Kapitel XII: Rausch der Ewigkeit

  • 12. Kapitel: Rausch der Ewigkeit



    (Sitzung vom 13.5.2017)
    21. Phex 28 Hal, Drakonia



    Ich übergab Eilif ein Schreiben von mir, in dem ich bestätigte, dass sie und unsere ungewöhnliche Truppe freies Geleit erhalten sollten, da sie Freiwillige für die Schlacht an der Ogermauer wären, unterschrieb als Ritterin des Reiches wie auch als Erste Gezeichnete und siegelte es.

    Da ich niemanden hatte, der mir seine Astralkraft zur Verfügung stellen konnte, rief Ghosif über mich einen Dschinn der Luft mittels meiner Lebenskraft, was mich doch sehr erschöpfte.
    Dafür sah ich wieder einmal fern unter mir schnell den Boden dahinfliegen, als ich einen halben Tag lang gen Raschtulswall flog und dann über und zwischen seinen Bergen hinweg.
    Ich überflog diese Tausende von Stufen und dann das mir vertraute Plateau mit den Tieren und Feen und dem gigantischen Bau der jetzigen Magierakademie, darüber einige Drachen fliegend. Die pure elementare Reinheit.

    Die Wächterdschinne im riesigen Tor und den Wänden zeigten ihre Anwesenheit und ihr Wissen um unsere Annäherung an, in dem Metall aufglänzte, Feuer loderte und vermutlich auch Windböen aufkamen. Doch deuteten sie nicht an, dass das Nähern meines Dschinns ihnen nicht genehm war, und so flog ich über die Mauer hinweg und landete im gewaltigen Innenhof nahe des Pallas.
    Ich bedankte mich bei ihm und er flog davon.

    Diesmal kam mir keine Gesandtschaft von 12 Elementaristen entgegen, sondern nur Pyriander Di’Ariarchos, der mich freundlich begrüßte.
    Wie sich zeigte, war ich die letzte auf die gewartet wurde, Dela samt Coris, Firudan, Velea, Ullachan, Sefira, Messana und Raidri Conchobair, der Siebenstreich keinen Herzschlag lang ablegte, doch seine Enduriumschwerter nicht mehr trug, waren teilweise schon seit einigen Tagen anwesend. Das Kind Lira, die Kappe Rohals tragend, war samt seiner Mutter Yasinthe ebenfalls noch anwesend.
    Ich begrüßte sie kurz, nachdem mir ein Zimmer gewiesen und ich mein Gepäck abgestellt hatte, in einem Raum, der überall anders ein Saal wäre, auf Drakonia aber zu den kleineren gehörte.
    Dann fragte ich Di’Ariarchos, warum wir alle hergerufen worden waren, und worauf die anderen, wie ich ihren Blicken entnahm, seit ihrer Ankunft gewartet hatten.

    Wäre das nicht offensichtlich?, erwiderte er. Es gäbe sieben Zeichen, aber nur sechs Gezeichnete, nur sechs Zeichen seien gefunden.
    Ich nickte. Über das sechste Zeichen, warf ich ein, hätte ich eine Information: Es wäre vermutlich mit den Trollen assoziiert.

    Nun nickte er, etwas unangenehm überrascht wirkend. Das hätten sie auch herausgefunden, sagte er. Den Blicken meiner Gefährten entnahm ich, dass dies allein als Kundgabe wohl die beschwerliche Anreise (sie waren bis auf Messana, die sich von einem Dschinn hatte abholen lassen, zu Fuß gekommen, erfuhr ich) ihnen nicht wert gewesen wäre.

    Vor etwa einem halben Götterlauf war der Nivesenschamane Kailäkinnen nach Drakonia gekommen, erzählte er aber weiter, und hatte mit Lira den Berg Amul Dschadra bestiegen. Er war danach wieder abgereist und weder er noch Lira hatten davon gesprochen, ob und was sie gefunden haben mochten.

    Kailäkinnen war mir ein Begriff, er war auf dem Magierkonvent gewesen, war danach aber nicht nach Drakonia gekommen. Dass er relativ kurz danach trotzdem gekommen war, verwunderte mich. Was er wohl in der Zeit getan hatte? In seine Heimat zurückzukehren und dann hierher zu kommen wäre zeitlich schon etwas eng gewesen. Der alte Mann … sicherlich war er nicht zu Fuß hier herauf gestiegen.
    Wir schauten alle zu Lira, mit der stillen Frage, ob sie nun etwas darüber sagen wollte. Doch sie lächelte nur abwesend.
    Vor vier Madamalläufen hätte Lira Hinweise in alten Glyphen gefunden, fuhr Di’Ariarchos fort, dass der Berg Amul Dschadra am Ende des Gigantenkrieges von Ingerimm aus dem Leib seines Bruders Rashdul geschmiedet worden war.
    Ich fragte nach einer genauen Übersetzung und er sagte, die würde er mir zukommen lassen.
    Lira sei danach noch einmal auf den Amul Dschadra gestiegen, aber habe wieder nicht darüber gesprochen.
    Wieder wanderten einige Blicke zu dem Kind, und diesmal ergriff sie das Wort.
    Sie wisse nicht, warum sie zum Berg gegangen war, aber sie sei sich sicher, dass er jagen wolle.
    Ein jagen wollender Berg? Ich grübelte über die Formulierung. Auch die anderen schauten fragend drein oder äußerten ihr Erstaunen über diese Bezeichnung.
    Lira wunderte sich eher über unser Unverständnis. Die entscheidende Schlacht nahe, das mögliche Ende der Welt, natürlich wolle er jagen. Jagen denn Berge nicht?, fragte sie uns.
    Unisono antworteten wir mit einem „Nein“.
    Di’Ariarchos meinte, vielleicht sei der Amul Dschadra nur eine Versinnbildlichung, eine Waffe, oder ein erzelementares Wesen, so seine mögliche Vermutungen.
    Waffe? Mir fiel etwas ein. Da war doch was mit einer Lanze in den Orakelsprüchen gewesen? Auf jeden Fall standen da die Bezeichnungen „geflügeltes Geschoss“ und „geflügelter Berg“ in ihnen und den Prophezeiungen des Nostria Thamos.
    Ich bat, kurz auf mich zu warten, und holte eilig das Buch, in das ich die Sprüche und meine Überlegungen dazu geschrieben hatte. Ich las die beiden entsprechenden Passagen laut vor. ‚Dem Grauen der Götter‘, sagte ich, klänge grammatikalisch nicht eindeutig. Es könnte sich auf das Grauen der Götter, also Gräuel oder Schrecken, beziehen, oder auf den Grauen der Götter, und Phex werde so auch genannt, der Graue.
    Hm … nach allem, was wir wissen, ist ER der Enkel Phexens …
    Was hatte Di’Ariarchos gesagt, vielleicht eine Waffe? ‚Zur Letzten Waffe‘ greifen, was wie eine feste Bezeichnung klingt, und ‚Sein Zeichen wird sein die Lanze‘, und Dschadra ist die tulamidische oder novadische Reiterlanze oder -speer. ‚Amul‘ stammt ebenfalls aus dem Tulamidischen und heißt so viel wie Rätsel, geheimes/magisches Zeichen, Schutzzeichen, Amulett.
    Ich spürte Aufregung in mir aufsteigen. Jetzt glaubte ich, dass wir dem Sechsten Zeichen wahrlich auf der Spur sind!
    Pardona war es jedenfalls nicht, das war ja eine frühere Vermutung von mir gewesen. Das Zeichen war gut möglich mit den Trollen verbunden, und die Schlacht sollte an der Trollpforte stattfinden. Da passt so einiges zum anderen.
    Aber, meinte ich ebenfalls, seltsam sei es schon, alle Zeichen seien bislang ihrer Nummerierung nach erschienen und vergeben worden, nur das siebte war vor den vor dem sechsten erschienen.

    Blieb die Frage, was wir tun sollten. Zum Berge gehen, schlug unser Siebter Gezeichneter vor. Ich wollte schon meine volle Zustimmung dazu ausdrücken, Di’Ariarchos winkte jedoch ab. Er glaube nicht, dass etwas herauszufinden sein, was über Liras Erkenntnisse oder andere hinaus ginge.
    Denn der Trollschamane Krallerwatsch hatte bereits vor 400 Götterläufen den Berg bestiegen, aber was er (oder ob er etwas) fand, sei nicht überliefert. Wenn es etwa sehr Wichtiges dort gäbe, hätten Lira oder einer der anderen das wohl gesagt.
    Einen Krallerwatsch kannten wir, ob das der gleiche war?, fragten wir uns. Trolle können bis zu 500 Götterläufen alt werden, wusste Di’Ariarchos. Ullachan konnte beisteuern, dass die Schamanen der Trolle ihren Namen stets wechselweise weiter geben. Unser Krallerwatsch wäre damit der Enkel eines anderen Krallerwatsch und so fort.
    Als wir ihn getroffen hatten, hatten wir ihn gefragt, wo er lebt. Nicht im Raschtulswall, nicht in den Trollzacken, nicht in den Sicheln, aber in einem Gebirge im Norden. Di’Ariarchos schlug vor, in den Trollzacken nach Krallerwatsch zu fragen, vielleicht wusste man dort, wo er zu finden war. Wie Messana jedoch hinwies, hatten wir wenig Zeit, nach diesem Krallerwatsch zu suchen, denn die Schlacht sollte in zwei Monden stattfinden.
    Firudan wusste, dass in einer Baronie südlich der Trollzacken ein Troll Baron war, Strutzz, der zwischen Menschen und Trollen vermittelt. Vielleicht würde der uns helfen können.
    Glückssache, fand Di’Ariarchos, aber einen Versuch wert.
    Ausgesprochen trocken merkte Dela da an, der Aufstieg sei recht lang gewesen.
    Ich hatte nicht gewusst, dass sie alle zu Fuß hatten kommen müssen. Fast, so wollte es mir scheinen, hätte man diese Informationen auch schriftlich schicken, statt uns siebenspannenlang hier hin marschieren zu lassen. Kein Wunder, dass unter der sachlichen Aussage ein leiser Vorwurf zu liegen schien. Der Feuerelementarist schien diesen aber gar nicht zu bemerken.
    Ich wies daraufhin hin, da Eile Not tat, würden wir einen Meister der Luft oder mehrere Dschinne benötigen. Er nickte, das wäre machbar.
    Einige hätten Pferde am Fuße der Berge zurück gelassen, sagte Messana, diese sollten zur Trollpforte gebracht werden.
    Auch das würde geschehen, sagte er. Da ich in der Zeit meines Aufenthalts einen gewissen Eindruck über die so weltabgewandt lebenden Magier gewonnen hatte, fügte ich hinzu, dass dies nicht per Dschinnentransport geschehen habe. Völlig perplex schaute mich die Spektabilität an. „Nicht?“
    Nein, erklärte Messana nachdrücklich, das sei zu hoch, zu schnell, ein Dschinn zu transparent. Pferde würden dort verängstigt werden. Seufzend willigte er ein, sie dann auf profane Art und Weise verbringen zu lassen.
    Wir sollten jedoch Lira mitnehmen, riet er an. Davon war Messana nicht überzeugt, sie sah das Kind lieber in Sicherheit bis zur Schlacht, aber er meinte, sie könne vielleicht hilfreich sein.
    Da wir das Zeichen und seinen möglichen Träger finden mussten, war das vielleicht gar nicht so verkehrt.
    Da fiel mir ein, dass die anderen Zeichen Zeit benötigt hatten, sich zu entwickeln und sich auf ihre Träger einzustimmen. Nun aber war genau diese Zeit nicht. Andererseits, Siebenstreich brauchte wohl keine Zeit. Tatsächlich wissen tat ich es nicht, denn über Siebenstreichs genaue Fähigkeiten wusste ich auch nichts.
    Messana riet, morgen aufzubrechen, die heutigen Stunden damit zu verbringen, uns auszuruhen und untereinander auszutauschen. Mir kam das entgegen, denn das Rufen des Schinns hatte meine Kräfte nicht unbeträchtlich aufgezehrt. Außerdem wollte ich wenigstens noch aus der Entfernung einen Blick auf den Amul Dschadra werfen, wenn das von der Festung ausmöglich war.
    Bevor Di’Ariarchos sich entfernte, fragte ich ihn noch, ob Pardona hier oben gewesen wäre, doch er verneinte.

  • Fortsetzung des Eintrages "21. Phex 28 Hal, Drakonia" (allerdings Sitzung vom 27.5.2017)


    Nun hatten wir Zeit, uns über die vergangenen Madamalläufe zu unterhalten, auch wenn das für Einige nicht das erste Berichten war. Ich erkundigte mich, ob alle erfolgreich gewesen waren, nachdem festgestellt wurde, dass außer Messana und mir alle zu Fuß hergekommen waren. Messana hatte bei dem Dschinn, der auch ihr die Botschaft mit der Einladung überbracht hatte, darum gebeten, man möge sie früh genug abholen, denn sie hatte in Ysilia noch viel zu tun und konnte die Zeit nicht missen. So war denn Siebenspannen später ein Dschinn der Luft erschienen, um sie abzuholen.


    Als erstes erzählte Dela. Auf ihrem Weg nach Thorwal hatte sie in Andergast-Stadt gehalten und der König hatte eingewilligt, doch bald darauf, erfuhr sie auf dem Rückweg, war er kurz nach seinem Thronfolger ermordet worden. Sie hatte daraufhin eine Audienz bei seinem anderen Sohn, der nun König war, erbeten, um sich zu vergewissern, dass ihre Abmachungen weiterhin Bestand hatten, besonders, weil den Thorwaler freies Durchgangsrecht durch Andergast gewährt worden war. Der neue König hatte bestätigt, dass die Abmachungen so bestehen bleiben würden, aber, wie Dela erzählte, so rechte traue sie seinem Wort nicht unbedingt.
    In Thorwal-Stadt hatte sie mit dem Hetmann der Hetleute gesprochen auch mit den Skalden in der Stadt, drunter ihrem alten Bekannten Ohm Folker von der Wettfahrt, damit auch diese die Kunde durch das Land trugen. Sie hatte Prem und Olport besucht und zwischendurch noch einmal Thorwal-Stadt, als das Herbst-Hjalding stattfand, um dort zu sprechen.
    Wie viele Thorwaler kommen werden, könne sie nicht sagen, aber viele werden es wohl sein, Kämpfer wie andere Freiwillige.
    Aufgrund von Warnungen hatte sie nicht die bekannte Hexe Tula von Skerdu aufgesucht, sie gelte gesagt als schwierig. Ich sprach die Hoffnung aus, dass sie vielleicht aus eigenem Antrieb kommen würde. Velea fand, es wäre befremdlich, wenn nicht. Die wohl machtorientierte Hexe hätte sonst womöglich nichts, dass sie für sich erringen könnte, sollte an der Trollpforte unsere Seite verlieren (was nicht geschehen wird, dazu bin ich entschlossen!)

    Gemischt erfolgreich sah sich Firudan. Die Fürstin Darpatiens war natürlich schon informiert gewesen, hatte ihm dennoch interessiert zugehört und zuletzt zugesagt, Truppen zu schicken.
    Bei dem Herzog der Nordmarken sähe das anders aus, schätzte er ein. Das Gespräch mit ihm war schwierig gewesen. Firudan hatte versucht, ihn von der Wichtigkeit zu überzeugen, und später die einzelnen Provinzen bereist, um vor allen mit deren Herrschern zu sprechen, damit auch diese informiert sind und frühzeitig ihre Vorbereitungen treffen können.

    Messana berichtete, dass ihre Kirche gewachsen sei, über nun fast 50 Geweihte verfüge, 60 Novizen, 45 weitere Akoluthen und weitere Unterstützung durch Freiwillige erfuhr, die sich zwar nicht berufen fühlten, aber Messana folgen würden. Sie seien von Síoigín Garrán durch das Mittelreich gezogen, unterwegs habe sie zu den Leuten gesprochen für ihre Kirche. Sie seien nach Ysilia gezogen, um dort den Großteil des Winters zu verbringen und dort habe sie ihre Leute an den Waffen und karmal weiter ausgebildet. Herzog Bernfried habe ohne ihr Wissen schon vor ihrer Ankunft Anweisung erlassen, einen Tempel für die Leuinherz-Kirche zu errichten. Leider sei er immer noch nicht fertig, da er ein recht großes Bauwerk sei.

    Die wohl interessantesten und bemerkenswertesten Erlebnisse hatte Velea. Ihr erster Weg hatte sie zu den Elfen geführt. Diese seien sehr individuell in ihrem Umgang mit der Rückkehr Borbarads, die sie früh verspürt hatten. Auch ihre Worte, jedoch vor allem ihre Gedanken, hatten viele der Elfen überzeugt, das Erbe von Athavar Friedenslied weiter zu führen. Sie hatte die Firn- und Steppenelfen nicht aufgesucht, weil diese teilweise viel weiter entfernt lebten, oder aber wie die Steppenelfen in kleinen Gruppen zu zerstreut.
    Dann sei sie nach Süden geritten, nach Baburin, nach Zorgan und Anchopal, nach Mherwed und Rashdul. Der Sultan von Baburin, gleichwohl der Fürstin Araniens unterstehend, hatte in dem Rahmen Unterstützung zugesagt, auch in Zorgan hatte sie bei der Fürstin Zuspruch gefunden, trotz des schwierigen Verhältnisses zwischen Aranien und Mittelreich. In Zorgan sei die Shanja Rashduls gewesen, die dort Asyl gefunden hatte, nachdem Belizeth Dschelefsunni dort die Macht ergriffen hatte, erst die Elementaristen der Akademie unter dem Vorwand fadenscheiniger Forschungsauftragen gezwungen hatte zu gehen, dann die Soldaten des Stadtstaates mit Dämonen getötet hatte.
    In Anchopal war Velea auf Tarlisin von Borbra gestoßen, der mit dem ODL gerade einen Sturm auf die Rashduler Akademie plante, um der Spektabilität Einhalt zu gebieten.Aufgrund der Ereignisse in Rashdul hatte es zuvor Probleme mit dem Kalifat gegeben, weshalb der Kalif seine Armee gegen Rashdul gesandt hatte. Unterstützung hätten sie durch Sultan Hasrabal und seine Mannen bekommen sollen, doch der Sultan war nicht zu Hilfe gekommen.
    Eben jener Hasrabal war auch in Anchopal gewesen, und hatte, wie Velea sagte, recht manipulativ die Erstürmung befürwortet und viele Worte gemacht, um seine eigenen Interessen an dieser Sache zu verbrämen. Velea hätte jedoch einige klare Worte mit ihm gesprochen und auf Einhaltung von Regeln bestanden, als er ein Duell mit Belizeth Dschelefsunni wünschte.
    Sie hatten einen geheimen Weg mittels eines Elementaren Meisters genommen. Es gab einige Dämonen, die sie hatten vernichten müssen und die Spektabilität wurde in ihren Zimmern gestellt.
    Hasrabal bekam sein Duell, Elementare gegen Dämonen, und er gewann das Duell der Macht. Da Velea ihn jedoch nicht als Spektabilität sehen wollte, forderte sie ihn gleich anschließend heraus zu einem Duell des Geistes, bei dem sich erst in die Augen geschaut wird und auf ein Signal jeder genau einen Zauber wirken kann, bei dem es um Stil und kreativen Einsatz von Magie geht und Gesichtsverlust für den Gegner. Kampfmagie ist verpönt.
    Sie glaube zu wissen, was er vorhatte, nämlich ihre Angst vor den Hunde-Dämonen zu nutzen, die er in der Akademie bemerkt hatte, doch sie hatte sich zum ihm hin teleportiert und ihm den Mund zugehalten, bevor er seinen Zauber hatte wirken können. Damit hatte sie das Duell gewonnen und sei nun Spektabilität der Rashduler Akademie, bei der es Tradition ist, auf diese Art eine neue Spektabilität zu bestimmen. Sie werde das Amt jedoch nach der Schlacht niederlegen, da sie als Geweihte nicht in der rechten Position sei, den Posten dauerhaft auszufüllen.
    Wir gratulierten ihr gleich zu diesem neuen Rang und Erfolg.
    Bevor es nach Rashdul ging, war Velea von Anchopal aus nach Mherwed geritten. Sie hatte eine Audienz beim Kalifen Malkillah III. bekommen, der trotz seines kürzlich verlorenen stehenden Heeres die Gefahr durch Borbarad kannte und erklärt hatte, er wolle sehen, wie viel Kämpfer er bis dahin ausheben könne.
    Außerdem gäbe es einen Sphärenriss über der Gor, mit dem es vermutlich zusammen hänge, dass in den Tulamidenlanden vielerorts freie Dämonen erschienen waren, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzt hatten. Neun solcher Dämonen waren auch auf dem Basar erschienen, als Velea dort gerade war. Sie hatte bis auf einen alle mittels des Pentagrammas in den Limbus geschleudert und hatte den letzten mit der Waffe in der Hand vernichtet.
    Ich fand die Erwähnung des Risses besorgniserregend, denn unzweifelhaft hatte er etwas mit IHM zu tun.
    Als dann Velea davon erzählte, dass Tarlisin von Borbra von einem ‚Desiderat‘ wusste, einem siebenseitigen Würfel, in Belizeth Dschelefsunnis Händen, von dem er meinte, dass er für Borbarad sehr wichtig sei und daher womöglich gegen ihn eingesetzt werden könne, ärgerte ich mich zutiefst, davon nicht gewusst zu haben! Vielleicht eine Waffe gegen IHN?
    Doch Velea hatte dieses Desiderat nicht, das hatte noch immer der Magier vom ODL, der davon erfahren hatte, nachdem ER in seinem Körper gewesen war, und sie konnte die vielen mir auf der Zunge liegenden Fragen dazu nicht beantworten.

    Ich erzählte von meinen Erfolgen bei Farindel und Pandlaril und den Freiwilligen, die ich in den verschiedenen Feenwelten hatte gewinnen können, bzw. hoffte gewinnen zu können, und von meinen Besuchen bei den beiden verbleibenden Grafen Albernias, den Vertretern der alten Familien und meinen Reden vor den Rittern und Baronen. Ich sprach ebenfalls von dem Angriff auf die Prinzessin-Emer-Brücke, dass der Erfinder und Mechaniker Leonardo von Havena vermutlich von IHM entführt worden war – eine Nachricht, die uns allen bedenklich erschien, wenn seine Erfindungen nun auf der feindlichen Seite eingesetzt werden würden – , und dass ich die Erlaubnis erhalten hatte, die Brücke mittels eines Dschinns neu zu errichten, wenn ich auch befürchtete, dass es gut möglich gedauert haben könne, bis sie in der gleichen Häufigkeit wie vorher benutzt werden würde.
    Ich berichtete von dem Angriff in der gleichen Nacht auf Wehrheim, als ein ähnlicher Dämon wie Havena heran geflogen war, aber zum Glück keinen größeren Schaden habe anrichten könne.


    In seiner Heimat hatte Ullachan veranlassen können, dass ein großes Hjalding gehalten wird, bei dem alle Dorf-Oberhäupter sich versammeln. Dort hatte Ullachan überzeugen können, dass Kämpfer geschickt werden. Danach hatte er noch kleinere Haerads aufgesucht, dort gesprochen und dann auch andere Durro-Dûns gesucht. Einer mit einem Otter und einer mit einem Feuersalamander als Odûn werden kommen.

    Sefira hatte erst die Amazonenburg Keshal Rondra aufgesucht und dann Yeshinna. Die Amazonen seien bereit auf den Kampf, um ihren Feind, der ihnen zwei Burgen nahm, zu bekämpfen. Sie hat sie so gut wie möglich auf den Kampf gegen Dämonen und Übernatürliches vorbereitet.
    Dann habe sie sich noch für einige Tage in die Einsamkeit zurückgezogen und auf der Burg dann ihre zweite Weihe zur Blutlöwin erhalten.
    Ich gratulierte ihr, ebenso wie die anderen. Messana wusste es schon, wie sich zeigte, sie war auf Yeshinna gewesen.
    Ullachan wollte noch wissen, was eine zweite Weihe bedeutet und Sefira erklärte ihm, welche Ehre dies sei, dass sie nun im Rang gestiegen war und dass deren 12 Heldentaten nötig seien.

    Raidri Conchobair erzählte von seinen Maßnahmen in Winhall, um seine dortigen Kämpfer bereit zu machen, und wie er danach durch das Mittelreich gezogen war. Er war gerade in Gareth gewesen Ende Tsa, als auch unsere Kapitale von Dämonen angegriffen wurde, von dreien der Schlangendämonen, dreien der Greifen-Verhöhnungen und einem siebten, eine schwarze, fliegende Wolke, in der man eine Art Belagerungsturm hatte ausmachen können. An vielen Stellen hatten Skelette, die auf den Dämonen saßen, und die Besatzung des Turmes Hylailer Feuer herab geworfen. Viele Gebäude und Verwaltungseinrichtungen, sowie einige Barracken waren in Brand gesetzt worden, Ingerimm- undTravia-Tempel waren abgebrannt, vor allem war auch das Hippodrom entzündet worden, in dem sich tausende von Flüchtlingen aufhielten, von denen Unzählige Opfer der Flammen geworden waren.
    Keiner der Dämonen, berichtete er, war weit genug herab gekommen, um ihn bekämpfen zu können, und so hatte er sich auch an den Rettungsarbeiten beteiligt. Die Dämonen waren schließlich wieder fort geflogen.

    Ich erkundigte mich bei ihm, was aus seinen Enduriumschwertern geworden war, die ich nicht bei ihm sah. Er habe nur zwei Hände, erwiderte er, und jetzt Siebenstreich, daher habe er Antworter und Vergelter an eine seiner Töchter gegeben.

    Es interessierte mich, ob er bereits mehr über die Fähigkeiten Siebenstreichs herausgefunden habe. Es flüstere zu ihm, wenn er schlafe, ohne es zu verstehen. Was Siebenstreich vermag, wisse er nicht, aber er zweifle nicht daran, dass es sich ihm zum rechten Zeitpunkt offenbaren werde.

  • Fortsetzung des Eintrages "21. Phex 28 Hal, Drakonia"



    Wir kamen wieder im Gespräch auf das zu sprechen, was wir hier über das Sechste Zeichen erfahren hatten. Mir fiel eine Legende ein, die ich mal gehört hatte, über einen Jagdhund Firuns. Einmal war dieser Hund von der Leine gelassen worden, um die Schöpfung des Namenlosen zu zerstören, danach jedoch nie wieder, da seine Zerstörungswut zu groß gewesen war.


    Messana runzelte nachdenklich die Stirn. Bei den Nivesen, sagte sie, gäbe es eine ähnliche Geschichte. Allerdings sei es bei ihnen einer der Himmelswölfe, Graufang (wie ihr mit Veleas Hilfe einfiel, denn es gibt da zwei sehr ähnliche Namen), der für Zerstörung stünde, weil er aus großen Schmerz oder Zorn einmal gewütet habe, weshalb ihn der Rudelführer Gorfang und ein weiterer Himmelswolf unter vielen Steinen begraben und eingesperrt hatten.
    Was allerdings in diesen Geschichten fehlte, war ein möglicher Jäger Phexens, für die Nivesen wäre der Raschtulswall auch sehr weit südlich, und wie wären die Trolle dazu in Bezug zu setzen?
    Ich sagte, ich wolle gerne den Berg sehen, besser noch besuchen, um ihn genauer anzusehen. Velea schlug vor, dass doch kurzerhand zu tun.
    Ja! Entschlossen stand ich auf. Außer Velea und Lira wollte sonst niemand mitkommen.

    Daher beließ ich es dabei, mit Hilfe Veleas astraler Kräfte über Ghosif einen Dschinn der Luft zu rufen, und wir flogen, nachdem wir uns erkundigt hatten, wohin es ging, nach Norden. Der Amul Dschadra liegt etwa 20 bis 30 Meilen in direkter Entfernung weiter nördlich.

    Wir kreisten einmal darüber, denn ich wollte den Berg (ganz profan, da ich wegen der magischen Präsenz des Dschinns sonst ohnehin keine andere Magie hätte sehen können) erst betrachten. In der Tat, mit ein klein wenig Vorstellungsvermögen sah er aus wie eine aufrecht stehende Speerspitze. Unterhalb des Gipfels gab es auf je einer Seite ein kleines Plateau, die sahen von oben ein wenig wie Flügel aus.
    Dann landeten wir, und ich sah mich mit der Oculus-Sicht aufmerksam um, um mögliche Geheimnisse des Amul Dschadras zu entdecken. Doch – ich entdeckte keinerlei magische Strukturen des Berges selber. So sorgfältig ich auch suchte, auf dem kleinen Gipfel herum ging und auch an den Bergflanken herab blickte (auch nur ein kleines Stück weit zu klettern kam nicht in Frage, die Flanken waren zu glatt und steil), da war nichts.
    Was ich jedoch entdeckte, war eine Kraftlinie, mittelgroß, die in ungefährer Nord-Süd-Richtung verlief, im Norden soweit auf Tobrien zuhaltend. Ich rief Velea nur zu, ich hätte eine Kraftlinie entdeckt und machte mich gleich daran, sie näher zu untersuchen.
    Als ich damit fertig war, hatte ich die Affinität zu den Merkmalen Form und Schaden ausmachen können.

    Als ich dies Velea mitteilen sollte, während Lira herum lief und Gedanken verloren vor sich hin schaute, bemerkte ich, dass sie ganz ruhig stand und vor sich hin starrte, ohne mich so recht zu sehen, wie mir schien.
    Ich sprach sie erneut an, und sie sagte, halb abwesend klingend, sie spüre Unruhe. Ich sah mich um, ließ mich auf dem Boden nieder und versuchte, ob ich derartiges nicht auch ausmachen könne, wenn ich versuche, mich dem Berg gewissermaßen zu öffnen. Also konzentrierte ich mich auf meine Atmung, wie ich es von Messana gelernt hatte, suchte, mich auf nichts Bestimmtes zu konzentrieren, außer auf den Stein und Fels unter mir.
    Es dauerte etwas, aber dann meinte ich es auch zu fühlen: Unruhe, Rastlosigkeit. Erst dachte ich, es wäre meine eigene Ungeduld, aber dann merkte ich, dass es das nicht war. Es waren die Unruhe und Rastlosigkeit wie von jemandem, der sich im Schlaf herum wälzte.

    Doch warum konnte ich nichts Magisches sehen? War der Berg so gut magisch abgeschirmt? Als ich meinen Unmut ausdrückte, erwiderte Velea, nicht alle Wesen seien magisch, schon gar nicht, wenn sie göttlicher oder vergöttlichter Natur waren. Es handelte sic doch um Himmelswölfe, erwiderte ich, wie könne es sich dann um göttliche Wesenheiten handeln? Und wie könne ein Berg die Letzte Waffe sein, wie könnte er gegen IHN einzusetzen sein? Wie sollten wir in den Trollzacken fündig werden über die Natur eines Berges im Raschtulswall?
    Velea wusste darauf auch keine Antwort, aber ausschließen könne sie all diese Möglichkeiten nicht.

    Da mir nicht weiter einfiel, was ich noch hätte tun können und daher insgesamt unzufrieden mit dem Ergebnis unseres Ausfluges war, wenn dieser auch nicht völlig vergeblich gewesen war, machten wir uns auf den Rückweg mit dem wartenden Dschinn.

    Auf dem Rückweg wandte ich mich an Velea mit der Nachricht, dass ich gedenke, Fulke die Ehe anzutragen und vor der Schlacht zu heiraten. Das solle vorerst noch ein Geheimnis bleiben, bis ich ihm den Antrag habe machen können, doch würde ich mich freuen, wenn Velea im Heerlager ein kleines Fest ausrichten und vorbereiten würde.
    Velea freute sich, dass ich den Antrag stellen wollte, und dass ich sie auswählte, die kleine Feier zu entwerfen und erklärte daher, das wolle sie gerne tun.

    Wieder zurück in Drakonia ließ ich mir die Glyphen zeigen, die Lira entdeckt hatte. Wie so viele anderen in dieser Feste waren auch sie magisch und ich konnte nach einer Untersuchung die Merkmale Form und Schaden ausmachen.
    Firudan, der sich das auch schon hatte zeigen lassen, erzählte mir, er habe einen eisenhaltig-metallischen Geruch wahrgenommen, der ihm so vorher noch nie untergekommen war.
    Ich erhielt auch die exakte Übersetzung, aber die brachte ebenfalls keine neuen Ansätze.
    Über den Giganten Raschtul wusste ich und konnte ich noch zusätzlich bei den Magiern erfragen, dass er als Vater der Trolle galt und von Boron und Rondra im Gigantenkrieg besiegt worden sei. Sein Auserwählter unter den Menschen war Rashtul al’Sheik, der Vater von Bastrabun ibn Rashtul, der die ur-tulamidischen Krieger unter sich geeint hatte. Über ihn, heißt es, wollte der Gigant Raschtul die Ur-Tulamiden an sich binden, aber dieser Plan wurde von Phex verhindert.
    Was genau da geschehen sein sollte, war nicht überliefert, allerdings band das zum ersten Mal den Grauen unter den Göttern mit ein, wenn auch gänzlich ohne Hunde oder Wölf, die zu zerstörerisch waren, um sie sich selber zu überlassen. Ha! Hatte ich doch vermutet, dass es Phex meinen könnte.
    Hatte das Sechste Zeichen tatsächlich etwas damit zu tun? Ich vermochte es nicht einzuschätzen, und das macht mir zu schaffen. Die vermutlich wichtigste und entscheidendste Schlacht der Menschheit steht an und es wurden alle sieben Zeichen benötigt, doch über das sechste war so gut wie gar nichts bekannt!

    Wie sprachen später noch gemeinsam darüber. Ich erzählte vom Besuch beim Berg, dass ich außer der Kraftlinie nichts Magisches entdeckt habe, aber an eine göttliche Entität der Himmelswölfe auch nicht glauben mochte. Ich bedauerte, dass es nicht möglich war, mehr darüber zu erfahren, wenn es sich um eine Waffe gegen IHN handelt und wir nun nicht mehr so viel Zeit haben. Firudan sagte, die Zeichen sei völlig unterschiedlicher Herkunft und Art, es werde sich zeigen, was es mit dem Sechsten auf sich habe.
    Messana erhoffte sich von Krallerwatsch mehr, und dass er uns nicht zum Amul Dschadra zurück schickte.

  • 22. Phex 28 Hal, Baronie Trollnase



    Am heutigen Morgen stand ein Elementarer Meister für uns im Hof bereit, der uns zum Troll-Baron Strutzz bringen sollte, womit seine Aufgabe enden wird. Seine Spektabilität versicherte uns, es werde sich angemessen um die Pferde gekümmert, wünschte uns Glück bei unserer Suche und sprach seine Hoffnung aus, uns nach der Schlacht wohlbehalten wieder zu sehen. Wir sollten einen Elementar schicken, sobald wir etwas Wichtiges heraus gefunden hatten.

    Ich hatte mich in der Nacht etwas erholt, aber nach dem Rufen des ersten Dschinns gestern fühlte ich mich noch nicht wieder völlig erholt.
    Firudan riet uns an, mit Strutzz angemessen zu reden, denn er lege viel Wert auf seinen Barons-Titel.
    Ullachan begab sich in die angenommene Mitte des Meisters und verblieb dort, wie stets mit dem Unbehagen durch die große Höhe kämpfend.
    Unsere Reise dauerte vier bis fünf Stunden, in denen wir nach Nordosten flogen, das Perlenmeer voraus. Wir passierten in einiger Entfernung Perricum, überflogen die Bucht von Perricum und hielten auf den östlichen Ausläufer der Trollzacken zu, die dort ins Meer ragten. Dort lag die Baronie Trollnase, in der Strutzz Baron war.
    Weit und breit war keine Ansiedlung zu sehen, keine Häuser, keine Felder, keine Weiden, keine Viehherden.

    Firudan gab den Kurs vor, so dass wir gegen Mittag vor einem großen Höhleneingang abgesetzt wurden. Ich bedankte mich bei dem Meister und verabschiedete ihn.
    Aus dem Innern der Höhle war ein rumpelndes Husten zu hören.
    Ich vergewisserte mich, dass wir richtig waren. Ein Baron, und mochte er ein Troll sein, lebt in einer Höhle? Wie und wodurch zahlt er Steuern, wenn kein Mensch in seiner Baronie lebt, und das geziemte sich doch gar nicht, als Baron in einer Höhle zu hausen.
    Ob er überhaupt Abgaben hatte und wenn, wie er die einbrachte, wusste Firudan nicht. Das Husten stamme allerdings von Strutzz, den habe er schon lange.

    Da die Höhle offen war, gingen wir darauf zu und traten ein. Wieder schallte uns das Husten entgegen, gefolgt von einem „Wer da?“. Firudan nannte seinen Namen und schwere Schritte ertönten.
    Dem Höhleneingang folgte ein hoher, breiter Gang und als wir um die erste Biegung gingen, kam uns Strutzz entgegen. Er war groß wie Krallerwatsch, hatte eine ebensolche borkige Haut und dunkles Fell. Er trug eine lederne Rüstung und einen Streifenschurz aus ebenfalls Leder.

    Leutselig und durchaus erfreut begrüßte er Firudan und wir anderen stellten uns vor. Messana brachte gleich vor, dass wir hoffen, er habe etwas Zeit für uns und könne uns erhoffte Informationen geben.
    Mit seiner tiefen Stimme und seinem schlechten Garethi, dass er wie Krallerwatsch eher unvollständig spricht, meinte er, es sei Zeit zum Mittagessen, wie es ja fast immer Zeit zum Essen sei, und er lachte grollend über seinen Scherz. Dann fragte er uns, ob wir etwas Süßes mithatten.
    Ach ja, schon Krallerwatsch war ganz wild auf meinen Honig gewesen, und wir hatten ganz vergessen, ein Gastgeschenk mitzubringen. Aber zum Glück war mein Honigvorrat gut beisammen, und er freute sich wie ein kleines Kind, als ich bejahte. Er winkte uns, mit ihm zu gehen.

    Wir folgten ihm in eine riesige Höhle, in der ein großer Dolmen, seitlich liegend, als Tisch diente und zurecht behauene Steinen als Sitze, natürlich in Trollgröße. An einer Wand hing ein großes Regal, in dem verschiedenste Figuren aus Holz, Ton oder Stein standen. Felle, darunter auch Bärenfelle, lagen auf dem Boden und einer großen Bettstelle. Eine Feuerstelle, groß genug um eine ganze Kuh darin zu braten, mit breitem Rauchabzug stand an einer Wand, und darüber hing ein Kessel, aus dem es dampfte und in dem es blubberte. In der Höhle hing ein etwas strenger Geruch, vermutlich Trollfell.

    Eilfertig reichte mir Strutzz eine Schüssel, um die ich ihn bat, und in die mein gesamter Vorrat und noch mehr gepasst hätte, doch tat ich nur die Hälfte hinein. Ich fragte ihn, ob es hier Feen gebe. Er runzelte beim Nachdenken die Stirn, verneinte dann aber.
    Dela sprach lobende Worte, schön hätte es Strutzz es in seiner Höhle. Ja, sehr gemütlich, stimmte er bei. Stolz zeigte er auf seine Figurensammlung, Glatthäute könnten schöne Figuren machen, Trollhände seien dazu leider nicht geeignet.
    Wie stets auf das Wichtige konzentriert, sagte Messana, sie könne keine Figuren machen, aber wir hätten einige Fragen. Er werde sie beantworten, wenn wir zum Mittagessen blieben, erwiderte er. Es gäbe Schössling in Knoblauchsirup mit Beeren in Honig. Bei den Schösslingen glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen, bemühte mich aber, das möglichst nicht zu zeigen.

    Höflich bat er uns, Platz zu nehmen, dabei ignorierend, dass die Sitzflächen dieser ‚Stühle‘ sich auf etwa Höhe meines Gesichts befanden und Velea dabei noch überragte, und dazu aus Stein waren und damit kaum zu bewegen, um sie auf eine Entfernung zu bringen, von der aus wir Menschen bequem den Steintisch erreichen konnten.
    Ich versuchte einen Stuhl zu schieben. Er bewegte sich leicht, war aber zu schwer für eine Person. Doch zwei von uns konnten sie gut verschieben, und da sie so groß waren, dass je zwei gut auf einem Block sitzen konnten, waren sie auch schnell genügend heran geschoben. Das hinauf ziehen ging recht einfach, Firudan musste ohnehin nur einen kleinen Hüpfer tun.

    Während unser Gastgeber mit einem Holzlöffel hingebungsvoll im Kessel rührte, erkundigte er sich, was wir wissen wollten. Krallerwatsch kennt er, wie sich zeigte, er hatte ihn aber lange nicht mehr gesehen und wusste auch nicht, wo er sich aufhalten könnte. Doch in sechs Tagen sei ein Troll-Thing in Graulgatschthor. Allerdings durften Menschen nicht dorthin, womit unsere Idee, den Schamanen dort zu treffen, auch unmöglich war.
    Messana erkundigte sich, ob wir vorher auf ihn warten könnten, aber Strutzz war sich nicht sicher, ob nicht auch das ihm Ärger machen könne. Ich versuchte ihm die Dringlichkeit klar zu machen, denn es ginge um den Kampf gegen BORBARAD.
    Ob das für die Trolle wichtig sei, sagte Strutzz, entscheide das Thing, ebenso wie auf Firudans Frage, ob die Trolle zur Schlacht kommen werden.
    Aufgeben wollte ich nicht, daher setzte ich nach, es ginge um die Zeichen und Gezeichneten, und da ein Zeichen und sein Träger fehlen, sei es wichtig, dass wir mehr darüber erfuhren, und das geschah womöglich über Krallerwatsch.
    Er riss seine Augen auf und ließ vor Überraschung seinen Löffel fallen. „Rosch Chod Dorr!“, stieß er hervor. Das hatte Krallerwatsch auch gesagt und die Gezeichneten gemeint, wie wir herausgefunden hatten. Das wäre wichtig, bekräftigte er, deshalb wolle er uns doch mit nach Graulgatschthor mitnehmen.
    Dann erklärte er uns auf unsere Frage hin, dass dies eine alte Feste der Trolle sei, ein heiliger Ort, ein Ritualplatz und ein Versammlungsort, die am Wolkenkopf liegen würde. Messana wusste, dass der Berg viel weiter westlich in den Trollzacken liegen würde, während Ullachan etwas darüber einwarf, Wolkenkopf wäre ein Riese in seiner Heimat.
    Strutzz winkte ab, er kenne den Weg, sie würden morgen früh aufbrechen und früh genug da sein, wir sollten ihm vertrauen.

    Als das Essen fertig war, schöpfte er jedem von uns freudig strahlend von seinem Eintopf in die Teller, die für einen Troll gedacht waren. Wohl bedenkend, dass wir kleiner sind, tat er nur kleine Mengen hinein, die in den großen Tellern verschwindend gering aussahen, es aber keineswegs waren.
    In der Tat – da schwammen tatsächlich Holz und Blätter drin!
    Strutzz erzählte uns von dem Rezept, das er von Graf Golambes erhalten hatte: Man müsse den Schössling lange kochen, aber dann sei er sehr gut. Auch Grassuppe würde er sehr kecker finden, oder Pilzragout, allerdings bräuchte er dafür so große Mengen Pilze und das Sammeln würde so lange dauern, und Bärenfleisch würde er auch ganz köstlich finden, besonders mit Tannenzapfensauce.

    Wie fragten ihn dies und das, während wir uns doch mit etwas Verhaltenheit an das Essen machten. Der Schössling war so zerkocht, dass er ganz faserig war, und wenn mal eine Faser auf den Löffel geriet (wie nahmen unser eigenes Besteck), konnte man sie schnell zerkauen und die Knoblauchsauce war durchaus geeignet, sie geschmacklich zu überdecken.
    Dennoch fiel auch Strutzz auf, dass wir das Holz auf den Tellern umgingen. Auf Messanas Erklärung hin, das sei nicht menschengerecht, schaute er traurig drein. Sein Gesicht hellte sich auf, als Dela die Sauce lobte und hinzufügte, bei einem Troll hätte sie noch nie so gut gegessen.
    Das Essen sei zu gut, um es nicht zu essen, erklärte er, deshalb aß er es, nachdem er sich vergewissert hatte, dass es wirklich keiner von uns aufessen wollte.
    Die Beeren in Honig waren zwar schon sehr süß, aber durchaus gut essbar.
    Bis dahin hatten wir erfahren, dass sechs oder sieben andere Trolle in der Baronie leben, und Strutzz schon sehr lange Baron von Trollnase war, vermutlich seit Kaiser Bardos Zeiten, jedenfalls erwähnte er einen dicken Kaiser, wenn er auch den Namen nicht mehr wusste. Er erzählte von einem Trinker-Kaiser der Menschen, der oft zu einem Troll gegangen war, um von ihm das Rezept für einen Schnaps haben wollte, und beide hatten dann gezecht. Firudan vermutete, dass der Trinker-Kaiser Kaiser Valpo sein könnte.
    Manchmal kämen menschliche Händler und einige Trollzacker zu seiner Höhle, erzählte er auch. Sie seien alle ehrfürchtig und er käme gut mit ihnen zurecht. Meistens würden sie Süßigkeiten für ihn mitbringen.
    Menschen in schwarz gekleidet oder in schwarz rot, wie Firudan erfragte, waren allerdings nicht hergekommen.

    Nach dem Essen bot Strutzz uns an, er könne uns seine Baronie zeigen. Wir folgten ihm einige Stunden lang bei einer Gebirgswanderung. Einmal begegneten wir einem kleinen Jagdtrupp von wild aussehenden Trollzackern, doch die verhielten sich in der Tat gegenüber Strutzz ehrfürchtig.

    Zum Abendessen gab es, wieder in der baronlichen Wohnhöhle, Wildschwein am Spieß mit einer Honigmarinade, dazu aß Strutzz noch Tannenzapfen, die sonst niemand als Beilage haben wollte. Ich sehe, dass mein Honig gewiss sehr bald gute Verwendung finden wird.

    Lira beobachtete stumm unser Treiben, und wirkte immer wieder abwesend. Ich fand es schade, ein Kind so ernst und so fremdartig zu erleben. Aber dann ist es auch kein gewöhnliches Kind, und das Fünfte Zeichen trägt sie noch dazu.

    Als Schlafstätten überließ uns Strutzz die herumliegenden Felle, so dass wir sehr weich lagen.

  • 23. Phex 28 Hal, Lager in den Trollzacken



    Strutzz schnarchte, und Messana war mit Sefira wie meist die erste, die wach war. Ungewöhnlicherweise erwachte auch Velea schon so früh und kam mit hinaus, als wir dort unser Morgengebet verrichteten und mit unserer körperlichen Ertüchtigung begannen.
    Kurz darauf hörten wir Strutzz erwachen, als sein Schnarchen abbrach und statt dessen sein Husten begann, und das hielt dann auch sonst niemanden mehr viel länger im Schlaf.
    Als besorgter Gastgeber erkundigte sich der Troll, ob wir gut geschlafen hatten, und war mit Firudans Auskunft, das Bärenfell sei sehr bequem gewesen, zufrieden.
    Zum Frühstück gab es Brot und Honig, oder wahlweise getrocknetes Fleisch.

    Nach dem Frühstück verkündete uns Strutzz, der Weg sei zwar nicht weit, aber es sollte am heutigen Tag noch ein gutes Stück geschafft werden, und so brachen wir bald auf. Die Höhle blieb offen und unverschlossen zurück.


    (Sitzung vom 10.6.2017)

    Den Tag über wanderten wir weiter bergauf. Wo Strutzz einen Schritt machte, machten wir deren mehrere, je nach unseren eigenen Körpergrößen, und entsprechend war es für uns anstrengender als für uns. An machen Stellen galt es – wenigstens für uns – zu klettern. Strutzz summte gerne tief vor sich und schien alles in allem recht vergnügt. Ab und an unterhielt sich Firudan mit dem Troll auf Trollisch.

    Nun haben wir unser Lager an einer kleinen Quelle und werden unter freiem Himmel nächtigen. Bei der Einteilung der Wachen und der Frage, ob Strutzz sich daran beteiligen wird, schaute er fragend drein. Er sähe den Sinn nicht daran, meinte er in seinem gebrochenen Garethi. Messana erklärte ihm, dies geschähe aus Vorsicht gegen Angreifer jedweder Art, Tiere und sonstigen möglichen Geschehnissen, die umgehend bemerkt werden sollten. Es sei auch nicht auszuschließen, dass wir zufällig von Borbarads Schergen gefunden oder gar von ihnen gesucht werden könnten.
    Tiere würden ihn nicht angreifen, und die anderen Punkte schienen Strutzz auch nicht so recht zu überzeugen. Ich sprang Messana bei und verwies nachdrücklich darauf, dass SEINE Schergen überall seien und auch jederzeit auf uns stoßen könnten.
    Überzeugt war er nicht, der Unwissende, aber er sagte, wenn wir uns dann besser fühlten, würde er bei den Wachen mitmachen.



    24. Phex 28 Hal, Lager in den Trollzacken

    Auch heute ging es weiter bergauf mit manch steilen Passagen, während an anderen Stellen der Boden unter losem Geröll gefährlich rutschig war, oder an anderen wir klettern mussten. Einen Pfad im Sinne des Wortes konnte ich nicht ausmachen, aber Strutzz schien stets zu wissen, wo es lang ging.
    Noch immer sind wir unterhalb der Baumgrenze, aber es werden weniger und morgen werden wir sie wohl hinter uns lassen.
    Bislang sind wir dem Wolkenkopf nicht nennenswert näher gekommen, bei unserer Reisegeschwindigkeit werden wir definitiv mehr als ein paar Tage benötigen.

    Unser heutiges Abendlager befindet sich in einem Hochtal. Im Tal liegt ein kristallklarer Bergsee auf einer Seite, wohl an die zwei Meilen Durchmesser, der von einem breiten Bach gespeist wird, der über einige Felshänge sich kaskadenartig in den See ergießt.
    Strutzz wies auf den See und sagte, der wäre gut zum Baden.
    Nachdem wir unser Gepäck abgestellt, Decken und Schlafsäcke ausgerollt und Feuerstelle samt Holz vorbereitet hatten, legten wir unsere Kleidung und Rüstungen ab und gingen auch hinein.

    Alveran hilf, war das Wasser kalt! Sogleich bekam ich eine Gänsehaut, kaum dass ich einen Fuß im Wasser hatte, und ich spritzte mich erst nass, bevor ich weiter ging, ein Aufkeuchen unterdrückend. Mit dem sich anspritzen verfuhr auch Coris. Firudan zog sich gleich wieder zurück, nachdem er eine Hand hinein gestreckt hatte. Lira machte keinerlei Anstalten, ins Wasser zu gehen. Velea quietschte und keuchte und zuckte etwas herum, aber ging auch ganz hinein, während die anderen sechs gleich ohne zu Zögern hinein wateten. Ich folgte umgehend. Velea, Dela (bis auf ihren Handschuh), Raidri Conchobair (mit Siebenstreich) und Messana (bis auf ihr Säbelgehänge) hatten nichts am Leib, ich beließ es bei Lenden- und Brusttuch.
    Strutzz, seinerseits von Kleidung und Rüstung enthüllt, aber immer noch fellbedeckt, stand am Ufer, sah uns einige Momente zu und meinte, das Wasser wäre kalt. Genau richtig, erwiderte Dela, die ja von der Drachen-Essenz in ihr gewärmt wird und die Kälte vermutlich weniger empfand. Er stieg daraufhin auch in das Wasser, um sich zu waschen.
    Messana schwamm gleich mit gleichmäßigen Zügen los, während wir anderen erst zur Seife griffen und uns wuschen und dann noch etwas schwammen wie Dela, ich und Raidri Conchobair, oder nach eher kurzer Wäsche wieder an Land gingen wie Velea. Ullachan hielt sich nah am Ufer, der fühlt sich in oder auf großen Gewässern unwohl, und blieb auch nicht länger als nötig.
    Als Dela das Wasser verließ, waren ganz leicht Dampfschwaden zu erkennen, die von ihr aufstiegen.

    Zum Abendessen aßen wir unseren mitgebrachten Proviant, Strutzz einen ungekochten Strauch. Da auch essbare Beeren in dem Tal wuchsen, waren davon einige von uns gesammelt worden.

    Als jene von uns, die wollten, Messana zum Abendgebet folgten, was fast alle waren, sah uns Strutzz aus kleiner Entfernung interessiert zwar zu, sagte oder fragte aber später nichts. Ullachan setzte sich erst abseits hin, stand dann aber auf, um sich den Rücken an einem Baum zu kratzen. [font="Calibri, sans-serif"]I[/font]ch frage mich, warum immer mal wieder sein Rücken so heftig zu jucken scheint, dass mit der Hand kratzen nicht ausreicht. Lira blieb am Feuer sitzen.
    Velea sprach anschließend noch Gebete zu Rahja, an denen wir uns auch beteiligten.



    25. Phex 28 Hal, Lager in den Trollzacken

    Auch am heutigen Tag brachen wir früh auf nach Frühstück und kurzem Morgengebet. Kurz vor dem Aufbruch fragte ich Strutzz, was genau Rosch Chod Dorr meine und sei. Träger von alter Macht, erwiderte er, Splitter von göttlicher Macht, die in Lebewesen wohnen. Sie seien Auserwählte vom Schicksal. Mehr wisse er allerdings nicht.
    Götter kenne er, sagte er auf eine Nachfrage von mir, mächtig seien sie und ein Teil der Welt, aber Trolle würden sie nicht anbeten. Die Trolle als Kinder Raschtuls seien so alt wie die alten Götter und hatten die Geburt der jungen Götter mit erlebt. Diese jungen Götter, und damit hatte ich nicht gerechnet, seien die der Menschen oder auch Elfen.
    Ullachan warf ein, Trolle seien älter als alles andere, was ich schon Strutzz‘ Worten hatte entnehmen können
    Vermutlich war es gut, dass Messana diesen Austausch nicht mitbekommen hatte, da sie gerade hinter einem Busch war.

    Strutzz führte uns um den See herum, doch nicht etwa weiter hinauf ins Gebirge, sondern auf der anderen Seite des Sees hielt er auf drei große, gute 15 Schritt hohe Dolmen zu, deren Spitzen aneinander lehnten, und an deren Fuß je eine kleine Pyramide aus faustgroßen Steinen errichtet war.
    Strutzz lief einmal im Kreis darum, furchte nachdenklich die borkige Stirn. Auf die Frage, was denn sei, erwiderte er, er müsse nachdenken, über den anderen Weg nachdenken.
    Diese Antwort half uns nicht weiter, und wir ließen ihn tun. Er nahm einzelne der kleinen Steine auf, legte sie auf andere Haufen, nahm dort Steine weg, und schlussendlich trat er nach dem vierten Teil einer Stunde zufrieden zurück.
    Ich hatte mich derweil hingesetzt, Buch und Stift gezückt und beobachtete ihn mit Oculus und profan, Notizen und Skizzen machend. Ich sah magische Strukturen, die mir völlig unbekannt waren, auf den kleinen Steinpyramiden liegen, während die Dolmen unmagisch waren (oder sehr gut abgeschirmt). Diese Strukturen veränderten sich aber nicht, während Strutzz die Steine herum schob, und auch nicht, als er verkündete, fertig zu sein.

    Ich verstaute meine Sachen und wir folgten Strutzz, der uns damit überraschte, dass er um die Dolmen herumlief, und wieder und wieder. Bei der fünften Umdrehung stieg Bodennebel, magischer Bodennebel, auf und nach der siebten Umdrehung schritt er unter den Dolmen hindurch, und wir ihm nach.
    Ich aktivierte wieder den Oculus und sah stärker werdende Strukturen beim Durchschreiten.
    Auf der anderen Seite sah ich in normaler Sicht zwar immer noch auf eine Wiese und sogar einen See, aber der See war kleiner und auch die Berglandschaft um uns sah anders aus. Hinter uns standen keine Dolmen mehr, sondern etwas, das aussah wie ein Hünengrab, und wir atmeten dünnere Bergluft als zuvor, da wir uns nun weiter oben befanden.
    Wir sahen uns um, und Messana wies auf einen Gipfel, der gar nicht so weit weg sich erhob. Dies sei der Wolkenkopf, sagte sie, in ein bis zwei Tagen würden wir ihn erreichen.
    Ein Feentor war das nicht gewesen, dessen war ich mir sicher. Eher ein Ort, der ähnlich wirkte wie ein Transversalis. Das ist interessant!

    Ich fragte Strutzz nach diesem Portal, wie es funktionierte, ob es noch mehr gäbe, was er darüber wusste. Es gibt viele Pfade und jeder Troll weiß instinktiv wie man sie benutzt. Wie sie genau funktionieren, konnte er mir leider nicht sagen. Manchmal hören welche auf zu funktionieren, und sie alle seien so alt wie die Welt.

    Dann folgten wir ihm wieder auf einem Gebirgsmarsch. Am Abend zog Bodennebel auf, der auch ganz unmagisch war. Morgen werden wir voraussichtlich Graulgatschthor erreichen.

  • 26. Phex 28 Hal, Graulgatschthor



    Weiter ging es voran und bergauf, stets auf den Wolkenkopf zu. Hinweise auf eine große Feste waren nicht auszumachen. Über uns lag eine recht dicke Nebeldecke, auch wenn die Sicht vorausdavon eher wenig betroffen wurde.

    Einmal hörten wir einen seltsamen Schrei, einen Tierschrei, wie ich annahm. Firudan sagte, das wäre ein Vogel, wie sie im Ehernen Schwert vorkämen, und Messana nickte bestätigend. Zu sehen war nichts wegen der Wolkendecke.
    Unwillkürlich aktivierte ich den Oculus, für den der Nebel unsichtbar war. Ich konnte einen kleinen roten Fleck ausmachen, zu weit weg und zu klein für Details. Ich merkte sogleich an, dass ich den vermutlichen Vogel sehen könne, weil er magisch sei.
    Danach hörten oder sahen wir nichts mehr von diesem Vogel.

    Am frühen Abend folgten wir einer Bergflanke, der kaum erkennbare Pfad war wie die Flanke zur Seite hin abfallend. Velea und Ullachan hielten sich eng an die Seite des Berges.
    Dann kamen wir an eine Stelle, an der Geröll von weiter oben gekommen war und uns den Weg versperrte. Messana sprach mit leisen, beruhigenden Worten Velea zu und als diese sich dann überwand darüber zu klettern, hielt sie sich dicht bei ihr.

    Unterwegs stießen wir auf einen unerwarteten Anblick: Mitten aus den Steinen ragte die große Hand eines Trolles. Sogleich machten wir uns daran, den restlichen Körper freizulegen.
    Messana geleitete Velea auf die andere Seite und half dann, den großen Trollkörper zu befreien. Ganz gelang uns das nicht, denn ein Fuß von ihm steckt in dem fugenlos darum geschlossenen Felsboden. Der Körper war an vielen Stellen durch die auf ihn niedergegangenen Steine verletzt, eine große Axt lag zerborsten neben ihm.
    Strutzz erkannte erschrocken einen Trollfürsten namens Drollgomp in ihm.
    Der Fuß war natürlich auf magischem Wege im Boden versunken und festgehalten worden, dessen vergewisserte ich mich durch einen Blick. Es war mir auch klar, auch ohne dass ich das Wirken borbaradianischer Magie sah, dass es sich um einen borbaradianischen Cantus handeln musste, der harte Gegenstände weich machte, und der von Savertin auf dem Konvent als entborbaradisiert verfügbar vorgestellt worden war. Der Zauber, das sah ich ebenfalls, war nicht später als am Vortag gewirkt worden.
    Strutzz warf ein, die Lage und Existenz Graulgatschthors seien ein Troll-Geheimnis, andere Wesen würden davon nicht wissen.
    Das bedeutete, das sagte ich, dass es unter den Trollen einen Verräter gab, der sich IHM angeschlossen hatte!

    Velea auf der anderen Seite rief einen Elementaren Diener, mit dessen Hilfe der Fuß unbeschadet aus dem Felsboden befreit werden konnte. Ich sah mich währenddessen um, konnte aber auch an der Kante oben, von wo das Geröll gekommen war, magische Spuren erkennen, wie Firudan in Erwägung gezogen hatte. Es war jedoch zu steil, um vom Pfad aus hinauf klettern. Wer immer dort die Lawine ausgelöst hatte, war anders dorthin gekommen.

    Firudan und Strutzz trugen den Toten, die Axt wurde genommen, und wir setzten unseren Weg fort.

    Am Abend erreichten wir ein Hochtal, das zwischen dem Wolkenkopf und einem Nachbarberg liegt, durch den sich weiter hinten von links nach rechts ein breiter Riss zog. Am Taleingang lag etwas, das ich zuerst für Felsanhäufungen hielt, bis ich, als Strutzz dorthin ging, die eigenartige Form näher bestimmen konnte, es sah aus wie ein großes, langes Horn aus Stein.
    Strutzz blies hinein, und ein tiefer, tiefer und dröhnender Ton durchklang das Tal. Kurz darauf erklang weiter hinten im Tal ein anderer und dann noch zwei weitere. Ich fühlte, wie meine Brustknochen unter den tiefen Lauten vibrierten.
    Mein Blick verschwamm, dachte ich zuerst, aber dann waren es nicht etwa meine Augen, die mich im Stich lassen wollten, sondern wirkende und sich auflösende Magie wirkte. Eine Brücke aus Stein wurde sichtbar, die über den Riss führte, und dann, hinten im Tal, enthüllte sich eine gewaltige Feste aus Stein.
    Riesig ist sie, vermutlich so groß wie Drakonia, aber nicht mit so klaren Linien, mehr wie ein Haufen Steine, die notdürftig in dazu noch asymmetrische Form gebracht worden waren.
    Beeindruckend! Vor allem die verhüllende Magie!

    Wir folgten Strutzz in das Tal, über die Brücke, und die etwa eine Meile zu der Feste. Auf dem Weg dorthin mahnte Strutzz uns an, dies sei das größte Geheimnis der Trolle und wir dürften zu niemandem davon erzählen. Noch nie habe ein Mensch diesen Ort betreten. Wichtigste Regel sei, keine Gewalt in Graulgatschthor einzusetzen, in keinem Falle und in keiner Form.
    Wir versprachen, uns daran zu halten, und äußerten uns über die Ehre, die er uns angedeihen ließ, in dem er uns mitnahm.
    Rosch Chod Dorr müssen sehr wichtig für die Trolle sein, dachte ich, auch wenn sie erst darüber entscheiden wollten, ob sie sich am Krieg beteiligen.

    Ich konnte nicht widerstehen und schaute mit dem Oculus immer mal wieder kurz auf die Trollburg. Ich sah magische Nebel um das Gemäuer wallen, die aus jenen mir so fremdartigen Fäden bestanden, die die trollische Magie für mich war, und die in diesem Fall am ehesten mich an Illusionsmagie erinnerten. Hätte ich nur auch hier mehr Zeit, das zu untersuchen!

    Vier Trolle mit beeindruckenden Äxten in den Händen standen auf der Innenseite der Haupttür, als wir Strutzz in die große Burg folgten. Das dunkle Innere wurde unregelmäßig durch Fackeln in Troll-Größe beleuchtet, die flackernde Schatten über die Steine wandern ließen.
    Ich sah, dass die vier Wächter unmagisch waren. Strutzz sagte etwas zu ihnen, ich hörte nur Rosch Chod Dorr heraus, was zwar zu beeindrucken schien, aber auch etwas Skepsis auszulösen.
    Es lief darauf hinaus, dass wir bleiben und Strutzz folgen durften. Der tote Troll wurde samt seiner Waffe an die Wächter übergeben und wurde fortgebracht.

    Strutzz brachte uns in eine große Halle, die es wohl auch für Troll-Maßstäbe war. Verschiedene Felle, Bär, Gebirgsbock und manch anderes, aber auch Häute, hingen an den Wänden oder lagen auf dem Boden. Geweihe und Tierschädel hingen an den Wänden.
    Zehn Steinthrone standen an einer Wand, bedeckt mit Fellen.

    Auch in dem Saal machte ich den magischen Nebel aus. Obwohl niemand zu sehen war, hatte ich das Gefühl, es wäre jemand da und beobachte uns.
    Dann flimmerte es auf sechs der Throne, und es wurden Schemen sichtbar, die sich zu Trollen verfestigten. Sie waren mit vielerlei Schmuck aus Knochen und Holz behängt und trugen Felle und Tierteile, jeder dazu eine Keule. Das ließ mich vermuten, dass es sich nicht um Krieger handelte, sondern eher um Schamanen. Das bestätigte sich, als ich sie einmal kurz betrachtete.
    Firudan grüßte auf Trollisch, wir anderen auf Garethi.
    Drei von ihnen erhoben sich und traten auf uns zu. Der erste blieb vor Firudan stehen, die anderen beiden warteten hinter ihm. Der erste beugte sich herab, schnupperte an Firudan und betastete ihn wiederholte Male mit den Händen.
    „Rosch Chod Dorr“, sagte er und dann ging er zu Messana, die neben Firudan stand, und während der zweite bei Firudan ähnlich verfuhr, schnupperte und fühlte er auch an Messana herum, die ihn skeptisch beobachtete, aber ihn gewähren ließ.
    Messana war keine Rosch Chod Dorr, wie er durch Kopfschütteln feststellte und nach ihm auch die beiden anderen. Auch Sefira, Coris und Ullachan erging es so, wir anderen wurde als Rosch Chod Dorr erkannt.

    Nachdem die drei Trolle bei jedem von uns gewesen waren, sagte einer etwas, und Firudan übersetzte. In den nächsten Tagen sei das Thing, wir seien Rosch Chod Dorr und unser Kommen angekündigt. Auf dem Thing werde entschieden, wer Rosch Chod Dorr wird.
    Verblüfft fragte ich nach, ob sie also das Sechste Zeichen hätten?
    Firudan übersetzte, dass die Trolle nicht wissen, wer oder was das Sechste Zeichen sei, aber der Träger werde bestimmt.
    Ich fragte, wie sie bestimmen können, wenn sie es nicht wissen, gerade, da der Amul Dschadra im Raschtulswall liege, aber die Antwort half mir auch nicht weiter, dass es auf dem Thing bestimmt werden würde.

    Zumindest einer der Schamanen sprach Garethi. Er stellte sich als Wumrop vom Stamm der Taschkopp vor. Wir nannten auch unsere Namen, Messana stellte dabei noch Lira vor, die sich sonst gar nicht angesprochen gefühlt hätte. Wumrop stellte fest, Lira sei mehr als Rosch Chod Dorr.
    Ich war beeindruckt von dem Wissen und den Möglichkeiten der Trolle. Die Gezeichneten zu erkennen mochte ja nicht schwer sein, aber auch diese Feststellung über Lira zeigte doch von mehr und tieferen Einsichten.
    Messana fragte nach Krallerwatsch, den zu suchen wir vorrangig gekommen waren, denn er war an dem Berg gewesen und wir suchten nach Hinweisen über das Sechste Zeichen. Krallerwatsch war nicht da, ebenso wie noch drei weitere Schamanen kommen würden, erwiderte Wumrop, und auf dem Thing solle sich alles über das Zeichen offenbaren.
    Dieses Wissen über nicht-Wissen macht mich ganz unruhig, und begreifen kann ich es auch nicht.
    Wir erzählten von dem toten Troll und was wir über die Hintergründe mitteilen konnten. Auf dem Thing solle auch entschieden werden, ob die Trolle sich am Krieg beteiligen werden.
    Bis dahin, sagte er uns, seien wir Gäste, dürften keine Gewalt einsetzen, und uns umschauen, aber nichts anfassen.
    Umschauen kam mir sehr gelegen, denn das wollte ich in jedem Fall tun. Ich fragte bei der Gelegenheit, ob es wohl jemanden gäbe, an den ich mich mit Fragen wenden könne. Vielleicht werde Zeit zum Reden sein, erwiderte Wumrop.

    Uns wurde ein gemeinsames Zimmer zugewiesen, das von seinen reinen Ausmaßen her zweifellos mehr als groß genug für uns zehn ist. Auch unser Raum ist mit vielen Fellen ausgestattet, aus denen wir uns Schlafstätten herrichten konnten. Es gibt einen Kamin, über den der Raum geheizt werden kann, wenn man ganze Baumstämme hinein legt, in dem wir aber auch mit kleineren und weniger Holzblöcken eine Feuerstelle zum Kochen errichten können.
    Ich stellte nur meine Sachen ab, legte die Rüstung ab und rüstete mich mit Schreibzeug, Kohlestift und Buch aus, um mich dann gleich aufmachen, Eindrücke über Graulgatschthor zu sammeln. Firudan schloss sich mir an. Das war mir sehr lieb, denn so hatte ich einen Übersetzer, außerdem konnten wir uns über Gerüche und Anblicke von Magie austauschen.

    Diese sicherlich uralte Troll-Feste ist wahrlich beeindruckend und ebenso voller Geheimnisse, die die Trolle gekonnt hüten. Allein diese Verhüllungsmagie … !
    Die Burg ist sowohl in die Höhe riesig, wie auch nach hinten hinaus. Die Treppen sind für Trollbeine gemacht und forderten mir beim Hinauf- oder Herabsteigen entsprechend einiges ab. Die Steine, aus denen die Burg errichtet ist, sind unterschiedliches Gestein, nach der Farbe zu urteilen. Ab und an war auch Holz verarbeitet, das über die Jahrhunderte und gar wohl auch Jahrtausende auch steingrau und versteinert worden war.
    Wenn ich den Oculus aktivierte, sah ich allüberall den magischen Nebel, auch Firudan roch die Magie. Die Magie durchdrang die Burg, war jedoch nicht mit ihren Steinen verbunden.

    Wir stießen bei unserem Streifzug auf einen Raum, in dem Säulen von gewiss an die 30 Schritt Höhe standen. Mir unbekannte Runen waren in die Wände gearbeitet. Vor einer Wand saß ein trollischer Schamane, in den Anblick vertieft. Wir blieben also still und ich beschränkte mich darauf, um nicht zu stören, nur ein oder zwei dieser Runen abzupausen, die so groß sind, das nur eine auf eine Seite passt.

    In einem anderen Raum waren Löcher im Boden. Völlige Dunkelheit war darunter, warme Luft stieg herauf, aber auch seltsam krächzende Laute, die wir nicht zuordnen konnten.
    Wir fragten einen Troll danach, dem wir später begegneten, doch auch er wusste nicht, was es damit auf sich hat.

    Ein Wandbild fanden wir in einer weiteren Halle. Riesige humanoide Lebewesen standen sich in einem Kampf gegenüber. Wir konnten auf der einen Seite Praios, Rondra, Boron und eine verhüllte Gestalt, die Phex darstellen mochte, identifizieren, und auf der anderen Ingerimm, Raschtul, Ogeron und drei weitere Gestalten erkennen. Von diesen dreien mochte eine ein Hund oder gar Wolf sein (der Phex gegenüber stand), eine hatte die Gestalt einer Raubkatze und die dritte schien halb verwest.
    Mir ging wieder durch den Sinn, wie alt die Trolle waren. Was wussten sie also von den Ereignissen, die auf diesem Bild dargestellt waren? Und auch hier, ein Wolf oder Hund ist dargestellt, möglicherweise als Gegenpart zu Phex.

    Wir trafen immer wieder Trolle auf den Gängen dieses Gebäudes. Weibliche und männliche Trolle, sogar Kinder, die immer noch so groß wie ich oder einen Kopf größer waren, aber an ihrem Lachen und Spielen zu erkennen waren (und weil sie so klein waren), auch wenn sie bei unserem Nähern sich schüchtern etwas zurück gezogen.

    Es war schon spät, als wir von unserem Gang zurückkamen. Wir waren die letzten, die sich zum Schlafen niederlegten, ich noch etwas später, um diese Zeilen zu schreiben. Messana und Velea hatten auch noch einen kleinen Spaziergang gemacht.

  • 27. Phex 28 Hal, Graulgatschthor



    Da das Thing erst morgen anfängt, hatten Firudan und ich noch den ganzen Tag, den wir weidlich nutzten.

    Wir fanden in einem Raum eine sehr große Grube, die voll war mit Waffen, Rüstungen und Rüstungsteilen, einige von ihnen völlig verrostet. Auf eine Nachfrage hin erfuhren wir, dass dort die Waffen und Rüstungen besiegter Gegner gesammelt wurden.

    In einer anderen Räumlichkeit war ein großes Loch, aus dem ein Geruch stieg, der die Nase prickeln ließ. Doch weder profan noch mit Oculus war etwas zu sehen.

    In einer anderen Halle waren die Wände mit dem bedeckt, was Firudan als die trollische Raumbilderschrift erkannte. Sie berichtete von der trollischen Kultur als auch der anderen Kulturen, auch von längst vergangenen. Von den Insektoiden, den Echsen und den Leviathanim, Orks und Goblins, Wasserwesen und Menschen … Ich wusste ja, wie alte die Trolle waren und wurde mit den Beweisen dafür immer wieder konfrontiert, aber dies rief es mir ganz besonders ins Bewusstsein.
    Ich machte Kopien von einigen dieser Zeichen. Leider konnte ich, da Firudan die komplexe Schrift auch nur in Ansätzen lesen kann, nur einen sehr, sehr oberflächlichen Eindruck verschaffen.
    Wumrop sagte mir später, es handele sich um die „Halle der Geschichte“.

    Es gab noch viel mehr zu sehen! Doch wie in Drakonia reicht weder ein Tag noch eine Siebenspanne, sich alles anzuschauen. Zugleich wollten wir auch nicht aufdringlich erscheinen oder stören. Vieles mit geschlossenen Türen betraten wir nicht, Wohnräume mieden wir selbstverständlich ebenfalls. Wir sahen, meist nur im Vorbeigehen, Trolle bei ihrem Tagwerk, beim Gerben von Häuten und Fellen, Ausnehmen von Tieren, ein Schamane bemalte Steine mit roter Farbe. Sie sahen uns an und nach, vermutlich wussten sie, dass wir Rosch Chod Dorr sind, aber sie sprachen uns nicht an.
    Einmal sahen wir Trollfrauen, die beisammen saßen und Bewegungen ausführten, als würden sie etwas knüpfen, nur dass nichts zu sehen war. Ich aktivierte den Oculus, Firudan sog magiegeschwängerte Luft ein. Ich sah eher grobe, aber starke Stränge von Magie, die zwischen den Händen und Bewegungen der Frauen entstanden. Das war faszinierend und ich hätte mich vermutlich noch für geraume Zeit in den Anblick und die Strukturen versenken können. Ich bat Firudan, sie anzusprechen und nach dem zu fragen, was sie da taten, aber sie gaben keine Antwort.

    Einmal sahen wir einen Troll, der auf einem knöchernen Drachenschädel saß (es konnte vielleicht der eines Tatzelwurm sein) und tief und guttural sang. Von irgendwo außer Sicht ertönte eine gesungene Antwort, und so ging es hin und her.

    Wir fanden einen Troll (wir hätten Strutzz aufsuchen können, doch der kam mir für einen Troll recht einfach gestrickt vor) der bereit war, uns einige Fragen zu beantworten und etwas über sein Volk zu erzählen. Firudans Übersetzungen entnahm ich, dass die Trolle früher eine dominantere Rasse gewesen waren (mir fiel ein, dass die Trolle bereits ein eigenes Zeitalter gehabt haben sollten), doch von den nachfolgenden Rassen verdrängt worden waren. Zu diesen ‚jüngeren‘ Rassen zählen die Trolle allerdings auch Leviathanim oder Drachen. Sie betrachten sich selber als so etwas wie außenstehende Zuschauer, so verstand ich es, und geben sich möglichst wenig mit diesen ‚aggressiven‘ Rassen ab. Festungen wie Graulgatschthor gibt es noch mehrere, über den ganzen Kontinent verteilt.
    Die Trolle haben insgesamt 10 Stämme. Es sind einmal die Tragatsch, „Die Blindgeborenen, die das Dunkel sehen“, angeführt von Stammesfürst Troddsch, Sohn des Bagsch. Dieser Troll ist wohl tatsächlich blind. Die Tralleropp, „Die Traumspötter, die das Versprechen gaben“, aber schon vor langer Zeit wegzogen oder gar den Kontinent verließen und seitdem verschollen sind, gibt es noch, und die Tonkerompf, „Die Dornenweber, die das Zwielicht kennen“. Deren Fürst war Drollgomp, der nun tot ist. Die Malmartatsch, „Die Wuttänzer, die den Felsen spalten“ unterstehen Fürst Rabauk, Sohn des Römpeldatsch. Ilkhold Zottelhaar, der auch bei uns Menschen legendäre Troll, der einst mit Gnor'a'khir einen namhaften Dämonen erschlagen und die Schönheit aus den Niederhöllen gerettet hatte, war ein Troll aus diesem Stamme. Der Stamm der Tolpatatsch, „Die Vatertreuen, deren Hände sehend sind“ ist der Krallerwatschs, der nicht nur Schamane, sondern auch Fürst ist. Ursprünglich seien sie im Raschtulswall zu Hause gewesen, erwähnte er, und das ließ mich überrascht aufhorchen.
    Der Stamm der Tamperampf, „Die Tränensammler, die die Sterne hören“ hat als einziger eine Fürstin: Grauramcke, Tochter des Knorrhold. Rumpold, Sohn des Strack ist der Fürst der Taschkopp, „Die Schattenflüsterer, die den Mondfelsen lauschen“. Dann gibt es noch die Tarpatsch, „Die Taumelschreiter, die dem Ruf folgen“ mit Fürst Gramgrütz, Sohn des Graurmatsch und den Stamm der Traugatompf , “Die Blutsänger, die die Wege siegeln“, mit Fürst Tarkampf, Sohn des Luderdotsch. Angehörige dieses Stammes fügen sich viele Schmucknarben zu und wie ich es verstand, ist das der Stamm, den die anderen Stämme lieber meiden. Die Tauthorkatsch, „Die Ahnenrufer, die das Vermächtnis hüten“, sind der zehnte Stamm unter dem Schamanen und Fürst Krumpel, Sohn des Torfkomp.

    Möglicherweise ist es die trollische Namensgebung, die mit zu meinem etwas ambivalenten Eindruck bei mir führt. Diese Namen, sowohl die Eigennamen, als auch die der Stämme, klingen in meinen menschlichen Ohren lächerlich und albern. Dass kein Troll, den wir bislang trafen, ein fließendes Garethi spricht, trägt ebenfalls dazu bei, dass ein Troll, wenn er spricht und sich vorstellt, trotz seiner Größe und körperlichen Kraft kindlich und geistig bestenfalls einfach gestrickt wirkt, ebenso diese hemmungslos kindliche Begeisterung für Süßes. Wenn man sich Strutzz ansieht, mag dieser Eindruck sogar berechtigt sein, aber ihn kenne ich nicht genug, um dieses Urteil schlussendlich fällen zu können.
    Aber auf der anderen Seite: Da gibt es diese uralte Magie, Teleportationsportale, eine unglaubliche Verhüllungsmagie, und Geschichte und Überlieferungen, die über Jahrtausende zurück reichen. Trolle als Volk sind weder dümmlich noch einfach gestrickt.

    Jeder Stamm hat einen Anführer, der übersetzt Fürst (nicht etwa Häuptling) genannt wird. Manchmal ist der Fürst auch zugleich der Schamane. Obwohl Männer und Frauen gleichberechtigt betrachtet werden, sind Schamanen ausschließlich Männer, obwohl auch Frauen über die ‚Mondkraft‘, wie sie Magie nennen, verfügen. Obendrein scheinen Frauen seltener Fürstinnen zu werden.
    Wenn die Zeit für wichtige Entscheidungen ansteht, wird ein Thing in Graulgatschthor einberufen. Wie das einberufen wird, sagte uns der Troll, wäre Schamanensache. Die Fürsten und Schamanen jedes Stammes kommen, es kann aber auch jeder weitere Angehörige kommen, der möchte, und vor dem Thing sprechen. Außerhalb dieses sechstägigen Things wird Graulgatschthor bewohnt, von den Tampferampf.

    Zu meiner Freude fand sich später auch der Schamane Wumrop bereit, mir ein wenig zu erzählen. Zweifelsohne half der Umstand, dass ich Rosch Chod Dorr bin.
    Trolle verfügen über eine Art Erinnerungsmagie, denn die Schamanen können ihren Geist über Generationen hinweg vererben, so dass sie, als hätten sie es selber erlebt, von uralten Geschehnissen berichten können.
    Troll-Frauen verfügen öfter als die Männer über die ‚Mondkraft‘, die bei ihnen aber schwächer ausgeprägt ist. Als ich ihn fragte, was für eine Form von Magie die ‚webenden‘ Troll-Frauen gewoben hatten, zögerte Wumrop kurz, und sagte dann, Trollinnen mit der Mondkraft würden Zirkel bilden, in denen sie die Verhüllungsmagie weben, die auch Graulgatschthor vor ungewollten Augen verhüllt. Das also hatten die Troll-Frauen ‚gewebt‘.
    Die Mondkraft der Schamanen basiert auf Elementar-Magie und Kontakt zu den Ahnen, sie heilen aber auch. So verstand ich seine Ausführungen dazu. Sie wirken ihre Magie mittels Ritualen und sind keine Spruchmagier.
    Natürlich fragte ich auch nach den Portalen, die in Garethi-Übersetzung ‚Trollpfade‘ genannt werden. Es erfordert ein bestimmtes Ritual an jeder der Portalstellen, um sie gewissermaßen zu aktivieren, dann aber bestehen sie für lange Zeit. Wenn man so einen Trollpfad benutzt, bewegt man sich ‚neben der Welt‘ her, also durch den Limbus, wie wohl gemeint war und wie es sein musste bei einer solchen Teleportation.
    Ich fragte auch nach der Ankündigung von Rosch Chod Dorr und er erwiderte, die Sterne hatten dies vor Jahrhunderten für diese Zeit angekündigt.

    Niemals vergaß ich jedoch, dass einer SEINER Schergen sich hier herum trieb. Ich sah mir jeden Troll an, dem wir begegneten, und ich ließ auch Ecken und Winkel nicht aus, doch fand ich niemanden (oder etwas, wie ein Tier), der überhaupt von roten Fäden umgeben war, oder wenn doch, zeugten diese nicht davon, es mit einem Anwender borbaradianischer Magie zu tun zu haben.

    Beim Abendessen konnten wir mit den Trollen essen, oder für uns bleiben. Wir aßen mit ihnen, griffen aber vorwiegend auf unseren eigenen Proviant zurück, und nahmen lediglich für uns Menschen essbaren Mundvorrat wie Obst oder Fleisch an.
    Obwohl auch heute noch Trolle eingetroffen waren, war Krallerwatsch nicht darunter, das brachten wir noch in Erfahrung.

    Messana und Sefira, die mit tiefergehenden Erkundigungen dieser Burg nicht zu begeistern waren, hatten um Erlaubnis gebeten, Waffenübungen durchführen zu dürfen, sie würden das als Wettkampf tun wollen, nicht um sich gegenseitig zu verletzten. Unter diesem Gesichtspunkt war ihnen das gestattet worden, und ihnen war der morgige Thing-Platz zugewiesen worden, ein riesiges Amphitheater in einem der Innenhöfe, die nicht zuletzt auch deshalb die Ausmaße der Anlage so gewaltig machte.

  • 28. Phex 28 Hal, Graulgatschthor



    Am heutigen Morgen wurden wir zum Thing-Platz geleitet. Es ist ein Amphitheater von riesigen Ausmaßen, aber auch einer vorzüglichen Akustik. Platz bietet es für gewisslich 1000 Trolle, anwesend waren nur etwa 200, die trotz ihrer Größe je nach Blickwinkel fast verschwinden mochten.
    Zusammen mit Strutzz erhielten wir Platz ganz unten und nah an der Innenfläche, so dass kein Troll vor uns den Blick versperren konnte. Außerdem verkürzte das, wie wir noch erfahren sollten, unseren jeweiligen Weg auf die Innenfläche. Es standen auch dort 10 Throne, von denen sieben besetzt waren. Sieben von zehn Fürsten waren anwesend (wobei ja einer immer fehlt), denn beim Thing sind es die Fürsten, die entscheiden und jeden anhören, der etwas zu sagen hat, und danach entscheiden. Ein weiterer ist tot, Krallerwatsch nicht da.

    Der erste Redner war der Fürst der Traugatompf, wie uns Strutzz übersetzte, der in der Tat einige hässliche Narben trägt. Auch ohne Übersetzung erkannte ich Tarkampfs Ablehnung und Ärger im Tonfall. Firudan und Strutzz übersetzten, dass der Fürst keinen Sinn in einer Unterstützung der Menschen sähe, denn sie brächten Unglück und Verderben. Es gäbe keinen Dank, sagte er auch und die Trolle haben nie etwas mit früherer Hilfe bewirken können. Er sei dagegen, dass den Menschen geholfen wird, die Trolle würden wie stets alles überdauern.
    Unter zustimmendem Geraune und Murmel der Zuschauer nahm er Platz.

    Die Troll-Fürstin Grauramcke erhob sich und trat in unsere Richtung. In dem schwerfälligem, einfachen Garethi, wie ich es von den Trollen bislang kenne, stellte sie sich vor und auch die anderen fünf Fürsten. Als Rosch Chod Dorr, sagte sie zu uns, sollten wir selber für unser Volk sprechen und jeder von uns vortragen, warum die Trolle unterstützen sollten.

    Sie bestimmte Messana als erste Sprecherin. Gemessen und aufrecht schritt sie in die Arena, sah einmal im Kreise, wie sich während ihrer Rede immer wieder Augenkontakt suchte, und hob dann vernehmlich an zu sprechen. Alle paar Sätze machte sie eine kurze Pause, damit Strutzz mit seiner Übersetzung mitkam.
    Sie bezog sich direkt auf ihren Vorredner und sprach darüber, dass es in diesem Fall einer Unterstützung gewiss Dank geben würde, nicht nur von Seiten der Rosch Chod Dorr, dass etwas durchaus sehr Wichtiges bewirkt werden würde mit ihrer Hilfe, das Wichtigste überhaupt. Würden sie nicht helfen, Beobachter blieben, und die Menschen und ihre anderen Unterstützer verlören, würde Unglück und Verderben auf die Trolle gleichermaßen fallen, und womöglich würden sie dann nicht mehr überdauern. Sie hob auch die Wichtigkeit, dass alle gemeinsam kämpften, heraus.
    Als sie geendet hatte, gab es unterschiedliche Reaktionen, einige unter den Zuschauern brummelten ablehnend, andere zweifelnd, andere zustimmend.
    Entlassen war sie danach aber nicht, denn die sechs Fürsten hatten drei Fragen an sie.
    Die erste Frage von Grauramcke war (alle Fragen wurden auf Garethi gestellt), was ihrer Meinung nach die Menschen von den Orks unterscheidet. Diese Frage fand ich recht seltsam und irgendwie nicht zum Thema passend, doch ob Messana davon irritiert war oder nicht, war ihr nicht anzumerken. Männer und Frauen seinen bei den Menschen gleich berechtigt, sagte sie als erstes, auch die Religionen und ihre Ausübungen seien grundlegend unterschiedlich. Insgesamt gäbe es jedoch sehr viele Unterschiede, in der Lebensweise, im Aussehen, im Weltbild, in eigentlich allen Belangen.
    Als zweites wurde sie gefragt, was sie im Sternenhimmel sehen würde. Auch diese Frage fand ich zusammenhangslos, doch beherrscht wie immer, antwortete sie auch darauf. Sie könne darin einige Sternbilder erkennen, vor allem das Sternbild des Schwerts. Sie dienten ihr auch nachts zuweilen zur Orientierung, und manchmal – ich war mir sicher, sie schaute kurz zu Velea, die unwillkürlich lächelte – würde sie auch Schönheit in ihrer Anwesenheit erkennen. Als dritte Frage folgte, warum sie eine Kämpferin der Wimmelinge geworden sei. Sie sei in ein Volk von Kämpferinnen hinein geboren, die den Überzeugungen der Göttin Rondra folgen würden. Daher habe sie diesen Weg früh und selbstverständlich eingeschlagen und gelebt. Schutz von jenen, die des Schutzes bedürfen, der verantwortungsvolle Kampf, das hätte sie stets darin gesehen und in diesen Zeiten ganz besonders.
    „Setzen“, erfolgte darauf die kurze Reaktion. Sie nickte den Fürsten zu und ging wieder zu ihrem Platz.

    Als nächstes wurde Firudan in die Mitte gerufen. Er betonte die Bedeutung der Einigkeit aller Völker und Rassen und dass alle wichtig seien. Er sprach auch kurz von sich als Drittem Gezeichneten.
    Die erste Frage an ihn war, was die Menschen tun werden, wenn sie den Krieg gewinnen. Dann, erwidert er, werden jene, die nicht gefallen sind, nach Hause gehen. Die Heimat solle man verteidigen und dann friedlich zusammen leben. Es wäre ihm allerdings bewusst, dass kein endgültiger Frieden sein würde, sondern es immer wieder den einen oder anderen Konflikt geben würde.
    Was die Menschen mit Orks und Goblins nach dem Krieg machen werden, war die zweite Frage. Im Moment leben die Goblins im Bornland friedlich mit den Menschen zusammen, wusste er zu berichten, und er hoffe, es komme zu keinem Krieg mit ihnen, aber ausschließen könne er das leider nicht.
    Zuletzt wurde er nach seiner größten Tat gefragt. Über die Antwort dachte er kurz nach. Dann setzte er an, er hoffe, seine größte Tat wird noch kommen und werde der Sieg gegen Borbarad sein. Doch er wurde unterbrochen, und die Frage noch einmal wiederholt mit der Spezifikation, was bislang seine größte Tat war. Vielleicht, erwiderte Firudan, der Kampf gegen den Leviathan, nach dem er der Dritte Gezeichnete geworden war.
    Das war wohl eine akzeptierte Antwort, denn auch ihm wurde befohlen, sich wieder zu setzen.

    Ullachan war als nächstes dran. Wir seien anwesend, um Hilfe gegen Borbarad zu finden, der gegen alle ziehen würden, daher seien auch alle nötig, um gegen ihn zu kämpfen. Gemeinsam seien alle stark.
    Die erste der drei Fragen an ihn war, wie es sein könne, dass sein Volk einig sei, wenn es doch gegen die Anhänger des lockenköpfigen Gottes kämpfen würde. Ullachan schaute ratlos drein, denn, wie er sagte, einen lockenköpfigen Gott kenne er nicht. Sein Volk habe andere Götter und verehre dazu die Natur und die Ahnen.
    Da er nie auch nur im südlichen Mittelreich gewesen war, wie seinen Erzählungen zu entnehmen gewesen war, kannte er Rastullah nicht, denn der war zweifellos gemeint.
    Es wurde die zweite Frage an ihn gerichtet: Was wird seine Art der Welt hinterlassen? Nicht viel, meinte er, vielleicht Bauwerke, aber alles sei vergänglich, außer, ob die Dämonen oder Götter über Aventurien bestimmen.
    Auch er wurde zuletzt gefragt, was seine größte Tat sei. Er habe einen Haerad vor einem Schergen der nachtschwarzen Spinne beschützt, ihren Abgesandten zum Ahnenstein verfolgt und getötet.
    Ich fragte mich, was Strutzz, dessen Garethi nicht eben gut war, mit diesen Begriffen bei der Übersetzung machte. Ich kannte die Geschichte, Ullachan hatte sie einige Male erwähnt, war aber überrascht, dass er diesen einen Raubkatzen-Dämon als seine größte Heldentat ansieht, nach allem, was er erlebt hatte, seit er bei uns ist.
    Auch er wurde auf seinen Platz zurück geschickt, nachdem sich der Barbar vor den Fürsten verbeugt hatte.

    Auch Sefira sagte, wir seien hier, um um Hilfe zu bitten. Ein Volk allein sei machtlos, allein sei jeder Einzelne und Volk zu schwach. Ihr Volk, die Amazonen, habe das erfahren, als es viele seine Kämpferinnen gegen den Dämonenmeister verloren habe. Der Dämonenmeister sei bei den Trollen aktiv, auch dies sollte als Zeichen genommen werden, dass sie nicht von ihm ignoriert werden würden.
    Sie wurde als erstes gefragt, wie sie Lüge von Wahrheit unterscheidet. Es sei ihr nicht möglich, Gedanken zu lesen, sie sei darauf angewiesen, einzuschätzen und sie müsse darauf vertrauen, dass es die Wahrheit sei.
    Die zweite Frage war, warum ein Sieg bei ihrem kurzlebigen Volk wichtig sei. Es sei nicht nur wichtig, was jetzt geschähe, erwiderte sie, sondern vor allem, was danach geschehen würde. Es sei ihr wichtig, dass sie daran teilhaben kann, etwas Besseres zu hinterlassen.
    Ob sie glaube, dass auch andere Menschen so selbstlos denken, wurde sie zuletzt gefragt. Ja, sagte sie, viele würden aus Gründen der Ehre, des Glaubens, weil sie beschützen wollen oder aus anderen Gründen so denken.
    Damit war auch sie entlassen.

    Coris legte dar, sie sei keine Gezeichnete, sondern ein einfacher Mensch, der sich dieser Sache verschrieben habe. Borbarad sei ein Gegner, der die Schöpfung bedrohe. Die Zeit des Handelns sei für die Trolle nicht vorbei.
    Die erste Frage an sie war, ob sie die Magie der Menschen für besser halten würde als die der Trolle. Es gebe unterschiedliche magische Traditionen, unterschiedliche Herangehensweisen an den Umgang mit Magie, erwiderte sie. Keine sei ihrer Meinung nach besser oder schlechter, nur anders.
    Dann wurde gefragt, warum sie gegen den ‚Finsterzwilling’ kämpfen würde. Weil sie die Gefahr erkenne. Er sei ein Feind aus der Sphäre der Götter, und wenn sie selber nur einen kleinen Teil beitrage, wäre auch das wichtig.
    Wie könne ihr Volk einig sein, wurde auch ihr diese Frage gestellt, wenn es doch gegen die Anhänger des lockenköpfigen Gottes kämpfe? Die Menschen seien ein großes Volk mit vielen Konflikten. Doch in diesem Fall haben die Anhänger aller Seiten einen gemeinsamen Gegner und in diesem Moment würden Reiter des lockenköpfigen Gottes nach Norden reiten, um gegen den Dämonenmeister zu kämpfen. Menschen können ihre Differenzen überwinden.

    Als auch sie wieder saß, wurde Raidri Conchobair nach vorne bestimmt. Er sei nicht mehr jung und habe viel gesehen, begann er. Viele Kämpfe habe er gewonnen, doch keiner davon sei vergleichbar mit dem jetzigen Kampf. Dieser Feind könne nicht von einem Volk geschlagen werden. Ihm sei Siebenstreich überantwortet worden, die Waffe der Götter, aber auch sie allein würde nicht reichen. Nun sei Zeit für einen Schulterschluss. Opfer gehören dazu und er sei bereit, sein Leben zu geben.
    Er wurde gefragt, warum er der Auserwählte für die Klinge sei. Er möchte die anderen Zeichen nicht schmälern, sagte er, doch die Götterklinge sei das tragendste Zeichen. Warum gerade er sie erhielt, weiß er allerdings nicht.
    Was würde geschehen, wenn die Menschen gewännen? Tobrien würde zurück erobert werden, damit das Land gedeihen könne und Frieden herrsche.
    Was sieht er, wurde er noch gefragt, wenn er die Trolle anschaut? Ein altes Volk, von Legenden besungen, die ein großes Gewicht in der Welt hätten, wenn sie ihre Möglichkeiten nutzen würden, und das jetzt nicht mehr beobachten, sondern eingreifen sollte.

    Lira sollte die nächste sein. Sie ging in die Arena, blieb dort aber schweigend und abwartend stehen. Die Trolle auf den Rängen wurden schon unruhig. Warum sei sie anwesend?, wurde sie von einem der Fürsten gefragt, als ihnen klar wurde, dass sie nichts sagen würde. Sie sei nicht Teil der Welt, Borbarad auch nicht. Beide seien Teil des Problems und der Lösung, antwortete sie.
    Wieso sei sie Teil des Problems? Aufgrund der Umstände ihrer Geburt, erwiderte sie ruhig, sei ihr Leben mit Borbarad verknüpft.
    Warum seien wir anderen hier, wenn sie Teil Lösung des Problems sei? Sie sei eben nur ein Teil der Lösung, nicht die ganze Lösung oder auch nur die halbe.
    Was mache ihre Geburt so besonders? Dinge, die Dere umspannen, reichen tief und weit, erwiderte sie, sie sollten hoch schauen in den Sternenhimmel für die gesuchten Antworten. Ich fragte mich, ob sie auch früher gesprochen habe, oder wie viel durch die Kappe eingegeben wurde.
    Ob und was die Trolle mit den Antworten anzufangen wussten, blieb mir verborgen, sie beließen es bei ihren drei Fragen und Lira ging zurück.

    Velea war als nächstes dran. Die Trolle, sagte sie, hätten die längste Geschichte, ihr Wissen sei alt, doch nun die Zeit des Beobachtens vorbei. Die Sterne sprächen von der Entscheidungsschlacht, das Sein oder nicht-Sein der Welt stünde auf Messers Schneide. Bei einem nicht-Handeln der Trolle könnten sie in Zukunft nicht mitbestimmen. Die Trolle seien mutig, sie sollten für sich kämpfen und für die Schöpfung. Was sie tun, werden sie noch miterleben, während bei den Menschen vielleicht erst die Kinder oder Enkel sehen werden. Das einzig richtige wäre, Borbarad aufzuhalten.
    Die erste Frage an sie war, was sie sehen würde, wenn sie die Berge um Graulgatschthor anblicke. Die Berge seien alt, sie seien Heimat, älter als das alte Volk, sie müssten bewohnt werden.
    Warum sei sie als Elfe anwesend, was sei mit den Elfen? Athavar Friedenslied war alt, und dennoch von Borbarad getötet worden. Die Elfen glaubten, es sei nicht ihr Kampf, aber nun hatten sie umgedacht, da sie erkannt hatten, dass dieser Kampf auch sie anginge.
    Was will Borbarad?, war die letzte Frage. Der große Krieg sei nicht Borbarads Ziel. Er hatte Orte der Macht aufgesucht, um sie zu nutzen und zu pervertieren. Sie, Velea, vermute dahinter eine Ablenkung. Er habe etwas vor, von dem Sterbliche nicht profitieren, das höchstens zu erahnen sei, aber dessen Schrecken groß sei.

    Dann wurde Dela in die Arena gerufen. Sie drehte sich einmal langsam, um alle einmal sehen zu können. Sie sprach ebenfalls davon, wie wichtig es sei, dass alle Völker gemeinsam kämpfen sollten. Die Weltordnung, die Borbarad anstrebe, richte sich gegen alle, denn er wolle alles verändern. Nichts gewähre Sicherheit, außer gemeinsam zu kämpfen.
    Doch über eine gemeinsame Schlacht hinaus hoffe sie auf zukünftige Kontakte zwischen Trollen und Menschen. Früher habe es wenige gegeben, aber für die Zukunft hoffe sie auf mehr Austausche.
    Die erste Frage an sie war, warum sie jetzt vermehrt Kontakte gut heiße, wenn es bislang doch auch keine gegeben hatte. Jetzt gebe es Einblicke, die Dela persönlich interessant findet, und sie nehme an, dass es andere Menschen deshalb auch interessieren würde.
    Dann wurde sie aufgefordert, drei Dinge zu nennen, die Menschen von den Schwarzfelligen und Geschuppten unterscheiden würde. Bei den Orks, sagte sie, herrsche das Recht des Stärkeren. Bei den Menschen wäre zwar nicht alles ideal, aber die Schwachen würden geschützt werden und hätten aufgrund anderer Fähigkeiten auch wichtige Plätze in der Gesellschaft. Drachen würden einzeln leben, Menschen gewännen erst zusammen an Kraft und bräuchten den Zusammenhalt.
    Einen weiteren Unterschied sieht sie in der Geschlechterrolle, gibt es bei den Menschen durchaus unterschiedliche Rollen, dabei jedoch auch Gleichberechtigung.
    Die dritte Frage war, was sie sehen würde, wenn sie nachts an den Himmel schaue. Sterne, erwiderte sie, die als Wegweiser dienen könnten, aber auch Geschichten repräsentierten. Das Madamal ebenfalls, das die die Geschichte von Freiheit, Magie und Gefahr erzählen würde.

    Die letzte, die aufgefordert wurde, zu sprechen, war ich. Entschlossen ging ich in die Arena, blieb vor den Steinsesseln stehen und blickte mich auch einmal um.
    Dann begann ich damit, dass SEINE Spione in Graulgatschthor wären, und es Zeit wäre, IHM, der keine Grenzen kennt, SEINE Grenzen aufzuzeigen. Er sei nicht auf den Krieg angewiesen, denn ER braucht keine Armee und kann auch ohne diese Burgen und Städte fallen lassen, und doch würde ER darauf zurückgreifen. Doch die Entscheidungsschlacht stünde nun endlich an. Die Trolle haben die Letzte Waffe, wie vor langer Zeit prophezeit wurde, und es sei nun ihre Zeit und Stunde, sie einzusetzen. Ich sprach von dem Almadinen Auge, wie Ghosif BORBARAD hasst und stets auf SEINER Spur ist.
    Ich war der festen Überzeugung, eindringlich, aber ruhig zu ihnen zu sprechen, bemerkte aber einige Male, dass ich hin und her ging und meine Stimme lauter wurde, und ich musste mich stets zur Ruhe rufen.
    Aber sie müssen sich gegen IHN mit uns zusammenschließen!
    Die erste Frage war, womöglich ob meines Eifers, warum ein Eingreifen der Trolle so wichtig sei. Weil BORBARADS Ansinnen gegen ganz Dere gerichtet ist und daher ganz Dere gegen IHN sein sollte, erwiderte ich sogleich, und bemerkte, dass ich mich schon wieder ereifert in Bewegung gesetzt hatte.
    Als zweites wurde ich gefragt, was ich in Raidri Conchobair sehen würde (dabei wurde auf ihn gezeigt, nicht sein Name genannt). Diese Frage fand ich recht seltsam, antwortete aber umgehend: Einen Auserwählten, der Siebenstreich trägt, einen Albernier und damit Landsmann, einen Krieger und Kämpfer, der sein ganzes Leben andere geschützt hatte, einen Helden.
    Was würde passieren, wenn die Menschen verlieren würden? Aventuriens Angesichts würde verändert werden und zu einer Welt werden, in der niemand mehr leben möchte, aber vielleicht länger existieren muss, als er möchte.
    Dann setzte ich mich auch.
    Sie müssen!

    Doch weitere Trolle sprachen, sie äußerten sich für oder gegen Unterstützung der Menschen, und beide Seiten erhielten beifälliges und zustimmendes Geraune von den Zuschauern. Strutzz redete auch und er sprach sich für Unterstützung aus. Insgesamt, schien mir, hielten für Befürworter und Ablehner sich in etwa die Waage. Das ist gut, aber nicht gut genug.

    Für die Mittagspause war unterbrochen worden, zum Abend hin wurde das Thing beendet und es soll morgen weiter gehen.

    Beim Essen fragte Firudan Strutzz wieder nach Krallerwatsch und ob über dessen Verbleib etwas bekannt wäre. Der war dagewesen, aber vor dem Thing auch schon wieder gegangen. Das hätte uns ja ruhig mal gesagt werden können, wenn wir schon nach ihm gefragt haben. Wo Krallerwatsch so kurz vordem Thing ging, wusste er allerdings auch nicht. Eigentlich hätte er da sein müssen.
    Wir fragten daher bei den anwesenden Trollen, ob jemand wusste, wohin Krallerwatsch gegangen war, aber von denen die wir fragten, wusste keiner etwas.

  • 30. Phex 28 Hal, Graulgatschthor

    Auch bei der gestrigen Frühstücks-Versammlung wusste kein Troll etwas über Krallerwatschs Verblieb. Das verräterische Leuchten borbaradianischer Magie fand ich allerdings auch weiterhin nicht.

    Dann begaben wir uns zum Amphitheater und nahmen unsere Plätze ein. Der erste Troll, der sprach, sah den Krieg nur als Konflikt zwischen den Menschen. Es sollte auch nicht geholfen werden, weil Menschen früher in die Trollzacken eingefallen waren. Der Finsterzwilling sei eine Prüfung der Menschen, die zeigen werde, ob sie es wert seien, fortzubestehen.
    Unruhig rutschte ich auf einem Sitzplatz herum. „Hat er uns nicht zugehört?“, raunte ich den anderen zu.
    Der Finsterzwilling sei nur eine Prüfung, fuhr er fort, und der Lichtzwilling wird helfen, wie er es auch früher getan hat.

    Nun hielt es mich nicht mehr auf meinem Platz sitzend. Ich erhob mich und rief, Rohal sei nicht mehr. Man wollte wissen, ob er tot sei. Nein, das nicht, aber nicht mehr in Aventurien. Also tot?
    Es gab einiges hin und her, begleitet von Übersetzungen, während ich versuchte ihnen klar zu machen, dass Rohal nicht tot sei, aber auch nicht mehr in Aventurien und er nicht zurückkehren würde. Er hatte uns geholfen, in dem er ging, denn das war eine Grundlage für einen Sieg über IHN, dass Rohal nicht mehr sein dürfe und daher auch nicht mehr eingreifen kann oder wird.

    Als ich dachte, dieser Punkt sei geklärt, wurde ich nach vorne gerufen. Ich sprang von meinem Platz und ging wieder in die Arena.
    Wäre ich bereit, zu sterben? Ja, erwiderte ich, wenn es nötig wäre und wichtig, und IHN zu besiegen sei wichtig.
    Natürlich wollte ich lieber leben, aber das sagte ich nicht, denn unbenommen ist, auch wenn es eine schreckliche Vorstellung ist, dass ich mein Leben geben würde, damit Aventurien vor IHM bewahrt bleibt.
    Was wäre die größte Lehre, die ich gelernt hatte? Ich wusste nicht, warum nun wieder diese Fragerei losging, antwortete aber, dass ich viele wichtige Lehren erhalten hatte, sei es, dass Spinnen wichtig sein können, wie wichtig der Schutz der Schwachen sei, einige Geheimnisse des Farindels, aber auch, dass ich selber durch das Tragen desAlmadinen Auges kosmologisch wichtig sei, aber zugleich doch nur ein kleines Rad im großen Weltengefüge, denn nach dieser letzten Schlacht sei ich vielleicht nicht mehr wichtig.
    Sie nahmen es stumm hin, wie sie jede Antwort unkommentiert hinnahmen, und fragten mich, was ich unter Verantwortung verstünde. Unter Verantwortung verstünde ich, so begann ich mit klarer Stimme jeden einzelnen Punkt, wie ich es bei meiner Schwertleite gesprochen hatte, dass eine Waffe zu führen eine große Verantwortung sei; meine stärkste Rüstung mein Glaube an die Leuin sei; wahre Überlegenheit im Kampf durch Gnade und Ehre entstünde; sowohl für meine Taten verantwortlich zu sein als auch für das, was ich nicht tue; bereit sein zu sterben, wenn ich bereit bin zu töten; Gnade auszuüben, wenn ich meine Waffe ziehe, und nicht sinnlos zu töten; dass mein Herz, Ehre und Wille meine stärksten und wichtigsten Waffen sind; um die Tugenden von Mut, Gerechtigkeit, Ehrenhaftigkeit, Barmherzigkeit, guter Gesinnung, Weisheit, Demut, Schutz, Selbstbeherrschung, Mäßigkeit, Beständigkeit und Selbstlosigkeit zu wissen und nach ihnen zu leben; zu wissen, dass ich in jedem Fall einen Kampf gewinne, entweder durch den Sieg über den Gegner oder einen Platz an Rondras Tafel; zu wissen, dass auch um einen besiegten Gegner getrauert wird, denn auch sie haben Familie und Freunde, außer es wäre ein Paktieren, Dämon oder ER; der Leuin zu Ehren leben, ihr zu Ehren zu kämpfen und ihr zu Ehren sterben; und der Herrin zu dienen und jenen, die meines Schwertarmes bedürfen.
    Stolz sah ich die Fürsten an (auch wenn das wohl nicht ganz der Tugend der Demut entsprechen mochte).
    Doch sie schickten mich zurück auf meinen Platz ohne ein Wort.

    Ullachan winkten sie vor und fragten ihn, ob er bereit sei zu sterben. Er bejahte das einfach.
    Was sei sein größter Makel und Tugend? Sein größter Makel, sagte er, sei sein aufbrausendes Wesen, das er mit seinem Tiergeist, dem Bären, teile. Als seine größte Tugend betrachtet er seine Aufopferungsbereitschaft.
    Was sei für ihn Verantwortung? Schwache und Hilflose schützen mit der Waffe oder der Tat.
    Ich hatte ihn selten auch nur leicht verärgert gesehen, Jähzorn hätte ich ihm gar nicht so zugetraut, dass er das sogar als Makel empfindet, überraschte mich. Auch hatte seine Zurückgezogenheit, er sich nie irgendwo vordrängte oder vehement für etwas aussprach und bei Schlachten gerne bei der Landwehr kämpfte, ihn nie als so selbstlos einschätzen lassen.

    Auch er wurde zurück auf den Platz geschickt, und Firudan war dran. Sei er bereit zu sterben? Auch Firudan bejahte das, ergänzte aber, damit Dere von Borbarad befreit sei.
    Wie viel Trolle habe er getötet? Keinen, erwiderte er, allerdings einmal gegen Kerbhold gekämpft (das rief allerdings Getuschel hervor).
    Was seien sein größter Makel und seine größte Tugend? Seine Tugend sei sein Mut, sein Makel, dass er durch sein Zeichen zu etwas Unbeherrschtheit neige. Da war ihnen nicht genug und es wurde gefragt, was er damit meine. Er könne sehr blutdurstig sein, gestand er ein, aber er hätte noch nie Unschuldige dabei getötet.

    Sefira wurde als nächster drei Fragen gestellt. Sei sie bereit zu sterben? Ja, das sei sie.
    Was sei ihre größte Lehre? Der Zweck heilige nicht die Mittel.
    Was sei Verantwortung? Nach den Prinzipien ihrer Göttin zu leben, antwortete sie.

    Auch Messana wurde gefragt, ob sie bereit sei zu sterben. Das sei sie, erwiderte sie, sie sei schon gestorben aus dieser Überzeugung heraus, und sei auch zukünftig bereit, ihr Leben zu geben, um Rondras Willen zu erfüllen, ihr Schwertarm auf Dere zu sein. Es müsse alles gegeben werden, um Borbarad aufzuhalten und sie sei dazu bereit.
    Was seien ihre größte Tugend und ihr größter Makel? Ihr Makel, sagte sie ohne zu Zögern oder nachzudenken, sei es, einst Rondra gefehlt zu haben. Dies habe ihr aber auch ihre größte Tugend gebracht, denn dies hatte sie zu der Frau gestählt in Blut und Leid, die sie nun sei, die nun Rondras Schwertarm auf Dere sei und unerschütterlich fest im Glauben.
    Was sei ihre größte Lehre? Rondras Zorn sei allumfassend, aber ebenso auch ihre Gnade.

    Velea wurde ebenfalls gefragt, ob sie bereit sei zu sterben. Das sei sie, für das Richtige, denn sie könne nicht leben mit einer falschen Entscheidung.
    Was seien ihre größte Tugend und Makel? Manchmal stelle sie das Leben ihr lieber Menschen über das anderer, das wäre egoistisch. Ihre Tugend sieht sie in ihrer Empathie und Mitgefühl und dass sie immer offen für andere sei.
    Was sei ihre größte Lehre? Idealismus könne verletzten, die Welt sei nicht gerecht, sie könne nicht allen helfen und sie müsse damit umgehen.

    Lira wurde auch erneut in die Mitte gerufen und ihr drei Fragen gestellt.
    Was sei für sie Verantwortung? Ihre Bestimmung zu erfüllen, erwiderte sie kurz.
    Was seien ihre größte Tugend und ihr größter Makel? Das sei ohne Bedeutung, sie würde nur ihrer Bestimmung folgen.
    Was sei ihre größte Lehre? Dem Schicksal könne man nicht entkommen, wenn es vorgezeichnet wäre.

    Nach ihr war Coris dran. Sei sie bereit zu sterben? Ja, das sei sie.
    Was sei ihre größte Lehre? Das Leben sei voller Überraschungen und vieles käme unerwartet.
    Was sei Verantwortung? Dass man sich auf sie verlassen könne und sie an sie gestellte Aufgaben durchführen würde.

    Auch Raidri Conchobair bejahte die Frage, ob er bereit sei zu sterben. Das hatte er gestern so gesagt, und das würde auch weiterhin gelten.
    Was seien seine größte Tugend und sein größter Makel? Verantwortungslos gegenüber jenen seiner gewesen, die auf ihn zählten und auf ihn angewiesen waren. Aus Impulsen heraus habe er falsche Entscheidungen getroffen, aus Ruhmsucht oder Gedankenlosigkeit und dabei zu glauben, alles wäre richtig. Als seine Tugend nannte er seinen Mut, nie habe er gezaudert oder sei einem Kampf ausgewichen.
    Was sei seine größte Lehre? Ruhm und Ehre können verleiten, vom rechten Wege abzukommen und blind für das eigene Versagen machen.

    An Dela erging ebenfalls die erste Frage, ob sie bereit sei zu sterben, die sie ebenfalls mit einem „Ja“ bejahte.
    Was seien ihre größte Tugend und Makel? Ihren größten Makel sieht sie darin, nachzutragen und sich schwer damit zu tun, zu verzeihen. Sie müsse lernen, besser zu verzeihen. Als Tugend von ihr schätze sie die Menschen ihrer Umgebung und diese wolle und würde sie auch schützen.
    Die dritte Frage war, was ihre größte Lehre gewesen sei. Früher war sie materiell eingestellt, sagte sie, nun habe sie sich Idealen zugewandt und erkannt, dass es sich lohnt zu kämpfen, wenn es für ein Ideal geschieht und mit dem Herzen unterstützt werde.

    Als wir wieder alle auf unseren großen Steinblöcken saßen, sprachen erneut Trolle und Firudan und Strutzz übersetzte für uns.

    In der Mittagspause kam ein vermutlich noch junger Troll zu uns. Als jung stufte ich ihn ein, da er noch etwas schmaler und kleiner als die Erwachsenen und seine Haut nicht so borkig war. Auch er trug Schmuck aus Knochen und Tierteilen als Zeichen, dass wir es mit einem Schamanen oder wenigstens angehenden zu tun hatten. Er stellte sich als Krallulatsch, Sohn des Krallerwatsch, vor und er war besorgt über den Verbleib seines Vaters, der aufgebrochen war zu einer Höhle namens Rasch Bromm Knartsch, in der es Aufzeichnungen gäbe und die ein Ort der Visionen sei, der aber zu Beginn des Things hätte zurück sein müssen. Krallulatsch kennt allerdings die genaue Lage der Höhle nicht, nur die ungefähre Lage. Da das Thing begonnen hat und Krallerwatsch schon zurück hätte sein müssen und er einer der Troll-Fürsten war, von denen wir hofften, dass er sich für einen Schulterschluss mit den Menschen aussprach, erklärten wir uns sogleich bereit, ihn zu suchen, denn es war gerade angesichts SEINES Schergen damit zu rechen, dass auch ihm etwas widerfahren war.
    Wir gingen daher zu Strutzz, um ihn mitzuteilen, wir würden aufbrechen zu einer Suche, aber hoffentlich bald wiederkehren.
    Firudan kümmerte sich, unsere Wasserschläuche zu füllen, Decken und etwas Proviant einzupacken für den Fall, dass wir über Nacht auswärts bleiben würden, ich ging, mit Veleas Hilfe einen Meister der Luft zu rufen, und Krallulatsch stieg mit Messana auf einen der höchsten Türme, um ihr die Lage der Höhle zu zeigen und zu beschreiben, denn bei einer Luftreise (die er selber vorgeschlagen hatte, weil dies schneller gehen würde) wollte der Troll nicht mitkommen.

  • Fortsetzung des Eintrages "30. Phex 28 Hal, Graulgatschthor" (allerdings Sitzung vom 28.7.2017)


    Als wir uns wieder trafen, wartete der Meister bereit. Wir waren für bis hin einige Tage Abwesenheit vorbereitet. Velea wirkte wie stets vor einem Flug einen Harmoniesegen auf sich, um ihre Höhenangst in Zaum zu halten. Ullachan stieg in den Meister, stellte sich möglichst mittig und schloss die Augen. Krallulatsch als Wesen der Erde wollte nicht mitkommen, auch Lira hatte schon im Vorfeld abgelehnt, uns zu begleiten.
    Ich bat den Meister, sich zu erheben und mit uns loszufliegen, in der Nähe des Berges dann niedrig und nicht zu schnell, damit wir uns umschauen konnten. Messana wies den Weg nach Osten, zu einem Berg mit dem namensgebenden Gipfel ‚Trollfaust‘, an dessen Hang oder Nähe sich irgendwo die Höhle befinden sollte. Sie schätzte die Entfernung auf etwa 10-15 Meilen.
    Doch zuerst blieben der Dereboden und die große Trollfeste schnell und weit unter uns zurück, als wir durch die Luft nach Osten getragen wurden, und wir kamen der Trollfaust schnell näher, und für die letzten paar Meilen ging der Meister weiter runter.

    Messanas scharfe Augen waren es, die es zuerst sahen, und mit einem kurzen Zuruf und Handbewegung wies sie uns auf das Kampfgeschehen unten am Boden hin. Noch war es weit weg und kaum auszumachen, doch beim Näherkommen konnte ich vier schlangenartige Kreaturen, die etwas Dunkles umstanden, ausmachen, die sich dann als vier Tatzelwürmer erwiesen, die einen Troll mit einer großen Axt umlauerten, während ein fünfter Tatzelwurm reglos daneben lag.

    Es gab nichts zu überlegen. Wir zogen bereits unsere Waffen, während der Meister auf meine Bitte hin schnell weiter runterging und darauf zuhielt. Messana wollte direkt über einen der Tatzelwürmer, weil sie hinab springen wollten. Bei noch guten 10 Schritt darüber sprang sie mit gezogenen Waffen und den Füßen voran auf einen Rücken.
    Momente später sprangen auch Dela, Sefira und ich jeweils auf einen der Würmer. Auch Firudan und Raidri Conchobair kamen mit herab, um sich bereit zu halten.

    Der, auf den Messana gesprungen war, hörte ich noch zornig aufbrüllen, da landete ich schon auf meinem, hart zwar, aber ich konnte es problemlos genügend ausgleichen, dass ich weder strauchelte, noch mich verletzte. Die Geschwindigkeit des Falles nutzend, rammte ich meine Waffe in den schuppenbedeckten Leib, noch bevor ich eigentlich stand. Gedankenschnell flog der Kopf des Biests herum und schnappte nach mir, und da ich mich noch positionierte, konnte ich dem nicht entgehen. Tief bohrten sich seine Fänge ein.
    Wieder holte ich aus, schlug kraftvoll zu, und gleich noch mal, bevor er wieder nach mir beißen konnte.
    Die Kreatur sackte leblos zusammen, ich sprang ab. Messana stand bereits neben ihrem besiegten Gegner, auch Sefiras fiel tot zusammen. Dela kniete auf ihrem noch und schlug mit ihrer Faust im Handschuh mit mächtigen Hieben auf ihn ein, der sich aufbäumte, bis auch er nach einigen Treffern zusammenbrach.

    Ich hatte noch den härtesten Biss abbekommen, Dela und Messana hatten oberflächlichere Verletzungen, aber auch bei mir war es nicht gravierend. Velea hatten den Meister neben uns landen lassen und kam mit Ullachan und Coris zu uns.
    Wir traten zu dem Troll, und Messana sagte: „Krallerwatsch, nehme ich an?“
    Er bestätigte und das und fügte hinzu, er freue sich, uns Rosch Chod Dorr zu treffen, er sei auf dem Weg zu Rasch Bromm Knartsch.
    Ich wollte wissen, was das bedeute, und da erst sah ich es – auch Krallerwatsch steckte mit einem Fuß fest im Felsen. Velea kündigte an, sie würde einen Elementaren Diener rufen und kurz darauf erschien ein Steinmännchen, das nach kurzer Zwiesprache mit ihr im Boden versank und schnell wurde der Fels um den Trollfuß weicher, so dass dieser heraus gezogen werden konnte.
    Messana reichte ihren Wasserschlauch an Krallerwatsch, damit er seine eigenen Verletzungen säubern und etwas trinken konnte. Wir anderen nutzten die Gelegenheiten, bei uns ebenso zu verfahren.
    Er erzählte uns, er wäre schon seit Tagen hier feststeckend gewesen. Er war von ihm unbekannten Vögeln mit Steinen beworfen worden, dann sei sein Fuß plötzlich im Gestein versunken, der sogleich wieder verhärtete, und dann waren die Tatzelwürmer gekommen. So hatte er keine Geister rufen können, die ihm halfen.
    Als Messana ihm mitteilte, das Thing habe bereits begonnen und er sei vermisst worden, brummte er, wir müssten dennoch zuerst zur Höhle. Auf unsere Nachfragen hin erfuhren wir noch, dass dort gesammeltes und bedeutendes Wissen wäre, ähnlich wie das Archiv in der Burg, nur anders. Der Name der Höhle lautet ins Garethi übersetzt ‚Höhlen der gemalten Male‘. Nicht jeder kann die Höhle betreten, die Rosch Chod Dorr können es, da sie Graum in sich tragen.
    Dieses Wort erforderte weiteres Nachfragen von uns, und er holte etwas hervor, das wie eine Sichel oder Klaue in etwa aussah, anderthalb Spann groß und wie aus poliertem Onyx gefertigt.
    Niemand von uns hatte so etwas je gesehen. Jeder der Gezeichneten würde ein Graum in sich tragen, beharrte er, mein Almadines Auge sei auch Graum. Deshalb müssten wir mit zur Höhle kommen, um weiteres Graum zu finden, das letzte.
    Ich fühlte prickelnde Aufregung in mir und bekundete, wir sollten sofort aufbrechen. Den Schamanen fragte ich, was denn das letzte Zeichen wäre. Zu meiner Enttäuschung sagte er, er wüsste das nicht genau, ebenso wenig, ob der letzte Rosch Chod Dorr gut oder schlecht wäre. Das Graum, das er uns gezeigt hatte, sei jedenfalls Teil des Zeichens, und der Amul Dschadra sei mit den Rosch Chod Dorr verbunden.
    Ich verwies darauf, dass die Schamanen bei unserem Empfang gesagt hatten, auf dem Thing würde der Träger bestimmt werden. Krallerwatsch schüttelte den großen Schädel. Das Zeichen würde sich seinen Träger selber suchen, dieser könne nicht von anderen bestimmt werden.

    Ich bat den Meister höflich, an der Stelle zu warten, und uns auf dem Rückweg wieder mitzunehmen, und wir begleiteten Krallerwatsch zu Fuß über einen Gebirgspfad, der anfänglich noch zu erkennen war. Messana fasste dem Troll in groben Zügen zusammen, wie das Thing bislang verlaufen war. Nach bald zwei Stunden Marsch verschwanden auch die letzten Reste des Pfades, dem wir bergauf gefolgt waren, und wir mussten zunehmend mehr klettern, während Krallerwatsch zielgerichtet uns führte.
    Dann blieb er stehen und verkündete, wir seien angekommen. Ich erkannte wenigstens beim zweiten Hinschauen, als ich mit dem Blick seinem großen Finger folgte, den Spalt im Feld, doch Sefira, Ullachan und Messana sahen gar nichts. Ich aktivierte den Oculus: Der Eingang war magisch verhüllt, doch, tatsächlich, die Gezeichneten waren ausgenommen aus dieser Wirkung.
    So nahm denn Velea Messana an die Hand, Dela Coris, Firudan Ullachan, ich Sefira, und wir führten unsere Begleiter durch die für sie optisch feste Wand, und Raidri Conchobair folgte allein.
    Der Troll musste sich bücken und seitlich drehen, um durch den Spalt zu gelangen, doch selbst Firudan passte noch recht unproblematisch hindurch.

    Kurz hinter dem Spalt, dem sich ein kurzer Gang anschloss, lagen auf dem Boden Brocken Gwen-Petryl-Gesteins, die bläuliches Licht verteilten, was ausreichte, dass wir leidlich sehen konnten.
    Nach weniger als 50 Schritt erweiterte der Gang sich zu einer in Höhe wie Durchmesser großen, gewölbeartigen Höhle. Nun auch größere leuchtende Steine lagen am Boden oder ragten aus den Wänden heraus. Kleine Bachläufe liefen durch den zerfurchten, unebenen Boden, in den Wänden waren in den Schatten gleichermaßen Unebenheiten wie kleinere Spalten und abgehende Gänge verborgen. Und an den Wänden … an den Wänden befanden sich unzählige Malereien, Schriften und Verzierungen. Kleinere Pyramiden aus Steinen erhoben sich an für mich willkürlichen Stellen des Höhlenbodens, Menhire und Obelisken standen verteilt, Steinwürfel gab es, dazwischen standen und lagen Steintafeln mit weiteren Zeichen und Verzierungen.
    Einen Moment standen wir staunend. Ullachan bückte sich nach einem Gwen-Petryl-Stein, legte ihn aber wieder zurück, ich aktivierte, vorsichtshalber die Hand darüber gelegt, den Oculus, doch die Höhle und ihre Inhalte präsentierten sich mir völlig unmagisch. Ob sie es tatsächlich waren, bin ich mir nicht so sicher.

    Wir verteilten uns stillschweigend, um uns umzusehen. Ich sah auf einigen der Bildern Menschen, Drachen, Zwerge, Elfen, Trolle, und vermochte mir kaum auszumalen, aus welch unterschiedlichen Zeiten dies stammten und wie alt wohl selbst die jüngeren sein mochten.
    Manchmal erkannte ich einen Berg mit einer markanten Form, der Amul Dschadra, wie ich annahm, bei dem ich von oben gesehen hatte, dass er ein wenig wie eine Speerspitze aussah. Ich sah fliegende Wölfe, verwüstete Landschaften, ausbrechende Vulkane, zerstörte Städte, geflügelte Lebewesen, einen großen, glänzenden Vogel, der aus einem Vulkankrater aufstieg – der Lichtvogel –, einen Drachen im Kampf mit einer Riesengestalt aus dem Meer.
    Unzählige Motive und Bilder, an den Wänden verteilt.
    Ich suchte nach Abbildungen von Gezeichneten und entdeckte vereinzelte Abbildungen humanoider Gestalten, die symbolisierte Zeichen trugen, ähnlich der Darstellung in Drakonia.

    Ich trat zu Krallerwatsch und fragte ihn, ob dies alles von Trollen stammte und Zeitzeugnis ablegte.
    Er klärte mich auf, dass dies von verschiedenen Völkern stammte. Ich hatte so einige Fragen an ihn. Soweit er konnte, beantwortete er sie mir. Es gab Rosch Chod Dorr aus verschiedenen Völkern, wenn auch nicht immer gleichzeitig, auch wenn er nicht sagen konnte, ob die Bilder nur von früheren Gezeichneten stammten.
    Sein Graum hat eine wechselhafte Geschichte. Früher gehörte es Strock, dem letzten der großen Hüter, die viele Geheimnisse der Höhle kannten. Strock wurde von Menschen getötet und damit ging das Graum für lange Zeit verschollen, bis ein menschlicher Händler, der zu den Trollen fand, es als Tauschgeschenk bei sich hatte.
    Krallerwatsch weiß, dass es sieben Zeichen gibt, entstanden zu unterschiedlichen Zeiten der Geschichte, der Amul Dschadra sei das erste. Das verwunderte mich, da ich den Berg als das Sechste Zeichen kenne. Doch die Trolle nummerieren nicht, und der Berg ist schlicht das erste Zeichen, von dem sie erfuhren.

    Dann sagte er mir, er wolle lesen, und griff nach einer für mich leeren Steintafel, über die er strich und sie dabei drehte und wendete. In den nächsten zwei Stunden nahm er so manchen Stein, in bestimmte Form gebrachten Stein und Tafeln in die Hände, drehte und wendete und berührte sie, legte sie weg und griff nach dem nächsten.

    Ullachan hatte derweil eine Abbildung von einem weißen und einem schwarzen Troll entdeckt, die bis auf ihre Farbgebung genau gleich aussahen.
    Rohal und ER in trollischen Inkarnationen?
    Die umgebenden Bilder und Schriftzeichen enthielten leider keinen Kontext zu der Darstellung, oder keine, die wir ausmachen konnten.

    Firudan konnte noch sagen, dass einige der Schriftzeichen von Heldentaten besonderer Trolle erzählen.

  • Fortsetzung des Eintrages "30. Phex 28 Hal, Graulgatschthor"


    Als Krallerwatsch mit dem Lesen fertig wer, erzählte er uns, dass die Finsterzwillinge in vielen Inkarnationen gelebt hätten, darunter mehrmals als Trolle. Es sei Borbarads Absicht, die Trolle zu versklaven.
    Es waren niemals alle Zeichen zur gleichen Zeit erschienen und dieses Erscheinen aller Gezeichneten zur gleichen Zeit sei vorher bestimmt. Bei jedem Erscheinen würden die Zeichen schwächer sein. Bei Zwergen und Elfen hätten sich die Zeichen nur selten manifestiert, allerdings schien eines stets den Elfen zu gehören, eines den Geschuppten, das Erste (also unser Sechstes) war bislang nur einmal erschienen und es würde nur ein zweites Mal sich manifestieren, wenn die anderen Zeichen bereits vereinigt seien.

    Da sechs Zeichen ihre Träger gefunden haben, sollten die Chancen gut stehen, fand ich, dass sich nun auch das Sechste zeigen würde und seinen Träger wählen, damit wir geeint und stark in die Schlacht gegen IHN ziehen werden. Die ‚Letzte Waffe‘ …
    Ein Zeichen immer bei den Elfen, aber wenn es das war, von dem ich es annehme, war es dieses Mal von einer Hexe gemalt und die Tinte von ihr erstellt worden.
    Mich interessiert auch, wie sich das Auge früher manifestiert hat, denn Ghosif war es nicht gewesen, das wusste ich. Was hatte es gekonnt, welche Geschichte steckte dahinter? Wahrscheinlich werde ich es nie erfahren.
    Vielleicht, kam mir ein anderer Gedanke, waren es nicht immer wieder die jeweils gleichen Zeichen. Ghosif war früher nie in Erscheinung getreten, das hatte er mir selber erzählt. Veleas Schwalbe war von Luzelin gestochen worden mit einer Tinte, die einem Ritual von Luzelin und ihren Hexen entstanden war. Der Leviathan, oder überhaupt Essenzen von Leviathanim mochten früher schon mit ausgewählten Trägern verschmolzen worden sein. Umbracor hatte zu früheren Zeiten jedoch noch seinen eigenen Leib gehabt. Rohals Kappe mochte es schon lange geben, dass es Rohal immer wieder über Zeitalter gegeben hatte. Auch Siebenstreich hatte seine Geschichte. Waren all seine Träger Gezeichnete gewesen, und gab es welche, von denen unsere Geschichtsschreibung nicht mehr wusste?

    Über das Zeichen erzählte Krallerwatsch, der auch das sich gerade ‚angelesen‘ hatte, dass der schlafende Berg vom Feuergott der Menschen im Krieg der Riesen erschaffen worden sei. Der Feuergott war erzürnt gewesen, dass sein Bruder Raschtul gestorben war und formte den schlafenden Berg aus dem Leib Raschtuls, daher sei er Zorn und Wut des Feuergottes, dazu geschaffen, den Grauen zu fangen, doch dazu wäre es nie gekommen.
    Denn er wurde eingesetzt, um den 1. der 13 Götter zu fangen, dadurch wurden diesem Namen und Macht genommen. Danach wurde der Berg zur Ruhe gebettet und Raschtuls Kindern ist aufgetragen, über ihn zu wachen. Krallerwatsch sagte auch noch mal, dass die Trolle nicht bestimmen können, wer der Träger ist, denn der Berg würde es auch gar nicht zulassen, dass über ihn bestimmt werde.

    Messana fragte ihn, warum wir hatten mit herkommen sollen. Weil, erwiderte der Troll in seinem wie bei den anderen Trollen auch unbeholfenem Garethi, er hoffe, der Amul Dschadra würde vielleicht hier und heute bestimmen, wer der Träger ein soll. Dazu müssen aber erst die weiteren Graum-Splitter gesucht und gefunden werden, neun an der Zahl, da es mit seinem zehn sein müssten. Er glaube, dass sie so ähnlich wie sein Exemplar aussehen.

    Daher machten wir uns auf die Suche in der großen Höhle mit ihren vielen Spalten, Unebenheiten und Schatten. Fackeln wurden entzündet und Velea ließ einen hellen Flim Flamm erstrahlen. Wir teilten uns die Höhle grob ein, um uns nicht gegenseitig im Weg zu sein und nicht einige Stellen mehrfach zu untersuchen.
    Ich schaute in Spalten, schaute unter Steinen und Tafeln, fuhr vorsichtig über Bilder und Inschriften … doch nichts. So einige Spalten in den Wänden erwiesen sich als weiter führende Gänge, aber wir bleiben hauptsächlich erst einmal in der großen Höhle
    Ich hatte vorher Krallerwatsch gebeten, einen Blick auf sein Graum werfen zu dürfen, doch es erwies sich als nicht magisch. Oder gut verhüllt gegen Hellsicht. Doch bei seiner vermutlich göttlichen Herkunft ist Magie auch nicht unbedingt zu erwarten. Aber es hätte mir helfen können, es auf diesem Wege vielleicht zu entdecken.

    Dela kam einmal zu mir und bat mich, mit ihr zu kommen. Sie hatte Schnarchgeräusche gehört, Coris jedoch nicht. Sie führte mich in einen der abgehenden Gänge, der bald vor einer Wand endete, denn bis dorthin war sie dem Geräusch gefolgt. Ich hörte jedoch nichts, gleich, wie aufmerksam ich lauschte. Magische Strukturen, etwa ein Verhüllungszauber, entdeckte ich auch nicht an der Wand oder deren Umfeld.

    Dela und Coris wollten dort weiter suchen, ich kehrte in die große Höhle zurück.
    Etwas später bemerkten wir alle ein Beben. Wir tauschten Blicke und Zurufe, doch konnten wir nicht einschätzen, aus welcher Richtung es gekommen war.
    Vorsichtshalber rief ich nach Dela, die antwortete, es wäre „eher nicht alles in Ordnung“.
    Geeint liefen wir in jenen Gang. Voraus bröckelten wieder Steine herab.
    Dela und Coris standen, leicht angestaubt, noch immer vor jener Wandstelle, in der Wand war ein allerdings etwa faustgroßes Loch. Beeindruckt fragte ich, ob Dela das gewesen war. Sie bestätigte das, und Coris fügte hinzu, ihre Faust habe dabei blau aufgeglüht.

    Wieder schlug Dela zu, ein wahrlich machtvoller Schlag, den kein Mensch ohne den Handschuh machen könnte, und wahrhaftig, ihre Faust glühte blau auf, krachte durch die Wand und ihr Arm verschwand bis zur Schulter hinein. Gestein bröckelte, knirschte – und dann fiel ein guter Teil der Wand von uns weg nach innen ein.
    Velea ließ den Flim Flam hinein fliegen und so sahen wir einen gute vier Schritt hohen und zwei Schritt breiten Gang, eine Fortsetzung jenes, in dem wir standen. Dela, die das Schnarchgeräusch als einzige hörte, ging voran hindurch.

    Vielleicht 20 oder 30 Schritt weiter mündete dieser Gang in einer weiteren Kaverne. Stalagmiten und Stalaktiten wuchsen von Boden und Decke. Irgendwie konnte ich mich des plötzlichen Eindrucks nicht erwehren, dass diese Höhle mit ihren spitzen Stalagmiten und Stalaktiten wie ein geöffnetes Maul voller Zähne auf mich wirkte., das jederzeit zuschnappen konnte.
    Mittig in dieser Höhle war ein steinernes Podest, zu dem eine steinerne Treppe führte, und in dem ein rundes Loch war.

    Unter Delas Führung folgten wir ihr zu dieser Treppe, stiegen die Stufen hinauf – und fanden das wahre Geheimnis dieser Höhle. Zehn Stalaktiten und Stalagmiten waren in gleichmäßigen Abständen um das Loch gewachsen, und zwischen ihnen schwebten die schwarz-glänzenden Graume.
    Andächtig sagte ich: „Wir haben es gefunden.“

    Krallerwatsch sah sich das auch schweigend an, dann holte er sein Graum hervor, hielt es in eine Lücke und ließ es los – es schwebte von ganz allein!
    Der Boden begann zu beben, dann hörten wir alles etwas, das klang wie das Knurren eines großen Hundes oder Wolfes, das aber schnell wieder verebbte.
    Dela hörte das Schnarchen danach nicht mehr, und fügte hinzu, sie habe so etwas wie ein enttäuschtes Schnauben gehört.
    Wir verharrten einen Moment, geeint in Stille, in der nichts zu hören oder wahrzunehmen war, dann traten einige von uns vor, um in das Loch hinab zu schauen. Es war völlig dunkel, es mochte unendlich tief sein, oder nur recht flach, es war nichts auszumachen.

    Krallerwatsch sah verwirrt aus und er äußerte sein Erstaunen, dass nichts geschehen sei, da nun alle zehn Graum versammelt seien.
    Da sah Messana es. „Es sind nur neun, nicht zehn!“ Sie zeigte auf den Zwischenraum, in dem kein Graum schwebte.
    Wir gingen sogleich die Möglichkeiten durch, was dies bedeuten könne. Dass es hier gestohlen worden sei, wurde ausgeschlossen, denn dann hätte man wohl alle genommen. Also hatte vielleicht ein Troll eines gehabt, dass gar nicht oder seit langer Zeit nicht mehr in dieser Höhle gewesen war. Wer so etwas haben könnte, wusste Krallerwatsch nicht, von so etwas hatte er nie gehört. Wenn es ein Troll hat, mochte er vielleicht auf dem Thing.
    Und sollte der Verräter das Graum haben, endete ich, wären gewisslich beide auf dem Thing!

    In jedem Falle hielt uns an diesem Ort nichts mehr, und nachdem Krallerwatsch sein Graum wieder eingesteckt hatte, gingen wir durch den einen Gang zurück und in die andere große Höhle und verließen diese dann auch.
    Draußen war für jene, die keine Gezeichneten waren, der Eingang nicht mehr zu sehen, wenn er einmal hinter sich gelassen worden war.

    Der Weg bergab ging etwas schneller. Wir bestiegen den Meister der Luft, als wir auf ihn trafen, während Krallerwatsch nun mit seinen langen Trollschritten ausholen konnte, mit denen wir zu Fuß nicht hätten mithalten können. Wir flogen niedrig und nicht zu schnell, damit wir beisammen bleiben konnten. Ich hielt Ausschau nach Vögeln, sah aber keine der Größe, die Stein in den Klauen halten könnten.
    Zwischen der neunten und der zehnten Abendstunde kehrten wir nach Graulgatschthor zurück, das seit unserer ersten Ankunft nicht verhüllt worden war. Krallerwatsch sagte, die Verhüllung würde zu lange dauern, um sie beim Kommen und Gehen wieder zu Entfernen.
    Ich bedankte mich beim Meister und verabschiedete mich von ihm, und er flog fort.
    Krallulatsch kam schnell herbei, als wir ihm mitteilten, wir hätten Krallerwatsch gefunden und er würde sicherlich schon die Feste betreten, war er sehr erleichtert. Als wir sagten, wir glaubten weiterhin und jetzt noch mehr, nachdem, was Krallerwatsch geschehen sei, es gäbe einen Verräter auf dem Thing, stimmte er zu.
    Ebenso stimmte er zu, als Sefira darauf verwies, dass wir Krallerwatsch, solange er das Graum hat, bewachen sollten. Firudan bot sich an, damit als erster zu beginnen.

    Krallerwatsch und Krallulatsch begrüßten sich herzlich und der ältere Schamane akzeptierte uns auch als Wächter in seiner Nähe.
    Firudan blieb bei ihm, ich durchstreifte noch etwas die Feste, immer wieder den Oculus aktivierend, aber keinen Troll oder Tier entdeckend, dessen Strukturen ich Magie ansehen konnte, oder wenn doch, keine borbaradianische Strukturen.
    Jeder von uns übernahm eine Wache, um Krallerwatsch zu bewachen, doch nichts geschah.

    Am heutigen 30. Phex begann ein neuer Tag des Things, aber wir waren ausdrücklich nicht zugelassen.
    Knopphold, Ziehsohn des toten Trollfürsten Drollgomp, wollte der neue Fürst seines Stamms werden, gilt aber auch, so Krallerwatsch, als starker Gegner von uns Menschen. Der Stamm entscheidet darüber selber, die Fürstenwahl wird nicht auf dem Thing ausgetragen, sondern außerhalb.
    Mit Strutzz sprachen wir am Morgen noch kurz. Er meinte, dass Krallerwatschs Beteiligung am Thing sich positiv auf unser Ansinnen auswirken wird.

    Ich strich durch die beeindruckende Trollburg, erkundete weitere Räumlichkeiten, suchte allerdings, wenn auch vergeblich, nach dem Verräter. Firudan ging mit mir, weil er mir übersetzen konnte mit Gesprächen mit Trollen, da ich durchaus interessiert war an den Meinungen jener Trolle, die nicht zum Thing gingen. Ich bekam den Eindruck, dass auch bei diesen recht ausgeglichen war, ob sie pro oder contra eingestellt waren. Zudem war es vorteilhaft, wenn ich jemanden dabei hatte, der mich führte, denn so konnte ich länger den Oculus aktivieren.

    Dela und Coris waren auch mit Firudan zu anderen Zeiten unterwegs, während Messana die Gelegenheit nutzte für körperliche Ertüchtigung und Gebete und Meditationen. Bei ersterem hatte sie Begleitung von Raidri Conchobair, der aber auch allein die Festung etwas erkundete.

    Abends berichteten Strutzz und Krallerwatsch, dass Knopphold sich in der Tat deutlich ausgesprochen hatte gegen eine Unterstützung, ganz im Gegensatz zu Krallerwatsch, so dass die Meinungen wohl derzeitig leider weiterhin recht ausgeglichen waren.
    Zu dumm! Ich hatte gehofft, mit Krallerwatschs Wiederauftauchen würde die Entscheidung merklicher für uns sich wenden.
    Würden sie sich gegen uns aussprechen? Konnten sie das tun und die Situation so dermaßen falsch verstehen?

    Drollgomp, sagten sie auch, hätte sich vermutlich für eine Unterstützung ausgesprochen. Obwohl sein Ziehsohn und er sich wohl gut verstanden hätten, schlug dieser in der Beziehung leider gar nicht nach ihm. Dazu war Knopphold zum Fürsten seines Stammes gewählt worden.

  • Fortsetzung des Eintrages "30. Phex 28 Hal, Graulgatschthor" (allerdings Sitzung vom 5.8.2017)


    Wir befanden uns auf dem Weg zu unserem Zimmer, als ein Troll vorbeilief, aufgeregt den anderen etwas zurief und sich die Unruhe weiter ausbreitete. Firudan verstand genügend, um herauszuhören, dass jemand am Tor sei, und Krallerwatsch, der noch bei uns war, fügte hinzu, es wäre kein Troll, was es so bemerkenswert machte, da Graulgatschthor vor uns noch nie von einem Menschen gefunden worden sei.
    Wir begaben uns mit dem Strom der Trolle gen Tor, allerdings wie die meisten anderen zu den Zinnen, die darüber gelegen waren. Erst nachsehen, als einfach das Tor zu öffnen. Wir mussten uns da hochziehen und stemmen, um etwa sehen zu können.

    Und unten … unten stand der lästerliche Torxes, mit einer toten, gerupften Gans unter einem Arm, in bunte, aber schmuddelige und zerlumpte Kleidung gehüllt.
    Er stand nicht direkt vor dem Tor, sondern weit genug entfernt, um hochschauen zu können und von oben gut gesehen zu werden. Als er wohl meinte, er hätte genügend Zuschauer, setzte er an zu sprechen. Er sprach von dem Lichtvogel, der vor Monden geschlüpft war, dem nun schlafenden Allgott, und wenn er wieder erwache, würde ein neues Zeitalter der Menschen beginnen, und die alten Völker hätten ihr Schicksal erfüllt. Der Wille des Allgottes sei es, dass ein Unsterblicher die Rassen in das neue Zeitalter führen solle, der alle Sphären durchdrungen habe und der die Weisheit aller Kulturen in sich vereine. SEIN Name sei Offenbarung, SEIN Name sei Ordnung, SEIN Name sei BORBARAD!
    Die Trolle sollten sich IHM anschließen um ihrer eigenen Zukunft willen, damit sie in ferner Zukunft noch immer da wären. Er machte den Reichsbehüter Brin schlecht, weil diese in seinem kurzen Leben keine klugen Entscheidungen treffen könne und behauptete, die Menschen würden Trolle verhöhnen und wollten sie nur vernichten.
    Die Trolle sollten klug entscheiden, denn ER sei ewig und ER würde niemals vergessen und vergeben.

    Je öfter er von IHM Sprach, und was ER sei, desto mehr kochte der Zorn in mir hoch. Tatsächlich war es Ghosifs Zorn, aber das ist schwer auseinander zu halten. Ich biss die Zähne zusammen, drückte meine Hände auf die uralten Steine der Burg, und beherrschte mich mühsam.
    Als Torxes jedoch endete und bis dahin IHN noch einige Male erwähnt, wollte ich mich schlicht gar nicht mehr zurück halten, und ich schickte wider besseren Wissens einen roten Strahl auf die Gans, einen kleinen und dünnen. Doch wie es natürlich zu erwarten war: SEIN Gesandter war nicht schutzlos erschienen, und ein silbriger Schild glomm auf, der das absorbierte.
    Ich spürte die Hand Messanas auf meiner einen Schulter und die Veleas auf der anderen.
    Torxes kicherte und ich rief hinab, wir seien anwesend, die Trolle würden sicherlich sich richtig entscheiden. Von IHM seien nur Verrat und Hinterhältigkeit für Menschen, Trolle, Tiere und Pflanzen zu erwarten.
    Er spottete zurück, wir Gezeichnete wären ja überall, wo verloren werden würde. Ich rief zurück, was denn dann mit Ysilia oder den Vallusanischen Weiden wäre? Oder wer vor Kurkum nun nicht gewonnen hätte?
    „Die Amazonen!“, gab er zurück.
               
    Sefiras Kopf schob sich schon vor, doch war Messana war schneller. Das Volk der Amazonen, rief sie, sei nicht besiegt und kämpfe weiter und werde auch über Borbarad siegen.
    „Quark, quark, quark!“, machte er abfällig und weil er wohl gesagt hatte, weshalb er hergekommen war, machte er kehrt und ging einfach fort.

    Ich fluchte erbost vor mich hin, wir hätten es wissen müssen, dass ER jemanden schicken würde, und uns darauf vorbereiten sollen.
    Strutzz, der auch bei uns stand, überlegte, wie es sein könne, dass dieser Mensch erscheinen wäre, da die Lage Graulgatschthors doch geheim sei. Ich erklärte ihm, BORBARAD vermöge viel. SEINE Macht sei endlich, aber größer als die von Menschen oder Trollen.

    Bevor die Trolle wieder hinein gehen und sich verstreuen konnten, versicherte sich Messana bei Firudan und Krallerwatsch, sie mögen sie übersetzen, und hob ihre Stimme, zu den Trollen zu sprechen.
    Sie nannte Torxes als Beispiel dafür, wie verdorben jene seien, die sich Borbarad angeschlossen hatten und ihn repräsentieren. Wir seien hier, um wahr zu sprechen, doch Borbarad würde nur Schlechtes bringen, und sie nannte den Reichsbehüter einen vertrauenswürdigen Mann, der an der Spitze seiner letzte auch selber in die Schlacht ziehen würde. Torxes habe die Trolle bedroht, sich Borbarad nicht zu widersetzen.
    Ein vergleichsweise kleiner Troll – Knopphold, wie sich zeigte – fragte uns, ob wohl die Kinder und Kindeskinder vom Reichsbehüter sich an Abmachungen noch halten würden. Messana legte vernehmlich dar, dass ein gegebenes Wort Gültigkeit habe und ein Vertrag, von beiden Seiten anerkannt, ebenfalls.
    Menschen würden sich daran nicht halten, wenn es ihnen so besser gefiele, warf er uns vor. Sie wiederholte, ein Vertrag hätte schon vor dem Gesetz Geltung, außerdem sein ein Miteinander von Trollen und Menschen doch für beide Seiten von Vorteil.
    Sie warf Strutzz einen auffordernden Blick zu, und er klärte, er würde die Menschen mögen, die ihm zum Baron gemacht hatten und stets freundlich zu ihm wären.
    Der andere Troll brachte vor, Menschen hatten schon Trolle getötet, aber da war nun die Wahrheit, wie Messana konterte, umgekehrt sei es ebenso, Konflikte würde es immer wider geben, aber sie könnten und sollten auch wieder friedlich gelöst werden.
    Den mutmaßlichen Verräter unter den Trollen brachte Dela ins Spiel, der Menschen wie Trolle gleichermaßen angegriffen habe. Knopphold machte das gleich zu einem Argument, alle Menschen seien schlecht.
    BORBARAD war auch einst ein Troll gewesen, warf ich zurück, und ein Raunen ging durch die Trolle. Firudan schlug in die gleiche Kerbe, als er daran erinnerte, dass Kerbhold ebenfalls ein schlechter Troll gewesen war. Abrupt setzen einige Momente des Schweigens ein, und Knopphold brachte endgültig nichts mehr vor.
    Dela sagte, einige Trolle seien schlecht, einige Menschen auch.

    Strutzz befand, das Thing sei ja noch nicht zu Ende, und die Trolle zerstreuten sich. Ich verfluchte die Made Torxes und sah mir jeden Troll an, der durch mein Blickfeld lief, doch sah nichts, was mich hätte glauben lassen können, SEINEN Spion gefunden zu haben.
    Mit nur mehr fast einem halben Ohr hörte ich Dela zu mir sagen, ich solle mich nicht zu sehr reizen lassen, Torxes hätte provozieren wollen. Aber sie ist mit einem Drachen verbunden, der Jahrhunderte und Jahrtausende von Götterläufen hat, ich mit einem Magiermogul, der Rache an IHM möchte, der IHN eher früher als später stellen möchte.

    Als die letzten Trolle wieder hinein gegangen waren, ging ich auch. Die letzten Stunden des Tages verbrachten wir damit, Krallerwatsch zu bewachen, und ich wanderte in Begleitung Firudans durch die Trollburg, fand aber weiterhin keine Hinweise, an denen ich den Verräter hätte ausmachen können.

  • 2. Peraine 28 Hal, Graulgatschthor

    Zum gestrigen Frühstück gab Strutzz uns bekannt, heute könnten wir wieder zum Thing kommen. Es kam die Idee auf, dass vorsichtshalber nicht wir alle hingehen sollten, sondern wenigstens einer von uns in der Burg sich frei bewegen sollte, um so aufzupassen. Sefira bot sich an, dies zu tun.

    Wir saßen noch nicht lange auf den Klötzen, die den Trollen als Sitzplatz dienten, als Messana begann sich sorgfältig in alle Richtungen umzusehen, und Firudan leise etwas zu uns sagte, es würde etwas nicht stimmen. Aufgeschreckt blickte auch ich mich um. „Das Madamal!“, sagte Messana und wies darauf. Tatsächlich: Es stand als gebogene Sichel am Morgenhimmel im Norden.
    Ein Zeichen!, dachte ich.
    Nur, wie machten wir Krallerwatsch eher unauffällig darauf aufmerksam? Ich sagte zu Strutzz, wir müssten unbedingt sogleich mit Krallerwatsch reden.
    “Gleich“, erwiderte Strutzz, und als der derzeitige Redner fertig war, stand er auf und ging einfach in die Arena zu den dort sitzenden Fürsten. Trolle, das zeigte sich immer wieder, sind nach menschlichen Maßstäben einfach nicht formell. Er flüsterte Krallerwatsch etwas ins Ohr, woraufhin dieser schnell aufstand, seinerseits etwas dem Fürsten neben ihm zuraunte und zu uns heraufkam.
    „Graum“, brummte Krallerwatsch erfreut mit Blick auf das Madamal, und forderte uns auf, gleich mit ihm zu kommen.
    Das Zeichen sei da, er wolle das Graum jetzt suchen, erklärte er, dort zwischen den beiden Gipfeln, zwischen denen das Madamal stand.
    Und so gingen wir.

    Wir fanden schnell Sefira, packten vor allem Proviant, Wasser und Decken ein, und Lira teilte uns mit, sie würde nicht mitkommen.
    Da kam mir eine Idee, und ich bot an, einen Meister des Erzes zu rufen. Der würde uns schneller als zu Fuß, vor allem jedoch ungesehen zu jener Stelle bringen können.
    Ihn zu rufen dauerte zwar, aber das würden wir durch die Reisezeit wieder gut machen. Es würde allerdings vermutlich eine Fortbewegung der anderen Art sein, in völliger Dunkelheit, zwischen uns und dem Stein gefühlt nichts.
    Ich verband mich mit Velea und Coris, und ließ Ghosif den Meister rufen und ihm mein Anliegen vorbringen.

    Neun Menschen und ein Troll sind auch für einen Meister eine ordentliche Ladung, doch er umfasste uns mit seinen von Metallen glänzenden Armen aus Erz und in diesem Schutze versanken wir in dem Steinboden.
    Es war in der Tat meistens völlig dunkel, wie ich vermutet hatte, und warm. Manchmal wurde es etwas heller, wenn wir Höhlungen durchquerten. Seltsame Geräusche drangen an unsere Ohren. Bewegte sich der Boden, rieb Stein an Stein und Erzadern? Ich weiß es nicht. Es blubberte und grollte manchmal wie in Ferne. Gewiss gibt es auch in den Trollzacken Vulkane …

    Als wir wieder an die Oberfläche kamen, musste ich erst die Augen zusammenkneifen und blinzeln, als das Tageslicht sie traf.
    Ich sah mich um: Wir waren da, wo wir hingewollt hatten, zu Fuße der Kluft zwischen den beiden Gipfeln, zwischen denen das Madamal gestanden hatte von Graulgatschthor aus. Links und rechts wuchsen die baumbewachsenen Bergflanken hervor, vor uns senkte sich der Boden buschbestanden nach unten zu einem Talboden hin, das sich dahinter erstreckte, und in dem wir einen großen See sehen konnten.
    Ein mir nur zu vertrautes Gefühl überkam mich.
    Über uns und dem Tal kreisten zwei sehr große Vögel, deren Flügelspannweite vermutlich bis um die zwei Schritt betrug. Ich aktivierte meinen Oculus und konnte den roten Punkt in ihren Köpfen ausmachen. Dela erkannte als erstes Riesenalken in ihnen, Vögel, die, wie wir schon früher vermutet hatten, eigentlich im Ehernen Schwert vorkamen.
    Ich sah mich weiter um und sah voraus unten im Tal eine große, annähernd runde Fläche, die hell rot leuchtete, mit mir vertrauten magischen Strukturen, die das, was ich ohnehin hatte fühlen können, nur noch bestätigte.
    Ich teilte mit, die Vögel würden beherrscht werden, und der See dort unten sei ein Feentor.

    Wir stiegen den Abhang hinunter, der zwar steil und rutschig war, aber an sich nicht schwer herab zu klettern war. Unten gingen wir über saftiges, grünes Gras, das über und über bedeckt war mit bunt blühenden Wildblumen. Dass sie an einem Feentor auch Anfang Peraine in einem Hochgebirgstal blühten, wunderte mich nicht. Bäume standen vor allem Rande des etwa eine Meile durchmessenden Tales. Der See, in einer natürlichen, nicht völlig runden Form, lag in der Mitte und hatte seinerseits eine Größe von 100 Schritt, in seiner Mitte sprang eine Fontäne auf.
    Hinweise auf die Anwesenheit anderer Menschen oderTrolle sahen wir nicht. Firudan hatte eine blumig-fruchtigen Duft in der Nase, ich sah nichts anderes Magisches als das Feentor, den See.

    Ich trat an das Seeufer, blickte auf den See und hielt Ausschau, ob jemand auftauchen würde, oder ich das Gespür dafür kam, wie es zu öffnen war. Normalerweise wusste ich es intuitiv sehr schnell, doch diesmal kam es nicht so schnell zu mir.
    Ich steckte einen Finger in das Wasser, das verblüffend warm war für einen See in einem Hochgebirgssee im Frühling, und spürte ein Kribbeln, aber sonst nichts. Ich rief einige Worte über den See, uns ankündigend und dass ich gerne mit jemanden sprechen würde. Nichts geschah als Reaktion darauf.
    Ich sah in der Nähe einen flachen Stein am Ufer liegen, in dem eine Blume handwerklich gut eingemeißelt war, eine der Wildblumen, die auf der Wiese wuchsen.

    Wir standen einen Moment darum herum, eine gepflückte und darauf gelegte Blume brachte nichts. Messana begann, nach Osten um den See herum zu gehen, Firudan nach Westen. Ich ging Messana langsamer nach, wie sich auch die anderen aufteilten.

    Aus dem See tauchte kein Feenwesen auf, aber es fanden sich noch mehrere flache Steine mit Bildern darauf, so dass wir schließlich im Süden beim Taleingang die Blume hatten, weiter östlich und nach rechts ein Blatt von einem der hier wachsenden Bäume, eine Wellenlinie, die Wasser darstellten, genau im Osten, wie wir annahmen, und einen Raben.
    Genau im Norden befand sich ein Holzkistchen, dessen Boden vom Gras zugewachsen und schon eingesunken war.
    Dann folgten nach Westen ein Knochen, ein Kreis, der innen ausschraffiert war im Westen und eine Art Strichmännchen.

    Das Kästchen ließ sich öffnen, war innen völlig leer und blank, keine Polle oder Krümel Dreck lagen darin. Es war warm, und magisch war es auch, wie ich schnell sah. Es war mit dem Tor verbunden, nicht mit den anderen Steinen.
    Ich war mir plötzlich sicher, dass dieses Tor zu gleich mehreren Feenwelten führte, es sich in verschiedene Welten öffnete. Dazu mussten mindestens zwei der Steine benutzt werden.
    Rationalität, fügte ich hinzu, als ich das den anderen sagte, würde uns dabei sicherlich nicht helfen.
    Vielleicht war der Grund, dass es ein Tor zu mehreren Welten war und daher mehrere Mechanismen hatte, die dazu führten, dass ich mich so schwer tat, den richtigen schnell zu erspüren.

    Unser erster Versuch galt den Steinen mit Blume und Blatt. Wir legten eine solche Blume und Blatt auf den jeweiligen Stein, doch nichts passierte. Dann legten wir beides in die Kiste und schlossen den Deckel.
    Der Boden bebte kurz unter unseren Füßen, Wellen bildeten sich auf dem See, und dann war im See eine dichte, grüne Dschungellandschaft zu sehen mit Bäumen, hoch wachsenden Pflanzen und Lianen.
    Messana legte ihre Rüstung ab und sagte, sie würde testen, ob der See selber das Tor sei, oder wir hinab tauchen müssten. Sie setzte nur einen Fuß hinein und spürte schon keinen Grund mehr. Sie kniete sich hin, um weiter mit dem anderen Bein hinab reichen zu können, spürte aber immer noch keinen Grund. Als sie ihr Bein hin und her bewegte, sagte sie, auf der Uferseite würde sie Gras spüren.

    Sie zog sich wieder an, und wir sprangen in den See.
    Nach einem kaum wahrnehmbaren Moment des Fallgefühles standen wir, völlig trocken, am Ufer eines Sees, in dem wir das Hochgebirgstal, das wir verlassen hatten, sich ‚spiegeln‘ sahen. Der See, an dem wir standen, schien identisch mit dem in Dere zu sein, nur sahen wir hier keine Kiste im Boden stehen.

    Wir sahen uns um in der dichten grünen Vegetation, die keinen weiten Blick gestattete. Es raschelte im Gebüsch, wiederholt und anhaltend, aber es war nichts zu sehen. Ich rief freundlich in die Richtung, aber nichts geschah, außer, dass das Rascheln sich entfernte.
    Firudan versuchte es in verschiedenen Sprachen, aber auch das bewirkte nichts.

    Messana schlug eine Aufteilung vor, und ich ging mit Krallerwatsch und Firudan nach Osten, Velea, Sefira und Raidri Conchobair mit Messana nach Westen und Dela und Coris mit Ullachan nach Norden. So waren bei jeder Gruppe ein Fährtensucher und mehrere Kämpfer.
    Messana suchte einen abgebrochenen Ast und stieß ihn kräftig in den Boden. An dieser Stelle, aber mindestens am See, wollten wir uns wiedertreffen. Wir sollten nicht weiter gehen als etwa angenommene fünf Minuten, die wir durch zählen würden grob nachhalten können, und dann umdrehen. Wenn etwas Wichtiges wäre, sollte gerufen werden. Unseren jeweiligen Weg sollten wir uns markieren, um zurück zu finden.

    Wir entdeckten allerdings nichts. Keine Bewohner, kein Geraschel, das daraufhin wies, dass wir beobachtet wurden, gar nichts.
    Nach geschätzten fünf Minuten drehten wir um und gingen zurück und trafen auch problemlos bei dem Ast im Boden ein.
    Die Gruppe um Messana hatte eine Höhle gefunden, groß genug, dass Velea sich vielleicht hätte hinein zwängen können, aus der es muffig und nach Tier gerochen hatte. Vorn in der Höhle und in ihrer Nähe lagen recht viele runde, bläulich schimmernde Steine. Sonst waren sie auf nichts Bemerkenswertes gestoßen.

    Dela hatte dagegen von einem kleinen Dorf (klein in jeglicher Hinsicht, waren die Häuser wohl nicht höher als ihr Knie) zu berichten, das sie gefunden hatten. Die Bewohner hatten sie nur gehört, denn die hatten früh die Flucht ergriffen und es war nur Geraschel zu vernehmen gewesen. In und bei diesem Dorf lagen viele runde, blaue Steine.

    Da wir sonst keine Ansätze hatten, außer um den See zu gehen, oder die Entfernungen zu erhöhen, und dies nur auf Glück – ein Graum würde in diesem dichten Dschungel auch mehr als schwer zu finden sein – , suchten wir dieses Dorf auf.
    Auf dem Weg dorthin raschelte es immer wieder unsichtbar im Gebüsch, und wir hörten manchmal leise Stimmchen.
    Ich bat, zu warten, und ging das letzte Stück allein zu diesem Dorf, dessen Hütten aus Holz und Pflanzenteilen gemacht waren, setzte mich zwei oder drei Schritt entfernt hin und begann mit freundlicher Stimme zu sprechen, in der Hoffnung, dass sich zumindest ein Bewohner von mir angezogen fühlen würde.
    Tatsächlich, nach einigen Minuten erschien ein winziges, affenartiges Gesicht, zwar nicht fellbedeckt, aber mit einer Affenschnauze, zu dem ein kleiner, humanoider Körper mit schwarzer Haut gehörte, der allerhand Federschmuck trug. Das Wesen saß in einem Gebüsch in kleiner Entfernung und begann, mit diesen runden, blauen Steinen in meine Richtung zu werfen, es war jedoch deutlich, dass er mich nicht bewerfen oder verjagen wollte.
    Ich sprach zu ihm, erhielt jedoch keine Antwort. Ich warf irgendwann mit einer langsamen Bewegung und meinerseits ebenfalls ohne Absicht, ihn zu bewerfen, einen Stein zurück. Er hob ihn auf und warf ihn wieder zurück, mit einem, wie ich meinte, sehr unwirschen Gesichtsausdruck.

    Da ich nicht weiter wusste, stand ich auf, ging zu den anderen und bat Krallerwatsch, mir das Graum zu geben. Mit dem in der Hand ging ich zurück und zeigte dem kleinen Feenwesen das. Der hob in jeder Hand einen Stein, schaute wieder unwirsch und drängend, und machte Handbewegungen in die Richtung aus der wir gekommen waren.
    Ich verstand ihn nicht und nur auf gutes Glück hin gingen wir zum See und ich warf einen der blauen Steine in das Wasser. Nichts passierte.

    Wir beschlossen, zurückzugehen und eine andere Kombination auszuprobieren. Ullachan hatte die Idee, dass die runden Steine zu dem schraffierten Kreis passen könnten. Auf gut Glück gingen wir zu der Höhle, da sie etwas näher lag, ich nahm drei der Steine mit, und wir sprangen in den See.

  • Fortsetzung des Eintrages "2. Peraine 28 Hal, Graulgatschthor"


    Wieder völlig trocken standen wir im nächsten Moment am derischen Seeufer. Zeit war kaum vergangen, soweit ich das feststellen konnte. Gut. Wären wir heraus gekommen, wenn wir dort noch gestanden hätten, wäre das unglücklich gewesen, und wäre es Nacht oder eine andere spätere Tageszeit gewesen, wäre viel Zeit vergangen, und wir hatten wenig von dieser zu verlieren.

    Es gab zu viele Kombinationen, um sie alle zu probieren. Neben jeweils zwei konnte man ja auch noch viele andere Kombinationen probieren. Ich überlegte, ob vielleicht alle Symbole in die Kiste sollten, nur wussten wie bei einigen so recht gar nicht, was damit gemeint sein konnte. Auch die Symbole in einer Sichelform probieren war eine Überlegung.

    Als wir die Kiste öffneten, um den nächsten Versuch zu machen, sahen wir, dass sie völlig leer war.
    Wir begannen damit, alles hineinzutun. Krallerwatsch trug Knochen als Schmuck und gab uns einen davon, für den Raben nahmen wir eine Rabenfeder von einem halb verwesten Raben, den Ullachan früher am Talrand gefunden hatte, für das Männchen schnitzte Ullachan eine Holzfigur, die optisch an die Abbildung erinnerte, weil wir in Erwägung zogen, dass eben etwas vom Menschen oder eine solche Figur gemeint sein könnten. Für das Wasser nahmen wir welches direkt aus dem See.
    Als das nichts erbrachte und alles noch in der Kiste war, probierten wir die Nachahmung einer Kuppel, die wir wie einen Deckel zu dem Tal ergänzend vorstellten. Also einer der Steine, Knochen und Wasser aus dem See, das wir direkt in die Kiste schütteten. Als nächstes probierten wir es mit der Kombination wie der Mondsichel am Himmel, mit der Öffnung nach links, dann die Sichel in die andere Richtung. Das Wasser taten wir in einen Becher und probierten jeweils Seewasser und Wasser aus unseren Schläuchen, doch stets geschah gar nichts.
    Auch eine Schale nachbilden brachte uns nicht weiter.

    Ich lauschte in mich herein, ob ich nicht wieder kleinere Hinweise in meinem intuitiven Gefühl erspüren konnte. Die Fontäne war nicht wichtig. Die Reihenfolge, in der wir die Dinge in die Kiste taten, auch nicht.

    Als wir nur Rabenfeder und Knochen hinein taten, wurde das Wasser schwarz, begann zu schäumen und Blasen platzten auf, und schwarze Tentakel peitschen mit einem Male aus dem Wasser, baumstammdick und mehrere Schritt lang.
    Ich öffnete sofort den Kasten. Er war leer, und im gleichen Moment zogen sich die Tentakel ruckartig zurück.

    Blume, Blatt, Wasser und Stein bewirkten ebenfalls nichts. Ullachan schlug vor, die Symbole nach den Himmelsrichtungen auszuprobieren: Wasser, Blume und ein Stein.
    Wieder bebte der Boden sacht und im See erschien das Abbild einer Höhle, in der einige Farne und Wasserpflanzen wuchsen.

    Wir sprangen in den See und standen in der Höhle, mit den Füßen im Wasser, das den Boden bedeckte. Gelbbläuliche Gesteins- oder Erzadern zogen sich durch die Wände, in den Winkeln wuchsen Schilfrohr und Binsen und andere Wasserpflanzen. Mehre menschengroße Stängel wuchsen in die Höhle mit roten, kopfgroßen Blütenöffnungen. Insekten flogen herum, Frösche und Kröten quakten, Wasser lief in Rinnsalen an den Wänden herab, blaue Steine lagen herum. Die Höhle war etwa so groß wie in Dere der See, der Boden war mit Wasser bedeckt, aber nur in der Mitte spiegelte sich das Gebirgstal.
    Eine breite steinerne Brücke zog sich über den Boden und begann und endete je weiter oben an den Wänden.
    Vorsichtshalber steckten Dela, Ullachan und ich einige der Steine ein.

    Da unten nichts zu entdecken war, die unteren Wandstücke aber schräg genug waren, um ein Ersteigen zu ermöglichen, erklommen wir sie und standen bald auf dem steinernen Bogen. Auf diesem stand Wasser in Pfützen, Farne, Schilfrohr und andere Pflanzen wuchsen.
    In einem solchen Gebüsch raschelte es plötzlich, ich rief freundlich in die Richtung, worauf das Rascheln abrupt verstummte, aber sich immerhin auch nicht entfernte. Ich rief noch einmal grüßende Worte, und das Rascheln näherte sich.
    Blätter und Rohre bewegten sich und ein Frauengesicht blickte heraus, groß wie das eines Kindes von nicht mehr als einem halben Dutzend Götterläufen, mit braunem Haar, völlig blauen und leicht glimmenden Augen ohne Iris oder Weiß, und einem für Menschen zu breiten Mund. Wie sich zeigen sollte, saß dieser Kopf auf einem menschlich anmutenden Oberkörper, der wiederum ging in einen weiteren Leib wie dem einer Schlange über.

    Ich grüßte sie freundlich, während Krallerwatsch sein Graum hervor holte. Die Feenfrau schaute entsetzt drein, wich zurück, blieb aber, als wir weiter freundlich blieben. Sie sagte kein Wort, nickte aber oder schüttelte den Kopf, so stellten wir ihr Ja/Nein-Fragen.
    Wir erfuhren auf diese Art, dass das gesuchte Graum bei ihr gewesen war, aber jetzt aber nicht mehr dort war. Eine Fee, ihre Holde, hatte es fortgebracht. Zu dieser könnten wir nicht gelangen, sie konnte uns nicht dahin bringen, doch wenn wir die Kombination Wasser (egal, welches), Stein und Figürchen des nachts in die Kiste legten, würde die Holde zu uns kommen.

    Wir bedankten uns bei ihr für ihre Hilfe, und sie glitt weiter heraus aus den Pflanzen, auf mich zu, richtete sich auf ihrem Schlangenleib weiter auf, lehnte sich an mich und umarmte mich. Ich umarmte zurück.
    Dann verabschieden wir uns und kehrten durch den See zurück.

    Die Riesenalken drehten ihre Kreise über dem Tal, und auch sie erinnerten uns daran, dass wir nicht unbegrenzt Zeit hatten.
    Bis zur Dunkelheit würde es jedoch noch Stunden dauern. Wir nutzten sie recht unterschiedlich, schauten uns etwas Tal an, für Waffenübungen, für ein Nickerchen und noch zwei Mahlzeiten. Ullachan musste es wieder übel am Rücken jucken, denn ich sah ihn seinen Rücken mehrmals an Bäumen kratzen.
    Stets jedoch behielten wir die Vögel und den Taleingang im Auge.

    Da es noch recht früh im Jahr ist, wurde es zum Glück abends noch nicht spät dunkel. Als es dunkel war, legten wir Stein, Wasser und die Figur in das Kästchen. Es gab ein Beben, doch keine Änderung im Seewasser.
    Dann durchstieß etwas die Wasseroberfläche, gefolgt von einer blassen Hand: das Graum!
    Es folgten ein Stück Arm, ein eher androgyn wirkendes, helles Gesicht, das von blauem, nassem Haar umrahmt wurde, mit ebensolch blauen Augen und einem breiten Mund wie die Feenfrau in der Höhle, und ein humanoider Körper, der in einem nassen, weiß-bläulichen Kleid steckte.
    Wir schauten sie teil beeindruckt, teils ehrfürchtig an, als sie langsam aus dem für sie flach werdenden Wasser stieg und am Seeufer vor uns stehen blieb.

    Raidri Conchobair und ich waren die ersten, die sich vor der Holden verneigten, die anderen folgten mehr oder weniger nach, bei Messana war es kaum mehr als ein tiefes Nicken.
    Ich bedankte mich bei ihr, dass sie unserem Ruf gefolgt war, und betonte die Wichtigkeit des Graums.
    Sie erwiderte, sie kenne das Geflügelte Geschoss und die alten Prophezeiungen. Es dürfe nicht in falsche Hände fallen, daher hatte sie es an sich genommen. Ein Troll, einer der alten Hüter, hatte es hergebracht (Krallerwatsch nickte verstehend), und sie brachte es in ihre Hand.
    Ich erklärte, wir benötigten das Graum, denn wir brauchten das Zeichen, um BORBARAD zu besiegen.
    Oder zu verlieren, ergänzte sie.
    Das würden wir nicht, zeigte ich mich entschlossen, und auch Messana stimmte zu, wir würden siegen.
    Wir würden es sicher transportieren können, sagte ich noch, denn wir seien mit einem Meister des Erzes hergekommen, der uns auch ungesehen wegbringen würde vor jenen, die uns beobachten.
    Von der Beobachtung wusste sie allerdings auch schon. Sie teilte uns mit, ein Troll wäre vor gar nicht so langer Zeit am See gewesen und hätte gesucht und herum probiert. Wir baten sie ihn zu beschreiben: für einen Troll klein und schwarzhaarig. Das kam mir bekannt vor und Krallerwatsch sagte, das könne Knopphold gewesen sein. Die Holde hatte bei ihm allerdings keine Magie der Art gespürt, mit der die Vögel beherrscht wurden.

    Messana, wie stets auf das Wichtige fokussiert, fragte, ob wir das Graum erhalten würden. Es sei wichtig, dass alle Träger und Zeichen vereinigt seien für die anstehende Schlacht. Die Holde dachte kurz darüber nach.
    Ich erzählte, um zum einen deutlich zu machen, wie wichtig unser Anliegen sei, aber vielleicht um auch eben ihre Unterstützung zu erhalten, davon, dass bereits Farindel und Pandlaril ihre Unterstützung zugesagt hatten für die anstehende Schlacht und sich viele Feenwesen gefunden hatte, die sich schon auf dem Weg befinden. Ich selber sei eine Ritterin Farindels.
    Die Holde erwiderte, sie habe niemanden, den sie dorthin schicken könne, außer sich selber. Auch dass sei wichtig und hilfreich, versicherte ich ihr, denn jede Hilfe sei wichtig, und BORBARAD würde vor niemanden halten, auch nicht vor Feen und Feenwelten.
    Das Graum habe zu ihr geflüstert, sagte sie nachdenklich, von Prophezeiungen und von Krieg. Sie trat nah an mich heran, fuhr mit ihrer freien Hand durch ihr blaues Haar und hielt eine Strähne ihres Haares in der Hand. Damit strich sie durch mein Haar, während ich still stehen blieb, dann nahm sie ihre Hand zurück ohne die Strähne. Wie mir Minuten später gesagt wurde, habe ich nun auf meiner rechten Kopfseite eine blaue Strähne (die auch bei Tage zu sehen ist).
    Ich solle die Strähne in ein Gewässer werfen, sagte die Holde zu mir, wenn der Mond am Himmel steht, dann könne sie dem Ruf folgen. Ich bedankte mich und erkundigte mich, ob das Gewässer einer gewissen Größe unterliegen sollte. Je größer, desto einfacher für sie zu erscheinen.
    Ich fragte sie noch, wie sie heiße: Walistil, erwiderte sie.

    Walistil hob das Graum in ihrer anderen Hand und uns entgegen. Krallerwatsch nahm es mit seinen riesigen Fingern vorsichtig aus ihrer Hand und verstaute es sorgfältig in einer seiner Taschen.
    Wir alle sprachen unseren Dank aus, sie nickte huldvoll und stieg wieder in den See.

  • Fortsetzung des Eintrages "2. Peraine 28 Hal, Graulgatschthor"


    Einer der Vögel, die bei Nacht hatten etwas tiefer fliegen müssen, aber stets außer Schussweite geblieben waren, drehte ab und flog nach Süden.
    Wir verloren keine Zeit, packten eilig unsere Sachen und begaben uns zum Talausgang.
    Der Meister des Erzes wartete wie ausgemacht und wuchs aus dem Boden bei meinem Kommen. Ich bat ihn, statt uns zurück nach Graulgatschthor zu bringen, wie es ursprünglich ausgemacht worden war, uns noch weiter nach Osten und zu der Höhle der Gezeichneten zu bringen. Ich erklärte, es ginge bei dieser Angelegenheit auch um die Reinheit der Elemente und es daher Eile und dieser Änderung not tat.
    Knirschend wie rollender Stein erwiderte er, Abmachung sei Abmachung, aber nun gut, er würde dem nachkommen. Ich beschrieb die Trollnase, wo wir hin müssten, und die Richtung.

    Wieder sank er mit uns in den Boden. Diese Reise dauerte jetzt etwas länger, da die Strecke fast doppelt so weit war. Als wir wieder an das Sternenlicht kamen, fanden wir uns nahe der Trollnase und der Höhle. Ich bedankte mich bei dem Meister, der im Boden versank.
    Wir schritten zum Höhleneingang und nahmen jene, die ihn nicht ausmachen konnten, wie gehabt an die Hand. Gang, Höhle, Gang mit dem von Dela geschaffenen Durchgang, Höhle mit dem Loch und dem Graum. Alles lag unverändert da, allerdings hörte Dela diesmal keine Schlafgeräusche. Die acht Graumstücke schwebten in ihren Zwischenräumen.

    Krallerwatsch holte seine beiden heraus und stieg, von uns gefolgt, hinauf. Er setzte das eine in eine Lücke und ließ los, und als es schwebte, verfuhr er so beim anderen und trat vom Podest wieder zurück auf die Treppe.
    Ein Beben fuhr durch die Höhle, Gestein, Stalagmiten und Stalaktiten bröckelten und fielen über dem Schacht hinab, und ein dumpfes Grollen stieg durch das Loch nach oben.
    Die Graumstücke schwebten im einen Moment noch, im nächsten fielen sie in die undurchdringliche Dunkelheit des Lochs.
    Das Beben hörte in dem Moment auf und das Grollen verstummte.

    Und weiter … geschah nichts.
    Krallerwatsch kratzte sich am Schädel und sprach sein Erstaunen aus. Das verstünde er nicht. Wir brauchen es doch, sagte ich, es sei wichtig!
    So stiegen wir gemeinsam herauf, verteilten uns um das Loch und die Trümmerstücke darum, und blickten hinab in undurchdringliche Dunkelheit. Irgendetwas dröhnte wie aus großer Entfernung leise heraus, sonst war nichts zu bemerken. Die Wände des Tunnels waren glatt und fugenlos, es gab nichts, an dem man hätte hinabsteigen können.
    Vielleicht sollten wir es rufen, schlug ich vor, es daraufhin weisen, dass es sich seinen Träger suchen solle. Velea wiegte nicht überzeugt den Kopf. Es handele sich um eine göttliche Entität, es solle auch so den Weg finden und es wissen.

    Ratlos standen wir um den Schacht herum.
    Firudan ging in die andere Höhle und sagte, er wolle sehen, ob da eines der Bilder Aufschluss geben würde.
    Ullachan zog ein Messer, schnitt sich in den Handballen und ließ einige Tropfen seines Blutes herab tropfen.
    Als Firudan wieder kam, zuckte er nur mit den Schultern, er hatte nichts gefunden. Probeweise versuchte er ein Wolfsheulen zu imitieren, aber auch das bewirkte nichts. Er schlug vor, dass wir einzeln auf dem Podest stehen sollten. Als das nichts zeitigte, stellten sich nur die von uns ohne Zeichen auf das Podest. Nichts.
    Ich schlug vor, unsere Zeichen zu aktivieren, da es ja hieß, nur wenn alle vereinigt seien, würde das Sechste Zeichen sich offenbaren.
    Dela und Firudan begaben sich in ihre nächste Verwandlungsstufe, Velea rief ihre Schwalbe von ihrem Körper, Raidri Conchobair zog Siebenstreich und ich wechselte in die Oculussicht. Ich richtete sogar zwei kleine, dünne Strahlen auf Trümmerstücke, aber dennoch – nichts rührte sich.
    Lira mit der Kappe war nicht bei uns, aber ich hatte gehofft, dass fünf anwesende Zeichen das kompensieren würden, falls dies überhaupt der richtige Weg war.
    Was, wenn der Träger nicht bei uns war?

    Da uns nun nichts mehr einfiel, schlug ich vor, einen Luftdschinn zu rufen und allein nach Graulgatschthor zu eilen, Lira zu holen und es mit ihr noch einmal zu versuchen.
    Alle waren einverstanden, und mit Veleas und Coris‘ astralen Kräften rief ich draußen binnen dem vierten Teil einer Stunde einen Dschinn herbei, der mich geschwind zur Trollfeste trug.
    Ich ließ mich in einem Innenhof absetzen, der unserem Raum noch halbwegs nahe lag, und lief schnell, nicht rennend, dorthin.

    Doch Lira war trotz der späten Stunde, es war so um Mitternacht, nicht in unserem gemeinsamen Zimmer. Sie war auch nicht in der Troll-Bibliothek. Ich fragte einige Trolle, denen ich begegnete, und da sie kein Garethi sprachen, deutete ich Liras Größe und die Kappe auf ihrem Kopf an. Niemand hatte sie gesehen.

    Anstatt blindlings herumzulaufen, suchte ich Krallulatsch und weckte ihn. Die gute Nachricht, die ich ihm geben konnte, als er fragte, ob wir Erfolg gehabt hatten, war ja, die schlechte war, dass wir dringend Liras bedurften, sie aber nicht zu finden war. Er ging mit mir, was das Befragen weiterer Trolle, die nicht schliefen, einfacher machte.
    Ein Troll wusste zu berichten, er habe Lira in Begleitung Knoppholds gesehen, das wäre gar nicht so lange her und in einem Innenhof gewesen.

    Ein eisiger Schauer durchlief mich. Knopphold hatte Lira! Krallulatsch ließ sich angeben, um welchen Hof es sich handelte, dann eilten wir dorthin. Unterwegs erzählte ich dem jungen Troll, dass wir Knopphold soweit als Verräter ausgemacht hatten. Er wollte das erst nicht glauben, bis ich sagte, dass Krallerwatsch ihn laut Beschreibung selber erkannt hatte.
    Im Hof sah ich Stein und festgetretenen Erdboden, kein Untergrund, auf dem ich irgendwelche Spuren hätten ausmachen können, falls es überhaupt welche gab.
    Dann aber sah ich in einer Ecke etwas, hielt die mitgenommenen Fackel darüber: ausgerissene Federn, groß, wie sie waren, die eines großen Vogels.
    Intuitiv aktivierte ich den Oculus und sah zwar nicht die magische Restspur eines Vogel (in der Hoffnung hatte ich das gemacht, auch wenn die Chancen mehr als gering waren, so etwas zu sehen), aber die der Kappe. Da hätt ich auch dran denken können!
    Sie führte nach oben.

    Keine Zeit verlieren galt! Ich sagte zu Krallulatsch, er solle selber entscheiden, ob er von Knoppholds Verrat erzählen wolle, auf jeden Fall solle er sich vor diesem in Acht nehmen, falls er auf ihn stoßen sollte. Dann rannte ich zu dem anderen Innenhof und zum Dschinn, legte diesem die Wichtigkeit nah, einer Spur zu folgen, statt zur Höhle zu fliegen, und bat ihn, dem nachzukommen. Er willigte ein und so flogen wir zu dem Innenhof, ich aktivierte den Oculus und wir folgten der dünnen Spur.

    Die Trollzacken flogen unter mir ungesehen dahin, ich sah nur die dünne rote Spur und lenkte an dieser den Dschinn entlang.
    Dann tauchte vor mir eine ungleich größere magische Präsenz auf und ich ließ den Dschinn halten.
    Es sah aus wie ein Berg, der geborsten und im Verfall war, dabei komplett von Magie durchdrungen, und dessen Spitze noch in einem magischen Nebel verschwand. Einige rote Punkte flogen um den Berg herum.
    Ich wechselte in Normalsicht und sah in der Tat einen Berg, der gänzlich zerklüftet war und dessen Spitze in einer nebligen Wolke verschwand. Es schien mir, als würde er in seiner Finsternis das Sternenlicht förmlich aufsaugen. Er lag in der Mitte einiger anderer Berge.
    Ich dirigierte den Dschinn langsam und vorsichtig heran für einen besseren Blick. Das, was vorher rote Flecke gewesen waren, war nun für mich gar nicht zu sehen.
    Ich wechselte noch einmal in die andere Sicht, beobachtete aufmerksam, und konnte dann jene Dämonen ausmachen, die eine Verhöhnung der Greifen waren, wie ich an ihrer Gestalt erkannte. Die Magie im Nebel schien der Domäne zugehörig zu sein, die der des Ingerimm gegenüber gestellt ist.
               
    Mit meiner normalen Sicht sah ich mich um, um mir Landmerkmale einzuprägen, um diese Stelle wieder zu finden. Wir befanden uns nördlich der Trollburg. Der Berg war markant, aber bei Nacht musste er halt gefunden werden können.
    Dann bat ich den Dschinn, zu dem Ort zu eilen, an dem er von mir gerufen worden war, und zwar so schnell es ging.

    Er setzte mich vor der Höhle ab und entschwand, ich rannte hinein und bis in die hintere durch.
    „Lira wurde von Knopphold entführt!“ Ich berichtete knapp, was sich zugetragen hatte und was ich am Emde der magischen Spur gefunden hatte. Krallerwatsch erkannte den Berg sofort nach meiner Beschreibung. Er nannte ihn Schattenklotz und einen verfluchten Berg, und es war der Ort gewesen, an dem Borbarad als Troll versucht hatte, die anderen Trolle zu unterwerfen. Deshalb sei dieser Ort schon lange ein Tabu für jeden Troll. Wir sollten ohne ihn dorthin, denn wir wären ohne ihn schneller dort.

    Ich richtete mich darauf ein, mit den vermutlich letzten Kräften von Coris und Velea einen Meister der Luft zu rufen, da schlug Dela vor, sie könne sich in einen Drachen verwandeln und uns tragen. Im Gleitflug und mit einigen Flügelschlägen sei sie auch schnell, Aufwinde gäbe es in den Bergen viele, und mit Glück ginge ihre Verwandlung schneller als das Rufen eines Meisters.

    Wir willigten ein und gingen vor die Höhle, wo Dela ihre Sachen ablegte und uns übergab (wir nahmen aber nur Unterkleidung und einen Säbel mit, der Rest wurde in den Gang gelegt), und begann sich zu verwandeln. Als wüsste Umbracor um die Eile, oder weil Dela sich immer besser hinein fand, es dauerte tatsächlich nur wenige Minuten.
    Velea wirkte wie stets bei solchen Anflügen einen Harmoniesegen auf sich.

  • Fortsetzung des Eintrages "2. Peraine 28 Hal, Graulgatschthor" (allerdings Sitzung vom 18.8.2017)


    Dela in Drachengestalt duckte sich näher an den Boden, um uns das Aufsteigen zu erleichtern. Als wir alle Platz gefunden hatten und Krallerwatsch zurück getreten war, lief sie vor, auf einen vorspringenden Felsen etwas weiter unten zu, um sich dort abzudrücken.
    Doch war sie erst wenige Schritt weit gekommen, als wir eine Gestalt ausmachen konnten, die in der Dunkelheit bergauf stieg.
    Dela hielt an, Messana stellte sich auf ihren Rücken hin, Firudan sprang ab. Ich aktivierte den Oculus. Wer sollte mitten in der Nacht an der Trollfaust herum steigen, ob Mensch oder Troll? Wie Krallerwatsch auf Firudans Frage auch wieder sagte, niemand sollte die Höhle kennen außer jenen mit Graum und den Hütern.
    Ich sah sogleich das rote Leuchten in seinem ganzen Körper, das von einer nicht kleinen magischen Begabung sprach.
    Dela sprach aus, was wohl jeder dachte, dass nämlich dieser Mensch, dessen Gestalt wir ausmachen konnten, nicht zufällig um diese Zeit an diesen Ort kam.
    Ich sah mich um, ob es eine Ablenkung war, oder er noch unsichtbare Begleiter in seiner Nähe hatte, doch weder im Umland noch am Himmel konnte ich etwas Magisches ausmachen.

    Er hielt etwa 10-15 Schritt vor uns an, blieb ruhig stehen, aber musterte uns so aufmerksam wie wir ihn. Es gab genügend Licht von den Gestirnen, um ausmachen zu können … dass es sich um einen Gjalsker handelte?
    Ich sah den zweifarbig längstgestreiften Rock (breite grüne Streifen neben schmalen braunen, wie später bei Licht zu sehen war), gehalten von einem breiten Gürtel, darunter lederne Gamaschen, die in einfachen, dünnen Lederschuhen endeten. Quer über die Schulter und die sonst nackte Brust hatte er sich eine Art gefalteten Überwurf im gleichen Muster gezogen, die Enden waren um die Hüfte geschlungen. Ein Wolfsfell, oder wenigstens ein Teil davon, lag unter dem Überwurf über die Schultern. Durchaus kräftige Muskelstränge waren an den Armen und der Brust zu erkennen, doch wirkt er eher sehnig-stark als muskelschwer. Das schwarze, wohl über schulterlange Haar war wie bei Ullachan zu einzelnen Zöpfen geflochten, wies bei Licht einige eher dunkelbraune Stellen auf und die gesamte Menge an Zöpfen war mit einem Lederriemen nach hinten zusammen gebunden. Ein schwarzer, etwas zotteliger und verwilderter Bart bedeckte den Mund und das Kinn, lief zu den Seiten hin aber mehr über die Kinnlinie, wenn auch die schwarzen Haare unregelmäßig und dünner, wie selten und nachlässig rasiert, die Wangen hinauf krochen.
    Das Gesicht war von vielen Narben verunstaltet, eher Tiernarben und nur wenige Narben von Waffen, wie ein späterer genauerer Blick nahebrachte, auch die Handknöchel und im Weiteren Handrücken waren vernarbt, die Nase wohl schon mehrfach gebrochen gewesen. Bernsteinfarbene Augen sahen uns an, aus einem ansonsten wettergegerbten Gesicht, das seinen Träger vermutlich 40 oder auch einigen Götterläufen mehr alt sein ließ. Die Narben und die wettergegerbte Haut machen ein genaues Einschätzen schwierig. Er war gut einen halben Kopf kleiner als Ullachan, und damit immer noch ein paar Halbfinger größer als ich, und trug einen Lederriemen mit verschiedenen Tierzähnen und -klauen um den Hals.
    Eine Axt von in meinen Augen ungewöhnlicher Machart hing an seiner Seite, eine norbardische Molokdeschnaja, ein Horn aus Rinderhorn, eine Lederflasche und ein Wasserschlauch und eine grob gearbeitete, aber stabile Gürteltasche fanden sich noch am Gürtel zusammen mit einem Jagdmesser. Auf dem Rücken trug er drei Wurfspeere in einem Köcher.
    Sein rechter Arm, angefangen an der Brust, war bis hinab zum Handgelenk mit Hautbildern bedeckt, auch an den Beinen befanden sich noch einige, wie später zu sehen war.
    Um den Nabel lag eine Schlange auf der Sonnenscheibe wie bei Ullachan, von dort gingen Verästelungen zu jeder Schulter und der Hüfte ab. Ein heulender Wolfskopf war auf der rechten Brust abgebildet, dann sah ich unter anderem einen aufrechtstehenden Stier, dem der Kopf abgenommen wird, darunter ein schwarzes Menschengesicht; eine große steinerne Schlange; eine krude, große Feste, die mich von der Art her an Graulgatschthor erinnerte, eine Mensch-Wolf-Kreatur mit langen Krallen und herausgerissener Kehle; einen Tatzelwurm mit einer Molokdeschnaja im Leib; einen Obelisk bei Schnee in Dunkelheit, um Stein herrschte jedoch Tageslicht und sommerliches Gras war zu sehen.
    Auf einem Bein war ein Wolf zu sehen, der einen Hirsch reißt, und ein Wolf, der vor einer Palisade steht und die Zähne fletscht, auf dem anderen ein schwarzhaariger Mann mit Narben im Gesicht und bernsteinfarbenen Augen, wie er gerade einen Gegner niederringt, unter anderen Darstellungen.
    Wie ich noch merken sollte, ging von ihm der Geruch eines Raubtieres aus. Er riecht wie ein Wolf.
    Ein großer Lederbeutel schien sein einziges Gepäck zu enthalten.

    Firudan sprach ihn als erstes an, der ihm etwas entgegen getreten war. Leicht guttural klingend und mit rauer Stimme, aber in recht fließendem, wenn auch keineswegs akzentfreiem Garethi erfuhren wir von ihm, dass er hier etwas suche und Conner heiße.
    Ich traute diesem plötzlichen Erscheinen nicht und sah mich immer wieder um, konnte aber weiterhin keine andere magische Präsenz ausmachen und an diesem Conner sah ich nichts, was auf Beherrschung oder borbaradianischen Einfluss hinwies. Und doch … Auf der Suche nach dem Sechsten Zeichen, Lira gerade entführt, und dieser Man taucht ausgerechnet an diesem geheimen Ort mitten in den Trollzacken auf.
    Der kurze Austausch zwischen ihm und uns stockte aber bald, da er nicht mehr sagen mochte, und wir auf seine Frage, was wir hier machten, auch nur ungenaue Antworten gaben.
    Mittlerweile war er näher gekommen, stand näher an Firudan und ich sah, wie er seinen Kopf etwas vorschob … nahm er etwas Firudans Geruch auf? An Firudans großer, muskelschwerer Echsengestalt blieb sein Blick beeindruckt hängen.
    Dann ging er zu Ullachan und sprach ihn in seiner Muttersprache an. Danach trat er zu Krallerwatsch, und jedes Mal beobachtete ich, wie er in ihre Richtung seine Nase bewegte. Auch den Troll sprach er auf Gjalskisch an, was dieser nicht verstand, daraufhin sprach der Gjalsker ihn respektvoll auf Garethi an undgrüßte ihn.
    Messana, Velea und ich waren mittlerweile auch von Dela herab gesprungen. Er betrachtete uns, sah genauer auf mein linkes Auges, Messanas Drachenschuppenrüstung und Veleas graue Haut, die ihn durchaus beeindruckten oder skeptisch blicken ließen und witterte auch zu uns, nie zu einem von uns aufdringlich nah tretend. An Delas Drachenleib ging er einige Schritte entlang, betrachtete sie und nahm auch ihren Geruch auf. Sefira, Coris, Raidri Conchobair, niemanden ließ er aus.

    So etwas wie uns, stellte er dann fest, habe er noch nie getroffen, wir seien seltsam. Krallerwatsch wollte es damit erklären, wir seien Rosch Chod Dorr, aber dieses Wort kannte der Barbar nicht. Velea suchte es damit zu übersetzen, wir würden die sieben mystischen Zeichen tragen. Etwas wie Verstehen blitzte auf seinem Gesicht auf. Er fragte uns wieder, was wir hier tun würden. Etwas suchen, erwiderte Firudan. Ich fragte ihn, was er denn dort tun würde. Etwas suchen, sagte auch er nicht zum ersten Mal.
    Das brachte nichts, weshalb ihn Dela fragte, ob er von Borbarad gehört hätte. Ich dachte zuerst, ein Tier wäre es gewesen, dann wurde mir klar, dass der Barbar die Lippen zurückgezogen und so drohend geknurrt hatte. Das sei der, der Krieg führt, sagte er, und er knurrte noch einmal.
    Da wir aber anders nicht voran kamen und die Zeit für uns drängte, erklärte Velea, wir würden das mystische Sechste Zeichen suchen, was ihm ein Schulterzucken entlockte, da er das nicht zu kennen vorgab. Sie fuhr fort, das wäre ein jagender Berg, und da wurde er sofort hellhörig. Den suche er auch, Bruder Wolf suche er.
    Doch niemand werde den Berg zur Jagd geleiten, wir hatten die Stelle nur gefunden, aber mehr auch nicht, endete Velea.
    Er wollte wissen, was unsere Zeichen seien, und er erhielt kurze Erläuterungen. Firudan könne sich in einen Leviathan verwandeln (Conner wusste nicht, was ein Leviathan ist), Dela in einen Drachen, ich könne mit dem Auge Magie sehen, Veleas Hautbild sei ein Zeichen für Verständigung und Frieden. Der Markgraf verkündete ihm, er trüge die Götterklinge Siebenstreich, der nichts länger als sieben Streiche widerstehen können. Coris erklärte, sie sei keine Gezeichnete, Messana sagte gar nichts dazu.
    Da Krallerwatsch Zeichen mit Graum erklärte, musste er auch das erklären. Er malte die Form und Größe der Klaue in die Luft und fügte hinzu, sie sei schwarz. Das kannte Conner auch, denn er nickte erkennend, was mich gleich noch vorsichtiger werden ließ.
    Das suche er auch, erklärte dieser Conner überzeugt. Er hatte von der großen Klaue geträumt, wie auch von dem jagenden Berg, und da wolle er hin.
    Als wir ihm sagten, als er gleich drängte, wir sollten dorthin gehen, wir seien auf dem Weg zum Schattenklotz, um ein entführtes Mädchen zu retten, das ein weiteres Zeichen tragen würde, überlegte er kurz, während sein Blick zur Trollfaust hoch wandere. Dann bot er an, er könne mitkommen.
    Meine erste Reaktion wollte sein, abzulehnen, aber dann dachte ich, dass ich ihn noch weniger allein hier wissen wollte. Käme er mit, hätten wir ihn im Auge, und sollte er etwas Verräterisches tun, würden wir es sofort bemerken. Daher erhob ich doch keinen Einwand.
    Da auch sonst niemand einen Einwand hatte, stiegen wir wieder auf Dela, Conner leichtfüßig und geschickt. Er setzte sich hinter Ullachan, ich hinter ihn, Firudan hinter mir.

    Dela nahm nun Anlauf, und ich spürte, wie sich Conners Muskeln anspannten, als sie absprang, die Flügel ausbreitete und Winde aufnahm, um höher zu gelangen.
    Dela erkundigte sich per Gedankenbilder-Sprache bei mir, ob es am Schattenklotz Platz zum Landen geben würde. Ich erwiderte verbal, dass der Berg in der Mitte zwischen anderen stehen würde und daher reihum viel Platz wäre. Je später wir entdeckt werden würden, desto besser, aber vermutlich sei es nicht unvermeidlich.
    Das für andere Ohren unvollständige Gespräch sorgte bei zumindest direkt vor und hinter mir für fragende, bzw. irritierte Blicke.

    Wir flogen durch die Dunkelheit. Ich versuchte mich zu orientieren und gab Dela Hinweise, wenn ich etwas fand, anhand von dem ich unsere genaue Richtung bestimmen konnte.
    Schließlich erkannte ich, da ich immer wieder die Oculus-Sicht nutzte, den magischen Schattenklotz und den Nebel um ihn herum, und behielt diese Sicht bei. Als ich einmal zwischendurch kurz wechselte, sah ich ihn wieder, wie die dunkle Silhouette des zerklüfteten Berges das wenige Licht durch die Gestirne förmlich zu schlucken schien.

    Ich sah auch die magischen Abbilder der Dämonen, mindestens einem halben Dutzend, die den Berg umkreisten und immer mal wieder wechselweise im Nebel oder hinter ihm verschwanden und dafür auch aus meiner Sicht gerieten.
    Daher beschlossen wir, schnell heran zu fliegen und auf halber Höhe am Hang zu landen. Schafften wir es, bevor die ersten Dämonen eintrafen, sollten wir mit ihnen zurecht kommen. Auf dem Gipfel wollten wir nicht landen, da gar nicht zu erkennen war, wie hoch der Berg war und wie es dort beschaffen war. Ein Anflug blind in den dichten Nebel könnte unser Verhängnis sein.

  • Fortsetzung des Eintrages "2. Peraine 28 Hal, Graulgatschthor"


    Still und leise segelte Dela heran, ging frühzeitig in einen Sinkflug und nah am Berg wieder etwas hoch, als gerade kein Dämon in der Nähe war. Lange würde es jedoch nicht dauern, waren sie doch nicht auf Augen und Gehör angewiesen.
    Der Stein ächzte und bröckelte, als Delas gewaltiges Gewicht auf ihm landete und ihre Krallen Halt suchten. Wir sprangen geschwind herab, und sahen gleich zu, uns nach oben aufzumachen. Auch unter unseren Schritten bröckelte der poröse Stein und es war zusätzlich dadurch immer wieder rutschig. Dela mit dem großen Drachenleib bewegte sich nicht leise, ich bemühte mich, aber ich weiß, dass ich nicht schleichen kann. Dass sich andere doch leise bewegten, fiel wohl kaum ins Gewicht. Der ungerüstete Conner in seinen weichen Lederschuhen hätte sich wohl auch ohne unsere Geräusche völlig lautlos bewegt, wenn auch unter seinen Schritten der alte Fels zuweilen nachgab.
    Einmal sah ich ihn, wieder sich zu dem hier spärlich wachsenden ölig schwarzem Gras bückte und dann angewidert leise knurrte. Wie in Tobrien war auch hier, was einst gelebt hatte, in etwas Schwarzes und Verdorbenes gewandelt worden.
    Ich sah, dass auch das Gras magische Strukturen aufwies, wie der ganze Berg und der Nebel um ihn. Die Nebelwolke war noch potenter, ich erkannte die Fäden von roher, ungebundener Kraft in den magischen Strukturen.

    Wir mussten immer mal wieder unsere Hände zu Hilfe nehmen, als wir nacheinander den Berg weiter erstiegen.
    Wir waren allerdings gerade wohl erst einige Herzschläge unterwegs, als ich drei Dämonen herbei fliegen sah. Ich stieß einen Warnruf aus und wir zogen unsere Waffen.
    Ich nahm den Säbel, war doch der steile Boden uneben und rutschig und mit einer kürzeren Waffe in einer Hand würde ich besser ausbalancieren können. Messana zog auch nur eine Waffe, Sefira beide und Firudan den Zweihänder. Raidri Conchobair nahm Siebenstreich zur Hand und Coris ihr Schwert. Conner zog seine Axt, ich sah, dass sie nicht magisch war.

    Da wir so ziemlich hintereinander standen, ergaben sich die Kampfgruppen von selber. Sefira, Messana und Firudan waren nah genug beieinander, um gegen einen Dämonen zu kämpfen, Dela, Conner und ich hatten einen und Ullachan, Coris und Raidri Conchobair den dritten. Velea duckte sich klein zusammen und drückte sich an den Felsen.
    Es war dunkel, die Dämonen unsichtbar und der Boden unsicher, was uns mehr oder weniger einschränkte. Aber mein Säbel war durchaus die rechte Waffe, um gegen Dämonen aus der Domäne des Gegenspielers des Praios zu kämpfen.
    Der Dämon bei Firudan, Sefira und Messana war als erstes vernichtet. Conner schlug sich recht gut dafür, dass er von den Umständen des Kampfes recht eingeschränkt war, wie ich glaube, und er eine unmagische Waffe gegen einen Dämonen einsetzte, denn er setzte immer wieder nach und schlug nach ihm, wenn die Kreatur herab stieß. Doch vielleicht mochte das auch falsches Vorgeben sein. Dela schlug mit ihren Pranken nach dem Dämonen.

    Im Endeffekt recht bald waren die drei Dämonen vernichtet und keiner von uns mehr verletzt. Firudan hatte zwar einen mächtigen Treffer abbekommen, aber das hatte er in den Herzschlägen danach schon wieder weggeheilt. Wir anderen waren immer rechtzeitig genug weggetaucht.

    Schnell stiegen wir weiter, ich immer wieder nach oben schauend. Die anderen Dämonen blieben oben, so dass wir bald ungehindert die Gipfelregion erreichten.
    Hier zeigte es sich, dass der Gipfel eigentlich ein recht flaches Gipfelplateau war und die magische Wolke knapp darüber schwebte, etwa zwei Schritt. Firudan und Ullachan zogen die Köpfe ein, Dela duckte sich so gut wie möglich, aber so ganz kamen gerade Drachen- und Echsengestalt nicht darum herum, Berührungen mit dem Nebel zu haben. Er fühlte sich seltsam an, sagten beide, ohne das genauer beschreiben zu können.
    Die Nebelbank hing aber nicht glatt darüber, sondern, wie wir nach einigen Schritt feststellten und der Nebel weiter nach oben zurückwich, eher kuppelförmig. Der Boden war immer noch porös und bröckelig, aber zumindest ohne Steigungen. Das Gipfelplateau hatte einen Durchmesser von vielleicht 150 Schritt, und in der Mitte befand sich ein großer Schuttberg, aus dem heraus die Ruine eines ehemals wohl großen Turmes empor wuchs. Seine Basis, soweit unter dem Schutt auszumachen, mochte wohl an die 20 Schritt Durchmesser haben, aber jetzt erhoben sich nur noch fünf oder sechs Schritt Höhe darüber.
    Das war also der Turm, in dem ER in einer Inkarnation als Troll gehaust hatte.

    Ich konnte den kleinen hellen Fleck, in dem ich die Kappe erkannte, vor dem übrigen Rot überall ausmachen und führte uns zielgerichtet dort hin.
    Dort saß Lira, wie ich ganz normal sah, nicht gefesselt, aber ohne sich zu bewegen, und sah uns stumm entgegen. Messana kniete bei ihr nieder. Ich sah mich mittels Oculus wieder um, weil ich etwaige angreifende Dämonen frühzeitig entdecken wollte, während Messana mit dem Kind sprach, aber Lira nicht antwortete. Sie hob das Mädchen auf, um sie wegzutragen.

    In dem Moment bebte der Boden und eine schwarze Flüssigkeit begann, aus Ritzen im Fels zu quellen.
    „Lauft!“, rief Messana und wir eilten an verschiedenen Stellen an Delas Flanken, um auf sie hinauf zu gelangen. Kaum saßen wir, Messana mit Lira im Arm, sprang Dela hoch, um die Winde zu fangen und machte einen ihrer kräftezehrenden Flügelschläge, um sich und uns voran zu bringen.
    Die schwarze Masse nun sowohl unter als hinter uns zog sich zusammen, zu einer Masse, die Beine bildete, um loszulaufen.
    Die unsichtbaren Dämonen stießen an verschiedenen Stellen aus der Nebelwolke herab. Einen sah ich direkt von vorn auf Dela zufliegen. Ich rief ihre eine Warnung zu und sie solle nach rechts ausweichen. Wir griffen schon zu unseren Waffen. Ich instinktiv zu meinem Anderthalbhänder und zu spät fiel mir, dass auf dem die zeitweilige Weihe ja gar nicht mehr liegt.
    Auf meinen Zuruf schlugen wir zu, als Dela plötzlich abbog und wir freien Schlag auf den Dämonen hatten. Es vernichtete ihn nicht, aber wir hörten sein Aufkreischen.

    Dann flog Dela über den Plateaurand und die schwarze Masse blieb hinter uns zurück wie auch die Dämonen, die uns vom Schattenklotz weg nicht viel weiter verfolgten.

    Nach einigem Zureden sprach Lira mit uns und erzählte, Knopphold habe sie hergebracht und gesagt, jetzt sei sie sicher. Das hatte er nicht weiter ausgeführt, leider, denn wovor sie sicher sein sollte, war uns unverständlich. Als er sie am Turm abgesetzt hatte, war er im Boden versunken und seitdem hatte sie ihn nicht wieder gesehen. Ihr war nichts getan worden.
    Ob er sie als Druckmittel gegen uns hatte einsetzen wollen, um an das Graum zu gelangen?

    Unser Rückflug zur Höhle der gemalten Male verlief ungestört, ich entdeckte auch nichts und niemanden, der uns verfolgte. Das musste nichts heißen, ich weiß, dass man sich auch vor dem Almadinen Augen verhüllen kann, und vielleicht war der Verräter ja auch schon unter uns.

  • Fortsetzung des Eintrages "2. Peraine 28 Hal, Graulgatschthor"


    Es brachen schon die frühen Morgenstunden des heutigen 2. Peraine an, als Dela nahe dem Höhleneingang landete. Ihre Rückverwandlung ging schnell, und so betraten wir bald gemeinsam die Höhle. Velea hatte den Gjalsker mit an die Hand genommen, ich ging hinter ihm und wollte ihn lieber im Auge haben.
    Firudan hatte vorher noch vorgeschlagen, erst etwas zu schlafen, aber zu dem Zeitpunkt wollte ich nicht warten, um zu sehen, ob wir nun das Sechste Zeichen bekamen und ein geeigneter Träger bei uns war. Auch die anderen wollten nicht warten.

    In dem Gang vor dem von ihr geschlagenen Durchgang zu dem weiter führenden Gang sagte Dela, sie höre wieder ein Knurren. Conner schaute sie irritiert an, denn er hörte, wie wir alle, nichts.
    Wir gingen weiter, betraten im Scheine von Veleas mitwanderndem Flim Flam, dem Conner einen argwöhnischen Blick zugeworfen hatte, die Höhle, die aussah wie ein Maul voller Zähne und gingen die Treppe hinauf. Conner ließ seinen Blick dabei neugierig durch die Höhle wandern. Oben an dem Schacht angekommen, hockte er sich hin, auf die Hände dabei gestützt, und steckte den Kopf nach vorn über die Öffnung. Er drehte den Kopf leicht hin und hin her, als ob er blickte, lauschte oder witterte. Dann rief er etwas hinab, was rau und guttural klang und was mir später als vermutlich „Hey, Bruder Wolf!“ übersetzt wurde.
    Herzschläge später hob er den Kopf. „Ah!“, machte er, er klang zufrieden.
    Dela sagte leise zu uns, das Knurren sei lauter geworden.
    Conner legte den Kopf in den Nacken und stieß ein Heulen aus, das für mich schlicht täuschend echt nach einem tatsächlichen Wolf klang. Dann rief er wieder auf Gjalskisch etwas hinab, diesmal mehr.

    „Bruder Wolf! Ich bin Conner bren Kilian aus dem Haerad Conneach, ein Durro-Madadh-Dûn, der den Pfad des Wolfes ging und mit seinen Brüdern, den Wölfen, jagt, dessen Name auf dem Ehrenstein von Conneach geschlagen steht, der den bösen Mensch-Wolf tötete, Amanma Rudh betreten und erkundet hat, die Dämonen in seiner Heimat und der der Südländer jagte und tötete, die steinerne Schlange betrat, mit Gon Rastar Ogerschreck bren Morved gekämpft und gejagt hat, das Palenkel von Conneach mehrmals gewann und dadurch die Ehre erlangte, für Conneach beim Gon’Da Gon Palenkel in Niellyn anzutreten, Länder des Südens bereist, eine andere Welt betrat, einen Tatzelwurm tötete, unzählige Orks und Untote erschlug und viele Thorwaler in den Nebel schickte!
    Ich rufe dich, Bruder Wolf! Ich bin dein und du bist mein. Es ist Zeit zu jagen!“ Er machte eine kurze Pause, den Kopf weiterhin hin dem Loch zugewandt.
    „Bruder Wolf, deine Beute läuft frei. Es ist Zeit zu jagen! Es ist Zeit, die Beute zu reißen!“
    Wieder legt er den Kopf in den Nacken und das langgezogene Heulen eines Wolfes hallte von den Wänden wider.

    Etwas kam von unten herauf sehr schnell geflogen, aber der hockende und aufgestützte Conner war schneller und warf den Oberkörper zur Seite. Etwas Dunkles und Gebogenes schlug einen Bogen und fiel wieder ins Loch zurück.

    Er richtete sich und steckte den Kopf wieder über den Schacht. Er sagte nichts, doch stieß er Laute aus, Jaulen, Janken und kurz Heultöne, und sein Körper bewegte sich leicht dabei mit. Dieser Mann ist wahrlich ein halber Wolf.
    Kurz darauf wurde er kurz still. Dann fletschte er die Zähne, seine Jaul- und Heultöne wurden nachdrücklicher, entschlossener und aggressiver. Er zog plötzlich sein Jagdmesser und zog es sich einmal tief einschneidend über den linken Unterarm, schüttelte den Arm kräftig über dem Loch, und beugte seinen hochkonzentriert aussehenden Kopf wieder über das Loch und gab wieder wölfische Laute von sich.

    Wieder schoss ein Graum aus dem Loch heraus. Conner hob nur seinen Kopf, bot sich stolz an und rührte sich nicht. Es schlug mit gewaltiger Macht in seine Brust ein. Den Gjalsker schüttelte es leicht, aber er blieb hocken, einen entschlossenen Ausdruck auf dem vernarbten Gesicht, und er gab keinen Laut von sich. Das nächste Graum schlug in seinen Bauch ein mit solcher Gewalt, dass es am Rücken ein Stück weit wieder heraustrat. Seine Muskeln verkrampften sich kurz, aber er harrte ruhig aus. In seinen rechten Oberarm schlug das dritte Graum ein, in den linken Oberschenkel das vierte. Blut lief an vielen Stellen über seinen Körper. Die Lippen hatte er vor Anstrengung über die Zähne zurückgezogen, aber er machte keine Anstalten wegzuspringen und der weiteren Agonie, die damit einhergehen musste, zu entgehen. Das fünfte Graum drang in den rechten Oberschenkel ein und die eine Spitze trat auf der anderen Seite ein Stück weit wieder aus. Das folgende Graum traf den Wolfskopf oben auf der rechten Brust und trotz des dazwischenliegenden Schulterknochens sah ich, wie es hinten auf der Schulter die Haut nach Außen ausbeulte, aber nicht austrat. Das Knacken, mit der der linke Unterarm brach, als das siebte Graum dort einschlug, war deutlich zu vernehmen. Conner grunzte nun leicht vor Schmerz, Schweiß und Blut, beides in Strömen, aber letzteres viel mehr, liefen über seinen Körper, dessen Muskeln und Sehnen bis zum Zerreißen angespannt waren, und der leicht schwankte im Rhythmus der Einschläge an den unterschiedlichen Stellen. Das achte schlug in den Unterbauch, das neunte von hinten in sein linkes Wadenbein ein, brach es und er fiel auf die Seite, als das Bein ihn nun endgültig nicht mehr trug und ich sah, wie das Graum vorne aus dem Knochen ein Stück weit ebenfalls heraustrat. Das zehnte drang in seinen Brustkorb über dem Herzen ein. Blut spritzte in allen Richtungen weg.

    Conner zog blutige Lippen über blutige Zähne zurück, weil er sich im Bemühen, die Schmerzen nicht zu zeigen, blutig gebissen hatte, und knurrte wild, und dann fragte er auf Gjalskisch: „Gehen wir jetzt jagen?“

    Ein geisterhafter Wolf, groß wie ein Pferd, kam aus dem runden Loch im Boden heraus und sprang in einem Satz auf Conner zu und drang in seinen Körper ein. Conner jaulte und knurrte, sein Körper zuckte in wildem Schmerz.

    „Damit sind es sieben“, sagte Lira sachlich, die das unbewegt beobachtet hatte.
    Ja, wir werden jagen gehen.

    Für einige Momente lag Conner am Boden, in flachen, schnellen Atemzügen hob und senkte sich sein Brustkorb, während Blut an ihm herab floss und er in seinem eigenen Blut lag. Die Graume, die an verschiedenen Stellen die Haut durchstießen oder sich unter der Haut abzeichneten, verliehen seinem Körper ein groteskes und widerwärtiges Aussehen.
    Dann stützte er den einen Arm auf, den rechten, der nicht gebrochen war. Langsam stemmte er sich unbeholfen auf, bis auf die Knie, und dann in einer weiteren Anstrengung auf die Beine.
    Velea trat auf ihn zu, vielleicht um ihn aufzuhelfen, oder um ihn zu heilen, aber sie wirkte zögerlich und berührte ihn nicht. Nachdem er ihr keine Beachtung schenkte und weiter darum kämpfte, auf die Füße zu kommen, zog sie sich wieder zurück.

    Mir hatten sich beim Zuschauen manchmal selber die Muskeln angespannt, denn nur das anzusehen war schon eine Tortur. Was für Schmerzen das sein mussten, denen er stand gehalten hatte und sie auch noch so stoisch wie möglich ertragen hatte.
    Nun aktivierte ich den Oculus. Da es sich um eine nach allem was wir wussten karmale Wesenheit handelte, erwarte ich nicht unbedingt, eine Veränderung auf magischer Ebene zu sehen. Doch eine Veränderung sah ich: Conner war magisch potenter, jedenfalls für den Moment.

    Wir gingen in die andere Höhle, Conner humpelte und ging langsam, aber er ging allein. Aus seiner Ledertasche holte er eine Decke aus gewebter Wolle, breitete sie an einer Stelle aus und ließ sich darauf nieder. Bevor ihm jemand Hilfe anbieten konnte, hatte er sich mit Schweiß bedecktem Gesicht mit knirschenden Geräuschen die Knochen selber gerichtet, mit Wasser aus seinem Wasserschlauch spülte er seine Verletzungen aus, so gut es ging, pulte Kleidungsreste heraus, und schmierte sich Salbe aus einem Tiegel auf die Verletzungen. Anschließend holte er eine Art Wurst aus seinem Gepäck und kaute mit kleinen, müden Bissen daran herum, bevor er sich hinlegte.

    Ich ließ mir derweil von den anderen übersetzen, was Conner gesagt hatte. Ich stellte fest, dass das Erhalten des Zeichens schon sehr hart ausgesehen hatte. Firudan stimmte er neutral bei, Coris meinte, sie selber hätte das nicht überstanden. Dela sagte, er hätte ein Ziel gehabt. Jetzt seien wir sieben, wiederholte ich Liras Worte, erstmals seien alle sieben Zeichen zur gleichen Zeit vereint.
    Jetzt könnten wir in die Schlacht ziehen.
    Erst müssten wir das Thing beenden, wiegelte Firudan ab.

    Das weiß ich wohl, aber vor allem waren wir her gekommen, um über das Sechste Zeichen mehr herauszufinden, und nun hatten wir sogar einen Träger. Allerdings einen, der uns gänzlich unbekannt ist. Auch wenn uns Conner keinen Grund gegeben hatte ihm zu misstrauen, finde ich sein plötzliches Auftauchen eben doch sehr plötzlich. Es wäre eine Möglichkeit uns einen Gezeichneten zu schicken, der IHM zuarbeitet. Würde der Wolf aber sich einem Schergen von IHM anschließen, wenn er doch Götter jagen kann, Phex hätte jagen sollen und nun kosmologisch seinen Enkel zur Strecke bringen soll? Das Orakel von Altaïa hatte gesagt, einer der Sieben Gezeichneten würde ein Verräter sein. Die Strophe hatten wir als falsch oder wenigstens auslegungsfähig angesehen, aber … Würde ER ein Zeichen täuschen können, und ausgerechnet das, welches die ‚Letzte Waffe‘ gegen IHN sein soll?
    Doch ich behielt meine Überlegungen für mich.

    Velea überlegte laut, was danach wohl werden werde. Überzeugt wie stets zu diesem Thema erklärte Messana, das ganze Heer würde streiten und siegen. Es würde dazu jedoch an uns allen liegen, das zu erreichen. Velea äußerte ihre Hoffnung, dass viele Streiter kommen werden. Wir hatten an so vielen Orten gesprochen, fand Messana, dass sie alle kommen werden.
    Sie müssen kommen, sagte ich inbrünstig. Schließlich ginge es zu der entscheidenden Schlacht. Wir würden sehen, meinte Velea, und ihre Gefährtin stimmte bei, und siegen würden wir auch. Wenn nicht jetzt, wann sonst, fügte Sefira hinzu, die Götter seien mit uns, das hätten sie oft bewiesen. Die Götter seien mit uns, ergänzte Messana, doch sei es an jedem Einzelnen, sich dessen auch als würdig zu beweisen.

    Mit wechselnden Wachen schliefen auch wir, und es war bereits Mittag, als wir erwachten. Mein Blick wanderte mit als erstes zu Conner, der sich auch zu regen begann. Die Stellen, an denen die Graume in seinen Körper ein- und teilweise auch ausgetreten waren, bluteten nicht mehr, sie waren sogar in den Stunden völlig vernarbt! Allerdings sahen die schwarzen Graumstücke noch immer heraus oder zeichneten sich deutlich unter der Haut ab. Die blutigen Löcher in Kilt und dem Überwurf waren natürlich weiterhin vorhanden. Über die Hautbilder zogen sich nun die großen und wulstigen Narben, die neu waren, aber alt aussahen. Auch die Brüche mussten verheilt sein, denn seine Bewegungen waren nicht eingeschränkt. Er aß auch mit ordentlichem Appetit von Fleisch aus seinen Vorräten.
    Mit Hilfe des Oculus sah ich, dass sich an seiner magischen Struktur nichts geändert hatte, er jedoch noch immer magisch potenter erschien.
    Ich trat zu ihm und fragte, wie es ihm ginge. Gut, grunzte er mit vollem Mund zurück. Ich fragte, ob die Graumstücke zu spüren sei oder ihn das beeinträchtigte er. Es fühle sich seltsam an, erwiderte er, aber ihm ginge es gut. Er erkundigte sich, ob wir nun zur Schlacht aufbrechen würden. Ich erklärte kurz, wir gingen erst zu den Trollen, die beratschlagten, ob sie sich am Kampf mit beteiligten, und würden dann aufbrechen. Dann wollte ich noch wissen, ob er den Wolf erspüren könne. Er nickte. Bruder Wolf wolle jagen, fügte er hinzu.
    Hatte er mit Graufang tatsächlich Kontakt gehabt, fragte ich. Er erwiderte, er habe im Kopf mit Bruder Wolf gesprochen, der ihm gesagte habe, Conner müsse seinen Zorn tragen können und bereit sein, ausdauernd mit ihm jagen und Schmerzen ertragen können. Er, Conner, habe seine Bereitschaft dazu erklärt.

    Nach einem kurzen Frühstück packten wir unsere wenigen Sachen und verließen die Höhle. Wir beschlossen, nach Graulgatschthor zu laufen, statt einen Meister zu rufen, da der letzte Tag des Things morgen ist und wir dann auch zur Trollpforte aufbrechen wollen.
    Einige Schritte vor dem Höhleneingang, den Conner nun auch wahrnehmen konnte, blieb er stehen, hob er vorne seinen Kilt und strullte gegen einen Felsen. Als Velea und Coris ihn etwas irritiert anblickte, drehte er ihnen den Kopf über die Schulter zu.
    „Meins“, knurrte er mit dunkler Stimme.

    Graulgatschthor erreichten wir am Abend. Wir waren mit keinen Felsen beworfen worden, wir hatten die Vögel gar nicht gesehen oder gehört. Conner hatte einen beständigen, leichtfüßigen Schritt, und nur Krallerwatsch musste für seine Möglichkeiten langsam gehen.

    Die Trollfeste betrachtete er beim Annähern interessiert, und ich fühlte mich daran erinnert, dass sein Hautbild, soweit es noch zu sehen war, auch ein Gebäude ausgroßen Steinen zeigte, die krude angeordnet schienen. Ich sollte ihn einmal fragen, was die Bilder bedeuten.

    Die Torwächter ließen uns ein, mit Conner dabei, dem letzten Rosch Chod Dorr, wie Krallerwatsch verkündete (jedenfalls entnahm ich das den Worten Rosch Chod Dorr und dem Zeigen auf Conner), geleitete uns einer der Wächter in jene Halle, die wir bei unserem ersten Besuch betreten hatten. Die Schamanen, acht an der Zahl, waren da, diesmal allerdings nicht mit der Dunkelheit verschmolzen und kein magischer Nebel war für mich zu sehen.
    Der erste stand von seinem Thron auf, trat auf Conner zu, der zu ihm aufblickte, schnupperte an ihm herum, berührte ihn und dabei auch die Graumstücke, die sich so deutlich abzeichneten. Conner reckte den Kopf und witterte zurück. Der Schamane trat zurück, nickte und erklärte „Rosch Chod Dorr.“ Zwei Weitere taten es ihm nach.
    Auch Conner erhielt die Einweisung in die hiesigen Regeln, er sei Gast, doch er dürfe keinerlei Gewalt anwenden und dürfe nichts anfassen. Er nickte, dass er verstanden hatte.

    Auf dem Weg zu unserer Räumlichkeit kamen uns Strutzz und Krallulatsch entgegen, die froh waren, uns wieder und Lira bei uns zu sehen, und zu hören, dass das letzte Graum nicht nur gefunden, sondern auch gleich ein dazugehöriger Gezeichneter aufgetaucht war.
    Knopphold war nicht wiederaufgetaucht. Krallulatsch hatte erzählt, dass Knopphold der Verräter war, aber man hatte ihm das nicht glauben wollen und er sagte, auch wir sollten das morgen auf dem Thing erzählen, wie auch von Liras Entführung durch ihn.
    Conner nannte seinen Namen und bezeichnete sich ähnlich wie Ullachan, nur dass da in der Bezeichnung wohl ein anderes Tier, der Wolf, steckte. Die Trolle kannten keine Durro-Dûns und dachten nach Conners erster Erklärung, er sei mit dem Tiergeist von Bruder Wolf verbunden, das wäre so etwas wie ein Schamane. Er stellte richtig, dass er das nicht sei, er sei ein Kämpfer und spräche nicht mit allen Geistern, nur Bruder Wolf sei der Geist in ihm, aber das Konzept waren ihnen zu fremd, um es sogleich zu begreifen.
    Krallerwatsch sagte, wir könnten und sollten morgen auf dem Thing ruhig auch von der Höhle erzählen.

    Conner nutzte noch die Gelegenheit, durch die Feste zu streifen. Ich versuchte, ihm zu folgen, um ihn im Auge zu behalten, da ich aber gleichzeitig nach Knopphold Ausschau hielt und immer wieder den Oculus aktivierte, gab ich es bald auf, auch noch den Gjalsker zu beobachten, der sich soweit auch nur umsah.
    Wenn Knopphold da war, dann auch sicherlich gut versteckt und getarnt, wobei ich nicht abschätzen kann, inwieweit er unter einzelnen Trolle mit Unterstützung rechnen kann.
    Daher zog ich mich dann auch zurück, um die gestrigen und heutigen Ereignisse aufzuschreiben, solange sie noch frisch in meiner Erinnerung sind.

  • 3. Peraine 28 Hal, Heerlager an der Trollpforte

    In Begleitung der drei uns befreundeten Trolle brachen wir heute früh zum Thingplatz auf. Kaum hatten wir Platz auf den für uns riesigen Steinen genommen, wurden wir von einem der Fürsten (die nun, da Knoppholds Platz leer war, mit Krallerwatsch zu acht dort saßen) aufgefordert, noch einmal zu sprechen, so wir wollten.
    Ich sprang auf, doch Messana war schneller.

    Sie trat in die Arena, sah sich langsam um und erhob ihre Stimme, von Firudan und Strutzz übersetzt werdend … Sie adressierte die Trolle, dass sie nun eine wichtige Entscheidung für sich treffen könnten, die aber auch für ihre Zukunft und die ihrer Kindeskinder sei. Sie sprach die Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Trolle an, zum Guten, wie zum Schlechten, denn Knopphold habe sich als Verräter erwiesen, der seinen Ziehvater getötet habe oder töten ließ, Krallerwatsch habe angreifen lassen und Lira entführt hatte, das persönlich. Das rief einigen Aufruhr herbei, der sich bald legte, als sie weiter sprach.
    Sie redete über Borbarad, was er über Torxes ankündigen ließ, dass ihm jedoch nicht zu trauen sei, dass er weder die Trolle noch sonst jemanden in eine für alle gute Zukunft führen werde. Nach allem, was die Trolle durch unseren Mund oder durch Knoppholds Taten über Borbarad wüssten, sollten sie diesen kennen und das bei ihrer Entscheidung berücksichtigen, ebenso, dass sie nicht nur für sich, sondern auch für die Zukunft ihres Volkes entscheiden würden. Sie erwähnte auch die Höhle Rasch Bromm Knartsch, dass Knopphold das letzte Graum habe finden wollen, das aber gefunden und vor ihm bewahrt sei und nun das Zeichen mit den anderen sechs vereint sei, was beeindrucktes Gemurmel auslöste.
    Nach ihr ging Velea nach vorn, die sanft, aber eindringlich sinngemäß ähnliches sagte.
    Dann ließ ich es mir nicht nehmen, auch in die Arena zu gehen, denn ich hielt es für unabdingbar, auch noch einmal zu betonen, woran sie mit IHM sind, dass IHM auf gar keinen Fall zu trauen ist und sie von IHM nur das Schlechteste zu erwarten haben. Untote, Dämonen und Paktierer folgen dem Dämonenmeister, aber keine aufrechte Menschen, Elfen, Zwerge, Trolle oder andere Rassen, die einen Sinn für das Gute haben!
    Sogar Conner ließ es sich nicht nehmen, das Wort an die Trolle zu richten. Er sprang von seinem Sitzplatz, trabte in die Arena, dreht sich um, richtete seinen Wolfsblick auf die acht Fürsten und sagte einfach nur: „Bruder Wolf macht sich auf die Jagd nach seiner Beute. Schließt euch seinem Rudel an!“ Dann schlug er sich kräftig die linke Faust auf die nun narbige rechte Brust, fletschte grimmig die Zähne, und lief in seinem lockeren Dauerlauftempo zurück.

    Einer der Fürsten kündigte, als sonst keiner mehr von den Unseren sprechen wollte, an, dass sie nun beraten würden. Sie standen von ihren Steinsitzen auf und stellten sich zusammen. Keine halbe Stunde später drehten sie sich um und einer verkündete, dass die Trolle in den Krieg ziehen würden. Strutzz solle den Menschen Bescheid geben, dass die Trolle kommen werden und als Ansprechpartner dienen.

    Ja! Ich hob triumphierend eine Faust, Velea fiel Messana um den Hals. Jetzt würden wir Borbarad gewiss besiegen, mit Trollen als Unterstützung und einem Sechsten Gezeichneten, und ich sprach die Worte, die einst Rohal gegen seinen Bruder in der Gor ausgesprochen hatte: „Fahr zur Hölle, BORBARAD!“

    Die Fürsten kamen zu uns und bedankten sich bei uns, dass wir Knopphold als Verräter entdeckt hatten und das Sechste Zeichen vor Missbrauch bewahrt hatten. Auf Graulgatschthor wären wir stets willkommen.
    Dafür bedankten wir uns und wir schüttelten uns gegenseitig die Hände.

    Dann gab es nicht mehr viel zu tun. Mit den astralen Kräften von Coris und Velea ließ ich bald darauf Ghosif einen Dschinn der Luft rufen, den ich bat, nach Drakonia zu fliegen und dort Pyriander Di’Ariarchos Nachricht zu schicken, wie der Elementarist uns darum gebeten hatte, wir hätten gefunden, was wir suchten: das Sechste Zeichen, einen Sechsten Gezeichneten, und die Trolle würden auf unserer Seite auch in die Schlacht ziehen.
    Als der Dschinn fort war, riefen wie einen Meister der Luft, der uns zur Trollpforte tragen sollte.
    Unser weniges Gepäck dabei und uns von Krallerwatsch, Strutzz und Krallulatsch verabschiedet habend, machten wir uns auf den Weg.
    Conner umkreiste erst den Meister, ihn von allen Seiten betrachtend, aber dann hatte er keine Scheu, sich von ihm aufnehmen zu lassen, nachdem klar gemacht worden war, dass er da keineswegs durchfallen würde und wir viel schneller im Heerlager ankommen würden, als zu laufen. Anfangs fand er das schon skeptisch, das sah ich ihm an, aber dann steckte er förmlich den Kopf in den Wind, schnupperte und witterte und sah sich interessiert um, wie das Land unter uns dahin flog und die Welt von oben aussah.

    Eine bemerkenswerte Begegnung hatten wir, als wir auf unserer nicht langen Reise – sie dauerte insgesamt kaum zwei Stunden – über den nördlichen Trollzacken von Osten her eine große, fliegende und weiße Gestalt ausmachen konnten, die eine in den Klauen verschwindend klein aussehende Tasche hielt.
    Messana grüßte zu Pardona hinüber, als sie nah genug dazu war. Per drachischer Gedankensprache erwidert Pardona, es sei eine Weile her. Sie habe die gefangene Seele auf der Feste im Ehernen Schwert befreit, wo wir sie zuletzt zurückgelassen hatten, doch das war im letzten Praios gewesen. Danach habe sie viel Zeit im Tal der Elemente und in dessen Umgebung verbracht. Sie versuche, das zerstörte Gebirge, das es damals weggerissen hatte, wieder aufbauen zu lassen, hatte aber, wie sie einräumte, Probleme, mit Meistern der Elemente Kontakt aufzunehmen. Doch es würde voran gehen. Zuletzt habe sie sich über der Warunkei und auch dem Gebiet über Ysilia umgesehen.

    Gemeinsam flogen wir Richtung Heerlager an der Trollpforte weiter, Pardona einen gewissen Abstand zum Meister haltend, der wenn auch frühere Dämonenbeschwörer in seiner Nähe nicht mochte.
    Es hätte mich auch gewundert, wenn Pardona, so lange wir auch nichts mehr von ihr gehört hatten, nicht zur entscheidenden Schlacht gekommen wäre.

  • ~ Die Dritte Dämonenschlacht ~

    Fortsetzung des Eintrages "3. Peraine 28 Hal, Heerlager an der Trollpforte" (allerdings Sitzung vom 2.9.2017)




    Das Heerlager rechts und links der nach Osten führenden Reichsstraße war gar nicht zu übersehen, auch wenn erst vergleichsweise wenige Einheiten und ein eher kleines Trosslager da waren: Es sind noch fast zwei Monate bis zur Schlacht.
    Es standen Fahnen und Wimpel gaben dem Kundigen Auskunft, wer wo zu finden war. Unübersehbar standen mehrere große rote Kommandozelte im Zentrum. Ich entdeckte auch die Fahnen von Schwertbund, Peraine-Kirche, Boron, Praios, Ingerimm, Kor und der Leuinherz-Kirche, dazu die Flaggen, die anzeigten, dass die Provinzherrscher Weidens, Darpatiens und Tobriens persönlich anwesend waren. Viele Stellen werden frei gehalten, daher sieht das Heerlager noch besonders buntscheckig und unvollständig aus. An den jetzigen (und späteren) Außenrändern stehen zunehmend einzelne Zelte, in unterschiedlichen Farben und Zuständen, und auch improvisierte Behausungen, wo sich Freiwillige, die nicht dem Militär angehören, eingerichtet haben.
    Weiter entfernt sind improvisierte Pferdekoppeln errichtet.

    Wir landeten abseits, aber erregten dennoch natürlich gewaltiges Aufsehen. Ich bedankte mich beim Meister und verabschiedete ihn, während Pardona sich zurück verwandelte.
    Wir kamen noch gar nicht dazu, in das Lager zu gehen, denn Reichserzmarschall Leomar vom Berg kam uns mit einigen Adjutanten schon entgegen. Ich ging sogleich sicher, dass sie alle auch wirklich die waren, die sie zu sein vorgaben.
    Wir begrüßten uns vergleichsweise formlos und er äußerte seine Freude über unsere Ankunft. Er lud uns zum Abendessen ein, an das eine Besprechung über die derzeitigen Begebenheiten angeschlossen werden sollte. Pardonas Anwesenheit beeindruckte ihn, auch wenn er sie noch nicht getroffen hatte, hatte er natürlich schon von ihr gehört. Wir stellten ihm ebenfalls Conner vor (als diese witternd auf von Berg zu treten wollte, packte ihn Messana schnell an der Schulter und hielt ihn zurück). Als er den Gjalsker anblickte, meinte er unwillkürlich: „Das sieht schmerzhaft aus.“ Conner erwiderte nur, Bruder Wolf habe ihn erwählt und das sei mit Herausforderungen einhergegangen.
    Messana wurde durch die Nachricht überrascht, dass für ihre Kirche aus Albernia Verstärkung eingetroffen war. Da sie vor einem halben Götterlauf mit vielen Menschen aus Síoigín Garrán losgeritten war, hatte sie nicht damit gerechnet, dass erneut Pilger ihr nachgefolgt waren.
    Der Reichsbehüter, teilte vom Berg auch mit, würde sich freuen, würden wir unsere Zelte in der Näher der Kommandozelte errichten würden.
    Firudan, Dela und Sefira fragten, ob es möglich wäre, dass ihnen Zelte zur Verfügung gestellt werden würden, bis ihre Pferde samt dem Gepäck gebracht werden würden. Ich erkundigte mich, ob die Biestinger schon da wären. Das erste würde selbstverständlich möglich sein, das zweite war der Fall, so dass ich nicht auch nach einem Zelt fragen musste.
    Die Biestinger haben sich allerdings in Waldgebiete zurück gezogen, nachdem ihre Ankunft von vielen mit Unbehagen gesehen worden war, schauen aber manchmal im Heerlager vorbei.
    Der Reichsbehüter, erfuhren wir noch, würde erst im Ingerimm eintreffen.

    Im Lager suchten die einen den Quartiermeister auf, um sich Zelte zu holen, Messana ging zu ihren Leuten, Conner und Pardona zogen auf eigene Faust los, um sich umzusehen, Coris ging zu Saldor Foslarin, der auch mit einigen Magiern bereits eingetroffen war, und Lira schloss sich Velea an, die zu den Geweihten gehen wollte.
    Conner, der sich neugierig umgesehen hatte und auch an einige Zelte heran getreten war, um hineinzuschauen, war von Dela angesprochen worden, die großen, bunten Zelte in der Mitte des Lagers keinesfalls einfach zu betreten oder auch nur aus der Nähe reinzuschauen. Warum er das nicht tun sollte, wenn doch wichtige Leute darin wohnten, schien er nicht so recht nachvollziehen zu können, aber er nickte schließlich, dass er das nicht tun würde.
    Ich erkundigte mich, wo ich die Biestinger und ihre menschlichen Begleiter zu suchen hatte und ging zu ihnen.
    Schwer zu finden waren sie nicht. Wir begrüßten uns freudig. Sie waren froh, dass ich eingetroffen war, und ich, sie alle wohlbehalten vorzufinden. Ochshart erzählte, sie seien in den Wald gegangen, weil sie sich alle angestarrt fühlten, und einige der Adligen seien komisch. Ich erwiderte, sie würden nun zu meinem Gefolge gewissermaßen gehören, und wenn sie möchten, sollten sie ruhig ins Lager kommen und dort campieren. Ich würde dies ausdrücklich begrüßen, denn wenn sie mit den Menschen zusammen kämpfen, sollen sie auch vorher mit ihnen zusammen leben und sich kennen lernen und Scheu voreinander verlieren. Die Minotauren mahnte ich an, jede Vorsicht im Umgang mit allen Frauen walten zu lassen, seien sie Soldatinnen, Freiwillige oder im Tross. Dies sei wichtig und ich würde da persönlich drauf achten.
    Eilif gab sich Mühe, mich zu ihrzen, was ihr manchmal nur im zweiten Anlauf gelang, und erzählte, dass es keine wichtigen oder bedenklichen Ereignisse unterwegs oder bislang vor Ort gegeben hatte.
    Da das Abendessen nahte, beließ ich es bei dem eher kurzen Besuch, nahm meine Pferde und mein Gepäck in Empfang, und gab den Hinweis, wenn es Probleme geben sollte, solle ich in jedem Fall aufgesucht werden und morgen würde ich wieder kommen um jene, die möchten, in das Heerlager zu geleiten.

    Im Lager ließ ich mir zwei Soldaten abstellen, die mein Zelt aufbauten, versorgte meine Pferde und ging mich frisch machen und zog meine gute Kleidung an.
    Bald kam auch schon eine Ordonnanz, die mir ankündigte, das Essen sei fertig.

    In dem Zelt stand eine große Tafel mit Tischdecke mit Bänken an den Seiten. Geschirr und Besteck aus Silber waren darauf aufgebaut.
    Dela erschien mit Coris, Velea mit Messana, Sefira, Raidri Conchobair, Pardona, Lira und Firudan kamen natürlich allein. Ullachan und Conner waren nicht geladen. Fürstin Irmegunde von Rabenmund, Herzog Waldemar, Herzog Bernfried, Marschall Golambes von Gareth-Streitzig, Oberst vom Blautann und vom Berg, Admiral Sanin, Saldor Foslarin und Spektabilität Racalla von Horsen-Rabenmund waren die anderen geladenen Gäste und Leomar vom Berg unser Gastgeber.
    Die Begrüßungen fielen recht unterschiedlich aus, gegenüber der Fürstin sehr förmlich, während Herzog Waldemar wie stets nach Möglichkeit auf jede Etikette verzichtete und seiner ungetrübten Freude Ausdruck verlieh. Herzog Bernfried wählte den Mittelweg, aber auch ihm war offene Herzlichkeit anzumerken.
    Der elfenblütige Marschall von Streitzig-Gareth war neben der Fürstin der einzige in der Runde, dem ich noch nie vorher begegnet war, aber bei passender Gelegenheit erzählte ich ihm, dass Baron Strutzz das von ihm erhaltene Rezept sehr zu schätzen wisse.
    Messana bedankte sich bei Herzog Waldemar für die Spende von 20 Tralloper Riesen für ihre Kirche.
    Es gab eher oberflächliche Gespräche und der Reichserzmarschall war sichtlich darum bemüht, die Unterhaltungen vom Krieg und der anstehenden Schlacht fern zu halten, was ihm nicht immer gelang. Das Essen war vorzüglich.

    Als dann Essen und Geschirr abgetragen war und jeder nur noch Getränke vor sich stehen hatte, eröffnete vom Berg die Besprechungen.
    Er ließ eine Auflistung aller Truppen umgehen. Jene, die bislang da sind, waren entsprechend markiert. Die Löwengarde war anwesend, das horasische Leib-Eliteregiment Horasgarde, die Angbarer Sappeure, das Schanz- und Sappeurregiment Maulwurfsgarde, das Windhager Technische Regiment, die Ferdoker Gardereiter, Nordweidener Bären, Puniner Gardereiter, Erste und Zweite Wehrheimer Garde, Tobimoragarde, Wolfengarde, das Garderegiment Yslistein und das Bombardenregiment Trollpforte. Dazu waren Freiwillige aus dem Mittelreich in Stärke von umgerechnet 2 Bannern da, 2 Banner Freiwillige aus Maraskan, die zwar gegen Borbarad kämpfen wollen, wie vom Berg sagte, aber wahrlich keine Freunde der Mittelreicher waren und sie das auch wissen ließen, 2 weitere Banner weiterer Freiwilliger, einige Elfen, zwergische Sappeure und Biestinger. Von Kirchenseite waren Sonnenlegionäre, Bannstrahler, Golgariten, 2 Banner Geweihte des Schwertbunds und 2 Banner der Ardariten und 1 Banner der Kor-Kirche (Söldner und Geweihte) und 280 Kämpferinnen und Kämpfer der Leuinherz-Kirche da. Neben den (nun ehemaligen) Beilunker Magiern waren auch andere Magier eingetroffen, dazu auch einige Hexen und Druiden, und viel mehr noch waren zu erwarten.
    In den nächsten zwei bis drei Siebenspannen sollen die regulären Einheiten und bis zur ersten Ingerimm-Woche die Landwehren eintreffen, dazu unzählige Freiwillige, so dass bis spätestens eine Siebenspanne vor der Schlacht selbst im Falle von Verzögerungen auch die letzten der wenigstens regulären Truppen da sein sollten, wenn nicht sogar so ziemlich alle.
    Unsere Nachricht, die Trolle würden auch eine Abordnung schicken, und wo wir überall nach Freiwilligen aufgerufen hatten, wurde sehr gerne vernommen.
    Die Mauer war magisch verändert und vorbereitet worden. Wie Herzog Waldemar es ausdrückte: „Habt ihr schon die Mauer gesehen? Da ist ekliges Zeugs drauf.“ Was dahinter liegt, sei nicht einzuschätzen, denn dunkle Wolken oder Nebel würden dort liegen und seien giftig. Geschütze und Bogenschützen sind allerdings bereits auf der Mauer.
    Kundschafter hatten berichtet, dass von den südlichen und nördlichen Gebirgsausläufern aus Einblicke auf das Gebiet östlich der Mauer möglich seien. Die Wolkendecke würde weit bis zum Horizont und darüber hinaus reichen, die Nebelwand sei nur etwa 100 Schritt dick, dahinter läge ebenfalls ungefähr eine Meile entfernt das feindliche Heerlager, erkennbar nur am Lichte der Feuer in der beständigen Dämmerung, die durch die Wolken resultierte.
    Die wird auch unser erstes Problem sein, denn diese mussten wir uns erkämpfen, um auf die andere Seite zu kommen. Daher würde auch dort bereits mit einem großen Aufkommen von Dämonen zu rechnen sein.
    Die Sappeure und Pioniere begannen bereits, Tunnel Richtung Mauer zu graben.
    Sorgen machte dem Reichserzmarschall ein Pfad durch die Berge durch eine Schlucht, durch die unsere Feinde uns in die Flanke fallen könnten. Er könne dort zwar einige hundert Männer und Frauen hinstellen, doch wenn Dämonen vorweg geschickt werden würden, hätten diese den Kreaturen wenig entgegenzusetzen. Die Schlucht verbarrikadieren würde wiederum Dämonen nicht aufhalten und auch verhindern, dass wir im Bedarfsfalle unsere eigenen Leute hindurch schicken könnten.
    Natürlich war ich bereit, so ich auf die astralen Kräfte von Magiebegabten zurückgreifen könnte, Meister und Dschinne rufen und dort positionieren. Seine Frage, ob Elementare Nähe zu ihren Herbeirufern benötigen würde, konnte ich verneinen, und somit war ihm das sehr willkommen.
    Außerdem würde ich mich umschauen, ob hier oder in der Nähe eine oder mehrere Kraftlinien verlaufen würden, denn auf diese war das Thema ebenfalls gekommen. Ich warnte vor, dass nicht nur eine etwaige Existenz etwas bewirken würde, denn als Magiebegabter sollte man kundig darin sein, sie auch nutzen zu können.
    Messana riet an, sich mit den jetzt schon anwesenden kirchlichen Vertretern zu besprechen und mit jenen, die noch kommen werden. Mit ihrer Hilfe würden mögliche aufkommende Versorgungs-Probleme mit Trinkwasser und Proviant gelöst werden können. Außerdem würden sie zu verschiedenen anderen Vorbereitungen für die Schlacht und in deren Verlauf Unterstützung beitragen können. Sie selber und ihre Geweihten hatten beispielsweise schon Artefakte mit eingespeichertem Schutzsegen vorbereitet. Geweihte Waffen und Mut in allen Herzen wäre etwas, mit dem in jedem Fall zu rechnen wäre.

    Nachdem zu fortgeschrittener Stunde die Besprechung beendet war, und ich vom Berg um ein Gespräch am nächsten Morgen gebeten hatte, schlugen wir einen Bogen durch das Lager, um uns umzuschauen. Es war zu dunkel, um sich die Mauer anzusehen, das würden wir morgen tun. Wir sahen die Soldaten um Feuer sitzen und sich unterhalten oder an ihrer Ausrüstung werken oder spielen. Viele erkannten uns und es wurde über uns gesprochen.
    Firudan und Velea setzten sich auch irgendwann mit an Feuer, wir anderen suchten unsere Quartiere auf. Messana erzählte noch, dass 50 Pilger ausAlbernia eingetroffen seien, die ihre Streitmacht vergrößern würden und viele von ihnen hoffen, eines Tages Rondras Weihe zu erlangen.