Leider muß ich das Gespräch aufteilen, da es einfach sehr lang ist ...
Und ich muß unbedingt wieder weiter schreiben.
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Delara und Jurina zogen es jedoch vor zu stehen, bis nach geraumer Zeit – der vierte Teil einer Stunde war gewiss verstrichen – ein Mann den Gang entlang kam, den der Pförtner vorhin gefolgt war. Er war etwa um die fünfzig Götterläufe alt, trug das ergraute Haar zurückgekämmt und eine grüne, mit arkanen Symbolen bestickte Robe. „Magister Ordinarius Jacopo Sgirra. Guten Abend, Euer Gnaden, gnädige Frau. Ihr habt dringende Fragen?“
Auch Jurina und Delara stellten sich vor, wobei Sgirra in Jurina natürlich keine Geweihte der Rondra erkannte. Jurina war davon nicht angetan, dass trotz ihre ausgesprochenen Forderung, mit einer Frau sprechen, ein Mann erschienen war.
„Es gab hier in der Stadt vor drei Nächten einen Einbruch, den eine Magierin begangen hat“, kam Jurina ohne Umschweife direkt zum Thema, „doch ein Weibel der Stadtwache sagte, es sei auf gar keinen Fall eine hiesige Magierin. Eine Frau um die Vierzig, dunkles Haar, helle Haut, tulamidische Gesichtszüge.“
Sgirra blickte sie recht entgeistert an. „Eine Frau von unserem Lehrstuhl? Völlig unmöglich. So etwas tun Abgänger und Lehrer dieses Institutes nicht!“
“Ihr habt also keine Magierin hier, auf der diese Beschreibung zutrifft?“
„Doch, eine, aber die Magistra war es auf gar Fall. Sie hatte die entsprechende Nacht über zusammen mit einem Kollegen Untersuchungen an einem Artefakt durchgeführt.“
„Bei dem Einbruch wurde ein bestimmter Zauberspruch angewendet“, schaltete sich Delara ein. „Das Opfer, eine Alchemistin, wurde angefasst und wurde daraufhin von furchtbaren Schmerzen zu Boden gezwungen.“
„Tatsächlich?“ Sgirra kratzte sich kurz am Kinn. „Man müsste sie natürlich genauer zu einigen Details befragen, aber es klingt doch sehr nach einem ‚Höllenpein’ und weniger nach einem ‚Gliederschmerzen’, auch als ‚Corpofesso’ bekannt. Der hätte eher zu einer extremen körperlichen Schwächung und weniger zu starken Schmerzen geführt. Das ist allerdings ein Borbaradianerspruch damit wenig verbreitet.“
„Borbaradianerspruch?!“ Jurinas Augen zogen sich zusammen. Sie wusste so gut wie gar nichts über Borbarad, außer, dass er ein mächtiger, böser und seit langem toter Magier war. Aber allein, dass ein Zauberspruch dieses Magiers angewandt worden war ... „Solche Sprüche gibt es heute noch?
„Gewisse borbaradianische Zirkel lehren ihn und andere Sprüche dieser Art, ja. Er wird hier natürlich nicht gelehrt, aber er ist hier selbstverständlich einzusehen, wenn man sich entsprechend ausweisen kann“, erklärte Sgirra nicht ohne Stolz.
„Ihr habt Borbaradianersprüche hier? Wie kann das sein? So etwas gehört vernichtet!“
„Vernichtet?“ Der Magister war entsetzt. “Junge Frau, Wissen vernichtet man nicht! Nicht jeder darf einen solchen Spruch einsehen, aber es ist und bleibt Wissen! Außerdem mag der Tag kommen, an dem es gut ist, solcherart Spruch zu kennen, um etwas Schützendes zu entwickeln.“
„Sprüche, die andere Menschen quälen und ihnen Schmerzen zufügen, gehören vernichtet!“ erklärte Jurina nachdrücklich und kompromisslos. „Es heißt Euer Gnaden, Magister!“
„Tatsächlich?“ Er wirkte überrascht, war Jurina doch wohl anders gekleidet als Delara. „Unsere Akademie ist Stolz auf das Wissen, das sich in unseren Mauern angesammelt hat, Euer Gnaden. Die Thesis des ‚Höllenpein’ steht unter Verschluss, wie auch einige andere Thesen, Werke und Artefakte ebenfalls. Es wird geprüft, wer sie sehen möchte oder sie gar näher untersuchen.“
Für ihn war das offenbar völlig ausreichend und ein Grund, stolz zu sein. Für Jurina hingegen nicht. „Schwarze Magie muss vernichtet werden“, beharrte sie. „Es hat sich ja jetzt auch gezeigt, dass das Vorhandensein solcher Zauberei zu nichts Gutem führt!“
Das war nun für Sgirra wiederum überhaupt kein Argument. Delara, die eine weitere Diskussion unterbinden wollte, warf ein: „Es gibt also keine Akademie, wo dieser Spruch gelehrt wird und von daher hilft uns das nicht weiter bei der Identifizierung dieser Frau, richtig?“
Sgirra nickte.
„Es könnte also sein, dass sie eine Borbaradianerin ist, oder gibt es Möglichkeiten, auch auf anderem Wege an diese Thesis zu gelangen?“
Sgirra lächelte herablassend. „Es
könnte natürlich sein“, betonte er, „aber dann müsste sie sehr reich, sehr einflussreich und sehr mächtig – sehr mächtig der astralen und geistigen Kraft – sein. Und eine Armee haben, um eine Akademie wie die unsere zu stürmen.“
Delara sah etwas ungehalten aus ob seiner Überheblichkeit, während Jurina ihn zunehmend finsterer musterte. Magier, so sah sie sich überzeugt, sollten alle streng überwacht und in ihrem Wirken sehr eingegrenzt werden.
„Wäre sie vermutlich die Abgängerin einer Akademie, die sich erst später den schwarzen Künsten zugewandt hat und hätte entsprechend ein Siegel, oder kann es auch sein, dass sie dieser Mächte fähig ist ohne ein Siegel und damit ohne eines Akademieabschlusses?“
„Beides ist möglich. Borbaradianer bilden selber ihre Schüler aus, aber sie versuchen lizensierte Magier zu verführen, so sie ihnen geeignet erscheinen. Aber vielleicht kann sie gar nicht zaubern, weil sie gar nicht magiebegabt ist.“
„Natürlich kann sie zaubern!“ hielt Jurina dagegen. Worüber sprachen sie schließlich die ganze Zeit?
Der ältliche Magier lächelte einmal mehr überheblich. „Borbaradianer können auch mit Blut zaubern, statt mit astraler Kraft. Sie müssen daher nicht mit Hesindes Gaben gesegnet sein.“
„Diese Frau kann zaubern“, erwiderte Jurina hart. „Die Alchemistin hat magische Spuren nach dem Einbruch entdeckt, dort, wo beide Einbrecherinnen gestanden haben.“ Ganz zu schweigen von dem, was sie sonst noch gemacht hatte.
„Hm. Sie ist natürlich keine ausgebildete Adepta und auch das Wirken von Blutmagie hinterlässt magische Spuren beim Wirken eines Spruches, aber wenn sie tatsächlich magische Restspuren dort aufgenommen hat, wo die Einbrecher gestanden haben und nicht etwa dort, wo der Spruch gewirkt wurde, mag es gut sein, dass es eine ausgebildete Magierin war, denn Dilettanten verfügen über solcherlei Sprüche nicht.“