[7te See] Nächtlicher Besuch auf Burg Dunlair

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  • 13. Nonus im Jahre 1668 des Herrn Theus, einen Monat nach der zerschlagenen Rebellion von König Piram von Breg.


    Ein Monat ist es her, seit die Aufrührer zurückgeschlagen wurden und Königin Elaine ihren Platz auf dem Thron wieder einnahm. Man sagt es wäre gegen die Königin der See gegangen, was einer der Gründe sein könnte, warum die See vor der Küste Avalons, den Hochlanden und Inismore noch stürmischer als sonst scheint.


    Sie passt jedoch zur düsteren Jahreszeit, in der der verrückte König O'Bannon die Zeit in Trübsinn zu verbringen pflegt, weswegen die Familien es bevorzugen den Winter auf ihren Burgen und Landgütern zu verbringen, um dort zu warten, bis die düstere Stimmung des unberechenbaren Königs verflogen ist.


    Andere zieht es aus anderen Gründen in ihre Heimstatt.


    Morgaine O'Hara kehrte nach dem tragischen Tod ihres Geliebten Wiktor Ivanowitsch in den Wohnsitz ihrer Familie, Burg Dunlair, zurück und trauerte dort in angemessener Stille. Sogar das Meer schien den Tod des großen Ussurers zu betrauern, denn oft vermeinte Morgaine das Klagen von Stimmen zu hören, die nicht zu den schrecklichen Sirenen gehörten.


    An diesem Abend weht ein kalter Wind durch das zugige und mit Löchern übersäte Gemäuer und der dazugehörige Sturm scheint die Wellen mit aller Härte an die Klippen zu wehen, an denen in unzählige Teile zerschellen und durch die Wucht des Zusammenstoßes einige Teile des Gesteins mit sich nehmen.


    Über das laute Gebrüll des Sturmes hinweg vermeint man den dröhnenden Klang eines geblasenen Hornes zu hören und dieses ist es auch, welches Morgaine aus ihren Schlaf reißt.


    Ihr Zimmer befindet sich im obersten Stockwerk des alten Bergfriedes und eines der Fenster ermöglicht es Richtung Meer zu blicken. Der Legende nach ließ die Mutter der Vorfahrin von Morgaine es einbauen, um ihre Tochter mit ihren Sidhé-Ehemann schon von weitem zu erblicken, um sie, voller Mutterliebe im Herzen, empfangen zu hören.


    Das Horn wird erneut geblasen und übertönt ein weiteres Mal den tobenden Sturm.

    Das Leben ist hart, unnachgiebig, brutal, langweilig, kurz, tränenreich, gefühllos,
    arm an Freude und Wundern, aus kosmischer Sicht nutzlos und schlichtweg schön.
    Gibt es einen besseren Grund um zu lächeln?

  • Düster ist die Jahreszeit, düster der graue Himmel, düster die alte Burg Dunlair und düster Morgaines Gemüt. Wiktor ist gestorben, einen Heldentod, um sie zu retten, aber das macht es eher noch bitterer.
    So sehr sie das Meer auch liebt und so ungern sie es verlässt, eine Rückkehr in die Zurückgezogenheit von Dunlair war ihr das einzig Mögliche gewesen.
    Die Feierlichkeiten in Carleon zum Sieg über die Aufrührer, Auszeichnungen, die Reperatur der Dubh, all das war Notwendigkeit gewesen und manchmal gar wie in einem Nebel an ihr vorbei gegangen, weil es einfach nicht wichtig war und keine echte Bedeutung für sie hatte. Hier auf Dunlair muss sie sich um nichts kümmern. Keine Aufmerksamkeit für Schiff und Mannschaft, keine Pläne, kein kümmern um irgendwas. Nur sie, die zugige alte Burg und das Branden des Meeres gegen die Klippen, die es seit Jahrhunderten aushölt und die in einigen hundert Jahren womöglich einbrechen werden. Nur sie und ihre Trauer über Wiktors Tod, den sie hatte mit hier bringen wollen, um mit ihm vielleicht mehr Leben und Freude in die alte Burg zu bringen.
    Die Stimmen, die sie manchmal zu vernehmen scheint, scheinen das noch zu unterstreichen, sind es doch die Stimmen, die davon flüstern, was hätte sein können und was nicht sein wird.


    Nach der Eroberung der Schatzflotte war Morgaine zuletzt nach Dunlair zurückkehrt. So viel Gold, doch nachdem es aufgeteilt wurde unter den beiden beteiligten Schiffen und die Mannschaften ihre Anteile erhalten hatten, war so riesig viel für die inische Kapitänin nicht übrig geblieben, auch wenn ihr als Kapitän schon der größte Anteil zustand. Sie war für einen kurzen Besuch nach Inismore gesegelt und hatte einen Teil der schier unerschöpflichen Schulden bezahlt, den die Vorfahren der letzten Generationen angesammelt hatten in einem zu großzügigen Lebensstil ohne Blick auf die Zukunft, und einen anderen Teil des Geldes hatte sie in das alte Gemäuer gesteckt. Doch Burg Dunlair als Kostenträger ist ähnlich wie die Schulden: Egal, was bezahlt wird, woanders tun sich ebenso große Abgründe auf. Einen Teil des Dachs zu decken ist immens teuer, von feuchten Mauern mal gar nicht zu reden.
    Morgaine ist eine erfolgreiche Freibeuterin, die schon zwei beeindruckende Beutezüge gemacht hat (einmal die castilische Schatzflotte und vor einigen Monaten hat sie zwei uralte, aber erstaunlich neu aussehende Schiffe mitgebracht und ihre Matrosen brachten Geschichten von Captain Rogers und einer geheimnisvollen Insel in Umlauf), aber Schulden, die über Generationen angehäuft wurden, werden nicht in ein oder zwei Jahren zurückgezahlt.


    Ja, Dunlair ist nicht, was es mal war (und als das Morgaine es auch nie kannte) und es ist marode, und deshalb war es ein guter Ort, um sich dahin zurückzuziehen. Es gibt nur wenig Gesinde (Gesinde kostet Geld), es liegt abseits der nächsten Ortschaft und seine Geschichte und Hintergrund passen zu Morgaines Gemütszustand. Außerdem ist es, neben dem Meer, ihre Heimat.
    Hier kann sie um Wiktor trauern. Sie waren nicht verheiratet, dennoch trägt sie schwarz. Als Rothaarige hat sie ohnehin helle Haut, doch von der schwarzen Kleidung sticht sie besonders hell ab, während ihre blauen Augen oft verschleiert drein schauen. Sie sitzt vor dem Feuer im Kamin in ihrem Zimmer im Bergfried, sie steht oben auf den Klippen, während der Wind versucht, ihr schwarzes Kopftuch wegzureißen und blickt hinab, sie durchstreift die ach so leeren Gänge, denn vieles, was irgend von wert ist, ist schon früher verkauft worden. Außer dem wenigen Gesinde und den Portraits ihrer Vorfahren, die in der Halle hängen, ist Morgaine allein mit sich und ihrem Kummer.
    Und so ist es ihr recht.
    Ihr jüngerer Bruder Patrick ist Offizier in der Armee und damit noch seltener da als sie selber, aber sie ist die Erbin und Titelträgerin derer von Dunlair. Ihr ist klar, dass sie in absehbarer Zeit wieder zur Dubh muss, um auszulaufen, aber im Moment eilt es nicht, sie ist ja auch noch nicht einmal eine Woche hier.


    Sie setzt sich im Bett auf und schaut sich verwirrt in der Dunkelheit um. Das Feuer ist schon weit niedergebrannt und entsprechend ist es kalt in ihrem Zimmer. Was hatte sie geweckt? Der Sturm? Aber solche Geräusche ist sie gewohnt. Auf der Dubh achtet sie da selbst unterbewusst drauf, wie es ein guter Seemann tun muss, aber auf Dunlair ist es nicht von Belang. Ein Traum? Doch ihr war, als hätte sie ein Horn gehört.
    Ein Horn?
    Und doch ... sie hört es erneut, es übertönt sogar die laute Brandung unten und das Heulen des Windes.


    Unwillkürlich schlägt sie die Decken und Fälle zur Seite, schlüpft in Schuhe und geht über den eiskalten Steinboden zum Fenster, um die Läden aufzumachen und hinauszuschauen.

  • Auf der stürmischen See nähert sich schwankend eine alte Galeere, wie zu Zeiten des großen Reiches Numa, wild von den Wellen hin und geworfen, doch unerbittlich auf sein Ziel gerichtet. Von ihm geht auch der Hall des Horns aus, welches erneut erklingt.


    An seinem Seiten springen immer wieder Wesen mit fischartigen Unterleibern aus und wieder ins Wasser. Manches Mal scheint auch ein kleineres Wesen auf diesen Kreaturen zu reiten, lachend Speere schwingend und komplizierte Kunststücke vollbringend.


    Die Galeere landet genau am Rand des Felsen, denn wie durch Magie trägt eine besonders große Welle sie empor und kurz darauf verlässt ein buntes Gefolge das Schiff. Die gleichen Wesen, die auf den Fischwesen ritten, begleiten nun eine lange Kolonne von mit Seetang bedeckten Gestalten, die Truhen und andere Sachen mit sich schleppen, begleitet von geheimnisvollen Gestalten in prächtigen Gewändern, mit Schleiern oder Masken, die ihr Gesicht verhüllen.


    An der Spitze des großen Tross steht ein vollgerüsteter Ritter, der ohne sichtliche Eile sich daran macht die Burg zu umrunden und wohl zum Vordereingang zu gehen. Morgaine kann sehen, dass seine Rüstung seltsam gebaut ist, aber noch nicht woran das liegt.


    Plötzlich klopft es an der Tür und dahinter erklingt die Stimme ihrer alten Amme, Elisabeth.


    ,,Meine Dame?"


    Sie klopft laut mit aller Vehemenz gegen das Holz.


    ,,Meine Dame, wacht auf! Die Unseligen sind da! Schnell, wir bringen Euch zur Kapelle, dort werden sie es nicht wagen, Euch zu folgen. Heiliger Boden verbrennt ihnen die Haut und schickt sie in ihr feuchtes Reich zurück! Meine Dame, so antwortet doch!"

    Das Leben ist hart, unnachgiebig, brutal, langweilig, kurz, tränenreich, gefühllos,
    arm an Freude und Wundern, aus kosmischer Sicht nutzlos und schlichtweg schön.
    Gibt es einen besseren Grund um zu lächeln?

  • Bass erstaunt blickt Morgaine auf die Galeere und ihre Begleiter. Sie hat schon einige seltsame Dinge erlebt und noch von ganz anderen gehört, aber diese Ankunft mit eigenen Augen zu sehen ...
    Dann wird die Galeere tatsächlich bis hinauf zur Burg gehoben - nie zuvor sah sie eine Welle so hoch steigen - und herabsteigt diese unheimliche Kavalkade.
    Als der Ritter um die nächste Mauerecke verschwindet, klappt Morgaine mit einer schnellen Bewegung die Läden wieder zu. Sie eilt zu dem Stuhl, auf dem sie ihre Kleidung am Vorabend abgelegt hatte. Schnell tauscht sie Nachthemd und Pantoffeln gegen Bluse, Rock und Schuhe, als es gegen ihre Tür klopft. Unwillkürlich zuckt sie zusammen, als sie die Stimme ihre Amme erkennt.
    "Ich komme, Elisabeth", erwidert sie mit erhobener Stimme und eilt zur Tür. Sie dreht noch einmal um, um rein vorsichtshalber nach ihrem Degengehänge zu greifen - nicht, dass der oder alle Geschütze der Dubh viel nützen würden, wenn Elisabeth recht hat - und öffnet die Tür.
    "Weck du nur die übrigen und gehe mit ihnen in die Kapelle."
    Ob Selige oder Unselige, ein solcher Besuch ist niemals gut. Aber ich in der Kapelle verstecken ist einer O'Hara of Dunlair mit Sidheblut in den Adern nicht würdig.

  • Die sichtlich ergraute, dürre Frau greift in mütterlicher Sorge nach Morgaines Händen.


    ,,Ihr kommt doch in die Kapelle oder Milady? Ihr werdet euch doch nicht mit diesen Unholden einlassen oder? Bei uns wird es nicht so schlimm sein, sie spielen ein paar Streiche mit uns und das war es, aber wer weiß was diese Dämonen von Euch wollen? Vielleicht hat der Sidhé nun beschlossen nach so vielen von euren Ahnen, Euch auch noch in sein gottloses Reich zu zerren?


    Versprecht mir vorsichtig zu sein, ja?"


    Elisabeths Augen sind feucht, sie steht wohl kurz davor hysterisch zu werden, sieht sie doch eines ihrer "Kinder" (ihre einzige Tochter ertrank im Meer, seitdem schien der Herr Theus sie verflucht zu haben) in Gefahr, welche sie mit aller Liebe großgezogen hat, die ihr als Gemeine einzubringen erlaubt war.


    Das Horn ertönt ein weiteres Mal und dieses Mal, folgt ihm ein weiteres, akustisch unterstützt vom Wind der durch die Steine fegt.

    Das Leben ist hart, unnachgiebig, brutal, langweilig, kurz, tränenreich, gefühllos,
    arm an Freude und Wundern, aus kosmischer Sicht nutzlos und schlichtweg schön.
    Gibt es einen besseren Grund um zu lächeln?

  • Außerdem interessiert es Morgaine schon auf eine gewisse Art und Weise, was es mit diesem Besuch auf sich hat. Die Sidhe, die Tuatha de Dannan, tun vieles, was einem Menschen unverständlich ist, aber dieser Besuch wirkt auf sie selbst unter diesem Gesichtspunkt ungewöhnlich.
    Morgaines Gesichtszüge werden weich, als sie Elisabeth' Sorge erkennt und belässt ihre Hände kurz in jenen Elisabeth'.
    "Ich bin die Herrin von Dunlair, Elisabeth, und muss mich darum kümmern. Ich verspreche dir aber, vorsichtig zu sein."
    Aber Tuatha de Dannan verdienen, zu Recht, einen angemessen Empfang und nicht, sich vor ihnen zu verstecken.

  • Elisabeth schaut Morgaine lang an und nickt anschließend, mehr als hätte wäre es ein ewiger Abschie, als ein vorläufiger.


    ,,Theus mit Euch, Herrin."


    Dann verschwindet die alte Frau so schnell es geht, die Treppe hinab. Morgaine wird nicht umhin kommen sie zu überholen, was diese mit gesenkten Haupt registriert und über sich ergehen lässt.


    Morgaines Weg führt sie durch die leeren Gänge der Burg, bis hin zu einem Ort, wo sich der Lärmpegel mit jeden Schritt steigert. Ihr Weg endet im großen Festsaal, wo Stühle aufgestellt werden, die sie zuvor nicht besaß, zusammen mit altertümlichen Liegen und manchmal sogar nur Häute von Robben und anderen Tierarten. Die ausführenden Organe dahinter sind mit Seetang behangene, numische Legionäre, deren Blässe nur von der Leere in ihren toten Augen überboten wird.


    Der Saal selbst wird von unzähligen Lichtern erhellt, kleinen, blassen Feen, denen die "Gäste" des Schlosses kleine Happen gebratenen Fisches oder Fleisches zuwerfen und die zum Spaß manche der Legionäre mit der geballten Masse ihrer Körper zu Königen "krönen".


    Den "Gästen" ist allen gemein, dass sie Kleider aus allen Epochen tragen, Togas verschmelzen mit rustikalen Kettenhemden aus dem théahnischen Mittelalter und Kleidern und Wämsern neuerer Zeit. Doch wo die Männer schlichte Masken aus Walknochen tragen, verschleiern die Frauen ihre Gesichter mit undurchsichtigen Schleiern aus einem Material, das noch weniger zu definieren ist.


    Sie alle werden jedoch von den Ritter in der seltsamen Rüstung überragt und das nicht zu unrecht. Seine Rüstung ähnelt einem Ungeheuer in Menschengestalt, mit vielen Reißzähnen dort, wo das Visier sein sollte und vielen Schuppen am Ober- wie auch den Unterteilen. Seine Handschuhe ähneln Klauen und auch sein Schwert unterstützt diesen Eindruck, ist seine Klinge doch leicht gebogen geformt.


    Der Ritter erblickt Morgaine als erstes und mit einem Handzeichen zeigt er auf sie, was alle Anwesenden, sogar die Legionäre, ihre Gesichter auf sie richten lässt. Dann tritt er langsam auf sie zu, während er sich den Helm abstreift und das lange, rote Haar sich auf die Schultern fallen lässt.


    Morgaine ist es als blicke sie in ein Spiegelbild ihrer selbst, nur männlich und monströser. Das erschreckend schöne Gesicht des Mannes wird auf den ersten Blick nur durch seine pupillenlosen, schwarzen Augen verunstaltet, nur damit man sich beim zweiten Blick verbessert und sich klar macht, dass sie ihm ein exotischen, leicht bedrohliches Etwas geben.


    Morgaine kennt dieses Gesicht, denn von allen Portraits in ihrer Ahnengalerie ist seines das größte. Morgan O'Hara, das Kind des großen Sidhe-Fürsten und ihrer Ahnin Anna O'Hara, der als "Ritter der See" berühmt werden sollte. Er vollbrachte viele große Taten und machte Burg Dunlair zu dem was es in seiner Blütezeit war, doch langweilte ihn die Welt der Sterblichen bald. Am Ende gab er sich der Macht seines Sidhe-Blut hin und schwor einen Eid auf dir Königin der See, der einzigen Person, die es in seinen Augen würdig war, dass man vor ihr Knie zu beugte. So wurde er zum Sidhe, zum Ritter des Meeres, ein wilder Krieger, der seitdem dem Naturell seiner Leute folgte und Gutes wie Schlechtes tat.


    Mal erschlug er Seeungeheuer und führte Schiffe im Sturm an die sichere Küste, mal plünderte er aus einer Laune heraus ganze Flotten oder schwängerte in einer stillen Nacht die gesamte weibliche Belegschaft eines Schoners und blieb in seinem Wankelmut seiner Natur treu, unberechenbar wie die See zu sein.


    Und jetzt in diesen Moment tritt Morgan der Stürmische, der irre Morgan, Morgan-der-mit-den-Sirenen-lacht, auf seine Nachfahrin zu, breit lächelnd wie ein Raubtier, schön, elegant und gefährlich zugleich.


    ,,Sei gegrüßt Enkelin."


    Dann senkt er sich ehrbietig auf sein Knie, den Kopf respektvoll geneigt und alle, auch die Legionäre, tun es ihm gleich.


    ,,Sei gegrüßt Herrin von Dunlair und sei bedankt für deine Gastfreundschaft."

    Das Leben ist hart, unnachgiebig, brutal, langweilig, kurz, tränenreich, gefühllos,
    arm an Freude und Wundern, aus kosmischer Sicht nutzlos und schlichtweg schön.
    Gibt es einen besseren Grund um zu lächeln?

  • Im hinunter gehen legt sich Morgaine den Degen über den schwarzen Rock an. Warum, weiß sie eigentlich nicht, denn das ist nicht die Waffe, die gegen die Sidhe, weder die Seligen noch die Unseligen, etwas nützt. Vielleicht ist es eine Form von Gewohnheit, oder es erweckt die leichte Illusion von einer Art von Wehrhaftigkeit, die sie sich nicht unbedingt zurechnet.


    Sie hatte gehofft, die am Tor abzufangen, oder in den Gängen dahinter. Doch sie sind schon im großen Saal und haben sich nachgerade häuslich eingerichtet.
    Die unseligen Tuatha de Dannan auf ihrem Grund und Boden, in ihrer Burg ... Das ist schlecht, wahrlich schlecht, denn wo die Seligen noch eine unbekannte Größe sind, sind die Unseligen eine schreckliche unbekannte Größe. In ihr sitzt durchaus Furcht vor dem, was in dieser Nacht noch geschehen mag. Aber dann nützt weder weglaufen und verstecken etwas, denn die Glamour-Macht der Sidhe ist groß. Und Morgaine blickt auf eine alte Linie mit altem Blut zurück, Blut, das mit noch älterem vermischt wurde, und so sieht sie noch am ehesten die Möglichkeit, sich dem zu stellen, was ihr ungebetener Besuch auch bringen mag, und mit aller gebotenen Vorsicht, Respekt und Fingerspitzengefühl zu agieren.


    Ein Teil von ihr wünscht sich, dass Wiktor an ihrer Seite wäre, doch zugleich weiß sie, das sie um ihn noch mehr Angst hätte als um sich. Der Gedanke an ihn lässt die ständig präsente Trauer aufflammen.


    Dann tritt der Ritter in der erschreckenden Rüstung auf sie zu. Morgaine strafft ihre Haltung und hat Mühe, nicht unwillkürlich einen Schritt zurück zumachen. Durchaus gebannt blickt sie ihm entgegen, sich wie festgefroren fühlend. Dann nimmt er den Helm ab, und Morgaines meerblaue Augen weiten sich.


    Dieses Gesicht kennt sie, sehr gut. Nicht nur, weil Spuren davon sich in ihren eigenen Zügen wieder finden und auch ihr Haar so flammend rot ist, sondern weil sein Gesicht in seinen erschreckenden Zügen auf einem der Portraits abgebildet ist. Die guten Geschichten kennt sie, wie auch die schlechten.


    Als er auf die Knie vor ihr fällt und all sein Gefolge mit ihm, erschreckt es sie fast noch mehr. Treibt er einen zynischen Unseligen-Scherz? War nicht er es, der gesagt hatte, dass er nur vor der Königin der See auf die Knie fällt? Welche Pläne verfolgt er mit seiner Selbsteinladung, die er hier höflich, aber falsch verbrämt?


    Morgaine schluckt einmal und sagt dann, ebenfalls auf Cymric: "Ich begrüße Euch ebenfalls, mein Ahn. Doch kniet nicht vor mir nieder, geziemt es sich nicht, als Enkelin vor dem Ahn zu knien?"
    Und da sie derzeitig einen Rock trägt, fällt sie in einen Knicks.

  • ,,In der Tat, aber es geziemt sich auch der Gastgeberin die gebührende Ehre zu erweisen."


    Immer noch lächelnd erhebt sich der Ahnherr der O'Haras und macht eine ausschweigende Handbewegung.


    ,,Und heute sind wir, deine Cousins und Cousin, Tanten und Onkel deine Gäste, gekommen, um entweder mit dir zu trauern oder zu feiern, das liegt ganz bei dir Blut von meinen Blut.


    Denn berührt von deinem Verlust beschlossen wir, dir eine Möglichkeit zu bieten, deine Trauer zu lindern, Enkelin, wenn du bereit bist das Risiko auf dich zu nehmen."


    Sein Gesicht nimmt nun einen feierlichen Ausdruck an und Morgaine kann regelrecht spüren, wie die maskierten Blicke des Rests der "Familie" sie zu Dutzenden sich in ihr Innerstes zu bohren scheinen.


    ,,Wir sind gekommen, da wir uns für dich einsetzten und die Königin davon überzeugen konnten, deinen Gefährten ihrem Reich zu entreißen, damit ihr wieder in dieser Welt vereint sein könnte. Dies bieten wir dir als eine der unseren an.


    Enkelin, möchtest du meinen Vorschlag hören oder sollen wir nun damit beginnen, das Ableben deines prächtigen Gefährten zu betrauern?"


    Er streckt ihr die Hand hin damit sie diese wohl ergreift und wirkt damit umso mehr wie ein Wesen aus jener anderen Welt, der er zur Hälfte entsprang.

    Das Leben ist hart, unnachgiebig, brutal, langweilig, kurz, tränenreich, gefühllos,
    arm an Freude und Wundern, aus kosmischer Sicht nutzlos und schlichtweg schön.
    Gibt es einen besseren Grund um zu lächeln?

  • Bei dem Verweis auf die "Familie" schaut Morgaine aus ihrer tiefen Haltung aus dem Knicks heraus hoch. Bevor sich ihr Erschrecken über diese Vorstellung auf ihrem Gesicht ausbreitet, kämpft sie darum, dies zu unterdrücken und senkt schnell noch einmal den Kopf.
    Nein, mit denen ist sie bestimmt nicht verwandt, die gehören nicht zur fine. Morgan gehört nicht einmal mehr zur derbfine. Wie viele Generationen liegt er zurück, wie viel Jahrhundert O'Haras haben seit dem sein Blut weiter getragen? Morgaine hat es wohl mal gewusst, aber jetzt müsste sie in alten Familienbüchern nachschlagen. Egal, welche Sidhe mit Morgans Vater - dessen Erbe sie über das gemeinsame Blut in den Adern trägt und das nicht in jeder Generation durchschlägt (Patrick etwa hat nichts davon, weder zum Guten noch zum Schlechten) - verwandt sind, dass es auf diese Wesen samt und sonders zutrifft, kann und will sie nicht glauben.


    Doch bereits die weiteren Worte Morgans reißen sie aus solchen Gedanken und Gefühlen heraus.
    Fassungslos hebt sie wieder den Kopf und vergisst darüber, aufzustehen. Sie merkt nur, wie ihre Knie und Beine plötzlich weich werden.
    Sie blinzelt und glaubt, nur einen Traum zu haben, bei dem sie nicht weiß, ob es ein Alptraum ist oder doch ein sehr schöner. Sie schaut die Hand an, fühlt sich wie in einem Nebel.
    Traue niemals einem Unseligen. Schon der Umgang mit den Seligen unterliegt besonderen Bedingungen, aber die Unseligen sind grausam und schrecklich.
    Morgaine weiß das und eine Stimme in ihr drängt sie, sofort höflich dankend abzulehnen, warnt sie, dass dies nur ein böser Scherz ist, sie zu quälen für das Vergnügen der Tuatha de Dannan.
    Doch die andere Stimme, der Teil Morgaines, der Wiktor liebt, seinen Tod betrauert und sich nach ihm sehnt, dieser Teil will Morgans Hand ergreifen und ihm danken.
    Für einen Moment ist sie hin und her gerissen. Hatte Morgan nicht auch gute Taten vollbracht? Könnte nicht dies auch eine sein, statt zum eigenen, kalten Vergnügen?


    Aber zusammengesunken, fast knieend auf dem Boden hat sie so oder so keinen guten Stand. Sie erhebt sich langsam, nur ungern die Hand ergreifend, aber auch nicht wagen, sie offen abzulehnen, daher sie eher nur mit den eigenen Fingerspitzen berührend und sie als Hilfestellung nicht eigentlich nutzend.
    Den Vorschlag hören ... ablehnen kann sie ihn ja immer noch, wenn "das Risiko zu hoch" ist. Die andere Stimme, die sofort zum ablehnen drängt, verliert erst einmal.
    Sie zögert noch eine Sekunde, in der ihre Stimme an Festigkeit gewinnen kann. "Ich will mir deinen Vorschlag anhören, mein Urahn, bevor ich meine Entscheidung treffe."

  • Morgans Gesicht bleibt feierlich und scheint noch ätherischer zu werden, da auch das Licht auf der einen Seite zu- wie auch abnimmt und den Adel der Sidhe im Licht badet und sie gleichzeitig im Schatten verschwinden lässt.


    Der Ritter der See nickt.


    ,,Wir haben die Königin um eine Audienz gebeten und sie ist bereit, sie dir zu gewähren. Wenn du heute Nacht dich zu ihren Hof begibst und vor ihren Thron trittst, wird sie deinen Wunsch erfüllen, wenn du den Preis bezahlst, der rein von dir ausgehen und keinen Verrat an der Menschenkönigin beinhalten wird.


    Sie wird dir jeden Wunsch gewähren, den du an sie stellst, ohne Hintergedanken, ohne alles, denn als Mitglied der Seligen des Meeres, steht dir dieses Recht zu. Ein Vertrag ist ein Vertrag und im Gegensatz zu ihrer verräterischen Cousins am Land, pflegt das stattliche Volk des Meeres nicht zu feilschen, sollte der Vertragspartner sich als würdig erweisen.


    Und du wirst es schaffen, Enkelin, denn in dir fließt unser Blut, das starke Blut der Herren allen Ursprungs. Ein Mensch würde daran scheitern, aber du bist keiner, du bist ein Kind des Meeres, eine Tochter der Wellen, ein lebendig gewordener Sturm, der über die Welt hinwegfegt.


    Du wirst nicht scheitern.


    Solltest du annehmen, werden wir dich angemessen für diese Queste ausstatten, damit sie gelingt, denn auch wir sähen dich gerne wieder mit deinem Gefährten vereint, damit starke Nachkommen die Augen unserer Familie erfreuen und sie auch zukünftig als Sturm die Meere unsicher machen.


    Wirst du annehmen, Enkelin? Du hast nur diese eine Chance, diese eine Nacht. Die Königin schenkt nicht jedem ihre Gunst."


    Sein ernstes Gesicht erscheint aufrichtig und er hält die Hand weiterhin ausgestreckt.

    Das Leben ist hart, unnachgiebig, brutal, langweilig, kurz, tränenreich, gefühllos,
    arm an Freude und Wundern, aus kosmischer Sicht nutzlos und schlichtweg schön.
    Gibt es einen besseren Grund um zu lächeln?

  • Morgaine stockt schier der Atem. Es klingt gut, viel zu gut sogar, um wahr zu sein. Es sind Unselige, da muss ein Haken sein.
    Aber die Familie ist für einen Inen das Wichtigste, und Morgan ist auch zur Hälfte Ine.
    Auch wenn seine Hand, die er ihr auch noch hinhält, nachdem sie ihre schon zurück genommen hat, kalt ist, sehr kalt, und dabei ganz trocken.
    Wiktor wieder bei ihr, lebend und stark? Ihr Wiktor?
    "Und ...". sie muss Luft holen, weil ihre Stimme dünn klingt, ihre Stimme, die problemlos über das ganze Deck ihrer Brigantine trägt, und spricht etwas fester weiter, "er würde wieder richtig leben?"
    Sie hat da durchaus schon Geschichten von Wasserleichen gehört, die herum liefen, tangbehangenen Scheußlichkeiten. Atmen, sprechen, herum laufen können, ist eine Sache, aber der lebende mensch zu sein, der man auch vorher war, eine andere.
    "Werde ich den Preis bestimmen, oder sie?"

  • ,,Den Preis wird die Königin festlegen, aber er wird nicht über das hinausgehen, was du zu zahlen in der Lage bist.


    Ein fairer Preis, für ein faires Geschäft."


    Morgans Gesicht wird etwas weicher, sein Lächeln wirkt sogar fast zärtlich, auch wenn es auf Grund seiner Augen etwas an Sanftheit einbüßt.


    ,,Und dein Gefährte wird so lebendig sein, wie am ersten Tag, kein willenloser Sklave, sondern ein Mensch in allen Dingen, in Fleisch und Blut und im vollen Besitz seiner geistigen, wie auch seelischen Kräfte.


    Ein freier Mann, bis ihn das Meer eines fernen Tages wieder rufen sollte, so wie dich, solange du auf den Pfaden der Menschen wandelst.


    Der Einsatz ist hoch, aber am Ende wirst du nur gewinnen, Morgaine."

    Das Leben ist hart, unnachgiebig, brutal, langweilig, kurz, tränenreich, gefühllos,
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  • Das Angebot ist gut, verlockend ... überwältigend. Das kleine Stimmchen in Morgaine, das zum ablehnen auffordert, das sagt (schreien will, aber nur flüstert), dass es kein fairer Preis sein kann, dass da irgendwo ein Haken ist, es geht einfach unter unter den sonstigen Gefühlen, die von Morgans Worten ausgelöst werden.
    Zumindest anhören, was die Königin haben will, um Wiktors und ihrer Liebe Willen, ist das mindeste, was sie tun sollte. Und tun will.
    "Ich werde mir anhören, was ihr Preis ist", hört Morgaine sich sagen.

  • ,,Dann ist es somit beschlossen."


    Morgan macht einen Schritt zurück und plötzlich scheinen er und die Sidhe größer zu werden, das Licht zu verschlucken, um sich dann als eine gewaltige, schwarze Welle, aus der mehrere Masken und einige dämonische Gesichter hervorstechen, auf sie zu stürzen.


    Morgaine wird verschluckt und meint zu fühlen, wie ihr die Kleider vom Leib gerissen und durch ein anderes Gewand ersetzt werden.


    Dann ertönen die Stimmen.


    ,,Die Toga der Julia, ein Geschenk eines Fürsten der Meeres, welches er zurückerhielt, als sich seine Geliebte in die Fluten stürzte. Gewoben von den besten Schneidern des Meeres, wird es deine Reise ins Meer überstehen und dich vor Kälte und Nässe des Reiches der Königin schützen und dafür sorgen, dass du nicht nackt vor sie trittst'', hört sie zu tausenden in ihrem Kopf.


    Plötzlich hält sie einen Beutel in ihrer rechten und einen Schwertknauf in ihrer linken Hand.


    ,,Der ewige Beutel, welcher dich mit genügend Nahrung versorgen sollte, sobald du Hunger verspürst. Esse nur das, was du im Beutel findest und trinke noch esse etwas aus dem Reich, es sei denn, du möchtest dort bleiben.


    Das Schwert Sirenenschrei. Gefertigt aus den Knochen von Sirenen, wird es dir gute Dienste leisten, solltest du in Kämpfe geraten."


    Dann fühlt sie eine Maske auf ihren Gesicht.


    ,,Deine Maske. Verliere sie nie und setze sie auch nicht ab, es sei denn, die Königin verlangt es.


    Achte auf alles was du siehst, traue niemanden, nur dir selbst.
    Gehe voran, immer voran.
    Blicke nicht zurück.
    Sei stets wachsam und offen, um die Herausforderungen zu meistern.


    Viel Glück!
    Viel Glück!
    Viel Glüüück!


    Und plötzlich steht Morgaine im strömenden Regen auf dem höchst gelegenen Teil der Klippe. Der Wind zersaust ihr die Haare und scheint sie von der Klippe wegzehren zu wollen und ihr kommt es auch so vor, als würde sie gleich zu fliegen beginnen.


    Dann hört sie eine Morgans Stimme in ihrem Kopf.


    ,,Spring."


    Unter ihr ist das Wasser ein düsterer Mahlstrom, der gierig die Felsen verschluckt. Einige davon, tauchen nicht mehr auf.

    Das Leben ist hart, unnachgiebig, brutal, langweilig, kurz, tränenreich, gefühllos,
    arm an Freude und Wundern, aus kosmischer Sicht nutzlos und schlichtweg schön.
    Gibt es einen besseren Grund um zu lächeln?

  • Und Morgaine springt.


    Es ist immer anders, las man es erwartet hat. selbst wenn man gar nicht weiß, was man erwartet hat (oder ob). Jedenfalls gibt es keine Fahrt mit der Galeere.
    Die schwarze Welle, doch sie hat keine Zeit etwas dagegen zu machen (und vielleicht will sie auch gar nicht). Sie fühlt die Toga am Leibe, Beutel und Schwert in den Händen, die Maske auf dem Gesicht. Morgans Worte hallen in ihr nach.


    Sie will noch sagen, dass man ihre Leute in Frieden lassen möge, keinen Schabernack und kein böses Spiel mit ihnen treiben, denn auch in einem solchen Moment denkt sie jene, die die ihren sind, doch da steht sie schon auf der Klippe.


    Der Wind zerrt an ihr, sie hört das Meer unten anbranden. Immer nach vorne gehen, nicht zurückschauen.
    Morgaine springt.
    "Wiktor!", doch der Wind reißt ihr den Namen vom Mund.

  • Morgaine fällt.


    Tiefer, immer tiefer, um sie herum nur undurchdringliche Schwärze.


    Soviel Zeit vergeht, fast will es schon so scheinen, dass sie niemals den Boden berührt, bis ein harter Sturz sie wieder ins Leben zurückholt.


    Der Boden ist nass und matschig, mit Seetang überwuchert und als Morgaine sich umschaut, bietet sich ihr ein Bild des Schreckens. Um sie herum liegen die Wracks tausender Schiffe aus allen Epochen Théas verteilt, die Ruhestätte vielleicht unzähbarer Unglücklicher, von denen die Freibeuterin das eine oder Anzeichen in Form eines Kleidungsstück oder eines Körperteils erblickt.


    Gerade jetzt grinst der Schädel eines weiteren Legionärs die Herrin von Burg Dunlair, aus seinem Helm mit buschigen Schweif heraus, freudlos an.


    Derzeit ist noch nichts zu hören.

    Das Leben ist hart, unnachgiebig, brutal, langweilig, kurz, tränenreich, gefühllos,
    arm an Freude und Wundern, aus kosmischer Sicht nutzlos und schlichtweg schön.
    Gibt es einen besseren Grund um zu lächeln?

  • Und wieder - ohne dass sie überhaupt Erwartungen sich bewusst zugesprochen hätte - wird Morgaine überrascht. Der Aufprall auf und in das Wasser, das Eintauchen - es gibt einen harten Aufprall nach einem viel zu langem Fall.
    Von dem Aufprall kurzzeitig etwas mitgenommen, erhebt Morgaine sich langsam und vorsichtig und schaut sich erst einmal um.
    Wo kommen all diese Schiffe her? An den Gestaden Dunlairs können die nicht alle zerschellt sein, auch wenn der tote Legionär mit seinen Abzeichen dies vermuten lässt.
    Sie vergewissert sich, dass die Maske auf dem Gesicht sitzt, Beutel und Schwert vorhanden sind.
    Voran gehen soll sie, nicht zurück schauen, doch welche Richtung ist voran?

  • Voran scheint jede Richtung zu sein, doch kann Morgaine weiter westlich Bewegungen sehen, die vielleicht ihre Entscheidung beeinträchtigen könnte.


    Über die Trümmer und Leichname hinweg, kriechen vier korpulente Gestalten, deren große Brüste schlaff an ihnen hinterhängen und die ihre Zähne gierig fletschen, während sie fischartigen Leiber mit ihren Klauen hinter sich herziehen.


    Als Frau der See, dürfte Morgaine dieser Anblick mehr als vertraut vorkommen, verfolgen solche Bestien doch oft die Schiffe der Seefahrer, in der Hoffnung auf Abfälle oder die Überreste eines Mannes, der über Bord fällt.


    Es sind Sirenen und wie es scheint, halten sie Morgaine für ihre nächste, unheilige Mahlzeit. Bisher scheint keine von ihnen auf die Idee zu kommen, ihren berühmten Gesang erklingen zu lassen.

    Das Leben ist hart, unnachgiebig, brutal, langweilig, kurz, tränenreich, gefühllos,
    arm an Freude und Wundern, aus kosmischer Sicht nutzlos und schlichtweg schön.
    Gibt es einen besseren Grund um zu lächeln?

  • Auch wenn das Schwert in ihrer Hand aus Sirenenknochen gefertigt ist, ist dies kein Grund, sich blind auf sie zu stürzen. Wenn sich ein Kampf vermeiden lässt, um so besser.
    Von der Klippe, von der sie sprang, ist nichts mehr zu sehen, sie hätte noch zumindest eine Richtung ausschließen können.
    Auf dem Seetang stehend, schaut Morgaine zu den häßlichen Kreaturen und beschließt dann, da eine Richtung so gut wie die andere erscheint, nach Nordosten zu gehen.