Dschungeltier-Parabel

Wintermorgen. Der Barbar sitzt eingehüllt in seinem Firunsbärenfell an der Gjalska und sinniert über das Leben, als er von seinem Yalding gegrüßt wird. Den Gruß erwidernd, fragt er seinen Stammesführer, was er denn vorhabe.

„Nach Rayyadh“, entgegnet Partach, „dort findet zu Ehren Fekorrs, des Listigen, ein Maskenfest statt. Die Boten berichten von gar seltsamen Tiermasken aus dem tiefen Süden, die es dort zu sehen geben soll. Tiere, Ifrunndoch, die du noch nie gesehen hast! Norbardische Händler sollen sie nach Rayyadh gebracht haben. Alle, die sie zu Gesicht bekommen haben, sollen davon begeistert sein!

Nach kurzem Zögern fügt er hinzu:

„Willst du mitkommen?“

Ifrunndoch blickt weiter auf die Gjalska. Dann wendet er sich wieder Partach zu.

„Warum nicht? Ein wenig Abwechslung würde mir gut tun.“

„Dann komm‘ mit.“

Nach einiger Zeit des schweigenden Nebeneinanderhergehens ergreift der Barbar das Wort:

„Sage mir, Partach, was sind das für Tiermasken, die wir dort sehen werden?“

Der Yalding überlegt.

„Die Boten sprachen von Papageien.“

„Nie gehört. Was zeichnet einen – wie sagtest du gleich – Papageien – denn aus?“

„Wenn ich meinen Leuten Glauben schenken darf, dann sprechen Papageien alles, was sie hören, nach, ohne selbst darüber nachzudenken.“

Der Barbar entgegnet: „So sage mir, Partach, von welchen weiteren Tiermasken hast du gehört?“

„Meine Krieger erzählten auch von Affen.“

„Ebenfalls noch nie gehört davon.“

„Affen, Ifrunndoch, so berichtete man mir, sollen dazu bereit sein, für einen vermeintlichen Leckerbissen, den sie sich ohne weiteres auch selbst besorgen könnten, alles liegen und stehen zu lassen, um blindlings zu springen für denjenigen, der ihnen die Hand hinhält. Ja, für einen Funken Aufmerksamkeit sollen sie sogar, so hörte ich es, so weit gehen, ihre Selbstachtung aufzugeben, um ein paar Kunststückchen vorzumachen, die dem Grunde ihres Wesens widerstreben.

„So nenne mir noch eine dritte Sorte an Tiermasken, in deren Genuss wir in Rayyadh kommen mögen“, fährt der Barbar fort.

„Eine Drittes, von dem die Boten schwärmten, sind Riesenschlangen. Auf den ersten Blick sollen sie furchtbar freundlich sein und dich mit Aufmerksamkeit geradezu umgarnen. Aber dann, in einem Augenblick, in dem du nicht daran denkst, schnappen sie zu und töten dich mit dem Gift, das aus ihrem Mund hervorkommt.“

Der Barbar bleibt stehen. Er hält kurz inne. Dann macht er kehrt, um in Richtung Niellyn zurückzukehren.

„Was ist los?“, fragt Partach verwundert.

„Warum willst du umkehren?“

Der Barbar sieht ihn mitleidsvoll an.

„So wie du mir Papageien, Affen und Riesenschlangen beschreibst, muss ich nicht nach Rayyadh gehen, um diese zu sehen. Davon gibt es auch jede Menge bei uns.“