Einen Yagrik für die Einsteigerbox!

Freude ist kein Ausdruck. Jubel, Glücksgefühle, Euphorie – all das geht Ifrunndoch durch den Kopf, wenn er an die Einsteigerbox denkt, die in wenigen Wochen wohl in den Handel kommen wird. Im Folgenden möchte ich eine Lanze einen Yagrik für „Das Geheimnis des Drachenritters“ – so der offizielle Titel – brechen und drei gute Gründe anführen, was dieses Produkt für mich so einzigartig macht und warum ich mich so außergewöhnlich darauf freue:


1. Ein echtes Produkt für Einsteiger

Ich glaube, dass ein Teil der Spielerschaft, okay, wahrscheinlich eher der Großteil, ein Rollenspiel, nennen wir es DSA, in erster Linie wegen seiner Welt und nicht wegen seiner Regeln spielt. Früher war dies nach der 24-seitigen Lektüre des Regelbuch I sehr schnell möglich. Dem gegenüber stehen heute die 414 Seiten des Grund(!)-Regelwerks der 5. Version. Damit sage ich nicht, dass das 5er-GRW keine Daseinsberechtigung hätte, aber Einsteigerfreundlichkeit sieht anders aus. Man stelle sich vor, 1984, als das erste DSA auf den Markt kam, hätte das Regelbuch I solch einen Umfang gehabt. Ob es dann den Erfolg für Aventurien gegeben hätte, den die ersten Versionen mit sich brachten, bezweifle ich. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass die Redax dieses Manko jetzt behebt. Damit besteht die berechtige Hoffnung, dass man auch ohne jahrzehntelanger Spielerfahrung oder einem Bachelor der Aventuristik einen Zugang zu dieser so tollen fantastischen Welt bekommt.


2. Weniger ist mehr – die ultimative Aufwertung des Storytellings

Während sich Powergamer und Simulationisten in den letzten beiden DSA-Versionen so richtig austoben konnten, mussten Freunde des Storytellings eher kürzertreten. Einige von ihnen sind zwar ihrer Liebe zu Aventurien treu geblieben, regeltechnisch jedoch auf alternative, weniger komplexe, Systeme umgestiegen. Mit der Einsteigerbox bekommen sie nun nach Jahren des Wartens offizielle Regeln, die zu ihrem Spielstil passen, wieder zurück. Nicht jeder möchte stundenlange Kämpfe ausfechten oder sich in Details bei der Jagd verlieren. Durch die neuen Regeln wird DSA somit schneller, wodurch Anhänger des Erzählspielstils nicht erst groß überlegen müssen, welche Regeln des GRWs für sie in Frage kommen und welche nicht.


3. Die Chancen auf mehr DSA-Abenteuer steigen gewaltig

Stell dir vor, du wolltest ein (offizielles) DSA-Abenteuer schreiben. Dazu benötigt man neben hervorragenden Aventurien-Kenntnissen vor allem eines: Regelkenntnisse, Regelkenntnisse und nochmals Regelkenntnisse. Alle Zauber, alle Liturgien, alle Kampffertigkeiten, alle Talente, alle Vorteile, alle Zustände, alle Fokusregeln, und, und, und… Bedenkt man dies nicht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Super-ManMagier seine Kräfte spielen lässt und jedes storytechnisch noch so gut ausgearbeitete Abenteuer aus der Bahn wirft. Deshalb kann ich jeden Autoren verstehen, der desillusioniert seine Pläne verwirft, weil er sich den Durchblick über diese immense Regelkomplexität, die ja bei der aktuellen Version noch dazu mit jedem Folgeregelband erweitert wird, sich entweder nicht zutraut oder die dafür notwendige Zeit, dies geistig zu durchdringen, einfach nicht investieren kann oder will. Mit der Einsteigerbox wird somit Autoren oder solchen, die es gerne werden möchten, durch die Reduktion dieser Regelkomplexität eine gewaltige Hemmschwelle genommen. Denn wenn es eine Einsteigerbox mit Einsteigerregeln gibt, dann werden dafür auch Abenteuer benötigt. Und ich bin mir sicher, es werden Schreiberinnen und Schreiber ihrer Kreativität (wieder mehr) freien Lauf lassen. Und wenn dann was richtig Gutes dabei ist, wer weiß, dann wird es vielleicht sogar für die komplexe Version konvertiert. Somit könnten dann schließlich auch Freunde des komplexeren Regelwerks von der Einsteigerbox profitieren.


Fazit:

Die Einsteigerbox wird, wenn sie das ist, was sie vorgibt zu sein, wovon ich ausgehe, ein voller Erfolg werden. Einsteiger haben nach Jahren wieder oder zum ersten Mal die Möglichkeit, sich mit den Regeln vertraut zu machen, ohne von ihnen erschlagen zu werden. Darüber hinaus dürfen sich Freunde des Storytellings über offizielle Regeln freuen, die ihrem Spielstil entsprechen, ohne zunächst große Regelwälzer durchgehen zu müssen, um dann ein anschließendes Streichkonzert zu veranstalten, welche Regeln man jetzt will und welche nicht. Und zu guter Letzt stehen die Chancen gut, dass sich mehr Autorinnen und Autoren (wieder) ermutigt fühlen, für ihr Aventurien in die Tasten zu hauen. Wenn jetzt nicht noch irgendein ganz katastrophaler Bock drin ist -worauf es absolut keinen Hinweis gibt- kann dieses Produkt aufgrund der genannten Argumente nicht schlechter als sehr gut sein. Und darauf freue ich mich!

Comments 2

  • Hier bin ich voll bei dir. Die Einsteigerbox ist längst überfällig.

    Sieht man sich die zwei großen Konkurenten an (DnD und SpliMo) und welchen Erfolg denen ihre Einsteigerboxen haben, fragt man sich warum das so lange gedauert hat.

    Punkt 1) stimme ich Dir voll uns ganz zu. Das hast du treffend beschrieben. Punkt 2) kann ich wenig beurteilen, da ich mich nicht als reinen Storyteller zähle, sondern eher zu deinen zwei erstgenannten (ohne Wertung des jeweiligen).

    Bei 3) muss ich Dir allerdings wiedersprechen. Ich denke bei den Autoren ist es wie bei den Spielern. Der eine ist Regelaffiner, der andere mehr mit dem Hintergrund. Das Hinderniss für Autoren sehen ich jedoch nicht bei den Regeln, sondern bei dem gigantisch umfangreichen Hintergrund. Es ist voll viel schwerer mit diesem Konform zu gehen, als mit den Regeln.