Träume sind Schäume

Jaspar wälzte sich im Bett hin und her. Er spürte eine innere Unruhe, die er nicht kannte. Er hatte selten Probleme mit dem Einschlafen. Tsa wachte über ihn und das Dorf das ihm anvertraut war. Hier im Süden des Lieblichen Feldes war das Leben ruhig geworden. Die Zeiten als die ungläubigen Novadis durch die Kabash-Pforte drängten und mit Feuer und Schwert bis Neetha vordrangen waren endgültig vorbei. Das Liebliche Feld gedieh, auch wenn Chababien etwas hinterwäldlerisch war, Jaspar seufzte. "Als er jung war, hatte er noch davon geträumt bahnbrechende Erfindungen und Entdeckungen im Namen Tsas zu betreiben. Ja er war sogar mit einem Güldenlandfahrer nach Westen über das Meer der sieben Winde gereist. Sie hatten sogar Land entdeckt, aber heute war er sich unsicher. ob es das Güldenland gewesen ist oder nur eine größere Insel. Er war abgeklärter, älter, ruhiger, und genoss - das musste er sich selbst ehrlicherweise zugeben - manchmal die Ruhe, die ihm seine Position einbrachte. Auch wenn der Fürst auf der Feste Eskenderun seine Ambitionen hatte, würde es in Solon vermutlich ruhig bleiben." Jaspars Gedanken begannen sich zu verwirren und abzudriften. Er schlief ein.

Jaspar fühlte sich jung. Er war jung. Er war über das Meer der sieben Winde gereist. Das Schiff lag in einer geschützten Bucht und die dezimierte Mannschaft versuchte es verzweifelt in Stand zu setzen und wieder seetüchtig zu machen. In seiner Erinnerung half er dort mit und pflegte die Verletzten, aber jetzt stieg er einen steilen Pfad zum Gipfel des Berges hinan, der über der Bucht thronte. Sein Schritt war frisch und er freute sich von der Spitze des Berges neues Land zu sehen. Seine Entdeckungen würden Veränderung bringen. Kurz unterhalb des Gipfels entdeckte er etwas abseits vom Weg in einer versteckten Mulde ein Gelege aus etwa einem Dutzend Eiern mit fast einem halben Schritt Durchmesser. Plötzlich nahm er im Augenwinkel eine Bewegung am Himmel war. Ein Vogel - ein riesiger Vogel stürzte aus dem Himmel auf das Gelege herab. Jaspar sah sich nach einer Felsspalte um, um sich vor dem Vogel zu verstecken, falls dieser sein Gelege schützen wollte. Aber der Vogel stürzte sich auf das Gelege und begann die Eier mit dem Schnabel zu zerschlagen. Neben dem riesigen Vogel wirkten die Eier klein. Oder waren sie tatsächlich geschrumpft. Aus einem Ei schlüpfte eine Eidechse und lief auf ihn zu, um dem Wüten des Vogels zu entkommen. Der Vogel schien nun alle Eier zerstört zu haben und packte auch andere kleine Eidechsen, die zu entkommen trachteten. Dann traf ihn sein Blick. Jaspar erschauderte. Er wollte fliehen, aber er sah die kleine Eidechse zu seinen Füßen. Er musste sie retten. Er nahm die Eidechse auf und floh. Er spürte wie der Vogel aufflog und ihn verfolgte. Dann schreckte er auf.

Langsam kehrte er aus dem Traum zurück in die Gegenwart. Der Traum war so real gewesen. Ein leises Wimmern ließ ihn aufblicken. Es kam aus dem Hauptraum des Tempels. Jaspar erhob sich von seinem Lager und schritt zum Vorhang der seine Wohnstatt vom Hauptraum des Tempels abteilte. Der neue Tag ließ einzelne Strahlen der Praiosscheibe durch die bunten - angeblich aus dem Güldenland kommenden - Glasfenster erahnen. Auf dem bunten mit Blumen geschmückten Schrein der Tsa stand ein flacher Korb und darin lag ein Kind. Jaspar trat auf den Schrein zu. Das Kind war ein bis zwei Götternamen alt und betrachtete die Blumen. Als er das Kind hochhob, blickte er in zwei strahlende kleine Augen, die sein Herz sofort eroberten. Er wusste er hatte seine Lebensaufgabe gefunden. Er würde die kleine Eidechse aufziehen, schützen und ihr alles, was er wusste, beibringen. Er dachte an den Traum, den er nun als Zeichen Tsas deutete, und untersuchte das Kind und den Korb auf ein Zeichen der Herkunft. Es war ein Mädchen. Gesund und munter. Der Korb war ein einfacher Weidenkorb, wie er ihn auch selbst flechten könnte, das Laken war aus groben aber sauberen Stoff, keinerlei Anhaltspunkte, nur um den Hals trug das Kind an einer Lederkordel einen eingefassten halb durchscheinenden Opal, der im richtigen Winkel in die Strahlen der Praiosscheibe gehalten, deren Licht zu einem Regenbogen formte. Jaspar lächelte das Kind an. "Nun Kleines. Ich werde dich zum Dank für den heutigen Tag Vivipara Lacerta nennen. Aber ich glaube jetzt hast du ganz andere Interessen." sagte er lächelnd und brach mit dem Kind zu einer ihm gut bekannten Amme auf.

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"Genieße die Veränderung, denn sie wird schöner als du es dir vorstellen kannst." (unbekannte TSA-Geweihte)