Hof- und Zeitungsmalerei Alnus: Wie Porträts in der Derenzeit aussehen können

  • Wie Porträts in der Derenzeit aussehen können

    Trunkenbold

    Etwas verwahrlost ist er, aber noch nicht ganz heruntergekommen. Struppig ist sein Haar. Die Farben der Kleidung, einst waren sie strahlend. Sie sind verblasst. Eng umarmt er das kleine Weinglas. Alkohol, so ein kleiner, trügerischer, zerbrechlicherTrost. Da fällt ein Sonnenschein auf sein Gesicht. Und er sieht sich um. Ist da Licht? Quo vadis, Delion Nepretika? Die Hand ist künstlerisch vergrößert dargestellt – sie symbolisiert sein Verlangen, seine Sucht. Er sollte an die 60 sein. Allerdings wirken Alkoholiker durchaus jünger und trügerisch blühend, bevor es mit ihnen ganz bergab geht. Ich musste mich also entscheiden, wie alt ich ihn darstelle. Ich habe ihn so gezeichnet, dass er eher wie 50 aussieht und seine Backen etwas aufgedunsen gemacht. Illustration für das Fanzine Memoria Myrana.

    Software: Open Source Freeware Krita 4.2.9

    Betriebssystem: Ubuntu Linux 20.04

    Lizenz: Alnus am Orkenspalter CC BY 4.0 Creative Commons Free Cultural Works License

    Porträt eines Landgardisten aus Zweimühlen

    Er hat schon viel gesehen, dieser junge Mann. Er musste es. Denn er lebt in der Wildermark. Er hat Krieg gesehen, zerfallende Ordnung, ständig wechselnde Kriegsfürsten, Blut und Tod. Und übernatürliche Schrecken gar, Untote, Dämonen ... Dabei ist er ein einfacher junger Mann, der nichts weiter möchte, als ein normales Leben zu führen. Er ist kein Held, zumindest hatte er das nicht vor. Er hat seine Familie nicht verlassen, um das Abenteuer und die Gefahr zu suchen. Gefahr und Abenteuer kamen zu ihm. Die Menschen der Wildermark, Spielball von Kriegsfürsten und Nekromanten. Das Leben der eigenen Familie, so filigran, kostbar. So bedroht.

    Das Porträt stellt einen SC aus einer meiner Spielgruppen dar. Gesicht und Frisur habe ich nach einer schwarzweißen Comic-Vorlage gemalt, die ich bekam. Er sollte keine Uniform tragen, sondern Winterkleidung. Darum habe ich ihm einen Schafpelzmantel gemalt. Er sollte eine Spur schlaksig sein und trägt immer seine ererbte Hellebarde bei sich. Damit ist er bereits besser bewaffnet als viele weniger Glückliche. Die einfachen Untertanen waren wehrpflichtig, mussten aber selber zu ihren Waffen kommen.

    Beim Malen eines Porträts ist es nicht nur wichtig darzustellen, wie eine Person aussieht, sondern auch, wer sie ist. Es geht darum, die Essenz einer Person darzustellen. Das klingt vielleicht etwas komisch, wenn ich das so schreibe. Es ist etwas schwierig zu erklären. Es geht um den Gesichtsausdruck ebenso wie die Körpersprache. Den Ausdruck der Augen, die eine Spur zusammengezogenen Augenbrauen, der leicht geöffnete Mund, als sei er im Begriff, etwas zu sagen. Hier hat sehr geholfen, dass ich den Charakter schon eine Weile aus dem Spiel kannte. Es geht auch um die Wahl der richtigen Situation. Er ist gerade im Gespräch mit meinem eigenen SC. Und es geht gerade auf eine Mission auf das Gebiet fremder Kriegsherrn, um einer geheimnisvollen Wasservergiftung nachzugehen, die ein Dorf unter Zweimühlener Herrschaft bedroht.

    Software: Open Source Freeware Krita 4.2.9

    Betriebssystem: Ubuntu Linux 20.04

    Lizenz: Alnus am Orkenspalter CC BY 4.0 Creative Commons Free Cultural Works License

    Porträt einer Söldnerin aus Zweimühlen

    Im Krieg hat sie einen Arm verloren. Mit der linken Hand kann sie noch kämpfen. Ansonsten ist sie nun eher Schreiberin und Schatzmeisterin. Die Welt ist derzeit nicht zum Lachen. Draußen liegt Schnee, die Nahrung ist knapp. Aber wenn der Frühling kommt, werden die Kämpfe unter den Kriegsfürsten wieder losgehen. Was das heißt, weiß sie als Söldnerin genau. Und sie weiß auch: Ganz so beliebt ist sie nicht. Sie muss sich beweisen, vor den Helden von Zweimühlen. Immerhin hatte sie zuvor für einen Nekromanten gearbeitet ...

    Nicht, dass sie damit allein gewesen wäre. Hier in Zweimühlen, in der Wildermark.

    Das Bild ist auch ein ingame-Porträt, da ich bei meinem eigenen Charakter Malen&Zeichnen gesteigert habe. Das Porträt existiert auch im Spiel, dort auf Leinwand gemalt. Es ist ein klassisches Porträtbild, so wie bei den alten Meistern. Die Söldnerin kannte ich bereits aus dem Spiel. Das hat sehr dabei geholfen, ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Körperhaltung und welchen Gesichtsausdruck sie wohl einnehmen würde, würde sie porträtiert. Und so habe ich sie gemalt.

    Ich hatte zusätzlich ein Vorlagebild, nach dem ich Gesicht und Kleidungs-Design gemalt habe. Ich bin stolz darauf, wie gut es mir gelungen ist, bei der Vorlage zu bleiben. Dies hier ist handwerklich bisher mein wohl bestes Bild. Das Metall der Rüstung war dabei eine neue Herausforderung für mich, weil ich bisher noch keine Rüstung gemalt habe.

    Lizenz: Muss ich noch nachfragen, weil das Aussehen vom SC ja von jemand anderem erfunden worden ist und nicht von mir. Vielleicht ist es möglich, das Vorlagebild hier auch noch zu posten.

    Porträt des Firunpriesters Raban vom Randolphsforst, Zweimühlen.

    Das hier ist mein neuestes Bild und stellt meinen eigenen, neuen SC dar: Helden von Zweimühlen, der Firunpriester Raban vom Randolphsforst steht vor der Tür.

    Welch harte Nuß. Und Vorbilder? Darstellungen von Hütern der Jagd sind Mangelware.
    Die Porträtierung eines Firunpriesters ist eine eigene, große Herausforderung. Wie zeichnet man, dass jemand eines Gottes ist, in einer Welt mit real existierden Göttern? Wie zeichnet man, das jemand des Firun ist? Wie stellt sich ein Priester des Überlebenskampfes, der Jagd, des Winters und des Eises dar? Was ist er? Der Charakter sollte ein sprichwörtliches Firunsgesicht haben, wie es in den Quellen erwähnt ist. Doch wie sieht ein solches Firunsgesicht überhaupt aus? Da habe ich viel herumprobiert. Der Charakter ist 41 Jahre alt. Er sollte aber ein wettergerbtes Gesicht haben. Also sieht das Gesicht älter aus, eher in den 50ern. Seine gesamte Körperhaltung sollte eine Spur steifer, kälter sein als es bei einer anderen Person wäre. So wie ein Eiszapfen.

    Herausforderung waren auch Design, Farbton, Faltenwurf und Textur von Rabans Ornats. Das hier ist so ungefähr die Version 20 ... Raban ist ein Hüter der Jagd. Diese tragen im Gegensatz zu den Wanderern und Waldläufern des Nordens Ornat. Wie dieses aussieht, musste ich mir erst ausdenken. Ich habe mich dabei von einem Jäger-Wetterfleck und dem Habit christlicher Priester inspirieren lassen. Die eine Seite ist weiß und eisblau, die andere Seite braun und grün. Für die Jagd kehrt der Priester sein Ornat einfach um. Und der Stoff ist natürlich Loden, da lautlos, robust und jagdtauglich. Ein Gewand für alles. Wie sieht aber weißer Lodenstoff aus, wenn Fackellicht darauf fällt? Welchen Faltenwurf hat ein solches Ornat? Wie stark reflektiert das Weiß im Vergleich zum Blau im Vergleich zur dunklen Hose? Wie dunkel wirkt das Blau im Fackellicht? Leider habe ich keinen weißen Loden-Wetterfleck und keine Fackel ...

    Stolz bin ich auf das plastische Wappen von Zweimühlen, das mir gut gelungen ist. Leider gehen bei der geringen Auflösung die Details des Bildes unter.

    Wir Kinder des elektrischen Lichts fragen uns: wie sieht eine Person überhaupt aus, wenn sie im schummrigen Licht einer Fackel steht? Ich habe auf die Bilder alter Meister zurückgegriffen, um einen Begriff davon zu bekommen, wie die Hauttöne sind, wie sich die Details der Gesichtszüge zeigen. Rabans Augen versinken im Schatten. An den Lippen aber gibt es Lichtreflexion. Und welches Farbspektrum hat eine verputzte Wand im Hintergrund im Licht einer schummrigen Flamme? Das Farbspektrum hat mich überrascht. Eines ist klar: viele gängige Fantasieabbildungen haben zu viel Ausleuchtung und zu viel Blaustich. Wirklich fertig ist Raban noch nicht. Seine linke Hand bleibt vielleicht nicht in dieser Position. Zwischendurch hatte ich dann auch eine Textur des Putzes und der Steine am Boden gemalt. Die habe ich aber wieder ausgeblendet. Eigentlich müsste ich mit dem Reenactment-Verein auf eine alte Burg, um auszutesten und mit eigenen Augen zu sehen. Aber immerhin habe ich nun sehr viel über Licht, Schatten, Kontrasten und Textur gelernt.

    Die nächste Herausforderung wird sein, den Charakter auch zu spielen. Firunpriester sind nicht die leichteste Charakterklasse zu spielen.

    Lizenz: Ulisses Fanlizenz Dingsbums, weil Firunpriester und Wappen von Zweimühlen und so. Ich, der Künstler, stelle dieses Bild für eure DSA-Spiele, eure Websites und Blogs und für das Skriptorium frei zur Verfügung, auch für Produkte, die Geld kosten. Und ihr könnt auch wild auf dem Bild herumpinseln und daran herumschnipseln, wie es euch gefällt. Wobei ich bei dem Bild wohl auch selber noch viel herumpinseln werde. Ach ja, und schreibt bitte dazu, dass ihr das Bild vom Orkenspalter habt.

    Die Größe der Bilder hier als Dateianhang ist begrenzt. In die Orkenspalter-Galerie werden sie in größerer Auflösung und weniger komprimiert kommen.

  • Wundervolle Bilder.

    Wobei ich den Trunkenbolt am besten finde.

    Die Miene, Skepsis. Toll. Nur de rTisch und oder der Ärmel könnte noch Weinflecken haben, dass ist aber jammern auf hohem Niveau!

    Nietzsche und Amazeroth - Also sprach Zarathustra (zweiter Teil):

    Was erschrak ich doch so in meinem Traume, dass ich aufwachte? Trat nicht ein Kind zu mir, das einen Spiegel trug?

    "Oh Zarathustra - sprach das Kind zu mir - schaue Dich an im Spiegel!"

    Aber als ich in den Spiegel schaute, da schrie ich auf, und mein Herz war erschüttert: denn nicht mich sah ich darin, sondern eines Teufels Fratze und Hohnlachen.

  • Ich bin auch eher für Trunkenbold; aber das ist schon optisch eine Auftragsarbeit wie Fürsten bezahlen würden.

    "Massenware" wäre da der Firunspriester.

    (Und dann wäre da der schwankende-irdische "Vergleichsfaktor" Sammlung Online | Hamburger Kunsthalle[obj_actuallocation_s][0]=Alte%20Meister; oder ist das egal?)

    Jassu!
    (die typische freundliche Begrüßung auf der Insel Ithasos)

    Pflicht des Historikers:
    Das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.
    (nach Johann W. von Goethe)

    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.
    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • Ja der Trunkenbold ist richtig richtig richtig gut.

    Hab ich schon gesagt dass er richtig gut ist? Ist er.