Dornenpfad

  • Wir befinden Anfang Rahja 1041 BF im schönen Almada, das Wetter ist der Jahreszeit entsprechend sonnig und warm. Trotz des verregneten Frühjahres war die Heuernte im Ingerimm nicht schlecht und die Sonne jetzt begünstigt das Reifen der Trauben, so dass der Lese Ende Rondra freudig entgegen gesehen werden kann. Die Reise durch das Yaquirtal, umsäumt von Weinbergen, gestaltet sich recht angenehm.


    Von Praios her anreisend hat Chalima eine doch recht lange Reise hinter sich und die Überquerung des Rashtulswalls war nicht gerade einfach. Doch die Geschichten über das Konzil und vielleicht auch die Geschichten über Drachen im Gebirge haben Chalimas Schritte beflügelt, auch wenn sie (bislang) keine Drachen entdeckte und auch das Konzil nicht sehr aufgeschlossen war. So zog sie weiter über die Berge, den Kunde eines Weinfestes im nahen Punin, drangen von Händlern verbreitet, an ihre Ohren. Vielleicht wäre das eine gute Alternative als Reiseziel …


    Von Firun her, zieht es Esindio direkt nach seinem letzten Abenteuer nach Punin. Das berühmte Theaterviertel, zwischen Etilienpark und Arkadenstraße, mitten im Zentrum Punins, mit seinen vielen Attraktionen und dem guten Ruf der Bardenschule Torbenia, der Galleria der Schönen Künste, der Yaquirbühne und vielem mehr, lohnen einen Besuch dieser Stadt. Je näher Esindio der Stadt kommt, desto lauter werden die Nachrichten über ein von der Rahjakirche ausgerichtetes Weinfest, dass sich anzusehen bestimmt lohnen könnte …


    Das gemütlichste Eckchen im turbulenten Punin, bildet Sereno, im äußersten Südwesten der Stadt, unweit der von Kletterrosen bewachsenen Stadtmauer. Als ‚Heimatviertel der gut situierten Weinhändler, Winzer, Brenner und Brauer treffen hier Travia und Rahja aufeinander. Der beste Ort für jemand wie Velantino, um gute Geschäfte zu machen und die Aussicht auf das Weinfest und damit vielleicht verbundenen Gewinn oder Kontakten, lenken seine Schritte in dieses Viertel …


    Nach den letzten Auseinandersetzungen hat es Maeve endgültig auf Wanderschaft getrieben und der Gedanke einmal den wohl bedeutendsten Tempel der Regenbogengöttin zu sehen, in dem auch Tsas Kreide, der göttliche Talisman aufbewahrt wird, führten sie nach Punin. Überwältigend ist die Stadt und auch der Ort, an dem sich die beiden wohl bedeutendsten Tempel an einem Platz gegenüberstehen. Im Zentrum Punins liegt der kleine, alte Stadtteil Tempelhof. Die Häuser hier sind von schlichter Eleganz – weiße ziegelgedeckte altbosparanische Villen mit Innenhof und Säulen. ‚Das gebrochene Rad‘ der Haupttempel des Boronkultes (nach Puniner Ritus) liegt am Platzt des Schweigens. Direkt gegenüber erhebt sich ein Gebäude, wie es gegensätzlicher nicht sein könnte: ‚Der Regenbogentempel‘, Haupttempel der Tsa, vollständig mit bunten Kieseln und Halbedelsteinen besetzt, leuchtet der Tempel fast stündlich in einer anderen Farbe. Ankommend in der Stadt hört auch Maeve von dem bevorstehenden Weinfest des hiesigen Rahjatempels und dies könnte eine Ablenkung sein …


    In Sereno, der gemütlichen Ecke Punins, liegt auch der ‚Tempel des Rebenblutes‘, der aus rosafarbenem Eternenmarmor errichtete Rahjatempel. Er erhebt sich inmitten einer exotischen Gartenanlage. Kaiser Elsam V vermachte diesen Park der Rahja-Kirche, die die Anlage mit einer mit Weinlaub umkränzten Statue des Kaisers schmückte. Azina, direkt aus der Nähe Punins stammend, zog die Nachrichte des bevorstehenden Weinfestes ‚ihres‘ Tempels in die Stadt, die deutlich überfüllter ist, als normal. Sein erster Weg führte Esuvio nach Punin. Gut, das war mehr als er die letzte Zeit unternommen hatte, doch der Tempel in Punin sollte einer der schönsten sein. Nun ja, das, wie er auf Reisen hörte, bevorstehende Weinfest würde ein Übriges tun, Punin ‚nett‘ zu finden ….

    Seien wir realistisch. Versuchen wir das Unmögliche. (Ernesto Guevara)

  • Maeve

    Auch, wenn sie eigentlich den Regenbogentempel besuchen wollte, innerlich zieht es sie vorerst deutlich mehr zu dem Weinfest. Ihr jugendliches Erscheinungsbild machte es ihr nämlich immer wieder schwer als Erwachsene wahrgenommen zu werden, was zur Folge hatte, dass sie oft keinen Alkohol bekam und sich Fragen wie "Bist du nicht etwas jung, um alleine zu reisen?" anhöhren musste.


    Nun ist Maeve keine zwanghafte Trinkerin, aber manchmal hatte sie einfach Lust auf ein Glässchen und wenn sie es nicht bekam, dann wuchs das Verlangen darauf natürlich nur noch mehr. Bei derartigen Gelegenheiten, wie diesem Weinfest war es für Maeve erfahrungsgemäß leichter an Alkohol zu kommen, nur leider übertrieb sie es dabei hin und wieder, was aber nicht heißt, dass sie aus diesem Fehler je gelernt hätte. Im Grunde waren sowieso die Gastwirte schuld, die an sie nicht ausschanken... wie kann man auch einer Tsageweihten etwas verbieten!? 'Der Regenbogentempel wird mir schon nicht davon laufen'. Mit diesen Gedanken fragt sie bei den Bewohnern nach dem Weg zum Weinfest durch und sah sich dabei gleich nach geeigneten Leuten um, mit denen sie das Fest gemeinsam feiern konnte. Geteilte Freude ist schliesslich doppelte Freude.

  • Esindio


    Der Weg aus Nostria war lang und beschwerlich, und nicht immer einfach. Manches Mal hatte er einfach Glück und fand eine Handelskarawane, die ihn von Ort mitnahm, oder ein Bauer, der ihr für ein paar Lieder mit auf seinem Karren fahren lies. Aber ein oder zwei mal musste er auch einfach auf sein Glück vertrauen, einfach, weil er die Diebe zuerst bemerkte und nicht diese ihn. Zu Guter Letzt wurde er jedoch mit dem Anblick Punins belohnt, der Perle am Yaquir. Das Häusermeer der Bauten, aus denen die Tempelkuppeln herausragen, zudem die ganzen Türme, deren Namen er bisher nur in Geschichten gehört hat, das alles ist atemberaubend für ihn, der mit Nostria nun anderes gewohnt ist.


    Leichten Schrittes schreitet er durch das Stadtor im Firun, die Stadtwachen wirken schon fast genervt, als er sich vorstellt. Als er erklären muss, was denn ein Ceoladir ist, winken ihn die Wachen weiter, als sie das Wort Barde hören. Ein weiterer kurzer Wortwechsel, und Esindio hat zumindest eine kleine Vorstellung davon, wo der Rahja-Tempel liegen müsste. Allerdings gestaltet sich das Suchen nach einer Unterkunft doch sehr schwierig, da kaum ein Zimmer frei ist, und so ist auch der Tag fast herum, und ein Zimmer ist nicht gefunden. Zum Travia-Tempel weist man ihn gerne, und als man hört, das er Barde ist, wird er denn auch gleich gebeten, seine Kunst zum Besten zu geben, denn was ist denn eine Gabe, wenn man sie nicht frei allen gibt... Nun der Abend geht auch schnell herum, um am nächsten Morgen macht er sich dann auf, um sich das berühmte Weinfest anzuschauen, und eventuell doch noch eine andere Bleibe für die Nacht zu finden.

  • Chalima


    Hast du gehört edler Dschadir? Ein Weinfest in Punin zu Ehren der ChAl`Awalla! Feqz sei gepriesen, die Garetistani werden sich mit den göttlichen Tropfen der Gepriesenen berauschen und bereitwillig ihre Dinar und Schekel verteilen. Nun spute dich doch schon Al´Chababi, so lange kann es doch nicht dauern ein kleines gebratenes Hühnerbein zu verspeisen, wir müssen zumindest einige Tage vorher ankommen. Was nützen uns die edelsten Güter Araniens, wenn ich mein Zelt nur mehr hinter dem Abort des Bazars aufstellen kann, wo uns niemand sieht? Bei einem Fest dieser Größe werde ich auch mit etwas Bakschisch nicht soviel erreichen können, dass wir es uns leisten könnten zu spät zu kommen. Und das Fest wollen wir dann doch auch selbst genießen, also gilt es den Trubel davor auszunutzen.


    Was denkst du Dschadir, ob dort wohl einige dieser Zahoritänzer auftreten werden? Mal wieder einen Mann zu sehen, einen Sharisar, der sich seiner Schönheit bewußt ist und genießt sie einzusetzen, wäre eine erhabene Abwechslung. Soviele Burschen mit dem Potential zu wahrer Schönheit und doch findet sich hierzulande kaum Kundschaft unter ihnen, nicht mal Kohlestift verwenden sie.


    Vielleicht können wir im Anschluß noch etwas Zeit in der Maktaba der Puniner Akademie verbringen? Diese soll ja wahrlich ein Juwel in den Augen der edlen Heszint sein, und jeder Al´manach der je von den Weisen Aventuriens geschrieben wurde, soll dort seinen Platz haben. Sollte Feqz uns hold sein, könnte ich mir vielleicht eine Abschrift eines Al´ixirs besorgen?


    Ach nun spute dich doch mein Edelster, kannst du dich nicht unterwegs deiner Haartracht widmen? Selbst ein Sultan wäre begierlich darauf in deiner Sänfte reisen zu dürfen, ich werde schon acht geben, dass Answin dich nicht zu sehr schaukelt, schließlich wollen doch auch meine Waren heil ankommen. Komm, dort vorne reisen bereits einige andere Händler in die Richtung, wir wollen uns doch ihnen anschließen... Feqz und Heszint haben mir meine Macht nicht dafür gegeben um verhungerte Banditen mit vermeintlichen Feuerdschinnen zu erschrecken, wenn wir es richtig anstellen, werden wir Punin mit dem Zauber Araniens für uns gewinnen!


    Ach so sei es, dein neuer Name soll Al`Kira sein, du Sohn eines gefräßigen Mahmouds und einer hinterlistigen Lamassu, wenn du noch ein Hühnerbein bekommst, gehst du jetzt aber endlich in dein Körbchen! La’ana buraz, Answin beweg dich endlich du störrisches Grautier und Sohn eines Felsens!

  • Azina reitet mit hoch erhobenem Kopf durch die Straßen Punins, die Leute werden schon Platz machen. Denn ihr schneeweißes Pferd stolziert mindestens genauso stolz auf den Rahjatempel zu wie ihre Reiterin oben im Sattel sitzt. Vor dem Tempel steigt sie ab und gibt ihre Stute dem Stallburschen, zuerst wollte sie sich etwas frisch machen, bevor sie auf das Weinfest geht.

    So bezieht sie zuerst ihr altes Zimmer im Wohnhaus des Tempels wieder, wäscht sich und kommt mit einem schicken roten Kleid wieder auf die Straßen Punins, auf der Suche nach dem wohl besten Weinstand.

  • Velantino


    "Phexverflucht, ich komme noch zu spät." Eilig bindet Velantino die Bänder seines Gewandes fest und wirft einen letzten Blick aus dem Fester seiner kleinen Kammer des Puniner Phextempels hinaus.

    Wie sehr er diese dreckigen Straßen inzwischen verabscheute. Dabei war die Straße entlang des Phextempels noch eine der besseren.

    Dennoch beschmutzt er sich regelmäßig seine Tracht mit Schlamm und schlimmer noch, Fäkalien auf dem Weg in die besseren Viertel.

    Aber es ist nun mal seine Heimat. Hier lebte und wuchs er bereits als Kind auf und kennt sich hier sehr gut aus. Versonnen schüttelt er nochmal den Kopf und verlässt die Kammer um den Hauptraum des Tempels zu betreten. Nachdem er ein paar Worte mit Salath, einem Glaubensbruder gewechselt hat, geht es Richtung Sereno.

    Eine gemütliche Ecke in Punin, im Südwesten der Stadt.

    Velantino beschleunigt seinen Schritt und verfällt in einen etwas watschelnden Gang. Er hat gleich einen Termin mit einem örtlichen Weinhändler. Ein guter Auftakt, gerade wo doch das Weinfest beginnt. Der gut beleibte und offen auftretende Phexgeweihte freut sich auf viele wohlschmeckende Weine und die netten Gespräche welche er gleich führen wird, und beschleunigt seinen Schritt noch mehr.

  • Esuvio


    Endlich würde er Punin erreichen. Die Reise war beschwerlich gewesen ohne den gewohnten Luxus aus Belhanka. Und man hatte ihm gesagt, auf der Reichsstraße reiste es sich mehr als angenehm. Ihm graute es dann vor den kleineren Straßen und Wegen, aber die musste er ja nicht jetzt schon bereisen. Kleine Schritte, und der nächste führte erst mal nach Punin. Und wie es schien leitete Rahja seine Wege. Ein Weinfest! Er liebte almadanischen Wein und er kam genau zum Fest zu dessen Ehren. Es war die richtige Entscheidung gewesen, die Reise anzutreten und Rahja belohnt ihn nun dafür. Er war wahrlich gesegnet. Die Freude darüber sich wieder richtig baden zu lassen und anschließend das Fest zu besuchen beschleunigt seine Schritte.

    Er staunt nicht schlecht, als sich die Stadt am Horizont vor ihm auftut. Sie war so ganz anders als sein Belhanka. Voller Vorfreude lässt er sich am Tor den Weg zum Rahja Tempel weisen und läuft mit staunenden Blicken durch die Straßen und lässt die Schönheit dieser auf sich wirken. Vom Stress der umher irrenden Menschenmassen - anlässlich des Festes sicherlich mehr als üblich - zeigt Esuvio sich völlig unbeeindruckt und so flaniert er durch die Straßen während das Leben um ihn herum strömt.

    Im Tempel angekommen lässt er sich zunächst Baden um den Staub der Straße los zu werden und macht sich dann zurecht. Zwar hat er genug dabei um auch auf der Reise immer ordentlich und gepflegt auszusehen, aber die Annehmlichkeiten des Tempels schätzt er daher umso mehr. Rasiert und gekämmt, geschminkt und nach feinsten Rosenölen duftend fühlte er sich wieder angemessen. Im Tempel tauschte er sich zunächst Neuigkeiten und Nachrichten mit den Geweihten aus Punin aus und lässt sich dann erzählen was er sich in der Stadt alles anschauen muss. Anschließend lässt er sich von den Menschenmengen zum Weinfest treiben.

  • Mit gemütlichen Schritten ging Chalima in Richtung des Festplatzes und Rahjatempels. Auf ihrem Arm saß eine schwarze Katze, bekleidet mit einer kurzen tulamidischen Weste und einem bestickten Fez, die neugierig um sich blickte, während ein gepolstertes Tragekörbchen ungenützt an Chalimas freier Hand hing. Ihre Bewegungen werden vom leisen Klirren der kleinen Ziermünzen an ihrem Hüfttuch untermalt.


    "Dschadir, welch weise Entscheidung von uns hierherzukommen. Aber dem Effendi Feqz haben wir jetzt wohl genug unserer Zeit gewidmet, jetzt wollen wir auch der edlen Radscha gegenüber wohlgefällig zu sein, und das Fest in ihrem Sinne zu geniessen! Ich wünschte nur, du hättest nicht wieder auf meiner Robe geschlafen, gestern habe ich sie erst waschen lassen..." *putzt sich umständlich einige dunkle Katzenhaare von ihrer Kleidung*


    Die Geschichtenerzähler hatten nicht untertrieben: Zwar hatte auch Punin, so wie jede Stadt, ihre dunklen Seiten, aber hier im Zentrum geizte es nicht mit seiner Pracht. Nach all den Kleinstädten, in denen man höchstens etwas Seife mit Rosenessenz oder ein paar kandierte Orangenschalen verkaufen konnte, genoß Chalima endlich wieder in der Zivilisation zu sein. Ihre Waren hatte sie gegen Gebühr in einem Lagerraum der Herberge deponieren lassen, und sich den ganzen vormittag ihrem Äußeren gewidmet.