Tulamidenspielhilfe

  • Hallo ihr Lieben,

    als Kind gebürtiger Perser, wurde ich von meinen Mitspieler*innen öfters mal gefragt, wie man denn "am besten" einen Tulamiden spielt. Nun ja Tulamiden und Perser sind nicht identisch, antwortete ich dann immer. Irgendwann jedoch gab ich nach und führte einen Tulamiden und einen Perser zusammen. Meine Ideen stellte ich in einer frühen Form zur Verfügung und konnte sie auf Basis vieler Rückmeldungen weiterentwickeln. Mittlerweile ist das Ergebnis im Scriptorium downloadbar. Leider bestehen noch einige Lücken und ein Lektorat hat meine Spielhilfe auch noch nicht genossen. Dennoch hoffe ich, dass sie euch gefällt und von euch sinnvoll verwendet werden kann. Über Rückmeldungen, Kritiken, Kommentare oder Ideen eurerseits würde ich mich sehr freuen.


    Downloadlink

    Tulamidistan - Das Erbe des Diamantenen - Ulisses Spiele | Scriptorium Aventuris | Ulisses Spiele


    Was sind die groben Inhalte?

    In der Spielhilfe werden die Besonderheiten der tulamidischen Kultur vorgestellt, wie das Tāroff, der ritualisierte höfliche Umgang mit- und untereinander. Daneben widmet sie sich den Besonderheiten der tulamidischen Glaubensvorstellung und berichtet auch von der altehrwürdigen Kunst der Astronomie & Astrologie.


    Weiterhin sind enthalten:

    • Bildreiche Metaphern & regionale Redewendungen
    • Eine tulamidische Hochzeit
    • Ein Einblick in die Fauna Tulamidistans
    • Religiöse Bräuche & Feste
    • Essenskultur
    • Und vieles Weiteres


    Anbei ein kleines Video, wo ich auf einige Inhalte und deren Motivation etwas genauer eingehe:

    Aventurisierung der Perser



    Viele Grüße

    Shirwan

  • Hallo zusammen,


    anbei einige (überarbeitete) zusammengefasste Formulierungen im Kontext des Taroffs, um die mich eine Mitspielerin gebeten hatte:


    Übliche Formulierungen im Kontext des Taroffs


    • Ich hoffe Ihr seid nicht erschöpft von den Mühen des Tages: Häufig eingesetzte Formulierung zur Begrüßung oder zum Beginn des Gesprächs. Verwendung als präventiver Dank für die Mühen des Anderen (bspw. Gastgebern, aber auch Händlern, deren Laden/Stand man betritt).
    • Das ist eurer nicht wert: Um die eigene Leistung/Ware klein zu reden und Bescheidenheit für ein empfangenes Lob auszudrücken.
    • Möge euch die Hand nicht verderben/schmerzen: Als Dank für eine empfangene Handlung bzw. dem Resultat der Handlung (bspw. ein Essen oder Handwerksstück), auch Verwendung als „indirekte Zusage“ ohne aufs Angebot einzugehen möglich
    • Ihr lasst uns in Scham zurück: Verwendung im Sinne: Wie können wir uns jemals dafür revanchieren? Die erbrachte Leistung ist so vollendet, dass wir uns schämen müssen diese anzunehmen ohne sie mit etwas Gleichwertigen ausgleichen zu können. Häufige Verwendung kurz vor der Annahme. Wird vorrangig im vertrauten, privaten Kreis oder gegenüber Herrschern verwendet.
    • Es ist mir süße Pflicht / Euer Ergebenster / Eure demütige Dienerin: Verwendung, um den Dienst als Pflicht zu kennzeichnen und damit die Notwendigkeit eines Dankes obsolet zu machen. Auch im Sinne einer "Erhöhung" des Gastes zu verstehen. Wird immer als Antwort auf einen (indirekten) Dank verwendet. Gelegentlich mit einem leicht "empörten" Unterton formuliert, um auszudrücken, dass man das als Kritik an den eigenen Tugenden interpretieren könnte und somit den Gegenüber etwas in die Verteidigung drängt.
    • Meine Erlaubnis sei euch stets gewährt: Ursprüngliche Verwendung als Antwort, wenn der Gastgeber den Gast, um die Annahme seines „Geschenks“ bittet. Die ursprüngliche Auslegung wäre damit: Ich vertraue dir so sehr, dass ich weiß, das was immer du machst richtig, gut und anständig ist, also bitte mach das, was du dir vorgenommen hast. Ein gutes Beispiel, wie lange bestimmte Sitten schon existieren und wie sie sich im Laufe der Zeit wandeln. Durch die jahrhundertelange Verwendung weitete sich der Kontext dieser Aussage immer weiter aus, so dass sie heute teilweise in Situationen verwendet wird, die in keinem oder nur sehr schwachen Kontext zur eigentlichen Formulierung stehen. In diesem Sinne steht das "Durchführen der Handlung" nicht mehr im Fokus, sondern das Vertrauen in den Anderen. Die heutige Interpretation ist also eher: Euer Verhalten ist tadellos und ehrt euch, habt dank. Verwendung als offene Dankesformel meist zum Beginn des Gesprächs.
    • Selbstverständlichkeiten zu loben ziemt sich nicht/Für Selbstverständlichkeiten bedarf es keines Danks: Verwendung, um die Bescheidenheit der eigenen Leistung zu betonen und gleichzeitig den anderen "in die Verteidigung zu drängen". Aufgrund der "Kritik" am Anderen vorzugsweise im vertrauten Kreis oder mit einem amüsierten Unterton zu formulieren.
    • Ich bin dessen nicht wert / ihr würdet mich in Scham zurück lassen: Verwendung kurz vor der Annahme der Leistung oder um eine Ablehnung einzuleiten oder zu verstärken. Damit ist die Interpretation sehr stark abhängig von den vorangehenden Formulierungen. Verwendung zumeist zum Ende des Gesprächs. Im Falle der Ablehnung muss diese durch eine zweite, meist abweichende Formulierung nochmals bekräftigt werden.
    • Mein Leben als Opfer…eurer Tugend, Höflichkeit, Mühen, Dienstes, häufig auch Mein Leben als euer Opfer: Einsatz universell als Antwort möglich. Man lobt hierdurch die Eigenschaft oder den Dienst des Gegenübers. An der Häufigkeit der Verwendung dieser Floskel erkennt man regionale Unterschiede. In Mhanadistan und in Gorestan wird sie deutlich seltener verwendet, um ihre Bedeutung umso wirksamer zu gestalten. In dicht besiedelten anderen Regionen, wie im Balash dagegen ist die Verwendung gerade im Alltag recht häufig, wenn nicht gar durchgängig, um auf Nummer sicher zu gehen.

    Weiterhin werden natürlich auch die mittelreichischen üblichen Floskeln, wie vielen Dank, ihr entschuldigt, bitte und ähnliche verwendet. Kombiniere das Taroff auch gerne mit Karl May Formulierungen im Sinne von Mutter der Tugend, Vater der Gastfreundschaft, Tochter der Höflichkeit, Gebieter des Anstands etc.



    Individuellere Formulierungen


    Anbei zwei Beispiele, um einfache Kenntnisse oder regionale Spezifika ins Taroff einzubringen. Der Gegenüber sollte die Aussage aber auch verstehen, pass die Aussagen also immer an den Empfänger an:



    Ach Liebste, Bescheidenheit mag einer Blüte vom Khoram als Zierde dienen, doch du Werteste wandelst im Schein der Diamantenen


    Beispiel bei dem man seine regionalen und historischen Kenntnisse einbringen kann. Khoram ist eine sehr ärmliche Gegend und es ist nur möglich sich durch Immaterielles (wie die Tugend der Bescheidenheit) oder natürlich Gegebenes zu „schmücken“, sprich sich von den anderen hervorzuheben, während man als Bewohnerin der Diamantenen (Khunchom) diese Art der Zierde nicht nötig hat, bzw. es viel mehr bedarf. Gleichzeitig drückt man aus dass die Gelobte in einer "ganz anderen Liga spielt". Diese Aussage kann als Reaktion auf den Ausdruck der Bescheidenheit der anderen Partei erfolgen und betonen, dass Bescheidenheit an dieser Stelle nicht notwendig ist. Gleichzeitig lobt man auf diese Weise die außergewöhnliche Handlung, den Herkunftsort und die damit einhergehende Kultur der anderen Person.



    Ihr wandelt den Apfel zum Juwel


    Verwendung vor allem in Aranien und meist als offene Antwort, um die Mühen des Anderen wertzuschätzen. Spielt auf das Juwel Araniens Al’Dabar an, der in einen Apfel verwandelt wurde und soll durch die Unmöglichkeit den Apfel zurück zu verwandeln, andeuten, dass die andere Person keine Mühen und Aufwände gescheut hat, um das Unmögliche zu vollbringen.



    In ausschließlichen Gelehrtenkreisen werden gerne Bezüge zur Astronomie gezogen: So werden Selbstverständlichkeiten mit bestimmten wiederkehrenden Sternenkonstellationen illustriert oder fast unmögliche Bemühungen äußern sich darin, dass man bestimmte Wandelsterne (vorzugsweise deren Prinzipien zum Kontext passen) von ihrer üblichen Bahn ablenkt oder unmögliche Konstellation hinzuzieht. In ländlichen Regionen werden Bauernregeln zu einem ähnlichen Zweck verwendet.



    Beispielhafte Skizze eines Gesprächsablaufs


    • Gast lobt die Kunstfertigkeit des Gastgebers, den Duft des Essens oder äußert auf eine andere Art sein Interesse
    • Gastgeber: Der Gastgeber dankt offen und unterbreitet das Angebot in einer einfachen Form
    • Gast: Dankt fürs Angebot und entschuldigt sich für die Mühen, die er dem Gastgeber bereitet hat. Gibt keine Antwort aufs Angebot, wenn er das Angebot annehmen möchte
    • Gastgeber: Übt Bescheidenheit aus in dem er den Aufwand kleinredet oder als seine Pflicht deklariert. Wiederholt das Angebot nun etwas intensiver oder bittet den Gast das Angebot anzunehmen
    • Gast: Bedankt sich und lobt die Tugenden, wie die Höflichkeit des Gastgebers und seine Bescheidenheit und negiert Letztere gleichzeitig, indem er sie als unangemessen bezeichnet oder die Kunstfertigkeit des Gastgebers in einer stärkeren Version lobt. Der Gast kann im Anschluss die Ware/Dienstleistung mit einem erneuten Dank empfangen.
    • Gastgeber: Erwidert den Respekt des Gastes in dem er die Tugenden eben jenes lobt. Anschließend überreicht er die Ware/Dienstleistung
    • Gast: Spätestens jetzt bedankt sich der Gast für das Überreichte. Nach dem Konsum spricht er ein, im besten Fall auf das Überreichte bezogenes, ausführlicheres Lob aus.