Okay, okay, den Wink mit dem Zaunpfahl habe ich verstanden! :-)
Dabei ist es doch gar nicht sooo hastig, ich hätte es noch viel mehr kürzen können, aber dann wäre es wirklich "heruntergespult" geworden. Nach und nach wäre störend gewesen, da diese Ereignisse gar nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun haben, aber hat erklären, warum sie gerade dort ist, und, wie gesagt, weil es Jurina charakterisiert.
Der Grabsegen ist natürlich direkt zitiert, in meinem Worddokument auch mit Quellenangabe (KKO natürlich), nur bei der Kopie hier herein hat diese sich verabschiedet.
2. Kapitel
Den ganzen Tag zogen sie den Pfad entlang, nichts als das trostlose winterliche Moor zur Rechten und zur Linken, bis sie auf den Neunaugensee stießen, und an dessen westlichen Ufer auf einem weiteren Pfad nach Norden ritten. Für die Nacht lagerten sie und hielten abwechselnd Wache und am nächsten Tag zogen sie weiter. Es wurde weiterhin kälter. Obwohl Jurina vor sich selber zugab, dass sie fror, zeigte sie es nicht nach außen. Kein Mensch und schon gar kein Mann sollte Jurina von Keshal Rondra zittern vor Kälte sehen!
Am Abend hatte sie ihr Abendgebet beendet und ölte ihren Säbel, als ein Geräusch ihrer beiden Aufmerksamkeit weckte. Etwas näherte sich, etwas, das sich nicht bemühte, leise durch den Schnee zu laufen. Jurina sprang auf und hob ihren Säbel. Mit einer kurzen Kinnbewegung wies sie Skasgej, der seine Axt gezogen hatte, an, auf der anderen Seite des Feuers Stellung zu beziehen.
Doch was sich ihnen näherte, hatte Jurina noch nie gesehen. Es war ein Mensch, oder zumindest war es mal ein Mensch gewesen. Etwas Unverständliches entquoll den Überresten des Mundes. Das Fleisch war halb verwest und die Kleidung hing nur noch in Fetzen am Körper. Das Ding – etwas anderes fiel Jurina nicht ein – trug keine Waffe in der Hand, steuerte aber zielstrebig, wenn auch nicht mit übermäßig schnellen Bewegungen, auf sie zu. Wieder kam etwas Unartikuliertes aus der Kehle des Wesens, etwas, das zu Lebzeiten Worte gewesen waren.
„Bei Rondra!“, stieß Jurina erschrocken hervor. Sie merkte, wie ihr Mund trocken wurde. Dann besann sie sich. „In Rondras Namen – bleib stehen!“ befahl sie mit etwas heiserer Stimme. Doch der Untote ging weiter, gierig die Arme ausstreckend, nach ihr greifend. Jurina sog heftig den Atem ein. Was für ein schauerlicher Anblick! Ihr Griff verkrampfte sich um den Griff des Säbels.
Dann riss sie sich erneut, wahrlich im letzt möglichen Augenblick, zusammen und schlug schnell und geschickt mit ihrem Amazonensäbel zu. "Für Rondra!" Der Untote wich nicht aus, tief grub sich die geschwungene Klinge in seinen zerfallenden Körper ein. Es hielt ihnen nicht einen Herzschlag lang auf. Im letzten Moment brachte sie ihre Klinge zwischen sich und einen auf sie zufahrenden Arm. Die Parade riss ein weiteres Stück Fleisch aus dem Arm, aber genauso wenig wie ihr Treffer beeindruckte es den Untoten.
Jurina schlug noch einige Male mit Kraft zu. Doch obwohl sie meistens traf und tiefe Wunden schlug, hinderte das in keinster Weise das Wesen, immer weiter auf sie zuzugehen und zu versuchen, nach ihr zu greifen.
Sie wusste, Skasgej würde sich nicht einmischen, denn mittlerweile hatte er gelernt, dass dies der rondrianische Ehrenkodex verbat. Aber ihr wurde auch klar, dass ihr bisheriger Kampfstil mehr als ineffektiv war. Dann zielte sie auf den einen seiner vorgereckten Arme und schlug ihn glatt ab. Das bremste ihn nicht, aber nun hatte er nur noch einen Arm. So zielte sie auf diesen.
Der Kampf ging noch eine Weile, doch Jurina, den Erfolg ihrer Strategie bestätigt sehend, hieb den Untoten nach und nach in Stücke. Doch auch der Untote, der immer wieder nach ihr griff, schaffte es einige wenige Male, seine krallenartigen Finger in ihr Fleisch zu bohren und kleinere Wunden zu schlagen.
Schwitzend und einmal tief Luft holend machte sie einen Schritt zurück, als der Untote, in Stücke gehackt, vor ihr auf dem gefrorenen Boden lag. „Bei Rondra, was für eine unheilige Kreatur ist dies? Ist dieser Sumpf denn verflucht?“ Sie warf noch einen Blick voller Abscheu und erfüllt mit einem Nachhall des Entsetzens, das sie bei seinem ersten Anblick empfunden hatte, auf das zerstückelte Ding, dann ging sie entschlossen zum Feuer und bückte sich nach einem brennenden Scheit, denn sie zum Untoten hintrug und an ihn hielt. Es stank bestialisch, sie hielt unwillkürlich den Atem an, und wirklich Feuer fangen taten die Überreste auch nicht.
Der Boden war zu hart, um auf irgendeine Art und Weise ein Grab schaufeln zu können, so begrub Jurina die angebrannten Überreste des Untoten unter Massen von Schnee. Skasgej ging ihr dabei zur Hand. Dann sprach sie einen Grabsegen, der verhindern würde, dass dieses Wesen jemals wieder auferstand.
Sie schlug mit der Hand das Symbol des Gebrochenen Rades in der Luft über den Überresten des Untoten, dann sprach sie mit kräftiger, tragender Stimme: „Herr des Todes, einen Menschen will ich Dir anempfehlen, Dir, dessen Wirken beendend ist. Lass Deine göttliche Gerechtigkeit den Urteilsspruch finden für diesen Deresohn. Er schied aus unserer Welt, und wir, die wir zurückgeblieben sind, vermögen nicht zu sagen, nach welchem der Zwölfgöttlichen Paradiese sein Herz sich sehnt, wo seine Seele Einlass begehrt. Schicke Deinen Raben aus, diese rastlose Seele zu fangen. Möge Golgari sie führen vor Rethon, die Allwissende. Möge diese Seele nach Deinem Urteil finden, was für sie bestimmt ist!
Wir bleiben nicht hier“, teilte sie Skasgej, sich zu ihm drehend, dann mit. „Womöglich gibt es noch mehr dieser Untoten hier. Es ist sicherer, wenn wir unseren Lagerplatz verlegen.“
„Das ist besser so“, stimmte er mit seiner tiefen Stimme und dem so für ihn typischen rollenden „R“ zu.