Liverollenspiel und juristische Dinge, die eine LARP Orga wissen sollte.

  • Basis des Threads ist die Seite http://www.larp-planung.de bzw. der Artikel rechtliches aus der LARP Planung. Ich ergänze diesen mit Erfahrungen als junge LARP Orga, welche ich machen durfte.

    Liebe Leserinnen,
    Liebe Leser,

    Ich richte mich mit diesen Thread an alle, die in den letzten Jahren ein LARP veranstaltet haben. Es geht mir um einen sachlichen Austausch; insbesondere um das Thema "LARP und juristisches" oder "Was eine LARP Orga beim organisieren beachten sollte." Dabei lasse ich persönliche Erfahrungen von mir mit einfließen. Jetzt wird sich mit Sicherheit die eine oder der andere denken: "Viator, das ist hirnrissig!" Ich möchte denen höflich mit der Tatsache begegnen, das die Unwissenheit nicht vor Strafe oder Bußgeld schützt, das die berühmte Veranstalter Haftpflichtversicherung (welche jede LARP Orga für Ihre Con haben sollte) nicht alle Art von Schäden übernimmt und das es sich mit Hintergrundwissen und ein wenig diplomatischen OT Geschick leichter gegenüber den zuständigen Ämtern argumentieren lässt. Es wird am Rand dringend empfohlen jegliche Überlegenheit und Sturheit weg zu lassen weil die Meinung einer Bürgerin/ eines Bürgers nicht immer der Meinung einer Amtsperson entsprechen muss. Gehen wir das Thema sachlich und moderiert an?
    Gut. Dann beginne ich mit meinen Erfahrungen aus meinen Bundesland. Ich freue mich gleichzeitig darauf zu hören oder zu lesen, wie die Lage in anderen Bundesländern aussieht. Ich weise dringend darauf hin, das Überschneidungen mit anderen Bundesländern möglich sind und das dieser Thread nicht die eigene Recherche ersetzten kann. Er kann sie höchstens hilfreich ergänzen.

    LARP in Bayern:


    Öffentliche Veranstaltung vs. private Veranstaltung.

    Die Rechtliche Grundlage und Definition von öffentlichen Veranstaltungen in Bayern bildet das Gesetz über das Landesstrafrecht und das Verordnungsrecht auf dem Gebiet der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (Landesstraf- und Verordnungsgesetz – LStVG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. Dezember 1982.

    Ich beziehe mich auf Artikel 19 Absatz 1 LStVG.

    Jede normale Con ist öffentlich!
    Jetzt werdet Ihr bestimmt aufhorchen und die Köpfe schütteln. Aber es ist so. Vereinfacht geschrieben ist der Grund dafür, weil viele LARP Organisatoren (z.B. Privatpersonen, nicht eingetragene Vereine, eingetragene Vereine...) ihre Veranstaltung über eine Homepage, ein soziales Netzwerk (z.B. Facebook, LARP Gate) oder über Thilo Wagner's LARP Kalender ausschreiben. In der Konsequenz kann sich jede X - beliebige Person für Eure Veranstaltung anmelden und (wenn ihr das wollt) teilnehmen. Jede Gemeinde und Verwaltungsgemeinschaft handhabt die Anmeldung etwas anders. Die einen freuen sich über einen Anruf, einen dreizeiligen Geschäftsbrief und ein Telefonat mit der örtlichen Polizei Dienstelle. Die anderen können von Euch die Anzeige einer öffentlichen Veranstaltung einfordern. Das sind 2 Din A4 Seiten, welche sich ohne großen Aufwand ausfüllen lassen. Bitte beachtet dabei in jedem Fall die Fristen und macht das so, das Ihr nicht mit der Rücktrittfrist von dem gebuchten Zeltplatz oder dem gebuchten Haus in Konflikt geratet.

    Eine "kleine" oder zeitlich begrenze Schankerlaubnis wird notwendig, so bald Ihr in der Taverne Alkoholische Getränke ausschenkt. Diese kostet in Bayern ca. 50,- Euro welche einkalkuliert werden sollten.Das Jugendschutzgesetz muss in der Taverne ausgehängt sein. Idealer Weise gibt es eine extra Schnapsbar, zu dem Kinder und Jugendliche keinen Zugang haben. Betrunkene Personen dürfen keinen Alkohol mehr bekommen.

    An dieser Stelle noch ein gut gemeinter Rat an die Spielleitung. Für Euch gilt während der gesamten Con ein absolutes Alkoholverbot!
    Das ist jetzt sehr direkt formuliert. Aber es muss sein. Nicht nur im Interesse Eurer Spieler, sondern auch in Euren eigenen Interesse. Ihr seid rechtlich die Ordnungskräfte auf dem Platz und garantiert die Sicherheit Eurer Teilnehmer. Wenn unter Alkoholeinfluss ein Unfall passiert erlischt der Schutz Eurer Versicherung (Veranstalter und private Haftpflicht) mit sofortiger Wirkung. Ihr haftet für den Schaden mit Euren vollen Vermögen. Das möchte bitte niemand.
    Ich begrüße es als Autor ebenfalls, wenn die kämpfenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer 0,0 Promille an der Waffe haben. Dies ist ein ungeschriebenes Gesetz im LARP auf das gerade die Neulinge auf einer Con hingewiesen werden sollten. Den "alten Hasen" schadet in Einzelfällen eine Erinnerung daran auch nicht. :)


    Wenn Kinder, Jugendliche oder Familien an Eurer Con teilnehmen, dann können die Behörden von der Hauptorga ein erweitertes Führungszeugnis verlangen. Eingetragene Vereine welche Jugendarbeit betreiben können sich erkundigen ob eine Vorlage der sog. "JuleiKa" (Jugendleiter Karte) ausreicht. Hintergrund ist laut meinen Recherchen der Ausschluss eines potenziellen sexuellen Missbrauches von Kindern und Jugendlichen auf der Con. Und wo wir gerade beim Thema Jugendschutz sind. Kriegs- und Kampfhandlungen können im Plot durch das Jugendamt verboten werden. Stichwort: freiwillige Selbstkontrolle. Wobei das Kämpfen mit Polsterwaffen eine eigene Kontroverse mit dem Amt sein kann. Vereinfacht und übertrieben formuliert solltet Ihr auf einer Familien freundlichen Con In Time (sprich: im Spiel) Exzesse mit Kunstblut, Dämonenbeschwörungen und die simulierte Opferung von Jungfrauen vermeiden. Pädagogisch orientierte Plots für Kinder und Jugendliche werden in den meisten Fällen wenn sie grundlegend durchdacht sind als ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit begrüßt.


    Ein sehr schönes Beispiel für Kinder- und Jugend Cons in Bayern ist die Akademie von Endiria, welche seit Jahren vom Spielebaukasten e.V. in Kooperation mit der Stadt Ansbach ausgerichtet wird. Ich war selbst einmal als Helfer dabei und ziehe vor den Organisatoren und deren Beteiligten meinen Hut für das was sie auf die Beine stellen. *Chappeau*. Selbstverständlich dürfen an dieser Stelle die Waldritter e.V. und andere Arbeitsgruppen für Kinder- und Jugend LARP nicht fehlen. Was die Organisatoren leisten ist beachtlich und verdient Anerkennung.


    Es sind unangemeldete Kontrollen auf Eurer Con in Einzelfällen möglich. Der beste Weg diesen zu begegnen ist Höflichkeit, Freundlichkeit und diplomatisches Geschick damit sich beide Seiten wohl fühlen und Ordnungswidrigkeiten vermieden werden. Bitte sperrt Euch nicht gegen kurzfristige Auflagen, sofern diese für Euch und Euer Budget erfüllbar sind. Dieser Widerstand kann Eure gesamte Veranstaltung beeinträchtigen oder gar gefährden. Es gibt in den meisten Fällen einen kreativen Weg zwischen amtlichen Auflagen und Ambiente, der alle Beteiligten zufrieden stellt.

    Solltet Ihr einen oder mehrere gewerbliche Händler auf Eurer Con eingeladen haben, dann erkundigt Euch bitte ob diese eine Reisegewerbekarte besitzen!
    Es kann Euch ergänzen passieren, das die Gemeinde eine sog. Marktfestsetzung verlangt. Neben einen mehrseitigen Formular werden dafür 50 - 1500€ fällig. Diese ist laut Gewerbeordnung nur notwendig, wenn es sich um regelmäßig wiederholende Veranstaltungen (z.B. Flohmärkte) handelt. Rechtliche Grundlagen sind §64 und folgende der Gewerbeordnung sowie das Gesetz über den Schutz der Sonn- und Feiertage (FTG) vom 12. April 2016. Einzelne Schlagwörter, welche sich in der Gewerbeordnung wieder finden können unwissenden Amtspersonen die Einordnung der Veranstaltung durchaus schwer machen. Seid bitte auf diesen Umstand vorbereitet indem Ihr ein kurzes und sehr gut strukturiertes Konzept vorlegen könnt welches jemand versteht, der noch nie den Begriff LARP gehört oder gelesen hat. Es kursieren leider im Netz immer noch ein paar sehr böse Klischees welche sich nicht auslöschen lassen und für Unverständnis in diesem schönen Hobby sorgen.

    Nur Einladungscons sind privat!

    Wenn Ihr eine private Con auf einen Zeltplatz oder ein Haus organisiert und Freunde/ Bekannte direkt per Mail einladet, befindet Ihr Euch ohne Zweifel im Rahmen einer privaten Veranstaltung. Diese muss nicht bei der zuständigen Gemeinde oder Verwaltungsgemeinschaft angezeigt werden. Ihr spart Euch dadurch eine Menge an behördlicher Arbeit
    Grundlage für den Umgang mit Lebensmitteln ist bundesweit (also auch in Bayern) das IFSG; auch Infektionsschutzgesetz genannt. Die Gesundheitsämter bieten für ca. 20 - 30 Euro eine entsprechende Belehrung an, welche in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden muss. Lebensmittel verarbeitende Berufe können diese Belehrung im Betrieb durch den Arbeitgeber bekommen (z.B. Köche, Hauswirtschafter/innen, Mitarbeiter/innen in Kindergärten).

    Für Vereine gibt es eine gesonderte Regelung bei Festen, welche ich noch einmal heraus suchen kann.
    Die Regeln und Empfehlungen greifen auch für Eure Con, Eure Küche und Eure Taverne.
     
    Feuer machen.

    Ein interessanter Punkt für alle LARP Veranstaltungen, welche weniger als 100 Meter von einen Waldrand entfernt sind ist die sog. "Feuergenehmigung" gemäß dem Waldgesetz. Diese bekommt Ihr beim zuständigen Forstamt und kostet ca. 20 Euro für ein Wochenende. Viele Zeltplätze, die in der Nähe eines Waldrandes liegen haben eine saisonale Ausnahmegenehmigung. Bitte fragt noch einmal beim Betreiber nach, damit die Haftpflichtversicherung für Veranstalter im Jeden Fall greift.


    Wichtig zu wissen -> Die Feuergenehmigung erlischt automatisch ab Waldbrand Warnstufe 4 und 5 (dem Maximum).

    Maßgabe für die Warnstufe ist die Seite des deutschen Wetterdienstes im Netz auf der Seite des deutschen Wetterdienstes



    Darf ich in den Wald?

    Grundlegend laut bayrischen Waldgesetz, ja. In kleinen Gruppen ist das ganze kein Problem; insbesondere wenn Du die ausgewiesenen Wege benutzt. So bald eine größere Gruppe (ab ca. 10 Personen) quer durch das Unterholz geht ist eine Genehmigung des Forstamtes und ggf. des Naturschutzes notwendig. Einzelheiten finden sich im bayrischen Waldgesetz.


    Schlusswort:

    Es wird nicht so heiß gegessen wie es gekocht oder geschrieben wird. :) Lasst Euch bitte nicht an den Auflagen den Spaß am LARP verderben. Seid nett zu den anderen, die unser Hobby nicht kennen, damit es noch lange ausgeübt werden kann.
     
    Rechtliche Quellen:
    Einige Quellen wurden bereits im Text verlinkt. Andere Quellen liegen mir als Auszug vor. Ich hänge diese für alle, die sich richtig tief einlesen wollen die gesetzlichen Regelungen als Auszug mit an.

    Frage:
    Wie sieht die rechtliche Lage in Euren Bundesland aus?