Also, irgendwann muss sich der stumme Leser nun auch mal zu Wort melden und jetzt mach ich das mal auch.
Also erstmal fangen wir mit einem Lob an: Ich find das toll, Schattenkatze, dass du dir die Mühe machst, damit wir noch was zu lesen kriegen.

Die Story find ich bisher wirklich gut, sie macht das Lesen wirklich zum Erlebnis.
Soweit so gut. Man möge mich nicht schlagen, aber ich wurde um konstruktive Kritk gebeten, die ich hiermit auch anbringen möchte. :zwinker2:
Erstens fand ich den Schreibstil sehr ansprechend, du beschreibst die Situation für Jurina sehr deutlich und umfangreich. Trotz alledem und dieser Informationsflut, die ab und zu auf einen niederprasselt, bleibt das Ganze doch sehr flüssig und schön zu lesen.
Zweitens gibt es auch noch was zu bekritteln. Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass Jurina ein höchst schwieriger Charakter ist, und noch schwieriger in eine Geschichte einzubinden ist. Jedenfalls kommen die beispielhafte Arroganz, wie auch ihr Weltsicht und das Strebe nach Perfektion, sehr gut rüber. Auch, die Sache mit der Frau, wenn die Dinge mal nicht so laufen, wie sie das vllt. gerne hätte, hat mir gut gefallen. Dann macht sie sich Vorwürfe, von wegen, sie habe versagt. Doch mir ist aufgefallen, dass du mMn etwas zu häufig Jurinas Entscheidungen rechtfertigst, indem du ihre Gedanken schilderst. Sobald eine Entscheidungsfrage ansteht, werden ihre Gedanken lang und breit dargelegt; ich weiß nicht ob man solche Stellen der Rechtfertigung etwas spärlicher auftauchen lassen könnte. Es ist schön, dass du auf diese Weise anschaulich die Denkweise und das gesellschaftliche Umfeld auf einere Amazonenburg darlegst, doch ab und an hört es sich mehr nach einer Rechtfertigung deines Charakters an, als nach einer Erklärung. Ein Beispiel dafür wäre so eine Sache, wie die Stelle, als Jurina Delara dazu auffordert das Lager mit ihr zu teilen. Da schreibst du erst noch, dass solch unverblümte Fragen in Keshal Rondra üblich sind. Wenn ich eine Geschichte lese, dann kann ich mir solche Beweggründe eines Haupthelden eigentlich selbst erschließen, den Charakter einer Hauptperson, wie Jurina selbst kennenlernen und erfahren, und es nicht mit dem Holzhammer eingetrichtert bekommen. Das mag sich jetzt vllt. hart anhören, ist aber nicht so gemeint.
Ein weiteres Problem habe ich damit, mich mit der Person Jurina richtig zu identifizieren. Das mag unter anderem auch daher kommen, dass ich weiß, dass es sich um eine DAS-Heldin handelt und dass ich solch ehrenhafte Helden nicht so gerne spiele. Vorweg gesagt: Ich bin mir wohl bewusst, dass eine solche Person, wie Jurina einen immensen Stolz besitzt und nur äußerst selten Gefühle oder gar Schwäche zeigt. Auch die Tatsache, das Rondra in der Tat das Wichtigste in ihrem Leben darstellt, hast du sehr schön rübergebracht. Und doch vermisse ich bei ihr das klare und typische an einem Romanhelden. Ich denke man merkt immer noch, dass du dich als Spielerin fühlst, weiß Gott, ja kein Fehler ist. Doch denke ich, dass hier etwas weniger 1:1 Umsetzung vllt. gut tun würde. Was ich damit eigentlich sagen möchte: Ich vermisse Stellen, an denen Jurina sich auh einmal als Mensch offenbart und doch mal, aus dem Unterbewusstsein heraus, Gefühle zeigt. Sie kommt noch zu stark als ein seelenloses Wesen rüber, und da wird es schwer sich tasächlich einmal in sie hineinzuversetzen. Da wird die Frau, mit der sie mehrmals einige ekstatische Stunden verbracht hat, die eigentlich für sie mehr sein müsste, als die bloße „Kollegin“ angeschossen und erleidet eine schwere Wunde. Und hier erfährt man plötzlich nicht mehr, was in Jurina vorgeht. Ich denke in einer solchen Situation hätte sie schon eine gewisse Gefühlsreaktion zeigen müssen – nicht im DAS-Spiel, sondern in der Geschichte - . Ich denke eine diesbezüglich Passage würde der Geschichte mehr als gut tun. Beispiel:
Und im Augenwinkel sah Jurina, wie Delara ihren letzten Gegner niederstreckte. Erst dann bemerkte sie den Armbrustbolzen, der in ihrer Schulter steckte. Einen kurzen Moment lang spürte sie, wie ihr Herz auszusetzen drohte. Delara war ihr in den letzten Tagen, nach den Stunden, die sie miteinander verbracht hatten, doch irgendwie ans Herz gewachsen, so sehr hatte sie sich an ihre Gesellschaft gewöhnt. Es sollte doch nicht...
Jurina ließ ihren schlanken Säbel zurück in die Scheide gleiten und eilte der Gefährtin zur Hilfe. Als sie dort ankam, umklammerte Delara den Schaft des tückischen, verabscheuungswürdigen Mordinstrumentes, das in ihrer Schulter steckte. „Lass nur“, sagte sie leise, „Es geht schon. Er ist nur ins Fleisch gedrungen. Sieh lieber nach dem Norbarden.“
Erst jetzt bemerkte Jurina, dass auch Skasgej ein Bolzen zu schaffen machte, doch bei ihm hatte kein Kettenhemd den Aufprall gedämpft,.....
Ich denke, dass so etwas sich durchaus positiv auswirken würde. Eine kurze Gefühlsreaktion, doch schon hat sie sich wieder in der Gewalt und geht gewissenhaft, wie üblich, ihrer Aufgabe nach. In der Geschichte sollte man vllt. doch etwas Distanz zum Spieltisch gewinnen, denn da weiß man immer noch: „Jo, Armbrustbolzen. 12 Schadenspunkte, Wunde, aber nix gefährliches, passt schon.“ Aber in der Geschichte will ich insbesondere den Hauptcharakter erfahren, ich will mit ihm erleben und das kann ich nur, wenn er auch einmal sein menschliche Seite zeigt. Jurina kann sich meinetwegen als Heldin sehr gefühlsarm zeigen, doch eine Geschichte hat, so 1:1 sie auch sein mag, immer noch einen anderen Effekt und ich will ja auch nicht, dass Jurina zum gefühlskalten „Arschlochcharakter“ verkommt, der fanatisch nur für seine Göttin lebt und sonst alles um sich herum vegisst. Ich will ihr ja nicht die typischen „Löwin-derDonnernden-Eigenschaften“ absprechen, sondern nur, dass sei vllt. etwas greifbarer wird.
So nun hab ich aber genug herumgemeckert, so konstruktiv das Ganze IMHO auch sein mochte. [Ich hasse diese „keine Kritik ist Lob genug“-Mentalität manchmal selbst an mir

]
Ich muss nochmal meinen Respekt ausprechen, dafür, dass du dir diese Mühe hier machst und die Geschichte ist auch klasse. Meine Highlights sind die Sache mit der Frau, die Szene, wenn Jurina die Grotte von Donnerbach betritt und das Wiedersehen mit Skasgej. Das sind so Momente, in das Geschehen um Jurina ein wenig aufgelockert wird und die somit ein wenig aus der Reihe fallen. Ich lese die Geschichte immer wieder gerne und das ist die Hauptsache. Deine Mühen haben sich mMn bis jetzt mehr als ausgezahlt und wir wollen ja alle, dass du noch weitermachst.
*Einelaolawellefürschattenkatzeorganisier*
Ich kann nicht mehr sagen, dass dir das Teil super gelungen ist, auch wenn sich das nach dem Großteil meiner Kritik oben nicht so angehört hat. *derlupusschämtsichauch* Das mögen zwar so ein paar kleine, für mich störende Elemente gewesen sein, doch unterm Strich, könnte das Ergebnis eigentlich nicht positiver ausfallen. Und jetzt halt ich wohl besser meine Klappe, bevor ich mich noch um Kopf und Kragen rede und es nachher noch besser machen muss. Reicht ja schon, dass dieser Beitrag in der Länge alles bisher von mir dagewesene schlägt.