Mondsplitter-Abenteuer mal vorgestellt

  • Einleitung

    Ihr sitzt mit einigen Bekannten gemütlich zusammen, hebt gemeinsam das Glas und plaudert erheitert. Plötzlich bemerkt einer Eurer Gefährten ein Regelwerk, welches Ihr beim letzten Nachschlagen liegengelassen habt.
    Neugierig bleiben seine Blicke daran haften, während das Gespräch weitergeht. Irgendwann fragt er dann leicht verlegen, ob das eins dieser Erzählrollenspiele ist, er hätte sowas mal in einer Sitcom gesehen und es schien spassig für alle beteiligten zu sein.
    Mit einem Grinsen im Gesicht erklärt ihr ihm das simple "Frage und Antwort" Prinzip eines Tischrollenspiels - ein Kinderspiel... Ihr habt dies über die Jahre bereits unzählige Male getan. Interesse macht sich in der Runde breit. Ein anderer will die Folge auch gesehen haben, ein weiterer findet es klingt spassig und der Quotenskeptiker findet es sehr kompliziert und traut sich sowas nicht zu und der Rest hört einfach weiter zu.
    Nachdem Ihr für eine kurze Weile weiter brav Fragen beantwortet habt, seht Ihr die ersten hoffnungsvollen Blicke und jemand bemerkt "so ganz nebenbei" dass er sowas eigentlich ganz gerne mal ausprobieren würde.
    Wenn Ihr doch bloss ein kurzes Abenteuer vorbereitet hättet... Zur Not könntet Ihr natürlich auch schnell einen simplen Dungeon Crawl improvisieren, aber eine kampforientierte Würfelorgie ist wohl kaum das richtige für Leute die von zuvielen Regeln eingeschüchtert werden und als Spielleiter ist man immer froh, wenn man neue Leute für unser Hobby gewinnen kann oder zumindest einige davon überzeugen kann, dass Rollenspiel gar nichts so verrücktes ist, also wollt ihr einen guten Eindruck hinterlassen...


    Hui, diese Einführung ist etwas länger geraten als ich es eigentlich vorgehabt hatte - aber irgendwie hat es sich wie von selbst geschrieben, fast so als hätte ich es selbst mal erlebt... Bestimmt wollte der Uhrwerk Verlag mit dem Mondsplitter-Format genau für diese Situation die Lösung schaffen... oder aber, was natürlich viel unwahrscheinlicher ist ;), einfach ein Format für schnelle Abenteuer anbieten, dass darauf optimiert ist möglichst schnell und mit sehr geringer Vorbereitung auf den Tisch zu kommen.


    In diesem Thema will ich allen, die sich nicht regelmässig im Splittermond-Forum rumtummeln, die Mondsplitter vorstellen.

    Warum? - Nun, in erster Linie weil ich denke, dass ich nicht der einzige Spielleiter bin, der mal in eine Situation gekommen ist, wo man keine Zeit (*flüstert* oder Lust) hatte ein Abenteuer vorzubereiten und sich unser Hobby sehr dadurch auszeichnet, dass man sich gegenseitig unterstützt. Nein - ich werde in keinster Weise vom Uhrwerk Verlag dafür bezahlt...


    Das Produkt

    Vor ein paar Wochen ist er also erschienen, der erste Mondsplitter.

    Mondsplitter 1 - Der Schimmerturm

    Ein kompaktes 40-seitiges A5 Heftchen, dass ausser dem Cover (aus dickerem Papier) durchgängig in schwarzweiss gedruckt wurde.

    Auf den ersten Blick also nicht sehr beeindruckend. Mir nur schwer begreiflich, warum man das kleine Ding nicht komplett in Farbe gedruckt hat. Es besteht schliesslich nur aus wenigen gefalteten A4 Blättern - aber ich keine mich im Verlagswesen nicht aus, also was weiss ich schon...

    Beim ersten Durchlesen aber, sieht man sehr schnell, dass man sich grosse Mühe gegeben hat, dass Abenteuer so vorzubereiten, als hätte man es selbst gemacht.

    Das Heftchen ist sehr gut strukturiert und hilfreiche Symbole zeigen auf einen Blick, um was für eine Art von Textfeld es sich handelt (z.B. ein Häuschen bei Ortsbeschreibungen). Man hat sich über viele Konsequenzen Gedanken gemacht und überall finden sich Seitenangaben zu Verweisen im Heft oder in den Regeln.

    Oh Apropos Regeln, es dürfte wichtig zu erwähnen sein, dass die Mondsplitter mit den Einsteigerregeln gespielt werden. Mir ist dies nur recht, denn diese "streamline" Version der Regeln finde ich sehr gut gelungen und ziehe sie selbst vor für kurze Abenteuer. Es ist aber hier wichtig zu erwähnen, dass es die Einsteigerregeln nicht wie das Grundregelwerk kostenlos gibt, sondern diese als Teil der (hervorragenden) Einsteigerbox oder als PDF erworben werden müssen.

    Mit etwas Aufwand kann man das Abenteuer auch auf die Grundregeln anpassen, aber da könnte man es auch direkt für D&D oder ein anderes System umkonvertieren... Dieser Aufwand ist wohl nicht ganz im Sinne der Mondsplitter - wenn man es als einmalige Investition betrachtet, um in Zukunft ein Abenteuer zu haben, dass ihr schnell auf den Tisch bringen könnte mag es sich lohnen. Die Frage hier ist wohl wie oft ihr das selbe Kurzabenteuer leiten werdet.

    Was ich auch noch ein nettes Detail fand; das Handout wurde in die Heftmitte genommen, dadurch lässt es sich mühelos aus dem Heft herauslösen.


    Etwas für totale Einsteiger/Kacknoobs?

    Jain. Die Mondsplitter eignen sich sehr gut für Spielleiter die noch nicht viel Erfahrung mit Kaufabenteuern haben, da die Vorbereitungsarbeit die man sich über Zeit selbst beibringt hier schon gemacht wurde und man vielleicht sogar lernen kann, wie man sich nützliche Hinweise zum Verhalten von NSCs oder zu SC-Konsequenzen machen kann.

    Ihr werdet hier aber kein Einstiegsabenteuer wie in z.B. bei der Star Wars Starterbox finden, welches euch schön auf Schienen von einer Regel zur anderen führt und vom Spielleiter nur vorgelesen werden muss.

    Wie ein "gewöhnliches" Kaufabenteuer werdet ihr es zuerst ganz durchlesen und visualisieren müssen, danach solltet ihr aber bewaffnet mit dem zusätzlichen Wissen um die Splittermond Einsteigerregeln direkt loslegen können.


    Das Abenteuer (Spoilerfrei)

    Ich werde gar nicht erst darauf eingehen um was es im Abenteuer geht - lest euch den Klappentext durch, wenn ihr mehr wissen wollt.

    Was ich zu dem Abenteuer schreiben will ist folgendes: Wenn man an Kaufabenteuer denkt, denkt man an "Railroad" was viele abschreckt und wenn man an einsteigerfreundliche Abenteuer denkt, potentiert sich das sogar. Dies ist hier aber gar nicht der Fall, euch erwartet ein sehr kleiner aber feiner Sandkasten. Die mögliche Handlung ist ganz ok, hat einige liebevolle Details und ist "splittermondhaft", aber das Abenteuer ist dazu gedacht an einem Abend durchgespielt zu werden. Erwartet also keine epische Kampagne, über die ihr noch euren Enkeln erzählen werdet.

    Speziell fand ich auch, dass das Abenteuer für Heldengrad II geschrieben ist und man dadurch nicht direkt die vorbereiteten Helden aus der Einsteigerbox benutzen kann, sondern entweder diese hochstufen oder sich erst Charaktere erstellen muss (was ja bekanntlich solange dauern kann wie ein Kurzabenteuer selbst...) - könnte mir vorstellen, dass Uhrwerk HG2+ Helden nach Einsteigerregeln zum Download nachreichen wird.


    Abschliessende Worte

    Ich hoffe ich konnte jedem der sich gefragt hat, was diese Mondsplitter-Dingens sind, dabei helfen sich ein Bild davon zu machen - ob ihr nun ein "ready to go" Kurzabenteuer für Zwischendurch oder als Reserve braucht, bleibt natürlich euch und euren Vorlieben überlassen.

    Bis Ende Jahr sollen noch zwei weitere Mondsplitter erscheinen und ich persönlich bin gespannt wo die Reise hingeht.

  • Vielen Dank für diesen Beitrag; ich habe fest vor mir alle verfügbaren Mondsplitter für Cons oder ähnliches zuzulegen. Ich spiele mehr oder minder regelmäßig als SL mit einer Gruppe SpliMo und das natürlich mit den regulären Regeln. Ich habe noch nie einen Blick in die Einsteigerregeln geworfen, wenn ich ehrlich bin ^^


    Du schreibst, es sei rel. aufwendig die Einsteigerregeln umzuändern; kannst du da vielleicht ein paar Punkte nennen, inwiefern sich das ausdrückt? Mein naives Gemüt denkt sich "ich änder einfach die Werte und gut" :saint:

  • Aufwand ist relativ.

    Für ein Abenteuer dessen grösstes Ziel es ist den Vorbereitungsaufwand zu minimieren, ist es ein Faktor.


    Grundsätzlich erhalten die Einsteigerregeln das Gefühl der Expertenregeln, sind aber stark entschlackt/"streamlined" - ein "the Best of Splittermond" sozusagen.


    Die krassesten Änderungen sind wohl, dass es andere Fertigkeiten gibt als in den Expertenregeln (diverse körperliche Fertigkeiten wurden zum Beispiel zu Athletik zusammengefasst) und Monster haben weniger "komplizierte" Fähigkeiten stecken mehr ein und teilen mehr aus (gemäss Reaktionen im Splittermond Forum bringen Einsteigermonster Charaktere nach Expertenregeln schnell ins schwitzen).


    Wie oben geschrieben finde ich die Einsteigerregeln eigentlich sehr gut, vor allem für Cons. Sollten sich die Spieler irgendwann mehr Tiefgang bzw. Crunsh wünschen oder "hochstufigige" Abenteuer erleben wollen, ist es dann Zeit auf die Expertenregeln zu wechseln - die Einsteigerregeln decken nämlich nur Heldengrad I und II ab.

  • Alles klar, vielen Dank!


    Mit erfahrenen Spielern kann man dann ja Fertigkeiten auftrennen, nach den regulären Charakterbögen zB.

    Stärkere Monster täten meiner Gruppe auch nicht schlecht :evil:


    Für Cons kann man ja dann evtl. flexibel anpassen. Dann werd ich mal einkaufen gehen auf der SPIEL :)