Der Ruf des Goldes

  • „Ich sach doch, Gold ham se gfunde.

    Eifach so im Fluss. Lag da am Ufer als

    häts jemand nagschmisse. Da muss

    mans nur no eisammle.

    Ich? Lügner? Son Schmarn. Hast nich den

    gsehe wo mit nem vergoldete Schlitte

    zrück kam? Und nicht son kleine, nene, mit

    Pferde gezoge.

    Nich? Ja, aber der Alrik hatn gsehe.

    Oder? Alrik, Sagsem. Na gut, er hat

    jemand gsehe der ihn gsehe hat. Sag i doch.

    Wo? Ja, in Goldklamm natürlich.


    -Gehört in einer Kneipe in Oblarasim



    Elfenwälder zur Firunsstunde im späten Hesinde

    - - - Rojan - - -

    Nicht mehr ganz kalt braust der Wind in Rojans Gesicht. Seit das Praiosmal hinter dem Horizont versunken ist, hat er die Geschwindigkeit seines Schlittens deutlich verringert. Er hat keine Lust hier in der Pampa vom Weg abzukommen und durch den frisch gefallenen Schnee von letzter Nacht ist der sowieso schon schwer zu erkennen. Immerhin steht der Mond voll am Himmel und vermochte so die Landschaft etwas zu erhellen. Zumindest die schwarzen Silhouetten der Tannen waren leicht vom weissen Schnee zu unterscheiden. Aber was unter der weichen Schneedecke lag bleibt seinem Blick verborgen.


    Eigentlich hätte eine Tagesreise vom gekochten Eber aus reichen sollen. Aber der Wirt dort hatte ihn schon gewarnt, dass es im Winter immer knapp wurde. Die Tage waren schon gar kurz im Hesinde und die Gasthöfe weit auseinander. Der nächste auf Rojans Route war der Firunsbär. Dort hat man, soweit er gehört hatte, Gold gefunden und fast über Nacht wurde der einsame Hof zum Zentrum eines kleinen Dorfes. Goldklamm nannte man es verheissungsvoll.


    Zum zweiten Mal hört Rojan nun das Plätschern des Wildbachs näher kommen. Vor etwa einer Viertelstunde hat er bereits eine kleine Brücke darüber passiert und wie es scheint windet sich der Bach erneut auf den Weg zu. Ohne die beiden Geländer hätte er die Brücke unter dem Schnee wohl nicht erkannt. Zum Glück, denn bis zum Bach, der sich inzwischen anständig in die Landschaft gefressen hat, geht es doch ein gutes Stück runter. Auf der anderen Seite sieht Rojan die Lichter von Häusern. Endlich, Goldklamm.


    Er überquert vorsichtig die Brücke. Das Dorf scheint winzig. Sofort kommt er auf einen Platz wo sich eine riesige alte Tanne schützend über einen Brunnen erhebt. Die Häuser am Platz sind aber erstaunlich gross für so einen Ort. Er hat drei Blockhütten (2,3,12) passiert, zu seiner rechten sieht er nun ein zweistöckiges Fachwerkhaus (1) und hinter der Tanne scheint sogar ein Gemauertes (7) zu sein. Die Häuser scheinen, mit Ausnahme des Fachwerkhauses, allesamt recht neu zu sein. Dieses scheint schon länger hier zu stehen und das Schild über der Tür zeigt mit seinem aufgemalten weissen Bären, dass es sich um einen Gasthof handelt. Goldklamm ist wohl um diesen aufgebaut worden.



    - - - Garnuk - - -

    Garnuk legt sich tief in die Kurve um den Schlitten auf dem Weg zu halten. Instinktiv wissen seine Hunde was zu tun ist und schwenken ebenfalls ein. Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier funktioniert perfekt. Unter ihm fliegt der Boden nur so dahin. Die Nacht ist so hell, dass er kein bisschen langsame fahren muss. Garnuk geniesst den kalten Fahrtwind in seinem Gesicht und hat sogar die schützende Maske runtergezogen.


    Zufrieden nimmt er den schweren Geruch des Waldes auf. Die Bäume fliegen gerade so neben ihm vorbei. Hier war er daheim. In der freien Wildnis, mit seiner Familie. Das Rauschen des Windes in den Ohren, der Geschmack der Natur auf seiner Zunge. Jetzt fehlte nur noch einen Beute. Durch die Wipfel fällt sein Blick auf das Madamal, das gross am Himmel steht. Nicht ganz voll. Aber bald. Garnuk schätzt noch etwa zwei oder drei Tage. Ja, es dürstet ihm nach der Jagd. Der Anspannung bei der Verfolgung, der Rausch wenn er seine Beute erlegt hat, das frische Fleisch... Unwillkürlich läuft ihm das Wasser im Mund zusammen.


    Abrupt wird er aus seinen Gedanken gerissen. Hinter einer Tanne kommt plötzlich ein kleines Licht hervor. Sofort steht er voll auf die Bremse um die Person nicht über den Haufen zu fahren. Die Person stösst einen kurzen angsterfüllten Schrei aus und stolpert rückwärts. Akiak kommt gerade mal eine Schritt vor ihr zu stehen.

    Im schwachen Schein einer Laterne kann er eingemummeltes Gesicht und sehr hübsches Gesicht erkennen.




    - - - Shae - - -

    Geh nach Norden haben sie gesagt. Da hat man Gold gefunden haben sie gesagt. Du wirst im nichts so reich wie eine Baron haben sie gesagt.

    Das einzige was ich hier finde ist ein verfluchter Schupfen. Grummelt Shae vor sich hin und schnieft. Sie war sooo müde. Die Beine schwer wie Blei hat sie den Blick starr nach vorne gerichtet und stapft stur weiter durch den Schnee. Sie hat keinen Plan wir weit dieses Goldklamm noch weg ist. Aber noch eine Nacht im Freien? Nein, danke! Da marschierte sie lieber die Nacht durch.


    Die letzten zwei Tage hatte es durchgeschneit und so kam sie nur noch sehr mühsam voran. Sie hätte ja im Gasthof auf einen Handelszug gewartet, aber der Wirt dort war so ein aufdringliches Schwein, da wollte sie keine Nacht mehr verbringen. Natürlich hatte sie diesem Abend, das gesuchte Dorf noch nicht erreicht und sich notgedrungen unter einer grossen Tanne eingerichtet. Das kleine Feuer hatte kaum Wärme gespendet und Shae hat die ganze Nacht durch miserabel gefrohren. Schon vor Sonnenaufgang hatte sie sich entschieden aufzubrechen und ist seither den ganzen Tag durchmarschiert. Umso schlechter ist nun ihre Laune, als es schon wieder eindunkelte und Goldklamm noch immer nicht zu sehen ist.


    Das knirschen des Schnees unter ihren Schneeschuhen nimmt sie schon fast nicht mehr war. Verkrampft um klammert sie mit kalten Fingern di Laterne, deren Licht ihr den Weg erleuchtet. Dafür war ausserhalb ihrer kleinen Lichtinsel alles stockfinster. Immer wieder schweift ihr blick besorgt über die Finsternis. Da drinn könnte sonst was lauern.

    Plötzlich hört sie ein Knirschen hinter sich. Sie wirbelt herum, starrt in die Finsternis und horcht angespannt.

    Warum bin ich nur allein in den Wald? Jetzt werd ich noch Bärenfutter. Bibbernd streckt sie die Laterne weiter vor. Dann plötzlich, wie aus dem nichts tauchen zwei leuchtende Augen auf, direkt gefolgt von einem Wolf. Das Tier prescht ins Licht. Shae japst erschrocken auf. Dahinter kann sie noch mehr Tiere erkennen. Ein Bellen ertönt und... eine Stimme?


    Schiffe sind am sichersten im Hafen, aber dafür wurden sie nun mal nicht gemacht.

    Edited 9 times, last by Waru ().

  • Der Gedanke "Du hattest schon mal bessere Ideen, Shae", kam ihr nicht nur einmal in den letzten Stunden, während die Kälte sich langsam durch Anaurak, ums Kinn gewickelten Schal, Hosen, wollene Unterhosen, dicke Strümpfe und gefütterte Schuhe frass. So in Gedanken, war der Schreck nur noch grösser..... Ein plötzlich lautes Geräusch, instinktiv herum gewirbelt, beinahe stolpernd .... wer ist das .... hier ..... jetzt? WAS ist das? Kurz bleibt sie erstarrt stehen, erstarrt vor diesen Augen, versucht, etwas zu erkennen, leuchtet in die Nacht, eine Hand an ihrem Beil, zitternd.

  • Die nächtliche Klarheit mit dem Licht des fast vollen Madamals über sich lässt Garnuks Herz höher schlagen. Bald schon darf der Wolf in ihm über die Steppe jagen gemeinsam mit seinem Rudel. Seine Sinne sind so kurz vor Vollmond geschärft und so nimmt er die Gerüche der Steppe intensiver wahr als sonst. Zwar ist er in einen nivesischen Anaurak gepackt und trägt die Lederhosen, deren Fell auf der Innenseite liegt, um den Träger zu wärmen, Fellfäustlinge und die Fellmütze bis weit über die Ohren gezogen und festgezurrt. Doch den Schal hat er bewusst vom Gesicht genommen, um in Klarheit atmen zu können, auch wenn ihm dadurch der Fahrtwind ins Gesicht schneidet. So kurz vor der vollen Mada ist ihm der Geruch des Schals zu unangenehm in der Nase.


    Das Licht am Pfad überrascht ihn genauso sehr wie seine Hunde. Aber im Unterschied zu ihm, ist die zuverlässige Akiak keinen Gedanken nachgehangen, anstatt auf die Strecke zu achten und hat längst zum Ausweichen angesetzt, als er den Haken auswirft, um den Schlitten zu stoppen. Bei Rotschweifs Fängen, das ist gerade noch einmal gut gegangen. Als der Schlitten gerade noch einen Schritt vor der Gestalt zu stehen kommt, stößt Garnuk ein unwilliges Knurren ob der unerwarteten nächtlichen Herausforderung aus, das mehr als nur ein wenig mit seinen nivesischen Steppenhunden konkurrieren kann.


    "Schon gut, Akiak!", ruft er seiner Leithündin in Nujuka beruhigend zu, ehe seine hellbraunen Wolfsaugen auf die leicht zitternde Gestalt fokussieren. "Das war aber haarscharf", erklingt eine helle und warme weibliche Stimme die so gar nicht in dieses raue Land passt. Was er von der jungen Frau sehen kann, genügt, um dieses Bild zu vervollkommnen. Ganz hübsch anzusehen mag sie vielleicht sein, doch in dieser wilden Steppe, seiner Heimat, hat sie wenig Chance alleine über die Runden zu kommen. Das Rudel ist des Wolfes Schutz, der Mensch soll dem anderen daher wie ein Rudelbruder sein, wenn beide hier überleben wollen, pflegte der alte Schamane seines Stammes zu sagen.


    So fasst er sich ein Herz und bedenkt die junge Frau mit einem klaren durchdringenden Blick. "Du bist weit weg von zuhause", bemerkt er mit ruhiger ausgeglichener Stimme in Garethi, ohne dabei eine negative oder irgendeine Emotion durchklingen zu lassen. "Hier draußen solltest du nicht alleine sein - wenigstens nicht ohne Hunde." Der junge Rüde Balto jault zustimmend, als er das Wort "Hunde" hört, dass er auch in Garethi erkennt. Seine Schwester Kayuh versucht ihn japsend vor Eifersucht zu übertrumpfen, Garnuks Aufmerksamkeit und Gunst zu erringen, doch beendet ein kurzes scharfes Knurren aus Garnuks Mund den beginnenden Geschwisterstreit, noch ehe er recht ausgebrochen ist.


    Der Blick des Halbnivesen wendet sich wieder der jungen Frau zu. Ohne eine Antwort abzuwarten oder einen Widerspruch zuzulassen, deutet Garnuk auf den Schlitten. "Steig auf! Ich nehme dich mit bis zum nächsten Dorf."

    For the strength of the pack is the wolf, and the strength of the wolf is the pack.


    Rudyard Kipling, "The Law of the Jungle"

    Edited once, last by Hesindiajin ().

  • Langsam ordnet und sortiert sich alles .... oder doch wenigstens das Meiste. Also ein Hundeschlitten, und das in der Nacht. Wer fährt denn um die Zeit .... und so schnell in der Gegend herum? Das Geknurre von Hund und Mensch ist zunächst nicht gerade dazu angetan, Shaes Vertrauen zu wecken.

    Auf den Rücken hat sie einen grossen Rucksack geschnallt, obendrauf ein zusammengerollter Schlafsack, einen Bogen mit ausgehängter Sehne kann Garuk auch erkennen. Dazu Beil und Jagdmesser.

    Die abblendbare Laterne jetzt hoch gehalten, um besser sehen zu können, tritt Shae näher und erinnert sich an Freundlich- und Höflichkeit, da Garuk auch durchaus freundlich wirkt. "Ich bin schon lange weit weg von zu Hause," erwidert sie in ihrer jungen, warmen, netten Stimme, und grient leicht dazu. "Und manchmal hat man keine Wahl, alleine zu reisen." Sie schaut auf Garuks Einladung den Weg voraus in die Nacht hinein. Sie überlegt kurz. Und trifft eine Entscheidung. "Aber wenn Du mich mitnimmst...." Shae verfällt in das Du, was Garuk gerade verwendet hat. ".... nehme ich gerne an... Vielen Dank! Und von meiner Seite aus auch Travias Dank! Vom nächsten Ort komme ich sicher weiter, aber jetzt in der Nacht .... Kann ich meinen Rucksack da drauf legen?" Shae tritt noch etwas näher, schon ziemlich dicht an Garuk heran, ohne bedrohlich zu wirken, und achtet sehr auf die Hunde, zieht auch einen Handschuh aus und lässt die Hunde schnuppern. "Shae heisse ich übrigens," stellt sie sich auch gleich vor. "Und nochmal ..... Danke! Vielen Dank."

  • Als die junge Frau "Und manchmal hat man keine Wahl, alleine zu reisen." bemerkt, schnieft Garnuk etwas ungläubig. Die Stärke des Wolfes ist sein Rudel, pflegte sein Vater immer zu sagen. Doch er reißt sich zusammen, ihr das nicht knurrend an den Kopf zu werfen. Alleine in der Dunkelheit und Kälte des Nordens unterwegs zu sein, ist bereits hart genug.


    "In Lieskas und deiner Travias Namen nehme ich dich gerne mit. Die Milde sieht es nicht gern, wenn ein Mensch den anderen zum Sterben zurücklässt", erwidert er ihr ruhig und lockert ein Halterungsseil am Schlitten. Dann kramt er ein Fell unter dem Pökelsalzfass heraus und schafft dadurch Platz auf dem Schlitten. "Leg den Rucksack hier hinein und setz dich dazu!", weist er sie an, hält dann aber inne, als er sieht, dass sie den neugierigen Balto an ihrer Hand schnuppern lässt. Die bisher meist unbewegte Miene wandelt sich zu einem ehrlichem herzlichen Lächeln, das auch seine hellbraunen Augen erreicht.


    "Ich bin Garnuk und mein Freund vor dir ist Balto", setzt er in sanfterem Ton als bisher zur Begrüßung an. So knapp vor dem vollen Mond, wenn sein wölfischen Instinkte stark sind, vergisst er manchmal, dass für Menschen nicht einfach nur der Geruch des anderen genügt, sondern sie Namen hören möchten, um einander zu begrüßen. Die stets um Aufmerksamkeit gegen ihren Bruder kämpfende Kayuh springt währenddessen an Shaes Seite hoch, während Balto noch an ihrer Hand schnuppert und freundlich wedelt. "Kayuh, lass Shae in Ruhe!", bellt Garnuk gutmütig und setzt die Vorstellung fort, nachdem die übermütige Hündin sich damit zufrieden gibt den Kopf an Shaes Bein zu reiben. "Das ist Kayuh. Wenn sie könnte, würde sie den ganzen Tag nur gestreichelt werden. "Qannik und Nanuk laufen neben ihnen und Akiak verdankst du, dass der Schlitten dich nicht überfahren hat." Die Leithündin bedenkt Shae mit einem intelligenten und zugleich hoheitsvollen Blick, der zeigt, wie sehr sie sich ihrer Wichtigkeit als Leithündin bewusst ist. Garnuk tritt zu jedem der Hunde und streichelt ihm liebevoll über den Kopf, bevor er ein getrocknetes Stück Fleisch als Motivation ausgibt. Seine Freunde haben heute schließlich schon viel geleistet und sie sollen motiviert bleiben, noch in dieser Nacht das restliche Stück bis zum Dorf zurückzulegen.


    "Nun da du das Rudel kennst, steig auf und wir können weiterfahren", weist er Shae den Platz auf dem Schlitten. "Goldklamm sollte nur noch 1 oder 2 Stunden entfernt sein." Selbst rückt er das Beil und Messer am Gürtel zurecht und adjustiert den Köcher und ungespannten Jagdbogen aus Bein auf seinem Rücken, bevor er wieder auf den Schlitten steigt. "Binde das Seil gut herum, damit nichts während der Fahrt herunterfällt!", weist er Shae noch an, ehe er den Wurfanker, der als Bremse dient löst.

    For the strength of the pack is the wolf, and the strength of the wolf is the pack.


    Rudyard Kipling, "The Law of the Jungle"

    Edited once, last by Hesindiajin ().

  • Der fast volle Mond erhellt die winterliche Landschaft, doch die Bäume rechts und links des Pfades nehmen wieder einiges vom Licht. Wasserplätschern und hölzerne Geländer zeigen ihm, dass der Bach erneut gekreuzt wird, oder es ist ein weiterer, diesmal weiter unten.

    ~Nuj~"Sachte, sachte", ruft Rojan seinen Hunden zu, damit sie das Tempo nicht erhöhen, und tritt mit einem Fuß auf die Kralle, damit der Kammutik nicht den ersten Hunden in der Federspannung hinein rutscht.

    Die Firnläufer bleiben in ihrem eher gemächlichen Lauf. Sie sind auch schon den Tag unterwegs, was mit dazu beiträgt, dass sie ihre Geschwindigkeit nicht zu begeistert erhöhen wollen, wie üblicherweise der Tag von ihnen begonnen wird.

    Das Gefälle und dann die Brücke werden sicher genommen, und Lichter voraus zeigen Rojan, dass er sein Ziel erreicht haben dürfte.

    Endlich!

    Die Firnläufer traben auf die Lichter zu, der bepackte Schlitten (die Ladung ist zum Schutze gegen Wind und Wetter mit einer Persenning verdeckt) hinten drein gezogen. Rojan steht hinten auf den Kufen auf seinem Platz als Lenker, den Fuß von der Kralle nehmend, denn nicht mehr bergab gehend, muss auch nicht mehr (oder wenigstens weniger) gebremst werden. Obwohl er schon seit Stunden hinten auf dem Schlitten steht, manchmal mit antritt, und manchmal läuft, wenn es bergauf ging, und das das auch nur einer von vielen Tagen ist, an dem er sich so voran bewegte, ist es etwas, was immer wieder eine bestimmte Saite in ihm zum Klingen bringt, und immer wieder große Freude bereitet, das Tappen der Pfoten auf dem Schnee, das leise Knirschen der Kufen, die Kälte und der Fahrtwind, die Landschaft um ihn herum. Die Tajgaä wird von ihm vom Schlitten aus anders empfunden, als zu Fuß, auch wenn sie seit jeher seine Heimat war. Manchmal schön und friedlich, manchmal hart und fordernd, manchmal grausam.


    Unter der 'Klamm' in Goldklamm hatte er sich irgendwie etwas anderes vorgestellt, eine tatsächliche Klamm oder Schlucht. Aber egal, wichtig ist, dass er nun angekommen ist. 'Firunsbär', das wurde ihm erzählt, heißt das örtliche Gasthaus.

    ~Nuj~"Sachte, Nikku, sachte!", ruft er seinen Hunden und insbesondere dem blauäugigen Leithund zu, die von den Gerüchen vor sich informiert, erahnen, dass sie ein Ziel erreit haben.


    Rojans Blicke streifen über die Häuser. Er hatte Zelte und schlicht und schnell errichtete Hütten erwartet, ähnlich wie im Goldgräberlager in Oblarasim. Tatsächlich eher ansehnlich und dauerhaft errichtete Hütten zu sehen und gar nicht mal so viele, möchte er als gutes Zeichen empfinden. Womöglich hat sich die Kunde doch noch gar nicht soweit herum gesprochen.

    Oder das eigentlicher Lager ist irgendwo weiter weg vom eigentlichen Ort ...

    Nun, er wird es erfahren.


    Rojan ist bei den herrschenden Temperaturen von Kopf bis Fuß in robuste, wasserabweisende Wolle und Leder gekleidet. Lederne, nach innen mit Fell gefütterte Hose, ein Wollhemd, eine wollene Weste, und ein kurzer Wollmantel bieten ihm Wärme und nötige Beweglichkeit. Wollfäustlinge, Wollmütze und ein über die untere Kinnpartie geschlungener Wollschal runden das Bild des winterfesten Mannes zusammen mit den Fell gefütterten Stiefeln ab. Die Kleidung verleiht ihm gerade mehr Breitschultrigkeit, als er hat, auch wenn er tatsächlich keine schmales Hemd ist mit einer durchaus kräftigen, geraden Gestalt und seine Kleidung gut zu füllen weiß, in die Breite wie auch in die Höhe von einem Schritt, vier Spann und einigen Halbfingern.

    Grüne Augen blicken unter einigen unter der Mütze hervorschauenden Strähnen rot-blonden Haares hervor und ebenfalls-rot-blonde Bartstoppeln, die schon einen dünnen Bart ergeben auf Wangen und dem zur Zeit verdeckten Kind und oberer Hals (im Winter schützt ein Bart halt ein wenig die Gesichtshaut mit). Trotz seines in Ansätzen bereits wettergegerbten Gesichtes ist recht deutlich, dass Rojan Garether noch ein junger Mann ist von um die 20 Götterläufen, oder wenigstens nicht viel Götterläufen darüber. Seine Ausstrahlung lässt ihn in jeder Menge Menschenmenge in jeglicher Hinsicht verschwinden, doch weiß er sich geschickt und kontrolliert zu bewegen.

    Unter dem Wollmantel hängen ein Jagdmesser und eine Molokdeschnaja an seinem Gürtel neben einer Gürteltasche.

    Der Kleidung ist anzusehen, dass sie nicht neu ist, aber doch gut möglich in Stand gehalten wird. Risse und Löcher werden nicht unbedingt sehr kundlich, doch halbwegs geschickt geflickt.


    ~Nuj~"Sachte!", ruft er, als er das Schild mit dem aufgemalten Bären ausmacht, und wiederholt den Befehl langsamer zu werden, dabei auf die Bremse tretend. Der Schlitten wird gebremst, mehr oder weniger willig werden die sieben Firnläufer langsamer.

    Jetzt fehlt nur noch ein Platz, um den Kammutik abzustellen und die Hunde auszuspannen. ~Nuj~"Wende über rechts!", und er verlagert das Gewicht auf den Kufen, um das Abbiegen nach rechts, auf die hintere Seite des Gasthauses, zu unterstützen.

  • - - - Rojan - - -

    Das Glück ist mit Rojan. Als er gerade um das Haus vor der Taverne lenkt bemerkt er dort angebaut ein umzäuntes Gehege. Das Bellen von der anderen Seite des Bretterzauns sagt ihm eindeudig welche Tiere sich dort befinden, während der schnell anschwellende Lärm und die Schnauzen, die versuchen über den Zaun zu gucken, im verraten, dass dort einige Hunde untergebracht sind. Eine Hütte dient hier wohl als nächtlichen Unterschlupf für die Tiere.

    Wo genau er der Schlitten unterstellen könnte ist ihm aber nicht ganz klar. Zwar gibt es einen Schopf, ebenfalls mit einem, kleineren, Gehege hinter dem Firunsbär, aber ob der zur Taverne oder dem nächsten Haus gehört kann er nicht eindeutig bestimmen.


    - - - Shae & Garnuk - - -

    Shae macht es sich auf dem engen und voll beladenen Schlitten so bequem wie möglich und stellt sicher dass nichts von der Ladung runterfallen kann. Dann setzt sich der Schlitten auch schon in Bewegung. Wenn auch nicht so halsbrecherisch wie zuvor. Das mag vielleicht daran liegen, dass Garnouk rücksicht auf seine Passagierin nimmt, ganz sicher aber weil er nicht mehr so gut sieht seit ihm das Mädel die Laterne ins Gesicht gehalten hat. Trotzdem kommen sie sicher voran.

    Nur mit seiner Zeiteinschätzung hat sich Garnouk etwas vertan. Es dauert kaum eine halbe Stunde, bis er die Lichter des Dorfes sehen kann. Shae hat von der Reise nichts mitbekommen. Sie ist nur wenige Minuten nachdem sie losgefahren sind eingedöst. Jetzt wird sie aber wieder aus dem Schlaf gerissen, als Garnouk am Rand des Dorfes anhält um sich zu orientieren.

    Die Strasse führt an mehreren Häusern vorbei zu einer grossen Tanne in der Mitte des Dorfes. Die Qualität der Häuser unterscheiden sich stark. Zur Linken erinnert eine Gruppe an Bretterbuden an eine Wagenburg, während auf der anderen Seite ein stabiles Blockhaus (10) von mehreren neuen, aber einfachen Häusern umgeben ist. Zwei davon sehen auch nicht wie Wohnhäuser aus.

    Bevor sie den Platz erreichen kommen sie linkerhands an einem weiteren sehr gut gearbeitetem Blockhaus vorbei aus dessen zwei Kaminen Rauch und den Fenstern ein wohliger Geruch ströhmt, der beiden Reisenden den Magen knurren lässt. Über der Tür des Hauses wurde eine Gans in den verziehrten Torbogen geschnitzt, die von einem Spruch umgeben ist. Im Mondlicht können die beiden diesen aber nicht entziffern.


    Zur rechten bemerkt die Müde Shae plötzlich eine Gruppe kleiner, etwa brustgrosser Gestalten, die im Dunkeln zwischen zwei der Häuser rumstehen. Eine hat die Hand wie zum Grusse erhoben. Aber niemand bewegt sich. Seltsam.


    - - - Tiefer im Wald - - -

    Endlich hat sich das Wesen mit seinem Feuer verdrückt. Langsam war er auch etwas nervös geworden. Wollte es sein Feuer im Wald verbreiten? Er war schon fast eingeschritten, als der Vielköpfige aufgetaucht ist und es mirgenommen hat. Beruhigt schliesst er wieder seine Augen. Es ist schliesslich Schlafenszeit.

    Schiffe sind am sichersten im Hafen, aber dafür wurden sie nun mal nicht gemacht.

    Edited once, last by Waru ().

  • Shae & Garnuk


    Bevor sie sich auf den Schlitten setzt, hat Shae sich noch zwischen die Hunde gehockt, um sie an ihren Geruch zu gewöhnen, nach links und rechts gestreichelt. "Ich hatte nicht vor, hier in der Wildnis zu sterben," lacht Shae, während sie den stürmischen Kahyu hinterm Ohr krault. "So, und Akiak hat mich gerettet...." Auch ihn lässt sie erst schnuppern, mit Tieren scheint sich Shae ein wenig auszukennen. Dann erst sucht sie sich ihren Platz auf dem Schlitten mitsamt ihrem Gepäck. Shae wickelt das Seil um Gepäck und sich selbst, rückt sich zurecht. "Ich bin soweit," verkündet Shae und hält sich erst einmal besonders gut fest, wenn der Schlitten anruckt. "Und Goldklamm ist also schon der nächste Ort, soso!" Irgendwas scheint Shae an dem Ort zu interessieren. Wenn Garnuk sie später anspricht..... kommt leider keine Antwort mehr. Die Anstrengungen der letzten Tage waren doch etwas viel, so dass sie einfach die Gelegenheit für einen guten Schlaf nutzt....


    .... um erst wieder am Ortseingang aufzuwachen. Von den ersten Häusern bekommt Shae weniger mit. "Sind wir schon da?" kommt es etwas schläfrig und dankbar, dass Garnuk sie in die Zivilisation mitgenommen hat. Nunja, wenigstens das, was man hier als Zivilisation erwarten kann. "Sind das da Statuen?" Shae kneift noch etwas müde die Augen zusammen, um bei den starren Gestalten etwas zu erkennen.

  • Rojan


    Der aufkommende Gebell und Gejaule zeigt Rojan, dass er zumindest einen Platz für seine Firnläufer gefunden hat. Diese hecheln geschäftig und ihre Köpfe und Nasen richten sich zu den anderen Hunden.

    "Mabet!", gibt er das Kommando zu halten und tritt auf die Kralle zum Bremsen und die Hunde kommen zum Stehen. Da sie Firnläufer sind, bellen sie nicht.

    Da er nicht einfach seine Hunde zu den anderen bringen möchte - so etwas kann auch falsch verstanden werden -, ruft er laut, noch immer auf der Bremse stehend: "Heda! Jemand zu Hause? Kundschaft ist da!"

  • - - - Shae & Garnuk - - -

    Die drei Schneezwerge gucken Shae weiterhin regungslos mit ihren Kohleaugen über die knolligen Kartoffelnasen hinweg an.

    In der ferne, vermutlich am anderen Ende des winzigen Dorfes ist Hundegebell zu hören.


    - - - Rojan - - -

    Ein sehr gross und ebenso breit gewachsener Mann mit einem vollen dunklem Bart und buschigem Haar öffnet den Fensterladen und streckt den Kopf hinaus. Die Falten um die Augen und die grauen Strähnen in Haar und Bart lassen auf sein Alter schliessen.

    Als er Rojan auf seinem Schlitten erkennt schenkt er ihm ein breites Lachen. „Firun zum Grusse. Du bist aber spät unterwegs. Brauchst du einen Platz für deine Hunde?“ ruft er auf Garthi in einem sehr starken bornischen Akzent.

    Schiffe sind am sichersten im Hafen, aber dafür wurden sie nun mal nicht gemacht.

  • Rojan


    Als der Laden ihm ihn geöffnet wird und eine Stimme das Gekläffe und Gejanke übertönt, dreht Rojan den Kopf nach hinten. Er zieht sich den Schal vom Mund weg, bevor er antwortet. "Jawoll!", ruft er hoch, in einem Zungenschlag, der nahelegt, dass Garethi seine Muttersprache ist. "Firun mit dir. 'n Platz für die Hunde, wenn's geht! Und 'nen Schlafplatz neben an, hoffe ich."

    Noch immer steht er auf der Bremse, damit seine sieben Firnläufer sich nicht gleich wieder in Bewegung setzen.

    "Mabet!", ruft er ihnen daher noch einmal zu.

  • „Für deine Hunde kann ich schauen.“Er schaut kurz vor Rojans Schlitten und meint „Würde fünf Heller pro Nacht machen. Futter is dabei. Für ein Bett musst du zu Orschin.“ Er zeigt auf den Firunsbär hinter dir.

    Schiffe sind am sichersten im Hafen, aber dafür wurden sie nun mal nicht gemacht.

  • Rojan


    "Zu dem wollt' ich als nächstes", erklärt Rojan grinsend.

    Er bedenkt kurz seinen finanziellen Zustand, der im Moment gerade nicht optimal ist, seit er sich mit Proviant für die Fahrt eingedeckt hat. Er könnte auch gleich sich draußen ein Lager aufschlagen, und das Geld sparen. Aber eine Nacht, beschließt er, darf er sich unter Dach und Fach gönnen, und sich die Zeit sparen, jetzt noch zeitaufwendig ein Lager aufzuschlagen. Dazu die Gelegenheit nutzen, sich zu informieren, wie hier so die Dinge liegen, und einige Leute kennenzulernen.

    "Fünf Heller für alle sieben ist gut", befindet er dann, "ich fütter selber." Vermutlich muss er das gar nicht hinzufügen, denn jeder, der mit Schlittenhunden zu tun hat, weiß, dass man die Hunde und gerade den Leithund immer selber füttern muss.

  • Shae & Garnuk


    "Hm," macht Shae und schüttelt leise grienend den Kopf über sich, als sie die Schneezwerge erkennt. "Ich muss wohl müder gewesen sein, als ich dachte... entschuldige," sagt sie zu Garnuk nach hinten, während sie sich schon aus dem Seil befreit und die Decke zurück schlägt, um etwas steifbeinig aufzustehen. "Das ist also Goldklamm?" Shae wirft einen Blick hier über das Dorf. "Bleibst Du länger? Und was noch wichtiger für mich ist ... kennst Du Dich hier aus? Ich habe das Gefühl, da kann man übernachten." Bei "da" zeigt Shae auf das Blockhaus mit den beiden rauchenden Kaminen. "Kann ich Dich auf etwas einladen? Immerhin hast Du mich ja mitgenommen und bist auch nett gewesen...."

  • Shae & Garnuk


    Garnuk ist doch überrascht, als das Dorf schon so bald in Sichtweite kommt. Er muss wohl unter dem Einfluss des Madamals länger als gedacht geistesabwesend gewesen sein. Nachdem einen sanften Blick auf die schlafende Gestalt seiner Mitfahrenden wirft, hält er auf den Dorfrand zu. Unsicher in welche Richtung, er dann weiter soll, ruft er seiner Leithündin zu: "Langsamer, Akiak!" Die kluge Hündin verlangsamt ohne weitere Anweisungen langsam das Tempo der Gruppe, während Garnuk hinten mit den Stiefeln und das bremsende Metallstück am Schlittenende tritt, um langsam abzubremsen. Im Unterschied zu der Begegnung mit Shae braucht es keine jähe Vollbremsung und den Einsatz es Wurfhakens.


    Die besagte junge Frau regt sich wohl durch seine Rufe aufgeweckt unter dem Fell und scheint wieder zu erwachen. Auf ihre Frage hin antwortet Garnuk kurz angebunden: "Das ist Goldklamm." In der Nacht sind die Gebäude in Hütten schwer zu unterscheiden, doch das Zeichen der Gans erkennt er klar. Seine Mutter pflegte viel von den freundlichen gütigen Travia zu erzählen, die allen Reisenden Zuflucht gewährt. Womöglich ist dieses Gebäude ein guter Ort, um in der Nacht Aufnahme zu finden. Der Geruch von gebratenem Fleisch ist so überwältigend, dass Garnuk von Shaes Frage nach der Zwergengruppe überrascht wird. Instinktiv atmet er tief ein und schnuppert in die Richtung - keine Witterung haben sie, nur etwas Kohleduft liegt in dieser Richtung. Der Halbnivese zuckt die Achseln. "Nur Schnee und Kohle", meint er unbeeindruckt.


    Das Hundegebell am anderen Ende des Dorfes lässt ihn allerdings die Ohren spitzen. Ist es müdes Gebell, wütendes oder furchtsames Bellen? Nein, keine Furcht oder Qual eines Tieres scheint hörbar. Irgendjemand anderes dürfte nächtens unterwegs sein. Shaes Worte rufen seine Gedanken zu seiner Begleiterin zurück. "Das ist also Goldklamm? Bleibst Du länger? Und was noch wichtiger für mich ist ... kennst Du Dich hier aus?" Garnuk zuckt nur die Achseln in einer nichtssagenden Geste. "Bin ein paar mal durchgekommen, kenn' aber niemanden hier so wirklich."


    Sein Blick folgt Shaes Finger in Richtung Blockhaus mit den beiden rauchenden Kaminen und er nickt zum Vorschlag des Übernachtens. Ihre nächsten Worte überraschen den jungen Hundeführer aber dann doch so sehr, dass er sie einen Moment lang verblüfft anstarrt. Noch nie hat ihm irgendjemand eine Einladung auf irgendetwas angeboten. Für die einen ist es zu selbstverständlich, dass man einander hier draußen hilft, dass sie darüber keine Worte verlieren würden, für die anderen jemand mit so offensichtlich nivesischen Wurzeln nicht wert denselben Tisch zu teilen - ganz abgesehen von dem Werwolfgeflüster, das ihn unter diesen Menschen, den Südländern, die im Norden leben, immer wieder verfolgt hat.


    "Gerne", reißt er sich schließlich zusammen zu antworten. "Würdest du nachfragen, ob sie Platz für zwei Übernachtende haben? Dann kann ich mich inzwischen um den Schlitten und meine Freunde kümmern." Ein sanfter Blick wandert zu seinen Hunden, von denen der junge Balto und seine Schwester Kayuh erschöpft hechelnd im Schnee liegen nach der langen Fahrt und dem zusätzlichen Gewicht im letzten Teil. Akiak wirft ihm einen klar auffordernden Blick zu, dass ihr Rudel jetzt die Rast und das Futter verdient haben und sie sich beides nun von ihm erwartet.

    For the strength of the pack is the wolf, and the strength of the wolf is the pack.


    Rudyard Kipling, "The Law of the Jungle"

  • - - - Garnuk - - -

    Das Hundegebell zeugt ganz sicher nicht von Leid oder Angst, sondern von freudiger Aufregung. Als er mit dem Schlitten über den Platz fährt, erkennt er dort jemand der sich mit Nikolai unterhält. Für seine Frau war auch einer der Briefe, die Garnouk mit hat. Mit dem Hundezüchter hat sich Garnuk beim Vorbeikommen oft unterhalten. Einmal mehr stellt er fest wie schnell Goldklamm wächst. Die Häusergruppe, die er bei der Einfahrt passiert hatte, standen das letzte Mal noch nicht.


    - - - Rojan - - -

    Der Mann nickt mit einem wissendem Lächeln. „Auf der anderen Seite gehts rein. Ich bin übrigens Nikolai.“


    - - -Shae - - -

    Durch die schmalen Spalten der Fensterläden dringt etwas Licht nach aussen. Was hier gekocht wird riecht wirklich sehr lecker. Auch sie kann beim annähern an den an den Tempel die zwei Personen auf der anderen Seite erkennen. Ebenfalls fällt ihr das grosse zweistöckige Haus auf, wo das Schild über der Tür nur all zu bekannt auf dessen Funktion verweist.

    Schiffe sind am sichersten im Hafen, aber dafür wurden sie nun mal nicht gemacht.

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  • Rojan


    "Danke! Ich bin Rojan", antwortet Rojan, und steigt mit einem befohlenem "Mabet!" vom Schlitten. Wegen der anderen Hunde legen sich seine Firnläufer nicht in den Schnee, wie sie es sonst tun würden, sondern springen etwas hin und her.

    Da darf er gleich die Leinen erstmal entwirren. Den Schlitten um den Pferch zu lenken, reicht es aber jetzt noch. Kurz darauf kommt Nikolaj dazu.


    Er beginnt die Hunde aus dem Geschirr zu befreien. Zuerst holt er Nikku als Leithund raus. Der Rüde geht mit nach vorn gerichteten Ohren mit Rojan in den Pferch, während Rojan ihn festhält. Innen schaut er sich kurz um, um Nikku dann in einen freien der Hundeunterkunft zu bringen, in dem noch keine anderen Hunde sind.

    So holt er nach und nach die anderen Hunde, Sitka, Yukon, Olaf, Alas-Ka, und die Hündinnen Kisu und Gastell. Kisu drückt sich an Rojans Bein, für die kleine extra-Streicheleinheit, die sie sich gerne abholt, während Gastell erwartungsvoll mit der gebogenen Rute wedelt. Sie hat an so ziemlich allem Spaß und Freude.

    Bellen tun die Firnläufer nicht, aber sie wittern interessiert und teils angespannt zu den anderen Hunden hin. Gerade Nikku ist wachsam und fest entschlossen, seine Leithundestellung zu verteidigen, wie sein entschlossenes Knurren zu anderen Hunden beweist, sollte ihm gefühlt einer zu aufdringlich oder nachdrücklich durch Gebell oder eigenes Knurren kommen. Auch die anderen sechs wissen um ihre Stellungen und sind im Zweifelsfall gewillt, diese zu verteidigen gegen fremde Hunde (und manchmal auch innerhalb der eigenen Gruppe).

    Als alle untergebracht sind, geht es an die Fütterung, wie stets der Ranghierarchie nach und Nikku zuerst, die sanfte Kisu zuletzt. Jeder Hund bekommt seinen Fisch aus Rojans Hand, und wer zu sehr drängt, bekommt einen strafenden Anraunzer von ihm.


    Wenn dieser Teil der allabendlichen Arbeit vorbei ist, zieht sich Rojan die Fäustlinge aus und schaut und tastet Rojan nach den Pfoten der Hunde, wieder der Rangstellung der Hunde nach. Es gibt zwar keine Hinweise, dass einer Probleme hatte, aber das gehört halt dazu, um frühzeitig etwaige wunde Stellen zu entdecken, ebenso, dass das Geschirr richtig saß und keine Druckstellen hinterließ. Bei jedem Absetzen der vierten Pfote bekommt der jeweilige Hunde lobende Worte und ein freundlichen Klopfen für seine geleistete Tagesarbeit.


    Bleibt gleich nur noch, den Schlitten an die Seite zu schieben und die langen Riemen zu entwirren und für morgen zurechtzulegen.

  • Also Goldklamm! Hier bin ich richtig .... hoffentlich..... "Ich frag mal doch besser da nach," sagt Shae unvermittelt, als sie das Zeichen an dem grossen, zweistöckigen Haus erkennt. "Das scheint eine Taverne zu sein...." Wieso schaut er denn so überrascht? Vielleicht lässt er sich nicht gern von einer jungen Frau einladen? So viel älter schaut er ja auch nicht aus. Überhaupt mustert Shae jetzt einmal ihren Reisebegleiter etwas genauer, so im Licht von den Fenstern der Häuser. "Wenn es für Dich in Ordnung ist, frage ich einmal nach einem Platz im Schlafsaal dort. Das wird nicht so viel kosten, denke ich. Oh, die sehen aber müde und erschöpft aus, aber irgendwie auch glücklich," lacht Shae über Garnuks Schlittenhunde. Ihre Stimme hat einen zärtlichen Klang bekommen.... ganz sicher mag sie Tiere ziemlich gerne. "Ich bin gleich wieder da!" Und dann würde sie sich, wenn von Garnuk kein Widerspruch kommt, in die Taverne begeben und nach so etwas wie einem Wirt oder einer Bedienung umschauen.

  • Garnuk lächelt, als Shae bemerkt, dass seine vierbeinigen Freunde glücklich aussehen. Auch wenn sie erschöpft sind, kann er ihre Freude und Erleichterung, nun fressen und rasten zu dürfen mitfühlen. Für eine Südländerin scheint sie viel Gefühl für Tiere zu haben. Das hat er nicht oft bei den zuegereisten Goldsuchern und Pelzjägern im Norden erlebt, wenn es nicht gerade um ihre eigenen paar Hunde geht und selbst dann eher selten. Definitiv ein sympathischer Zug, der ihm leichter als sonst ein dankbares Lächeln auf die Lippen bringt, als sie vorschlägt, nach Plätzen im Schlafsaal zu fragen.


    Nach einem kurzen zustimmenden Nicken in Shaes Richtung, wendet er sich wieder seinen vierbeinigen Freunden zu. Akiak beißt an ihrer Pfote, was ein klarer Hinweis auf Eisbrocken zwischen den Ballen ist. Mit einer Folge von Bell- und Knurrlauten redet Garnuk beruhigend in Wolfssprache auf die Leithündin ein, ihm doch stattdessen die Pfote ansehen zu lassen, und zieht den Fellfäustling aus, um besser agieren zu können.


    Dass es etwas weh tut, jammert Akiak mit leisem Jaulen, während Garnuk sanft ihre Pfote in die Hand nimmt. Zum Glück sind es nur einige Eisbrücken zwischen Akiaks Ballen und noch hat keiner ein wunde Stelle verursacht, der die Schlittenhündin beeinträchtigen würde. "Schon gut, Aki! Das haben wir gleich", murmelt Garnuk beruhigend in Nujuka und zupft die Brocken weg. Dankbar drückt ihm die Hündin die Schnauze gegen die Wange, ehe ihre klugen Augen wieder auf ihr Rudel fallen. Danach wiederholt der Halbnivese dieselbe Prozedur mit jedem seiner Hunde, spricht einige Worte mit jedem von ihnen in Nujuka und wölfischen Jaul- und Fieplauten.


    An Qanniks verunsicherter Reaktion merkt Garnuk auch, dass sein wölfischer Geruch wie immer kurz vor Vollmond wieder intensiv vorhanden ist. Einem Pferch mit fremden Hunden sollte er sich daher nicht nähern. Stattdessen wird er seine vierbeinigen Freunde die Nacht frei lassen, damit sie sich Mulden im Schnee graben und vor Wind und Wetter geschützt nächtigen können. Nicolai kennt seine eigenartigen Vorlieben seine Hunde nicht zu den anderen in einen Pferch zu bringen und manchmal Abstand von anderen Hunden zu halten, die immer wieder ungewöhnlich furchtsam oder aggressiv reagiert haben, bis er mit einigen Knurr- und Fieplauten für Ruhe gesorgt hat. Die Gerüchte über seine Wolfsgestalt haben womöglich inzwischen von Oblarasim ihren Weg hierher gefunden und Garnuk will lieber kein Risiko eingehen. Einmal als Werwolf bezeichnet und gehetzt zu werden, hat ihm für ein ganzes Leben gereicht.


    Während er auf Shaes Rückkehr wartet, muntert er seine 5 Freunde mit aufmunternden Gesten und Lauten auf, noch etwas durchzuhalten, um den Schlitten für die Nacht zur Seite zu parken, ehe sie ausgespannt werden und rasten dürfen. Zuvor muss er aber wissen, ob er hier bleiben darf, oder die Gerüchte dafür sorgen, dass ihn auch hier in Goldklamm niemand rund um die volle Mada nachts in der Nähe wissen will. Bei dem Gedanken wendet sich sein Blick nach oben und die sonst hellbraunen Augen glänzen fast bernsteinfarben auf im Licht des Madamals. Der Wunsch, über die Steppe zu laufen, die Freiheit seines wölfischen Körpers zu spüren, die Instensität der Gerüche, das Fieber der Jagd zu erleben, wird intensiver, je länger er auf die helle Scheibe am Himmel blickt. Aus Erfahrung weiß Garnuk, dass er etwas von diesem Wunsch nachgeben muss, um nicht gänzlich die Kontrolle über seinen Körper zu verlieren, wenigstens nicht bevor das Madamal seine volle Größe erreicht hat oder ihn andere Emotionen dazu zwingen. Den Kopf in den Nacken gelegt, lässt er ein lang gezogenes Wolfsheulen erschallen, das allen Hunden und Wölfen in Hörweite von seiner Sehnsucht erzählt.

    For the strength of the pack is the wolf, and the strength of the wolf is the pack.


    Rudyard Kipling, "The Law of the Jungle"

  • Rojan


    Als das Wolfsheulen ertönt, heben Rojan und seine Hunde die Köpfe. Die Firnläufer werden auf ihrer wölfischen Seite angesprochen, und so werden sie kurz von den anderen Hunden abgelenkt.

    Rojan stellt fest, dass das ganz schön nah klingt. Ungewöhnlich nah.