Crossgender im Rollenspiel

  • Spielt jemand "glaubhaft" einen Elfen oder Zwerg? Oder Thorwaler? Spielt außer bei Betörungen das Geschlecht beim FRPG (außer bei manchen Völkern wie Novadis) eine spielbare Rolle, außer vielleicht bei Bekleidungs- (es gibt mehr Bekleidungstücke für Frauen!) und WC-Fragen?

    Früher wurden alle Rollen im Theater von Männern gespielt - auch Romeo und Julia ... was die konnten (sich über das Haar streichen), dürfte wir (hach!) doch schon längst können, nicht wahr Schätzchen.

    Ich behaupte gar es ist leichter sich als Mann/Frau zu "verkleiden" als ein Zwerg oder Elf - oder gar Ork - darzustellen.

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • Jede/r SL in DSA beherrscht Verkleiden, Verkörpern und Vergendern per Definition mit TaW 30.

    Anders könnte man kaum eine/n NSC glaubhaft darstellen.

    (Muss ich auf BKL-Dämonen hinweisen?)

    Egal, was die Frage ist - Schokolade ist die Antwort!

  • Buchautoren und -autorinnen und andere kreative Menschen sollten das auch können. Auch wenn man einen Unterschied der Darstellung merkt, wie bei Harley Quinn. Da merkt man, ob ein Mann oder eine Frau Regie geführt haben.

  • Wer bestimmt eigentlich, ob das nun gekonnt ist oder nicht? Solange die Gruppe damit glücklich ist, ist doch alles OK.


    Wenn ich eine Hexe spielen würde, wäre es auch eine Frau und kein Mann.

    Oder falls ich mal Lust bekäme, eine Amazone zu spielen...drauf verzichten, weil man das falsche Geschlecht hat?


    Ich blende meine Mitspieler grundsätzlich aus und stelle mir die Charaktere vor, wie sie beschrieben werden.

    Krieger Alrik sitzt ja nicht im Pulli auf dem Sofa sondern in seiner Rüstung auf dem Gaul.


    Und wenn das bei den NPCs funktioniert, geht das auch bei SCs.


    Völlig egal, wer man ist, entscheident ist, was man aus siener Rolle macht.

  • Ich behaupte gar es ist leichter sich als Mann/Frau zu "verkleiden" als ein Zwerg oder Elf - oder gar Ork - darzustellen.


    Das hängt von der Persönlichkeit und vom Medium ab. Im Liverollenspiel würde man kaum jemandem das andere Geschlecht abnehmen, Elfen oder Zwerge dagegen gehen. (Wobei das auch von der persönlichen Optik abhängt. Zierliche Männer mit langen Haaren geben so gut wie nie überzeugende Frauen ab, sehr wohl aber überzeugende Elfen, und Frauen mit Damenbart sind beim Zwergenspiel auch dann klar im Vorteil, wenn man sie an der Stimme eindeutig als Frauen erkennt.)


    Orks sind wiederum eine Frage davon, wie viel Zeit man bereit ist, morgens im Bad zu brauchen, und wie lange man unter der Latexmaske zu schwitzen erträgt.


    Im Pen&Paper hat man den klaren Vorteil, dass die Optik nicht passen muss. Da hängt's dann an der Persönlichkeit.


    Auch da hat man beim Geschlecht allerdings den Nachteil, dass keine Elfen, Zwerge oder Orks mit am Spieltisch sitzen, sehr wohl aber Personen des anderen Geschlechts. Meistens jedenfalls.



    Muss man das fremde Geschlecht perfekt darstellen können? Aus meiner Sicht muss man das nicht, was zählt ist der Spielspaß. Wenn man sich darin aber üben will - um dann auch Meisterfiguren oder Romanfiguren glaubhafter darstellen zu können, dann ist das Rollenspiel doch der ideale Ort.


    Perfekt nicht, ein bisschen Mühe sollte man sich aber schon geben, damit der Spielspaß aller erhalten bleibt.


    Bei den üblichen Horrorstories drängt sich meist der Verdacht auf, dass der Versuch passender Darstellung erst gar nicht gemacht wurde.

    Am häufigsten anzutreffen ist da sicher die großbusige Blondine die alle Probleme mit Betören löst und dabei eine derartige Wahllosigkeit an den Tag legt, dass sie von echten Frauen als Rufschädigung empfunden wird, neulich las ich aber auch mal von einem Mann, der eine Kriegerin spielte, die sich eher burschikos gab ... und einer Mitspielerin, die eine auf ihre Schönheit bedachte Dame spielte vorhielt, sie spiele ihren Charakter falsch und so dürfe man Frauen doch nicht darstellen. :D


    Jede/r SL in DSA beherrscht Verkleiden, Verkörpern und Vergendern per Definition mit TaW 30.

    Anders könnte man kaum eine/n NSC glaubhaft darstellen.


    Na ja, nur weil man SL ist, heißt das ja nicht, dass man darin automatisch Weltklasse ist. Jeder hat mal angefangen, und manche wursteln sich auch nach Jahren einfach irgendwie durch. ;)


    Lustigerweise war der einzige SL der mir je begegnet ist, der was dagegen hatte, dass Spieler das andere Geschlecht darstellen, auch der einzige, bei dem NSC nie weiblich waren, wenn sein Plot es nicht absolut erforderte.

    (Was dann im Endeffekt seltsamer wirkte, als wenn seine weiblichen Stadtwachen exakt das gleiche gesagt hätten was männliche Stadtwachen gesagt hätten. Betörenproben wurden in dieser Gruppe nie gewürfelt, das fiel also weg.)

    (Muss ich auf BKL-Dämonen hinweisen?)

    Dämonen sind noch mal eine ganz andere Sache.


    Wobei, die könnte man vielleicht gut darstellen, indem man auf einer Seite mit RPG-Horrorgeschichten die schlimmsten Darstellungen raussucht und die nimmt. :/

    Buchautoren und -autorinnen und andere kreative Menschen sollten das auch können.

    Im Prinzip ja, es gibt aber oft Beschwerden darüber, dass sie es eben nicht können.


    Bei Harry Potter gab es z.B. die Beschwerde, er beschäftige sich viel zu wenig damit, über die Attraktivität weiblicher Mitschülerinnen nachzudenken und sei mithin kein realistischer pubertierender Junge.


    (An den Verkaufszahlen scheint das allerdings wenig geändert zu haben. Man kann sich ja auch fragen, ob man das eigene peinliche Pubertätsverhalten unbedingt in allen realistischen Details in einem Fantasybuch lesen möchte, oder sich nicht lieber doch einbildet, man hätte an Harrys Stelle selbstverständlich hauptsächlich über das möglichst effiziente Bekämpfen von Dark Lords nachgedacht. ;) )


    Mal aus Neugier: Was fällt denn bei Harley Quinn auf?

  • Wie absurd LARP aussehen kann, können wir kurz in Astropia und frecvhwitzig-länger bei Bernds NERD-Show ansehen.

    Und im RPG geht es niemals um "glaubhaftiges" Spielen ... in einer Welt mit Magie, Drachen und chaotischen Zeit(geschichts)zonen ;)

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • Nachdem ich ein paar Jährchen ein paar Jungs gespielt habe, ist mir aufgefallen, dass sie bei der Damenwelt irgendwie recht beliebt sind. Warum genau weiß ich nicht, sie sind eigentlich ganz normale Menschen, haben Stärken, haben Schwächen. Ihre Motivationen und Hintergründe und eigentlich eine recht unterschiedliche Einstellung zum anderen Geschlecht oder auch mal demselben. :/


    Mal aus Neugier: Was fällt denn bei Harley Quinn auf?

    Ganz kurz: in Birds of Prey reicht eine Dame der Andern während des Kampfes einen Haargummi, damit die Haare weniger stören, eine Alltagsgeste.

    I ♡ Yakuban.

  • Ganz kurz: in Birds of Prey reicht eine Dame der Andern während des Kampfes einen Haargummi, damit die Haare weniger stören, eine Alltagsgeste.

    Ah, verstehe. Sowas ist natürlich nett und realitätsnah, die Abwesenheit stört aber auch nicht unbedingt.


    Nachdem ich ein paar Jährchen ein paar Jungs gespielt habe, ist mir aufgefallen, dass sie bei der Damenwelt irgendwie recht beliebt sind. Warum genau weiß ich nicht, sie sind eigentlich ganz normale Menschen, haben Stärken, haben Schwächen. Ihre Motivationen und Hintergründe und eigentlich eine recht unterschiedliche Einstellung zum anderen Geschlecht oder auch mal demselben. :/


    Bei den weiblichen NSC, oder bei den SC von Mitspielerinnen?


    Ich stelle mir vor, dass gelegentliche Flirts zwischen SC viel unverkrampfter vor sich gehen, wenn beiden Parteien absolut klar ist, dass es rein Ingame ist. Das könnte dazu beitragen. :/

  • (Ingame ...? ... :idee: Jetzt verstehe ich wieso ich nie die Axt mitbringen durfte obwohl ich einen Thorwaler spielte. Eigentlich sollte das bei "erfahrenen" RPGer klar sein, dachte ich.

    Haargummi - wann spielt ihr - 2045 BF? :lach: )

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • In Aventurien erlauben die fehlenden Rollenbilder (in den meisten Regionen) und damit verbundene Assoziationen und Erwartungen ohnehin mehr Möglichkeiten in der unproblematischen Darstellung.

    Gedichte lesende, sensible Männer? Mutige Ritterin, die sich jedem Drachen entgegenstellt? Passt. Genau umgekehrt? Passt auch. Klein, groß, stark, schwach? Gibt es nich, Männer und Frauen werden üblicherweise immer nach dem selben Zahlen-Regelwerk abgehandelt.

    Es gibt in Aventurien (in den meisten Regionen) kein 'Frauen sind so', und 'Männer sind so', und damit kein 'sind sind sie so nicht, sind sie keine 'richtigen' Frauen oder Männer'.

    Es ist ein Rollenspiel in einer Fantasywelt, wer will da beurteilen außer Spieler*in, ob der männliche/weibliche Charakter richtig oder falsch gespielt ist. Ich finde, da sollte man/frau sich wenig Sorgen machen.


    Ich kenne es über sämtliche Gruppen und Systeme hinweg nicht anders, dass dass jeder und jede am Tisch das Geschlecht spielt, was gespielt werden möchte.

    Persönlich habe ich als Spielerin auch nie gedacht 'das ist doch so mein Mann' oder etwas in der Art. Warum auch.

  • Ich finds immer wieder spannend wenn solche Themen aufkommen. In meinem Bekanntenkreis, also den Leuten, mit denen ich spiele, gibt es das Thema praktisch nicht und ich spiele sehr selten mit Leuten, die ich nicht kenne. Gleichberechtigung unter den Geschlechtern ist bei uns sowohl am Spieltisch und auch im Allgemeinen eine Selbstverständlichkeit und darstellen sollte meiner Meinung nach jeder was sich zugetraut wird. Als Frau einen Mann zu spielen, oder als Mann eine Frau ist für mein Verständnis jetzt auch nur ein Prozess des Umdenkens. Eine andere Rasse im Rollenspiel darzustellen wird interessanterweise weniger kritisch betrachtet. Technisch gesehen wäre das trans-species Rollenspiel. :D

    Ich selbst bin non-binary und meistens Spielleiter womit ich Rollen jeglichen Geschlechts und Rasse darstelle und tatsächlich darauf achte, gerade im gleichberechtigten Aventurien, unser klassisches Rollensmodell komplett zu ignorieren wenn es um Berufe und Status usw. geht. Diese festgefahrenen Bilder der Geschlechterrollen halten sich so widerlich hartnäckig und im mittelalterlichen Rollenspiel wird das schnell nochmal veschärft. Also in den Müll damit, notfalls mit Gewalt.

  • Mir persönlich wurde auch schon mal vorgeworfen ich wäre sehr Klischeehaft wenn ich meine Dramaqueen spiele. Aber was ist Klischee und was ist „Standart“ oder was? So etwas gibt es doch gar nicht oder sehe ich das falsch?

    Persönlich hab ich schon burschikose Frauen kennengelernt aber auch so was von „Tuntenhaften“ alle Klischees bedienende Männer. Da kann mir doch niemand erzählen so wie ich meinen Rollenspiel Charakter spiele das wäre falsch.

    Es lässt sich in einer Gruppe streiten wo die unterschiedlichen Schwerpunkte beim ausspielen von Szenen liegen. Man kann sich daran stören, aber meiner Meinung nicht ob ein Charakter „richtig“ oder „falsch“ gespielt wird.

    Überführte, kleptomanische Witze-Diebin

  • Wie der Charakter tickt, entscheidet sowieso die spielende Person, völlig unabhängig vom Geschlecht. Wenn ich meinen Beilunker Reiter spiele, tritt er für Frauenrechte ein (heißes Thema für einen rohajatreuen Almadaner unter Selindian Hal) und gleichzeitig für praiosgefällige Pflichterfüllung. Da kriege ich auch manchmal zu hören, das wäre ja kein „echter Almadaner“, die wären schließlich alle beim Erbrecht chauvinistisch und ohnehin nicht gesetzestreu, sondern aufsässig und hitzköpfig (nicht dass er sonderlich geduldig wäre).

    Was Klischee und was Standard ist, sieht sowieso jeder anders. Es gibt weder „die Frau“ noch „den Almadaner“. Es gibt Individuen, die durch ihr Aufwachsen geprägt werden und diese Prägung je nach Charakter entweder ausleben oder auf den Müll werfen. Das ist meiner Meinung nach nicht ans Geschlecht gekoppelt.

    Es gibt immer einen weiteren Alrik.

  • Es lässt sich in einer Gruppe streiten wo die unterschiedlichen Schwerpunkte beim ausspielen von Szenen liegen. Man kann sich daran stören, aber meiner Meinung nicht ob ein Charakter „richtig“ oder „falsch“ gespielt wird.

    Grundsätzlich gebe ich dir absolut recht. Aber mir fallen schon Konstellationen ein, wo Crossgender-Rollenspiel in der Darstellung deplaziert ist: wenn chauvinistische Cis-Männer die obligatorische Kämpferin im Kettenhemd-Bikkini darstellen möchten, die jegliche Situation mit sexuellen Reizen zu lösen versucht. Das Thema "Crossgender im RPG" hat durchaus Tiefe und viele Facetten, aber diese negativen Erlebnisse am Spieltisch haben die ursprüngliche Diskussion sicherlich erst ausgelöst.


    Im übrigen findet man dieses Phänomen, das ich jetzt mal vereinfacht als "crossgender-Misssbrauch" bezeichne, meist gar nicht bei den Spieler*innen, sondern bei der Spielleitung, die viel öfter mit diesem Rollenkonflikt konfrontiert ist. Und dann werden eben z.B. ständig willige Schankmaiden mal einfach so "handgewendelt".

    Und aus dem Chaos sprach eine Stimme: ´Lächle und sei froh, denn es könnte alles viel schlimmer kommen.` Also lächelte ich, war froh und es kam schlimmer...


    Im Balash gibt es auf alle Waren 19% Mherwed-Steuer

  • Orientiert sich der Spieler an Serien wie Vikings und GoT...lösen Frauen ihre Männerprobleme stets mit ihrem Geschlechtsteil und etwas Verrat, Gewalt oder Gift...

    Kommt ein Neuspieler mit entsprechender Vorprägung zum RPG, hat der SL erstmal ne Menge Arbeit vor sich.

  • Aber was ist Klischee und was ist „Standart“ oder was? So etwas gibt es doch gar nicht oder sehe ich das falsch?

    Das denke und finde ich ebenfalls. Am ehesten könnte man einen gewissen Standard oder Durchschnitt in den Eckrahmen an einer Kultur und Profession festmachen, aber in den aventurisch seltensten Fällen am Geschlecht. Deshalb sollte es in meinen Augen beim Crossgender spielen eigentlich besonders wenig Hinderungsgründe (und Bedenken) geben.

  • Es lässt sich in einer Gruppe streiten wo die unterschiedlichen Schwerpunkte beim ausspielen von Szenen liegen. Man kann sich daran stören, aber meiner Meinung nicht ob ein Charakter „richtig“ oder „falsch“ gespielt wird.

    Grundsätzlich gebe ich dir absolut recht. Aber mir fallen schon Konstellationen ein, wo Crossgender-Rollenspiel in der Darstellung deplaziert ist: wenn chauvinistische Cis-Männer die obligatorische Kämpferin im Kettenhemd-Bikkini darstellen möchten, die jegliche Situation mit sexuellen Reizen zu lösen versucht. Das Thema "Crossgender im RPG" hat durchaus Tiefe und viele Facetten, aber diese negativen Erlebnisse am Spieltisch haben die ursprüngliche Diskussion sicherlich erst ausgelöst.


    Im übrigen findet man dieses Phänomen, das ich jetzt mal vereinfacht als "crossgender-Misssbrauch" bezeichne, meist gar nicht bei den Spieler*innen, sondern bei der Spielleitung, die viel öfter mit diesem Rollenkonflikt konfrontiert ist. Und dann werden eben z.B. ständig willige Schankmaiden mal einfach so "handgewendelt".

    Haben wir noch Kettenbikini tragende Schwertschwingerinnen? Ich hab noch keine erlebt. Aber wer das will, es gibt ja auch entsprechende Settings, kann das ja auch gerne so ausspielen. Darüber muss sich halt die Gruppe einig sein das alle das wollen.


    Und ja, das mit den allseits willigen Schankmaiden und Schankbuben soll es wohl geben. In meiner Gruppe war das nie ein größeres Thema und wenn, hat der Held am anderen Tag mal einen oder zwei Dukaten vermisst. 🤷‍♂️ Aber wie gesagt, sowas kommt äusserst äusserst selten vor.


    Wenn sich spontan Fremde zu Gruppen zusammenschließen, auf Cons zB, hat man ja selten Zeit so etwas auszuspielen. Da wurde ich mal gefragt, „Du bist ja so ne richtige Dramaqueen?“, weil meine Phexgeweihte halt gerne mal dramatisiert, aber das fand ich eher als Bestätigung meiner Art sie zu spielen.


    Wie gesagt, ich finde es gibt kein richtig und falsch, nur ein, ja wir als Gruppe wollen so spielen und haben Spaß daran.

    Überführte, kleptomanische Witze-Diebin

  • Crossgender-Rollenspiel ist doch eigentlich nicht das Problem, jeder Spielleiter muss dies früher oder später mal machen. Für mich sind die ideologischen Rollenspieler eher ein Problem, die ihre moderne Weltanschauung ins Spiel einbringen und dabei den Hintergrund absichtlich ignorieren, weil bestimmte Aspekte ihnen aus ideologischen Gründen nicht gefallen.

  • Haben wir noch Kettenbikini tragende Schwertschwingerinnen? Ich hab noch keine erlebt. Aber wer das will, es gibt ja auch entsprechende Settings, kann das ja auch gerne so ausspielen. Darüber muss sich halt die Gruppe einig sein das alle das wollen.

    Jetzt wo du's sagst ... ich bin tatsächlich mal einer begegnet. Es war zwar ein Lederbikini, aber er war schwarz, und, naja.

    Die wurde tatsächlich von einem Mann gespielt.

    Und zwar nicht in einer Gruppe, in der alle so spielen wollten, sondern bei sowas wie der von dir beschriebenen Con-Situation. (Ich habe einen großen Bogen darum gemacht.)


    Sowas finde ich dann Frauen, die diesem Spielstil nicht zugestimmt haben gegenüber respektlos.


    Besonders, wenn der Mann mit weiblichem Char ihnen dann vorwirft, sie spielten ihre weiblichen Chars falsch.

    (Ob ein Mann eine burschikose Amazone spielt, und behauptet, sanftmütige Burgfräulein würden in einem mittelalterliche Setting ja "alle vergewaltigt" oder ob er eine lederbikinibekleidete Xena-Kopie spielt und den Frauen erzählen will ihre vollständig bekleideten Chars seien nicht "weiblich" genug, gibt sich nichts ... man sollte doch davon ausgehen, dass Leute ihr eigenes Geschlecht richtig darstellen können. Sagt ja auch niemand "Du spielst aber deinen Menschen falsch! Menschen sind eigentlich ganz anders!")


    Im übrigen findet man dieses Phänomen, das ich jetzt mal vereinfacht als "crossgender-Misssbrauch" bezeichne, meist gar nicht bei den Spieler*innen, sondern bei der Spielleitung, die viel öfter mit diesem Rollenkonflikt konfrontiert ist. Und dann werden eben z.B. ständig willige Schankmaiden mal einfach so "handgewendelt".

    Tatsächlich war der übelste Erfahrung die ich mit der Unfähigkeit, das andere Geschlecht zu spielen, je hatte, ein SL.


    Frauen kamen in den allermeisten Berufen erst gar nicht vor, aber als hübsche Schankmaiden natürlich schon. (Vielleicht wären sie auch ständig willig gewesen, aber es hat keiner versucht herauszufinden.)


    Orientiert sich der Spieler an Serien wie Vikings und GoT...lösen Frauen ihre Männerprobleme stets mit ihrem Geschlechtsteil und etwas Verrat, Gewalt oder Gift...

    Kommt ein Neuspieler mit entsprechender Vorprägung zum RPG, hat der SL erstmal ne Menge Arbeit vor sich.


    Oder der Spieler muss erstmal Herr der Ringe lesen bevor er mitspielen darf - ich hab bei Verhalten, das den Spielspaß der anderen stört, inzwischen einen recht kurzen Geduldsfaden.

    Ich höre mir zwar gern Geschichten an, in denen der Spieler, der seinen weiblichen Char als wahllose Nymphomanin darstellt, mal damit konfrontiert wird, dass sein Char dann jetzt eben neun Monate schwanger ist und nur noch eingeschränkt abenteuern kann (mal ganz realistisch eine Meile in den Schuhen anderer gehen zu müssen soll ja gelegentlich zu Erleuchtungen führen), oder der Murderhobo von der Stadtwache verhaftet wird und im Kerker sitzt während die anderen weiterabenteuern ... aber ich hege den Verdacht, dass solche erzieherischen Maßnahmen jedenfalls bei richtig erwachsenen Spielern über 25 in neunzig Prozent der Fälle nicht zu Einsicht, sondern zu Beschwerden über Spielleiterwillkür führen.


    Crossgender-Rollenspiel ist doch eigentlich nicht das Problem, jeder Spielleiter muss dies früher oder später mal machen. Für mich sind die ideologischen Rollenspieler eher ein Problem, die ihre moderne Weltanschauung ins Spiel einbringen und dabei den Hintergrund absichtlich ignorieren, weil bestimmte Aspekte ihnen aus ideologischen Gründen nicht gefallen.


    Erinnert mich an den Spielleiter, der der Ansicht war, dass Thorwal ein Patriarchat sein müsse, und einen Exilthorwaler sexistischer darstellte als es für den Durchschnittsmittelreicher angemessen wäre... wie er darauf kam, kann ich mir bis heute nicht erklären, denn laut Beschreibungen in den Büchern ist das Mittelreich total gleichberechtigt, Thorwal aber noch gleichberechtigter, frei nach dem Motto, alle sind gleich aber manche sind gleicher. :/


    Bei Spielern ist das eher weniger ein Problem, die können ihre Ansicht letztlich nicht gegen die Welt durchsetzen - wenn ein Spieler seinen Thorwaler als Chauvi darstellt, aber alle NSC-Thorwaler der Ansicht sind, dass dieser Kerl wohl als Kind einmal zu oft vom Wickeltisch gefallen ist, dann bleibt man im offiziellen Aventurien.


    (In "zu modernen" Ansichten sehe ich eigentlich kein Problem. Aventurien wurde während einer sehr progressiven Zeit in Deutschland erfunden, mithin sind da eigentlich die modernstmöglichen Weltanschauungen schon drin. Wer es nicht über sich bringen kann, einen Char zu spielen der den Feudalismus gut und richtig findet, kann Thorwaler oder Elfen spielen.)