Boroni unter sich

  • Im Garten - Karim, Cassandra, Noiona


    Die Albino widmet sich dem letzten Schwall ihres Kräutertees und gießt Cassandra und Karim nach. Ein Bodensatz Tee schwappt noch in der Kanne. Wer bei dieser Bewegung hinsieht und auf ihre Hände blickt, sieht, dass die Zeit auf der Gartenmauer und in der Vormittagssonne ihre weiße Haut schon gerötet hat. Ebenso die Wangen und ihren geraden Nasenrücken.

    Mit Karims nichtssagenden Antwort hätte sich sich die Worte auch gleich sparen können, nun ja.


    In der Ruhe des sonnigen Gartens öffnet sich die Türe zum kühlen Tempelinneren. In die Sonne tritt ein kahlköpfiger Mann, offenkundig ein Südländer wie sie und darüber hinaus ebenfalls ein Boronpriester. Die Einzelheiten seiner Tracht vermag die blasshäutige Noionitin zu lesen wie den Ornat ihrer eigenen, der Puniner Kirche: Die Rabenstickereien weisen ihn als Diener Bishdariels und als einen Geweihten aus, der die zweite Weihe erhalten hat. Ungewöhnlich ist nur die Farbe der Stickereien - in silber statt dem üblichen Goldfaden.

    Ihr fällt auf, dass der Mann gut informiert ist. Schließlich hat er sich sagen lassen, dass sein Gegenüber Karim ein Spross des Adelsstandes ist.

    Und die Stimmung des Golgaritenritters von Mersingen verhält sich wie die Luft an einem frühen Herbstabend - sie kühlt merklich ab.


    Die einheitliche Ordenstracht sieht bei den Noioniten in beiden Kirchen gleich aus, ist aber noch wenig verbreitet. So stellt sich die bleiche Frau denn auch mit ihrer Ordenszugehörigkeit vor: "Seid gegrüßt in Borons Namen, Ehrwürden. Ich bin Schwester Noiona Marbonna, Dienerin Bishdariels im Orden der Heiligen Noiona von Selem. Darf ich vorstellen: Cassandra Aifingla, eine gute Freundin von mir. Und seine Gnaden Karim von Mersingen, geweihter Ritter Golgaris."

    Sie trägt das schwarze Habit einer Boroni und dazu die dunkelviolette Schärpe der Noioniten um den Leib. Sie ist sehr blass. Auf den ersten Blick hält man sie wohl für eine alte Frau, da sie weiße Haare hat, die im Nacken zu einem kurzen Pferdeschwanz zusammengefasst sind. Ein zweiter Blick lässt den Betrachter jedoch feststellen, dass sie nicht mehr als fünfzig und auch noch keine vierzig Götterläufe gesehen haben mag. 30 Götterläufe mag sie ungefähr zählen. Und die Priesterin hat sehr helle Augen und die farblose Haut eines Albinos.

  • Im Garten - Karim, Cassandra, Noiona, Francesco


    "Verzeiht bitte, euer Gnaden. Es mangelt mir noch an Erfahrung die Tracht des hiesigen Kultes korrekt einzuordnen." entschuldigt er sich bei Karim aufrichtig und verbeugt sich auch vor ihm noch mal. Auf seinen Kommentar hin, dass er von jedem Gläubigen erwarte, gegen die Untoten zu kämpfen - scheinbar als Spitze in seine Richtung gemeint - erwidert er in jovial-fröhlichem Ton "Und völlig zu Recht, euer Gnaden. Ein jeder eben nach seinen Möglichkeiten."


    Noionas Begrüßung fällt deutlich wärmer aus und wird mit einem warmen Lächeln erwidert. Die Noinitische Ordenstracht ist ihm soweit vertraut und den Stickereien nach hat er eine Dienerin Bishdariels vor sich, wie er selbst auch einer ist. Eine erste Gemeinsamkeit in diesem fremden Land. Jetzt auf dem zweiten Blick wird ihm auch bewusst, dass ihr Haut Ton noch einmal ein ganzes Stück blasser ist, als bei den "normalen" Nordländern - eine Albino wohl? In jedem Fall lässt sich in seiner Miene keine Ablehnung, Furcht oder Aberglaube herauslesen, nur offene Freundlichkeit. "Eine Dienerin Noionas, wie schön. Ich habe erst vor einigen Monaten euer Ordenshaupthaus in Selem besucht um um Rat zu bitten. Ich habe derzeit ein Räblein in meiner Obhut, dessen Behandlung meine Erfahrung an ihre Grenzen führt und bemühe mich darum diese etwas auszudehnen." womit er seinem Ton nach auch die Seelenheilkunde sehr würdigt. Er spricht es nicht so aus, aber man mag heraushören, dass er sie als nicht minder wichtig, als den Kampf der Golgariten gegen die physischen Schrecken Thargunitots ansieht.


    Cassandra wiederum wird ebenfalls ein sehr einnehmendes Lächeln geschenkt und sofern sie dem nicht ausweicht ergreift er ihre Hand und platziert einen formvollendeten Handkuss darauf, wie er in Almada einer Dame gegenüber durchaus üblich wäre - nur eben im zentralen Mittelreich weniger. "Donna Cassandra, es ist mir eine Freude auch euch kennen zu lernen."


    Noctum Triumphat

  • Im Garten - Karim, Cassandra, Noiona, Francesco


    Etwas eingeschüchtert knickst Cassandra, als Noiana sie vorstellt. So viele Geweihte in den letzten Monden und dann begrüßt der fremde Mann sie auch noch mit einem Handkuss. Das ist ihr nun wirklich noch nie passiert: "Ich... Es... Es ist mir eine Ehre...", stammelt sie nun sichtlich verlegen. Nach ihren bisherigen Erfahrungen hätte eher sie diesem Mann irgendeine Ehrbekundung zeigen müssen als umgekehrt. Das Blut schießt ihr ins Gesicht und verlegen betrachtet sie ihre Füße.

    Das Leben ist ein Spiel!

  • Im Garten - Karim, Cassandra, Noiona,

    So wirklich aufzutauen scheint der junge Golgarit nicht, aber immerhin: Keine körperliche Gewalt und verbal nur ein paar kleine Spitzen, das muss fast schon der diplomatische Dienst der Golgariten sein.

    "Was führt euch in den Norden?" fragt er dann jedoch recht direkt und mit wenig Ausschmückungen.

    Fear cuts deeper than swords.

  • Im Garten - Cassandra, Francesco, Karim, Noiona


    Das Stickbild, das Noiona als Dienerin oder Deuterin Bishdariels kennzeichnet, ist der Umriss eines auffliegenden Raben auf dem Rücken ihrer Robe - anders als die Stickereien, die sich an Francescos Säumen entlangziehen.


    Nach den Informationen, die der Bonareth'sche Geweihte an sie gerichtet hat, fallen ihr andere Fragen ein als die eine Frage, die Seine Gnaden von Mersingen an ihn richtet. Doch auch dies ist zweifelsohne die Frage des größten gemeinsamen Interesses und steht zurecht an erster Stelle.

    Ob Cassandras Verlegenheit schaut Noiona schnell woanders hin, zu dem Wipfel der Föhre, durch deren aschgrauen Nadeln die Sonnenstrahlen huschen. Sonst wäre ihr leises Schmunzeln allzu offenbar. Dann, bei Karims Frage, senkt sie den Blick wieder und zwinkert Cassandra zu. Gut gemacht, soll ihre Mimik wohl bedeuten.

  • Im Garten - Cassandra, Francesco, Karim, Noiona


    Der Südländer scheint auf jeden Fall keinerlei Anstoß daran zu nehmen, dass Cassandra ihm keine besondere Ehrerbietung zukommen lässt, der Knicks und die freundlichen Worte ist da ja schon mehr als befürchtet.

    Auf Karims Frage hin erwidert er für einen Boroni recht wortreich "Die Kunst der Diplomatie würde ich sagen. Ich wurde entsandt einen Beitrag zu leisten, dass sich der Kontakt zwischen unseren Kulten und auch unseren Heimatländern noch weiter verbessert. Und um sich abzustimmen wie, wo und wann wir einander im Ringen mit den Feinden des Schweigsamen unterstützen können." Seinem Ton nach will er damit auch nicht angeben, es ist eben eine Beschreibung seiner Aufgaben. Lügen tut er wohl nicht, aber man muss auch kein erfahrener Menschenkenner sein um sich denken zu können, dass er seinen Auftrag hier sehr vereinfacht darstellt und wohl bei weitem nicht alles erzählt. Zumindest würde man meinen, dass er gegenüber dem Schisma zwischen Puniner und Al'Anfaner Kult rechtschaffen gleichgültig ist und somit auch keine Vorbehalte gegen seine nördlichen Glaubensbrüder hat.


    Er scheint noch einmal etwas zu überlegen, als wäge er ab was er sagen oder nicht sagen darf und ergänzt dann - wohl um das Misstrauen Karims vielleicht etwas zu zerstreuen - "Einige Kapitäne unserer Flotte stehen in Kontakt mit den Maraskanern in Sinoda und es gibt einiges an Interesse Handelskontakte dorthin aufzubauen. Als Vertrauensbildende Maßnahme und auch um das neue Reich zu entlasten würden wir daher gerne einige Kriegsschiffe entsenden um die Sicherheit der Schifffahrtsrouten gegenüber der Fürstkomturei sicherzustellen. Da Maraskan jedoch formal noch immer Teil des neuen Reichs ist soll ich unter anderem verhindern, dass dies zu Missstimmungen zwischen unseren Nationen führt."

    Noctum Triumphat

  • Im Garten - Cassandra, Francesco, Karim, Noiona


    Dankbar erwidert Cassandra das Lächeln der blassen Geweihten und bringt langsam wieder ihren Puls und Zittern der Hände unter Kontrolle. Sie kann mit kalten Fingern und nach minutenlanger Bewegungslosigkeit ihren Bogen vollkommen ruhig spannen. Doch hier? Hier zittert sie wie ein frischgeborenes Rehkitz. Daran würde sie arbeiten müssen, wenn sie in die Welt hinaus will. Kurz atmet Cassandra durch und richtet ihren Blick wieder auf Francesco und Karim. Der angedeutete Konflikt ist Ihr vollkommen unbekannt, doch scheinbar wichtig genug, dass jemand einen so langen Weg auf sich nimmt. Grund genug sich dafür zu interessieren.

    Das Leben ist ein Spiel!

  • Im Garten


    Karim wirkt wenig überzeugt von dem was der Boroni da sagt und man sieht es dem Golgariten auch an. "Und dazu schickt man einen Geweihten des Schweigsamen? Der bis vor ein paar Jahren als Ketzer verfolgt worde wäre? In das Zentrum des Reiches und des Praiosglaubens? Entschuldigt, aber das erste mag ich euch glauben, das zweite erscheint mir zweifelhaft..."

    Fear cuts deeper than swords.

  • Im Garten


    "Warum denn nicht? Es wäre mir neu, dass ein Botschafter im neuen Reich etwas zu befürchten hätte, dafür ist man hierzulande deutlich zu zivilisiert. Und als Geweihter fühle ich mich in einem so rechtschaffen gläubigen Land um einiges sicherer, als während meiner Zeit in Thalusa und Mhanadistan. Und DAS unsere Priester geweiht sind wird ja auch hierzulande seit Jahren nicht in Zweifel gezogen. Wie ihr sagtet: diese Zeiten sind seit Jahren vorbei. Und was religiöse Toleranz angeht: ihr duldet immerhin auch das offene Praktizieren des Rastullahglaubens in der Provinz eures Haupttempels, da dürfte mein Glaube ja keine unüberwindbare Hürde darstellen, oder?" Er gibt sich auf jeden Fall Mühe dabei nicht konfrontativ zu klingen, ergänzt dann aber doch "Schisma hin oder her, wir beten zum gleichen Gott und der Schweigsame erwählt in beiden Kulten seine Diener. Ob es uns nun passt und ob wir es verstehen oder nicht, ER sieht in beiden Kulten Sterbliche die würdig sind, sein Werk zu verrichten. Wer sind wir Sterbliche uns dann anzumaßen von Ketzerei zu sprechen, was letztlich nur Details der Liturgie und Auslegung angeht."

    Natürlich ist sich Francesco bewusst, dass es gewagt ist die Unterschiede beider Kulte als "Details" abzutun, aber völlig von der Hand zu weisen ist sein Punkt auch wieder nicht.


    "Aber falls ihr mehr an den profanen Gründen für meine Entsendung interessiert seid: Ich war letzlich der Konsenkandidat meiner Kirchenoberen und des Rates der Zwölf. Nicht dass nicht jeder einzelne jemanden gehabt hätte, den er persönlich bevorzugt hätte, aber ich war der kleinste gemeinsame Nenner, das kleinste Übel sozusagen. Weil ich als leidlich neutral und unparteiisch gelte und die Mehrheit der größeren Familien davon ausging, dass ich ihre Interessen wahren würde. Was von den als Botschafter geeigneten Laien nicht unbedingt behauptet werden konnte."


    Er wägt noch einmal die Einstellung seines Gegenübers ab und ergänzt dann in dem freundlichst möglichen Ton, den er hinbekommt "Euer Gnaden, glaubt mir, dass ich nichts als Respekt für euren Glauben, euren Kult und euren Orden im Speziellen habe und auch keinen Groll der alten Zeiten wegen pflege. Ich erwarte nicht mal gleiches von euch, ich bitte lediglich darum dass ihr mir glaubt, dass ich den euren nichts übles möchte und nur als tiefer Gläubiger des von uns allen geliebten Schweigsamen hier in diesen Mauern Weile. Kann dies nicht auch eine gute Basis für ein Einverständnis sein?"


    und wieder ein ziemlicher Wortschwall für einen Boroni, aber durchaus passend, für einen Diplomaten.

    Noctum Triumphat

  • Im Garten


    Noiona verschluckt sich fast, als Francesco Bonareth das 'offene Praktizieren des Rastullahglaubens' als geduldet hinstellt - vor allem in Hörweite der goldenen Gongs und Glocken der Praioskirche. Die Puniner Kirche predigt Toleranz, ja, auch gegenüber Anders- und Ungläubigen. Aber er macht Aussagen über eine gänzlich andere Kirche, wenn sie ihn richtig verstanden hat. Und dass die Unterschiede zwischen den Kirchen mehr als bloße Details sind, ist ihnen wohl allen - nun ja, bis auf Cassandra möglicherweise - bewusst. Damit büßt er an Glaubwürdigkeit ein, zumindest für Noiona.

    Sie hält sich weiterhin zurück, wartet Karims Entgegnung ab und wirft Blicke zu allen und in den Garten.

  • "Nun sagen wir es doch einmal so. Ich glaube nicht, dass die Rastullahgläubigen sich in unserem Glauben über uns erheben wollen. Es sind Ausländer, denen erlaubt wird ihren Glauben für sich zu praktizieren. Das sieht bei der al'anfanischen Auslegung des Zwölfgötterglaubens anders aus. Ich glaube die wenigsten Diener des Göttervaters in Almada halten sich für Boronis. Ganz zu Schweigen von den Unterschieden in der Auslegung des Glaubens. Aber es ist wie ihr sagt, dem Schweigsamen scheint dies egal zu sein, oder zumindest äußert er sich nicht dazu. Vielleicht sind die Götter deutlich offener als wir."

    Fear cuts deeper than swords.

  • Ach so, versteht Noiona jetzt, er hatte von Punin und nicht von Gareth gesprochen.

    In der Antwort des adligen Golgariten erfährt die Albino, dass es allem Anschein nach tatsächlich Rastullahgläubige in Almada gibt. Das ist ihr neu. Viel naheliegender, als diese Wüsten-Leute im Herzen des Mittelreichs vorzustellen. Damit bleibt ja nur noch seine Untertreibung bei den Unterschieden der Kirchen in den 'Details'.

    Ihre hellblauen Augen verfolgen ein Eichhörnchen, das am Stamm des Nadelbaums kopfunter nach unten krabbelt. Doch da ihr Blick immer wieder zu Seiner Gnaden von Mersingen, zu Cassandra und zu Seiner Ehrwürden Bonareth zurückkehren ist nicht zu übersehen, dass sie dem Gespräch der beiden Männer nach wie vor aufmerksam, wenn auch stumm folgt.

  • Im Garten


    Ein Teil von Francesco will schon die Diskussion über das Ungleiche Maß mit dem hier gemessen wird - auf der einen Seite Ungläubige, die Teile des Mittelreichs besetzt halten und einen offenen Eroberungsanspruch gegenüber den Zwölfgöttlichen Ländern aufrechterhalten, auf der anderen Seite Zwölfgöttergläubige mit einer etwas anderen Auffassung über die Rangordnung der Unsterblichen - verkneift es sich aber. Dies war weder der Ort noch die Zeit dafür, es war mehr als unwahrscheinlich, dass er hier irgendwen von seiner Sicht der Dinge überzeugen konnte und es würde sicherlich keinen Spaß machen.


    So meint er stattdessen versöhnlich in die Runde: "Nun denn, dann steht doch einem freundschaftlichen Austausch hier nichts weiter im Wege, oder?"

    Auch um das Thema vielleicht in eine etwas positivere Richtung zu lenken richtet er sich mit offenem Interesse an Cassandra: "Nun Donna, mir scheint ihr seid keine Dienerin unseres stillen Gottes...? Welchem schönen Broterwerb geht ihr denn nach?" und an Noiona gewandt fragt er nach "Und ihr, Donna Noiona, hat es euch in eurem Leben schon einmal nach Süden in meine Heimat geführt?"

    Noctum Triumphat

  • Erstaunt blickt Cassandra zu Francesco auf: "Nein, bis vor Kurzem wusste ich nur sehr wenig über den Herren Boron. Erst Noiana hat mich näher mit seinem Wirken bekannt gemacht. Eigentlich bin ich Jägerin, aber ich würde dabei nicht von einem Beruf sprechen. Ich lebte mit meinen Eltern abgeschieden im Wald und wir versorgten uns selbst. Nur ab und an hatten wir Kontakt zum nächsten Dorf... Also um auf eure Frage zu antworten ich kann jagen und kenne mich ganz gut mit Pflanzen und Kräutern aus."

    Cassandra hatte den Gesprächsverlauf aufmerksam gelauscht, kann sich aber noch immer keinen Reim darauf machen. Sie nimmt sich vor bei Gelegenheit Noiana nach den Unterschied der beiden Kirchen zu fragen.

    Das Leben ist ein Spiel!

  • Nun dass Al'anfa durchaus auch Pläne für Eroberungen hat, ist ja auch unfraglich und dass sie Krieg gegen das Horasreich führen auch, welches ja definitiv dem Puniner Ritus anhängt. Ganz so einfach ist es nicht, aber auch er belässt es dabei, schaut stattdessen zu der jungen Frau.

    Fear cuts deeper than swords.

  • An Cassandra gewandt meint Francesco freundlich "Und wie gefällt es euch bisher, in die weite Welt hinausgegangen zu sein? Haben die Wunder der Städte und der Zivilisation euch in ihrem Bann oder zieht es euch eher wieder in die Heimat? Und was hat euch bisher am meisten beeindruckt oder gefallen, seid ihr euer Dorf verlassen habt?" dabei liegt auch kein Vorwurf in seiner Stimme, nur aufrichtiges Interesse daran, Cassandra etwas näher kennen zu lernen. "Ich persönlich bin zwar ein Stadtkind wie es im Buche steht, aber meinen Lebensabend sehe ich eher auf dem Land... bzw. auf einer Insel um genau zu sein. Ich habe schon ein nettes kleines Eiland im Blick, wunderschöner, weißer Korallenstrand, Kokospalmen, prächtige Sonnenuntergänge... Ein kleines Paradies auf Erden. Aber bis ich mich dort dauerhaft niederlassen kann, muss ich auch noch die eine oder andere Dublone erwirtschaften."


    An Noiona gerichtet erwidert er überrascht "Ihr stammt aus Selem? Habt ihr auch dort zu unserem Herrn gefunden? Kennt ihr vielleicht Schwester Parigal? Sie ist eine langjährige Bekannte und ich würde sagen auch gute Freundin und seit vielen Jahren im Tempeldienst."

    "Und was Zelemja angeht: Ich kann es gut nachvollziehen. Meine Versuche die Sprache zu meistern waren bislang auch von eher bescheidenem Erfolg gekrönt. Aber Boron sei dank, versteht man sich ja unter unseres Gleichen auch mit wenig Worten." wobei er ihr fröhlich zuzwinkert. Anschließend wendet er sich wieder höflich und freundlich an Karim "Was ist mit euch euer Gnaden? Wo stammt ihr her und wo habt ihr eure Weihe empfange, wenn ihr die Frage erlaubt?"

    Um dann seine Neugier mit gleicher Offenheit zu erwidert fügt er noch hinzu "Ich hatte die Ehre direkt in der Stadt des Schweigens ausgebildet zu werden. Aber ich habe während meines Noviziats einige Zeit auf Reisen verbracht, hauptsächlich in den Städten des Südens. Einige Monate in Mirham und Selem, ein paar Wochen in unserer Gesandschaft in Hôt Alem - eine sehr hübsche Stadt und in ihrer für uns so exotischen Architektur eurer Hauptstadt Gareth so ähnlich. Mein Mentor diente als Emissär und hat mich meistens mitgenommen, so dass ich einiges an Sprachen und Kulturen aufgeschnappt habe, genug zumindest um mich zügig überall zurecht zu finden. Davon zehre ich noch heute."

    Noctum Triumphat

  • Als der Geweihte vom Erwirtschaften einiger Dublonen redet, muss Karim dann doch hörbar ausatmen. Das widersprach schlicht allem, was dem nördlichen, also wahren Boronkult und insbesondere den Golgariten wichtig war. Nicht, dass sie ein Bettelorden waren, aber Gold zu erwirtschaften um sich auf einen Insel zur Ruhe zu setzen, das war einfach absurd, infam und schlicht unvorstellbar. Wenn man keinen Dienst mehr an der Front tun konnte und es tatsächlich überlebt hatte, dann konnte man immer noch in der Ausbildung Dienst tun, in der Seelsorge oder bei vielen anderen Tätigkeiten in den Ordensburgen. Zur Ruhe setzte man sich nur dann, wenn Boron seine Schulden eintrieb und einen Ritter an seine Seite berief.

    Fear cuts deeper than swords.

  • Francescos Redeschwall überrollt Noiona. Als er ihr zwischendurch verschwörerisch zuzwinkert und seine 'wenigen Worte' damit unterstreichen will, kann sie nicht anders als ihre linke Augenbraue hochzuziehen, was ihr einen ungläubigen Ausdruck verleiht. Oder ein zweifelndes Aussehen. Oder spöttisch.


    Sie kann schon nachvollziehen, dass es schön wäre, eine Zeitlang auf einer warmen, friedlichen Insel oder irgend einem ähnlich angenehmen Fleckchen Dere zu verbringen. Dem oft tristen, kalten Warunk für die Wintermonde entfliehen... Vorausgesetzt, sie konnte dort ihre Schäfchen betreuen oder sich zum Kompromiss an der Missionierung der Waldmenschenstämme beteiligen. Sie unterstellt dem Al'Anfaner Geweihten, dass er etwas derartiges ebenfalls beabsichtigt, wenn er es auch nicht explizit erwähnt hatte.


    Schwester Parigal - als der Name fällt, taucht das Bild der älteren Noionitenschwester in Noionas Erinnerung auf. Die untersetzte, dickliche Frau, die meistens im Klostergarten anzutreffen war und dort die Rosenhecken schnitt, die schwarzen Boronien pflegte, eigenhändig die Beete mit Heilkräutern umgrub, die reifen Früchte, Wurzeln, Blätter und Kräuter erntete und Stecklinge pflanzte und ständig und eifrig ihre Hände rührte. So bedeckten ihre Schürze über der schwarzen Kutte und ihre Hände häufig dunkle Schmierer von Erde. Manchmal beaufsichtigte sie auch die Leibeigenen auf den Feldern.

    Sie war gütig und großzügig, ein Beispiel an Geduld. Doch wehe, wenn die Käfer sich über ihre Setzlinge hergemacht hatten oder eine Überschwemmung ihre frisch gepflanzten Samen wieder aus der Erde gespült hatte! Dann tat man gut daran, unauffällig zu sein und ihren Unmut nicht zu erregen. Sonst setzte es für die Novizen Strafarbeiten - erdige Strafarbeiten -, im besten Fall.

    Angeblich, so sagte es das Gerede, hatte sie einst für den Mirhamer König gearbeitet, bevor sie in das Kloster kam. Doch über ihre Vergangenheit schwieg sie beharrlich.


    Ein Lächeln umspielt Noionas schmale Lippen bei dieser Erinnerung und sie nickt.

  • "Die Menschen, denke ich.", Cassandra lächelt vorsichtig, "Ich hatte nie viel Kontakt zu anderen Menschen müsst ihr wissen und es ist spannend und gleichzeitig verwirrend so viele neue Leute kennen zu lernen. Doch auf Dauer? Ich denke ich werde eher abgeschieden leben. Die Städte sind mir doch zu unruhig und zu laut. Aber ihr werdet euch wundern euer Gnaden wie viel Arbeit es ist, auf einer abgeschiedenen Insel zu überleben. In einem abgelegenen Waldstück ist es schon viel Arbeit, doch auf einer Insel? Nur mit Wasser drum herum? Ich weiß nicht ob das eine gute Idee ist..."

    Das Leben ist ein Spiel!