Auf der schnellen Schnegge
Geldons Kombüsenexpedition fördert nicht viel zu Tage aber immerhin findet sich ein fast versteinertes Stück Speck, dass sich in einer Spalte im Boden des Vorratsschrankes versteckt hatte und zwei Bröckchen Käse aus den Mausefallen, Geldon war sich ziemlich sicher dass es auf dem Schiff keine Mäuse mehr gab, die Ratten und das sinkende Schiff...
Sedef findet in der Kapitänskajüte, welche ob ihres Ofens zum behelfsmäßigen Lazarett umfunktioniert worden war die "Patienten" bei einer leisen Unterhaltung über ihre Heimat vor. Ein kräftiger Thorwaler Leichtmatrose mit Feuerrotem Rauschebart und Glatze - Olaf wenn er sich recht erinnerte - debattierte offenbar so leidenschaftlich wie es ihm mit seiner gebrochenen Rippe möglich war mit dem Albernier der immer dem Zimmermann zur Hand gegangen war - Kervin oder irgendwas ähnlich klingendes - darüber, ob Pottwal Prem oder Sturmwind Olport die beste thorwalsche Immammannschaft war. Ein abstraktes Thema angesichts ihrer wenig aussichtsreichen Lage, abr offenbar wer der Konsens unter den Verletzten, sich lieber abzulenken und das "wir werden alle erfrieren, wenn wir nicht vorher verhungern!"-Thema nicht anzuschneiden.
Bis auf den Thorwaler mit seiner Rippe und einer jungen Bootsfrau aus Riva mit einer hässlichen Säbelwunde am Arm, welche eine Sehne gekappt hatte und deren Arm wohl für immer steif blieb, finden sich "nur" Fleischwunden und Blaue Flecke die auf dem Weg der Besserung sind, aber draußen in der Kälte nichtsdestotrotz den Unterschied zwischen Leben und Tot ausmachen würden. Die Namen der Rivanerin und des letzten im Bunde - ebenfalls eine Svelltalerin soweit man das beurteilen konnte - kannte Sedef gar nicht.
Die Wunden waren allesamt leidlich gut versorgt worden, aber etwas Nachsorge konnte sicher nicht schaden.
Außer diesen drei Kabinen - denen von Sedef und Geldon und der Kapitänskajüte - gab es an Bord nur noch die Kombüse, einen Lagerraum und den Frachtraum unter Deck.
Glyndhaven
Auf der Suche nach Möglichkeiten zu helfen könnten Kielo und Coljew einerseits das Praioskloster, den Efferd- oder Phextempel oder den Firunschrein ansteuern oder aber eine der beiden Tavernen - die "Daunenweiße" oder "zum Blasloch". Schon auf dem Weg in die "Stadt" hinein werden sie einer kleinen Gruppe Wildniserfahren aussehender Menchen Gewahr, welche vor dem Efferdtempel - der in den Überresten einer gestrandeten Schivone erbaut wurde - mit einer Thorwalerin in Geweihtentracht reden. Die Frau, welche sie offenbar zusammengerufen hatte, redet gerade recht reghaft auf sie ein. Was auch immer die Geweihte möchte, so recht überzeugt scheinen ihre Zuhörer nicht von ihrem Ansinnen zu sein.
Als ihr dorthin schlendert lasst ihr euren Blick durch die Gegend schweifen und erkennt dass dies zwar nach mittelreichischen Maßstäben ein ganz schönes Nest ist, aber für den hohen Norden schon eine beeindruckend gut ausgebaute Ansiedlung. Einige der Häuser sind sogar aus Stein und das über allem thronende Praioskloster scheint nicht nur einen echt gepflasterten Hof zu haben sondern wird sogar von zwei Sonnenlegionmären bewacht. Ihre Existenz verdankt Glyndhaven wie mancher wissen mag den überaus reichen Bernseinvorkommen, aber auch die Waljagd lockt manchen hierher, wo man hoffentlich weit genug außerhalb der Reichweite der Thorwaler Ottas ist um nicht wegen ihrer Vernarrtheit in die großen und dabei so lukrativen Meeresriesen dahingemetzelt zu werden. Nur wer sich vor der Herreise etwas genauer mit Glyndhaven beschäftigt hatte, wusste, dass auch ohne Walfang einmal im Jahr bis zu einem halben Dutzend Pottwale aus unbekannten Gründen hier strandet und damit selbst in thorwalerreichen Zeiten den Walfängern ein Überleben sichert.
Etwas links von euch, direkt am Strand weht euch der Geruch von alten Blut entgegen, wer soetwas kennt macht hier leicht einen Flensplatz aus. Im Moment scheint keiner der großen Meeressäuger hier zerlegt zu werden, aber zwei kleine Gestalten mit mehr oder weniger weißem Fell, das momentan jedoch an den Unterschenkeln rotbrauch von Gekröse und altem Blut ist, sind wohl gerade dabei die Überreste einer zerlegten Robbe zusamenzukehren und die noch essbaren Teile zu retten. Von der Gestalt her könnten es Goblins sein, doch mit weißem Fell? Das hatte Coljew aber noch nie gesehen.