ausgelegt." (WdG 33)


    ...Mitglied einer komplizierten, großen Familie


    "Als Kirchen eines Pantheons von zwölf Göttern stehen sich die einzelnen Kulte so nahe wie Brüder und Schwestern. Versuche zur intensiven Zusammenarbeit der Kirchen, gar der Zusammenlegung aller, hat es in der Vergangenheit bereits mehrfach gegeben. Eine Einigkeit der zwölf Kirchen jedoch ist tatsächlich nicht mehr als ein gerne verbreiteter Mythos. Bereits wenn es um die Eingrenzung von Zuständigkeiten geht, bestehen große Differenzen - ganz zu schweigen von den Methoden der Problembewältigung. Das Verhältnis zwischen den einzelnen Kirchen des Pantheons mag zwar manchmal sehr angespannt sein,äußeren Feinden und Gegnern des Pantheons (wie Kultisten des Namenlosen, Paktierern, aber auch Rastullah-Gläubigen) treten die Kirchen jedoch geschlossen entgegen." (WdG 32)


    Nicht alles ist so rosig, wie es der Bund des wahren Glaubens gerne hätte. Wie in jeder Familie gibt es viel Streit. Aber wenn es nötig ist, stellt man die eigene Meinung zurück und hält zusammen.


    ...jemand mit einer besonderen Identität


    "Generell steht es einem Geweihten offen, bei seiner Weihe einen neuen Namen anzunehmen. So kommt es, dass viele Diener einer Gottheit - von Rondrian über Praiodane bis hin zu Tsalieb und Travian - diese in ihrem Namen tragen." (WdG 34)


    Einen neuen Namen anzunehmen ist mehr, als ein Wort zu ändern. Nicht umsonst wurde es irdisch bei einem Religionswechsel oft getan. Gerade auf Dere mit den wahren Namen ist so eine Handlung bedeutsam. Wer sich weihen lässt, ist nicht mehr, wer er zuvor war. Aber natürlich kann es Rückfälle geben. ;)


    ... Be(voll)mächtigte, eigenverantwortliche und auserwählte Vertreter ihrer Gottheit


    "Karmaenergie (KE, unterteilt in einzelne Karmapunkte, KaP) ist nicht, wie manchmal interpretiert, allein der Wille eines Gottes oder ein Maß für Frömmigkeit, sondern - für Spielzwecke und auch im Verständnis vieler Geweihter-eine götterverliehene Kraft, eine ‘Energieform’. [...] Für gewöhnliche Sterbliche ist Karmaenergie nicht fassbar, und es erfordert ein besonderes Ritual, bei der die Gottheit einen ausgewählten Sterblichen an Geist und Seele verändert, damit dieser Karmalkraft spüren und verwenden kann." (WdG 237)


    "Das grundlegende Ritual einer jeden Kirche ist das der Priesterweihe. Im Rahmen dieser Zeremonie (siehe die Liturgie ORDINATION, Seite 257f.), die je nach Kirche ihre eigene Symbolik verwendet, wird der Novize in einen entrückten Zustand versetzt, in dem er die unmittelbare Gegenwart der Gottheit erlebt, von ihr geprüft und bei Wohlgefallen an Geist und Seele berührt und verwandelt wird. Künftig ist er in der Lage, einen kleinen Teil der göttlichen Karmaenergie in sich zu tragen und mit ihr die Welt im Sinne der Gottheit zu ordnen. Denn das ist der eigentliche Sinn der Geweihtenschaft: Natürlich ist sie auch daran interessiert, ein Leben gemäß den göttlichen Lehren zu führen und den Glauben an die Macht des Gottes und die Bedeutung seiner Prinzipien zu fordern. Doch das tun auch ungeweihte Klostergeschwister und Laienprediger. Die eigentliche Mission der Geweihten ist es, mit ihrer Karmaenergie die Interessen und Prinzipien des Gottes auf Dere zu wahren. Sei es, dass sie eines seiner Häuser mit Glanz erfüllen und gegen Anfeindungen verteidigen, sei es, dass sie ausziehen, um in der ungezähmten Welt für die göttliche Ordnung einzutreten: Zu diesen Zwecken hat der Gott sie akzeptiert und mit einem Teil seiner Kraft ausgestattet." (WdG 237)


    "Zuletzt aber hängt es von der Einschätzung der Gottheit (und des Spielleiters als ihres Vertreters am Spieltisch) ab, ob der Anwärter geeignet ist: Während der Weihe-Zeremonie schaut die Gottheit selbst in die Seele des Bewerbers und urteilt, ob seine Motive lauter erscheinen." (WdG 238)


    "Die Seele eines würdigen Novizen wird durch das Ritual in die Nähe der Göttlichkeit erhoben, um von der Gottheitgeprüft und (hoffendich) als Priester angenommen zu werden." (WdG 258)


    "Karmaenergie ist eine Gabe der Gottheit an einen (hoffenlich) erfolgreichen sterblichen Agenten- keine Kraft, die er wie Astralenergie aus der Umgebung zieht. Daher kann nur die Gottheit selbst dem Priester die aufgewendete KE ersetzen, und daher muss ein Geweihter auch stets bestrebt sein, die göttliche Gabe in Harmonie mit den Prinzipien seiner Gottheit einzusetzen. Anders als beim Gebrauch der Karmaenergie, der gänzlich in den Händen des Geweihten liegt, hat jedoch bei der Rückerstattung die Gottheit erheblich mitzureden: Immerhin hat sie beim vorigen Mal dem Geweihten die KaP zur Verfügung gestellt, damit dieser sie im Sinne der göttlichen Prinzipien anwendet.Wenn der Geweihte hingegen den Anschein erweckt, dass er einen Teil seiner Kraft doch nicht zu schätzen wusste, weil er sie für Albernheiten oder gar gegen die Prinzipien der Gottheit verschwendet hat, so mag die Gottheit durchaus deren Erstattung verweigern, bis der Geweihte Buße getan hat. Denn letzten Endes vermittelt die Gottheit ihrem Geweihten nur dann neue Kraft, wenn sie (also Sie als Meister) den Eindruck hat, dass sich der Geweihte aus ganzem Herzen für die götdichen Interessen einsetzt, eine gewisse Erfolgswahrscheinlichkeit besitzt und die bisher verbrauchte Karmaenergie sinnvoll und konstruktiv eingesetzt und nicht etwa verschleudert hat. Eine Gottheit wird einen fähigen und eifrigen Diener nicht am Kraftmangel scheitern lassen, aber er wird keinen Funken seiner götdichen Energie einem zweifelhaften Burschen hinterher werfen." (WdG 241)


    "Alle Liturgien (mit der entscheidenden Ausnahme der sogenannten ‘Primärliturgie’ der ORDINATION) sind Menschenwerk. Nicht die Gottheit hat sie die Sterblichen gelehrt (auch wenn viele Kirchen natürlich an die götdiche Inspiration glauben), sondern die Kirchen haben sie als Mittel geschaffen, um die Götterkraft in geordnete Bahnen zu lenken. Insofern stellen sie eher ein ‘Mantra’, eine Formel zur Konzentration des Geweihten auf sein Ziel dar als ein ‘Wort der Kraft’, das in sich bereits ‘karmal aufgeladen’ wäre. Der Wortlaut eines Ritual Gebetes kann (natürlich respektvoll) nach Belieben rezitiert werden, ohne dass die Wirkung eintritt, und tatsächlich sind etliche Gebete auch ohne Einsatz karmaler Kraft als herkömmliche Segenssprüche in der tagtäglichen kultischen Praxis gebräuchlich." (WdG 243)


    "Ihnen als Meister obliegt es, dem Spieler klar zu machen, dass es auch bei den strengen Geboten der Götter eine gewisse Verhältnismäßigkeit gibt — und dass Dummheit und unüberlegtes Vorgehen den wenigsten Göttern gefällig ist. Vielleicht geben Sie dem Geweihten eine kleine Vision oder einen Traum mit auf dem Weg, die die Konsequenzen solchen Tuns zeigen, oder ein anderer Geweihter macht in Anwesenheit des Helden genau diese Problematik zum Thema. Gebote sind nicht immer so einfach zu befolgen, und die Götter wollen, dass ihre Diener sich Gedanken machen." (WdG 304)


    "Die Götter haben — von direktem Eingreifen einmal abgesehen - kaum eine Möglichkeit, die Verwendung der von ihnen vergebenen Karmaenergie (egal, ob an Heroen oder geweihte) zu kontrollieren, außer wenn der Geweihte oder Heroe mit ihnen Kontakt aufnimmt, um weitere Kraft zu bitten. In diesen Momenten können sie ihm nicht nur weitere Karmaenergie verweigern, sondern ihn auch strafen." (WdG 14)


    Die Gottheiten haben den Geweihten etwas von ihrer Kraft gegeben, damit diese sie vertreten können. Und das wissen die Geweihten auch in der Regel. Die Liturgien sind Menschwerk. Mit ihnen wird das Karma geformt - natürlich im Sinne der Gottheit. Geweihte gehen aber eigenverantwortlich und selbst mit dieser Kraft um. Theoretisch können sie sie sogar gegen den Willen der Gottheit einsetzen - darauf werden aber entsprechend Konsequenzen folgen. Darum sollten sie sich aber auch nicht darauf verlassen, dass ihnen von alveranischer Seite ständig das Händchen gehalten wird. Sie haben ihre Kräfte gerade, damit nicht die Gottheiten selbst eingreifen müssen. Geweihte können sich aber ihrer Eignung sicher sein und sich selbstbewusst der Verantwortung stellen: Jeder einzelne ist persönlich von seiner Herrin oder Herrn geprüft und auserwählt worden, nicht nur von der Kirche. Ungeeignet können sie eigentlich gar nicht sein.


    ...(unterer) Teil einer Hierarchie (altgr. "Heilige Herrschaft") und voll ihrer Kirche hingegeben


    "[N]ach der Weihe [geht] natürlich das Kirchenrecht vor, und sämtliche Auflagen und Pflichten der Kirche müssen allzeit erfüllt werden, so dass etwa ein Söldner seinem bisherigen Leben vollständig abschwört, wenn er ein Geweihter der Travia oder der Tsa wird.Weniger einschneidend und daher in fast allen Fällen gewählt ist der Weg enes Akluthen, also eines nicht geweihten Priesters, Ordensmitglieds oder Ritualhelfers. Nur die allerwenigsten suchen eine so innige Bindung zur Gottheit, dass für sie nur die Weihe in Frage kommt." (WdG 237f)


    "Allgemein erwarten alle Kirchen, dass sich Gildenmagier bereits vor der Zulassung zur Priesterweihe freiwillig der Expurgico (Streichung aus der Akademieliste und Entfernung des Gildensiegels) unterziehen, um ihr Gottvertrauen zu beweisen und zu zeigen, dass sie ihre Verpflichtungen gegenüber ihrer Gilde hinter sich gelassen haben. [...] Alle Zwölf- und Halbgötterkirchen ohne Ausnahme bestehen darauf, dass Hexen, Druiden, Geoden und Schmanen die Verehrung ihrer 'Götzen' aufgeben und sich von ihren Zirkeln und Schwesternschaften lossagen. Spätberufene aus diesen Kreisen, aber auch Gildenmagiermüssen sich somit von vielen wichtigen Aspekten ihres bisherigen Lebens trennen, so dass sie, vciglichen mit Nichtzauberern, mehr Zeit und Mühe aufzuwenden haben, um sich im Noviziat auf die Weihe vorzubereiten." (WdG 238)


    "Oft wird vergessen, dass Geweihte Angehörige einer Glaubensgemeinschaft sind und dementsprechend auch eine Menge Verpflichtungen haben, aus denen sie sich nicht so leicht lösen können — und auch gar nicht wollen-, zumal die Spieler-Helden in der Hierarchie der Kirchen meistens im unteren Bereich zu finden und dementsprechend Befehlsempfänger sind." (WdG 304)


    Warum ist der/die Geweihte Abenteurer*in? Und warum bleibt er/sie es? Das will durchaus überlegt sein. Teil einer anderen Organisation kann er/sie eigentlich nur in Ausnahmefällen (die es aber freilich sehr wohl gibt). Diener*in zweier Herrn ist eigentlich nicht drin. Geweihte sind freilich als SCs geeignet, aber sie erfodern besonders intensive Überlegungen, wie sie Held*innen sein können und dennoch Geweihte bleiben.


    ...auch nur Menschen


    "Auch wenn Geweihte tiefere Einblicke in die Ordnung der Welt haben als der gewöhnliche Aventurier, sind sie nicht allwissend. Ebenso wenig, wie sich seine Kirche über den Willen seines Gottes sicher sein kann, weiß der Geweihte, was sein Gott eigentlich und letztendlich vorhat. Die meiste Zeit sind sein Glaube, sein Vertrauen und seine Überzeugung Grundlage seines Handelns und seiner Entscheidungen - wie bei jedem anderen Wesen auch. Trotz seiner besonderen Stellung ist er nur ein Mensch (Achaz, Zwerg...) und neigt dazu, Fehler zu machen und sich von seinen Schwächen leiten zu lassen. Das soll kein Aufruf dazu sein, die Geweihten allzu weltlich darzustellen -ganz im Gegenteil. Aber so mancher hat seine ganz eigenen Ansichten und Ziele und handelt darum nicht immer ‘richtig’- eventuell nicht mal nach der geläufigen Meinung seiner Kirche.Oder er ist autoritätsgläubig, schaltet den gesunden Menschenverstand aus und vertraut auf die Ratschläge aus verstaubten Büchern alter Kirchenlehrer. Das heißt übrigens ebenso, dass Geweihte nicht zwangsläufig die ‘Guten’ sein müssen. Auch ist die menschliche Moral nicht die der Götter. Es kann gut sein, dass etwa ein Phex-Priester nach den Maßstäben der Helden ein echter Schurke ist, dennoch aber die Gunst seines Gottes besitzt - oder sie zumindest nicht völlig verloren hat. Das gilt natürlich nur so lange, wie er nicht gegen die Gebote und Prinzipien des Gottes verstößt - eine interessante Herausforderung für die (hoffentlich gottesfürchtigen) Helden ist es aber allemal. Diener eines bestimmten Gottes zu sein heißt nicht, dafür seinen Charakter völlig aufzugeben." (WdG 305)


    Das sollte vielleicht auch gesagt werden. ;)


    ...lernfähig


    "Selbstverständlich gibt es auch in Aventurien radikale Vertreter ihres Glaubens. Doch sitzen diese in den allermeisten Fällen ihr Leben lang im Tempel - oder sie leben nicht lange. Ein Geweihter, der über eine längere Zeit mit einer Heldengruppe durch Dere gewandert ist, hat gelernt, auch mit den schwierigsten Situationen zu leben. Denn er hat sich entschlossen, seinen Glauben in die Welt hinaus zu tragen und mit ihm in der rauen Praxis Dinge zu bewegen." (WdG 306)


    Zu Spielbeginn mögen Geweihte oft idealistisch, voller Energie und Tatendrang sein. Mit der Erfahrung können aber auch sie etwas mehr "Realo" und pragmatischer werden. Gerade, wenn sie nicht ständig von ihrer Kirche kontrolliert und belehrt werden.


    ...eine besondere Herausforderung für die ganze Gruppe


    "Einen Geweihten rollengerecht zu spielen, erfordert eine besondere Hingabe und Mühe (siehe oben), und weitaus mehr als bei anderen Heldentypen ist bei der Darstellung eines Geweihten die Zusammen arbeit von Meister und Spieler vonnöten: Der Spieler ist darauf angwiesen , dass dem besonderen Status seiner Figur der viel vom Reiz eines Geweihten ausmacht - entsprechende Resonanz widerfährt und dass der Meister seinen Gott ‘anständig’ vertritt." (WdG 303)


    Im Grunde kann man diesen Punkt als Zusammenfassung aller anderer nehmen. ^^ Es kann sich aber auch für alle Beteiligten lohnen, wenn sich alle darauf einlassen. Geweihte gehören zweifellos zu den interessantesten Figuren Aventuriens und ich kann nur alle ermutigen, sie trotz oder gerade wegen dieser Herausforderungen einzubinden.


    Und jetzt bin ich gespannt, was ihr zu ergänzen oder zu verbessern habt - oder was ihr vielleicht ganz anders seht.


    ...Priester*innen einer Gottheit im Besonderen, aber auch aller Zwölfer im Allgemeinen



    "Oft begleiten bestimmte Geweihte mehrere Generationen einer Familie, ja ganzer Dörfer, von der Geburt und Namenswahl, der Initiation und Heirat über religiöse Feiertage bis hin zum Tod (wenn sie den Hinterbliebenen Trost spenden), so dass sie zum alltäglichen Leben dazugehören." (WdG 22)


    Die zwölf kleinen Segnungen verweisen ja auch darauf - auch ein Boroni hat den Geburtssegen, auch eine Tsa-Geweihte den Grabsegen. In manchen Gegenden ist es sogar recht üblich, eine Ehe unter einem anderen Zeichen als dem Travias zu schließen. Klar - je größer die Stadt, desto spezialisierter werden die Geweihten sein und vielleicht in den Methropolen jeweils nur Aspekte ihres eigenen Kultes behandeln. Man nehme nur die drei Phex-Tempel in Gareth. Es ist nicht viel anders als bei Schmied*innen: Der Dorfschmied im letzten Kaff im Kosch kann vermutlich Pferde beschlagen (Hufschmied), Werkzeuge herstellen und reparieren (Grobschmied) und im Notfall zu Waffen modifizieren (Waffenschmied). Seine Kollegin in der Stadt wird sich auf eines der Felder spezialisiert haben und das dafür besonders gut beherrschen.

    Viele Gegenden Aventuriens sind abgelegen. Viele Dörfer haben bestenfalls einen Schrein, der nächste Tempel ist eine regelrechte Wanderung entfernt. Hin und wieder wird eine Peraine- oder Travia-Geweihte nach dem Rechten sehen und sich um alle religiösen, seelsorgerlichen und pastoralen Bedürfnisse kümmern - besonders die Neugeborenen segnen, die Halbwüchsigen initiieren, die jungen Paare verheiraten, die Toten begraben. In der Stadt würden das wahrscheinlich verschiedene Epert*innen übernehmen.

    Die Landgeweihte wird aber nicht selten alle Zwölfe predigen, verkündigen und ihr Lob mehren müssen. Auch und gerade Geweihte sind Gläubige und Verantwortliche aller Zwölfe und ihrer halbgöttlichen Kinder. Besonders Spielerheld*innen als Gruppenseelsorgende könnten das besonders bedenken. Immerhin sind sie oft abseits der Zentren des Glaubens unterwegs, um ruhmreiche Taten zu vollbringen.


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  • Ich seh's ähnlich wie du. Das "voll" in "be(voll)mächtigt" finde ich wirklich sehr eingeklammert. Ebenso ist das "auserwählt" für mich nicht sehr stark.

  • Das stimmt natürlich - Novize werden durch die Ordiantion, die Primärliturgie, gewissermaßen der Gottheit vorgeschlagen, die sie bei Eignung verwandelt. In wie weit man aber, da ja dieser Vorschlag meist nötig ist, von einer Erwählung sprechen kann... Gut, darüber kann man sicher trefflich streiten. :/

    Die Bevollmächtigung sehe ich, da die Geweihte selbst entscheiden, was sie mit dem Karma anfangen. Die Gottheiten reden dabei nicht mit. Erst wenn es um Nachschub an Karma geht, kommen sie ins Spiel. Diese Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit sehe ich schon als eine gewisse Bevollmächtigung.

  • Das stimmt natürlich - Novize werden durch die Ordiantion, die Primärliturgie, gewissermaßen der Gottheit vorgeschlagen, die sie bei Eignung verwandelt. In wie weit man aber, da ja dieser Vorschlag meist nötig ist, von einer Erwählung sprechen kann... Gut, darüber kann man sicher trefflich streiten. :/

    Die Bevollmächtigung sehe ich, da die Geweihte selbst entscheiden, was sie mit dem Karma anfangen. Die Gottheiten reden dabei nicht mit. Erst wenn es um Nachschub an Karma geht, kommen sie ins Spiel. Diese Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit sehe ich schon als eine gewisse Bevollmächtigung.

    Wobei sich mir da immer die Nandus-Frage stellt, sowohl bei der Verwandlung, als auch beim Sperren des Karmaflusses nach Verstoß gegen die kirchlichen Prinzipien.

  • Meine Quellen sind älter als die Nandus-Retcon, muss ich gestehen. Und die ist ja auch etwas umstritten. Warum ist der Nandus-Retcon so unbeliebt? Gerade auch, weil sie nur mit dehnen, biegen und brechen zum sonstigen Lore passt. Ist aber freilich, wie alles, Geschmackssache. Eingeführt wurde sie erst mit der HA, praktisch mit dem Beginn von DSA5.

  • Ich würde es genauso in der Reihenfolge sehen wie du es aufgelistet hast - und ählnich in "Die Sonne im Herzen" umgesetzt wurde.

    (Schade das es nur bei Kurzgeschichten klappt. Gewissermaßen kann ein Helden-Geweihter nur von Person her ein ganzes Abenteuer sprengen.)

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • Ein Nachtrag - nah verwandt mit dem Punkt um die große Familie


    ...Priester*innen einer Gottheit im Besonderen, aber auch aller Zwölfer im Allgemeinen


    "Oft begleiten bestimmte Geweihte mehrere Generationen einer Familie, ja ganzer Dörfer, von der Geburt und Namenswahl, der Initiation und Heirat über religiöse Feiertage bis hin zum Tod (wenn sie den Hinterbliebenen Trost spenden), so dass sie zum alltäglichen Leben dazugehören." (WdG 22)


    Die zwölf kleinen Segnungen verweisen ja auch darauf - auch ein Boroni hat den Geburtssegen, auch eine Tsa-Geweihte den Grabsegen. In manchen Gegenden ist es sogar recht üblich, eine Ehe unter einem anderen Zeichen als dem Travias zu schließen. Klar - je größer die Stadt, desto spezialisierter werden die Geweihten sein und vielleicht in den Methropolen jeweils nur Aspekte ihres eigenen Kultes behandeln. Man nehme nur die drei Phex-Tempel in Gareth. Es ist nicht viel anders als bei Schmied*innen: Der Dorfschmied im letzten Kaff im Kosch kann vermutlich Pferde beschlagen (Hufschmied), Werkzeuge herstellen und reparieren (Grobschmied) und im Notfall zu Waffen modifizieren (Waffenschmied). Seine Kollegin in der Stadt wird sich auf eines der Felder spezialisiert haben und das dafür besonders gut beherrschen.

    Viele Gegenden Aventuriens sind abgelegen. Viele Dörfer haben bestenfalls einen Schrein, der nächste Tempel ist eine regelrechte Wanderung entfernt. Hin und wieder wird eine Peraine- oder Travia-Geweihte nach dem Rechten sehen und sich um alle religiösen, seelsorgerlichen und pastoralen Bedürfnisse kümmern - besonders die Neugeborenen segnen, die Halbwüchsigen initiieren, die jungen Paare verheiraten, die Toten begraben. In der Stadt würden das wahrscheinlich verschiedene Epert*innen übernehmen.

    Die Landgeweihte wird aber nicht selten alle Zwölfe predigen, verkündigen und ihr Lob mehren müssen. Auch und gerade Geweihte sind Gläubige und Verantwortliche aller Zwölfe und ihrer halbgöttlichen Kinder. Besonders Spielerheld*innen als Gruppenseelsorgende könnten das besonders bedenken. Immerhin sind sie oft abseits der Zentren des Glaubens unterwegs, um ruhmreiche Taten zu vollbringen. ;)

  • Na gut, Meinung zu den Punkten :


    ...in aller erster Linie immer Priester*innen


    In der Theorie ja. In der Praxis finden sich im offiziellen Aventurien mehr als genug Geweihte, die eigentlich die meiste Zeit über anderes Zeug machen. Ob das jetzt die heimlichen Geweihten sind, die entsprechend kaum als seelischer Beistand aktiv sein können, Geweihte, die in Personalunion noch andere Positionen ausfüllen müssen oder einzelgängerische Firungeweihte, die 90% des Jahres allein in der Wildnis verbringen. Sogar größere Tempel haben oft Spezialisten für bestimmte Aufgaben, die nichts mit Seelsorge zu tun haben. Natürlich kann man fragen "Was ist ein Priester ?" und darauf verweisen, dass das traditionell die Teilnahme an den /Durchführung der Riten noch viel mehr ist als die Seelsorge.


    ...absolute Respektpersonen


    Respektspersonen ja, absolut jedoch ganz sicher nicht. Gibt genug andere Schichten, die ebenfalls solche Privilegien genießen oder ähnlich respektiert sind. DSA schreibt viel zu viele Texte für SCs aus der Unterschicht wo in ach so vielen Spielrunden jeder SC Recht auf eine besondere Anrede hat.


    ...sakrosankt


    Wenig hat so viel Ärger gemacht wie diese Setzung. Mit den Ausnahmen für Krieg und Selbstverteidigung ist es allerdings brauchbar. Ein Geweihter wird üblicherweise nicht angegangen, wenn er aber selber zur Waffe greift, ist es mit der besonderen Rücksichtnahme vorbei. Auch erstreckt sich der Schutz, den ein Geweihter genießt, nicht auf seine Begleiter.


    ...juristisch privilegiert, aber auch verpflichtet


    Ja, schon. Ist aber ziemlich nichtssagend, weil das irgendwie für jeden gilt. Nur die Privilegien und Verpflichtungen sind immer andere und oft auch noch ortsabhängig.


    ...Mitglied einer komplizierten, großen Familie


    Nicht wirklich. Fast alle Kirchen erstrecken sich bis in Gebiete, die nicht zwölfgöttergläubig sind und haben entsprechend auch Mitglieder, die ebenfalls nicht an all die anderen Götter glauben. Nur Praios hat so was wie eine zentralisierte Ausbildung.


    ...jemand mit einer besonderen Identität


    Das mit dem Namen gilt für Magier auch. Auch sonst kommen Namenswechsel häufiger in Aventurien vor, insbesondere, da das Konzept von Nachnahmen nicht überall etabliert ist.


    ... Be(voll)mächtigte, eigenverantwortliche und auserwählte Vertreter ihrer Gottheit


    Ja.


    ...(unterer) Teil einer Hierarchie (altgr. "Heilige Herrschaft") und voll ihrer Kirche hingegeben


    Wie viel Hierarchie die Kirche nun hat, schwankt massiv. In manchen Fällen kann man kaum davon sprechen, in anderen ist jenseits der Tempelebene kaum Struktur vorhanden.


    ...auch nur Menschen


    Klar und wichtig.


    ...lernfähig


    Schon. Dass muss aber nicht klischeemäßig von Idealismus zu Pragmatismus gehen. Gibtauch erfahrene Eiferer und Fanatiker, die immer kompromißloser werden.


    ...eine besondere Herausforderung für die ganze Gruppe


    Nicht wirklich. Sehr sehr viele andere Konzepte sind genau so herausfordernd. Ich würde sogar fast sagen, jeder Charakter, der es wert ist, gespielt zu werden, sollte mit so viel Hingabe und Feingefühl mit Leben gefüllt werden und entsprechend berücksichtigt werden.

    Wenn es aber um die Special-Snowflake Skala geht, stehen da Geweihte auch nicht wirklich ganz oben.





    Ansonten sind generell fast alle Stimmungstexte zu Geweihten viel zu mittelreichzentriert, wie bei fast allen anderen Themen auch. Die Rolle von Geweihten in Gegenden, in denen nur einige der Zwölf bekannt sind/verehrt werden und wo ihnen andere Gestalten beigestellt werden oder wo eben nicht all die Standardprivilegien gelten, wäre deutlich hilfreicher. Wenn ich einen Geweihten für Thalusa oder Mengbilla oder Selem oder Olport oder Andergast erstelle oder auch nur einen archetypischen norbardischen Hesindegeweihten, der in seiner Sippe lebt, bieten mir die offiziellen Spielhilfen reichlich wenig. (Und generell brauchen Sumupriester mal ein Vademecum)

  • Ein Geweihter wird üblicherweise nicht angegangen, wenn er aber selber zur Waffe greift, ist es mit der besonderen Rücksichtnahme vorbei.

    Tatsächlich laut Setzung nicht. Kor- und Rondra-Geweihte im Feld, das heißt auch, dass man den Ronnie nicht in den Gassen der Stadt oder auf außerhalb von A nach B angreifen und überfallen darf. Aber das gilt ohne für zwölfgöttergläubige Angreifer, alle anderen sind da ohnehin ausgenommen.

    Zumal ja im Gegenzug ein Geweihter nur dann die Waffe zieht (so überhaupt eine vorhanden ist), wenn er angegriffen wird.

    Außerhalb zwölfgöttlicher Lande und/oder von jenen, die nicht dem Glaubens-Pantheon angehören, wäre ein Angriff nicht ahndbar oder nicht mal zwingend unerwartet (so einige Kirchen haben ja nicht ganz grundlos einen Kämpfenden Zweig, damit ihre Geweihte bewaffneten Schutz haben können).


    In der Praxis finden sich im offiziellen Aventurien mehr als genug Geweihte, die eigentlich die meiste Zeit über anderes Zeug machen.

    Das stimmt zwar, aber das sind dann meist Positionen, in die man erst mal aufsteigen muss. Ich denke schon, jeder Geweihte wird auch dahingehend vorbereitet, Seelsorge zu betreiben, und im üblichen Tempel-Dienst wird man damit auch zu tun haben. Die einen Kirchen wohl mehr als andere.

    Wie Seelsorge betrieben wird und welche Sorgen und Nöte als solche anerkannt werden, da kann ich mir schon vorstellen, dass es gravierende Unterschiede bei den einzelnen Kirchen (und ihren individuellen Angehörigen) gibt.

    Selbst der Firuni, der bestimmt wenig damit zu tun haben wird, kann auch mal sich draußen in der Wildnis oder in seinem "Revier" damit konfrontiert sehen, auch wenn ich die Firun-Kirche mit bei jenen sehe, die wohl ihr eigenes Verständnis von Seelsorge haben.


    Gibt genug andere Schichten, die ebenfalls solche Privilegien genießen oder ähnlich respektiert sind.

    Geweihte sind Respektspersonen, aber wie alle anderen Respektspersonen haben sie ihre Gebiete, in denen sie etwas zu sagen haben, und Bereiche, in denen sie anderen Respekts- und Autoritätspersonen nichts zu sagen haben. Abseits einer Befehlsgewalt oder auch nicht sind sie Personen, denen mit Respekt und einem gewissen Umgang begegnet werden sollte, so wie sie anderen Respektspersonen auch angemessen begegnen müssen. Man muss halt wissen, wo eigene Befugnisgrenzen liegen, auch, um nicht ins Gehege zu kommen.

    Das mindert halt in meinen Augen nichts daran, dass sie Respektspersonen sind, denen immer mit einem Mindestmaß im Umgang begegnet werden sollte. Sie sind halt die einzigen Respektspersonen.

  • Zumal ja im Gegenzug ein Geweihter nur dann die Waffe zieht (so überhaupt eine vorhanden ist), wenn er angegriffen wird.

    Wieso das ?


    Von Tsa und Peraine mal abgesehen sind Geweihte jetzt nicht in besonderer Weise zur Friedfertigkeit verpflichtet und nichts hindert sie daran, von sich aus in beliebige Händel mit der Waffe einzugreifen. Und wenn sie das dann halt tun, dürfen ihre Gegner auch zurückschlagen, weil das unter Selbstverteidigung läuft.

  • Bei Rondra mag das zu teilen stimmen. Nicht ohne Grund hält sich die Kirche der Leuin aus politisch motivierten Konflikten, innerhalb der Zwölfgöttlichen-Lande komplett raus. (Was dank Reto ja fast ganz Aventurien betrifft)


    "Der Schutz der Schwachen" wird wohl selten erreicht, wenn man über Schlachtfelder der eigenen Religion schreitet und Bauern denen irgendein Herrscher Piken in die Hand gab tötet.

    Darin liegt kein Ruhm, keine Ehre oder Ritterlichkeit.


    Die Kor-Kirche ist da ein anderer Fall, diese beteiligt sich auch an Angriffskriegen und Schamützeln, wenn man pro Kopf in Silber aufgewogen wird (Summe etwas überzogen). Söldnerehre hat wenig mit Ritterlichkeit zu tun!

  • Wieso das ?

    Warum sollte ein Geweihter eine Waffe ziehen, und jemanden angreifen, wenn es keinen Grund gibt?

    Ach so meinst Du, sich als Geweihter mit gezogener Waffe in einen Händel werfen (ich hatte das gedanklich anders aufgefasst, daher meine Antwort). Unter SC mögen sich Rahjanis mit Waffe in den Kampf stürzen, ob das für den durchschnittlichen Geweihten auch gilt, wäre wohl ein anderes Paar Schuhe und würde ich nicht pauschal ansetzen.

    Ja, der Kor-Geweihte würde bestimmt fröhlich mitmachen, Rondrianer Gefährten, Unbewaffnete, Schützenswerte verteidigen, so nötig (je nachdem, um welche Art von Händel es sich handelt). Allgemein kann ich mir von Geweihten.-Seite auch gut ein anderes, eher verbales Eingreifen vorstellen, das aufgrund ihres Standes und dem, was sie repräsentieren, auch Chancen haben kann (je nachdem, um was es geht und wie die Situation ist)


    Die Kor-Kirche ist da ein anderer Fall, diese beteiligt sich auch an Angriffskriegen und Schamützeln,

    Weswegen es auch völlig legitim ist, Kor- Geweihte und Rondrianer im Felde anzugreifen.

  • "Gemäß der Zwölfgöttlichen Ordnung ist es ein Frevel, die Häuser und geweihten Diener der Zwölfgötter (und ihrer halbgöttlichen Kinder) anzugreifen. Im Kriegsfall mögen Geweihte der Rondra oder des Kor (oder ein Angriff auf offenem Feld) oder generell ein getarnter Tempel oder Priester des Phex hier eine Ausnahme bilden. Bei letzteren ist der Angriff natürlich gleichermaßen strafbar, es können aber mildernde Umstände geltend gemacht werden , wenn der Angeklagte glaubhaft versichern kann, dass er nicht wusste, was oder wen er angriff. Explizit nicht als frevlerischer Angriff gilt eine Verteidigung gegen den Angriff eines Geweihten (auch wenn hier die Praios-Kirche deutlich anderer Ansicht ist und eine solche Verteidigung üblicherweise weltlich genauso bestraft wird wie ein Angriff)." (WdG 24)


    Zunächst einmal ist generell der Angriff auf Geweihte verboten (wenn auch mit Ausnahmen, wie von Schattenkatze dargestellt), die Verteidigung kann erlaubt sein. Dazu ist aber anzumerken, dass es auch in Aventurien ein Gewaltolygopol gibt, wie es irdisch i zwivilisierten Ländern ein Gewaltmonopol des Staates gibt. Gegen Gewalt, die innerhalb eines gewissen rechtlichen Rahmens von Exekutivorganen des Staates (z. B. einer Stadtgarde oder einem Büttel), der Magiergilden (z. B. die grauen Stäbe, Rohalswächter und Pfeile des Lichts) oder eben der Kirchen (z. B. Inquisition und Golgariten) ausgeübt wird, darf man sich meiner Meinung nach nicht einfach wehren - so wie es auch Widerstand gegen die Staatsgewalt und eine Straftat wäre, sich gegen Polizisten zu wehren, die den rechtlichen Rahmen einhalten.

    Grundsätzlich müssen sich Geweihte, ja gerade Geweihte, aber an die Regeln des irdischen und kirchlichen Gesetzes halten, sonst verlieren sie ihre Privilegien (wie ihren unantastbaren Status) und müssen mit mindestens(!) so harten Konsequenzen rechnen wie jeder andere auch.

    Das wäre meine Einschätzung.

  • Also die Inquisition hat im Mittelreich haufenweise Sonderrechte, die sie quasi zu staatlicher Gewalt macht. Außerhalb sind sie es jedoch nicht. Die Golgariten sind es eigentlich generell nicht, außer in der Rabenmark so lange es diese gab. Die exekutive Befugnis der Magiergilden, welche von ihren Orden wahrgenommen wird, erstreckt sich ebenfalls ausschließlich auf Mitglieder genau der gleichen Gilde.

    Alles darüber hinaus läuft entweder über Amtshilfe oder Jedermannsrechte.


    Und natürlich lässt der Text auch generell aus, dass staatliche Organe im Rahmen hoheitlicher Aufgaben sehr wohl auch gegen Geweihte vorgehen dürfen wie z.B. die Geschichte mit Nandus in Garethien eindrucksvoll zeigt.

  • Respektspersonen ja, absolut jedoch ganz sicher nicht. Gibt genug andere Schichten, die ebenfalls solche Privilegien genießen oder ähnlich respektiert sind.

    Niemand behauptet, dass sie die einzigen absoluten Respektspersonen wären.

    Auch erstreckt sich der Schutz, den ein Geweihter genießt, nicht auf seine Begleiter.

    Niemand hat das Gegenteil behauptet oder auch nur angedeutet.

    ...juristisch privilegiert, aber auch verpflichtet


    Ja, schon. Ist aber ziemlich nichtssagend, weil das irgendwie für jeden gilt.

    Ein Privileg, das für jeden gilt, ist per Definitionem kein Privileg.

    ...Mitglied einer komplizierten, großen Familie


    Nicht wirklich. Fast alle Kirchen erstrecken sich bis in Gebiete, die nicht zwölfgöttergläubig sind und haben entsprechend auch Mitglieder, die ebenfalls nicht an all die anderen Götter glauben.

    Das ist ein Grund, warum die Familie so kompliziert ist. ;)

    ...jemand mit einer besonderen Identität


    Das mit dem Namen gilt für Magier auch. Auch sonst kommen Namenswechsel häufiger in Aventurien vor, insbesondere, da das Konzept von Nachnahmen nicht überall etabliert ist.

    Hat ja auch niemand behauptet, dass das nicht auch auf andere Gruppen zutreffen würde.

    ...eine besondere Herausforderung für die ganze Gruppe


    Nicht wirklich. Sehr sehr viele andere Konzepte sind genau so herausfordernd.

    Hat ja auch niemand etwas anderes behauptet. Es geht hier aber um Geweihte, nicht um andere ebenso herausfordernde Figuren.

    Ich würde sogar fast sagen, jeder Charakter, der es wert ist, gespielt zu werden, sollte mit so viel Hingabe und Feingefühl mit Leben gefüllt werden und entsprechend berücksichtigt werden.

    Ja, aber das dürfte hier jedem klar sein. Geweihte haben dennoch ihre ganz eigenen Tücken, die nicht jeder andere Held hat. Sie sind etwas Besonderes und etwas Besonderes ist per Definitionem nicht jeder. ;)


    Also die Inquisition hat im Mittelreich haufenweise Sonderrechte, die sie quasi zu staatlicher Gewalt macht. Außerhalb sind sie es jedoch nicht. Die Golgariten sind es eigentlich generell nicht, außer in der Rabenmark so lange es diese gab. Die exekutive Befugnis der Magiergilden, welche von ihren Orden wahrgenommen wird, erstreckt sich ebenfalls ausschließlich auf Mitglieder genau der gleichen Gilde.

    Es hat ja auch niemand behauptet, dass z. B. die Militärpolizei im zivilen Bereich agiert.

    Und natürlich lässt der Text auch generell aus, dass staatliche Organe im Rahmen hoheitlicher Aufgaben sehr wohl auch gegen Geweihte vorgehen dürfen wie z.B. die Geschichte mit Nandus in Garethien eindrucksvoll zeigt.

    Das lässt der Text nicht aus, es hat schlicht keine Relevanz für ihn. WdG behandelt die Beziehungen von weltlicher und geistlicher Macht an anderer Stelle zu Genüge. Das ist aber nicht Thema dieses Threads. Man kann aber gerne einen eigenen dafür eröffnen - es ist durchaus ein komplexes und interessantes Thema.

    Edited once, last by Gast ().

  • Respektspersonen ja, absolut jedoch ganz sicher nicht. Gibt genug andere Schichten, die ebenfalls solche Privilegien genießen oder ähnlich respektiert sind.

    Niemand behauptet, dass sie die einzigen absoluten Respektspersonen wären.

    Ich halte aventurische Geweihte schon für recht nah am Absolut, was den Respekt ihnen gegenüber angeht.

    Sie dürfen (bedingt) judikativ und exekutiv handeln und haben einen faktisch existierenden Gott auf ihrer Seite.

    Wer hätte es auf Irden gewagt dem Pontifikat zu widersprechen, wenn die katholischen Priester wahre Wunder hätten geschehen lassen könnten.

    Ich meine für über ein Millenium haben es die meisten ja nicht einmal ohne den greifbaren Beweis an Gott gewagt.

    Im größten Teil des aventurischen Volkes sehe ich den Respekt vor einem Geweihten weit größer und verwurzelter an, als den Respekt vor dem Adel.

    Der Adlige könnte mich hinrichten lassen. Der Geweihte könnte jedoch meine Seele für alle Zeiten verdammen (Anathema)


    Es macht daher schon sehr viel Sinn, dass die weltlichen Machthaber, des Zwölfgötterglaubens, sich bei ihren Entscheidungen und der Verteidigung ihrer Position auf, die göttliche Ordnung berufen.

    Somit ist jeder Verstoß gegen weltliche Gesetze auch ein Affront gegen die Götter (Praios im besonderen).

  • Quote from Windweber

    Niemand hat das Gegenteil behauptet oder auch nur angedeutet.

    absolute Respektsperson impliziert für mich mehr Respekt/Autorität als andere Respektspersonen. Und da stimme ich halt nicht zu.

    Quote

    Ein Privileg, das für jeden gilt, ist per Definitionem kein Privileg.

    Deshalb schrieb ich ja auch, dass die Privilegien immer andere sind. Der Geweihte hat seine Geweihtenprivilegien, der Adlige seine Adligenprivilegien, der Bürger seine Bürgerprivilegien, der Elf seine Elfenprivilegien, der Zwerg seine Zwergenprivilegien... Ja, da gehören immer auch verpflichtungen dazu, aber man muss schon ein ziemlicher Niemand sein, um überhaupt keine Privilegien zu haben. Das ist halt nichts, was so allgemein den Geweihten von anderen abhebt.

    Quote

    Ja, aber das dürfte hier jedem klar sein. Geweihte haben dennoch ihre ganz eigenen Tücken, die nicht jeder andere Held hat. Sie sind etwas Besonderes und etwas Besonderes ist per Definitionem nicht jeder. ;)

    Ich behaupte halt, sie sind nicht wirklich besonders. Ja, sie haben ihre ganz eigenen Tücken, aber das haben alle anderen auch. Charaktere spielen sich sehr unterschiedlich, aber das macht nicht einen besonderer als den anderen.

    Quote

    Es hat ja auch niemand behauptet, dass z. B. die Militärpolizei im zivilen Bereich agiert.


    Und warum schreibst du dann, dass du denkst, man dürfe sich nicht gegen Golgariten verteidigen ? Ich behaupte, man darf das sehr wohl. Golgariten sind eben kein Polizeiäquivalent, die dürfen (außerhalb der Rabenmark) nicht mehr als die Bannstrahler, die Efferdbrüder, die Schusterzunft oder die Gemeinschaft der Freunde des Aves.

    Quote
    Das lässt der Text nicht aus, es hat schlicht keine Relevanz für ihn. WdG behandelt die Beziehungen von weltlicher und geistlicher Macht an anderer Stelle zu Genüge. Das ist aber nicht Thema dieses Threads. Man kann aber gerne einen eigenen dafür eröffnen - es ist durchaus ein komplexes und interessantes Thema.

    Wenn man das mit dem Sacrosankt und Niemand darf sie angreifen, wirklich wörtlich nimmt, kann der verbrecherische Geweihte, der keine Lust hat, sich freiwillig zu stellen, nicht von Gardisten überwältigt werden. Das ist halt nur ein Beispiel, dass das alles dann eben doch anders gelebt wird und die Beschreibungen Vereinfachungen sind. Und ja, das kam schon oft genug am Spieltisch vor.

  • absolute Respektsperson impliziert für mich mehr Respekt/Autorität als andere Respektspersonen. Und da stimme ich halt nicht zu.

    Absolut bedeutet "ganz und gar", nicht "höchste" oder "einzige".

    aber man muss schon ein ziemlicher Niemand sein, um überhaupt keine Privilegien zu haben.

    Mindestens 2/3 aller Aventurier dürften solche "Niemande" sein.

    Und warum schreibst du dann, dass du denkst, man dürfe sich nicht gegen Golgariten verteidigen ? Ich behaupte, man darf das sehr wohl. Golgariten sind eben kein Polizeiäquivalent, die dürfen (außerhalb der Rabenmark) nicht mehr als die Bannstrahler,

    Die Bannstrahler dürfen eine ganze Menge.


    "Die Ordensmitglieder [...] folgen dem Moralkodex der Praiospriesterschaft, als seien sie selbst Geweihte. Sie halten sich an sämtliche Vorschriften der Geweihtenschaft und legen diese teilweise deutlich genauer und strenger aus, als es manche Priester der gemäßigteren Richtungen tun, die eher versuchen, den Sinn hinter den Buchstaben zu ergründen." (Orden und Bündnisse S. 14)


    "Du bist wie jeder Geweihte der Zwölfe zum Gehorsam der Gottheit und den Vorgesetzten gegenüber verpflichtet, aber darüber hinaus darfst du als Praios-Geweihter niemals fragen oder auch nur zögern. (Anmerkung: Dass dies einen Praios Geweihten sehr wohl vor Probleme stellen kann, wenn sein gesunder Menschenverstand ihm eingibt, dass es Zweifel an einer Entscheidunggeben könnte, ist eine der Herausforderungen beim Spielen eines Geweihten des Sonnengottes.) [...]Du darfst dich in geistlichen Belangen keinen Befehlen außer den göttlichen und kirchenherrlichen beugen - in rein weltlichen Belangen aber gehört Gehorsam gegenüber weltlichen Autoritäten zur göttlichen Ordnung. [...] Du musst jeden Bruch eines Gesetzes beurteilen und, wenn nötig, ahnden (sofern das Gesetz nicht gegen Praios’ Willen gerichtet ist). [...] Neutralisiere Magie, wo immer möglich, und ahnde ihren Missbrauch. Das Gildenrecht hast du jedoch zu achten." (Wege der Götter S. 40 zum Moralkodex der Praiot*innen)


    "Doch die Gesetze binden jeden - insbesondere die Diener Praios'. So ein Magiewirker sich innerhalb der weltlichen Gesetze bewegt, sein Gildenrecht einhält und sich nicht gegen Götterrecht versündigt, ist sein Tun hinzunehmen." (OuB)


    Die Bannstrahler verfolgen ständig "Hexerei, Echserei und Ketzerei", halten sich aber immer strikt und Buchstabengetreu ans Gesetz.Sie mögen es biegen und dehnen, aber sie brechen es nicht.


    Aber wie gesagt: Darum geht es hier nicht. Wenn das Thema "Kirchen und Justiz" oder das Thema "weltliche und kirchliche Obrigkeit" weiter diskutiert werden soll, dann bitte in einem eigenen Thema. Ich bin gerne bereit, meine Meinung dazu zu vertreten, aber das gehört hier nicht her.

    Edited once, last by Gast ().

  • Ich finde das es müßig ist, darüber zu diskutieren, was Geweihte des Zwölfgötter-Pantheons im Allgemeinen sind.

    Die Diversität, innerhalb der einzelnen Kirchen, ist schon so hoch. Dass es hier kaum eine allgemeingültige Schnittmenge gibt. Außerdem gibt es 2 Besonderheiten in DSA die ebenfalls eine Verallgemeinerung schwierig machen:

    Die Spätweihe und Auserwählte.


    Ein Hesinde Geweihter kann sich als Lehrer verstehen, als Zensator, als Chronist, als Historiker und alles sonst was einen wissenschaftlichen akademischen Hintergrund bietet. Die allgemeingültige Schnittmenge aller Hesindegeweihter ist also "Akademiker"?! Nein – auch nicht zwangsläufig, denn Kunst ist ebenfalls ein Aspekt der Allweisen, also gibt es nicht nur die Gelehrten innerhalb der Kirche, sondern auch die handwerklichen Künstler.

    Jeder dieser Geweihten kann sich als Seelsorger verstehen, muss es aber nicht. Im Noviziat hat er alles gelernt was er zum Dienst an Hesinde und ihrer Kirche benötigt, ob er dabei Seelsorge über ein rudimentäres Verständnis hinaus lernte und ob sein Wissen aus Anwendung oder rein theoretischen Quellen stammt ist absolut offen.


    Wenn sich ein Spieler einen Hesindegeweihten bauen möchte, der sich selber als Maler begreift und auf Abenteuer geht, um sich "von den Wundern Aventuriens persönlich inspirieren zu lassen" aber insgeheim nach Ruhm strebt. Wollt ihr dieses Konzept verbieten, weil der Spieler nicht einsieht Punkte in "Heilkunde (Seele)" oder "Bekehren & Überzeugen" zu investieren?

    Ein Schmied der den Anspruch an sich stellt, immer neue Herausforderungen zu suchen, mag soviel praktische, handwerkliche Kunstfertigkeit erlangen, dass er von der Allweisen und nicht von Ingerimm auserwählt wird.

    Vielleicht hat sie sein mögliches Meisterstück vorausgesehen und möchte dessen Schöpfung sicherstellt, weil es ein herausragendes, heiliges Kunstwerk werden würde, für welches sie ihn in ihren Hain einlässt.

    Versteht sich dieser Auserwählte dadurch plötzlich als Seelsorger und/oder Prediger.


    Wer sich definitv als Seelsorger versteht, sind die Noenoiten.

    Wer sich definitiv als Respektsperson und Autorität versteht, sind die (bis zu 132) ordentlichen Inquisitionsräte.

    Aber das als allgemeingültige Eigenschaften der zwölfgöttlichen Geweihtenschaft hervorzuheben empfinde ich als falsch.


    Es gibt ja sogar in bestimmten Strömungen und Orden, deren Geweihte es ablehnen sich mit der menschlichen Gesellschaft groß zu beschäftigen.

    (Firungeweihte und Borongeweihte als Beispiel)


    Jeder Spieler der einen ordonierten SC spielen möchte, sollte sich selber ein Konzept überlegen, welches Selbstbildnis der Charakter zum Zeitpunkt seiner Erschaffung hat und wie/warum er dazu kam, sich selbst so zu sehen. (Was aber ja eigentlich Teil jeder Charaktererschaffung sein sollte.) Dieses Konzept sollte einfach nur nicht völlig konträr zu den Prinzipien der Kirche stehen, denn das würde es unmöglich machen, die gelungene Ordination und den nicht versiegenden Karmastrom zu erklären, die aus einem spannenden Charakter, einen spannenden Geweihten macht.

  • Geron Sturmkind du versuchst gerade die Frage zu beantworten: Was haben alle 12G Geweihte gemein. Ich glaube aber die Frage ist: Was denkt, erwartet, lebt aus der durchschnittliche Alrik.