Leichen plündern

  • Ähhh, aussortiert bei verstorbenen ja.. aber warum sollte ich einem erschlagenen nicht die Stiefel vom noch warmen Fuß ziehen? Das war noch im 20. Jahrhundert Ussus. Und passiert jetzt in der Ukraine genau jetzt..


    Und ja, es ist ein riesiger Unterschied ob ich das Grabmal meines Häuptlings ausgrabe um mich an dessen Grabbeigaben gütig zu halten oder ob ich einem erschlagenen Raubritter die Plattenrüstung ausziehe, um die in der nächsten Stadt zu Geld zu machen oder selbst zu nutzen.


    Versucht doch nicht immer irgendwelche moralischen „Wertvorstellungen“ des 21. Jahrhunderts in alle anderen Epochen zu stülpen! Das sind „Werte“ die wir uns in unserem Luxus erlauben können, weil jeder Scheiss den wir „brauchen“, plob, plob, plob.. aus einer Maschine fällt. Wenn jeder noch so einfache Gegenstand viel Arbeitsaufwand erfordert, zB ein Kamm nen halben Tag Arbeit, bekommt „wegwerfen“ ein ganz besonders Geschmäckle. Deshalb haben doch unsere Altvorderen nur ganz besonderen Persönlichkeiten so viel Plunder mitgegeben. Und wenn diese Grabbeigaben nicht schnell wieder recycelt worden wären, könntest du heute nicht mal Ehering kaufen, weil 90% der Edelmetalle in irgendwelchen Gräbern schlummern würden.

    Auch dieser ganze Grabkult ist doch alles nur Augenwischerei. Heute äußert sich doch darin, wer den schönsten und ausgefallensten Grabstein „seinen Lieben“ errichtet.. da lobe ich mir den Pragmatismus der christlichen Kirche, „verscharr es nicht! Brings zu Kirche/Kloster“.

    Überführte, kleptomanische Witze-Diebin

  • Ja, nur sieht man in aventurischen Zwölferkult manches anders als im dunklen Mittelalter.

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • Ja, nur sieht man in aventurischen Zwölferkult manches anders als im dunklen Mittelalter.

    Net wirklich


    DSA deckt eigentlich die ganze Glaubenswelt von der Steinzeit bis zur Reformation ab. Alles bunt gemischt.

    Überführte, kleptomanische Witze-Diebin

  • Versucht doch nicht immer irgendwelche moralischen „Wertvorstellungen“ des 21. Jahrhunderts in alle anderen Epochen zu stülpen!


    Das hat doch damit gar nichts zu tun.


    Heutzutage würde niemand darüber diskutieren, ob es Leichenschändung ist, der gestorbenen Oma den Ehering vom Finger zu ziehen, damit ihn die nächste Generation benutzen kann. (Sehr wahrscheinlich hat Oma sogar ein Testament gemacht, in dem sie ihren Verlobungsring ihrer Lieblingsenkelin vermacht, oder so.) Nach christlichem Glauben hat das letzte Hemd keine Taschen.


    Tatsächlich ist es so, dass in vorchristlicher Zeit sehr viel mehr und wertvollere Grabbeigaben üblich waren.



    Die Debatte hier dreht sich einzig und allein darum, für wie extrem man die Boronkirche hält. Die übrigens meines Wissens gar kein realweltliches Pendant hat, in Sachen Einstellung zu Grabschändung.



    Ich gehe davon aus, dass für die Boronkirche Leichenschändung da anfängt, wo die körperliche Unversehrtheit oder Würde der Toten geschädigt wird.


    Die Waffen oder das Geld eines Toten mitzunehmen wäre demnach einfach nur Diebstahl an den Angehörigen, die Stiefel zu klauen grenzwertig, und beim Ausziehen der Hose dürfte man allmählich anfangen, sich die Boronkirche zum Feind zu machen.


    So Scherze wie Finger abschneiden um die Ringe zu klauen finden Boronis sicher auch nicht lustig.


    Aber das Mitnehmen beweglicher Habe, die, wäre der Tote friedlich im Bett verstorben, sicher an die Angehörigen gegangen wäre, dürfte eher nur als Diebstahl gewertet werden.




    Eine aus meiner Sicht viel interessantere Frage ist, wie in Aventurien ein Reliquienkult existieren kann.


    In einer Regionalbeschreibung steht, dass an einem Wallfahrtsort Knochen verkauft werden, die angeblich die eines grausam ermordeten Praiosnovizen sind, es sich in Wahrheit aber wohl eher um Tierknochen handelt.


    (Ich bin geneigt, den gesamten Absatz zu ignorieren, weil erstens die Boronkirche was dagegen haben könnte, und zweitens die Praioten an einem Wallfahrtsort ihrer Kirche so einen Schindluder wohl kaum dulden würden ... und drittens der Durchschnittsmensch in einer vormodernen Welt wohl oft genug Tierknochen sieht, um den Fingerknochen eines Märtyrers von einem Hühnerbein unterscheiden zu können. Aber interessant ist die Frage schon, ob die Boronis theoretisch einen Reliquienkult dulden würden, weil mit Reliquien ja respektvoll umgegangen wird ... oder ob sie zumindest beim Zerteilen von Skeletten, um möglichst viele Reliquien zu haben, die Grenze ziehen.)

  • Klar hat es mit modernen Wertvorstellungen zu tun. Hab ich ja oben ausgeführt.


    Und ja, wie ich weiter oben schon mal geschrieben habe, es passt wenig zusammen. Aber ja, auch in irdischer Religion passt nicht wirklich alles zusammen. Und davon wurde abgeschrieben, weil was komplett anderes erfinden, würde halt auch komplett anders aussehen.

    Und auch bei Griechen, Ägyptern, Römern und allen antiken Religionen gibt es Totengötter. Und auch da passt nicht alles zusammen. Heute weiß man ja zB das in Ägypten hauptsächlich die Priester für den Grabraub der Pharaonengräber verantwortlich zeichneten.

    Und so passt auch beim Reliquienhandel nicht wirklich alles zur Lehrmeinung und Auslegung. Ob jetzt beim Praios und Boronkult oder beim christlichen. Auf der einen Seite sagt man, „ui, das darfst du aber nicht!“ auf der anderen Seite verdient man prächtig Geld mit Pilgern… Also alles ganz normal, menschlich halt.

    (Bekanntlich bringt es nix über Religion und Politik zu streiten!)


    Aber nochmal, wie Pippi, mach sich jeder seine Welt wie sie ihm gefällt.

    Überführte, kleptomanische Witze-Diebin

  • Das hat hier nichts mit irdischen Gebräuchen zu tun; in Aventurien haben oft genug die Bevölkerung erlebt das die Toten sich erhebten - im Borbaradkrieg oft eignen Verwandten.

    Das -nebenbei - die Menschen ihre Toten (=Verwandten) begruben ist weitaus Älter als das Mittelalter.

    Jeder Zwölferkult lehrt das es ein Leben nach dem Tode gäbe ... oder Boron die Seele noch einmal zurückschickt.
    Aber das die Begräbnisbräuche für Verwandte, Bekannte etc. Bekannt is auch das ärmere Mitmenschen rasch auf einem wüsten Acker verschaart werden, damit die Liechendiebe sie nicht finden.

    Was macht man aber mit einem Gegner? Ich glaube wir haben sie immer den Boronvögeln überlassen, und was nützlich war mitgenommen.

    Pflicht des Historikers:
    das Wahre vom Falschen, das Gewisse vom Ungewissen, das Zweifelhafte vom Verwerflichen zu unterscheiden.

    (nach Johann W. von Goethe)


    Kinder deuten ohne Furcht in die Sterne, während andere, nach dem Volksglauben, die Engel damit beleidigen.

    (Vorrede der Grimms Märchen 1819)

  • Und ja, es ist ein riesiger Unterschied ob ich das Grabmal meines Häuptlings ausgrabe um mich an dessen Grabbeigaben gütig zu halten oder ob ich einem erschlagenen Raubritter die Plattenrüstung ausziehe, um die in der nächsten Stadt zu Geld zu machen oder selbst zu nutzen.

    Das wiederum finde ich nicht. Ob ich den Ring und die Stiefel vom Toten, den ich gerade selber umgebracht habe, ziehe, um sie zu verhökern, oder den Ring und die Stiefel vom Toten aus dem Grab ziehe, um sie zu verhökern (außer dass die einen Stiefel vermutlich noch im besseren Zustand sind) sehe ich jetzt nicht als den gravierenden Unterschied.


    Das hat IMHO nichts mit modernen Moralvorstellungen zu tun, sondern mit der höchst realen Boron-Kirche Aventurien und deren bekannter Einstellung zu Toten und den Umgang mit ihnen.


    Davon ab. ja, natürlich macht man sich Aventurien so, wie man es haben möchte. Man ändert Setzungen, nimmt welche dazu, streicht welche weg, und bei Interpretationstrahmen wird interpretiert.

    Das ist halt meine Interpretation. Andere sind davon ausgenommen. :)