Des Glückes Schmied

  • Auch Safiye lässt sich eine Schlafstätte im Gemeinschaftssaal geben, ihr Geldbeutel gibt nicht viel mehr her und sie war zu müde um sich etwas besseres zu ertanzen. Bei Leopjotrew bedankt sie sich artig und erzählt ihm noch von den Tugenden der Tulamiden, ihrer Großzügigkeit und Wärme gegenüber denen, die ihnen anvertraut sind. Vielleicht nimmt er sich das ja zu Herzen.

  • Was auch immer der Pfeffersack aus Safiyes Erzählung mitnimmt - er hat ihre Gesellschaft augenscheinlich genossen und bezahlt das Essen, das sie beide hatten.

    Die gedemütigte Schankmagd, das mag Safiye und Grimjan vielleicht auffallen, lässt sich die restliche Zeit nicht mehr im Gastraum blicken.


    Die Entscheidung für die Übernachtung fällt einmütig auf die Gemeinschaftsräume. Obwohl alle den gewünschten Platz bekommen, müssen sie sich aufteilen, weil die Betten in den größeren Räumen bereits teilweise belegt sind. Safiye, Rowena, Grimjan und Miljan sind in einen Raum für sechs Gäste im Erdgeschoss; Jonuri, Jukeika und Pjerow werden einem anderen Zimmer im oberen Stockwerk zugeteilt.

    Das Zimmer ist eng, die Betten sind Etagenbetten mit einem ebenerdigen Bettkasten und einer Bettstatt auf Stelzen darüber, jeweils mit Strohmatratzen. In dem Stockbett, das bereits belegt ist, sind die Decken unordentlich, aber sie sind noch menschenleer.

  • Pjerow hat an diesem Abend einen schlechten Sinn, sonst hätte er vielleicht doch ein Spielchen gewagt. Er ist aber ganz froh endlich zu Bett zu gehen. Es wird Zeit Neersand zu erreichen und ein paar Antworten zu bekommen.

  • In aller Ruhe verstaut Grimjan seine Sachen unter dem Bett, den Ravenschnabel in Griffreichweite. Bevor er sich dann aber schlafen legt, geht er noch einmal in den anderen Schlafsaal. Es passt ihm gar nicht, dass sie auf zwei so weit entfernte Räume aufgeteilt sind doch der Wirt hatte deutlich gemacht, dass er nur so die benötigten Betten hat. Nachdem Grimjan sich also vergewissert hat, dass bei Jonuri, Jukeika und Pjerow alles in Ordnung ist legt er sich unten auf seine Strohmatratze und ist wenig später auch eingeschlafen.

    Das Leben ist ein Spiel!

  • Nur noch Miljan hört mit an, weil er sich schlaflos hin und her wälzt, dass die beiden noch fehlenden Übernachtungsgäste ihre Betten in Beschlag nehmen. Dann irgendwann übermannt ihn auch ihn der Schlaf.


    Ein Fenster wird mit leisem Quietschen nach oben geschoben. Eine Gestalt blickt sich um, und als sie nicht das findet, was sie sucht, huschen sie und ein paar Weitere ein Fenster weiter. Wieder treiben sie dasselbe Spiel und diesmal ist ihnen das Glück hold. Sie werden fündig.

    Ein geschickter Kletterer zieht sich durch das Fenster, schleicht auf leisen Sohlen an ein Bett. Niemand hört das Knarzen der Diele und das Rascheln des Rucksacks, der nach draußen gereicht wird*.

    Die Sonnenstrahlen des nächsten Morgens wecken alle.

    Und Miljan stellt das Fehlen seines Rucksacks fest.


  • Nach der anfänglichen Verwirrung ob des verschwundenen Gepäcks stellen sie fest, dass das Fenster geschickt von außen geöffnet wurde. Der Firungeweihte macht schnell die Fußabdrücke aus, die die Diebe hinterlassen haben - sie haben die Größe von Kinderfüßen -, und sie machen sich an die Verfolgung der Fährte.

    Es dauert zwei Tage, dann haben sie die Gruppe der Goblins eingeholt. Und dann? Wollen sie ihnen das Schmuckstück mit Kampfkraft abnehmen, wie es vielleicht Grimjans Weg wäre? Oder es auf diplomatischem Wege versuchen, was wahrscheinlich Safiyes Vorschläg sein könnte? Oder doch mit Heimlichkeit - oder mit einem Handel, wie es Pjerow liegt? Und was fangen sie mit dem alten Brief des Theaterritters und den gesegneten Getreidkörnern an? Das alles wissen alleine die Götter.

    Auf irgend einem Wege erlangen sie das Amulett mit dem alten Wappen der Theaterritter zurück. Dank Pjerows Fähigkeiten spüren sie den Phextempel in Neersand auf, was selbst für ihn keine leichte Aufgabe war - schließlich gibt es in der Stadt offiziell gar keinen Händlertempel. Sein getarnter Kollege arbeitet in der Neersander Zweigstelle der Nordlandbank und unterhält einen äußerst kleinen, geheimen Tempel, der aus kaum mehr als einem Besprechungsraum mit einem tragbaren Schrein besteht. Er hatte Recherchen zu dem Amulett und zu dem vom Pech verfolgten Pelzhändler Ivor Stippsen aus Festum angestellt, teilt er Pjerow mit, und festgestellt, dass Stippsen ein Doppelleben als Fädenzieher in der Festumer Unterwelt führt. Das Unglück bringende Schmuckstück hat der Mann im Spiel absichtlich an unliebsame Konkurrenten verloren, um diese ins Unglück zu stürzen und es sich dann wieder zurückzuholen.

    Dieses Treiben hat nun ein Ende. Der Phexgeweihte wird das Amulett, auf dem ein göttlicher Fluch liegt, davon befreien. Das verspricht er.


    Miljan hat das Amulett am längsten getragen. Ihn trifft der merkwürdige Fluch, der aber doch kein magischer Fluch ist, wie sie seit Thezmar Alatzers Analyse wissen, am schwersten. Pech, Missgeschick und eine Tollpatschigkeit, die von ihm selbst ausgeht, haften noch für ein paar Wochen an ihm. Als das Frühjahr dem Sommer weicht, lässt das Unglück langsam von ihm ab, im Hochsommer zerbricht ihm endlich kein Geschirr mehr unter seinen ungeschickten Händen und im Herbst ist wieder alles wie zuvor. Bis auf die Träume eines von Selbstvorwürfen geplagten, ruhelosen Ritters und einer fuchsgestaltigen Macht, die ihn verflucht. Diese Alpträume suchen Miljan fortan zu jedem Jahrestag, zu dem sie den Traumforst von Jekdisit betreten haben und den Geist, seinen Brief und die gesegneten Körner aufgestöbert haben, im Schlaf heim.

    Möglicherweise kann ihm seine Jugendfreundin Rowena in dieser Sache zur Seite stehen? Wenn er sich ihr anvertraut...


    Safiye findet in der Großstadt ausreichend Möglichkeit, ihrem Handwerk nachzugehen und sich die Stadt anzusehen. Bei einem Auftritt findet sie viele Verehrer unter den Eleven und Lehrmeistern der Bornländische Kriegerakademie. Noch dazu hat sie ihre Verpflichtung gegenüber der Phexkirche beglichen, indem sie das Amulett wohlbehalten nach Neersand geleitet hat.


    Auch Grimjan ist nun einer Verpflichtung ledig. Der Militärhafen ist riesig und Angebote für Arbeit findet er dort reichlich, wenn er sie sucht.


    So zerstreut sich die Gruppe in Neersand, und jeder ist wieder seines eigenen Glückes Schmied.