
Rahjadis wanderte erneut auf eigene Faust los. Sie wollte noch einmal zu Iriadon, mehr Informationen. Paske schloss sich ihr als Geleitschutz an.
Ich hingegen fühlte mich in meiner schwarzen, schlichten Robe zu auffällig. Meine blasse Haut hatte mich für die Rolle als Nekromantin, die ich mir ausgesucht hatte, prädestiniert. Auch mein Wissen über diese Kreise, das ich über einen Patienten und meine eigenen Nachforschungen erlangt hatte, kam mir für diese Rolle zugute. Doch der argwöhnische Blick von Iriadon, das furchtsame Gebaren der Handwerksgesellen in der Taverne... Das zeigte mir zwar, dass ich als das erkannt wurde, was ich darstellen wollte.
Nun aber wollte ich das nicht länger darstellen. Ich hatte das Misstrauen satt.
Darüber hinaus fühlte ich mich zu auffällig.
Zu meiner Überraschung willigte Alondro gleich ein, mit mir auf dem Marktplatz neue Kleidung für mich einkaufen zu gehen. Und er überraschte mich noch mehr, wie enthusiastisch er "für seine Frau" die Kleidungsstücke heraussuchte - wobei er sich gänzlich unbeeindruckt von meinem strafenden Blick und danach meinem schicksalsergebenen Augenverdrehen zeigte -: Eine waidblaue, lange Tunika (er sagte mir die Farben) mit langen Ärmeln, eine dunkelgraue Stoffhose und dazu einen dünnen Ledergürtel. Und eine helle Bundhaube.
Eine HOSE! Er hatte tatsächlich eine Hose für mich vorgesehen! Niemals würde ich als Frau dieses entwürdigende Kleidungsstück... Mein halblauter Protest - ich wollte ja den Händler nicht auf uns aufmerksam machen - stieß bei ihm auf taube Ohren.
Und ich stieg in die Hose.
Wie unangenehm dieses Gefühl von zwei Stoffröhren um die Beine war. Jetzt konnte jeder gleich sehen, wo meine Beine waren!
Ich schwieg pikiert, aber ich glaube, es war ihm egal.
Die Nacht brach herein und wir trafen uns zum Abendessen in der Knochenfaust.
Als Rahjadis eintraf, war sie jedoch nicht allein. Iriadon begleitete sie und Paske.
"Ich bitte Euch, mir die Beichte abzunehmen", murmelte er mir zu. Meine Unzufriedenheit mit meiner neuen Hose war nun zum ersten Mal vergessen. Ich nickte ernst und brachte ihn auf unser Zimmer. Dort erfuhr ich, dass er unter dem Namen Gansfried ein Teil der zwölfgöttergläubigen Gemeinde gewesen war und sogar der Kirche angehört hatte, als Tempeldiener im ehemaligen Travia-Tempel in Altzoll. Leider war dieser Tempel nun längst kein Göttinnenhaus mehr.
Über seine Beichte werde ich das heilige Schweigen wahren. Sollte er in der späteren Schlacht um Altzoll gefallen sein, so stand seine unsterbliche Seele rein und strahlend auf Rethon.