Die Schwarze Göttin

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    • Bevor Falconor oben bleibt und ihm damit die Möglichkeit gibt, wieder nach oben zu gelangen, kommt dieser nun ebenfalls nach unten. Waidhart lässt ihn passieren und sagt dann "Das ist eine gute Idee. Ich fange gleich mal damit an, die Sachen nach oben zu bringen." Dann schnappt er sich die nächste Kiste oder den nächsten Gegenstand und würde diesen nach oben bringen, sofern dieser dazu geeignet ist, ihn alleine über die Leiter zu transportieren.

      Eine alte Weisheit der Brabaker Beschwörer sagt: Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, mach dir Gedanken, wie lange dein Skelettarius noch anhält!

    • "Nicht so eilig, Waidhart, wir wissen ja noch gar nicht, wie und wohin mit allem", versucht Falconor den sehr eifrigen Grenzgänger aufzuhalten. "Aber vielleicht solltet Ihr trotzdem nach oben gehen. Es ist sicherer, wenn zumindest einer aufpasst, ob oben etwas vor sich geht."


      Falconor wendet sich wieder Fiya zu. "Habt Ihr solch ein Schimmern bei einer Klinge schon einmal gesehen?"

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    • "Eine gute Idee!" erwidert Waidhart auf Falconors Hinweis, dass im Moment oben niemand mehr zum Aufpassen ist "Schließlich könnte von oben jemand ... hm ... oder auch ... hm ... etwas kommen ..." Dann kann ich euch hoffentlich rechtzeitig warnen. Seine Hand, die gerade im Begriff war, nach der nächsten Kiste zu greifen, die neben der Leiter steht, zieht er wieder zurück und begibt sich dann rasch nach oben. Oben angekommen atmet er erst einmal tief durch und ruft dann nach unten "Hier oben ist alles in Ordnung. Es hat sich noch nichts verändert, seit wir nach unten gegangen sind." Dabei lässt er offensichtlich unberücksichtigt, dass gerade eben erst Falconor als Letzter hinab gegangen ist.

      Eine alte Weisheit der Brabaker Beschwörer sagt: Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, mach dir Gedanken, wie lange dein Skelettarius noch anhält!

    • Fiya schüttelt bei Falconors Frage den Kopf. "Nein. Aber es ist davon auszugehen, dass eine solche Klinge einen gewissen Ruf hat. Armalion soll orangefarben sein, Antworter und Vergelter sind schwarz, ebenso die Kaiserklinge Silpion, um nur wenige zu nennen. Doch eine weitere blaue Waffe ist mir nicht bekannt." Wahrscheinlich sollte sie sich auch mal Gedanken darum machen, ihr eigenes Schwert zu benennen - schließlich hat es nun auch besondere Eigenschaften, auch wenn es nicht aus einem besonderen andersfarbigen Stahl geschmiedet ist.


      Über Waidharts Verhalten muss sie schließlich dann doch schmunzeln. "Wir sollten uns die oberen Stockwerke des Bergfrieds anschauen", meint sie und greift sich Valaring, um mit dem Säbel wieder die Leiter empor zu steigen. "Danach können wir mit der Königin einen Raum abstimmen, wo wir all das Zeug von hier lagern."

    • Die Treppe nach oben führt ihn einen ähnlichen Raum mit identischer Einrichtung wie der auf Eingangsebene, nur dass von diesem eine Leiter nach oben auf die Plattform führt, von dem man zwischen den Zinnen hinaus über Burg und Umland einen guten Blick hat. Irgendwelche Symbole sind weder am oder im Treppenaufgang, noch sonst irgendwo zu entdecken, und auch sonst nichts Auffälliges.

    • Waidhart wartet ab, bis Fiya und Falconor ebenfalls wieder nach oben gekommen sind. Dann schließt er die Eingangstür zum Bergfried, um nach Möglichkeit mitbekommen zu können, wenn jemand in der Zeit, in der sie den oberen Bereich des Bergfrieds durchsuchen wollen, diesen betritt. Während er dann über die Treppe nach oben geht, ist er froh, dass er keine weiteren verdächtigen Zeichen oder sonstigen Feststellungen machen kann. Auch beschleicht ihn kein ungutes Gefühl, wie dies beim Betreten des Bergfrieds der Fall gewesen war. Nachdem er oben angekommen ist und im dortigen Raum nichts besonderes feststellen kann, klettert er gleich über die dortige Leiter weiter nach oben auf die Plattform des Bergfrieds. Dort angekommen, bleibt er zunächst stehen und genießt die frische Luft in der Höhe. Dabei atmet er mehrere Male tief durch und stößt die Luft dann wieder gut hörbar aus. Welch ein Unterschied dies zu den Räumen und muffeligen Kellern doch darstellt, geht ihm dabei durch den Kopf. Dann schaut er sich das Umland in alle Richtungen an, ob ihm dabei etwas besonderes auffällt. Dabei überlegt er auch, wo er selbst sich ein Außenversteck angelegt hätte, wenn er Xeraan, oder wie der gefährliche Magier auch immer hieß, wäre?


      Sollten ihm die anderen gefolgt sein, teilt er ihnen kurz mit, dass er nichts feststellen konnte "So, wie es aussieht, ist immer noch alles ruhig. So wie es bereits in den letzten Tagen der Fall war." Da er keine Hinweise auf eine besonders gut als Versteck geeignete Örtlichkeit feststellen kann, sagt er hierzu auch nichts. Sollten die anderen unten geblieben sein, begibt er sich wieder zu ihnen und informiert sie dann dort.

      Eine alte Weisheit der Brabaker Beschwörer sagt: Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, mach dir Gedanken, wie lange dein Skelettarius noch anhält!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Brogosch Sohn des Boromil () aus folgendem Grund: Ergänzung um Ergebnis des "Rundumblicks".

    • Der Magier klettert hinter Fiya, die die besondere Waffe an sich genommen hat, die Leiter nach oben. "Glaubt Ihr, dass es sich bei dem Säbel um den vermissten Valaring handelt?" Die Vermutung liegt nahe, und da sich die Baroness augenscheinlich gut mit berühmten Klingen auskennt, wie ihr kleiner Vortrag gerade gezeigt hat, fragt Falconor einmal nach.


      Weiter geht es den Bergfried hinauf, Waidhart ist bereits vorausgegangen und teilt ihnen mit, dass er nichts Außergewöhnliches festgestellt hat. Falconor ist ebenfalls nichts aufgefallen, entsprechend nickt er bestätigend. "Dann sollten wir jetzt die anderen und auch Ihre Majestät über unseren Fund informieren."

    • "Ja", antwortet Fiya auf Falconors Frage. "Oder glaubt Ihr etwa, dass es nur ein Zufall ist, dass wir einen legendären Säbel in den Schätzen Xeraans finden und dieser nichts mit der vermissten Waffe Ihrer Majestät zu tun haben soll?"


      Nachdem sie auch recht zügig die oberen Stockwerke durchsucht haben und nichts gefunden haben, schlägt sie vor: "Ich werde Ihrer Majestät den Säbel bringen und mit ihr abstimmen, wo wir die Wertgegenstände lagern sollen. Ihr zwei könnt in der Zwischenzeit mit der Durchsuchung der Türme beginnen", schlägt sie vor. Und so könnte Falconor auch seinem offensichtlichen Drang, den anderen immer sofort alles mitzuteilen, auch nachkommen, sobald er im jeweiligen Mauerabschnitt ist, wo sie Wache halten. Vielleicht sollte er einmal selbst bei sich oder einem Kollegen in Therapie gehen. Dieser Drang scheint ihr über das angemessene hinaus zu gehen.

    • "Nein, ein Zufall ist das sicher nicht, und es ist gut, dass Ihr ihn direkt an Euch genommen habt", stimmt Falconor der Baroness zu.


      Zu ihrem Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise hat er allerdings eine andere Meinung. "Xeraan ist in der Lage, direkt im Bergfried bei den gestohlenen Sachen zu erscheinen und Teile davon einzustecken und wieder zu verschwinden. Wer weiß, ob er das nicht bereits schon einmal oder öfter getan hat? Bevor wir uns um die weiteren Durchsuchungen kümmern, sollten wir zuerst der Bergfried leerräumen. Waidhart und ich werden hier Wache halten, während Ihr Ihrer Majestät den Säbel bringt und sie fragt, wo die Sachen gelagert werden sollen." Die Durchsuchung der Türme würde bis morgen warten können, zumal die Abenddämmerung bereits beginnt.

    • "Wart Ihr es nicht, der mich warnte, Xeraan sei zu gefährlich, um ihn alleine oder zu zweit anzugehen? Sollte er tatsächlich für das Gold kommen, dann bei den Göttern, lasst ihn. Das Gold ist ersetzbar, eure Leben nicht", entgegnet Fiya, da sie wenig Sinn darin sieht, den Raum zu bewachen, sofern sie nicht mit einem Dutzend Leute dort warten - falls das denn reicht. "Es könnte eine Weile dauern, einen passenden Raum zu finden und vielleicht noch herzurichten. Denn in die alte Schatzkammer können wir das Gold aus dem selben Grund nicht zurückbringen." Daher kam auch ihr Vorschlag, dass die beiden mit der Durchsuchung fortfahren sollten, soweit das verbleibende Licht das noch ermöglicht. Und im Zweifelsfall kann Falconor bekanntlich auch ein magisches herbeirufen. Ob bei diesem ebenfalls die Gefahr besteht, etwas in Brand zu stecken?

    • Mit ihrer Warnung, dass Xeraan zu gefährlich sei, um ihn nur zu zweit zu bekämpfen, hat Fiya natürlich recht. Nicht umsonst hatte Falconor die Baroness ebenfalls davon abhalten wollen, sich dem anderen Magier allein entgegenzustellen. "Ja, in der tat, für Waidhart und ich würden ihm wohl nicht viel entgegensetzen können. Hier hat mich mein Wunsch, ihm nicht auch nur noch ein bisschen etwas an Erfolg zu gönnen, wohl am klaren Denken gehindert", muss Falconor - innerlich zähneknirschend - zugeben.


      "Wir werden das restliche Tageslicht nutzen und zumindest schon in den ersten Räumen der Türme mit der weiteren Durchsuchung beginnen", sagt er abschließend.

    • Fiya nickt noch einmal und verlässt dann den Bergfried, um zum Tempel zu gehen. Sollte sie jemand von den anderen fragen, was sie im Bergfried gefunden haben, würde sie kurz erklären, dass Xeraan sein Diebesgut im Keller versteckt hat.


      Sie betritt den Tempel durch den Haupteingang, den Säbel dabei mit beiden Händen vor sich haltend. Würdevollen Schrittes geht sie langsam auf das Podest mit dem Altar zu, um dann wortlos vor der Königin auf ein Knie herabzusinken und ihr Valaring darzubieten.


      Die Ritterin überlässt es der Königin, eine passende Ansprache zu Valarings Fund den Amazonen gegenüber zu halten, weiß Fiya doch zu wenig über die Waffe und ihre Bedeutung, außer dass sie als die heilige Waffe Rondras angesehen wird. Sie signalisiert ihr allerdings, dass es noch etwas zu besprechen gibt, sobald sie die Zeit dafür hat, und würde sich bei einer passenden Gelegenheit in die hinteren Räume des Tempels zurückziehen und dort auf Yppolita warten, und dort dann detaillierter von ihrem Fund berichten und auch von dem Plan, das Diebesgut woanders hin zu bringen. Dafür bräuchte es lediglich einen geeigneten Raum - die alte Schatzkammer kommt hierbei jedoch nicht in Frage.

    • Dorlens Augen weiten sich, als Fiya Valaring in Händen haltend, auf den Tempel zukommt.

      Sie nimmt die kurze Erklärung hin und öffnet Fiya die Türe.


      Yppolita schaut auf, als Fiya herein kommt. Kurz bleibt ihr Blick auf den ungewöhnlichen Säbel gerichtet. Mit einer würdevollen Bewegung ergreift sie die Waffe, als sie ihr gereicht wird. Sie hält den Säbel vor ihr Gesicht, als wolle sie sich von der Unversehrtheit überzeugen, oder einfach das Gewicht der Waffe fühlen und sie anschauen.

      "Vielen Dank sagt sie", und nickt dann kurz bei Fiyas weiteren Worten über ein zu führendes Gespräch.


      Dann hält sie den Säbel kurz auf beiden Handflächen, legt ihn sodann auf dem Altar ab, und schaut von Altar oder Waffen zu ihren Amazonen. Mit einer langsamen Bewegung zieht sie ihren Säbel aus der Scheide und schiebt Valaring statt dessen hinein.



      Sie kommt vielleicht den vierten Teil einer Stunde später nach hinten und lässt sich berichten. "Erstaunlich", meint sie, dass Tikki die Dämonen gewissermaßen fort getrommelt hat.

      Als sie erfährt, dass eine große Menge an Gold und Wertgegenständen im Bergfried gefunden wurde, hellt sich ihr Gesicht auf. "Das ist gut", sagt sie erleichtert.

      "Wenn ich es richtig verstehe, käme dieser Xeraan ohnehin gut möglich überall hinein dank seiner Magie? Dann ist es fast egal, wo es hinkommt, weil verschlossene Türen wenig bringen? Dann schlage ich das Sitzungszimmer hinter dem Thronsaal vor. Das wird absehbar nicht benutzt, kann nur durch den Thronsaal betreten werden, liegt vergleichsweise nah zum Bergfried und ebenerdig."

    • Die kurze Zeit des verbleibenden Tageslichts nutzend, setzen Waidhart und Falconor die Durchsuchung in einem der Türme fort, während Fiya im Tempel ist.



      Die nächsten Tage sind weiterhin vollauf in allen Stunden gefüllt und man kann sich schon glücklich schätzen, sich abwechselnd einige Stunden Schlaf zu bekommen.

      Die gefundenen Wertgegenstände aus dem Bergfried werden am folgenden Tag in den Sitzungsaal verbracht und von Yppolita zumindest schon einmal flüchtig durchgesehen, um das, was Eigentum der Amazonen ist, von jenem zu trennen, was Raubgut ist. Auch die Prunkrüstung der Königin und ihre Rüstung für den Kampf finden sich darunter. Zugleich werden die Türme, Pferdestall und Scheune (in der sich auch ein Hühnerstall und ein Schweinestall befinden)

      Am übernächsten Tag Tag, dem 24. Rondra, ist Yppolita soweit, diesmal in Begleitung Juniveras, zu Pferde die Dörfer abzureiten und dort zu sprechen. Yppolita in Prunkrüstung und auf dem Rücken des Raben bietet ein eindrucksvolles Bild. In Kiesfurten, dem Ort an der Brücke fangen sie. Die Königin ruft die Dörfler eines Dorfes zusammen und spricht vom Pferderücken aus zu ihnen. Umfassende Erklärungen, was vorgefallen ist, gibt sie nicht ab, aber sie tut kund, dass nun wieder normale Verhältnisse einkehren, sie sich für etwaig entstandene Sorgen und Ungemach entschuldigt und unrechtmäßig eingezogene Steuer und Geld zurück gezahlt werden. Man möge Aufstellungen darüber zur Burg bringen.

      Vor allem jedoch wird es Zeit für die Safranernte, weist Yppolita an.

      Weiterhin werden derweil noch die Tiere versorgt wie auch für die Menschen Essen zubereitet und Wache gehalten.


      Danach hat die Königin aber auch die Zeit, ein Gespräch mit zu führen.

      Sie teilt Junivera nach dem Gebet im Tempel mit, dass sie sie gleich zu sprechen wünscht, in dem Unterrichtsraum hinten im Tempel.


      „Selbstverständlich, Eure Majestät“, antwortet Junivera mit gesenktem Blick und belegter Stimme. Sie hat nicht viel Zeit, ihre Gedanken zu sammeln. Das ist auch unnötig bzw. sinnlos. Schließlich hat Junivera die letzten Tage beim Wachen oder anderen Arbeiten schon oft genug darüber nachgedacht, ob dieser Tag wohl kommen würde und wie sie sich dann verhalten und was sie sagen soll. Aber vielleicht geht es ja auch um etwas ganz anderes? Eine zu verrichtende Aufgabe?

      Mit einem dicken Kloß im Hals und einem leichten Zittern der Hände rückt sie also nochmals ihre ziemlich lädierte Montur zurecht und betritt schließlich den Unterrichtsraum. Ihre Nervosität ist ihr mehr als deutlich anzumerken. Sie schließt die Tür hinter sich, neigt den Kopf zu einer kleinen Verbeugung und wartet bis sie angesprochen wird.


      "Nun, da wir etwas mehr Zeit und Muße haben, ist Zeit, über andere, wenn auch auf andere Art bedeutsame Dinge zu sprechen", beginnt die Königin, Junivera mit ihren blauen Augen unverwandt anschauend.

      Obwohl es Pulte und je einem Stuhl vor einem gibt, steht sie in der Mitte des Raumes. Sie trägt die Prunkrüstung und Valaring an ihrer Seite.

      "Du hast dich als Junivera von Keshal Rondra vorgestellt, aber erst im Tempel, und ich sehe, dass einige Insignien deiner Rüstung fehlen. Ich erinnere mich an die Nachricht, dass eine Junivera ohne ein Wort der Erklärung Keshal Rondra verließ vor über zwei Götterläufen. Erkläre dich", fordert sie Junivera mit ernst-neutralem Gesichtsausdruck und Tonfall auf.


      „Die bin ich ... war ich“, bringt Junivera nach schwerem Schlucken heraus. Auch ihre weiteren Worte sind ziemlich stockend und sie wagt es nicht, ihrer Königin ins Gesicht zu schauen, fühlt den forschenden Blick aber förmlich auf sich. „Verzeiht, dass ich nicht sofort ehrlich war, … die anderen hatten keine Ahnung. … Ich habe meinen vollen Namen und meine Herkunft zum ersten Mal seit über zwei Götterläufen preisgegeben, weil … weil ich hoffte, hier zu helfen. Vielleicht kann etwas von dem, was hier in den letzten Tagen geschehen ist, ein Anfang für meine Buße sein, denn bisher habe ich leider darin versagt.“ Jetzt erst wagt sie es, den Blick zu heben, um die Reaktion Yppolitas lesen zu können. Ihre volle Geschichte erzählt sie nicht sofort, denn woher weiß sie denn, ob sie nicht gleich mit Schimpf und Schande aus der Burg fliegt, sobald sie ihre Identität eingesteht.


      Yppolitas Gesicht ist weiterhin ernst, streng, darüber hinaus unbewegt. Unverwandt hält sie ihren Blick auf Junivera vor sich gerichtet, deren Unbehagen mehr als deutlich ist. Kurz nur streifen ihre Augen das Narbengeflecht auf Juniveras Oberarm, das unter dem Reif hervorschaut, bevor sie sich wieder auf Juniveras Gesicht heftet.

      "Du wurdest nicht verbannt", sagt sie, weiterhin neutral, so dass nicht heraus zu hören ist, wie sie dazu steht, "doch bist du ohne ein Wort gegangen nach einem Kampf. Erkläre dich nun also, Junivera von Keshal Rondra, da du dich selber noch so nennst."

      Dem Tonfall könnte zu entnehmen sein, dass sie kein drittes Mal fragen wird.


      Nicht verbannt, für Junivera ist das der hellste Hoffnungsschimmer seit über zwei Götterläufen. Denn natürlich konnte sie nicht wissen, was nach ihrem Weggang passiert ist.

      Junivera nickt und beginnt, nun weniger stockend: „Das Ganze begann vor etwas drei Götterläufen. Meine Schwester – wir waren bisher ein Herz und eine Seele – begann sich zu verändern. Verträumt schien sie manchmal und verschlossen, abwesend und mürrisch. Ich hakte wieder und wieder nach, konnte aber nichts erfahren. Ich machte mir große Sorgen. Daher kamen sicher auch die Kopfschmerzen, die ich morgens so oft hatte, dachte ich. Eines Morgens erwachte ich durch ungewohnten Lärm und erst als die Sonne schon hoch am Himmel stand. Nicht das übliche Waffengeklirr und Pferdewiehern, sondern lautes Geschrei. Ich war erschrocken, denn ich hatte die Morgenandacht verschlafen. Mein Kopf schmerzte furchtbar und meine Kehle war trocken. Meine Schwester war nirgends zu sehen.

      Was ich auf dem Hof sah, wird mich für immer verfolgen: Ismene, meine Schwester, kniete vor Ayshal al' Yeshinna. Sie sah zerschunden aus und trug keine Waffen. Ihr Blick war trotzig und sie rief: „Ja, ich liebe diesen Mann! Ich spucke auf diese Burg und ihre Enge! Ich spucke auf diese Göttin, die mich nicht lieben lässt!“ Aus Liebe zu meiner Schwester flehte ich für sie um Gnade – und die Strafe wurde in Verbannung umgewandelt. Ohne einen Blick zurück verließ Ismene Keshal Rondra. Ich erfuhr später, dass sie mir seit langem ein Schlafgift in den Becher getan hat, um sich nachts aus der Burg zu schleichen und sich mit einem Mann zu treffen!“

      Junivera macht eine kurze Pause, auch um Rückfragen zu ermöglichen, und fährt dann fort, jetzt wesentlich emotionaler und nicht so tonlos wie zuvor.


      Ruhig und weiterhin unbewegt lauscht Yppolita Juniveras Beginn ihres Berichtes. Daher unterbricht sie auch mit keinem Wort, um Junivera nicht darin zu stören, ihren Gedanken in die Vergangenheit zu folgen, und zu berichten, was sie womöglich noch niemandem erzählt hat.


      Dann fährt Junivera fort, jetzt wesentlich emotionaler und nicht so tonlos wie zuvor.

      „Ich war völlig erschüttert, am Boden zerstört. Wie konnte sie mich und ihre Schwestern nur so verraten?! Viele Monde vergingen. Ich arbeitete hart, meditierte viel und bat die Herrin, sie möge ihrer Schwester den Mut zur Einsicht und die Kraft zur Reue schenken.

      Eines Tages war ich mit einer zehnköpfigen Eskorte unterwegs, um Einträge aus den Dörfern zur Burg zu begleiten. In einem Hohlweg lauerten uns mehrere Dutzend Räuber aus Ferkinas und anderen zusammengewürfelten Gestalten auf. So dreist waren sie noch nie gewesen! Und ich traute meinen Augen nicht als sie Ismene an ihrer Spitze entdeckte. Ein heftiger Kampf entbrannte. Mitten im Getümmel, alles andere um uns herum vergessend fochten wir erbittert gegeneinander. Ismene war mir früher meist überlegen, aber ich hatte viel gelernt. Wir bewegten uns dabei weit vom ursprünglichen Kampfplatz weg. Schließlich errang ich den Sieg.“

      Junivera lächelt sarkastisch und macht erneut eine Pause. Dann schluckt sie erneut schwer, streicht sich nervös zu störrischen schwarzen Locken aus dem Gesicht.

      „Und hier, meine Königin, ging ich fehl. Ich brachte es nicht sofort übers Herz, meine Schwester zu töten. Heute weiß ich, dass ich es hätte tun müssen. Stattdessen sprach ich auf sie ein und sagte ihr all das, was ich mir in vielen imaginärer Streitgespräche ausgemalt hatte. Ich erinnerte sie an Ehre und Pflicht, an den Segen Rondras und die schwesterliche Gemeinschaft der Achmad´sunni. Und tatsächlich lenkte Ismene ein und schwor heilige Eide, alles für ihre Rückkehr in den Schoß der Burg zu tun. Ich war unglaublich erleichtert. Und ich machte einen weiteren Fehler: Ich sah mich um, um überhaupt festzustellen, wohin es uns verschlagen hatte und um den Rückweg zu den anderen zu finden. Da traf mich ein Schlag am Hinterkopf und da war nur noch Schwärze.“

      Junivera schüttelt den Kopf und streicht sich über die Schläfen als hätte sie Kopfschmerzen.


      Juniveras Worte scheinen etwas in der Königin auszulösen, doch ob ihrer großen Selbstbeherrschung ist nicht der Finger von Junivera (die auch nicht sehr versiert darin ist, Gestiken oder Mimik eines Gegenübers zu erkennen und einzuschätzen) drauf zu legen, was es ist. Andererseits kann Junivera gut möglich erahnen, um was es geht, wurde doch Yppolita selber durch die Intrige ihrer leiblichen Schwester vom Thron gestürzt, noch vor Juniveras Geburt.

      Zugleich bleibt auch eine gewisse Aufmerksamkeit bei Junivera und ihren Worten.

      Kurz schweigt sie, um Junivera ungestört die Gelegenheit zu geben, auch den Rest zu berichten.


      „Als ich wieder erwachte, lag ich allein im Wald. Alles war still. Ich war völlig verwirrt und wusste nicht, was passiert war. Meinen eigenen Spuren folgend ging ich zurück. Aus der Deckung wurde ich gewahr, dass drei meiner Schwestern ihr Leben durch hinterhältige Attacken der Räuber gelassen hatten.“

      Wieder stockt sie in ihrer Erzählung und man kann deutlich hören, dass es ihr die Kehle zuschnürt. Tränen sammeln sich in ihren Augen.

      „Keine war unverletzt. Grauen erfasste mich und jetzt erst erinnerte ich mich an alles. Die Schwestern unterhielten sich. Da ich verschwunden war, mutmaßten sie sogar, dass ich sicher mit Ismene unter eine Decke stecken würde und sie in den Hinterhalt gelockt hätte. Wie sollte ich das entkräften?!“

      Nun sieht die schwarzhaarige Kriegerin in ihrer abgewetzten Uniform verzweifelt aus.

      „Es war meine Schuld. Ich hatte Ismene, die Frevlerin, laufen lassen. Ich hatte ihr zu leicht Glauben geschenkt und ihr sogar den Rücken zugedreht. Und das nachdem die Herrin mit mir war und mir den Sieg über Schwester geschenkt hatte! Ich war schwach und dumm. Ich hatte mein Volk verraten. Und ich war Schuld am Tod von drei Amazonen. Und ich hatte in den Augen Rondras versagt! Ich wagte es nicht, meinen Schwestern unter die Augen zu treten. Ich schwor, Ismene zu finden und zur Verantwortung zu ziehen. Wochenlang irrte ich umher. Ich war ja noch nie lange außerhalb der Burg gewesen. Das Lager der Räuber fand ich zwar, aber es war verlassen. Die Spur war kalt.“

      Junivera senkt den Blick schamvoll, denn der letzte Teil der Geschichte ist einfach zu beschämend.

      „Als ich kurz vor dem Verhungern war verdingte sie mich schließlich als Söldnerin“. Dieses Wort spuckt sie regelrecht angewidert aus. „Seitdem bin ich hier und dort, kämpfe für mein Brot und hoffe, irgendwo meine frevlerische Schwester oder den ehrenhaften Tod im Kampf zu finden. Hierher kam ich, weil das Haus Stoerrebrandt mich als Geleitschutz für den Magier anheuerte.“

      Junivera endet ihre Erzählung mit einer hilflosen Geste, die sagt: Das war´s. Mit gesenktem Haupt erwartet (und fürchtet) sie die Reaktion ihrer Königin.


      Diese jedoch schweigt noch etwas länger, betrachtet Junivera, doch schaut auch nachdenklich drein.

      "Wir Menschen sind endlich in unserem Denken und unseren Möglichkeiten, nur die Götter sind unendlich", sagt sie schließlich und fährt fort: "Du warst voller Angst und Unsicherheit. Du hättest zurückgehen und deiner Burgherrin erzählen können, was geschah und was deine Beweggründe sind. Es ist Rondra, die ihr Urteil fällt, nicht du, die du überzeugt bist, Rondras Urteil zu kennen. Schlussendlich weißt du nicht, wie deine Worte aufgenommen worden wären, wenn darüber nachgedacht und beratschlagt worden wäre. Es war deine Schwester und erst einmal hattest du keinen Grund anzunehmen, dass sie soweit gefallen ist, auch wenn die eigenen vormaligen Schwestern anzugreifen und alles zu verraten, was ihr einst lieb und teuer war, ein Hinweis hätte sein können.

      Zu flüchten, als hättest die Schuld auf dich geladen, war ein Moment der Schwäche, für den du lange gebüßt hast, wie mir scheint. Sag, hast du dich stets an die Gebote der Leuin gehalten, als du außerhalb der Burg warst? Warst du im Herzen und im Auftreten eine Amazone?"


      Mit gesenktem Kopf lauscht Junivera den Worten Yppolitas. Nicken zeigt, dass sie die Kritik anerkennt, dass sie sich zu Unrecht ein Urteil über Rondras Ratschluss angemaßt hat und dass ihre Flucht eigentlich Schwäche war. Und zuckt sie nicht bei der abschließenden Frage der Königin ein kleines bisschen zusammen?

      Mit der Antwort zögert Junivera eine ganze Weile, den Blick weiter gesenkt. „Darüber müssen andere urteilen“, beginnt sie dann vorsichtig. „Nun … ich habe meinen Namen abgelegt und war immer nur Junivera. Junivera, die Söldnerin, aus der Gegend um Punin. Ich habe also meine Herkunft verleugnet, um … Naja, zum einen hatte ich das Gefühl, dass ich es nicht mehr verdient hätte, mich stolz eine Amazone zu nennen und zum anderen hat das unangenehme Frage vermieden. Meistens. Und wenn Fragen kamen, dann habe ich … nun ja … ich bin ausgewichen. Ich habe aber immer versucht nicht zu lügen.“

      Sie hält kurz inne und schaut an sich selbst herab. „Außerdem habe die die klaren Zeichen meiner Herkunft auch aus meiner Erscheinung getilgt - das Wappen auf meinem Schild überdeckt, die Griffe der Säbel umwickelt, die Verzierung der Brünne verborgen.“ Ihre Hand wandert über den Lederflicken an der Rüstung.

      Sie strafft sich etwas und schaut ihre Königin an, als sie fortfährt: „Ich habe mich immer bemüht, so etwas wie den von … zu Hause gewohnten Drill aufrecht zu erhalten. So viele Übungen wie möglich. Auch habe ich versucht, meine Fähigkeiten im Kampf weiterzuentwickeln“. Ein bisschen Zweifel schwingt bei dieser Aussage dennoch mit, denn Junivera ist sich bewusst, dass ihr Übungen ohne Anleitung nicht dasselbe Ergebnis hatten und dass sie durch das harte Leben der letzten zweieinhalb Jahre körperlich nicht ganz in der Form ist, in der sie sein sollte oder könnte. „An die Gebote der Herrin habe ich mich im Kampf immer gehalten“, sagt sie voller Überzeugung, „auch wenn ich meine Klinge verkaufte, um nicht zu verhungern. Mehr als einmal habe ich Schwächeren aber auch einfach geholfen, weil sie Hilfe brauchten.“

      „Und ich habe mir das Mannsvolk immer energisch vom Leibe gehalten“. Nicht einfach unter Söldnern, fügt sie im Geiste hinzu.

      „Aber …“, setzt sie nochmals an, nur um gleich wieder zu verstummen. Im Vergleich zu dem, was sie jetzt beichten muss, war das bisher Gesagte leicht. Sie atmet hörbar durch und kniet vor Yppolita auf einem Knie nieder. Mit gesenktem Kopf spricht sie weiter: „Ich war überzeugt, vor der Leuin so tief gefallen zu sein, dass ich es nicht wagte, meine Gebete an sie zu richten oder überhaupt ihren Namen im Mund zu führen. Ob morgens oder abends, vor oder in einem Kampf … Ich schob die Gebete und Lieder, die mir so oft auf den Lippen lagen weg. Ich versuchte meinen Glauben wegzuschließen.“ Ihre Stimme versagt, und sie muss sich räuspern, um den letzten Punkt dieser Beichte auszusprechen: „Und ich lernte, Vergessen und Schlaf auf dem Grund von Weinbechern zu finden.“

      Den steinernen Boden vor sich anstarrend harrt Junivera dann dem Urteil, das über sie gefällt wird.


      Yppolita schüttelt einige Male sacht den Kopf bei Juniveras Antwort, gerade anfangs. Als dann Junivera vor ihr niederkniet, bewegt sie keinen Muskel.

      „Du bist wahrlich gefallen“, stellt sie dann fest. „Aber meine Frage war: Warst du im Herzen und in deinen Taten eine Amazone, Junivera? Dich frage ich, nicht andere!“, sagt sie fordernd. „Du bist von den Amazonen weggegangen und hast dich nicht als eine vorgestellt, aber das ist nicht das, wonach ich gefragt habe!“


      Darauf folgt längeres Schweigen von Junivera. Sie starrt, immer noch kniend, auf den Steinboden vor sich und stellt sich genau diese Frage. Ihr Puls hämmert ihr in den Ohren. Sie weiß, dass die nächste Antwort wohl über ihr weiteres Schicksal entscheiden wird. Ihre Verfehlungen sind gebeichtet – und sie dachte, dass der nächste Schritt nun sein würde, das Urteil zu akzeptieren. Aber weit gefehlt. Nun muss sie erst einmal über sich selbst urteilen. Die Lösung findet sie schließlich, als sie sich fragt, ob sie in der Lage wäre mit Nein zu antworten. Ist sie nicht, denn das wäre gelogen. Ihr wird klar, dass es genau das war, was ihr die ganze Zeit über solchen Schmerz bereitet hat: Sie ist nichts anderes als eine Amazone und sie will auch nichts anderes sein.

      Es kostet sie unendlich viel Überwindung zu Yppolita aufzublicken. Mit so fester Stimme wie es nur eben geht, sagt sie: „Ja. Die Antwort ist ja. Und ich will alles tun, um Buße zu tun und wieder heimzukehren.“


      Ein Hauch von Zufriedenheit blitzt bei Juniveras schlussendlicher Antwort kurz in Yppolitas Augen auf. „Gut. Das wollte ich wissen. Vor allem solltest du selber wissen, wer und was du bist und wo du stehst. Und dies gilt auch dem Wein, den du gerade erwähnt hattest. Wie sehr hast du dich ihm ergeben?“


      Wieder schweigt Junivera einige Augenblicke, auf der Suche nach einer Antwort. „Nun, ich konnte vor lauter Selbstvorwürfen und Grübeleien oft nicht schlafen“, beginnt sie – noch immer knieend – mit ihrer Erklärung. „Und ich lernte, dass Wein oder Bier oder was eben gerade da war mir dabei half, diese elenden Gedanken auszuschalten. Nicht täglich, aber trotzdem zu oft … vor allem wenn mich etwas an die Heimat oder das Geschehene erinnert hat … oder wenn mir das Söldnertum gar zu unerträglich wurde.“


      Yppolitas Gesichtszüge verhärten sich leicht. „Und wie stehst du dazu?“, erkundigt sie sich. „Glaubst Du wirklich, dass er hilft? Wahrlich hilft?“


      Dieses Mal muss Junivera nicht lange überlegen bevor sie antwortet: „Nein. Wein mag Vergessen für wenige Stunden bringen. Aber das Erwachen ist umso bitterer. Und ich weiß auch, dass meine Fähigkeiten leiden, Aufmerksamkeit, Kraft, Gewandtheit …“. Sie hat zwar versucht, die von der Burg gewohnten Übungen fortzuführen, aber das ist nicht dasselbe wie täglicher Drill unter Anleitung. Auch ist ihr bewusst, dass ihre Verfassung in den letzten Mondläufen unter der Trinkerei gelitten hat.


      „Also wirst du es ab nun nicht mehr tun?“, wird noch einmal nachgehakt.


      Junivera nickt zur Antwort. So gefragt, kommt ihr eine Idee: „Teil meiner Buße könnte ein Schwur sein: Nie wieder ein Tropfen Wein … und anderes.“


      „Könnte?“, fragt Yppolita. „Könnte? Tue es, oder tue es nicht. Es gibt kein ‚vielleicht‘ für die eigene Zukunft! Du weißt, dass es schlecht und falsch ist, also handel danach im sicheren Wissen!“


      Schon wieder muss Junivera einsehen, dass sie ihre Worte noch sorgfältiger wählen sollte – nicht ihre Stärke. Sie würde sich am liebsten selbst treten. „Natürlich … Verzeiht, ich habe mich falsch ausgedrückt“, sagt sie mit gesenktem Kopf. „Als Teil meiner Buße werde ich diesen Schwur leisten“.


      „Eine Buße ist, sich selber Einschränkungen und Beschwernisse aufzuerlegen. Ist es eine Einschränkung, auf den Wein zu verzichten, wenn du da nur Zuflucht drin suchst und er, wieder du selber sagst, schlecht für dich ist? Solltest du nicht deshalb auf ihn verzichten, über deine Buße hinaus?“, bohrt die Königin unbarmherzig nach.


      „Beides ist wahr“, entgegnet Junivera, nachdem sie kurz über die Worte der Königin nachdenken musste. „Ich muss darauf verzichten, weil es mich sonst zerstört. Aber es wird mir auch sehr schwer fallen, denn das Verlangen ist oft stark. Und ich bin weit entfernt davon zu glauben, dass es mit meiner Buße damit getan ist“, betont sie noch.


      „Über Deine Buße werden wir später sprechen, Junivera. Für den Moment sei mir dies genug, dass du mir Rede und Antwort gestanden hast. Und vielleicht“, endet die Königin, „hast du ja auch einige Einsichten über dich selber und dein Denken und deine Taten erlangt.“


      „Ja, Eure Majestät“, antwortet Junivera gehorsam und betrachtet sich mit diesen Worten der Königin als entlassen. Dass es überhaupt ein „Später“ und eine Buße geben wird, betrachtet sie als gutes Zeichen. Das hätte auch anders kommen können.


      Sie erhebt sich, um den Raum zu verlassen, dann wird ihr aber klar, dass ihr noch eine wichtige Sache unter den Nägeln brennt. „Darf ich noch eine Frage stellen?“, fragt sie vorsichtig.


      Yppolita hat sich in den Herzschlägen, in denen Junivera sich erhob, umdrehte und noch einmal umdrehte, nicht bewegt.

      „Ja.“


      „Nun … ähm ... Natürlich geht es vor, die Achmad´sunni Kurkums wieder auf den rechten Weg zu bringen …“, es ist Junivera deutlich anzumerken, dass sie Schwierigkeiten hat, die richtigen Worte zu finden. „Aber wenn das hier … ich meine das Schlimmste hier vorbei ist … was wird dann aus mir?“


      „Hast du davon nicht gerade selber gesprochen, Junivera von Keshal von Rondra? Dass du eine Amazone stets im Herzen und Handeln geblieben bist, dass du heimkehren möchtest und dir Buße auferlegen möchtest?“, fragt die Königin fast sanft zurück.


      Junivera Herz macht einen Freudensprung. Oder ist es ein riesiger Fels, der von ihr abfällt? Es klingt so, als dürfte sie wirklich heimkehren. Sie ist allerdings auch nach wie vor verwirrt, denn sie hätte nicht erwartetet, dass die Königin nach ihrem eigenen Urteil über sich selbst fragen und es so hoch gewichten würde. Im Gegenteil, sie hatte ein Urteil von oben erwartet.


      „Das möchte ich, Eure Majestät, aber Euch obliegt die Entscheidung, ob ich es auch darf“, erklärt sie ihr Zögern zurückhaltend. „Ich … ich frage mich auch, … ob ich vielleicht bleiben darf und mich hier in Kurkum weiter nützlich machen kann? Oder muss ich nach Keshal Rondra zurück, um mich dort der Burgherrin zu stellen?“


      Yppolita betrachtet Junivera ernst. „Rückkehr und Buße schließen sich nicht aus, ebenso wie eine Rückkehr auf deine Stammburg ebenfalls bedeutet, dich deinen dortigen Schwerstern zu erklären und zu stellen. Eine Rückkehr bedeutet nicht, dass ein steiniger Weg zu Ende ist.“ Sie macht eine Pause von ein oder zwei Herzschlägen. „Doch ja, deine Hilfe in Kurkum wäre hilfreich, und auch Rondra würde dies sicherlich mit Wohlwollen betrachten.“


      Junivera verneigt sich. „Habt Dank, das ist weit mehr als ich lange zu hoffen wagte. Mit Eurer Erlaubnis würde ich also auf Kurkum bleiben und hier mit meinem Weg zurück beginnen. Ich werde nach Kräften helfen, um die Schandtat dieses Magiers zu überwinden. Darin sehe ich einen Anfang, meine eigene Schuld zu begleichen … bis ich es eines Tages wieder wert bin, die Kurkumerinnen und die Achmad´sunni von Keshal Rondra Schwestern zu nennen.“


      So endet Junivera und wartet ab, ob sie nun entlassen ist.


      Da sie das ist, nickt die Königin nur.



      Im Tempel führt Yppolita auch Einzelgespräche mit nach und nach all ihren Amazonen (wenn auch teilweise Hana mit dabei ist), denn es gilt über diesem Wege festzustellen, wer wie denkt, wer dem dunklen Einfluss schnell verfiel, aber auch, wer sich einen Zweifel erhielt, wer sich was hat zuschulden kommen lassen, und wer persönlich an der Ermordung der Geweihten beteiligt war.

      Diese Dinge zu erfahren, sind hart für Yppolita, denn sie wird es sein, die über ihre Amazonen noch zu Gericht sitzen wird und Urteile verhängen. Es wird harte Strafen geben, auch einige Todesurteile.


      Die Amazonen jedoch, bei denen sie nach Befragung und Tagen der Beobachtung sich soweit sicher zu sein glaubt, lässt sie aus dem Tempel, darunter auch einige vom Gesinde und den Handwerkerinnen. Sie wissen sich stets unter Beobachtung, übernehmen aber viele der anfallenden Arbeiten wie Küchen- und Stalldienst, aber auch Wachdienst.

      Für Wachdienst auf dem Pass reicht es noch nicht.

      Fünf der Amazonenkriegerinnen fehlen und sind bislang auch nicht aufgetaucht, zusätzlich jener, die von den Söldnern gefangen genommen worden war. Diese fünf sind bislang nicht aufgetaucht und Yppolita sorgt sich, was mit ihnen vorgefallen sein mag, oder was sie getan haben könnten.


      Die toten Geweihten werden auf dem Boronsanger der Burg bestattet. Dieser liegt östlich der Burg unterhalb des Flussarmes. Da es keine Geweihte unter den Amazonen gibt, die den Segen sprechen kann, kommt die Boron-Geweihte Marbonia aus einem der Dörfer, um dies zu übernehmen.


      Zu den Bußaufgaben der Amazonen im Tempel gehört es, diesen aufzuräumen und zu säubern und zu reparieren, was repariert werden kann. Eine neue Statue soll später in Auftrag gegeben werden.


      Der Geheimgang ist nicht vergessen worden, rutschte nur auf der Liste der anstehenden Dinge eher weiter nach unten. Die Eingänge werden voraussichtlich zugeschüttet und zusätzlich verbarrikadiert.



      Königinnenreich der Amazonen, Burg Kurkum, 30. Rondra 1010 BF/17 Hal


      Erschöpfung und Müdigkeit ist wohl Dauergast in der Burg. Doch nun zeichnet sich ab, dass wieder alles zunehmend mehr in geordnetere Bahnen übergeht. Immer mehr Amazonen wurden aus dem Tempel entlassen, wenn sie auch unter strenger Aufsicht steht, andere sind eingesperrt. Es gilt für die rettenden Helden zwar immer noch viel zu tun, doch liegt nicht mehr alles allein auf ihren Schultern, was mehr Zeit zum Ruhen lässt, aber auch womöglich innere Ruhe gibt.

      An diesem Tag lässt Yppolita durch Hana bekannt geben, dass sie die Gäste der Burg zur Rondrastunde in ihrem privaten Schreibzimmer empfangen möchte.


      Sie sitzt, wieder in der Prunkrüstung (zuletzt hatte sie mehr eine weniger verzierte und einfachere Ausgabe der Rüstung getragen) auf einem gepolsterten Armstuhl in dem eher kleinen Raum in der ersten Etage des linken Hauptflügels.

      "Meine Freunde und Retter Kurkums, Wir möchten euch für Eure Hilfe und Unterstützung, ohne die noch viel größeres Unglück geschehen wäre, danken", beginnt Yppolita, ganz Königin, wie der Pluralis Majestatis zeigt. "Ihr habt Uns gerettet und die Amazonen, die sich so furchtbar haben verleiten lassen, sich einer Götzin zuzuwenden und zu tun, wogegen sich ihr Inneres sträuben sollte. Das Volk der Amazonen und Wir persönlich werden dafür stets in eurer Schuld stehen. Zusätzlich seid ihr noch darüber hinaus geblieben, auch dafür sind Wir euch zu Dank verpflichtet.

      Nun naht die Zeit, in der ihr bald aufbrechen wollt, doch sollt ihr mit mehr als verbalem Dank gehen, soweit überhaupt dieser Dank jemals angemessen geäußert werden kann.

      Ihr habt Uns und Unserem Volk einen zu großen Gefallen getan, um dies nur mit Worten zu danken."


      Sie greift zu einem kleinen Holzkästchen, das vor ihr auf dem Tisch steht, öffnet es und steht auf und geht um den Schreibtisch herum. "Tretet vor, Unsere Freunde und Freunde Kurkum!"


      Einen jeden, der vor sich tritt, fordert sie auf, die Hand auszustrecken. Auf jeden Ringfinger (im Zweifelsfall der anderen Hand) schiebt sie einen Silberring, der mit schleichenden Löwinnen graviert ist.

      "Mit diesem Ring geht der Ehrentitel 'Gast der Kurkumer Königin' einher", erklärt sie. "Jede Amazone erkennt und anerkennt diesen Ring und damit Trägerin oder Träger und wird ihr oder ihm Gastfreundschaft, Respekt und Unterstützung gewähren. Soweit der Weg zu einer anderen Burg bekannt ist, gewährt dieser Ring Einlass. Es gibt nur wenige Trägerinnen und Träger dieses Ringes, und auch diese anerkennen sich gegenseitig.

      Es ist Uns Ehre und Freude, Euch diesen Ring an den Finger stecken zu dürfen." Danach reicht sie jedem die Hand zum Kriegergruß.