Kapitel 11 - Zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Worte

Da hatte er es womöglich etwas übertrieben, als er das Fräulein Prosperi ansprach. Wie hätte er aber auch ahnen sollen, dass schon so eine beiläufige Vertrautheit bewirken konnte, dass sie in Ohnmacht fiel! 6

  1. Vielleicht sollte er es aber auch nur nach einem etwas tollpatschigen Rettungsversuch aussehen lassen? Einer der gerade so erfolgreich war, dass Piara nichts geschah. Etwas heldenhaft, wenn auch wenig schmeichelhaft, dafür aber auch weniger Verdächtig. (6) 100%
  2. Sollte er es der Leibwächterin überlassen das Fräulein aufzufangen? Schließlich sah er ja nur in der Spiegelung der auslage was sich da einen halben Schritt hinter ihm zutrug. Wenig verdächtig, aber auch wenig heldenhaft. (0) 0%
  3. Oder sollte er lieber selber tätig werden? Das würde sich wohl so gerade eben noch ausgehen. Allerdings durfte er sich da auch wirklich nicht mehr zurückhalten. (0) 0%

Einen Augenblick überlegte Thalio noch, aber eigentlich war er sich schon ziemlich sicher, dass ihm das Halstuch als Brücke zu dem jungen Fräulein dienen würde. Das Tuch und die Brosche die es an Ort und Stelle hielt waren schließlich das womit sie sich von allen anderen ganz bewusst abhob. Die Moda alla Aureliana ließ einem da eigentlich nicht so viel Spielraum, wollte man sich innerhalb der Grenzen bewegen, die dieses Jahr als Schick galten.


So weit es ihn betraf gab es an dem Halstuch nichts auszusetzen. Wenn man vielleicht davon absah, dass es ihm an Farbe mangelte. Der weiße Spitzenstoff war sicherlich vornehm, aber in Thalios Augen fehlte es ihm am nötigen Kontrast zur noblen Blässe der jungen Dame und der silbernen Brosche. Zum Glück hatte er gerade erst ein ähnliches Halstuch gesehen, welches dem Fräulein Prosperi viel besser stehen würde.


Ohne große Eile lenkte er seine Schritte zurück zu dem Geschäft in dessen Auslage er das gute Stück erblickt hatte. Er stimmte die Länge seiner Schritte genau richtig ab, so dass er einen Augenblick vor der Gruppe der jungen Dame an seinem Ziel eintraf. Er war schon versucht für die Begrüßung alle Register zu ziehen und sein Herz schlug etwas schneller, als die näher tretende Leibwächterin ihn dazu bewog es etwas behutsamer anzugehen.


Trachtete dem Fräulein etwa jemand nach dem Leben, dass die Leibwächterin derart reagierte? Er begnügte sich also mit einem freundlichen Lächeln und nickte dem Fräulein nur zu, bevor er sich den ausgestellten Stücken des Geschäftes zuwandte. Das Spiegelbild im Glas des Schaufensters ließ ihn jedoch erahnen, dass schon das gereicht hatte, die junge Dame etwas erröten zu lassen. Nun, Janera und ihre Schwester hatten ja angedeutet, dass Piara wohl ziemlich schüchtern war.


Lag es vielleicht daran, dass sie behütet wurde, wie eine Preziose? Ob das vielleicht schon immer so gewesen war? Zum einen wäre es wohl verständlich. Zum anderen war der Gedanke, dass sie wie in einem goldenen Käfig gefangen aufgewachsen sein mochte aber auch ziemlich traurig. Nun, wie auch immer, er hatte keine Zeit solchen Gedanken lange nachzuhängen. Dadurch riskierte er nur diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen.


„Sagt, la mia belissima, was würdet ihr von diesem Halstuch dort halten?“ Er nickte in Richtung des fraglichen Tuchs, das an einer mit hellem Samt überzogenen Schneiderpuppe zur Schau gestellt wurde. Es war dem, das sie bereits trug nicht unähnlich. Nur, dass es nicht weiß sondern von einem satten, dunklen Rot war, das sich von ihrer schneeweißen Haut deutlich besser abheben würde. Schon im nächsten Augenblick weiteten sich seine Augen jedoch vor Schreck.


Kapitel 12 - Unfälle und Überraschungen