The Guns of Rio Muerto

  • Rio Muerto ist eine kleine und unbedeutende Stadt, fast 150 Meilen nordwestlich von Tucson. Bislang war sie auch eine ruhige Stadt. An keinem Bahnanschluss liegend, die Postkutsche kommt einmal die Woche an, sie liegt nicht an einem Trail der großen Viehtriebe, ein Telegrafenbüro gibt es auch nicht, bietet sie wohl kaum 600 Leuten eine Heimat im heißen und nicht ganz ungefährlichem Südarizona, dazu noch einigen Ranchern und Farmern im Umland.

    Apachen sind eine stete Gefahr, aber dann sind eben jene Ranches und Farmen schon einige Zeit lang kein Ziel von Apachenangriffen geworden.

    Town Marshal Ben Nelson und sein Deputy Chet Kehoe haben oft nur wenig zu tun. Selten ein streunender Hund, der für Ärger sorgt, hauptsächlich an Samstagen, wenn die Cowboys und Farmhelfer aus den umliegenden Farmen und Ranches ihren freien Abend im örtlichen "Oriental Saloon" oder manchmal auch auf offener Straße zu lautstark und überschwänglich feiern, ist schon mal ein ernstes Wort gefordert und etwas Präsenz des örtlichen Gesetzes, zuweilen wird auch jemand in einer der beiden Zellen des kleinen Gefängnisses von Rio Muerto ausgenüchtert. Die Postkutsche, die einmal in der Woche durch kommt, und die durch die Stadt führende Straße bringen zwar beständig Durchreisende, aber von diesen gehen selten Probleme ernsthafter Natur aus.


    So war Rio Muerto bislang eine ruhige Stadt. Doch dies änderte sich am Vorabend dieses Maitages im Jahr 1877.


    Im Oriental Saloon steht ein noch junger Mann in einer Weste aus rot-braunem Kuhfell an der Bar, sein Glas mit Whiskey in der Hand, neben ihm zwei Kameraden. Der junge Mann erzählt eine Geschichte, und die beiden lachen, es klingt etwas pflichtschuldig.

    Da kommt durch den Hintereingang eine abgerissene Gestalt herein, Hose und Hemd schmutzig und beide mit diversen Löchern. Das Gesicht trägt einen unrasierten mehrere Tage alten Bart, die Augen sind blutunterlaufen, das schmutzig-braune Haar hängt ungekämmt ins Gesicht. Manch ein Blick geht kurz zu dem Mann hin, doch wird bald wieder weggeschaut, der örtliche Trunkenbold ist weder neu noch interessant, eher beschämend.

    Anders bei dem jungen Mann in der Kuhfellweste. Er erkennt ein Opfer, mit dem er seine Scherze treiben kann. Ein breites, wenig freundliches Grinsen überzieht sein junges, aber schon etwas zur Fleischigkeit neigendes Gesicht.

    "Hey, Tom, du willst bestimmt einen Whiskey?", fragt er.

    Toms unsicherer Blick wandert zu ihm. Er ahnt die Falle, aber das Verlangen ist zu groß. Er nickt. "Yeah", erwidert er mit heiserer Stimme.

    "Ich lade dich ein", erklärt der junge Mann großzügig, fischt eine glänzende Münze aus seiner Weste und hält sie zwischen zwei Fingern vor Toms Gesicht.

    Dessen Blick wird verlangend, und er erhebt eine leicht zitternde Hand, um danach zu greifen.

    Das Grinsen auf dem Gesicht des jungen Mannes wird fies und gemein.

    "Ich lade dich ein", wiederholt er langsam, dann schnipst er die Münze in den nächsten Spucknapf. "Du musst dir das Geld nur holen." Er lacht hämisch.

    Niemand lacht mit.

    Toms Blick wandert zum Spucknapf. Seine Zungenspitze fährt über plötzlich trockenen Lippen. Sein Blick flackert zu dem jungen Mann, kurz zum Barmann und einigen anderen Gästen, doch keiner sagt etwas. Er zögert. Er möchte das Geld, aber etwas Selbstachtung scheint noch da zu sein.

    "Na los doch", fordert der junge Mann. Er klingt ungeduldig. Sein Scherz geht vielleicht nicht auf, und das ärgert ihn. "Hols' dir!"

    Doch Tom zögert. Er macht dann einen Schritt auf den Spucknapf zu, bleibt stehen, schaut sich unruhig um.

    "Na, los doch!" Der junge Mann klingt offen verärgert. Da fällt ihm etwas ein. "Oder lehnst du etwa den Drink ab, den ich dir ausgeben möchte? He? Das ist unhöflich!" Seine Stimme wird aufgesetzt sanft. "Das wäre echt unhöflich, Tom ..."

    Tom macht einen Schritt zurück, er spürt die Drohung.

    Die Hand des jungen Mannes schießt vor und fasst nach Toms schmutzigem Hemdkragen, zieht ihn mit einem Ruck nach vorn. "Es gehört sich nicht, den angebotenen Drink eines Bowman abzulehnen!"


    Nun mischt sich doch jemand ein. Ein mittelalter Mann, ein Vertreter, der mit der letzten Postkutsche kam, steht vom Tisch auf, an dem er saß. Er trägt einen ordentlichen Anzug von der Stange, und keine sichtbare Waffe. "Nun lassen Sie's gut sein", meint er begütigend. "Sie hatten ihren Spaß, nun ist es doch gut, oder?"


    Ohne Toms Kragen loszulassen, dreht der junge Bowman den Kopf zum Sprecher. "Was?", macht er überrascht und mustert den Vertreter kurz, und tut ihn als unbedeutend ab. "Mischen Sie sich nicht ein!"

    "Er wehrt sich nicht, lassen sie ihn doch in Ruhe", sagt der Vertreter, weiterhin höflich-freundlich, und tritt näher.

    Auf Toms Gesicht, der reglos in dem Griff steht, erblüht Hoffnung.

    "Ich bin noch nicht fertig", tut der junge Bowman Bescheid und dreht sich wieder Tom zu.

    "Nun, Sir ...". Der Vertreter streckt die Hand aus, um sie dem jungen Mann auf die Schulter zu legen.

    Dessen Hand fährt zu seinem Revolver, zieht ihn und richtet ihn auf den Vertreter. Ohne zu zögern drückt er ab.


    Pulverqualm liegt beißend in der Luft, der Vertreter tot am Boden. Erschrockenes Schweigen breitet sich im Oriental aus, als auf den jungen Bowman gestarrt wird, der gelassen den Revolver wegsteckt und einmal böse in die anderen Gesichter blickt.

    Seine beiden Kameraden treten vor, um sich neben ihn zu stellen.

    "Kann ich nun ungestört das Gespräch hier zu Ende bringen, ja?", fragt der junge Bowman rhetorisch.


    Da bewegen sich die Schwingtüren, als Town Marshal Nelson mit gezogenem Revolver herein kommt. Der Tote am Boden, die Blicke, die sich auf den jungen Bowman richten.

    Kurze, schnelle Fragen, und er nimmt dem jungen Mann in der Kuhfellweste den Revolver ab und heißt ihn, mit erhobenen Händen vor ihm her zu Gefängnis zu gehen.


    Ein selbstsicheres, überlegenes Grinsen liegt auf dem Gesicht des Mannes. "Mein Bruder wird mich rausholen", sagt Joe Bowman.


    'Mein Bruder wird mich rausholen': Nun wird Rio Muerto einige Zeit keine ruhige Stadt mehr sein, das ist Nelson und seinem Deputy klar.

    Adam Henry "Duke" Bowman ist der Rinderkönig in dieser Region. Er kauft Land und beansprucht es. Es haben in den letzten ein, zwei Jahren einige kleinere Rancher an ihn verkauft, und man erzählt sich, nicht ganz freiwillig, auch wenn es dafür keine Beweise oder Zeugen gibt, die davon sprechen möchten.

    Er ist ein beherrschter, kluger und kühler Mann, ganz anders als sein jüngerer Bruder Joe, leichtfertig, verantwortungslos, der lieber Geld ausgibt, Whiskey trinkt und schnelle Pferde reitet. Aber Joe ist Dukes kleiner Bruder, und da Blut dicker als Wasser ist, wird er es in der Tat nicht hinnehmen, dass Joe eingesperrt ist. Daran zweifelt niemand.

    Dukes ärgstes Hindernis, seine Viehherden noch mal zu vergrößern, ist Old Man Mick Fraser, der der erste Rancher hier war und daher an der größten Wasserstelle sitzt. Bislang war Fraser nicht willens, zu verkaufen, auch wenn es heißt, dass Bowman wiederholte Male an ihn heran getreten ist und zunehmend ungehaltener wurde über das Ablehnen.

    Zwischen den Mannschaften beider Ranches gab es schon Zusammenstöße. Beim letzten jährlichen Rodeo zum 4. Juli herrschte arge Konkurrenz im Corral, aber es gab auch schon Prügeleien.

    In Bowmans Mannschaft, heißt es ebenfalls, seien zuletzt einige harte Burschen aufgetaucht, die gar keine Cowboys sein sollen, aber auch dafür gibt es keine Beweise, und solange sie in Rio Muerto nicht gegen das Gesetz verstoßen, gibt es ohnehin keine Handhabe für einen Town Marshal, dessen Befugnisse an der Stadtgrenze enden.


    1. Tag


    So bricht nun der Tag an, nachdem Joe Bowman eingesperrt wurde, und Chet Kehoe und sein Vorgesetzter sich darauf einstellen, dass es eine Menge Ärger geben wird, Jack Boregard im Auftrag seines Bosses Mick Fraser in die Stadt kommt, weil ein Pferd neu beschlagen werden soll, Frank Ross' Wege ihn ebenfalls von seiner kleinen Farm nach Rio Muerto führen, und Bennet Drake, der die Szene im Oriental verpasst hatte, noch in der Stadt weilt.


    [MUSIK]


    Was ein jeder von ihnen bemerkt, ist die ungewöhnliche Ruhe, die über der Stadt liegt, die auch für das kleine Rio Muerto auffallend und vor allem drückend ist. Jack und Frank haben beide Reiter aus Bowmans Mannschaft gesehen, die sich in kleiner Entfernung zur Stadt herum treiben - man könnte meinen, sie beobachten das Kommen und Gehen dort und zögen einen Ring um die Stadt.

    Wenige Leute kommen auf die Straße. Chet und Bennet wissen, warum. 'Mein Bruder wird mich rausholen.' Jeder hat davon gehört, und so bevorzugt man, lieber im Haus zu bleiben, so möglich. Zu zeigen, dass man damit nichts zu tun hat, um beiden Seiten gegenüber Neutralität zu zeigen, um keinen Ärger zu bekommen.


    Der tote Vertreter liegt beim Beerdigungsunternehmer Luke Fisher, dessen Motto "Gestorben wird immer" ist, und wird auf seine Bestattung vorbereitet.

  • Frank ist mit seiner Liste nach Rio Muerto aufgebrochen. Kleinkram eigentlich, nicht besonders oder der Rede wert, aber es ist nun einmal wieder Zeit, einiges zu besorgen, und so etwas schiebt er nicht gerne vor sich her. Also hat er sein Pferd gesattelt und ist zur Stadt geritten, um den Kram zu besorgen und wieder zu seiner Routine zurückkehren zu können. Eigentlich ganz normal, sollte man meinen, und zuerst hat er das auch gedacht. Aber als er sich der Stadt nähert, bemerkt er die Reiter , die sich im Umfeld herumtreiben. An und für sich nicht zu ungewöhnlich, andererseits hat er das in dieser Form so erst ein paar mal gesehen, und an diese Gelegenheiten denkt er nicht gerne zurück.


    Er verscheucht den Gedanken und reitet in die Stadt hinein. Die Hauptstraße wirkt selbst für die Verhältnisse von Rio Muerto seltsam... leer. Die wenigen Leute, die zu sehen sind, wirken irgendwie... nervös ? Angespannt ? Irgendetwas stimmt hier nicht, das weiß er auch ohne das unangenehme Kribbeln im Nacken, daß ihm normalerweise genau so etwas sagt. Er nickt den Leuten, die ihm begegneten zu und blickt wachsam in die Runde. Aber viel mehr gibt es kaum zu bemerken. Als er vor dem General Store anlangt, steigt er langsam und bedächtig vom Pferd. Ebenso langsam und bedächtig bindet er das Pferd an. Er klopft sich den Staub aus der Hose, schiebt den Hut in den Nacken und sieht die Main Street hinauf und hinunter.


    Mit seinen abgelaufenen Stiefeln, der abgewetzten Hose und dem karierten Arbeitshemd unter den Hosenträgern wirkt er wohl tatsächlich auch etwas heruntergekommen, aber zumindest kann keiner behaupten, er verdient seinen Lebensunterhalt nicht mit seiner eigenen Hände Arbeit. Er nimmt noch einmal die Liste hervor und überfliegt sie, während er sich mit der Hand nachdenklich das Kinn reibt. Der dunkle Dreitagebart, der seinen Schnurrbart ergänzt, quittiert das mit einem trocken kratzenden Geräusch. Er steckt den Papierfetzen wieder weg, geht zur Tür um zu sehen, ob sie öffnet. So sie das tut, tritt er ein und sieht sich nach dem Besitzer oder etwaigen Angestellten um.

    ROMANES EUNT DOMUS !

    Edited 2 times, last by Renard: Tempus ().

  • McLintock Mercantile hat geöffnet, wie auch die Schmiede auf hat, das Restaurant Big Jake's, der Oriental Saloon und andere Geschäfte. Sie sind nur leer für die Tageszeit, und gefühlt wirkt selbst das Hämmern aus der Schmiede gedämpft.

    Der Besitzer des Ladens, McLintock, ist ein kleiner, schmaler Mann mit zurückgehendem Haar. Die saubere Schürze wie stets über seine Kleidung gebunden, steht er heute hinter seine Theke, statt geschäftig sich zu bewegen, ein- und umzuräumen, Staub zu wischen oder zu fegen. Andere Kunden sind gerade nicht im Laden, als Frank eintritt, begleitet vom Klingeln der Glocke.

    "Guten Tag, Sir. Was kann ich für Sie tun?"

  • Nach dem Mord am Vortag im Saloon, zieht Bennet es vor sich von dort im Moment fernzuhalten. Nachdem Aufstehen kleidet er sich an, ein schwarzer Stetson komplementiert sein restliches Outfit: Eine ebenfalls schwarze Hose, sowie ein weißes Hemd, darüber getragen eine wiederum schwarze Weste. Die Qualität des Stoffes und die silbernen Knöpfe lassen auf eine gehobene und kostspielige Kleidung schließen. Auch Bennet's Stiefel, obgleich schon länger in seinem Besitz, sehen fast wie neu aus und werden offensichtlich regelmäßig geputzt.

    Auf eine Rasur verzichtet Bennet heute, vielleicht gönnt er sich mal wieder einen Besuch beim Barbier?

    Anschließend inspiziert und reinigt er akribisch seine Waffen, eine nach all den Jahren routinierte und fast schon automatische Handlung.


    Zufrieden mit dem Ergebnis der Inspektion holstert er seinen Cattleman und macht sich hungrig auf den Weg ins Big Jake's. Das nur wenig Leute unterwegs sind wundert ihn nicht, schließlich hat auch er die Gerüchte rund um die Bowman's gehört. Auf dem Weg zum Restaurant blitzt für einen Moment der Gedanke auf, dem Town Marshal seine Hilfe anzubieten aber Bennet wischt den Gedanken schnell beiseite. Er will das doch eigentlich alles hinter sich lassen. Oder?


    Sollte Bennet auf seinem Weg zum Restaurant an einem geöffneten Barbierladen vorbei komme, so kehrt er dort ein. Falls nicht führt ihn sein Weg zum Big Jake's.

    Siehst reiten Du, jene neune? Die finster und verloren sind.


    Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,

    ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.


  • Dem Dragoon-Hotel am nördlichen Ende liegt Big Jake's auf der anderen Seite der Straße gegenüber: Gäste des Hotels haben es nicht weit zu einem guten Essen, wenn sie einmal nicht im Hotel mit seinem weniger breiten Angebot essen möchten.

    Doch es gibt auch einen Barbier, etwas weiter die Main Street hinunter, an deren südlichem Ende der Oriental Saloon liegt.

    Der Barbier liegt auf der westlichen Seite der Main Street, auf der gleichen Seite, auf der auch der Mietstall und Fishers Beerdigungsunternehmen sind. Gegenüber verteilen sich das Büro des Marshals, Town Hall, McLintock Mercantile und der Hufschmied zwischen Wohnhäusern.

  • Zielsicher strebt er der Theke zu und zieht den Zettel nochmal aus der Tasche um ihn dem Kaufmann zu reichen.



    "Tag, Mr. McLintock. Nur ein bißchen Kleinkram."

    Aufsehenerregend ist seine Liste tatsächlich nicht. Tabak, Seife, Reinigungsalkohol, ein paar Konserven, eine Tüte Milchpulver, ein Säckchen Nägel... Kleinkram eben. Er späht kurz aus dem Fenster.

    "Gibt es Neuigkeiten in der Stadt ? Bei der Stimmung da draußen könnte man meinen, die Apachen würden wieder mehr Ärger machen. Oder daß sich doch noch eine Mäßigungsliga gefunden hat, die dem Bürgermeister im Ohr liegt. Wenn ich die Wahl hätte, ich würde die Apachen nehmen, das ist wenigstens schnell vorbei." Er lacht.

    Knapp einen Monat ist es her, als eine Mormonenfamilie hier durchgekommen war, der Teufel mochte wissen, was die in Arizona wollten ! Feuer und Schwefel hatten sie über die Mißstände in der Stadt gepredigt, das Trinken, das Glücksspiel und das Fluchen. Anklang hatte das hier natürlich eher wenig gefunden, und sie waren auch schnell weitergezogen, aber man wußte ja, wie einige alte Jungfern sich schnell für solche Dinge begeistern konnten...

    ROMANES EUNT DOMUS !

  • Bennet schlendert die Main Street entlang und beschließt spontan, dass das Essen noch warten kann. Somit steuert er den Laden des Barbiers an und betritt diesen.

    Siehst reiten Du, jene neune? Die finster und verloren sind.


    Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,

    ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.


  • Jack reitet auf seiner schwarz, weiß, braun geschenkten Stute in die Stadt um seine Vorräte aufzufrischen und sein Pferd braucht neue Eisen. Am weg merkt er auf einmal das Bowmans Männer die Anscheinend die Stadt belauern. Er macht einen kleinen Bogen um sie um dann direkt zum Schmied zu Reiten. Dort bindet er sein Pferd an und geht hinein. Cowboystiefel, Strapazierfähige Hose und ein Kariertes Baumwollhemd so steht er jetzt vor dem Schmied, und schiebt seinen Hut etwas zurück.

    "Guten Morgen."

    Meistens vom Handy geschrieben, also bitte seht mir Fehler nach.

  • Frank (bei McLintock Mercantile)


    McLintock nimmt die Liste entgegen und überfliegt sie mit routiniertem Blick. Bei Franks kleinem Scherz lacht er allerdings nicht mit. Seine Lippen bemühen sich zwar, so etwas wie ein Lächeln zu produzieren, aber es ist mehr gequält als belustigt.

    "Ähm ...", macht er nervös und schluckt einmal. Es folgen ein oder zwei Sekunden unbehagliche Schweigen, in denen der Ladenbesitzer überlegt, ob er das einfach übergehen soll, die Antwort kurz halten oder einfach offen antworten soll.

    "Es gab gestern Abend einen Vorfall, im Oriental", sagt er dann. "Joe Bowman hat einen Durchreisenden erschossen und sitzt nun im Gefängnis", antwortet er und überlässt Frank soweit daraus resultierende Konklusionen.



    Bennet (beim Barbier)


    Der Laden des Barbieres ist fast leer, nur ein Kunde sitzt im einem der drei Stühle, das Gesicht weiß von Rasierschaum.

    "Guten Tag, Sir. Einen kleinen Moment bitte", sagt der Barbier, der in seinem mittleren Alter einen prachtvoll gepflegten Schnurrbart trägt. "Nehmen Sie schon mal Platz."



    Jack (in der Schmiede)


    Die Esse bringt, es ist in der Schmiede merklich heißer als draußen, wie es nicht anders zu erwarten ist. Der Schmied, Daniel Bagwell, groß und breitschultrig, mit einem Vollbart und einer alten Lederschürze über der Kleidung, stochert gerade in den heißen Kohlen und tritt den Blasebalg, um das Glühen anzufachen.

    "Morgen", sagt er zu Jack. "Was soll's sein?"

  • "Jenny braucht neue Eisen, wie lange wirds den dauern?"

    Dabei sieht er sich um ob viel Arbeit herumsteht.

    Meistens vom Handy geschrieben, also bitte seht mir Fehler nach.

  • Jack (in der Schmiede)


    Nach viel Arbeit sieht es gerade nicht aus. Nicht, dass in einer kleinen Stadt wie Rio Muerto jemals Schlangen vor den Geschäften standen. Ein wenig scheint Bagwell aber doch zu tun zu haben, sicherlich hat er nicht grundlos gerade die Kohlen angeheizt.

    "Ich kann's jetzt gleich machen", brummt Bagwell. "Dauert vielleicht 'nen Stunde."

  • Die ersten Strahlen der Sonne wecken Chet an diesem Morgen. Er denkt noch einen Augenblick an die gestrige Verhaftung, bevor er aufsteht. Er nimmt sich einen Augenblick Zeit um sich zu waschen. Ein Blick in den Spiegel zeigt ihm, das er sich rasieren müßte. Aber er verschiebt es auf später. Die Jahre hatten sich eh in sein Gesicht eingegraben. Der Bart würde ihn nur unwesentlich älter machen.

    Dann schlüpft er zügig in seine schwarze Hose, das dunkelblaue Flanellhemd und die Stiefel. Er schnallt seinen Colt um, zieht die kurze Jacke über. Nach dem er die Winchester gegriffen hat, tritt er hinaus auf den Flur und zieht die Tür hinter sich zu. Die Treppe hat er in wenigen Schritten hinter sich gebracht. Einen Augenblick überlegt er noch, ob er ein Frühstück nehmen soll. Doch dann entscheidet er sich dagegen. Ben würde schon auf ihn warten. Und einen Kaffee konnte er auch im Büro trinken.

    Nun tritt er unter das Vordach des Dragoon und läßt seinen Blick über die Mainstreet schweifen. Alles ist ruhig. Die Anspannung ist greifbar. Die Straße fast leer. Ihm fallen ein paar Männer auf, die sich herumdrücken. Cowboys, wahrscheinlich Bowmans Männer. Dann tritt er hinunter auf die Mainstreet und geht hinüber zum Büro.

    Er klopft das vereinbarte Zeichen. Als er das 'Komm rein Chet' seines Bosses hört, öffnet er die Tür und verschwindet im Inneren des Marshall Office.

    "Na Ben, war die Nacht ruhig?"

    Chet greift nach der Kanne Kaffee auf dem Ofen und schenkt sich einen Becher voll. Genussvoll nimmt er seinen ersten Schluck Kaffee. Ein Lächeln umspielt seine Lippen. Sein Boss konnte wirklich guten Kaffee kochen.

    "Draußen lauern ein paar von Bowmans Cowboys rum. Es werden bestimmt noch mehr werden. Wen schicken wir, um den Richter zu holen?"

  • "Guten Tag Gentlemen" grüßt Bennet zurück und tippt sich an den Hut. Dann schaut er sich flüchtig im Laden um, nimmt Platz und wartet bis der Barbier sich ihm zuwendet.

    Siehst reiten Du, jene neune? Die finster und verloren sind.


    Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,

    ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.


  • Bennet (beim Barbier)


    Der Barbier kümmert sich weiter um seinen Kunden, rasiert ihn ordentlich und legt anschließend noch kurz ein warmfeuchtes Tuch auf dessen Gesicht, bevor er das Rasirwasser aufträgt.

    Währenddessen erkundigt er sich beflissen bei Benne: "Was soll es sein, Sir? Rasur? Haarschnitt?"



    Chet (im Marshal's Office)


    Ben Nelson ist ein Mann um die 40, stämmig gebaut, schlank, von in der Regel ruhigem Gemüt, der nachdrücklich oder auch schnell entschlossen ist, wenn es nötig ist.

    "Morgen", sagt er nach Chets Gruß. "Ja, war es. Ob es so bleibt, ist natürlich die Frage. Das ist auch die Frage. Die stehen da schon lange. Tun nichts, sagen nichts, aber beobachten. Wenn wir Joe versuchen, rauszubringen, werden wir wohl nicht weit kommen, gerade bei dem weiten Ritt nach Tucson. Wir könnten eine Nachricht mit der Postkutsche schicken, die heute fährt. Es wird nur ein paar Tage dauern, bis der County Sheriff hier wäre. Und jemanden schicken ... ich hab' so das Gefühl, dass die 'nen Reiter auch nicht durchlassen werden. Außerdem brauche ich dich hier, ich kann nicht rund um die Uhr wach bleiben."

  • "Da bleibt uns kaum eine Wahl" antwortet Chet. "So wie die Umstände sind, scheint es wirklich das beste der Postkutsche eine Nachricht für den County Sheriff mitzugeben. Hoffentlich geht Bowman nicht so weit, die Postkutsche abzufangen."

    Er nimmt einen Schluck Kaffee. Während er noch einen suchenden Blick in seinen Becher wirft, fragt er Ben:

    "Wann geht die Postkutsche heute?"

    Er dachte weiter nach.

    "Vielleicht sollten wir ein paar Freiwillige rekrutieren. Kann bestimmt nicht schaden. Vor ein paar Tagen ist doch dieser Bennet in Dragoon abgestiegen. Er macht den Eindruck, als könne er mit einer Waffe umgehen."

    Chet schenkt sich noch einmal Kaffee nach.

    "Willst du erst einmal nach Hause Ben? Ich könnte derweil den Brief schreiben."

  • "Das trifft sich gut ich hab eh noch was zu erledigen, sie steht draußen ihr kennt euch ja schon."

    Dann geht er hinaus legt sich die leeren Satteltaschen über die Schultern nimmt sich die Winchester aus dem Sattelholster. Dann tätschelt er das Pferd noch einmal am Hals.

    "Brave sein meine Gute."

    Kramt aus seiner Hosentaschen die Stange Kautabak und beißt sich ein Stück ab, dann steckt er sie wieder ein. Falls ihm doch jemand auf seinem weg zu McLintocks Laden über dem weg läuft tippt er sich grüßend an die Hutkrempe.

    Meistens vom Handy geschrieben, also bitte seht mir Fehler nach.

  • "Bitte beides, ein ordentlicher Haarschnitt wäre auch wiedereinmal angebracht."

    Siehst reiten Du, jene neune? Die finster und verloren sind.


    Ash nazg durbatulûk, ash nazg gimbatul,

    ash nazg thrakatulûk agh burzum-ishi krimpatul.


  • Franks Miene verdunkelt sich.


    "Er hat wohl nicht vor, da seelenruhig auf den Prozeß zu warten."



    Zumindest nimmt er das an. Wenn Bowman im Jail sitzt, dann ist es vermutlich keine völlig offensichtliche Notwehr gewesen... Je nachdem, was die Jury findet, aber wenn es zum Prozeß kommt, ist neben dem Freispruch eben auch noch der Strick im Pott. Die Reiter außerhalb der Stadt ergeben auf einmal deutlich mehr Sinn. Mit diesem Wissen glaubt er, einigermaßen einschätzen zu können, wie sich die Rebellen bei Corinth gefühlt haben mußten. Nur daß es so aussieht, als ob ganz Rio Muerto in Zukunft die Grauen sein würde. Diese Aussicht gefällt ihm nicht. Gar nicht.



    "Aber ich denke mal, der Marshal und seine Jungs werden das Ding schon schaukeln."


    ROMANES EUNT DOMUS !

  • Chet (im Marshal's Office)


    "Um 12.00, wie immer, soweit ich weiß", erwidert Nelson.

    Bei Chets weiteren Vorschlägen wiegt er den Kopf. "Ich weiß nicht. Verstärkung wäre an sich nicht schlecht. Der alte Lee Dillon hat hier ja schon mal zeitweilig ausgeholfen, aber der ist seit Wochen wieder mit seinem Maultier unterwegs und ich weiß nicht, wann er wieder kommt. Was ich nicht möchte, sind Leute mit Familie in Rio Muerto, nur für den Fall, dass es zum Schlimmsten kommt. Außerdem sind es einfache Leute, die mit jemanden wie Bowman überfordert sein könnten. Weißt du was von diesem Drake? Immerhin hat er zumindest hier keine Familie, für die er sorgen muss."

    Er steht langsam auf. "Ja, das wäre nicht schlecht. Schreib den Brief und gib ihn dem Kutscher mit, ich mache mich frisch und werde etwas essen."

    Gehen tut er jedoch noch nicht, schließlich hatte er Chet etwas gefragt.



    Jack (in der Schmiede ->McLintock)

    "Ist gut", erwidert Bagwell und holt die Stute in seine Schmiede, wenn sich Jack auf den Weg macht.

    Von der Schmiede zu McLintock Mercantile sind es nur ein paar Häuser weiter, und wie die Dinge am heutigen Tag liegen, begegnet Jack auf diesem kurzem Stück niemanden. Vielleicht wäre es an dem Tag, als die Nachricht kam, dass Lincoln im Ford's Theatre erschossen worden war, ebenso still und leer in Rio Muerto gewesen, hätte es die Stadt da schon gegeben.

    So erreicht Jack den Laden und könnte ihn unter Begleitung der kleinen Glocke betreten.



    Bennet (beim Barbier)


    "Sehr wohl. Es dauert nicht mehr lange", versichert der Barbier, während er seinen Kunden zu Ende bedient. Er hält seinem Kunden einen Spiegel hin, in dem er sich betrachten kann und zufrieden nickt, nimmt das Tuch herab, das zum Schutze über dessen Kleidung liegt, und der Mann bezahlt. "Einen schönen Tag noch", wünscht der Barbier. Als sein Kunde hinausgeht, wirft der Barbier einen schnellen, aber einen durchaus als besorgt einzustufenden Blick hinaus, bevor er sich Bennet zuwendet.

    "Rasur und Haarschnitt, kommt sofort, Sir." Er nimmt ein anderes weißes Tuch und legt dies über Bennet ab unterhalb des Kinnes über seine Kleidung. Mit einigen gezielten kurzen Fragen erkundigt er sich, dass der Bart dergestalt bleiben soll, nur sauber ausrasiert,und wie kurz das Haar geschnitten werden soll. Dann macht er sich an die Arbeit.


    EDIT


    Frank (bei McLintock Mercantile)


    McLintock gibt auf Franks erste Bemerkung hin ein undefinierbares Geräusch von sich.

    "Ich gehe auch davon aus, dass sich Marshal Nelson und Deputy Kehoe gemäß ihren Pflichten darum kümmern werden", erwidert der Ladenbesitzer auf den zweiten Satz, und klingt dabei unbeabsichtigt etwas steif in seiner bemühten Neutralität.


    Vielleicht klingt er auch in seinem Wunschdenken etwas steif, denn Bowman hat definitiv viele Reiter in seiner Gruppe und einige von ihnen sollen harte Burschen sein, die in den letzten Wochen und Monaten bei ihm anheuerten, auch wenn sie, angeblich, gar nicht in erster Linie Cowboys sein sollen.

    Allein die Leere auf der Mainstreet Rio Muertos legt nahe, dass die meisten Bewohner ihre Bedenken haben, was die beiden Gesetzeshüter auf der einen Seite und Duke Bowman und seine Leute - in ungleich größerer Anzahl - auf der anderen Seite angeht.

  • Im Marshall's Office:


    "Nein" antwortet Chet Ben. "Ich bin ihm im Saloon und im Hotel ein paar Mal begegnet. Er scheint gerne für sich zu sein. Vielleicht sucht er hier etwas Erholung. Auf der Flucht scheint er mir nicht zu sein. Und sehr gesprächg ist er auch nicht."

    Während er sich an den Schreibtisch setzt und Ben die Tür öffnet, fügt er noch hinzu:

    "Aber er scheint mit seinen Waffen umgehen zu können."

    Dann nimmt er sich Briefpapier und einen Umschlag aus der Schublade und vertieft sich ins Schreiben.