Ideenschmiede - Antagonisten, wie böse, wie mächtig dürfen sie sein?

Nachdenm mir letzte Woche schon kein neues Thema für den Blog eingefallen ist, war ich gestern noch versucht einen Beitrag zu schreiben der von der Diskussion zu den Neuigkeiten um Michael Masberg inspiriert war. Heute bin ich froh es nicht getan zu haben. Es wäre wohl ein ziemlicher Rant geworden. Schwam drüber. Stattdessen soll es diemal um Antagonisten gehen.


Der Titel des Beitrags spricht ja schon für sich. Das sind die zentralen Fragen die mir gerade durch den Kopf gehen. Wie böse dürfen Antagonisten sein, vor allem wen sie durchwegs auch als POV-Charakter dienen. Damit verknüpft auch die Frage wie mächtig so ein Antagonist sein darf. Jüngste Ausgeburt meiner Überlegungen, ein (vergleichsweise junger) Kaiserdrache (teils in Menschengestalt), also ein magisch durchaus kompetenter, Gegenspieler, der in Drachengestalt auch guten Kämpfern schwer zusetzen kann. Und weil ja immer noch eine Schippe mehr geht, mache ich aus dem Drachen auch noch einen NL-Geweihten der auch noch ein paar Kultisten (vielleicht auch noch ein paar mehr) als Schwertfutter zur Hand hat. Zu viel? Geht noch? Passt schon wenn die Protagonisten auch was drauf haben? Ist schon in Ordnung wenn die Helden zur Abwechslung mal verlieren?

Comments 7

  • Kommt drauf an, ob du die Geschichte eher mit innerem Plot (charakterzentriert) oder äußerem Plot (Plotzentriert) aufziehst. Letzteres stelle ich mir leichter vor, denn es ist ja der Plot, der den Leser bei der Stange hält und der kann fesselnd und voller Twists sein, egal wie böse der POV ist. Das Anfixen des Lesers übernimmt die Faszination für das Böse. Die alleine reicht natürlich nicht für 250+ Seiten, aber dein Plot soll das ja dann übernehmen.


    Liegt der Geschichte jedoch die Entwicklung des Charakters zu Grunde, dann wird es schwieriger. Je "böser" der POV ist, desto unsympathischer wird er dem Leser werden. Das kann man bewusst nutzen, wenn man zwei POVs hat und dem Unsympathen den Helden gegenüberstellt. Will man das nicht, dann muss das Interesse an dem Fiesling halt größer sein, als die Antipathie, die man ihm gegenüber empfindet.


    Interessant ist natürlich auch die Genese des Bösewichts zum eigentlichen Plot zu machen. Anakin Skywalker ist hier ein gutes Beispiel.



    Erbald hat auch noch was wichtiges angesprochen. Ein Antagonist muss natürlich mächtiger sein, als der Protagonist. Klassischerweise wird der Protagonist ja erst durch seine Entwicklung im Laufe des Romans ermächtigt am Ende überhaupt die Chance auf einen Sieg zu haben. Und aus Gründen der Kontrastierung scheitert der Protagonist ja auch zuvor erstmal, da er diese Entwicklung noch nicht beendet hat. Fast jede Geschichte mit Happy End funktioniert ja genau so. Und das aus gutem Grund.

  • Eigentlich sollte der Antagonist immer stärker sein, als die Helden. Die wachsen schließlich über sich hinaus, indem sie ihn besiegen. Und ja: die Helden dürfen durchaus mal verlieren. Am besten jedoch mit dem Versprechen, dass man sich immer zweimal im Leben trifft und es eine Chance auf eine Revanche gibt.


    Außerdem: Ein Gegner, der im Rahmen eines einzigen Abenteuers oder auch einer Kampagne besiegt wird, wird von den Helden gar nicht als mächtiger Gegner wahrgenommen. Steht eine Heldentruppe allein gegen eine Räuberbande von vielleicht 50 Mann und gelingt es ihr, diese durch List und Tücke und vieleicht einem spektakulären Showdown zur strecke zu bringen, bleibt der Räuberhauptmann im Rückblick doch nur als der Tölpel in Erinnerung, dem wir es damals gezeigt haben.

    Auch ein Gegenspieler, der immer wieder auftaucht, aber regelmäßig in die Schranken gewiesen wird ist eher eine traurige Figur als ein gefürchteter Schurke (wie Gargamel bei den Schlümpfen).

    • Da kommt mir noch eine weitere Frage in den Sinn. Wie steht es mit Geschichten ohne Antagonsten (im Sinne einer Person oder Organisation). Man kennt es vielleicht mehr von diversen Katastrophenfilmen, wo die Helden meist schon mit Mutter Natur und ihren Kapriolen reichlich zu kämpfen haben. Wie könnte das in Aventurien aussehen, ohne dass gleich wieder irgend ein Gott oder Dämon oder anderer Bösewicht dahinter stecken muss?

    • Grundsätzlich geht ja alles - wenn es gut gemacht ist. Der personifizierte Antagonist hat den Vorteil, dass er eine konkrete Bedrohung für den/die Protagonisten darstellt - was der Autor auch tunlichst unter Beweis zu stellen hat.

      Naturkatastrophen sind abstrakter, was es etwas schwerer macht, aber prinzipiell geht es. Wobei ich aus meiner persönlichen Leseerfahrung sagen muss, dass mir es besser gefällt, wenn der Antagonist eine Person ist.


      Denkbare Settings, die als Antagonist wirken könnten wären vielleicht:

      - das Meer (Sturm, Flaute, ...)

      - die Dämonenbrache/ transysillische Waldwindnis / Dschungel Maraskans


      Letzteres könnte ich mir gut als Horror/Thriller vorstellen bei dem die Bedrohlichkeit für lange Zeit über den Protagonisten schwebt und erst dann "handfest" wird, wenn die Nerven des Lesers bereits zum Zerreißen gespannt sind.

    • Ein reines Katastrophenszenario geht, ist nach meiner Erfahrung aber eher als Intermezzo geeignet (Beispiel: Phileasson-Kampagne, wo die Helden einem Nivesendorf helfen mussten, dass von einer Seuche befallen war). Die Helden müssen in so einem Szenario eventuell Dutzende von kleinen und großen Einzelproblemen lösen (Nahrung besorgen, Wasserversorgung sicherstellen, medizinische Hilfe leisten, nach Vermissten suchen, Trümmer beseitigen, Trost ,Wiederaufbau organisieren etc., etc., etc..

      Irgendwann wird es vermutlich aber langweilig, wenn nicht ein Gegenspieler auftaucht (Plünderbanden, Sklavenjäger, die die Katastrophe ausnutzen wollen) die man bekämpfen kann. Katastrophenhilfe würde normalerweise wochen- bis monatelang dauern und richtige Erfolge treten oft erst Jahre später ein. Für ein dynamisches Heldenleben dauert echte Katastrophenhilfe zu lange. Darum sollten Helden vielleicht direkt die Katastrope miterleben oder kurz nach Eintritt der Katastrophe eintreffen und für hier Ersthilfe zur Verfügung stehen. Die eigentliche "Heldenarbeit", das Bewältigen der Katastrophe, müssen aber eher die betroffene Bevölkerung, der örtliche Adel oder die zuständige Kirche leisten.

  • Klar ist es in Ordnung, wenn die Helden auch mal verlieren - wenigstens die erste Runde.

    Macht den Antagonisten immer interessanter, und die SCs verbissener.


    Was deine junge Kaiserdrachin anbelangt...

    So sorry, aber das gibt es leider schon ;) -


    • Hah! Auch wenn ich diese Kampagne nicht kenne (die nicht so berauschenden Wertungen und Kommentare haben mich bis jetzt abgeschreckt), hätte ich mir das ja eigentlich denken können. ;) Jetzt muss ich mir vielleicht doch zumindest den einen Band kaufen um zu gucken wie sie da charakterisiert wird.


      EDIT: Und ich könnte heulen, gerade den einen Band der Kampagne gibt es natürlich nicht im PDF-Shop zu erwerben. :(