Kapitel 3 - Geschäfte, Geld und Schwierigkeiten

Natürlich konnte Thalio dem folgen, aber das hieß nicht, dass er dem alten Gauner uneingeschränkt zustimmte. 5

  1. Was konnte denn bitte das junge Fräulein dafür, das man sie hatte malen lassen? Vielleicht sollte er Olger gegenüber anklingen lassen, dass er da zu Viel verlangte. (0) 0%
  2. Oder sollte er das fürs erste stillschweigend hinnehmen? Er würde da später schon etwas drehen können, dass sich Olger mit Bild, Schmuck und vielleicht dem Maler zufrieden gab. (3) 60%
  3. Und da wäre ja noch eine andere nicht ganz nebensächliche Kleinigkeit zu klären. Was würde sich Olger die Sache denn kosten lassen? (2) 40%

Wenn es um etwas Geschäftliches ging, bedeutete das bei Olger doch auch fast unausweichlich etwas nicht unbedingt ganz legales und damit auch eine Gelegenheit. Vor allem ergab sich daraus wohl eine Gelegenheit den all zu leeren Geldbeutel wieder etwas zu füllen und so eine Gelegenheit wollte sich Thalio nicht entgehen lassen. Vermutlich hätte er sich auch dann angehört was der alte Gauner von ihm wollte, wenn er das Geld nicht gebraucht hätte, schließlich war das auch eine hervorragende Gelegenheit neue Kontakte in der Stadt zu knüpfen und bestehende etwas zu festigen.


Olger griff sich das billige Druckwerk, das bisher wenig beachtet an seinem Platz am Tisch gelegen hatte. Es handelte sich wohl um irgend ein städtisches Klatschblatt, gerade ein paar Seiten stark, auf dem der Kerl nun seine fettigen Fingerabdrücke hinterließ. Vermutlich taugte das Teil bestenfalls als Fliegenklatsche, aber der Gauner umklammerte es dennoch fest während er Thalio an der Schulter packte um ihn in Richtung einer Hintertür zu bugsieren, bevor dieser Gelegenheit bekam es sich nochmals anders zu überlegen.


Kaum waren sie durch die Tür griff sich der feiste Gauner eine Laterne, die dort an der Wand hing, während er das wenig appetitliche Schundblatt an Thalio weiter reichte. Irgendwie passte die billige Gazette sogar zu dem schmierigen Alten. Der Eindruck verfestigte sich nur noch, als das Licht de Laterne auf den Kupferstich einer weitestgehend nackten Schönen fiel, der mitten auf dem Titelblatt prangte. Kannte er die von irgendwo? Thalio hob eine Augenbraue als Olger ihm bedeutete das Druckwerk umzudrehen. "Der Artikel links in der Mitte."


Thalio brauchte nicht lange den Artikel zu finden. Es half wohl auch, dass er mit roter Farbe eingekreist war. Die Grazie mit dem Perlenschmuck, so war der entsprechende Abschnitt betitelt. Die Überschrift war aber auch das einzige was bei dem schlechten Licht einfach zu lesen war. Er musste die Augen zusammen kneifen um auch den Rest zu entziffern. Im großen und Ganzen handelte es sich um eine reichlich verschwurbelt geschriebene Lobhudelei auf ein Gemälde, besagte 'Grazie mit Perlenschmuck', zu handeln. Auch der Künstler und sein Mäzen werden da geradezu mit Lob überschüttet.


Nur manchmal könnte man meinen, dass sich der Schreiberling eher in Lobpreisungen der Schönheit der jungen Frau ergeht, die für das Bild Modell gestanden hat, anstatt das Bild selbst zu preisen. Nun, wenn das Bild die vielen lobenden Worte wirklich verdient hat, mag beides zutreffend sein. Thalio reichte die Gazette an Olger zurück und warf diesem dabei noch einen fragenden Blick zu. "Ein schönes Bild einer schönen Frau. Was ich mich jedoch frage ist, warum du es mir so unter die Nase reibst? Also, was hat das mit mir zu tun?"


Der Alte nahm ihm das gefaltete Schriftwerk ab und versetzt ihm damit einen leichten Klaps auf die Stirn. „Dieser Berylli, der das Bild in Auftrag gegeben hat, pfuscht mir in letzter Zeit immer wieder ins Geschäft. Und es grämt mich das zuzugeben, aber er hat Erfolg damit.“ Der dicke Hehler schnaubt empört. „Und dann reibt er mir das auch noch unter die Nase indem er sich als großer Mäzen inszeniert.“ Er nahm sich einen Augenblick um durchzuatmen und sich zu beruhigen. „Du sollst mir helfen den Gecken etwas zurechtzustutzen. Ich will das Bild bei mir an der Wand. Ich will den Maler auf meiner Gehaltsliste. Ich will diesen Perlenschmuck in einer meiner Schatullen. Und, das wäre das Sahnehäubchen, das junge Fräulein will ich in meinem Bett. Kannst du mir folgen?“


Kapitel 4 - Moral, Bedenken und Vorbehalte