[Bote] - Nummer 151

      [Bote] - Nummer 151

      Neues Jahr – neuer Bote! Nachdem ich vom letzten Boten geradezu begeistert war (was die spöttischen Nanduriaten übrigens etwas anders sahen), geht es in der #151 qualitativ geradezu zwangsläufig abwärts. Wie sehr, erfahrt ihr im Folgenden – diesmal mit 70 % weniger Ausrufezeichen(!).

      Diese Rezension enthält ungekennzeichnete Meisterinformationen nur, soweit es den Innenteil und das abschließende Fazit betrifft. Der Text über den Mantelteil kann bedenkenlos von Spielern gelesen werden.

      Äußere Erscheinung
      Was die Ulisses-Werbeabteilung uns beim letzten Mal erspart hat, gibt es im 151. Boten obendrauf: das Heft ist mit nur 29 Seiten Inhalt minus 5 (!) Seiten Eigenwerbung doch etwas mager geraten. Dem nur an spielbarem Inhalt interessierten Leser bleiben somit (abzüglich des Vorworts) gerade noch 23 Seiten + 8 Seiten im Innenteil. Wer pingelig ist wie ich, kann sogar noch 1 ½ Seiten wegen des ersten Artikels abziehen (siehe unten). Das macht dann mit Innenteil 29 ½ Seiten gegen netto 37 Seiten im letzten Boten. Für den gleichen Preis…
      Der vordere Umschlag zeigt das Titelbild der neuen Wettbewerbsanthologie Legenden aus Dunklen Zeiten von Anna Steinbauer, wie immer in dynamischer Wechselwirkung mit dem Ankündigungstext.
      Überraschenderweise gab es auch dieses Mal eine Beilage im Heft: die Hörspiel-CD „Die Katakomben von Danbar“ Teil 1, Episode 2. Ich persönlich kann damit nichts anfangen, aber es ist eine schöne Möglichkeit für Ulisses, an Werbeeinnahmen zu kommen, ohne meinen Lesegenuß zu beeinträchtigen. (Nur eine Kritik: könnte man solche Beileger vielleicht tatsächlich beilegen, statt sie ins Heft zu kleben? Ich habe die CD-Hülle so vorsichtig wie möglich entfernt, und trotzdem sind ein Knick und eine Papierabreibung auf der Seite zurückgeblieben, so daß die Seite jetzt aussieht, als hätte ich sie in Wacken im Zelt gelesen.) Ulisses hat dazu bereits einen Hinweis gegeben; dort findet ihr auch eine "Leseprobe" zum Boten.
      Der Bote enthält erfreulich wenige Rechtschreib- und Satzfehler.

      Inhalt des Mantels
      Wie schon angedeutet, beginnt der Bote diesmal mit einer kleinen Enttäuschung: Alex Spohr lädt uns dazu ein, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Genauer gesagt haben alle DSA-Freunde die Gelegenheit, im Rahmen des lebendigen Aventurien ihre Ideen zur Mirhamer Königsnachfolge einzubringen; die beste Idee wird dann in der offiziellen DSA-Geschichte umgesetzt. So weit, so schön. Ich mag so etwas. Das scheint der Artikel zu sein, auf den im letzten Boten angespielt wurde. Aber muß das 1. als Aufmacher 2. direkt nach dem Boten, in dem ausführlich über den Mirhamer Palast und die Spielumgebung berichtet wurde, 3. über 1 ½ Seiten und 4. mit etlichen Wiederholungen geschehen? Dieser Aufruf hätte doch wunderbar in einen kleinen Kasten (mit viel weniger Text) in den letzten Boten gepaßt. Hier macht es den Eindruck, als wäre da „auf Deibel komm raus“ noch etwas in das aktuelle Heft gepreßt worden, zumal, da der Hinweis auf den Wettbewerb auch im Ulisses-Blog steht. Wir zählen: Seitenfüller Nummer eins. Es kommen noch mehr.

      Der nächste Beitrag ist allerdings kein solches Füllmittel, sondern eine stimmungsvolle kleine Ortsbeschreibung zu einem geheimnisvollen Rondratempel in hohen Norden. Diese Spielhilfe bietet sich als überraschende Begegnung in der Grimmfrostöde an (da oben gibt es ja nicht so viele Möglichkeiten für Interaktion mit Lebewesen), eignet sich aber auch als Charakterhintergrund für Spielergeweihte, die von der Kirche gezüchtigt wurden. Mehr will ich hier nicht verraten. Neben dem Artikel haben auch diesmal einige Kleinanzeigen im klassischen Botenstil den Weg aufs Papier gefunden.

      Die kommende Kampagne „Hinter dem Schleier“ wirft ihre Schatten schon beträchtliche Zeit in Botenausgaben voraus, stets eifrig bearbeitet vom nimmermüden
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      Arbeiter im Schwarzen Weinberg der Moghuli,
      Marc Jenneßen. Hier wird uns auf zwei Seiten ein Überblick über den Status Quo zu Beginn des ersten Abenteuers (Schleiertanz) gegeben. Ich weiß nicht, inwiefern diese Erläuterungen im Abenteuer noch einmal wiederholt werden, aber auch sonst sind die zwei Seiten nicht verschenkt. Viel Information, viel Überblick und ein neues Bild von Schahi Eleonora. Passt.

      Auch der nächste Text hat mich zumindest im Ergebnis überzeugt: erneut wird eine Meisterperson von Rang und Namen vorgestellt, diesmal ist es der al’anfanische Feldherr Oderin du Metuant
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      , neuerdings weltlicher Herrscher der Stadt.
      Gleich zu Beginn des Textes werden leider die Ergebnisse des Abenteuers Rabenblut zum Teil verraten und im Artikel vorausgesetzt. Das ist bei einem Abenteuer, das gerade wenige Monate draußen ist, zumindest dann unglücklich, wenn weder ein Hinweis auf diese Meisterinformationen erfolgt – der Bote wird nicht nur von Spielleitern gelesen! – noch überhaupt ein Verweis auf dieses Abenteuer existiert (außer „wichtigste Publikationen: (…) Rabenblut.“). Da fühlte ich mich ein wenig wie im Regen stehengelassen, denn das besagte Abenteuer kenne ich noch nicht. Ein kleiner Kasten „Die Geschehnisse etc. lassen sich im Abenteuer Rabenblut nachspielen“ wäre hier u.a. hilfreich gewesen. Trotz dieser Verwirrnis aber kein schlechter Text. Dazu gibt es ein neues, drittes Bild von du Metuant, aber ich weiß nicht wozu, denn er sieht ziemlich genauso aus wie auf dem schönen Caryad-Bild aus dem Boten # 133.

      Die folgenden sechs Seiten enthalten ein Szenario – oder eher schon Kurzabenteuer? – von Michael „Mada“ Masberg und dieser Beitrag spaltet mein Herz. Ich kann mich nicht entscheiden: ist das nun ein blöder Seitenfüller oder nicht? Einerseits ist der Text gut geschrieben und bringt neue Informationen über die Burg Koschgau, die KGIA und Drego von Angenbruch. Der CPT-Metaplot wird ein wenig weitergetrieben und eine dafür wichtige Person
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      (nämlich Moruu’Daal alias Zauberkönig Morda)
      taucht zum ersten Mal auf. Schließlich ist das kleine Abenteuer so materialreich, das man sicher eine Menge Spaß damit haben könnte. Ich sage könnte. Denn hier kommt das „andererseits“: die Umsetzung ist langweilig, in der Hauptsache einfallslos und im Detail teils zu ausführlich.
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      Das Szenario gehört nämlich zum „beliebten“ Typ „lasse die Helden ein Artefakt transportieren und nimm es ihnen dann ab“. Punkt. Ausweglos. Egal, wie gut die Helden sind, sie sollen verlieren. Können sie fliegen? Dann hol sie vom Himmel. Sind sie extrem reichstreu? Egal, ihr Verbündeter täuscht sie trotzdem. Sind sie hochstufige Superhelden (was sogar vorgeschlagen wird)? Egal, der Feind gewinnt. Keine Widerrede. Das ganze Abenteuer dient nur dazu, einen Status Quo in einen anderen zu verwandeln, der halt für das Abenteuer Bahamuts Ruf benötigt wird.
      Das wird für viele Spieler frustrierend sein.

      Zum Glück folgt nun der Höhepunkt des Boten an unerwarteter Stelle: in einer Spielhilfe über Gargylen von Anton Weste. Ich konnte mit diesen Wesen bisher nicht viel anfangen, aber nachdem ich nun eine schlüssige, übersichtliche und vollständige Spielhilfe dazu habe, sieht das anders aus! Bestimmt werden die Steinkerle in Zukunft unser Spiel bereichern. Weste macht aus den wandelnden Statuen magische Wesen mit einer Geschichte, mit eigenen Mythen und Eigenarten. Wieviel Sorgfalt in diesem Text steckt, sieht man an den neuen Regeln, die eigens für die Gargyle gelten, aber nicht als unnötige Verkomplizierung, sondern als sinnvolle optionale Ergänzung. Nicht zuletzt eröffnet der Autor die Möglichkeit, einen intelligenten Wasserspeier als skurrilen „Mitbewohner“ in Heldenhaushalten einzuführen. Wirklich eine sehr gelungene Spielhilfe.

      Das war es aber dann im Wesentlichen mit dem Inhalt dieses Boten – und wir sind erst auf Seite 20! Es folgen, ich will mich nicht zu lange damit aufhalten:
      - die von mir mit Spannung erwartete Fortsetzung der Geschichte um des Kitab ash’Shifa, leider extrem kurz, dafür aber mit der Möglichkeit eines interaktiven Rätsels (so nutzt man das Nebeneinander von gedrucktem Boten und Internetangebot sinnvoll aus, soweit sehr schön!)
      - eine halbe Seite über einen gewissen Sohn einer gewissen gekrönten Dame – nicht uninteressant, aber: warum hier? warum jetzt? Wirkt auf mich wie ein Seitenfüller.
      - zwei Seiten Werbung für das neue DSA-Miniaturenspiel „Schicksalspfade“; daß ausgerechnet dieser Text auch in der Boten-Leseprobe veröffentlicht wurde, was die „Leseprobe“ zu einer Bündelung von Werbung und Ersatz für eine evtl. zerrissene Seite macht (siehe dort), mag verstehen, wer will…
      - zwei Seiten Werbung für die neuesten DSA-Publikationen sowie je einen Battletech- und einen Atlan-Roman
      - eine Leseprobe aus „Herr der Legionen“ von Judith Vogt – eng gedruckt, spannend geschrieben und szenisch gut ausgewählt, das ist kein Seitenfüller, sondern ein sinnvoller Abdruck.
      - eine Seite „technomantische Reise-Artefakte“ für Myranor: ein magisches Navigationsgerät (nett geschrieben, aber wohl eher ein Spielerscherz als ein ernst gemeintes Artefakt) und ein magisches Halfter für Reittiere (belanglos, das denkt sich jeder in zwei Minuten aus). Dieser Text bestärkt mich in meiner Meinung, daß ein längerer myranischer Artikel, gefolgt von einer Pause, dem Boten besser täte als die gegenwärtige Abfolge von zerstückelten guten Texten und „wir brauchen noch irgendwas für das nächste Heft“-Texten.

      Der letzte Beitrag vor den Meisterinformationen und der Chronologie ist dann noch mal ein Lichtblick: Der Autor von Im Schatten des Elfenbeinturms, Franz Janson, bereitet die potentielle Leserschaft auf den Allaventurischen Magierkonvent vor, indem er einen Überblick über die Lage in den Gilden, die Konventsthemen und das Konfliktpotential gibt. Ich freue mich angesichts dieses Ausblicks auf den Band.

      Aventurischer Teil
      Der Einhefter ist vielseitig gestaltet, mit Salamander und zwei Bildern. Die inneraventurischen Nachrichten haben mich allerdings überwiegend nicht „vom Hocker gehauen“. Für Wildermark-Freunde ist ein längerer Text über eine dort geschlagene Schlacht interessant; offenbar soll Ucurian von Rabenmund der große Bösewicht des Kampagnenbandes Mit wehenden Bannern werden. Um in diese Position gehoben zu werden, darf er sogleich eine kolossale Fehlentscheidung treffen, wie sie kaum Rabenmund-untypischer sein dürfte. Sein Vetter, auch ein traviagefälliger darpatischer von Rabenmund, köpft derweil ein paar Gänse, weil er so ein böser Bösewicht ist. Klar. Ich habe noch die Hoffnung, daß der Autor hier quasi-kaisertreue Propaganda geschrieben hat. Aber leider deuten die Meisterinformationen nicht darauf hin.
      Wirklich hängengeblieben ist aus dem Innenteil des Boten nur der Salamander-Teil, der den Manteltext zum Konvent unterstützt. Hier hat der Autor mit diversen Paukenschlägen ganze Arbeit geleistet, um den Konvent spannend zu machen. Lasst euch überraschen!

      Gesamteindruck und Fazit
      Leider habe ich den Eindruck, als hätte die Botenredaktion ihr derzeitiges Pulver für den letzten Boten verbrannt und nun nicht mehr genug Texte für das aktuelle Heft gehabt. Die #151 durchzieht eine gewisse Langeweile. Nicht, daß die abgedruckte Texte schlecht wären oder daß alles fehlerdurchseucht wäre. Das kann man nicht sagen. Es sind, wie ihr lesen konntet, durchaus einige Perlen dabei. Die Unterstützung der aktuellen Abenteuer ist da, die Texte sind mit früheren und künftigen verzahnt. Dennoch ist zuviel Füllmaterial im Heft und viel zu wenig Spielwert. Abgesehen vom im Ergebnis etwas enttäuschenden Szenario, der kurzen, absolut ortsgebundenen Tempelbeschreibung und der sehr gelungenen Wasserspeier-Spielhilfe ergibt sich aus diesem Boten ehrlich gesagt überhaupt kein Spielwert unabhängig von erst zu erwerbenden Abenteuern.

      Ich bin nicht komplett enttäuscht von diesem Heft, aber der Unterschied zum vorigen ist doch deutlich. Sehr wenige Fehler, nette Bilder und ein paar gute bis sehr gute Texte verhelfen dem 151. Boten trotz sehr viel Überflüssigem gerade noch zu
      :lol2: :lol2: :lol2: :lol2: :lol2: :lol2: :lol2: :flop: :flop: :flop: SIEBEN VON ZEHN ORKSCHÄDELN

      Nun vergessen wir diese Punktebewertung gleich wieder und ich sage direkter und genauer: Wenn euch Gargylen, einsame Rondratempel in der Grimmfrostöde oder die Verknüpfungen mit aktuellen bzw. bevorstehenden Abenteuern (Schleiertanz, Bahamuts Ruf, Im Schatten des Elfenbeinturms) reizen, dann holt euch den Boten. Wenn nicht, dann habt ihr diesmal nichts verpaßt. Ich gebe keine allgemeine Kaufempfehlung.

      Re: [Bote] - Nummer 151

      Moin.

      Danke für die Rezenssion. Ich habe mal zu ein paar Teilen ein paar Anmerkungen gemacht, dann kann man vielleicht besser nachvollziehen was dahinter steckt.

      Inhalt des Mantels
      Wie schon angedeutet, beginnt der Bote diesmal mit einer kleinen Enttäuschung: Alex Spohr lädt uns dazu ein, an einem Wettbewerb teilzunehmen. Genauer gesagt haben alle DSA-Freunde die Gelegenheit, im Rahmen des lebendigen Aventurien ihre Ideen zur Mirhamer Königsnachfolge einzubringen; die beste Idee wird dann in der offiziellen DSA-Geschichte umgesetzt. So weit, so schön. Ich mag so etwas. Das scheint der Artikel zu sein, auf den im letzten Boten angespielt wurde. Aber muß das 1. als Aufmacher 2. direkt nach dem Boten, in dem ausführlich über den Mirhamer Palast und die Spielumgebung berichtet wurde, 3. über 1 ½ Seiten und 4. mit etlichen Wiederholungen geschehen? Dieser Aufruf hätte doch wunderbar in einen kleinen Kasten (mit viel weniger Text) in den letzten Boten gepaßt. Hier macht es den Eindruck, als wäre da „auf Deibel komm raus“ noch etwas in das aktuelle Heft gepreßt worden, zumal, da der Hinweis auf den Wettbewerb auch im Ulisses-Blog steht. Wir zählen: Seitenfüller Nummer eins. Es kommen noch mehr.


      Tatsächlich war dies einer der ersten fertigen Artikel. Wor wollten den Aufruf tatsächlich etwas größer machen und nicht nur als kleinen Kasten neben der Palastbeschreibung, weil dies unser erster Wettbewerb zum Thema Lebendiges Aventurien war. :laechel:
      Dementsprechend haben wir mehr Platz eingeplant.

      Neben dem Artikel haben auch diesmal einige Kleinanzeigen im klassischen Botenstil den Weg aufs Papier gefunden.

      Wir werden wohl ab sofort in jedem Boten einige Kleinanzeigen unterbringen. :laechel:

      - die von mir mit Spannung erwartete Fortsetzung der Geschichte um des Kitab ash’Shifa, leider extrem kurz, dafür aber mit der Möglichkeit eines interaktiven Rätsels (so nutzt man das Nebeneinander von gedrucktem Boten und Internetangebot sinnvoll aus, soweit sehr schön!)


      Im nächsten Boten dann die Auflösung und der vorerst letzte Teil der Reihe. Die bisherigen Einsendungen beinhalten übrigens einige kuriose Antworten :laechel:

      - eine halbe Seite über einen gewissen Sohn einer gewissen gekrönten Dame – nicht uninteressant, aber: warum hier? warum jetzt? Wirkt auf mich wie ein Seitenfüller.


      Das ist recht einfach erklärt: Es wurde in Rückkehr des Kaisers eine Zeitangabe gemacht, ab wann man wieder etwas von dem Kind hört. Der Artikel soll eine Vorbereitung bzw. Hinweis sein, dass wir das nicht aus den Augen verloren haben und den Spielern einen Hinweis geben, in welche Richtung wir den Kleinen entwickeln wollen.
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