Dämmerstunden

  • Bei dem freundlichen und zwölfgöttergefälligen Gruß hebt Tarja überrascht den Kopf. Die Norbardin hatte sich gegen Kälte und schneidenden Wind so eingemummelt, dass sie erstmal ihre Pelzmütze hochschieben muss, um die Gestalt zu mustern. "Sei gegrüßt an diesem herzerwärmenden, lauen Frühlingstag", antwortet sie fröhlich. Es geht doch nichts darüber, den Humor einer Fremden gleich zu prüfen. Das sagt viel über einen Menschen, betonte die gute Muhme immer.

  • "Oh!" Sumudai strahlt den offensichtlich maraskanischen Reisenden an. "Seid vierfach gegrüßt, Bruderschwester!" Unglaublich, diese Maraskaner trifft man wirklich überall. Und sie sind überall gleich gut gelaunt und redselig. "Und ja, in der Tat." Sie blinzelt gegen den schneidenden Wind. "Ich glaube, ich habe vorhin an der Straße schon die ersten Tarnelen blühen sehen. Mir scheint, der Sommer naht."

    The woods are lovely, dark and deep

    But I have promises to keep

    And miles to go before I sleep

    And miles to go before I sleep.

    (Robert Frost)

  • Die Priesterin nickt der Wanderin einen Gruß zu, als sie angesprochen wird. Lange ist es her, dass der militärisch gerüstete Magier Bosper Bellentor mich einst angeredet hatte, damals sogar mit einem noch frommeren Gebaren, und ich ihn deswegen mit einem tadelnden Blick bedachte, denkt sie bei sich.


    Wulfbrand lenkt den Karren um die ehemalige Praios-Kapelle herum und bringt den Karren im Hof zwischen dem Gesindehaus und dem Palas zum Stehen. So ganz weiß er anscheinend nicht, wohin er sich wenden soll, aber schon im Handumdrehen tritt der Wirt Lennar heraus und ruft seine Söhne herbei: "OSMAR! WULFRIED!" Dann wendet er sich vornehmlich an Noiona: "Willkommen zurück, Euer Gnaden. Hochwürden Boronifatius ist bereits vor geraumer Zeit eingetroffen, wir hatten uns schon gesorgt, als ihr - alle - nicht dabei wart. Wir haben angeschürt, damit es schön warm ist!" Er geht voran zum Gesindehaus, das jetzt die Herberge ist.

    "Ah! Ein neuer Gast!", bemerkt er nun. "Tretet ein, in Travias Namen!"

    Der jüngere der beiden Jungen kommt derweil vom Stall her und nimmt sich der Pferde an, während Tarja und Noiona dem einäugigen Dragomir wesentlich sanfter vom Karren herunter helfen als es Alrico getan hätte. Der Korgeweihte packt Dragomir dennoch am Oberarm und schnarrt: "Der hier kommt wohl wieder in seinen Kerker zurück, was?" Noionas Augenbrauen wandern ein Stück zusammen, aber schließlich gibt es im Gesindehaus ja wirklich nicht genug Zimmer. Sie nickt, greift in eine verborgene Tasche ihres Habits und sterckt dem Almadani einen Schlüssel entgegen. Alrico treibt Dragomir vor sich her und marschiert in den Palas.

  • Xanderan ist mehr als überrascht, dass er so, und sogar aus seiner Sicht korrekt, begrüßt wird. Aber ihm fällt auch auf, dass die Fremde seine indirekte Frage, was sie hierher führt, nicht beantwortet hat. Und ob Tarja jetzt schon bei Galgenhumor angekommen ist oder einfach nur nicht noch andere deprimieren will, ist ihm nicht ganz klar.

    Die Ankündigung, dass drinnen eingeheizt ist, verspricht ein wenig Ablenkung von diesem Tag. Kurz überlegt er, ob er Alrico begleiten sollte. Nicht zu dessen Sicherheit, sondern um sicherzustellen, dass Dragomir auch lebend in seinem Kerker ankommt. Aber wenn Rur seine Wiedergeburt für diesen Moment vorgesehen hat, dann kann er das sowieso nicht verhindern, also beschließt er direkt nach drinnen zu gehen. Sie hätten dort dann immer noch genügend Zeit, herauszufinden, wer die Fremde ist und was sie hier her führt.

    Daher folgt er dem Versprechen von Wärme nach drinnen, verschwindet aber erst einmal in Richtung seines Zimmers, um Umhang, Hartholzharnisch und die meisten Waffen zu verstauen. Eigentlich sollte hier drinnen keine Gefahr drohen und ganz wehrlos ist er ja auch ohne Waffen nicht, aber in diesem Dorf scheint alles möglich, daher nimmt er einen Nachtwind wieder mit in den Schankraum, in der Hoffnung auf ein warmes Essen.

  • Mit einem Seufzer nimmt Tarja die dicke Fellmütze vom Kopf und öffnet den Mantel. Die Wärme im Gesindehaus ist absolut herrlich. Gemütlich wie im Bienenstock. "


    Wohin des Wegs? Eine Lustreise wird es nicht sein in diesen Gefilden", wendet sich die Norbardin freundlich an die Fremde.


    Tarja möchte erst einmal ihre Neugier ob der Wandersfrau stillen und hören, was als nächstes ansteht, bevor sie sich dann ihr in Zimmer begeben würde, um die vielen Wintersachen abzulegen.

  • "Ich bin auf der Suche nach meinem Vater." Sumudai tritt ebenfalls in die Gesindestube ein und nimmt die Kapuze vom Kopf. Sie hat lange, wilde, dunkle Haare. Sie zieht ein zerknittertes, aber noch gut erkennbares kleines Ölbild aus der Tasche und entrollt es. Es zeigt einen Mann mit Hakennase, langen schwarzen Haaren und Vollbart, der ihr sehr ähnlich sieht. "Aber Ihr werdet ihn nicht kennen. Er ist seit über 20 Jahren verschollen."

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    (Robert Frost)

  • "In der Tat, nein, ich habe den Mannnoch nie gesehen", entgegnet Tarja. "Seid Ihr hier auf der Suche oder nur auf der Durchreise?", fragt sie ehrlich interessiert und befasst sich nebenbei weiter damit, die dicke Pelzkleidung abzulegen.


    Darunter kommt eine warme, aber ihre weiblichen Rundungen dennoch betonende Tunika aus braunem Wildleder zum Vorschein. Diese ist mit bunten Stickerein und Perlen verziert und an Ärmeln und Kragen mit Pelz verbrämt. Auch ihr Gürtel, an dem einige kleine Taschen hängen, ist bunt und reich mit kleinen Federn, Muscheln und sogar Bernsteinen verziert. Dazu trägt sie eine warme braune Lederhose. Die schwarzen Haare fallen Tarja bis auf den Rücken, der nach Norbardenart ausrasierte breite Scheitel ist ohne Mütze nun für jeden sichtbar. In beiden Ohren trägt sie einige kleine bis mittelgroße silberne Ringe. Um ihren Hals kann dem aufmerksamen Betrachter ein Amulett an einem Lederband auffallen. Der etwa vier Halbfinger große, honigfarbene Bernstein ist in Bienenform gearbeitet. Eine Rarität ist die im Stein eingeschlossene Biene sowie einige Pflanzenteilchen.

  • Sumudai betrachtet Tarja nachdenklich. "Ihr seid Norbardin", stellt sie überflüssigerweise fest. "Die Familie meiner Mutter ist auch norbardisch. Sie leben immer noch in den Nordlanden, überwintern bei Riva." Das erklärt ihre schwarzen Haare. "Um Eure Frage zu beantworten, nun, gewissermaßen sowohl als auch. Sein letztes Ziel, als er ging, war die Warunkei. Das ist mein einziger Anhaltspunkt. - Ehrlich gesagt, habe ich ohnehin wenig Hoffnung", gibt sie zu. Sie fasst Tarjas Anhänger ins Auge und betrachtet ihn genauer. "Ein interessantes Stück", sagt sie und deutet darauf.

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    (Robert Frost)

  • Tarjas bernsteinfarbene Augen leuchten erfreut auf, als die Fremde ihre norbardischen Wurzeln offenbart. "Eine halbe Al´Hani, wie schön! Und wie unhöflich ich bin: Mein Name ist Tarja aus der Sippe Sewerin. Vielleicht habt Ihr schon von uns gehört, Riva ist uns nicht fremd." 


    Bei der Erwähnung ihres Schmuckstückes wandert ihre Hand zu dem Anhänger und liebkost ihn beinahe zärtlich. "Nicht wahr, wunderschön!", stimmt sie lächelnd zu. "Ein Geschenk, das mich daran erinnert, das Mütterchen Mokoscha stets über die Al´Hani wacht. Sogar hier in diesen düsteren Landen. Aber kommt, wir wollen uns setzen, etwas Warmes trinken und die Einheimischen nach Eurem Vater fragen."

  • "Ja, unbedingt. Gehen wir hinein." Sumudai folgt Tarja in die Gesindestube. Drinnen streckt sie sich und gähnt. Wohlige Wärme, der Duft von Essen, eine Landsmännin, und etwas zum Hinsetzen. Der Tag kann kaum besser werden. Drinnen sieht sie sich um.

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    (Robert Frost)

  • Im Inneren umfängt sie sofort die versprochene Wärme. Ein gemauerter Kamin nimmt die Mitte des Raumes ein, auf der rechten wie auf der linken Seite befinden sich jeweils zwei Türen, und an der Rückwand des Raumes findet sich eine Treppe, die in das Obergeschoss führt. Zwei der vier Tische sind von jeweils einer Person besetzt, eine dritte Person sitzt auf der Bank, die um den Kamin verläuft.


    Am ersten Tisch sitzt Rethis von Hylailos - ein ungefähr dreißig Sommer zählender Mann, der in einfache, robuste Reisekleidung gehüllt und mit einem sehr spitzen Dolch bewaffnet ist. Der 186 Halbfinger große, bärtige Mittelländer hat langes dunkelblondes Haar, das ihm über die Schulterblätter fällt. Über das hart wirkende Gesicht zieht sich eine lange, böse aussehende Narbe, während an den blutunterlaufenen Augen zu erkennen ist, dass dieser Mann schon viele Nächte durchgewacht hat. Die grünen Augen blicken nur kurz auf, als die Ankömmlinge den Schankraum betreten.

    An zweiten Tisch sitzt der Angroscho Topax. Sein Gesicht wird von braunem Haar und einem mächtigen Bart in ebensolcher Farbe umrahmt. Über das Alter lässt sich keine Aussage machen, da er in dem Lebensabschnitt ist, in dem man weder jung noch alt ist, welcher bei dem kleinen Volk recht lange dauert. An seinem Gürtel findet sich ein Beil, während sich eine Eisenwalder neben seinem Stuhl findet. Die steingrauen Augen scheinen die Ankunft von Tarja, Sumudai und Noiona gar nicht wahrzunehmen, und bleiben auf einen Punkt irgendwo an der Wand fixiert.

    Am Kamin in der Mitte hat sich Derya, eine junge und außerordentlich schöne Frau, deren blondes Haar ihr bis zu den Hüften reicht, und deren blaue Augen als einzige der drei Gäste Lebensfreude ausstrahlt, in eine Decke geschlungen. Sie sieht die drei Frauen, die der frostige Wind zur Türe hereinweht, mit einem Lächeln an, und nimmt einen weiteren Schluck aus ihrem Becher, der wohl mit irgendeiner alkoholischen Flüssigkeit gefüllt ist.


    Lennar, der Wirt, zieht hinter Noiona die Türe zu und richtet ihr aus: "Ich werde Hochwürden Boronifatius Bescheid geben, dass Ihr eingetroffen seid. Seid Ihr hungrig? Wir können euch ein... spätes Mittagessen oder frühes Abendessen kochen, meine Frau und ich.", bietet er an. Allem Anschein nach hat er aber noch etwas zu sagen, und unbehaglich knetet er seine Hände vor dem Bauch bevor er endlich in geduckter Haltung herausrückt, ohne dabei Noiona ins Gesicht zu blicken:

    "Und ich muss Euch sehr zu meinem Bedauern mitteilen, dass den Herrn Magier, der Euch begleitet hat, die Botschaft erreicht hat, dass... seine Akademie oder... ich weiß nicht... jedenfalls seine Anwesenheit bei einer Sache beordert hat und er deshalb den Auftrag Eurer Kirche zu seinem eigenen Missfallen nicht weiter verfolgen kann. Das hat er mir mitgeteilt, und dann ist er abgereist. Zusammen mit dem Herrn Draconiter und dem Zwerg." Irion, Felerian und Rumaxbo sind also nicht mehr hier auf Kaltenstein.
    Die Boroni nickt nur, als sie die Neuigkeit aufnimmt. Ungewöhnlich zwar, aber was soll sie machen.


    Als Sumudai das Bild entrollt, wirft sie auch einen Blick darauf. Noch ein Verschollener, denkt sie sich, aber diesmal seit Langem, und ohne das Zutun dieser verfluchten Lande. Zumindest ist er verschwunden, bevor das alles angefangen hat. Aber dass eine erwachsene Frau immer noch nach zwanzig Jahren anscheinend nicht nur die Hoffnung nährt, ihren lange verschollenen Vater wiederzutreffen, sondern aktiv auf der Suche ist, das scheint mir... bemerkenswert.

    Noiona legt ihren dicken, schwarzen Mantel über eine Stuhllehne an einem freien Tisch und setzt sich.

  • Als Xanderan wieder in den Schankraum kommt, wirkt er deutlich weniger martialisch als noch auf dem Wagen. Bogen, Köcher und Rüstung sind oben geblieben, der Nachtwind ist jedoch noch immer an seiner Seite. Die bunte Bemalung des Hartholzharnisches kann man vielleicht noch damit erklären, dass es um Tarnung im Dschungel geht. Aber hier im Schankraum, und auch vor dem Hintergrund des heutigen Tages, wirkt seine Farbkombination eher wie der Verlust des guten Geschmacks, grüne Hose, rote Weste mit blauen Sternen, gelbes Hemd.


    Als er die Frauen an einem Tisch entdeckt, geht er hinüber. Mal sehen, was die Neue so alles zu erzählen hat.

    “Hoffen wir auf einen ruhigen Abend und eine ruhige Nacht. Dann können wir hoffentlich morgen von hier verschwinden.“

  • Sumudai rollt das Bild wieder zusammen und verstaut es in ihrer Umhängetasche. Ihr ist keine Enttäuschung anzumerken, eher wirkt sie ein wenig resigniert. Nichts, das sie nicht ohnehin erwartet hätte. Sie legt ihre dicke, warme Felljacke und ledernen Überhosen ab, die Mütze, die Fellfäustlinge, zwei Schals - einen um den Hals, einen um die Schultern. Darunter kommen gewöhnliche, schon etwas abgetragene, aber halbwegs saubere Sachen zum Vorschein: eine Hose aus hellgrauem Leinen, gehalten von einem Gürtel, und ein dunkelgraues, geknöpftes Hemd. Sie zieht ihre Stiefel wieder an, aber lässt die Schürungen locker; hängt ihre Sachen über eine Lehne in die Nähe des Feuers zum Trocknen, und nimmt aus ihrer Jackentasche ein dunkellilafarbenes großes Tuch mit silberner Stickerei, was sie in ihren Gürtel steckt. Dann setzt sie sich zu Noiona an den Tisch und streckt erstmal nur behaglich ihre Füße aus. Jetzt ist es gemütlich. Die Frage des Wirts, ob er Essen kochen soll, schien sich für sie mehr an die Priesterin zu richten, die er offenbar schon kennt; dennoch versucht sie, seinen Blick aufzufangen.

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    (Robert Frost)

  • [Kleine Info vorab: Der Prozess war in den frühen Morgenstunden, alles andere am Vormittag, der Besuch zuletzt bei Rephexa am Mittag. Jetzt ist es früher Nachmittag, irgendwas zwischen zwei und drei Uhr. es wird also noch drei bis vier Stunden lang hell sein - genug Zeit für die Rückreise nach Warunk.]



    Die lange Zeit in der Kälte, die sich hinziehenden Anhörungen und Verurteilungen, der Kampf auf dem Boronsanger, die Einsegnung und Verbrennung von Dragomirs Gebilde und den Stücken des untoten Wurms, der Gang zu Burgols Haus und danach zu Rephexa - Die Boroni rekapituliert die Ereignisse dieses Tages, der gerade einmal zur Hälfte vorbei war und resümiert, dass sie rechtschaffen erschöpft ist.

    Sie legt ihre schwarzen Handschuhe auf den Tisch und reibt ihre Hände aneinander, damit sie schneller warm werden. Die Priesterin hat schneeweiße Haut, schmale Hände und lange Finger, die eher zur Handhabung von Tusche und Feder gemacht zu sein scheinen als für die Handhabung des Brabakbengels, der an ihrem Gürtel hängt, mit dem gebrochenen Rad als Kopf, dessen fünf Speichen in scharfen Spitzen enden. Sie tarnt einen tiefen Seufzer der Erschöpfung als tiefes Ausatmen. "Danke Lennar, wir sind alle dankbar für ein warmes Mahl." Für ihn bringt sie ein schwaches Lächeln zustande.

    Der Wirt bemerkt den Blick der fremden Reisenden und erwidert ihn. "Wir haben erst vorgestern frisch geschlachtet. Wollt Ihr auch etwas essen?"

  • "Gern, schon", sagt die fremde Reisende und lächelt. "Habt Dank. - Was treibt Euch durch die Lande, Euer Gnaden?" fragt sie, an die Boroni gewandt und offensichtlich aufrichtig interessiert.

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    (Robert Frost)

  • Noiona faltet die bleichen Hände vor sich auf der Tischplatte. Wer sie bereits kennt weiß, dass es eine für sie typische Geste ist.

    Sie wendet ihr sofort wieder ernstes, müdes Gesicht der Frau zu und ob ihrer Worte kommt noch einmal ein Lächeln, aber diesmal ein trauriges Lächeln, zum Vorschein. "Entweihte Boronsanger und zerrüttete Seelen. - Bruder Boronifatius, den der Wirt erwähnte, ist ein Diener Golgaris. Wir wurden vom Tempel in Warunk entsandt um den Friedhof wieder zu weihen. Ich bin Schwester Noiona, nach der Gründerin meines Ordens. Ich beschäftige mich mehr mit der Traumdeutung als der Totenlegung."

  • Sumudais Gesicht wird schlagartig ernst bei Noionas Worten. "Eine ebenso ehrenwerte und notwendige wie auch anstrengende Mission, Euer Gnaden, und möglicherweise nicht ungefährlich." Sie deutet auf den fröhlichen Maraskaner in den bunten Kleidern - Xanderan war sein Name, erinnert sie sich - , und auf die freundliche Norbardin Tarja. "Ist das schon Eure gesamte Reisegruppe?"

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    (Robert Frost)

  • Die Noionitin entscheidet sich, selbst zu antworten: "Mit Ehrwürden Boronifatius und dem Korjünger Alrico Vascagni, den Ihr draußen gesehen habt."

    Noiona blickt die Frau nachdenklich an. Boronifatius hatte sie doch eben erst in ihrem letzten Satz erwähnt. Sie hofft, dass ihr Gegenüber nicht so vergesslich ist wie sie jetzt den Eindruck erweckt.

    Die unerwartete Abreise des Angroscho, des halbelfischen Magiers und des Draconiters veranlasst sie, diese unerwähnt zu lassen. Denn irgendwie hat sie das Gefühl, dass sie ihnen in naher Zukunft nicht wieder begegnen wird.

    "Wie ist denn Euer Name?", erinnert sie die Magierin an die Gebote der Höflichkeit.

  • "Ah. Entschuldigt, es war ein langer Tag, und er ist noch nicht mal annähernd zu Ende. Mein Name ist Sumudai. Ich bin Studiosa der Gildenmagie." Sie überlegt, noch etwas hinzuzufügen, sagt dann aber lieber nichts weiter, sondern reibt ihre Hände aneinander, haucht in die Handflächen, um sie warm zu kriegen.

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    (Robert Frost)

  • Im Hintergrund verschwindet Lennar in der Küche und kurz darauf tritt eine mütterliche Frau in mittleren Jahren an den Tisch - Xanderan, Tarja und Noiona kennen die Wirtin Melanda bereits. "Gut, dass ihr wolbehalten zurück seid. Mein Mann hat sich schon Sorgen gemacht, als Hochwürden Boronifatius alleine zurückgekommen ist.", sagt sie und verdusselt den richtigen Titel für den Geweihten. "Kann ich euch einen Tee bringen? Dann wird es gleich noch schneller warm. Wir haben Kräuter- und noch Früchtetee."

    Nach den Bestellungen gibt sie die Wünsche in die Küche weiter und geht die Treppe nach oben.


    Da geht die Türe auf und ein kalter Luftzug weht durch die Stube, als Alrico eintritt. Er durchquert den Raum, lehnt seinen riesigen Korspieß an die Wand und setzt sich zum Zwerg an den Tisch. "Wenn er nicht an seinem eigenen Sabber erstickt, wird er ne ungemütliche Nacht haben. Aber jammern tut er wenigstens nicht.", murmelt er noch bar des Mitleids vor sich hin, streckt die Beine von sich und beginnt mit dem Zwerg eine Unterhaltung in Rogolan.