Erfahrungen mit dem Zauberzwang

  • Hallo liebe Orks (Denke nicht, dass der Satz mal in einem Ab fällt),
    Wie der Titel schon erahnen lässt habe ich ein Problem: In meiner Gruppe wird der Zauberzwang seit längerem benutzt um dauerhafte Beherrschungen zu etablieren (von meinem Hexer). Da der Aufwand hierfür Recht groß ist: erst das Opfer entführen, dann verzaubern, dann wieder in sein gewohntes Umfeld etablieren ohne dass jemand verdacht schöpft, und so stets mehrere andere Gruppenmitglieder involviert waren, bin ich der Meinung, dass der Zauber gut gebalancet ist ( in Unserer Regelinterpretation ist eine Kaskadierung nicht erlaubt, allerdings kann die Aufgabe durchaus verschiedene Unterpunkte und Einschränkungen haben etwa: Töte den Kaiser, wenn du dabei erwischt wirst nenne nicht meinen Namen, benutze einen vergifteten Dolch usw.). In diversen anderen Foren gibt es zum Teil Recht hitzige Debatten ( häufig unter Zuhilfenahme der sog. PG-Keule) um diesen Zauber, allerdings meine ich herauszuhören, dass ein Großteil derjenigen, die da streiten, den Zauber bisher nicht aktiv durch SCs in ihrer Runde gebraucht haben, deshalb wollte ich einfach mal nach euren persönlichen Erfahrungen mit diesem Zauber fragen.

  • Soweit ich weiß darf der Zauberzwang nicht gegen die moralischen Grundsätze und Überzeugungen des Opfers verstoßen. Und jemanden zu finden, dessen moralische Überzeugungen Mord mit einschließen, ist sicher nicht so leicht. Außerdem darf der Zauberzwang auch nicht offensichtlich tödlich sein. Das alleine schränkt die Art und Weise des Gebrauches schon drastisch ein. Bring doch mal ein paar Beispiele, wie du ihn bisher verwendet hast!

    In der Sprachkunst nennt man es eine Metapher, wenn etwas »nicht im eigentlichen Sinne gebraucht wird«. Also sind Metaphern die Perversitäten der Sprache und Perversitäten die Metaphern der Liebe.


    Karl Kraus

  • Ich habe den Zauberzwang bisher unter anderem in Folgender Situation verwendet: Ein Baron hatte uns den Auftrag gegeben einen Druiden zu ihm zu bringen, gegen dessen willen wir also den Druiden gefangen und hingeschliffen. Da wir das seltene Artefakt des Druiden nicht mitgenommen haben, der Baron dieses jedoch haben wollte, wollte er uns nicht bezahlen, woraufhin der halbelfische sg nach komischer tulamidischer Assassine einen Axxeleratus macht zum Baron sprintet und droht diesen zu enthaupten wenn wir nicht bezahlt werden. Wir wurden dann bezahlt, mussten jedoch fliehen. In der Nacht sind dann mein Hexer und der sg über das Fenster ins Schlafzimmer des Barons eingebrochen haben ihn an einen Stuhl gefesselt und ihn mit einem Zauberzwang belegt: "tue nichts was uns direkt oder indirekt schaden könnte"

  • Ich kenne den Wortlaut des Zaubers nicht, aber ihr wollt den Baron dazu bringen genau das Gegenteil von dem zu tun was er gerade eigentlich vor hatte? Das erscheint mir doch etwas abwegig. Davon abgesehen dürfte das doch ziemlich schnell auffallen zumal ihr ja bereits offen gezeigt habt das zumindest einer von euch Magieanwender ist. Ich denke da könnt ihr auch schnell ein paar Bannstrahler o.ä. auf den Fersen haben. Mir erscheint diese Anwendung zumindest nicht angebracht.

  • Der Zauber darf ja nur nicht gegen moralische Grundsätze verstoßen bzw. offensichtlich tödlich sein. Bei einem Praiosgeweihten würde das sicher nicht funktionieren. Das nicht Verfolgen von Personen, welche er um ihren gerechten Lohn betrügen wollte lässt sich allerdings moralisch durchaus rechtfertigen. Die Verfolgung hingegen nicht. Ein persönlicher Groll gegen jemanden welcher mich mit einem Schwert bedroht schützt imo nicht vor den Auswirkungen eines Zauberzwanges.
    Anders sähe die Sache sicher bei einem Blakharaz Paktierer aus, deren "Moralkodex"
    *hüstel* durch das Verbot Rache zu nehmen massiv eingeschrenkt würde.
    Solange der Baron also kein Paktierer ist, Praiot kann er nicht sein, sonst hätte er uns wie vereinbart bezahlt, verstößt der Zauberzwang nicht gegen die Regeln.


    PS: in unserer Gruppe werden Regeln idR RAW interpretiert, da besteht einfach eine höhere Sicherheit, bisher auch keine Hausregeln.

  • Ahem, das jemand der einen anderen um an Geld zu kommen mit dem Tode bedroht bestraft gehört dürfte den moralischen Grundsätzen der meisten Menschen entsprechen. Insbesondere dürfte das beim Rondra- und Praiosgefälligen Adel der Fall sein, insbesondere wenn ein Adeliger der geschädigte ist und unlizensierte Magie eingesetzt wurde...


    Klar kann der Baron eigentlich auch ein feiger Krämer sein dem der Schreck tief sitzt so plötzlich angegriffen worden zu sein, anderherum ist es für einen arroganten, selbstverliebten Adeligen aber auch nicht unbedingt Betrug ein paar Gemeine eine Belohnung zu verweigern wenn deren Aufgabe nicht so erfüllt wurde wie er sich das vorgestellt hat.

  • Im ersten Satz fehlen ganze 5 Kommata (Yeah Grammarnazi), da musste ich erst mal überlegen ... ;)
    Der Adelige ist aber nicht der Geschädigte, sondern widerspricht der praiotischen Gerechtigkeit, indem er seine Abmachung nicht einhält.
    Und unlizensierte Magie ist nicht strafbar, nur wenn du sie gegen Geld anbietest oder jemand Anderem damit schadest.
    Und der Axxeleratus hat keines von Beidem erfüllt und ist auch kein soo auffälliger Zauber, dass man ihn sofort enttarnt.


    Und wenn er ein Adeliger zweiter Kategorie ist, dann scheint seine Moral ja eh ein dehnbarer Begriff zu sein.


    Also ich finde den beschrieben Einsatz des Zauberzwangs ganz schön.

    "Er hat die Grenzen der Unwissenheit erweitert. Im Kosmos gibt es vieles, von dem wir überhaupt nichts ahnen."
    Die beiden Männer sonnten sich in dem herrlichen Gefühl, weitaus weniger zu wissen als gewöhnliche Leute, die nur von gewöhnlichen Dingen nichts wussten.

  • Die Handlung des Opfers darf nicht deren moralischen Grundsätzen widersprechen. Da Moral jedoch nicht intersubjektiv Teilbar ist, ist es vollkommen egal ob die Handlungen des Täters nun moralisch Rechtfertigbar sind (allein das belegen einer Person mit einem Zauberzwang stellt ja schon ein todeswürdiges Verbrechen dar), solange die moralischen Grundsätze es dem Opfer nicht verbieten zu lügen, kann es den Täter im oben geschilderten Fall nicht verraten.
    Zum Thema moralische Grundsätze: das Wort Grundsatz impliziert, dass der "Satz" Grundlage allen Handelns ist d.h. er ist allgemeingültig (für jede Handlung deiner Person) und verbindlich. Die Verbindlichkeit entsteht hier nicht aus einem äußeren Zwang heraus, sondern aus einem inneren Sittengesetz, d.h. man will moralisch Handeln, und zwar nicht um irgend etwas besonderes zu erreichen, sondern nur um moralisch zu handeln (Moralität ist also Selbstzweck). Wenn nun also eine Person bereit ist, aus welchem Grund auch immer, sei es weil ich sie mit 1000 Dukaten besteche, entgegen dieses Sittengesetzes zu handeln, so muss auch der Zauberzwang wirken um eben diese Zuwiderhandlung herbeizuführen, denn offensichtlich hinterliegen ihrem Handeln keinerlei moralische Grundsätze. Ein solcher moralischer Grundsatz ist stets ein Imperativ ( also: "Lüge nicht!", nicht: "Ich soll nicht lügen.") und als solcher kategorisch (d.h. unbedingt).
    Fazit: Nur eine Person welche bereit ist ihrem inneren Sittengesetz unbedingt, also in jeder Situation zu gehorchen, ist vor dem Zauberzwang geschützt, gegen jedwede andere Person wirkt er ohne Einschränkung (außer natürlich er verstößt gegen die "offensichtlich tödlich" Auflage).


    PS: ja das ist Kant

  • Finde auch Firl Gorbas Einsatz des Zauberzwangs in dieser hier beschriebenen Form regelkonform. Bei mir als Meister würde das so kein Problem darstellen.

    In der Sprachkunst nennt man es eine Metapher, wenn etwas »nicht im eigentlichen Sinne gebraucht wird«. Also sind Metaphern die Perversitäten der Sprache und Perversitäten die Metaphern der Liebe.


    Karl Kraus

  • Um noch mal auf meine eigentliche Frage zurück zu kommen: Welche Erfahrungen habt ihr bis jetzt mit dem Zauberzwang gemacht? Benutzt ihr den in eurer Runde? Ist er gehausregelt?

  • Der Zauberzwang dient letztendlich dazu jemanden dazu zu bringen etwas zu tun was er normalerweise nicht tun würde. Aus einem "das verstösst gegen seine Absichten" jetzt ein Fehlschlagen des Zauberzwangs herbeizukonstruieren vernichtet jegliche Nutzen des Zaubers. Insofern sollte man die Moralvorstellungen schon eng definieren. Allerdings stellt sich die Frage wie es z.B. mit Phexgeweihten ist. Der Zauberzwang bringt ihnen normalerweise keinen Vorteil. Sind sie also immun gegen den Zauberzwang? Was ist wenn ich meinem Helden einen Moralkodex "Tue nur was du willst" andichte. Der schränkt mich nicht im Geringsten ein. Am Besten greife ich dabei noch GP bei der Generierung ab. Es macht mich aber immun gegen den Zauberzwang. Das kann es auch irgendwie nicht sein. Ich habe Verständnis dafür, dass es nicht offensichtlich tödlich sein darf, aber mit dem Nichtverstoßen gegen irgendwelche Moralvorstellungen ist man mMn über das Ziel hinausgeschossen.


    Aber zu meinen Erfahrungen mit dem Zauberzwang: Ich haben 4 Helden die den können, allerdings habe ich ihn nur bei einem etwas gesteigert. Ich habe mich aber noch nie getraut ihn anzuwenden. Das Problem ist, das ich bei bei einem derart mächtigen und langwirkenden Zauber Kontrollverlustängste bei meinen SLs befürchte, was meist dazu führt, dass irgendwelche Umstände konstruiert werden, warum er noch klappt/auffliegt und dem Spieler in seine Grenzen zu weisen.
    Als Anwender ist das natürlich ärgerlich wenn die Möglichkeiten zugedreht werden, allerdings halte ich die Sorge nicht für ganz unbegründet. Ich kenne den einen oder anderen Mitspieler, die hin und wieder von Anfällen von Größenwahnsinn gepackt werden, bei denen ich mir nicht sicher wäre, dass sie mit der Macht des Zaubers verantwortungsvoll umgehen, in dem Sinne, dass es dem Spiel der Gruppe zu Gute kommt. Wenn die Gruppe eine plotgetrieben Kampagne und eng am offiziellen Aventurien spielen will und ein Spieler starten den Ego-Trip: Kaiser des Mittelreichs/Horasreichs zu werden in dem er genug Leute beherrscht, macht man schnell das Spiel für die Gruppe kaputt. Insofern halte ich es für sinnvoll hier im Vorfeld abzuklären was man bezwecken will und Vertrauen aufzubauen, die geplante Kampagne nicht zu sabotieren. Dazu gehört:


    * Verhalte dich generell verantwortungsbewusst und sensibel gegenüber dem gemeinsamen Zielen der Gruppe. Wenn du auch sonst das PG-Sorgenkind des Meisters bist, wirst du es schwer haben.


    * Vermeide die theoretisch mögliche Kaskadierung und Dauerhafte Beherrschung "Sei nie wieder ungehorsam". Definiere vielmehr einen Zweck und/oder einen Zeitraum. Definierte Zusagen lassen sich leichter unterschreiben als Blankoschecks


    * Sprich mit dem SL im Vorfeld ab, wieviel Macht du sammeln darfst. Evtl. machen so absprachen Sinn wie: Wenn der Held den X erreicht, wird er zum NSC und nicht weitergespielt weil es nicht mehr zur geplanten Kampagne passt. Solche Absprachen entspannen den Meister, da er weiß das eine bestimmte Grenze nicht überschritten wird und geben dir Freiheit innerhalb eines abgesprochenen Rahmens zu agieren ohne gegen Meisterwiderstand zu rennen.


    * Besprich im Vorfeld die Absichten, Konsequenzen und Pläne die du mit dem Zauberzwang verbindest. Ein beherrschter persönlicher Leibdiener, der die Behausung des Helden in Ordnung hält während er auf reisen ist, wird normalerweise nicht stören. Wenn du anfängst dir ein Heer von Beherrschten aufzustellen oder in allen aventurischen Städten Schläferzellen von NSC in Machtpositionen anlegst, wird so manchem SL mulmig.