Das Kind der Sonne

  • Eleawen lehnt sich zurück und verbirgt ihre Anspannung hinter einem ausdruckslos-gelangweilten Gesichtsausdruck. Sie hat offensichtlich etwas ins Rollen gebracht und vertraut nun auf die Menschenkenntnis der beiden Geweihten, um den Anwesenden weitere möglicherweise wichtige Informationen zu entlocken. Den ein- oder anderen Stein würde sie noch in die Wagschale werfen können, bevor die Höflichkeit es gebieten würde, zum Junker und seinem Sohn ins Jagdzimmer zu wechseln.

  • Jenos Offerte bejaht der Geweihte mit Einschränkung: "Für uns bitte schlicht einen Krug Wasser, habt Dank." Das Gespräch mit Cella dürfte nicht allzu lange dauern, weshalb es Fürchtepraios als zumutbar empfindet, den Junker nebst Sohn ein paar wenige Minütchen warten zu lassen.

    "In den Rachen der Drachen hexen die Echsen!"
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  • Der Speisesaal


    Mit einem Nicken nimmt Jeno die Bestellung des Praiosgeweihten entgegen. "Natürlich Euer Gnaden. Es wird bereitstehen." Dann richten sich seine grauen Augen auf Noiona und er geht ein paar Schritte auf den Tisch zu. "In der Tat, Euer Gnaden. Nachdem sie bei dem tragischen Unfall ihre Eltern verlor, beschloss unser Herr, sie hier auf der Burg aufzunehmen. Sie unterstützt Cella in der Küche. Ein fleißiges Kind, Euer Gnaden."

    "Es gibt keine Zufälle" M. Wittgenstein

  • "Gewiss! Und Junker Virian von Oppstein ein höchst großmütiger Herr, auch eingedenk seiner geplanten Schenkung an die Perainekirche - nicht zu vergessen die Gunst, welche er Ferin angedeihen lässt." Den Nachtrag erwähnt Fürchtepraios bewusst beiläufig, als wäre der Sachverhalt eine Selbstverständlichkeit. Nun wird er vermutlich davon ausgehen, dass wir uns mit Virian bereits über die Verwandtschaftsverhältnisse ausgetauscht haben. Wollen doch mal sehen, ob vorab noch tiefere Einblicke in diese Angelegenheit zu erlangen sind.

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    Jeno nickt eifrig, während er sich dem Tisch nähert. "Ganz recht, Euer Gnaden. Nicht jeder hätte mit solchem Mut zu seiner Schande gestanden. Immerhin hat Ferin so die Gelegenheit, sich eine gute Anstellung in Rommilys zu erarbeiten, anstatt auf dem Feld sein Leben zu fristen."

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  • Das ist doch mal eine recht klare Aussage, die wenig Interpretationsspielraum lässt. Seine innere Befriedigung ist Fürchtepraios förmlich anzusehen. Wo es sich schon so gedeihlich entwickelt, nutzt er die Gelegenheit, um dem Faktum noch weiter nachzuspüren: "Wahrhaft schändlich wäre es gewesen, für die Konsequenzen keine Verantwortung zu übernehmen. Wobei... so ist doch für dessen leibliche Mutter sicherlich auch wohl gesorgt?"

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  • Der Speisesaal


    Jeno runzelt die Stirn. "Nun da ihr fragt, mir ist seine Mutter nicht bekannt. Aber ohne Zweifel wird es keine Dame von Stand gewesen sein. Eher jemand aus dem Dorf."

    Auf Alweides Gesicht spiegelt sich derweil eine Mischung aus Erleichterung und Überraschung. Dann mustert sie den Praiosgeweihten jedoch nachdenklich, ehe ihr Gesichtsausdruck wieder vorsichtige Distanz ausdrückt.

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    Er weiß in dieser Sache genau die richtigen Fragen zu stellen, geht es Noiona bewundernd durch den Kopf. Sie weiß, dass sie bei diesen Fragen zu sehr auf die Offenheit der Leute gebaut hätte, die diese aber gar nicht hatten. So wie es aussieht, wird das Gespräch mit dem Junker erhellender, als ich dachte. Herrje, bei dem Treffen mit Gwendolyn werden sich meine Gedanken gegenseitig jagen...

  • "Meint Ihr, hier aus Trollkopf? Hmm ... sollte deren Identität dann nicht leidlich publik sein?" Der Blick des Praioten ruht kurz (aber intensiv) auf Alweide und Frenja, bevor er sich wieder Jeno zuwendet: "Oder hatte Junker Virian sie vielleicht in der Fremde kennen gelernt?" Er schließt für einen Moment die Augen und kneift Daumen und Zeigefinger über der Nasenwurzel zusammen. Dientet Ihr bereits im Schloss, bevor Ferin von seinem Vater hier aufgenommen ward? will der Geweihte gerade fragen, als ihm eine Idee kommt. "Nun, wie dem auch sei, all dies können wir Wohlgeboren ja einfach gleich persönlich fragen, anstatt Euch weiter zu behelligen." Wiederum schaut er zu den Geschwistern Sipplingen und lächelt ihnen dabei aufmunternd zu. Jetzt hätten die beiden Gelegenheit, letzte Wissenslücken zu füllen, bevor wir uns an den Junker selbst wenden müssten - und er sich, sowie natürlich auch uns, dann unter Umständen die Frage stellte, woher wir überhaupt erste Informationen zur unstandesgemäßen Vaterschaft erhalten hatten. Ja, manchmal ist das Licht der Wahrheit halt auch eine Bürde, die wir alle dennoch demütig und standhaft zu tragen haben. Praios Io vult!

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  • Als sie angsprochen wird blickt Alweide auf. "Ich kann Euch nur soviel sagen, dass es keine regelmäßigen Zahlungen an eine bestimmte Familie gibt, Euer Gnaden. Und seine Wohlgebohren bevorzugt auch keine der Familien im Dorf bei den Abgaben", fügt sie in neutralem Tonfall hinzu. "Allerdings waren zur Zeit von Ferins Geburt noch unsere Eltern seine Verweser. Wenn es damals eine Schenkung von Land oder ähnliches gegeben haben sollte, haben sie nicht mit uns darüber geredet."


    Nachdem sie geendet hat klopft es an der Tür. Diese öffnet sich leise und Frenja führt die schwarzhaarige Magd herein, die zuvor schon das Essen serviert hat. Als die hübsche, zierlich Magd die versammelten hohen Herren erblickt bleibt sie zögernd stehen und vollführt einen tiefen Knicks. "Frenja sagte Ihr wolltet mich sprechen, Euer Gnaden. Kann ich etwas für Euch tun?", erkundigt sie sich mit leiser Stimme, den Blick ihrer strahlend blauen Augen respektvoll auf den Boden gerichtet.

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  • Mit warmer Stimme richtet der Praiot das Wort an die Bedienstete: "Seid gegrüßt, gute Frau. Es freut Uns, dass Ihr zwischen Eurer fraglos umfangreichen hauswirtschaftlichen Tätigkeiten ein wenig Zeit für uns erübrigen könnt. Seid unbesorgt, wir haben lediglich ein paar Fragen an Euch, die kleine Lissara betreffend. Vorab möchten Wir Euch unsere tiefste Verbundenheit aussprechen, dass Ihr Euch der Bedauernswerten so fürsorglich angenommen habt, auf dass Eure gütige Zuwendung dem verweisten Kinde wenigstens einen Teil seiner verlustreichen Schmerzen lindert. Die Götter werden es Euch wohl danken! Doch nun zu unserem eigentlichen Anliegen: Wir hörten gerade von dem furchtbaren Ungemach, welches die Frau des Junkers vor fünf Götterläufen ereilte. Nun war Lissara hierbei zugegen; darüber hinaus ist sie die einzige verbliebene Augenzeugin. Daher hegen wir, aufgrund Eurer innigen Beziehung zum dem Kind, die Hoffnung, dass sie sich Euch gegenüber diesbezüglich vielleicht einmal anvertraut hat - und sei es auch nur mit wenigen Worten ..."

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  • Die Magd legt den Kopf schief, als sie versucht, Fürchtpraios verworrene Sätze nachzuvollziehen. Als das Schweigen unangenehm wird, räuspert sich Jeno leise. "Der Herr möchte wissen, ob die kleine Lissara mit dir über den Unfall gesprochen hat", raunt er ihr zu. Cellas Gesicht hellt sich auf und das unsichere Stirnrunzeln verschwindet. "Ach so. Nee, Euer Gnaden. Da hat sie nich drüber gesprochen. Aber ich hab auch nich nachgefragt. Manche Dinge soll man besser ruhn lassn, hat meine Großmutter immer gesagt. Aber die Kleine hat seit dem Unfall Angst vor Gewittern, Euer Gnaden. Ich mein, wenn's so richtig kracht, dann schreit se manchmal vor Panik, da kann ich se kaum beruhigen." Sie zuckt mit den Schultern. "Ich schätz mal, die Herrin is in ein Unwetter geraten, damals. Boron hab sie selig."

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  • Das klingt dann doch eher nach traumatischem Erlebnis, dessen Ursache eher in einem urgewaltigen Gewittersturm zu finden ist. "Habt Dank für Eure präzise Erläuterung. So wird es wohl gewesen sein. Mögen die Verunglückten selig in Borons Hallen eingekehrt sein." Mit einer angedeuteten Verbeugung bedankt sich Fürchtepraios bei Cella. "Dann wollen wir Wohlgeboren auch nicht länger warten lassen."

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  • Die Magd reagiert mit einem überraschten Lächeln auf Fürchtepraios höfliche Verbeugung. "Vielen Dank, Euer Gnaden." Dann wendet sie sich mit nachdenklich gerunzelter Stirn an Noiona. "Ich werde morgen mit ihr darüber sprechen, Euer Gnaden. Ich weiß allerdings nicht, ob ich sie zu einer so weiten Reise überreden kann. Vielleicht, wenn sie Euch schon einmal ein wenig kennlernt, solange Ihr noch hier seid?"


    Jeno wartet ihre Erwiederung ab und wendet sich dann leise an Fürchtepraios: "Sehr gut, dann werde ich meinen Herrn in Kenntnis setzen, dass Ihr soweit seid. Ihr findet das Jagdzimmer direkt nebenan, wie Ihr sicherlich schon wisst. Cella wird für Euer leibliches Wohl sorgen, solltet Ihr warten müssen." Mit einer Verbeugung wendet er sich um und verlässt den Raum.


    Die beiden Sipplingen-Schwestern stehen und sitzen nun jenseits des allgemeinen Interesses ein wenig verloren herum. Schließlich wendet sich Frenja an Eleawen. "Wenn die hohen Herren und Damen unserer Hilfe nicht weiter bedürfen, würden wir uns dann zurückziehen, Euer Hochwohlgeboren."

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