Ich sage ja, Feedback spornt mich an. :-)
Außerdem wird es bald so richtig, richtig ... naja, ihr wißt schon ... oder werdet es wissen.
Jetzt jedenfalls gibt es ein etwas längeres Stück, da ich die Visionsqueste nicht mitten drin kappen wollte.
Richtig, sindar, lupus hat Recht: die bezeichnete Stelle ist natürlich die der Eiskuppel bzw. insgesamt der verformte Wald.
Delara bereitete Jurina auf die Visionsqueste vor: sie beteten gemeinsam, trainierten den Körper und machten meditative Säbelübungen und andere Meditationen. Jurina konzentrierte sich jeden Tag mehr auf sich selber, ihr Gebet und die Meditation. Sie führte den Säbel, bis ihr die Oberarme schmerzten, der Schweiß ihr über das Gesicht lief und sie mehr und mehr ihr bewusstes Denken abschaltete und stattdessen auf ihre Reflexe und Reaktionen zurückgriff.
Es war eine allmähliche Steigerung, die ihr selber gar nicht so bewusst war, was aber auch mit daran lag, dass sie keinen geregelten Tages- und Nachtzyklus mehr hatte und der Trancezustand mehr und mehr von ihr Besitz ergriff und die verstreichende Zeit für seine an Bedeutung verlor.
Sie befanden sich in einem der Nebenräume der Tempelhalle und fochten einen weiteren meditativen Kampf aus. Jurina merkte nicht mehr, wie schwer ihre Arme waren, auch Delara vor ihr nahm sie nur noch zuweilen verschwommen wahr. Sie dachte nicht mehr, sie war nur noch, reduziert auf ihr innerstes Selbst und ihr Körper reagierte von allein und unabhängig von bewussten Gedanken und Befehlen, die an ihn ergingen.
Ihr Säbel beschrieb einen bogen, um Delaras Schwert zu parieren....
... und sie stand allein im Schnee in den Bergen. Der Anblick war ihr wohlvertraut, es war der Raschtullswall und nach Keshal Rondra waren es nur wenige Stunden Fußmarsch den Weg entlang, auf dem sie stand.
Jurina blickte sich um: schneebedeckte Berggipfel umgaben sie, weiter unten lag das schneefreie Almada. Sie selber trug jedoch nicht ihre Rüstung, die zugleich ihre Uniform war, sondern dünne Lederkleidung und ein Paar Schuhe. Ihr Säbel hing jedoch an ihrer Seite.
Keinerlei Spuren waren zu sehen, der Schnee war unberührt. Spuren von ihr selber, die hierhin führten, gab es nicht. Jurina wunderte sich nicht darüber, dass sie hier stand ohne Rüstung und ohne Hinweise darauf, wie sie hierher gekommen war. Es war bedeutungslos für sie, nicht selbstverständlich, aber auch nicht verwunderlich.
So setzte sie sich in Richtung Keshal Rondra in Bewegung. Fast eine Stunde ging sie den Weg entlang. Sie spürte die Steine unter der nicht allzu dicken Schneeschicht durch ihre Schuhsohlen hindurch, der Wind schnitt ihr in die Haut, ihre Hände und Füße wurden trotz angeregter Bewegungen fast gefühllos und es fing an zu schneien. Dicht fielen die Flocken und erlaubten keine weite Sicht. Zu ihrer Rechten war ein Abgrund, zu ihrer Linken eine steile Felswand.
Vor ihr erkannte sie im Schneetreiben eine Gestalt, die auf dem Weg stand. Als sie näher kam, erkannte sie in ihr eine über zwei Schritt große, breitschultrige Frau in einem langen Pelzmantel und einer Pelzmütze. Breitbeinig stand sie auf dem Weg, der an dieser Stelle bestenfalls vier Schritt in der Breite maß und hatte ihre Hände über dem Griff eines Bastardschwertes geschlossen, das mit der Spitze auf den Boden gestützt war.
Vorsichtig und wachsam näherte Jurina sich ihr. „Geht mir aus dem Weg“, forderte sie, als sie noch mehrere Schritt weit entfernt war.
Die Frau rührte sich nicht, blickte ihr aber direkt in die Augen. „Hier kommen nur jene vorbei, die würdig sind“, erwiderte sie.
„Ich bin Jurina von Keshal Rondra, eine Löwin der Donnernden und ich werde hier entlang gehen.“ Die Amazone blieb fünf Schritt vor der Frau stehen.
„Ich bin die Wächterin dieses Weges und meine Aufgabe ist es, ihn zu bewachen.“
„Wer hat Euch beauftragt, den Weg zu bewachen?“
„Das Schicksal.“
Jurina schwieg einen Moment.
„Ihr solltet zurückgehen“, nutzte die Wächterin die Gelegenheit.
„Ich gehe bereits zurück“, erwiderte Jurina stolz. „Diesen Weg werde ich gehen, denn er führt mich zurück nach Keshal Rondra!“
„Niemand, der nicht würdig ist, kommt an mir vorbei. Viele haben es schon versucht und viele sind gescheitert.“
Jurina kam wieder näher. Mit einer schnellen Bewegung hob die Wächterin im gleichen Moment das Bastardschwert. Sie hatte längere Arme und ein über einen Schritt langen Anderthalbhänder, den sie mit einer überraschenden Schnelligkeit handhabte.
Auch Jurina zog ihre Klinge und hielt den Säbel halb schräg vor sich. Es war ihr klar, dass sie die geringere Reichweite hatte und deshalb im Moment erst einmal gar nicht die Gelegenheit hatte, die Wächterin auch nur zu treffen.
Das Bastardschwert zeigte genau auf ihren Hals und die schwere Klinge zitterte nicht in den Händen der Wächterin. Jurina senkte ihren Säbel etwas, bis er das Schwert berührte und drückte. Der Anderthalbhänder gab nicht auch nur den Bruchteil eines Halbfingers nach.
„Schlagt zu!“ forderte Jurina. „Lasst uns einen Kampf zu Ehren Rondras machen!“
Höhnisch verzogen sich die Lippen der großen Frau und das Bastardschwert blieb, wo es war. Einige Herzschläge vergingen und Jurina machte einen Schritt zurück und ließ den Säbel sinken. Das Bastardschwert senkte sich ebenfalls dem Boden zu.
Jurinas Augen bohrten sich in die der Frau, doch diese hielt dem Blick stand. Jurina war sich nicht einmal sicher, ob sie überhaupt blinzelte. Sie machte plötzlich einen schnellen Schritt nach rechts, doch im selben Moment, fast sogar hatte Jurina den Eindruck, es geschah einen Herzschlagbruchteil noch vor ihrer eigenen Bewegung, folgte die Wächterin der Bewegung und stand genau vor ihr.
„So oder so, Ihr kommt hier nicht vorbei.“
Jurina machte einen Schritt nach links und noch vor der Vollendung wieder nach rechts, duckte sich und tauchte ab und machte dabei einen Schritt nach vorne, um unter dem hochschnellenden Bastardschwert hinwegzutauchen.
Doch wieder musste die Wächterin dies vorher gesehen haben und erneut war die Klinge des Schwertes auf Jurinas Hals gerichtet, noch bevor diese wieder aufrecht stand.
Jurina überlegte einen Moment, dann machte sie einen kleinen Schritt nach vorn. Sie spürte, wie die Spitze des Schwertes sich in ihre Haut bohrte. Regungslos beobachtete die Wächterin sie.
Die Amazone machte einen Schritt zurück. Die Wächterin senkte den Anderthalbhänder.
„Geh zurück“, sagte sie verächtlich und wechselte ins ‚Du’.
Jurina funkelte sie an. „Ich bin eine Löwin der Donnernden und ich werde hier durch gehen“, antwortete sie entschlossen.
„Du magst eine gute Akoluthin abgeben, aber mehr auch nicht“, sprach die Wächterin abfällig.
„Rondra hat mich bei meiner Weihe geprüft und für würdig empfunden!“ Auch wenn sie ein wenig kleiner war als die Wächterin und weniger breit in den Schultern, so war Jurina doch fest entschlossen, hier nicht beizugeben. Sie würde diesen Weg gehen, denn es war ihr Weg.
Die Wächterin lachte. „Viele Geweihte standen schon vor mir ...und genügend haben nicht bestanden. Du beherrscht Dein Sprüchlein gut, doch allein macht es dich nicht würdig und den Weg nicht frei.“
Jurina maß sie noch einmal mit einem langen Blick. „Geh mir aus dem Weg. Das ist ein Befehl!“
Sofort machte die Wächterin einen Schritt zur Seite und sank auf ein Knie. Das Bastardschwert war wieder mit der Spitze auf den Boden gestützt. „Jetzt spricht die wahre Autorität aus Euch.“
Jurina ging an ihr vorbei und weiter den Weg entlang. Es war nicht mehr weit nach Keshal Rondra. Der Schnee fiel dichter und immer dichter. Sie hörte Geklirr von aneinanderprallenden Waffen und nach weiteren Schritten glaubte sie schemenhaft ein Gesicht vor sich zu erkennen, auch die Bewegungen von Waffen im Schneetreiben zeichneten sich schwach vor ihr ab. Sie ging darauf zu ...
... und parierte einen Hieb von Delara im Tempel in Wehrheim. Noch verschwommen und unklar zeichnete sich die Gestalt Delaras vor ihr ab und ihre Umgebung wurde ihr erst allmählich bewusst, doch ihr Körper und ihre Reflexe schwangen den Säbel wie ohne ihr Zutun. Sie fühlte erneut die Nähe zu Rondra und sich erfüllt, wie beschenkt.