Danke für die Aufklärung.

Da die derzeitige Szene aber ziemlich lang ist, wird sie auch in diesem Posting kein Ende finden, nur als Vorwarnung. ;-)
Delara war bei dem Vibrieren und Jurinas Sprung auf die Straße vom Rücken ihrer Rappstute geglitten. Ihre Hand lag am Schwertgriff ebenso wie Jurinas an ihrem Säbel. Regungslos standen die beiden Geweihten dort, doch die Straße und ihr Rand gaben sich nun wieder still und ungestört, nur der Graben gähnte wie ein Riss.
„Ich werde ihn mir näher ansehen“, sagte Jurina schließlich.
Delara nickte. „Sei vorsichtig.“
Bedächtig, aufmerksam und alle Sinne gespannt, ging Jurina um den frisch entstandenen Graben herum. Er war etwa einen Schritt tief an der tiefsten Stelle mit steilen Wänden, wo die gefrorene Erde plötzlich weggesackt war. Sie näherte sich der Stelle, wo zwischen Graben und Erdhügel kaum ein Schritt fester Boden lag, als plötzlich die Erde erneut stark anfing zu vibrieren. Wieder wollte sie einen Sprung nach vorne machen, doch jetzt war sie nicht schnell genug und der Boden gab unter ihren Füßen nach. Sie sackte fast einen Schritt tief ein.
Gleichzeitig schoss ein riesiger Wurm aus dem entfernten Ende des Grabens nach oben und schlängelte sich mit einer erschreckenden Geschwindigkeit zwischen Jurina und der Straße entlang und dann um die Amazone herum, so dass er sie umkreiste und sie kein Entkommen hatte. Der braune, chitingepanzerte und in Segmente unterteilte Leib des Wesens hatte einen Durchmesser von einem Schritt. Er war so lang, dass der Rest des Körpers noch immer in der Erde steckte, obwohl sich bereits viele Schritt des Körpers draußen befanden und der Kopf noch über Jurinas Kopf pendelte.
Das Wesen richtete sich über der Geweihten der Amazonen mit dem vorderen Stück des Leibes auf und der Kopf war auf Jurina gerichtet. Diese war bereits dabei, aus dem Graben herauszukommen. Sie beugte ihren Oberkörper noch etwas weiter vor und zog in der Bewegung den Rondrakamm, so dass sie ihn bereit in der Hand hielt, als sie wieder sicher auf dem Boden stand.
Obwohl sie keine Augen erkennen konnte, hatte sie das Gefühl, bösartig angeschaut zu werden. Das Maul schien aus drei Klappen zu bestehen und der ganze Kopf war außer mit dem Panzer noch mit vielen ein bis zwei Spann langen Dornen bewehrt.
Jurina zögerte nicht und holte mit der geflammten Klinge aus. Dies war kein ehrenhafter Kampf, sondern ein übermächtiger, tierischer Gegner, dessen bloße Masse ausreichen würde, Jurina zu töten. Der ganze mächtige Leib bewegte sich und hob und senkte sich schlangenhaft, wie um dem Versuch, über ihn hinwegzuspringen, vorzubeugen.
Der Rondrakamm traf gut gezielt den Panzer des Wurmes. Sein Kopf ‚blickte’ noch immer augenlos auf sie herab und er machte keinen Versuch, weg zu pendeln. Den Aufprall spürte Jurina bis in die Schultern hinauf und die Waffe hinterließ nicht einmal einen Kratzer in dem Chitin.
Sofort holte sie noch einmal aus und legte dieses Mal deutlich mehr Kraft in den Hieb. Dennoch prallte der Anderthalbhänder zurück, ohne eine Spur zu hinterlassen und der Wurm ‚starrte’ sie noch immer an und strahlte dabei eine Boshaftigkeit aus, die fast greifbar war.
Aus dem Augenwinkel sah sie, wie Delara mit ihrem Zweihänder auf den Körper des Wurmes einschlug, aber dies schien das Wesen nicht im mindestens zu beeindrucken oder auch nur zu spüren. Es schien noch immer auf Jurina fixiert zu sein und sein Körper bildete eine lebendige, sich in beständiger Bewegung befindliche Mauer.
Als auch ihr zweiter Schlag sich als wirkungslos erwies, ließ Jurina den Anderthalbhänder fallen und zog den Säbel. Sie wollte dies Delara zurufen, doch diese schrie bereits: „Den geweihten Säbel, Jurina!“
Jurina legte viel Kraft und ein lautes „Für Rondra!“ in den nächsten Schlag und wenn ihr Angriff auch nicht von dem erhofften Erfolg gekrönt war, so hinterließ die Klinge dieses Mal eine deutliche Scharte in dem abwartenden Dämonen, wie sie nun vermutete.
Wieder holte sie aus und mit ihrer ganze Kraft in dem nun folgenden Hieb und einem weiteren „Für die Donnernde!“ schlug sie auf den sie noch immer wie spöttisch betrachtenden Dämonen. Tatsächlich bohrte sich der Säbel fast bis zur Hälfte in den Leib der Kreatur hinein. Ein dumpfes Grollen ertönte aus dem nun etwas aufgeklappten Maul und Jurina sah es im Innern des Wurmes um ihren Säbel herum glühen.
Sie wollte ihre Waffe wieder herausziehen, doch nun warf sich der Körper des Dämons erst zurück und entriss ihr so den Griff des Säbels, dann stürzte er sich in einer schnellen Bewegung mit weit geöffnetem Maul vor. Sie versuchte noch, sich zur Seite zu werfen, doch das annähernd dreieckige Maul senkte sich bereits über sie hinab. Unwillkürlich schrie Jurina auf, als einer der Dornen an dessen Kopf durch ihre Brünne in die linke Schulter fuhr, ein weiterer durch ihren rechten Oberschenkel und sie damit am Boden im wahrsten Sinne des Wortes festnagelte. Ihre Füße und ihr Kopf ragten oben und unten hervor, der Rest ihres Körpers wurde von der gewaltigen Öffnung verdeckt.
Gleichzeitig kam aus dem Maul eine Wolke feiner, brauner Sporen, die Jurinas Körper einhüllte. Sie hustete, als der scharfe Geruch in ihre Nase stieg und in ihrer Lunge brannte. Sie drehte den Kopf zur Seite, doch die Wolke war so großflächig, dass es nichts nützte. Sie versuchte, sich wegzubewegen, doch die Dornen steckten tief im Boden und ließen ihre keine Bewegungsfreiheit. Unter Schmerzen wollte sie die Luft anhalten, doch sie war es, die nach Luft schnappen musste und dabei die Wolke tief einatmete, als der Dämon und damit die Wolke ruhig über ihr verhielt. Nur gelegentlich gingen Wellen durch seinen Leib, als bewege er ihn weiterhin, um Delara eine Annäherung schwierig zu machen.
Sie fühlte blinde Panik und Angst in sich hochsteigen und konnte sie nur mühsam bezwingen unter Schmerzen und Husten.