Die Entsprungene Braut

  • Wir schreiben Anfang Rahja des Jahres 1022 BF, und ein wundersamer Zufall, ein seltsames Geschick oder die Zwölfe selbst haben euch alle vier in die Grafschaft Waldstein im Nordosten des Königreichs Garetien geführt.


    Was in letzter Zeit geschehen ist

    Gerade ein Jahr ist es her, dass der Dämonenmeister Borbarad von den Sieben Gezeichneten in der Dritten Dämonenschlacht getötet wurde – so will es die Legende. Aranien weit im Süden ist vom Mittelreich unabhängig geworden, in Andergast im Westen regiert jetzt ein neuer König – aber das ist den meisten in diesem Landstrich so gleichgültig, dass sie nicht einmal seinen Namen wissen. Am 1. Praios des Jahres wurde die dreizehnjährige Prinzessin Rohaja von Gareth zur Königin Garetiens gekrönt, und das war ein Fest! Auf Maraskan soll Krieg herrschen, aber das war schon immer so. Darpatien existiert nicht mehr, im Osten sind die Länder zusammengebrochen und Ysilia heißt nun Yol-Ghurmak und soll eine Dämonenstadt sein. Raidri Conchobair, der beste Schwertkämpfer Aventuriens, Bezwinger der Blutzwillinge und von etlichen Gallonen Hellem Ferdoker, gestorben wie so viele andere in der Dritten Dämonenschlacht, wurde in Winhall beigesetzt.


    Allen Ernstes sollen die kaiserlichen Zwillinge Rohaja und Yppolita entführt worden sein, sind aber schon bald wieder befreit worden. Invher ni Bennain wird Königin von Albernia – ja, diesen Namen merkt man sich. In Weiden gibt es Unruhen, der Verräter Rondrian von Löwenhaupt stirbt unter mysteriösen Umständen, der selbsternannte Graf von Heldentrutz, Rondralrik von Tann stiftet erhebliche Unruhe. Zwischen den Häusern Bregelsaum und Rabenmund kommt es zu einer Blutfehde, die in der Blutnacht von Rommilys gipfelt. In den Gebieten, die Borbarad erobert hatte, bilden sich die sogenannten Heptarchien heraus: Das Dämonenkaiserreich unter Galota, die Piratenküste unter Xeraan, die Warunkei unter dem skelettierten Drachen Rhazzazor und die Fürtskomturei unter Helme Haffax, dem elendsten unter allen Reichsverrätern. In Greifenfurt kommt es um Leineweberaufstand, der Bürgerkrieg in Weiden zwischen der Herzogin Walpurga von Löwenhaupt (unterstützt von dem Haus vom Großen Fluß) und dem Ursupator Baeromar Falk von Geltring-Weiden geht weiter. In einem Gottesurteil im Tsa 1022 BF kann sich die rechtmäßige Herzogin endlich durchsetzen, der Ursupator stirbt, der Bürgerkrieg endet – endlich.

    Weit im Westen soll ein Drache den Sohn von Aldare Firdayon als legitimen Anwärter auf den Horasthron und als seinen leiblichen Sohn anerkannt haben (sic!).


    In Darpatien gehen die Auseinandersetzungen zwischen den Häusern Bregelsaum und Rabenmund blutig weiter. Thorwal dagegen, bislang eine Art Vereinigung von Piraten, soll eine Nation geworden sein. Wie denn das nun? Allerdings gehen die Überfälle der Thorwaler nach Norden und Süden weiter, die Küsten zittern vor den Otta-Schiffen. Zwölf Jahre nach seinem Verschwinden wird Kaiser Hal im Peraine für tot erklärt und zu Grabe getragen – mangels Leiche natürlich nur symbolisch. Im selben Monat soll eine Kapitänin des Horasreichs von einer Weltumsegelung zurückgekehrt sein. Im Ingerimm wird die Kaiserpfalz Cumrat fertiggestellt. Was das wohl wieder gekostet hat?


    Es ist allerlei geschehen in diesem schon beinahe wieder beendeten Jahr 1022 BF.


    Wohin euch eure Reise geführt hat

    Die Grafschaft Waldstein im Nordosten Garetiens verdient ihrem Namen zu Recht: Im Norden und Süden wird die Grafschaft durch die Flüsse Raller und Breite eingeschlossen, im Westen markiert die Ende den Grenzverlauf der Grafschaft, während sie im Osten wie ein spitzer Keil auf das Quellgebiet des Dergel hin zuläuft.Die Grafschaft ist noch immer fast zur Gänze von einer urtümlichen Landschaft aus Baumriesen bedeckt, dem Rest eines mittelaventurischen Kontinentalwaldes, der auch noch bis in die Markgrafschaft Greifenfurt und in die Grafschaft Hartsteen reicht: der Reichsforst. Hundert Meilen im Durchmesser groß ist er wenigstens, und wer die dichten, dunklen Wälder sieht, hat keine Zweifel an den Sagen und Fabeln über Feen, Tierkönige, Waldschrate, Einhörner, Kobolde und andere wunderliche Dinge.


    Jonas Wany und Pinky mit der blauen Blume – Auch ein Kuhbursche braucht mal Hilfe

    Pinkys Blick war schon beim ersten Mal überdeutlich und vorwurfsvoll: Ein Hufeisen hatte sich gelockert. An sich nichts Besonderes, kann ein Weidener Kuhbursche doch sogar noch schlafwandelnd seinem Pferd die Eisen wieder annageln. Dennoch war Jonas froh darüber, an diesem kleinen Landgut vorbeigekommen zu sein. Die paar hundert Schritt zurück waren schnell zurückgelegt zum Gut Borkenfeld, wie es stolz über dem steinernen Torbogen prangte. Etwas irritierend waren nur die allenthalben eingemeißelten herschauenden Hamsterköpfe. Immerhin bot sich der Schmied des Gutes an, Pinky mit seinem neuen Eisen zu versehen, und da Pinky nicht unglücklich wirkte, konnte Jonas selbst derweil der Einladung in die Gesindeküche auf einen dicken Eintopf, frisches Brot und verdünntes Bier folgen. Dort leistete er nun der schwatzhaften, aber gutmütigen Köchin und ihrer niedlichen Küchenhilfe Gesellschaft. Das ganz große Thema am Tisch: Dem Herrn von Borkenfeld war die junge Braut entschwunden! Ja, wirklich! Hinten im Garten ist doch dieses gewaltige Heckenlabyrinth – ja, auch das hatte Jonas schon gesehen. Da drin ist die Braut verschwunden. Der arme Diener Berthelm! Der sollte die Braut wohlbehalten nach Gut Borkenfeld bringen. Hat er auch getan, aber die Braut, Praiadette heißt sie, geriet so in Verzückung über den Anblick der Hecken, dass sie in wallenden Gewändern hineinlief und einfach verschwand. Das war jetzt vor drei Tagen. Ja, selbstverständlich hat man versucht, die Braut da wieder herauszuholen. Aber die Hecken sind verwunschen und verflucht! Ändern ständig ihre Wuchsrichtung, werden größer oder kleiner, keine Axt und kein Feuer konnten der Hecke etwas anhaben. Die Leute, die der Herr aussandte, kamen mit Hasenohren und Schweineschnauze wieder zurück! Beide, Köchin und Gehilfin, schwören, das sei die reine und lautere Wahrheit! Jetzt ist der Herr ganz verzweifelt, denn eigentlich soll die Hochzeit schon in zwei Tagen sein. Nicht auszudenken, wenn die nicht stattfinden kann. Wer würde den Herrn denn sonst heiraten? Jetzt sucht der Herr händeringend nach Mutigen, die verrückt genug sind, seine Braut zurückzubringen.


    Glurgs – Kein Schelm, wer Böses dabei denkt

    Die Menschen sind schon recht seltsame Wesen. Da backen sie in Hinterbachingen anlässlich eines großen Festes dutzende, ja hunderte Kuchen und Torten, und wenn man dann eine herrlich schmackhafte Schlacht damit anfängt, vertreiben sie einen mit Stöcken und Flüchen. Zum Glück konnte Glurgs schon immer gut und schnell rennen. Also war er bald wieder auf der Straße unterwegs, froh des Lebens und glücklich, der taugenichste Taugenichts unter dieser Sonne zu sein. Doch auch ein Schelmenstreicher muss hin und wieder essen, und zwar hielt man ihn am Gut Borkenfeld wohl für einen Fall für die Noioniten, aber vielleicht kam man ja auch nach Alveran etwas angenehmer, wenn man die Idioten in den bunten Kleidern fütterte. Also fand sich Glurgs mit einem jungen Burschen in der Gesindeküche des Gutes wieder und wurde misstrauisch verköstigt. Nicht, dass man ihn mied, aber die Geschichte von der verschwundenen Braut und der verwunschenen Hecke wurde mehrheitlich dem jungen Burschen erzählt, während man ihn lieber mal ruhig essen ließ. Man konnte ja nicht wissen, ob Irrsinn ansteckend war …


    Ilke und Nolle – Schurken der Landstraße

    Von Gareth aus vorläufig in den unwirtlichen Norden zu verschwinden, war sicher keine ganz schlechte Idee - nach dem, was in Gareth geschehen war. Es war ein großer Coup gewesen, keine Frage, aber jetzt waren sie entweder schon verhaftet oder auf der Flucht. Immerhin, so lernen sich Ilke und Nolle noch etwas besser kennen. Zwar gehörten sie der gleichen Bande an, aber so richtig gut kannte man sich eigentlich nicht. Nolle war mehr derjenige, der im Feuer arbeitete, Ilke eher die, die für Ablenkung oder Warnungen vor unliebsamen Zeugen sorgte. So kam die Zweierbande auf der Flucht alsbald in die Grafschaft Waldstein und in den Ort Kleinkräutlein, wo sie zu ihrer Überraschung auf einen guten Bekannten stießen. Allerdings erkannten sie den Mann kaum wieder, jetzt so mit Hasenohren und Schweineschnauze. Er erzählte euch von einem nahe gelegenen Gut, Gut Borkenstein. Es klang nach einem guten Auftrag und leicht verdienten Gold, berichtete Hasenohr, während seine Schweineschnauze Bier trank. Die junge Braut des Herrn von Borkenfeld war in ein Heckenlabyrinth hinten im Garten gelaufen. Wieso auch immer, törichtes Weib. Jedenfalls musste sie da wieder raus, denn der Herr will sie in zwei Tagen heiraten. Und sie dachten, das sei so einfach. Einfach rein in den Heckengarten, Braut raus, für jeden 5 Dukaten, und das Leben genossen. Aber nö, so einfach war das doch nicht. Ständig wuchs die Hecke anders, und als sie mit ihren Äxten darauf eindroschen, traf sie dieser Fluch. Beide Zeigefinger von Hasenohr zeigen auf seine Schweineschnauze. Seinem Kumpel erging es noch schlechter. Er öffnet zum Beweis die Jackentasche, und tatsächlich, da sitzt eine erschrocken und traurig dreinschauende Kröte, die euch kleinlaut anquakt. Na, jedenfalls ist der Herr jetzt so verzweifelt, dass er bestimmt bereit ist, jeden Preis zu zahlen, um seine Braut zurück zu bekommen. Wie weit das Gut ist? Keine zwei Meilen die Straße runter.

    Einmal editiert, zuletzt von Karmakorthaeon () aus folgendem Grund: Natürlich nicht "auf der Straße nach Süden" ...

  • Das gelockerte Hufeisen war natürlich ärgerlich. Wer läuft schon gerne mit nur einem Schuh herum? So kann Jonas Pinkys vorwurfsvollen Blick mehr als nachvollziehen, als er den Hinterhuf nach der Inspektion absetzte. Er hat zwar ein angepasstes Ersatzhufeisen und Nägel dabei, und hätte sich gleich an Ort und Stelle daran machen können, das Hufeisen zu wechseln, aber da war doch gerade die Zufahrt zu einem Gutshaus gewesen?

    Da bot sich bestimmt noch besser die Möglichkeit, das alte Hufeisen gänzlich zu lösen und das neue dran zu nageln. Eine kleine Pause war ihm ohnehin willkommen.

    Nur, dass er jetzt tatsächlich sein Pferd führen musste statt mit angemessen Geschick angeritten zu kommen und mit Pinky zu zeigen, was Weidener Kuhburschen und ihre Kuhpferde können, das war schon ärgerlich. Laufen. Laufen ist eines Kuhjungen nicht angemessen!

    Aber so lange Pinky auch nur etwas lahmt, würde Jonas sich eher die Füße bis auf die Knochen ablaufen, als ihn zu reiten.


    Also nahm er die Zügel auf und marschierte neben seinem Schecken das Stück zurück und unter dem Torbogen durch, auf dem Zeichen oder Buchstaben drauf sind, Jonas weiß es nicht. Obwohl, sind das Hamsterköpfe, die da auch zu sehen sind?


    So stiefelte ein junger Bursche auf das Gut, neben ihm ein leicht lahmender braun-weißer Schecke, der definitiv der auffälligere Teil des Duos ist, wächst ihm doch eine blaue Blume aus der Mähne. Ja, sie wurzelt dort, und ist keineswegs eingebunden.

    Der Schmied war sogar bereit, selber das neue Eisen anzunageln, was Jonas die willkommene Gelegenheit gab, solange traviagefälllig zum Essen geschickt zu werden. Er tröpfelte noch schnell ein paar Tropfen Wasser auf die Blume (Blumen brauchen schließlich auch Wasser), klopfte Pinkys Hals und hielt auf den Kücheneingang des Hauses zu. Wie unzählige Male zuvor in seinem Leben war auch diese Schwelle hier hinterhältig genug, um sich genau dann unter Jonas hochhackigen Stiefeln zu erheben, als er hinüber treten wollte, weshalb der junge Mann mit einem gänzlich ungeplanten Stolpern halb in die Küche fiel, als sich die Spitze eines Stiefels daran kurz verhakte, bevor sich wieder fangen konnte. Seine Ohren erblühten in verlegenem Rot, während er sich hastig den Hut vom Kopfe riss und ein "Travia zum Gruß'", raus brachte. "Der Schmied meinte, ich solle hier nur warten, während er das neue Hufeisen anbringt."


    Nun sitzt dieser Bursche in der Küche, nachdem er sich mit Namen vorgestellt hat, verschlingt einen Teller Eintopf, der erstaunlich schnell in diesem noch etwas schlaksigen Körper verschwindet, und tunkt das Brot immer wieder ein und schlürft dazu einen Becher Dünnbier.

    Jonas Wany ist ein junger Bursche von an die achtzehn Götterläufen. Sein blondes Haar könnte eine stutzende Frisur gebrauchen, der knapp über einen Schritt und vier Spann durchschnittlich große Körper ist schlank und etwas schlaksig, gegen letzteres kann sich die angehende Sehnigkeit nur langsam durchzusetzen. Seine blauen Augen blicken meist fröhlich aus seinem von der Sonne gebräunten Gesicht. Seine Bewegungen sind recht geschmeidig, seine Ausstrahlung allerdings hebt ihn aus keiner Menge heraus heraus.

    Sein breitrandiger Hut hängt über eine Ecke des Stuhles, ein ausgeblichenes blaues Halstuch hängt um seinen Hals, er trägt ein kariertes Hemd mit einer braunen ärmellosen Lederweste darüber und robuste Leinenhosen. Hochhackige und -schäftige Stiefel ergänzen die Kleidung. Die Hose ist nach typisch weidener Art über der Hüfte geschnürt und an den Seiten geschlitzt; lederne Bändchen können die Schlitze eng zusammen ziehen oder etwas aufstehen lassen, je nach Jahreszeit und Temperatur. Nun im Rahja sind sie weiter aufgezogen, es ist ja warm.

    An einer Hüfte trägt er in einem eigens dafür angefertigten Holster einen kräftigen, sorgfältig abgehobelten Knüppel, an der anderen Seite hängt an einem Haken des Gürtels, an dem auch eine Gürteltasche, ein Beutelchen und ein Jagdmesser sich befinden, eine zusammengerollte Peitsche.


    Kurz, nachdem er von der netten Köchin zum Sitzen angehalten wurde und die Gehilfin Geschirr aus dem Schrank holte, kehrte noch ein Wanderer ein. Jonas fiel erst gar nicht auf, dass seine Kleidung von hinten andere Farben hat als von vorne. Das sieht er erst, als er sich auch setzt und Jonas ihn von der Seite sieht. So etwas hat er noch nie gesehen, und den beiden Frauen aus der Küche geht es wohl ähnlich, wie es aussieht. Jedenfalls muss da Jonas ein paar Mal hinstarren, und auf diese komischen Schöße der Jacke.

    Aber eigentlich und vor allem nehmen ihn die Worte der Köchin gefangen.


    Mit großen Augen lauscht er dem, was die nette Köchin erzählt. Ist ja ein Ding! Da läuft die Braut zwischen die Hecken und verschwindet. Ihm tut der Herr von Borkenfeld spontan leid. Wenn so etwas Cassandra passieren würde, wäre das auch ganz schlimm.

    Dass die Hecken verflucht sind, erfüllt ihn dagegen mit leisem Unbehagen, erst recht, als er hört, was mit jenen geschah, die in den letzten drei Tagen hinein gingen. Das klingt ja noch schlimmer als das, was den armen Leuten in Irdenhag geschah, und die waren schon arg gebeutelt gewesen.


    Und in zwei Tagen soll der Traviabund geschlossen werden ... Unwillkürlich bekommt Jonas' Gesicht einen träumenden Kalbsgesichtausdruck, als er wieder einmal an Cassandra denkt und sich fragt, wann wohl ihr Traviabund sein wird, und dann wandern seine Gedanken dahin, wie schlimm es wäre, wenn sie zwei Tage vorher in so einem verfluchten Hecken-Labi-Dingsda verschwinden würde. Schrecklich!


    Seine Kaubewegungen auf dem letzten Rest Brot, mit dem er gerade noch die Schale ausgewischt hat, werden langsamer. Eigentlich sollte er zusehen, wieder auf die Straße zu kommen. Der Aufenthalt in Andergast war schon länger als geplant. Und wenn er selber eine Schweineschnauze bekommt, wie würde das Cassandra finden oder die Mannschaft der Diamant-C, oder, ihr Götter, was würde seine Mutter sagen? So was möchte er nun wahrlich nicht.

    Er erinnert sich aber auch, dass die Sache in Irdenhag auch nicht ganz so schlimm war, obwohl, irgendwie war sie es doch gewesen, nur anders, also schon unheimlich, aber eben nicht so, sonder anders, und wie sich die Leute gefreut hatten, dass sie nun wieder in Ruhe leben konnten, und wie sich auch andere Dinge zum Guten verändert hatten, das war nun wahrlich schön gewesen. Und der Tag des Bundes soll in zwei Tagen sein ...und Personen, die bald heiraten wollen, erwischen zur Zeit bei Jonas ganz bestimmt immer einen besonders weichen Punkt.

    Aber Schweineschnauzen und Hasenohren? Verfluchten Hecken? Das klingt schon bedenklich.


    "Und", erkundigt er sich mit noch nicht ganz leerem Mund, "was haben diese Leute gesagt, was ihnen widerfahren is' in den Hecken?"

  • Ilke und Nolle – Schurken der Landstraße


    Glück im Unglück, dachte sich Nolle, als er wider Erwarten Gareth an jenem Tage nicht allein verlassen musste. Ilke hatte er zwar bei der Planung nicht so oft gesehen, da waren eher Yann und der Bär seine Ansprechpartner, aber es fiel ihm ein Stein vom Herzen, zumindest ein bekanntes Gesicht bei sich zu haben. Ein Stück Heimat, so ungefähr fühlte es sich an, außerdem ist ein Weg nur halb so weit, wenn man sich unterwegs unterhalten kann.


    Hasenohr wiederzusehen, ihn so wiederzusehen, und erst die Kröte, hatte ihn zwar ziemlich erschrocken, aber Ilke ist ziemlich ruhig geblieben, und da er sich vor ihr schließlich keine Blöße geben will, tut er es ihr gleich, auch wenn ihm nicht wohl dabei ist. Und… "Fünf Dukaten? Jeden Preis, meinste?" So wild konnte die Sache mit der Hecke doch wohl nicht sein. In den Vorgärten der Weststadt hat er schon oft Hecken gesehen, da kommt man doch einfach drüber. Auffordernd sieht er zu Ilke. Etwas Weggeld können sie sicherlich brauchen.

  • Ilke und Nolle – Schurken der Landstraße


    Mehr als "Du auch?" fiel Ilke nicht ein, als ihr Nolle so mir nichts dir nichts auf der Landstraße vor die Füße lief. Immerhin ging es von da an lustiger und abwechslungsreich zu. Aber anfassen is nich! Zum Glück für alle versuchte es Nolle gar nicht erst. Und jetzt war man irgendwo im Reichsforst, vor dem die Grossmutter schon gewarnt hatte. Das war, bevor Ilke ....., aber das ist eine andere Geschichte. Immerhin hatte Ilke das Hühnerstehlen nicht verlernt, denn im Wald Jagen, das war überhaupt nicht ihre Sache.


    "Aaaaaaaalter Nivese! Was ist denn mit Dir passiert?" Das war eine ziemlich dumme Frage an ihren Bekannten, aber wenn man einen Menschen mit Hasenohren und Schweineschnauze sieht, ist es noch nicht das Dümmste. Das mit den fünf Dukaten klang niederhöllisch gut, das mit dem verzweifelten Bräutigam sogar noch besser. Und immerhin, wer an einer Aufgabe scheitert und verrät, wieso, hilft einem schon mal gut weiter. Also wirft Ilke Nolle einen vielsagenden Blick zu. Also ja die Hecke nicht mit der Axt angreifen. Dann stimmte wahrscheinlich auch das, was die Grossmutter erzählt hatte..... "Schauen wir doch mal vorbei....." nimmt Ilke Nolles wortlosen Vorschlag auf und zwinkert ihm lustig zu.

  • Gesindeküche


    Dass er erst einmal wenig beachtet und in doppelten Wortsinne abgespeist wurde, machte dem merkwürdigen jungen Mann in diesem Fall überhaupt nichts aus. Im Gegenteil sogar. Er hatte schon früh in seinem Leben feststellen müssen, dass es leichter war, sich etwas Spaßiges auszudenken, wenn der Magen nicht immer so laut dazwischen knurrte, dass man seine eigenen Gedanken nicht mehr verstand. Und wenn man noch dazu zu einem leckeren Essen auch noch eine spannende Geschichte geboten bekam, was wollte man mehr? Nur einmal meldete er sich zu Wort. Als Jonas auf seine Kleidung starrte, kommentierte er das mit einem gleichsam strahlendem wie stolzem: "Toll, was? Habe ich selbst genäht. Nach einem eigenen Entwurf!"


    Danach hört man erst wieder etwas von ihm, nachdem die Geschichte geendet hat. Laut klatscht er in die Hände und juchzt: "Ein fabulöses Labyrinth! Hasenohren und Schweineschnauzen! Das hätte ich auch gerne! Also zumindest die Hasenohren. Ich mag Hasen. Die sind klein, kuschlig und mögen Karotten genauso gerne wie ich! Da muss ich unbedingt hin!" Tatendurstig springt er auf. "Wer kommt mit auf Brautsuche? Wie ist es mit dir?" Er schaut Jonas an. "Bereit, ein Held zu werden? Hasenfuß oder Hasenohr? Die Antwort auf diese Frage wird dein Leben verändern! Dein weiteres Schicksal entscheidet sich! Nur jetzt! Nur hier! In unserem einmaligen Heckenlabyrinth! Der Eintritt ist frei! Kommen Sie! Sehen Sie! Staunen Sie!" Enthusiastischer kann auch ein Jahrmarktsschreier nicht sein. Der junge Mann macht das wahrscheinlich nicht zum ersten Mal. Er wirbelt noch ein paar Mal herum und blickt dann wieder Jonas mit großen - und rein figürlichen - Hundeaugen an. "Na?"

  • Gesindeküche


    Die plötzliche Begeisterung und das Übermaß, in der der andere sie ausdrückt, noch bevor die Köchin auf seine Frage antworten kann, kommen für Jonas völlig überraschend. Fast verschluckt er sich an den letzten Resten des Brotes mit Eintopfresten, und er muss sich erst den Hals frei räuspern, während er sein Gegenüber etwas baff anstarrt.

    Er hat keine Ahnung, was ein fabulöses Labü-Dingsda sein soll, aber bei den Hasenohren und Schweineschnauzen ist er sich sicher, dass das etwas ist, das er in niemanden Gesichtes wünscht, auch nicht in sein eigenes.

    Auch wenn er ja ohnehin tatsächlich darüber nachdenkt, sich anzubieten, so eine verschwundene Braut ist schon übel. Aber vorher möchte er schon etwas mehr wissen. "Ich mag Hasen- und Schweinebraten, möchte aber selber keine Hasenohren oder Schweineschnauzen haben. Daher möcht' ich vorher gerne wissen, was denn diese Leute erzählt haben, nachdem sie da rein gegangen sind. Und was so ein Labü- äh, rind überhaupt is'."

  • Gesindeküche - Jonas und Glurgs


    "Na, nur snak ma kein dumm tüch", fährt die Köchin Glurgs an, während die Küchenhilfe einen erschrockenen Gesichtsausdruck aufsetzt, der in etwa bedeutet: Was haben wir denn in die Suppe getan? "Doa hast noch an Schlag!" fügt die resolute Köchin hinzu und haut Glurgs noch eine Kelle auf den Teller. "Und iss! Hier gibts keine Helden nich, also red nich. Labürint?" greift sie Jonas` Frage auf, die die Küchenhilfe etwas eingeschüchtert angesichts Glurgs Feuerwerk beantwortet: "Das is doch, wenn die Wege so verschlungen sind und man nicht sieht, wie man wieder herauskommt. Ich hab mal ein Buch über so was gelesen, da war ein Mädchen mit einem Faden ..." (leiser werdend, weil der Blick der Köchin nun deutlich sagt: Fang Du nicht auch noch an!). "Völlig plemplem!" schüttelt die Köchin das nicht kluge, aber vielleicht weise Haupt, und meint damit jetzt Glurgs. "Und die wo zurück kimma sind, die sind auf und davon. Da hat keiner mehr was sagt, wie er die Ohren und die Schnauze kriegt hat. Sicher eine Fee ..." Und die Köchin ergießt sich in eine blutrünstige Sage über diese Königstocher, die schlafend in einem Turm verbrachte, bis sie von den Ratten aufgefressen wurde, oder bis sie der Prinz, der sie suchte, versehentlich erschlagen hat, weil er dachte, sie wär eine andere, oder hat er ihr beigewohnt, als sie noch geschlafen hat? Mit dem Ende ist sich die Köchin nicht mehr so sicher, aber die Küchenhilfe hängt mit großen Augen an ihren Lippen. Glurgs ist schon wieder halb vergessen.


    Am Gut Borkenfeld - Ilke und Nolle


    ... zwei Meilen später. Da liegt das kleine Landgut. Mitten in den Wäldern, eingesprenkelt die grünenden und blühenden Äcker und Felder. Das Land scheint gesegnet. Vom Hauptweg zweigt ein Karrenweg nach rechts in den Wald ab, und ein Holzschild an einem Pfahl weist den Weg: "Gut Borkenfeld". Darunter wurde kürzlich ein den Betrachter anschauender Hamster mit dicken Backen gepinselt. Das Gut selbst ist leidlich gepflegt, elaboriert, umgeben von einer Mauer aus Feldsteinen, dahinter einige Steingebäude, gackernde Hühner und schnatternde Gänse, und außer diesen lauten Mägden auch das echte Federvieh, das frei zwischen Gebäuden, Brunnen, Gerätschaften und Bäumen herumläuft.

  • Am Gut Borkenfeld - Ilke und Nolle


    "G ..... u .....t .... Gut .... B... orken... feld .... Gut Borkenfeld," fasst Ilke ihre mühsame Buchstabiererei zusammen. "Wir sind da!" Ilke schaut Nolle triumphierend an. "Jetzt bin ich ja mal gespannt, ob es hier was zu holen geht. Nur dieser Hamster ist irgendwie komisch. Wer meisselt sich denn einen Hamster in sein Tor, mal ernsthaft? Na, egal....." Mit all den lauten Mägden fühlt sich Ilke schon bedeutend wohler als im stillen Wald. Die junge Herumtreiberin nimmt den Federhut an. "Die Zwölfe zum Grusse.... Wir möchten gerne den Herrn des Gutes sprechen. Wir haben gehört, er hat da ein klitzekleines Problem ..... wegen einer Hecke in seinem Garten...." Das zu sagen, hört sich irgendwie merkwürdig an, wir sind ja keine Gärtner. Darum ergänzt Ilke: "Wir sind überzeugt, dass wir Eurem Herrn helfen können, darum ..... wo finden wir ihn und können wir ihn bitte sprechen?"

  • Gesindeküche - Jonas und Glurgs


    "Schlag?" Glurgs zuckt zusammen, kauert sich hin und jammert theatralisch. "Nicht schlagen. Bitte, bitte nicht schlagen. Ich will auch ein ganz braver Junge sein. Ehrlich!" Wobei das Problem wohl eher im Unterschied aus Wollen und Können bestand, aber das wäre ein anderes Thema. Dann erhebt er sich wieder grinsend und löffelt auch noch die Zusatzportion des Eintopfs aus. Wer weiß, wann man das nächste Mal etwas bekommt. Immer stellt ihn das wieder für einige Zeit ruhig. Zumindest die Höflichkeit, nicht mit vollem Mund zu sprechen, hat ihm wohl irgendjemand beigebracht. Als Teller und Mund wieder leer sind, macht er ein betrübtes Gesicht. "Also Eure erste Geschichte hat mir besser gefallen. Ich gehe in das Labyrinth und nicht zu den Ratten und der unheimlichen Prinzessin. Was ist da eigentlich zuerst passiert? Wurde sie erst angeknabbert, dann erschlagen und dann bei ihr gewohnt oder umgekehrt?"

  • Am Gut Borkenfeld - Ilke und Nolle


    Bei dem "Wir sind da!" ist Nolle erst beim T. Anmerken lässt er sich das natürlich nicht. "Vielleicht ein Wappentier oder sowas?" Ja, da spricht der Heraldik-Kenner. Nicht. Als Ilke die Mägde zutritt, beschränkt er sich darauf, vertrauensvoll auszusehen und freundlich zu nicken. Da kommt ihm eine Idee. Sind das vielleicht gar keine Hamster, sondern Füchse? Verstohlen sieht er sich nochmal nach dem Schild um. Wenn man die Augen etwas zusammenkneift, dann vielleicht… das wäre doch mal ein gutes Omen!

  • Gesindeküche - Jonas und Glurgs


    Auf ihn antworten dieser andere Bursche nicht, was aber auch an dem frisch gefüllten Teller und dem Anraunzer liegen kann. Dass die Küchengehilfin Bücher lesen kann, lässt Jonas noch mal große Augen machen. Aber immerhin wird erklärt, was ein Labürind ist (keine Rinderart, das war ihm klar, und was mit diesen Hecken zu tun haben).

    Schade, dass die Leute mit Hasenohren nichts mehr gesagt haben. Das wäre ja recht wichtig, wenn er da wirklich reingehen sollte. Reingehen ... ob er in dieses Labürind der Hecken auch reiten kann? Obwohl, Pinky mit Hasenohren möchte er eigentlich ebenso wenig riskieren wie seine eigenen Ohren. Aber einen besseren Überblick gibt es vielleicht, und vielleicht kommt er da im Zweifelsfall auch schneller weg.

    Die Braut ist da drin verschwunden, das ist eine echt traurige Sache. Sinnierend starrt Jonas in die leere Schüssel vor sich auf dem Tisch. Soll er oder soll er nicht? Er hat ja schon aufregende Dinge erlebt. Nachgerade gefährlich und unheimlich waren sie, und immer ist alles gut ausgegangen. Das wär' schon 'ne tolle Geschichte mehr zu Hause, und die Mannschaft würd' groß gucken. Kann ja auch nicht nach Hause reiten und erzählen, da wär' einem die Braut verschwunden, und er, Jonas, einfach weiter geritten. Auch wenn die Schweineschnauzen und Hasenohren ihm immer noch zu schaffen machen. Die Vorstellung ist nämlich auch schrecklich.

    Immerhin bekommt er so die nächste Geschichte nur mit halben Ohr mit, was auch besser ist, ist sie doch eine gar nicht schöne Geschichte.

    Mit dem Löffel kratzt er ein Spuren in die Überreste der fast völlig mit dem Brot ausgewischte Schüssel, während die Worte der Köchin an seinem Ohr mehr oder weniger vorbei plätschern, eben so wie die Fragen des anderen Burschen.

    Rein oder nicht rein. Das ist hier die Frage. Bisschen neugierig ist er ja schon, was so ein Hecken-Labürind ist, und warum die Braut dahin und nicht weg ist, und was den anderen Leuten da passiert ist. Nun, darauf ist er vielleicht nicht so neugierig. Aber sonst ... angenommen, das wäre Cassandra? Dann wär' er rein wie 'n Blitz. Warum ist der Bräutigam nicht hinterher?

    "Warum is' denn der Gutsherr nicht hingegangen?", erkundigt er sich spontan bei dem Gedanken.

  • Gut Borkenfeld - Ilke und Nolle


    Bei dem Tier ist sich Nolle sehr sicher, dass es entweder wirklich einen Hamster darstellt, weil er solche Tiere schon selbst gesehen hat, oder dem Fuchs sind die Backen aufgepustet und die Ohren gemein gekürzt worden. Oder der Künstler hat selbst noch nie einen Fuchs gesehen, was in dieser Einöde durchaus sein kann. "Meißele er mir einen Fuchs!", und herauskam ... eben das hier.


    Das Schnattern und Gackern der Hühner und Gänse - der menschlichen - schaukelt sich zur Kakophonie hoch, als Ilke und Nolle auftauchen und Ilke ihre "Aufwartung" macht. Die Mägde lassen ihre Arbeit Arbeit sein und lachen und prusten kreischen vor Vergnügen. "Ihr? Ihr wollt...? Hahahahaha! Hihihihihihi! Huhuhu! Booooooockboooooockbooooooock! Ja sicher!" Einige haben schon Tränen in den Augen und Bauchweh. "Geht nur da hinein!" Eine der Mägde hat sich etwas eingekriegt und deutet auf eine doppelflügelige Tür im Haupthaus, zu der links und rechts eine Treppe hinaufführt und über der,man glaubt es kaum, ein steinerner Schild wieder diesen ... dieses pausbäckige Tier zeigt, hier jedoch mit besonders bedrohlichem Gesichtsausdruck, was das Erscheinungsbild sogar noch komischer wirken lässt als ohnehin schon:


    https://www.deviantart.com/shricka/art/Hamster-472375550


    "Jaaaaa genau, der Herr hat nur auf euch gewartet! Echte Helden!" Gacker Wieher Kreisch Schnatter Lach. Kein sehr ermutigender Empfang ...



    Gesindeküche - Jonas und Glurgs


    "Ja, Herrschaftszeiten noch mal, was weiß denn ich?" Die Köchin wirft auf Glurgs Fragen wild die Hände in die Höhe. "Erst erschlagen oder von den Ratten gefressen, dann ..." an der Stelle hält sie der Küchenhilfe die Ohren zu "... beigewohnt, oder andersherum! Ich bin ja nicht dabei gewesen, aber ein schönes Ende hat es nicht genommen. Und jetzt iss, sonst schlag ich Dich wirklich, Dummkopf in bunten Kleidern." Die enttäuschte Küchenhilfe kann endlich wieder hören, traut sich aber einstweilen keine Antwort mehr, sondern rührt zum Schein in irgendeinem Topf, hört aber noch weiter zu. "Wieso der Herr nicht selbst geht?" Die Köchin dreht verwundert die Augen, als sei die ganze Welt verrückt worden. "Er ist doch der Herr, so dumm ist er ganz sicher nicht. Stellt Euch nur mal vor, ein Herr, der in eine Kröte verwandelt wird? Ach, das hatte ich noch gar nicht gesagt? Der eine, der zur Hecke geschickt wurde, kam als Kröte wieder zurück. Wer will schon so enden?"



    Ein unscheinbares Gartentor - Feruzef


    Dem Mann aus dem Süden lag das seitliche Gartentor näher, als der direkte Weg zum Gut - selbstverständlich nur, um sich mal umzuschauen, nichts Illegales oder in der Art. "Gut Borkenfeld". Die Namen im Süden waren, jedenfalls für derartige Landgüter, eindeutig blumiger und farbenfroher. Das Gartentor quietschte ein wenig, aber es schien nicht so, als ob das jemand hören würde. Der Garten selbst lag ruhig und still und friedlich da. Etwas verwildert, aber ein plätschender Brunnen war da, dem nur noch der Frosch mit Krone fehlte, hohes Gras, das wohl länger nicht mehr geschnitten worden war, und dann diese gewaltige Heckenanlage. Ganz gewiss fünfzig mal fünfzig Schritt groß, also wirklich groß, und wenigstens vier Schritt hoch. Täuschte das, oder beobachte die Hecke Feruzef, als ob Augen darin wüchsen? Auf jeden Fall wurde er beobachtet. "Ich an Deiner Stelle würde da nicht reingehen!" sagte eine tiefe, ältere Stimme. Ein älterer Gärtner stand da, sehr ernst, gestützt auf seine Harke, mit Strohhut und in Drillichhosen, gerade noch heimlich, still und leise die Schnapsflasche in der Tasche verschwinden lassend. "Da ist noch keiner nie nich wieder so rausgekommen, wie er hereingegangen is! Die Frau vom Herrn ist auch da drin, und ich glaub, die kommt auch nimmer da raus. ... Wer bistn du eigentlich und was machst hier im Garten?" fällt dem Gärtner die - naheliegendere - Frage ein.

  • Gesindeküche - Jonas und Glurgs


    Jonas schluckt heftig. In eine Kröte verwandelt? Ja, wer will schon so enden. Er nicht.

    Und der Gutsherr geht nicht selber rein. Sicher, der Ritter oder Rinderbaron muss nicht alles machen. Aber es ist doch seine Braut. Die Lieder erzählen von Prinzessinnen, die ihre Prinzen retten, und nicht Söldnerinnen losschicken, ihren Prinzen zu retten.

    Aber vielleicht ist das auch nur in Weiden so. Schon in der Andergast fand Jonas Ritter sehr merkwürdig. Zumindest den einen, den er traf. Der wäre aber auch schon längst auf dem Weg in das Labürind. Mit ... was auf den Lippen? Was sagte er noch mal immer? Ach ja: 'Ich folge den Geboten Rondras, und streite gegen Räuberpack, Orkenvolk, und nostrische Salzarelen!'

    Ja, der kleine Ritter würde da sofort hinein gehen. Und wo Andraus hinging, auch wenn er ein Ritter war, dürfte Jonas nicht fehlen, einfach ... nun, weil, eben. Wer möchte schon gerne nein Feigling sein, wenn er schon aufregende Dinge bestanden hat. Und sich dabei so gut fühlte.

    Wer möchte allerdings eine Kröte sein, Hasenohren oder Schweinenschnauzen bekommen? Ihr Götter, ist das schwierig!

    So befindet er sich innerlich genau auf der Kante, mal zu gehen sich zuneigend, dann wieder vor möglichen Verfluchungen zurückschreckend.

  • Gut Borkenfeld - Ilke und Nolle


    Jetzt fühlt sich Ilke gar nicht mehr so wohl unter all diesen Schnepfen und ähnlichem Federvieh..... Sie zieht ein beleidigtes Gesicht und setzt ihren Hut erst einmal wieder auf. "Ihr werdet schon sehen," entgegnet sie trotzig und marschiert entschlossen auf das Doppelportal mit dem Hamsterschild zu. Hamster, überall Hamster...... "Nolle, kommst Du?" Am Tor klopft sie gar nicht erst, sondern geht einfach hinein. Und drinnen sucht sie gleich nach jemandem, der erstens freundlicher ist und zweitens mehr weiß.

  • Gesindeküche - Jonas und Glurgs


    Glurgs zuckt mit den Schultern. "Seht Ihr, deshalb gehe ich in das Heckenlabyrinth. Denn ich möchte dabei sein", gibt er kund, eher er seine Schale nimmt und sie ausleckt. Nach kurzer Zeit hält er inne, denn ihm ist bereits die nächste Frage eingefallen. Er zeigt auf die Küchenhilfe. "Warum darf sie eigentlich nicht hören, wenn der Prinz bei der Prinzessin wohnt? Ist doch ganz normal. Ich habe mehr Leute getroffen, die beisammen wohnen als solche, die alleine wohnen."

  • Ein unscheinbares Gartentor - Feruzef

    "Ahh die Zwölfe zum Gruße Meister der Bäume und Pfleger der Gewächse. Möge euch Peraine einen grünen Daumen schenken. Wie habt ihr das gerade gemeint? In dem Labyrinth steckt die Braut fest und kommt nicht mehr heraus? ABer wieso das bei Feqzens Gnade? So groß ist die Hecke doch nun auch nicht..."

    Feruzef lächelt freundlich bei der Antwort und wirkt auch ehrlich interessiert. Interessant. Eine Hochzeit und die Braut ist verschwunden. Damit muss sich doch etwas anstellen lassen...

    Fear cuts deeper than swords.

  • Gut Borkenfeld - Ilke und Nolle


    Nolle beäugt noch konzentriert das Hamsterschild, als Ilke ihn anspricht. "Hm, was? Ja, ich komm schon." Er folgt ihr bis zur Tür, bleibt aber an der Schwelle stehen. "Willste wirklich einfach reingehn? Ich mein…" Es ist doch noch hell draußen, hätte er fast gesagt. "Das sind Hamster, oder?" fragt er dann zur Sicherheit.

  • Gesindeküche - Jonas und Glurgs


    "Beiwohnen?" Nun hat die Küchenhilfe doch dies unschickliche Wort aufgegriffen, und ihre Augen sind erstaunt auf den bunten Glurgs gerichtet. "Das bedeutet nicht zusammen wohnen, sondern ..." Was sie jetzt sagen wollte, erstickt die forsche Hand der Köchin. "Solche Reden führen wir hier nicht. Wenn Ihr in das Labürind aus Hecken gehen wollt, na bitteschön. Ich glaube, der junge Bursche hier", sie meint jetzt Jonas, "ist sicher klüger." Die Küchenhilfe ist wieder frei und stürzt sich mit rotem Gesicht in die Arbeit. "Und wenn Ihr wirklich da hinein wollt, müsst Ihr aber erst mit dem Herrn sprechen. Na, noch an Schnapserl?" fragt sie Jonas, und klingt dabei schon wieder ganz mütterlich - wenn denn Mütter Schnaps verteilen würden.


    Gut Borkenfeld - Ilke und Nolle


    Das Gekicher und Gekreische verfolgt euch noch eine Weile, dann steht zumindest Ilke in der Eingangshalle, von der aus eine Treppe nach oben und links und rechts und geradeaus Flure weiterführen. Ein sehr servil aussehender Mann steht da in der Halle, weißhaarig und kein bisschen gutgelaunt. "Ja, bitte? Hausierer mögen wir hier aber gar nicht ... Und vom Anklopfen habt ihr wohl auch noch nichts gehört?!" Die Augen wandern an Ilke und Nolle auf und ab und messen Aussehen und Kleidung.

  • Gesindeküche - Jonas und Glurgs


    "Ähm ..."

    Jonas' Mutter hat sicherlich Schnaps im Haus - für sich und ihren Mann, an kalten Wintertagen oder wenn mal jemand ganz nass an kalten Tagen heimkehrte, oder für bestimmte Anlässe wie Feiertage. Ihr Jüngster zählte da nicht zu, jedenfalls nicht zu dem Zeitpunkt, als Jonas seine Sachen packte und in das Mannschaftshaus der Diamant-C zog. In Baliho allerdings gehört so ein Schnaps durchaus schon mal zu einem zünftigen Abend. Behaupteten die anderen. Jonas findet so einen Bärentod einfach nur scharf, und er fand es nicht gut, wenn die anderen lachten, wenn er sich an dem Zeug verschluckte.

    Des anderen Burschen Entschlossenheit gab Jonas gerade den nötigen Stupser, sich dafür zu entschließen, als die Köchin mit der erwähnten Klugheit ihn wieder sinngemäß etwas zurück schubste.

    In einem ist er sich jedoch sicher: "Nein, danke, kein Schnapserl für mich!"

  • Gesindeküche - Jonas und Glurgs


    "Ach, nicht?" Glurgs macht große Augen. "Zusammen wohnen ist aber was Schönes. Na ja, ich finde schon heraus, was beiwohnen bedeutet. Notfalls erklärt es mir mein Beschützer." Er stellt gerade die ausgeleckte Schüssel wieder hin, als eine tiefe Stimme aus dem Nichts ertönt: "Sie meint schnackseln."


    "Ah ja. Vielen Dank", bedankt sich Glurgs artig. "Und darüber darf man hier nicht reden? Komisch. Ist doch wichtig. Immerhin kommen die Kinder davon. Ich mag Kinder. Die sind oft wie ich. Oder zumindest mehr wie ich als die Erwachsenen", grinst er und wendet sich dem entscheidungsschwachen Jonas zu. "Das mit dem Labyrinth hat doch nichts mit Klugheit zu tun. Sondern mit Abenteuer und Heldenmut. Außerdem, was kann im schlimmsten Fall schon passieren? Dass wir herauskommen und keine Hasenohren haben. Und falls wir selbst darin verloren gehen, kommt bestimmt ein schneidiger Rittersmann oder eine hübsche Prinzessin und rettet uns da heraus."


    Zum Schluss versucht er sich - sogar mit einigermaßen guten Erfolg - an einem ernsten Gesicht. "Ist ja nicht so als würde man tot oder schwer verwundet da heraus kommen. Dann wäre mir das auch zu gefährlich."