Eine Lichtung nahe einer Stadt

  • Die kleine Lichtung liegt in einem lichten Buchenwald nahe eines kleinen Baches, der hier fröhlich plätschernd sein erfrischendes Nass in Richtung der nahen Stadt trägt, welches die selbe in einem wohl weit weniger erquicklichen - und auch weniger genießbaren - Zustand wieder verlassen wird. Eine leidlich ausgebaute Landstraße zieht sich unweit dahin, von der ein kleiner Weg hierher abzweigt, wo noch die dem Zerfall preisgegebenen Reste eines kleinen Bauernguts zu finden sind. Drei der Mauern stehen noch und hier und da sieht man auch noch etwas Dach, in der ehemaligen Remise findet sich sogar noch ein etwas angemoderter Karren, aber das Häuschen ist ganz offensichtlich schon lange verlassen. Auf eben dieser Lichtung - beim jungen Stadtvolk nicht unbekannt für romantische wie auch duelllastige Ausflüge steht derzeit ein weiß und gelb lackierter Streitwagen mit drei abgeschirrten, friedlich grasenden weißen Warunken daneben. Auf einem Stück Wiese hat sich Leomar von Mersingen Streitzig, seines Zeichens darpatischer Ritter und Rondrianer auf einer Decke niedergelassen und ein kleines, sehr einfaches Picknick vorbereitet. Ein Brotkorb, etwas Wurst, Butter und Käse stehen bereit, ein leichter lokaler Landwein wie auch ein kleines Fässchen Ferdocker und ein paar Krüge. Offenbar wartet er auf jemanden und ließt gerade noch einmal mit einem Schmunzeln im Gesicht einen Brief, den er vor einigen Wochen bekommen hat mit einer Einladung zu diesem kleinen Treffen.

    Noctum Triumphat

  • »Mist, schon wieder ein Baum! Das ist doch kein Wald hier. Wälder haben hell und licht zu sein. Von Unterholz hat keiner etwas gesagt. Und das Moos wächst auf allen Seiten und auch unter den Ästen. Wie soll man denn da die Richtung erkennen? Und dann dieWurzeln. Ich glaube das ist Absicht. Mitten auf dem Weg. Obwohl, Weg kann man das ja kaum nennen, Matschrinne wäre angemessener. Warum regnet das eigentlich immer, wenn ich mal die Stadt verlasse? In der Stadt wäre es nötig, allein um den Dreck von den Straßen zu spülen. Aber nein, dort regnet es nie. Aber hier. Schon gestern den ganzen Tag und vom aufsaugen hat der Boden hier auch noch nichts gehört. Das Wasser steht ja geradezu auf der Erde. Oh eine Lichtung ...«

    Leomar konnte die krächsende Stimme schon lange hören, bevor er ihren Urheber sehen konnte. Jetzt trat ein gebückter alter Mann auf die Lichtung. Als er ihn sah, blickte er erschrocken auf und machte für einen Moment Anstalten, wieder im Wald zu verschwinden, besann sich dann aber doch eines besseren und kam näher. »Ah, ein Ritter, wie ich sehe. Das trifft sich gut. Darf ich mich vorstellen, Brodleib Melcher von Bauchlingen, mein Name ...«

    Der Alte richtet sich zu seiner vollen Größe von wohl einem Schritt und drei Spann auf. »Und wenn ich gerade dabei bin. Hättet ihr vielleicht eine kleine Baronie für mich?«

    Der Alte seufzt und verbeugt sich. »Nicht dass ihr meint, dass ich unverschämt sei, nein, ganz im Gegenteil. Aber was soll ich machen? Ihr als Mann von Stand werdet es verstehen: Als König der Bettler kann ich euch doch nicht um fünf Heller bitten! Unter einem Gutshaus oder eine Schmiede geht da gar nichts. Aber ich bin guter Dinge und steige gewöhnlich ein wenig höher ein. Nun wie ist es mit der Baronie?«

    Der Alte zwinkert ihm vergnügt zu, schaut sich dann aber ängstlich um. »Sagt, habt ihr in der letzten Zeit hier einen Fließsandgolem gesehen? Oder vielleicht einen Vertreter der Heiligen Inquisition vom Orden der göttlichen Kraft? Ihr wisst schon, die mit der peinlichen und der hochnotpeinlichen Befragung?«

    Bei jedem Wort zittert der Alte wie Espenlaub vor Angst und es fehlte nicht viel und er hätte sich Leomar an den Hals geworfen, damit dieser ihn mit seinen starken Armen von allem Unbill Deres schütze.

    Erst als dieser versichert, dass er weder das eine, noch das andere gesehen hat, schlägt der Alte die Kapuze seines Mantels zurück und eine andere, Leomar wohlbekannte Stimme sagt: »Wie schön euch zu sehen Freund Leomar. Ihr habt euch gar trefflich auf unser Treffen vorbereitet. Darf ich dies dazu beisteuern?«

    Unter seinem Mantel holt er eine kleine Schachtel hervor und öffnet sie. »Feinstes Konfekt von ersten und einzigen Vertreter des horasischen Nougatpralinenkartells selbst gefertigt. Und wenn euch das nicht zusagt ...«

    Wieder ein Griff unter dem Mantel. »... ein luftgetrockneter Schinken von einem Schwein, dem es eine Ehre war, sein Bein für unser Festmahl herzugeben. Was - wenn ich mich nicht irre - nicht für den Händler zutrifft.«

    Abwehrend hebt er die Hände. »Nicht dass ich ihn gefragt hätte, ob ich sein Bein haben kann, so etwas käme mir nie in den Sinn - aber das gleiche wird er auch von diesem Schinken hier behaupten. Ich hoffe es wird euch dennoch munden.«

    Und sieht Leomar freundlich schelmisch an.

  • Leomar ist erst etwas verwundert über den alten, beim "König der Bettler" riecht er dann aber doch schon den Braten, auch wenn Gatien vorzüglich verkleidet ist. So geht er dann auch erst einmal gar nicht davon aus, dass es sich bei dem alten um Gatien selbst handelt - auch wenn das größenmäßig durchaus passen könnte, sondern sieht sich stattdessen noch einmal um. Denn das war gerade die Art Humor, dem er dem kleinen Altreicher zutrauen würde.
    "Tja, eine Baronie könnte ich euch vielleicht sogar besorgen, aber da müsstet ihr ersteinmal gewisse unfreundliche Herren von selbiger Vertreiben... Maraskan soll ja recht schönes Wetter haben um diese Jahreszeit... und eine wahrhaft einzigartige Flora und Fauna..." entgegnet er trocken, als der selbsternannte König ihn nach selbiger Unterkunft fragt.



    So schmunzelt er auch schon leicht, als Gatien sich dann zu erkennen gibt und meint "Ihr seid unverbesserlich nicht wahr, Signor? Nun ich weiß zwar nicht was Nougat ist, aber probieren würde ich es mal. Den unbezahlten Schinken muss ich aber wohl verschmähen, ich zähle mich selbst zu den Lichtsuchern und will es mir mit unserem Herrn Praios nicht verscherzen, auch nicht indirekt. Ich wäre übrigens vorsichtig mit meinen Fragen, auch wenn ich seiner Hoheit gerade gesagt habe, ich hätte niemanden vom Orden der Kraft gesehen, war das eher um ihn zu beruhigen... tatsächlich ist es gar nicht mal so lange her und besagte Inquisitorin kennt Mittel und Wege mich zum reden zu bringen..." wobei sein gespielt ernster Gesichtsausdruck schon andeutet, dass das irgendwo auch nur eine gewisse Art von Wahrheit war.

    Noctum Triumphat

  • »Na klar bin ich unverbesserlich!«


    Zwinkert Gatien Leomar zu.


    »Aber zumindest in diesem Fall muss ich den von euch genannten Orden nicht fürchten, ihr könnt beruhigt vom Schinken kosten, ich hab ihn von der Frau des Händlers gekauft. Mit relativ ehrlichem Silber ...«


    Der Schalk in Gatiens Augen blitzt, als er weiter spricht.


    »Aber euer Gnaden wird mir sicher sagen können, ob ich mich nicht irre. Den Schinken erwarb ich von der Frau des Händlers, aber ich weiß nicht, ob sie ihm das Silber gegeben hat oder ihm sagte, dass ich in einem wüsten Überfall ihn mir raubte. Aber damit nicht genug, das Silber selbst stammt von der Nordlandbank, bei der ich einen Wechsel einlöste, kurz nachdem ein Kapernfahrer einen Großteil seiner Beute bei der Bank ablieferte, um seine Schulden zu bezahlen. Es ist nur billig anzunehmen, dass das Silber von den unglücklichen Handelsfahrern stammt, die unglücklicherweise Bekanntschaft mit Säbel und Rotze des erstgenannten gemacht hatten. Den Wechsel selbst fand ich im Turm eines bösen Zauberers, vergaß aber zu fragen, ob er auch mit rechtmäßig und ehrenvoll erworbenes Vermögen bezahlt wurde, dessen Pläne aber zusammen mit der liebreizenden Sharmila saba al'Laila saba Neraidane Sala zu vereiteln ich das Vergnügen hatte ...«


    Ein Lächeln ganz anderer Art zeigt sich auf Gatiens Gesicht und für einen Moment scheint er ganz jemanden anderes statt Leomar zu sehen. Er seufzt glücklich.


    »Hab' ich euch schon gesagt, dass ich verliebt bin? Bis über beide Ohren und noch viel weiter?«

  • "Ich nehme auch stark an, dass die Inquisition besseres zu tun hat, als sich um Fälle von Mundraub zu kümmern..."


    Nachdem dann Gatien so lange die Vorgeschichte des Schinkens ausführt meint Leomar mit einem Schulterzucken "Naja, das ist jedenfalls ehrlich genug erworben für mich...
    Aber erzählt doch noch etwas von diesem Schwarzmagier? Wer war es denn und welche Pläne habt ihr durchkreuzt?"


    Bezüglich des verliebt seins kommentiert er "Kaum zu glauben, aber das habt ihr tatsächlich nicht..." und schmunzelt dabei. "Wer ist denn die glückliche?"

    Noctum Triumphat

  • »Meine Frau!«

    Sagt Gatien stolz. »Glaubt mir, noch nie war mir so bange, wie in dem fahrenden Travia-Tempel der alten ehrwürdigen Mutter Zelda, als ich sie fragte, ob sie meine Frau werden will. Und sie schaute mich an und sagte ...«

    Gatien springt auf, schlägt vor lauter Glück ein Rad und plumpst wieder neben Leomar auf seinen Platz. » ...ja!«

    Dann fängt er an, von ihr zu erzählen: »Meine Sharmila.

    Sharmila saba al'Laila saba Neraidane Sala. Sie ist nicht nur die schönste Frau, die ihr euch vorstellen könnt, nein, sie ist stolz und tapfer und lieb und fröhlich, aber was noch viel wichtiger ist, sie kann träumen. Im Licht der Phantasie baut sie euch Lüftschlösser so echt und bahaglich, dass ihr darin wohnen könnt. Wenn sie vom Wind erzählt, wird es euch frösteln und ihr schlagt den Kragen eures Umhangs hoch. Beschreibt sie das Feuer im Kamin, wird euch warm und ihr hört das knistern der Funken. Redet sie von einer

    Bandurria, könnt ihr die Musik hören. Fremde Länder sind ganz nah, Geschichten aus längst vergessener Zeit erwachen zum Leben, wenn sie nur daran denkt.«

    Gatien hält inne und lächelt Leomar an. »Soll ich es euch zeigen? Ein wenig davon vermag auch ich. Schaut genau hin ...«

  • Tatsächlich lässt sich Leomar auf dieses seltsame... wie auch immer man das wohl nennen würde ein und taucht ebenso wie Gatien hinüber in bessere Tage dieses ehemaligen Gutes. "Ist das... so eine Art Globule?" Fragt er, korrigiert sich dann aber "Aber das tut eigentlich nichts zur Sache oder...?"


    Der andere Teil des Raumes, den Gatien ihm weist ist eine geräumige Remise, in der einige Wagen stehen, teils zweiachsige Leiterwagen zum Transport des Heus, die schwer genug sind, dass man sie nicht groß festgezurrt hat, aber auch ein Einachsiger Karren der jetzt - unbeladen - auf seiner Deichsel gestützt gekippt ist und wohl wie eine Wippe schaukeln würde, stünde man darauf. Das Tor der Remise ist geöffnet und draußen sieht man - auch wenn das natürlich bei einem Bauernhaus nicht viel Sinn macht - den Innenhof einer Burg, oder wohl eher eines befestigten Anwesens, wie es einem ärmeren Ritter zustünde. Die berühmt berüchtigte Übungspuppe der Lanzenreiter mit Schild an einem und Sandsack an der anderen Hand dreht sich träge im Wind, einige solide Scheiben eines dicken Baumstumpfes sind auf einem Teil des Bodens verteilt um zu üben im Kampf über selbige Balancierend zu lernen auf den Untergrund zu achten ohne den Gegner aus den Augen zu verlieren und am Zaun, der das Übungsfeld eingrenzt lehnen allerlei Waffen verschiedenster Art, grobe Hämmer, schlanke Schwerter, lange Speere und kurze kräftige Äxte und Messer.



    Auf Gatiens Forderung hin sieht ihn Leomar fragend an "Ihr meint... aber was ist mit den Leuten hier?" Wie auf einen Wink hin - was wohl an der Natur dieses Ortes liegt, entfernt sich der Knecht und es ist auch klar, dass die beiden hier niemanden Unbeteiligten in Gefahr bringen oder mit ihrem Tun verärgern würden. Letztlich ist eben doch nur alles ein Traum... oder zumindest ziemlich nahe daran.


    "Wir haben uns sicherlich auch so noch viel zu erzählen, aber wer weiß, vielleicht können wir das ja verbinden und wenn nicht, dann werden wir sicherlich auch einmal eine Pause brauchen..." meint er dann lächelnd und zieht seinen getreuen Zweihänder. Das gute Stück ist noch immer das selbe, dass der Rondrianer damals trug. Eher schmucklos geradlinig, etwas veraltet im Design und sicherlich unter der Verarbeitungsqualität, die sich ein Baron wie Leomar leisten könnte, aber es war eben sein Schwert und wenn man beide so sah blieb wenig Zweifel, dass sie zusammen gehören. "Ich habe auch einiges gelernt in den letzten Jahren. Eine der lehrreicheren Lektionen war, dass meine Art zu kämpfen es schwer hat gegen vergleichbar erfahrene Kämpfer mit schlankeren schnelleren Klingen im Duell zu bestehen. Ich bin nunmal oft zu träge. Doch den einen oder anderen Kniff habe ich mir doch abschauen können. Wie euer Freund Mageba einst sagte "Ich bin hier um euch zu überraschen", vielleicht mag mir das ja tatsächlich einmal gelingen..."


    Mit diesen Worten, würde er dann - falls Gatien ebenfalls seine Waffen zieht - mit seiner linken Hand den Daumen zum Heft gerichtet etwa zwei Handbreit über der Parierstange an die Klinge greifen, während die rechte den Griff nahe an der Parierstange fest. Dank der Rinne in der Mitte der langen Klinge, welche in dem Bereich ohnehin nicht sehr scharf ist ginge dies sicherlich auch ohne Panzerhandschuh, auch wenn dieser wohl doch ganz angebracht ist, da Leomars Zweihänder keine Parierhaken wie der berühmte Rondrakamm hat. Gatien als erfahrener Kämpfer kann dann auch sehen, dass dieser sehr spezielle Griff Leomar wohl ein paar mehr Möglichkeiten gibt. Die Kontrolle über die Spitze seiner Klinge wird zweifellos größer sein, sein Griff wesentlich fester und auch wenn seine Reichweite etwas eingeschränkt ist, ragt die Klinge immernoch fast einen Schritt von seiner linken Hand heraus, so dass er gegenüber Gatien zumindest keinen Nachteil hatte und die Wucht seines Angriffs wohl nur zum Teil geringer wäre.

    Noctum Triumphat

  • »Dann will ich euch gerne Gelegenheit dazu geben, aber erlaubt mir, das ich eurem Vorbild eifrig nachstreben werde ...«

    Meint Gatien lächelnd und springt mit einem Satz nach hinten auf den sich drehenden Mühlstein. »Aber zuvor möchte ich euch noch warnen Freund Leomar: Unterschätzt nicht die Kraft von Geschichten. Ein Haimamud vermag einen Sultan zu stürzen, wenn er die Herzen der Krieger rührt und so mancher Baron flucht den Tag, an dem er die Zahori aus seiner Gemarkung verwies. Aber ...«

    Der Mühlstein hat sich zur Hälfte um seine Achse gedreht und schiebt Gatien nunmehr wieder näher an Leomar heran. »... noch schlimmer sind Geschichten, die nicht zu Ende erzählt wurden ...«

    Gatien zieht seine Waffe. Es ist nicht die Waffe, die Gatien auf dem Kampfplatz führte, die zweischneidige Klinge ist noch ein wenig schmaler, dafür aber merkbar dicker und wenn Leomar sich nicht irrt, von beinahe rombenförmigen Querschnitt. Der sehr spitze Ort geht nahtlos in zwei Schneiden über, die sich ihrerseits nach kaum der Hälfte der Klinge in eine lange Fehlschärfe verlieren. Ein kompliziertes Geflecht aus Parierstange und Korb schützt die Hand des kleinen Horasiers und Leomar mag die seltsame Art auffallen, mit der die Hand die Waffe hält: Statt wie bei einem Schwert den Griff der Waffe mit allen Fingern auf der einen und dem Daumen auf der anderen Seite zu umgreifen, liegt der Daumen auf dem Griff und zwei Finger umgreifen die Parierstange, sind aber durch das Geflecht des Korbes dennoch vor der gegnerischen Klinge geschützt.

    Der Ort der Waffe zeigt genau auf Leomars Herz. »... denn manchmal drängen sie in eine andere Geschichte, ohne dass ihr es mitbekommt. Und wenn ihr es dann merkt ...«

    Wie eine Schlange schießt Gatiens Waffe vor. »... dann ist es zu spät!«

    Mit einem Ausfallschritt will Gatien die Distanz zu Leomar noch schneller überwinden, dass der Mühlstein ihn dabei aber genau unter einen Balken getragen hatte, blieb dabei unbemerkt und er stößt mit dem Kopf dagegen, so dass die Spitze seiner Waffe eine Handbreit vor Leomars linker Schulter verharrt. Gatien springt zurück und verneigt sich. »Wenn ihr je nach Vinsalt kommt, richtet der dortigen Hutmachergilde aus, dass es eine ausgesprochen gute Idee war, den Hut zu polstern und zu verstärken. Sie sollen ein Schild in ihrer Gilde aufstellen: ›Hilft gegen alle bekannten Balken!‹ und es mit meinem Namen sgnieren«

  • Leomar behält Gatien gut im Auge und zieht erkennend eine Braue hoch, als er den Panzerstecher erblickt. Die Klinge erinnerte doch sehr an einen Scheibendolch, wie er ihn aus seiner Heimat kannte, wenn auch deutlich länger und offensichtlich eher auch zum kämpfen gebaut. Nichtsdestotrotz konnte er sich schon denken, dass dieses Ding recht geeignet sein würde in die wenigen Lücken seiner Panzerung zu stoßen. Leomar trägt wieder den geschwärzten Plattenpanzer, den er bei ihrer letzten Begegnung (?) trug und der fast seinen ganzen Körper einhüllte, wenn auch die typischen Schwachstellen - Gelenke, Achseln und nieder Regionen - "nur" von Kettengeflecht geschützt sind. Als Helm trägt er ein bsoparansiches Modell ohne Visier aber mit ausgeprägtem Nacken und Wangenschutz, schon um seinem Gegner nicht das Gesicht zu verbergen und selber besser sehen und Atmen zu können. Seinen Vollhelm trug er inzwischen nur noch wenn mit Lanzenreitern und Pfeilen zu rechnen war.

    Die Scharniere sind hervorragend gearbeitet und gut gepflegt und Gatien muss anerkennen, dass der darin geübte Ritter bei Leibe nicht so träge ist, wie man sich das gemein hin vorstellt.

    Als Gatiens Klinge nach vorne schnellt zuckt Leomars Shcwert schon nach oben, wobei Gatien merkt, dass der Rondrianer seinen Zweihänder in dieser ungewöhnlichen Stellung eher wie einen kurzen Speer oder beim parieren auch ein wenig wie einen Kampfstab führt. Hätte seine Klinge nicht angehalten, wäre sie wohl von der Spitze von Leomars nun schräg nach oben zeigender Waffe nach links weggelenkt worden. "Das richte ich der ehrenwerten Gilde gerne aus... Und wo ich schon einmal da bin, kann ich vielleicht auch gleich noch den werten Schustern für ihre rutschfesten Sohlen danken?" ergänzt er in freundlichen Frageton und greift dabei in einer fließenden Bewegung auch mit der rechten über dem Griff an die Klinge und lässt die Hände so vorschnellen, dass sich die relativ lange Parierstange des Zweihänders hinter Gatiens rechten Stiefel schiebtund dort einzuhaken droht. Im selben Moment stobt eine kleine Mehlwolke vom alten Mühlstein auf, als Leomar den Fuß gegen das drehende Mahlwerk stemmt und sich kräftig zurück stößt um genug Schwung zu bekommen Gatien umzureißen, sollte dieser nicht genug auf seinen Stand achten.

    Noctum Triumphat

  • Als Leomar Zweihänder wie eine Sense über den Mühlstein fegt, versucht Gatien erst gar nicht erst seine Waffe in ihren Weg der Klinge zu bringen, deren Parierstange sich schon hinter seinem Fuß befindet. Stattdessen springt er hoch, wirft den Dolch in die Luft, nutzt die freie Hand, um nach dem großen Zahnrad zu greifen, dass die Drehung der Hauptachse auf den Mühlstein überträgt. Noch an dem Rad hängend, führt er einen schnellen Stich gegen Leomars Arm, dessen Ellenbeuge sich ihm offen darbietet. Dann lässt er das Rad los, kommt federnd wieder auf dem Mühlstein zu stehen und streckt seine Hand aus, in die der Griff seines Dolchs schließt.

  • Als Gatien dem Versuch ihn auf den Mühlstein zu schubsen so geschickt umgeht, greift Leomar blitzschnell wieder um und fasst mit der rechten wieder an den Griff seines Schwertes. Die linke dreht sich etwas, so dass der Daumen nun in Richtung des Ortes zeigt und die Hand auch nur an einer Schneide fasst und schnell ist der Zweihänder wieder auf Gatien gerichtet, wobei der Rondrianer die Position seiner Waffe immer wieder nachkorrigiert. Auch seine Beinarbeit ist ein gutes Stück mobiler in dieser Position, als Gatien es bei ihrer letzten Bewegung gesehen hatte. Das ist nicht mehr das ruhige Abwarten mit der langen Waffe auf eine offene Gelegenheit zum Gegenhalten in einen Angriff hinein wartend, sondern wohl deutlich mehr auf die Arbeit "mit der gegnerischen Waffe" fixiert.

    Dem hochgeworfenen Dolch misst Leomar ersteinmal nicht allzu viel Bedeutung zu, verlagert sein Gewicht aber leicht, so dass dieser ihn nicht treffen würde, wenn Gatien ihn nicht fangen sollte. Beim neuerlichen Angriff des Horasiers entschließt er sich dann - wie schon so oft - zu einem größeren Risiko und versucht einen kleinen Vorteil daraus zu ziehen, dass dieser recht geradlinig und unverschnörkelt zustößt. Mit einer erneuten Änderung seiner Handstellung - die linke rutscht eine handbreit näher zum Heft der Klinge - gewinnt er etwas mehr freien Raum vor seiner linken und versucht in einer schnellen Bewegung den Panzerstecher abzulenken. Allerdings schlägt er ihn nicht einfach zur Seite, was zweifellos einfacher wäre, sondern nimmt kräftig aber kontrolliert Kontakt zwischen den Klingen auf, so dass die flachen Seiten einen Bruchteil eines Augenblickes aneinanderliegen. Anschließend dreht er seinen Körper ein, so dass die rechte Seite mit Schulter und Arm, die gerade noch etwas hinten war um den Ort auf Gatien zu richten, nach vorne rutscht und so der Zweihänder seine Position dergestallt verändert, dass sich die Parierstangen denen Gatiens nähern. Dabei dreht er seine Klinge über die Gatiens, hinüber, um dessen Bewegung zu brechen, aber dieser Teil gelingt ihm leider nicht so gut, wie er das gelernt hatte. So kann er zwar den Panzerstecher leicht zur Seite drehen, aber es genügt nicht um zu verhindern, dass dieser in seine Ellenbeuge stößt und dort die Ringe des Kettengeflechts sprengt. Wie es diesen Klingen oft zu eigen ist, ist der akute Schmerz der Verletzung gar nicht mal so schlimm, aber die geschädigten Muskeln versagten eben trotzdem ihren Dienst. Will man den Arm trotzdem bewegen erfordert das also einiges an Willensstärke, die Leomar aber in diesem Fall besitzt. Er beist die Zähne zusammen, ist aber genug Herr seiner Selbst sich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. "Touché Signore de Treville..." meint er in Sportsmännischem Ton.

    Wie einen Speer schießt daraufhin sein Zweihänder nach vorne, erreicht den Horasier jedoch nicht annähernd, da Leomar im gleichen Atemzug deutlich vom Mühlstein zurückspringt, um sich etwas außer Reichweite von Gatiens Höhenvorsprung zu bringen. Nun etwas weiter entfernt stellt er seine Füße stabil etwas weiter auseinander und dreht seine rechte Seite Gatien zu, wobei der Zweihänder mit seiner Klinge in Leomars rechter Ellenbeuge liegt und der Ort auf seinen Gegner weißt. Die Hände haben wieder umgegriffen, die rechte ist am Gegengewichtsknauf, während die linke über die rechte Hand hinüber an der Fehlschärfe direkt über der Parierstange liegt. Aus dieser Position heraus konnte man sicherlich auch recht schnelle Schläge und Schnitte einleiten, jedoch schwerlich über die für einen normal gehaltenen Zweihänder problemlose Distanz angreifen.

    Während er Gatiens Reaktion erwartet huschen Leomars Blicke kurz durch den Raum und erfassen was dort ist... und was dort sein sollte... "Na, ist euch schon schwindelig? Muss meine vollendete Kampfkunst sein, die euch die Sinne raubt..." meint er mit einem grinsen und einem Nicken zum sich drehenden Mühlstein

    Noctum Triumphat

  • »Wo wollt ihr den hin?«

    Noch während Leomar zurückweicht und seiner Klinge noch die Luft durchschneidet, springt Gatien mit einem Salto vom Mühlstein und über den Kreisbogen des Zweihänders hinweg. Kaum aufgekommen, federt er ab und hechtet mit einem Satz nach vorne; der Ort seiner Waffe findet die Hohlkehle des Zweihänders, gleitet in ihr entlang und verhindert, dass Leomar seine Waffe rechtzeitig zwischen sie bringt.

  • Das Gatien ihm problemlos gleich hinterherspring war ja leider irgendwie zu erwarten gewesen. Als dann seine panzerbrechende Klinge in Richtung von Leomars Bein gestoßen wird, versucht dieser erneut irgendwie die Kontrolle über Gatiens Waffe zu bekommen wobei er mit seiner eigenen Klinge den Panzerstecher wegdrücken will und im Anschluss wohl durch eine Bewegung des Heftes nach vorne und über die Klinge seines Gegners hinüber die breite Parierstange mit dem Griffkorb Gatiens zu verhaken versucht. Allein aufgrund des Hebels wäre das wohl tatsächlich eine recht valide Möglichkeit jemanden die Waffe zu entreißen, aber wie schon zuvor gelingt Leomar einfach die Durchführung des ganzen nicht - auch wenn die Drehung der Waffe über alle drei Achsen, welche durch den Anfangsgriff des Ritters bedingt ist sehr ästhetisch aussieht. So fährt erneut die schlanke steife Klinge des Horasiers zwischen die Schübe der Beinschürze und dringt schmerzlich dort ein. Ein weiteres Mal kann sich Leomar allerdings beherrschen und bleibt in aufrechtem festen Stand. Allerdings sieht man ihm am Blick an, dass er etwas daran zweifelt, wie viel er hier noch ausrichten konnte. Wie schon so oft auch im Vergleich mit Emil gesehen, mit dem er nun schon - aller gegenseitiger Vorbehalte zum Trotz - recht lange reiste fehlte es ihm einfach an Tempo und Präzision. Von seinem inzwischen schon sprichwörtlichen "Glück" in Duellen mal ganz abgesehen.

    Aber noch hat er nicht aufgegeben irgendeinen seiner neu erlernten Kniffe für den Kampf gegen solch schnelle Waffen anbringen zu können und versucht ein weiteres Mal Nutzen aus dem speziellen Griff den er hier anwandte zu ziehen. Da sein Heft nun sowieso schon näher an Gatien dran war als der Ort, auch wenn sein Versuch zu entwaffnen nicht gelungen war, greift er mit der rechten wieder an die Klinge und will scheinbar mit dem Gegengewichtsknauf in Gatiens Gesicht stoßen, während er gleichzeitig einen kleinen Satz macht. Gleich darauf merkt der Horasier aber, dass Leomar an ihm vorbeizielt und dann versucht mit der Parierstange in Gatiens Nacken zu kommen. Gleich darauf reißt er sein Schwert zu sich heran um Gatien den Stand zu nehmen und ihn zu Boden zu reißen, während er bei seinem wiederaufkommen von dem kleinen Sprung eine der Bohlen auf der sie beide standen aus ihrer Verankerung bricht, so dass Gatien ein kleines Stück wie auf einer Wippe hochgehoben wird.

    Noctum Triumphat

  • »Dass war gemein!«

    Stöhnt Gatien anerkennend, als Leomar ihn mit der Parierstange des Zweihänders umreißt.

    Es bleibt keine Zeit, aufzuspringen, zu groß ist die Gefahr, dabei Leomars nächstem Schlag ungeschützt ausgesetzt zu sein. So drückt sich Gatien nur kurz und ohne seine Waffen loszulasen, mit den Knöcheln vom Boden ab, zieht ein Bein an und reißt die Waffen hoch, um sich zu schützen.

  • "Sagt der Mann der mir Löcher in meine schönen teuren Unterkleider macht... Wisst ihr eigentlich was ich mir von meiner lieben Frau Mutter wieder anhören darf, wenn sie schon wieder Blutflecken rauswaschen muss, obwohl sie mir schon diesen Panzer schenkte um sich das zu ersparen?" antwortet der Rondrianer mit gespieltem Ernst und setzt dann dazu an, endlich einmal die Initiative zu übernehmen. Zwar war Gatien auf den Knien, aber seine Waffen waren zwei und auch wenn er sich nicht ganz sicher war, geht Leomar davon aus, dass dies erstmal nicht unrondraisch war. Auch wenn er jetzt sicher keinen richtigen Hieb ausführen sollte.

    So belässt er den Griff beider Hände an der Klinge wie er ist, schiebt die Linke sogar noch etwas weiter zum Ort und dreht sie dabei wieder, dass der Daumen zum Heft zeigt. Vom Aussehen her hält er den Zweihänder jetzt faktisch verkehrt herum und bewegt ihn wie einen Kriegshammer, da nun ein Großteil des Gewichts mit Parierstange und Knauf kopflastig vorne liegt.

    Im Wissen, dass Gatien sehr gut in der Abwehr von Schlägen war, geht Leomar nicht ganz geradlinig vor, hofft aber doch den Überraschungseffekt auf seine Seite zu haben. In einer schnellen, fließenden Bewegung hebt er den Zweihänder hoch über den Kopf, als wollte er ihn wie einen Hammer auf Gatien als Amboss schmettern, lässt dann aber doch die linke vor der rechten gerade nach oben schnellen und dreht beide Hände ein um einen sogenannten "Krumphau" zu vollführen und die stumpfe Seite seiner Waffe gegen Gatiens Kopf zu bugsieren.

    Edit: Wo er bisher in diesem Kampf so seine Probleme hatte ist die Ausführung dieses Schlages diesmal... von geradezu beängstigender Perfektion...

    Noctum Triumphat

  • Gatiens Hauptwaffe stellt sich dem Krumphau entgegen und lenkt ihn ab, aber durch die unerwartete Drehung des Zweihänders schafft er es nicht, die heransausende Klinge auch noch mit dem Hakendoch aufzunehmen und so drückt die nun schwer kopflastige Waffe, seine Klinge einfach mit nieder. »Falscher Wink...«

    Wie ein Sack fällt Gatien bewusstlos zu Boden, als der Pommel von Leomars Zweihänder wie eine Keule gegen seinen Kopf schlägt. Der Kampf ist entschieden, Leomar gewonnen.

    ***

    Viel schneller, als wohl in ihrer Welt möglich, bewegt sich Gatien wieder. Er stöhnt leise und fasst sich an den Kopf. Dort wo eine hässlich Platzwunde sein sollte, ist die Haupt nur noch gerötet und als Leomar sein Knie betrachtet, ist auch dort der Einstich verschwunden und kein Blut mehr zu sehen. Gatien stützt sich mit den Ellenbogen auf und lächelt vorsichtig. »Ich möchte nie wirklich gegen euch antreten müssen. Ihr steckt viel ein, Freund Leomar und braucht nur ein einziges mal Glück, um mich niederzustrecken, ich dagegen brauche jedes mal Glück, um nicht getroffen zu werden.«

    Er deutet auf Leomars Arm. »Bewegt ihn, ihr dürftet nichts mehr spüren.«

    Dann schüttelt er sich. »Seltsam, mir ist kalt ...«

    Es ist wirklich kalt geworden, auch Leomar spürt die Kälte, die von den Wänden herabfällt. Gatien ist aufgestanden und schaut sich um. Hinter ihnen dreht sich noch der Mühlstein wie zuvor. Es ist dunkler, nur wenig Licht fällt noch durch die kleinen Fenster der Mühle. Der Kampf hatte doch nur wenige Augenblicke gedauert, warum war es ihnen nicht vorher aufgefallen? Gatien schlägt mit der Hand gegen seinen Kassak ... »Sauber ...«

    Dann bückt er sich, greift zum Boden, Mehlstaub und Grannen wirbeln auf. Sorgenfalten zeigen sich auf seiner Stirn, als er Leomar anschaut. »Habt ihr euch das hier so genau vorgestellt? Ich war es nicht ...«

    »... sie hat nur darauf gewartet ...«

    So ernst wie Gatien ihn nun anschaut, hat Leomar ihn noch nie gesehen. »... ich Narr, ich hätte es wissen müssen!«

  • Das Gatien von dem Schlag zu Boden ging tut Leomar auf eine gewisser Art und Weise wirklich Leid und so ist er auch gleich bei ihm, um ihn aufzurichten. Zum Glück scheint er hier, an diesem sehr speziellen Ort auch nicht wirklich verletzt zu sein. "Danke für euer Lob, ich weiß es sehr zu schätzen, mehr als bei den meisten. Aber stellt euch nicht unter den Scheffel. Das gerade war nur ein Glückstreffer, nicht mehr. Der eine gute Moment den ein jeder Kämpfer hin und wieder hat, genauso wie es mal in die andere Richtung schwingt. An sich hatte ich den Kampf schon verloren gegeben und wollte nur meinen Ehrentreffer landen. Einen weiteren eurer Stiche hätte ich wohl weder verhindern noch aushalten können. Und ich kann euer Kompliment nur zurück geben: ich hoffe nie ernsthaft gegen jemanden kämpfen zu müssen der derart virtuos mit so einer Klinge umgehen kann. Meine Brünne war ja praktisch völlig wirkungslos. Genau so gut hätte ich auch unbekleidet kämpfen können." Aus Leomars Stimme klingt dabei aufrichtiger Respekt und Gatien merkt ihm an, das Leomar wohl davon ausging, dieses Duell zu verlieren und selbst nicht wirklich damit gerechnet hatte diesen Treffer zu setzen.


    Während Gatien sich aufrappelt sieht er wie Leomar seinen Zweihänder mit der Spitze auf den Boden setzt und kurz wie im Gebet gen Alveran sieht, wobei er leise spricht "Und immer noch... hast du einen sehr ungewöhnlichen Humor Herrin." Es klingt nicht böse oder vorwurfsvoll, eher ein bisschen selbstzweifelnd, als wäre sich Leomar nicht ganz sicher, wie seine Göttin wohl über ihn dachte.


    Auf Gatiens Kommentar hin bewegt er seinen Arm und tatsächlich. Nicht nur hat der Schmerz aufgehört und scheinen die Sehnen verheilt, auch die vom Panzerstecher gebrochenen Kettenglieder sind wieder in einem Stück. "Unfassbar..." meint er und dreht und wendet den Ellenbogen etwas.



    Der Kälte wird er erst als ihn Gatien darauf hinweist gewahr, wohl auch weil er kälteres Klima gewohnt war und durch die Bewegung in der Rüstung warm war. Er schüttelt den Kopf, als er gefragt wird, ob er sich das so vorgestellt hat und wirkt dann ebenfalls besorgt. "Wer hat gewartet... was ist das hier für ein Ort?" Seine Sorgen scheinen sehr real zu sein und er greift Gatien an der Schulter um ihm sehr ernst in die Augen zu sehen. "Ihr habt euch doch nicht etwa mit der "Königin" eingelassen?" sein Ton impliziert, das Gatien schon wissen würde, wen er meinte, wenn es so war und gleichzeitig dass dies wohl eine sehr ernste Sache war.


    Noctum Triumphat

  • »Königin??«

    Gatien schüttelt den Kopf. »Ich kenne keine Königinnen, nicht mal inoffiziell, nur eine Gräfin. Nein, das hier ist etwas anderes. Ich weiß nicht wie ich es genau beschreiben soll. Es sind ... Geschichten ...«

    Er ringt nach Worten. »Sie sind stark und sie wollen, dass wir sie erzählen, sie erleben, so dass sie wahr werden. Und wenn ihr gegen eine Geschichte handelt, dann kann es sein, dass nichts passiert, so als ob ihr nie etwas gemacht habt. Ich dachte früher, dass es reicht, einem hartherzigen Baron auszuschalten, damit es seinen Untertanen besser geht. Aber das stimmt nicht, es ist wie eine Eiterbeule, wenn ihr sie ausdrückt, kommt eine neue, weil die Krankheit viel tiefer steckt. Ihr handelt und es bleibt alles gleich. Es ist viel schwieriger wirklich etwas zu ändern. Die Geschichten wehren sich und wissen sich zu verteidigen.

    Und sie kämpfen auch miteinander. Manche sterben, aber andere bleiben am Leben, sind aber schwach. Vielleicht ist es nur eine Alte, die sich an sie erinnert und wenn sie stirbt, dann stirbt die Geschichte mit ihr. Dann weckt sie in ihr das Bedürfnis zu erzählen und alle wundern sich, dass die alte Vettel immer wieder die gleichen alten Geschichten erzählt. So eine alte Geschichte muss hier in der Ruine Zuhause sein. Ja, die Geschichte der Mühle. Sie hat verloren. Eine andere Geschichte war stärker. Aber solange die Grundmauern noch stehen und man sich in der Schänke erzählt ›weißt du noch damals ...‹ lebt sie weiter.«

    Als er merkt, dass Leomar ihn unterbrechen und zu einer Frage oder einer Antwort ansetzen will, hebt er die Hand. »Bitte lasst mich noch zu Ende erzählen. Es könnte wichtig sein, dass ihr versteht. Als wir kamen und ich erzählte, war die Mühle für uns keine Ruine, sondern noch ganz. Ohne dass wir es wollten, haben wir der Geschichte neue Kraft gegeben. Sie ist aufgewacht und hat uns beobachtet und gewartet. Und dann schlugt ihr mich bewusstlos. Das war es, worauf sie gewartet hatte, sie übernahm unserer Geschichte, nein, sie nahm uns in sich auf; sie will etwas von uns, Leomar, sie will etwas von uns ...«

    Schuldbewusst schaut Gatien zu Boden. »Glaubt mir, ich wollte es nicht, aber seid ...«

    Er zögert. »... es ist nicht das erste mal.«

    Dann aber lächelt er und seine Augen glänzen und Neugier schaut aus ihnen heraus. »Was es wohl diesmal ist? Was möchte die Geschichte von uns? Ich möchte es herausfinden! Ihr auch?«

    Einen Satz flüstert Gatien Leomar noch schnell zu: »Eines solltet ihr noch wissen, dies ist nicht mehr meine Geschichte. In dieser können wir verletzt werden und auch sterben. Seid vorsichtig ...«

  • Als Gatien beginnt von den Geschichten zu erzählen, die erzählt werden möchten zieht Leomar erst etwas zweifelnd die Augenbraue nach oben, aber Gatien scheint das tatsächlich ernst zu meinen. Als er geendet hat, überlegt der Rondrianer noch einen Moment und meint dann, fast schon resignierend und mehr zu sich selbst "Habe schon seltsameres erlebt..."


    "Nun ja, ich nehme an wir haben ohnehin keine sehr große Wahl. Aber ich bin auch neugierig, natürlich..." meint er mit einem kameradschaftlichen Lächeln. "Allerdings, da ihr mit diesen... Geschichten ja offenbar etwas Erfahrung habt, wie sehr können wir sie jetzt überhaupt noch beeinflussen? Welches Maß an Macht abseits unser unmittelbaren Taten haben wir noch?" Dabei würde Leomar gezielt versuchen in sich hinein zu hören und zu erspüren, ob er hier in dieser seltsamen Situation noch den Kontakt zu seiner Göttin aufbauen könnte.



    Den Worten draußen lauscht Leomar ebenfalls so gut er kann, auch wenn ihm sein Helm doch zu sehr in der Sicht einschränkt, als dass er sehr viel erkennen oder die feineren Nuancen des Gesprochenen sehr klar heraushören würde. Was dort auch immer vorging, es klang nicht gerade rechtschaffen. Für Leomar steht dabei wohl schnell außer Frage, dass er dort eingreifen wollte und musste. Er hatte es sich eigentlich schon immer zur Maxime gemacht wann immer der Satz "JEMAND müsste aufstehen und etwas unternehmen" sich in sein Bewusstsein schlich, dieses bösartige "JEMAND" durch ein tapferes "ICH" und das zögerliche "müsste" durch ein entschlossenes "werde" zu ersetzen...


    So greift er seinen Zweihänder fester und steuert schnurstraks auf die Tür zu um sich zügig nach draußen zu begeben. Zu Gatien meint er noch "Schaut lieber mal, ob ihr einen Hinterausgang oder so etwas findet. Ich trete jetzt nach draußen und sehe mal, was sich mit der mir angeborenen und verliehenen..." bei letzterem hebt er den Zweihänder, der so lang wie Gatien hoch ist "... Autorität so ausrichten lässt. Und wenn es schief geht habe ich lieber noch ein kleine Überraschung in der Hinterhand, als dass die gleich wissen, dass wir zu zweit sind."


    Beim Kommentar des Horasiers, dass sie hier auch verletzt werden und sterben könnten blickt er wieder gen Alveran und meint wieder leicht resigniert "Ach so... ich verstehe, sehr amüsant, wirklich Herrin."




    Wenn Gatien nichts weiter einzuwenden hätte würde der Rondrianer dann in voller Montur, den schweren Zweihänder locker in einer Hand an die Schulter gelehnt haltend nach draußen treten und die draußen befindlichen mustern. "Rondra und ihren elf Geschwistern zum Gruße die Herren. Darf man Fragen was hier vor sich geht?"

    Noctum Triumphat

  • »Was wir beeinflussen können?«

    Gatien schaut Leomar fragend an. Weiß er es wirklich nicht? Es blitzt in seinen Augen. »Alles und nichts. Und beides zugleich. Es kommt nur auf uns an ... und aus wessen Blickwinkel ihr es betrachtet. Wenn ihr einem Schaf zur zweiten Rondeastunde am ersten Windstag im Phex auf den Hintern schlagt, wird es in Rahja geschoren werden, mit oder ohne Schlag, aber fragt einmal die Ameise, die an dem Grashalm hängt, den das Schaf gefressen hätte, wäre nicht euer Schlag gewesen. Meint ihr nicht, sie sähe euch von den Göttern gesandt, um ihr kleines Leben zu retten? Aber es könnte auch sein, dass das Schaf voller Schreck davonläuft und es ein Hirte sucht und deshalb einem Angriff auf seinem Dorf entkommt, bei dem er sonst getötet worden wäre. Und seine Tochter oder ihre Tochterstochter gelingt es dann das nächste Donnersturmrennen zu gewinnen oder ...«

    Er zwinkert Leomar zu. »... entbrannt in Liebe zu einem edlen Recken, hat sie diesen das Rennen gewinnen lassen, nur ein Tuch von zarter Hand gewebt aus feinster Wolle der Tochterstochter ebendieses Schafs, bestickt mit filigranen Mustern die den Namen der heimlich begehrenden verbergen, an das Geschirr des Recken Pferd gebunden, zeugt von ihrer Liebe ...«

    Ernster fügt er hinzu. »Ich weiß es wirklich nicht. Es kann auch sein, dass es eine böse Geschichte ist, hasserfüllt und grausam, die Rache für ihr verdientes Ende will. Und wenn ihr fragt, wie wir es vermögen? Nun, ich vermag Geschichten zu erzählen und wie ihr seht auch welche zu erwecken, aber haben sie einmal begonnen, vermag ich nur das, was auch ihr vermögt: die Macht der unmittelbaren Tat, wie ihr es so schön sagtet, wobei ...«

    Ein leichtes Lächeln zeigt sich auf seinen Zügen. »... es bei mir so manches mal eher das Wort als die Tat war, wenn ich auch zugebe, dass eine scharfe Klinge es manchen Leuten leichter macht, mir zuzuhören.«

    Als Leomar dann versucht die Nähe seiner Göttin zu spüren, ist dort nichts, was von ihrer Nähe künden würde. Während er zur Tür geht und schon die Hand erhoben hat, um diese aufzustoßen, bringt ihn Gatiens Bemerkung dazu, sich noch einmal umzuwenden. Dabei streift sein Blick die Fensterbank, auf der in einer kleinen Vase drei Schwertlilien stehen. Alsdann öffnet er die Tür und tritt in voller Montur, den schweren Zweihänder locker in einer Hand an die Schulter gelehnt hinaus. »Rondra und ihren elf Geschwistern zum Gruße die Herren. Darf man Fragen was hier vor sich geht?«

    Seine Stimme, vom Helm noch verstärkt, klingt laut und wohltönend über den Hof. Nun kann er erkennen, dass es sich wohl um einfaches, aber freies Volk, keineswegs von edler Herkunft handeln muss. Zu einfach sind Kleidung und Bewaffnung. Ihre Haltung ist aber ist nicht die von unfrei geborenen und an die Scholle gebundenen, wofür auch spricht, dass sie beim Anblick des Ritters nicht voller Demut ihre Häupter senken, sondern schon erschrocken zu ihren Waffen greifen wollen, wovon eine Geste des ehrwürdigen Alten sie aber abhält, der sich Leomar zuwendet und unter großen Mühen, gestützt auf seine Krücken, auf die Knie sinkt und den Blick zunächst gen Himmel richtet. »Ein Wunder! Unsere Bitten wurden erhört!«

    Hilfesuchend hebt er eine Hand, einer seiner Gefährten springt hinzu und ergreift sie. Zitternd sucht auch die andere Hand des Alten Halt und hält sich am Unterarm des ihm beigesprungenen fest. Langsam und nur mit großer Mühe richtet der alte sich wieder auf, nun sogar von zwei seiner Gefährten gestützt.

    Auf seine Krücken gestützt, wendet er sich dann an Leomar: »Oh Herr, von einer grässlichen Untat muss ich euch berichten.«

    Tiefes Entsetzen klingt mit, als der Alte weiter spricht. »Wir waren auf dem Weg zu dieser Mühle, als wir von weitem einen Reiter auf uns zukommen sahen. Als er näher kam, sahen wir, dass es unser Herr, der Baron Ugwild Fernel von Albentrutz war und so warteten wir, um ihm die Ehre zu erweisen. Und dann ... vor unseren Augen ...«

    Seine Stimme bricht. »... geschah es: Ein Ungetüm stürzte aus dem Wald und sprang auf ihn zu. Er schaffte es noch, sein Schwert zu ziehen,aber da war es schon heran und riss ihn von seinem treuen Pferd. Meine Gefährten rannten laut schreiend hinzu, um ihm beizustehen. Als das Ungeheuer sie sah, erschrak es wohl, nichtwissend, dass wir schwerlich Kämpfer sind und es uns schwerlich fürchten müsse. Aber es wollte von seiner Beute nicht lassen und zerrte unseren Herrn in den Wald hinein. Wir trauten uns nicht, ihm zu folgen, nahmen sein Pferd an uns ...«

    Er deutet nach hinten, wo sein Gefährte, der nach hinten gegangen war, nun das Pferd nach vorne führt.

    »... und kamen hierher.«

    Voller Hoffnung schaut er Leomar an. »Werdet ihr versuchen, unseren Herrn zu retten und ihm folgen?«