Überschätzte Relevanz des Metaplots für die gegenwärtige Generation

  • Ja - nur was ist der Metaplot?

    Dazu lade ich alle herzlich ein in die hoffentlich längere Wolkenturm-Globule zu blättern:

    Metaplot(s) in DSA / Etherisches Geflüster / Wolkenturm - auch wenn es nciht mehr sooo aktuell ist.

    Das ist ein toller Beitrag und ich finde heute, 11 Jahre später, ein Dokument auf das die Verantwortlichen bei Ulisses einen Blick werfen sollten als Denkanregung und Inspiration für ihre eigene Arbeit, ohne Ansehen der inzwischen geschichtlichen Akteure von damals.


    Das ist auch Metaplot wie er mir gefällt und wie ich ihn für ein Rollenspiel für gut und nützlich halte.

    Nicht Rezeption von Briefspiel-Hintergrundrauschen, nicht Worldbuiling als Selbstzweck a la Eisenbahnanlagen-Modellbau, nicht Fabrikation von Füllsel-News um was in Aventurische Boten schreiben zu können, sondern wenige große, planvolle, sinnerfüllte, narrativ und spielerisch hochwertige Erzählstränge.

    Besonders der Begriff der "Verheißung" und der kreative Ansatz hinter dieser Größe gefallen mir da sehr gut.

  • ein Dokument auf das die Verantwortlichen bei Ulisses einen Blick werfen sollten

    ???


    Die Ideen von Mark Wachholz, Tyll Zybura und Katharina Pietsch waren doch in der Redaktion bekannt - zu der Zeit (April 2010) haben die ja noch für Ulisses gearbeitet.

    "In den Rachen der Drachen hexen die Echsen!"
    getreulich gehört auf den Hesinde-Disputen 1030 BF

  • Es wurde ja auch anscheinend im Band "Schattenlande" (2011) teils bedacht; in keinen anderen RSH gab es so viele Zukunftsausblicke wie in diesem, ebenso in den Jahresbänden.

    Aber ich erinnere mich als damals die NSC_Dateien bekannt wurde es heftige Diskussionen in den Foren gab.

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterschieden.

  • ein Dokument auf das die Verantwortlichen bei Ulisses einen Blick werfen sollten

    ???


    Die Ideen von Mark Wachholz, Tyll Zybura und Katharina Pietsch waren doch in der Redaktion bekannt - zu der Zeit (April 2010) haben die ja noch für Ulisses gearbeitet.

    Richtig. Zudem sind ja einige der dort erwähnten Themen (Selindian, Quanionsqueste etc.) durchaus umgesetzt worden.

  • (Ja, wobei Selindin von Sep 2010 und Quaninosqueste von 2013 (geplant ab 2005) ist. ) ;)

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterschieden.

  • ein Dokument auf das die Verantwortlichen bei Ulisses einen Blick werfen sollten

    ???


    Die Ideen von Mark Wachholz, Tyll Zybura und Katharina Pietsch waren doch in der Redaktion bekannt - zu der Zeit (April 2010) haben die ja noch für Ulisses gearbeitet.

    Ich weiß. Ich habe mich vor Jahren mal in diese ganzen Dramen eingelesen als ich wissen wollte warum die Galotta-Romanreihe mitten drin abgebrochen wurde und bin dann auf viele Infos zu den Meinungsverschiedenheiten von damals gestoßen.


    Aber 2010 ist im Jahr 2021 ja tatsächlich schon wieder ein bisschen entfernte Vergangenheit.

    Die Verantwortlichen sind andere heute und ich könnte mir vorstellen, dass die diese Ideen genau so neutral und interessiert zur Kenntnis nehmen können wie jeder andere der sie zum ersten Mal liest.

    Bin aber auch kein Insider und kenne von Ulisses heute nur das was sie über allgemeine Kanäle nach außen tragen.

  • Selbst wenn Ulisses diese Ideen nutzen wollen würde, müssten sie dafür das Einverständnis der Autoren haben, da diese das Urheberrecht daran halten. Dieses hat Ulisses, soweit ich weiß, nicht, aus diesem Grund können diese Ideen, selbst wenn man wollte, nicht so umgesetzt werden.

    Gaze no more in the bitter glass the demons, with their subtle guile,

    Lift up before us when they pass, or only gaze a little while;

    For there a fatal image grows that the stormy night receives,

    Roots half hidden under snows, broken boughs and blackened leaves.

    -- W. B.Yeats, The Two Trees

  • Zumindest mir ging es da auch nie um irgendwelche Plotideen, sondern um die Grundsätze und Arbeitsstrategien aus dem verlinkten Artikel.

    Die halte ich für sehr gut und wertvoll.

  • Dann kann ich nur sagen, dass die Entwicklung durchaus bedacht wird bei Planungen - zumindest da, wo ich bisher beteiligt war, spielte das definitiv eine Rolle. Ein Grundproblem jeder noch so guten Planung ist in meinen Augen aber die Umsetzung. Ich war damals als Spieler durchaus ein Fan der Idee des Meisterpersonen-Bandes. Mit der Erfahrung, die ich seitdem gemacht habe, würde ich aber heute eine solche Planung als nicht zielführend erachten und wäre sehr gegen ein solches Werk, da es für die Realität des Arbeitens mit Freelancern in meinen Augen zu unflexibel und einengend ist und die Umsetzung zudem so viele Autoren-Ressourcen bedürfen würde, dass man eigentlich sofort damit rechnen muss, damit Schiffbruch zu erleiden. Versprechungen wie "in 5 Jahren ist das und das und das erreicht" sind halt schnell gemacht, die Umsetzung ist dann aber der eigentliche Punkt der Problematik. Nichtsdestotrotz: Natürlich gibt es da hinter den Kulissen Planungen, die aber, um keine vorschnellen Erwartungen zu erzeugen, erst einmal nicht öffentlich gemacht werden.

    Gaze no more in the bitter glass the demons, with their subtle guile,

    Lift up before us when they pass, or only gaze a little while;

    For there a fatal image grows that the stormy night receives,

    Roots half hidden under snows, broken boughs and blackened leaves.

    -- W. B.Yeats, The Two Trees

  • Ich kenne keine TV-Serie wo von Beginn an jemand wußte wie sich die einzelnen NSCs entwickeln; besonders bei StarTrek Voyager entwicklete sich der Doctor stärker als Neelix - als vorgesehen, was wohl dem Schauspieler zu verdanken war.

    Ein NSC-Band mag im groben Umfang interessant sein, nur müssen solche Figuren ja auch auf die veränderte Welt reagieren, daher wären ihre Ziele und Wünsche wertvoll als jeder andere Hinweis.

    Die Kurzgeschichte "Garadan" (Gassengeschichten) zeigt wie ein einziger verhängnisvoller Tag jemanden wie Haffax aus der Bahn wirft. Wer hätte bei seiner ersten Erwähnung diesen Weg voraussehen können?

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterschieden.

  • Selbst wenn Ulisses diese Ideen nutzen wollen würde, müssten sie dafür das Einverständnis der Autoren haben, da diese das Urheberrecht daran halten.

    Ach, hätte nicht gedacht, dass selbst grobe Handlungsideen ein "Copyright" haben. Hierfür bräuchte man dann wahrscheinlich heute das Einverständnis der Nachkommen Ecos. Oder fällt sowas dann eher unter "Adaption"? Ich hab da echt keine Ahnung. Stelle nur immer wieder fest, dass Künstler*innen ständig haarscharf am Plagiat vorbei "klauen", ob bei Filmen, in der Musik und natürlich auch Literatur. Ist das nicht normal?


    Bezogen auf das Thema hier wären die damaligen Metaplotskizzen für die "gegenwärtige Generation" (wurde der Threadtitel geändert?) vermutlich eh ziemlich irrelevant.

    "In den Rachen der Drachen hexen die Echsen!"
    getreulich gehört auf den Hesinde-Disputen 1030 BF

  • Ich bin kein Jurist und kann da nicht sagen, wo die Grenze ist. Grundsätzlich ist Inspiration sicher erlaubt (wie z. B. "Die Nacht der Schlange" von Bernhard Hennen klar Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker" als Inspiration hat). Ein Punkt dürfte dabei immer die sogenannte Schöpfungshöhe sein - ob man als Autor also genug reingesteckt hat, dass es ein eigenständiges Werk ist und keine nur leicht abgeänderte Kopie. Als klar erkennbare Satire ist bspw. ziemlich viel erlaubt. Aber ich will hier auch keine juristische Diskussion starten, schon alleine, da das nach Forumsregeln nicht gewünscht ist.
    Deswegen jenseits der Juristerei zwei Punkte der Praktikabilität, warum Autor*innen und Verlag sich das Übernehmen möglicherweiser kritischer Sachen sparen:
    1) Als Autor entwickele ich eine Geschichte - Einzelstücke dabei zu nutzen, aber gleichzeitig schauen zu müssen, dass man bei diesen nicht zu sehr den Weg der Inspiration geht, wäre mir deutlich zu nervig. Dann schreibe ich lieber gleich was eigenes.

    2) Als Verlag dürfte man wenig Interesse daran haben, ein Werk zu erstellen, gegen das dann hinterher möglicherweise geklagt wird. Selbst wenn man am Ende juristisch gewinnt, frisst das Zeit, Geld und Nerven. Da kann man besser gleich auf Nummer sicher gehen und die potenziellen Streitpunkte raus lassen.
    Generell würde ich aber zustimmen, dass man beim Metaplot sinnigerweise immer von der aktuellen Situation her schauen sollte, wie man ihn an einer Stelle weiterentwickeln will. Immerhin sollen ja auch die Entwicklungen der letzten Jahre da berücksichtigt werden.

    Gaze no more in the bitter glass the demons, with their subtle guile,

    Lift up before us when they pass, or only gaze a little while;

    For there a fatal image grows that the stormy night receives,

    Roots half hidden under snows, broken boughs and blackened leaves.

    -- W. B.Yeats, The Two Trees

  • Da kann man besser gleich auf Nummer sicher gehen und die potenziellen Streitpunkte raus lassen.

    Was scheinbar dann auch nicht immer so einfach ist. Aber jetzt geht der Metaplot dort ja bald weiter. Bin mal gespannt, wie episch die Auswirkungen der Geschichte sind - wobei Phileasson- und Simyalakampagne letztlich ja auch nicht sooo aventurienumwälzend waren.

    "In den Rachen der Drachen hexen die Echsen!"
    getreulich gehört auf den Hesinde-Disputen 1030 BF

  • Sternenträger ist ja speziell, da, so viel ich weiß, vorher nicht klar war (und im Endeffekt auch nicht klar sein konnte, da die Info schlicht fehlte), dass es da ein Problem gab. Dadurch wird das dann natürlich schwer. Aber klar, genau sowas will man natürlich eigentlich vermeiden.

    Gaze no more in the bitter glass the demons, with their subtle guile,

    Lift up before us when they pass, or only gaze a little while;

    For there a fatal image grows that the stormy night receives,

    Roots half hidden under snows, broken boughs and blackened leaves.

    -- W. B.Yeats, The Two Trees

  • Ahti und BardDM haben hier schon alles wichtige gesagt. Deswegen nur kurz aus meiner Erfahrung:


    Ich selber Spiele seit 26 Jahren DSA und hattezu meiner Anfangszeit null Ahnung vom Metaplot. Die heute offensichtlichen Andeutungen auf die G7 habe ich zwar wahrgenommen, aber als Streusel auf dem Kuchen wahrgenommen, nicht als Eingang zu einer solchen Epik. Wir haben uns dann eine eigene Welt gebaut und waren zufrieden. Heutzutage finde ich es schade, das ganze nur noch nachlesen zu können (naja, oder vielleicht leiten).


    Egal, zurück zur eigentlichen Frage bzgl. Newcomer: Ich leite seit 2017 für eine Gruppe, die hauptsächlich aus absoluten Neulingen besteht. Zwei haben so Feuer gefangen, dass sie jeden Phileasson-Band gekauft haben, einer hat sogar mittlerweile 100 Romane und die kompletten Werke über das Bornland. 3/5 sind (sehr) interessiert am Metaplot im Sinne der lebendigen Geschichte. Die Definition vom Wolkenturm finde ich als SL interessant, würden meine Spieler aber nicht alle unterschreiben. 2/5 Spielern, beide Neulinge in Aventurien, geht der Metaplot hinten ganz weit vorbei, solange er nicht am Spieltisch erlebbar ist. Da ist die Formbarkeit der Welt und die Immersion des tatsächlichen Plots und der Bezug zum SC viel wichtiger als das große Ding im Hintergrund.


    Insgesamt kann ich also die Eingangsfrage verneinen, es gibt durchaus Neulinge, die sich für den Metaplot (in allen Bedeutungen) interessieren. Allerdings wäre es in allen Fällen besser, wenn er über Abenteuer greifbar würde. @Bernd Ochs (Danke übrigens für dein fantastisches Heldenwerk und schon mal für BdT) stimme ich da absolut zu, grade für alte Hasen ist das ein Knüller, wenn die Fäden zusammenlaufen, aber auch für Neulinge eine Wucht, wenn es für gemacht ist. Ein super Beispiel dafür ist Unheil über Arivor - da schauen alte wie neue mit ungläubigem Staunen, was da aus der Epik-Kiste gefischt wird und bekommen so den Metaplot des Horasreichs (Salkya, etc.) in komprimierter Form beiläufig mit. An sowas kann man dann später wieder anknüpfen, wenn es z.B. dem Söldnerführer an den Kragen geht. Umgekehrt kann es aber auch zu viel werden oder in die Absurdität abgleiten, man denke nur an manche Wirrungen der Splitterdämmerung.


    Eins noch, wegen der Beschwerden, dass offene Plots brachliegen: Bei den unzähligen ausgelegten Fäden ist es schwer, den Überblick zu behalten und mit begrenzten Ressourcen alles zu bedienen. Dann kommt auch noch manchmal rechtliches hinzu. Grade deswegen möchte ich hier als langjähriger Spieler mal eine Lanze für Ulisses brechen: Auch wenn man es erst auf den zweiten Blick sieht - die bleiben schon dran an den Plots und treiben die voran, sofern es auf Interesse stößt (bei Autoren und Kunden). Erhellend ist da u.a. auch das Interview mit Julian beim Aventurischen Podcast. Vieles ausm Jahrbuch 1036 BF wurde auch aufgegriffen. Da halte ich es mit Salaza Lautenspieler (dir auch danke für deine vielen Mühen). Ich denke auch, dass viele mit Interesse am Metaplot (auch die Neulinge!) einfach wissen wollen, wie es weiter geht - und das ist ja auch gut und das schöne, dass viele noch das Feuer in sich spüren :p

  • (Welche Möglichkeiten der langjährige Metaplot ( = lebendige Spielwelt) bieten kann, und wenn nur für den Heldenhintergrund, darf jeder gerne hier mitlesen: Reiseberichte des ehrenwerten Ernesto Horatius P. von Lichtenstein , und niemand wird deswegen gezwungen sein ältere Boten (inkl. zweier Szenarien) zu lesen oder die Abenteuer Wald ohne Wiederkehr & Donnersturm-Rennen zu kennen. Aber wer diese Quellen erlebte oder kennt, mag über die Anspielungen schmunzeln - kaum anders machte es Avengers Endgame.)

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterschieden.